{"id":129406,"date":"2025-02-27T10:00:17","date_gmt":"2025-02-27T09:00:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=129406"},"modified":"2025-02-27T10:48:16","modified_gmt":"2025-02-27T09:48:16","slug":"konrad-breit-ueber-medien-hinter-jeder-information-steht-eine-intention-und-hinter-jeder-intention-steht-ein-geschaeftszweck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=129406","title":{"rendered":"Konrad Breit \u00fcber Medien: \u201eHinter jeder Information steht eine Intention und hinter jeder Intention steht ein Gesch\u00e4ftszweck\u201c"},"content":{"rendered":"<p>In erster Linie ist der &Ouml;sterreicher <strong>Konrad Breit<\/strong> <a href=\"https:\/\/www.konradbreit.com\/home\/\">Berater und Coach<\/a> f&uuml;r &bdquo;Change Management&ldquo;. Seit der Corona-Episode hat er sich intensiv mit der Ma&szlig;nahmen-Politik und der medialen Berichterstattung besch&auml;ftigt. Das Ergebnis ist sein Buch &bdquo;<a href=\"https:\/\/stichpunkt.media\/produkt\/objektiv-konfession-statt-profession-im-journalismus\/\">Objektiv &ndash; Konfession statt Profession im Journalismus<\/a>&ldquo;. Darin hat sich Breit nicht nur mit dem Mainstream und den sogenannten alternativen Medien besch&auml;ftigt, sondern beiden &bdquo;Fraktionen&ldquo; Raum gegeben und &uuml;ber Corona hinaus mit zahlreichen Journalisten Dialoge gef&uuml;hrt. Im NachDenkSeiten-Interview spricht er mit <strong>Tom J. Wellbrock<\/strong> &uuml;ber den Zustand und die Entwicklung der Medienlandschaft, in erster Linie aus &ouml;sterreichischer Perspektive.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9871\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-129406-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250225_Konrad_Breit_ueber_Medien_Hinter_jeder_Information_steht_eine_Intention_und_hinter_jeder_Intention_steht_ein_Geschaeftszweck_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250225_Konrad_Breit_ueber_Medien_Hinter_jeder_Information_steht_eine_Intention_und_hinter_jeder_Intention_steht_ein_Geschaeftszweck_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250225_Konrad_Breit_ueber_Medien_Hinter_jeder_Information_steht_eine_Intention_und_hinter_jeder_Intention_steht_ein_Geschaeftszweck_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250225_Konrad_Breit_ueber_Medien_Hinter_jeder_Information_steht_eine_Intention_und_hinter_jeder_Intention_steht_ein_Geschaeftszweck_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=129406-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250225_Konrad_Breit_ueber_Medien_Hinter_jeder_Information_steht_eine_Intention_und_hinter_jeder_Intention_steht_ein_Geschaeftszweck_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250225_Konrad_Breit_ueber_Medien_Hinter_jeder_Information_steht_eine_Intention_und_hinter_jeder_Intention_steht_ein_Geschaeftszweck_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Der Verlust der Deutungshoheit, vor allem des &Ouml;RR, geht rasant voran. Zu viele kritische, vor allem neue Medien sind in den letzten Jahren entstanden. Diese sorgen zwar f&uuml;r mehr Transparenz und Kritik, allerdings ist dort auch eine Vielfalt entstanden, der mit Skepsis zu begegnen ist. Im Buch &bdquo;Objektivit&auml;t &ndash; Konfession statt Profession im Journalismus&ldquo; wird aufgezeigt, dass die alleinige Konsumation neuer Medien auch nicht zu Objektivit&auml;t f&uuml;hrt, da es auch im &sbquo;Eck&lsquo; der neuen Medien zu viel Konfession gibt. Letztendlich ist es die Verantwortung des Konsumenten, sich in den deregulierten Wahrheitsm&auml;rkten die &sbquo;objektive Wahrheit&lsquo; (so es sie gibt) zu suchen.<\/p><p><strong>Tom J. Wellbrock: Herr Breit, in Ihrem Buchtitel kommt das Wort &bdquo;objektiv&ldquo; vor. Kluge K&ouml;pfe und Gelehrte streiten schon seit Ewigkeiten &uuml;ber die Frage, was &uuml;berhaupt Objektivit&auml;t sein kann, weil doch subjektive Perspektiven immer mit hineinspielen, wenn wir etwas betrachten. Wie w&uuml;rden Sie in Bezug auf Medienarbeit Objektivit&auml;t kennzeichnen?<\/strong><\/p><p><strong>Konrad Breit<\/strong>: Ich versuche, diese Frage nach &sbquo;Objektivit&auml;t&lsquo;, welche tats&auml;chlich schon sehr viele Philosophen an den Rand der Verzweiflung gebracht hat, ganz einfach zu beantworten (ich habe das etwas ausf&uuml;hrlicher im Buch als &bdquo;Anleitung zum professionellen Medienkonsum&ldquo; beschrieben):<\/p><ol>\n<li>Bewusst entscheiden, was wirklich relevant f&uuml;r Dein Leben ist (Pareto ist dabei eine gute Hilfe),<\/li>\n<li>Bewahren einer kritischen Distanz nicht nur zu Mainstream-, sondern auch zu alternativen Medien,<\/li>\n<li>Verfolgen eines pluralistischen Ansatzes beim Medienkonsum,<\/li>\n<li>Umgib Dich mit Menschen, die Dich bei 1 bis 3 unterst&uuml;tzen und inspirieren k&ouml;nnen.<\/li>\n<\/ol><p>Letzteres bedeutet auch, sich nicht nur in der eigenen Blase laufend best&auml;tigen zu lassen. Der &sbquo;Confirmation Bias&lsquo; lauert als Gefahr &uuml;berall.<\/p><p><strong>Bitte erl&auml;utern Sie &sbquo;Confirmation Bias&lsquo;!<\/strong><\/p><p>Auch <strong>Best&auml;tigungsfalle<\/strong> genannt. Es ist eine Tendenz, neue Information so zu interpretieren, dass sie mit unserer bestehenden Weltanschauung kompatibel sind. Das geht sogar so weit, dass wir &ndash; unbewusst &ndash; Infos, die unseren Glaubenss&auml;tzen widersprechen, rausfiltern. <\/p><p>Wir leben zurzeit besonders (eigentlich immer schon!) in diversen Blasen. Das Problem dabei ist, dass sich die jeweiligen Mitglieder nur mehr gegenseitig mit Infos versorgen, die ihrer gemeinsamen Haltung entsprechen. Ja, es geht sogar so weit, dass wir &ndash; auch unbewusst &ndash; nur mehr die Medien selektiv wahrnehmen, die uns in unserer Meinung best&auml;tigen. Fatal. <\/p><p>Ein weiteres spannendes Ph&auml;nomen ist die kognitive Dissonanzreduktion, auch <strong>Entscheidungsbedauern<\/strong> genannt. Wir erleben das tagt&auml;glich, dass Menschen, die in die Falle gegangen sind, dar&uuml;ber nichts mehr wissen wollen und schon gar nicht dar&uuml;ber reden wollen. Eine innere Dissonanz (=Konflikt) muss eben abgebaut werden. Ein ganz banales Beispiel aus dem normalen Alltag dazu: Wenn Du Dir etwas kaufst, Du aber zweifelst, ob das richtig war (innere Dissonanz), wirst Du alles um Dich herum so wahrnehmen bzw. interpretieren, dass diese Dissonanz reduziert werden kann. Und als Conclusio: Smarte Machtmenschen wissen &uuml;ber diese &ndash; und viele andere mehr &ndash; psychologischen Ph&auml;nomene sehr genau Bescheid.<\/p><p><strong>Zwischen 2020 und 2024 haben Sie zahlreiche Dialoge mit &ouml;sterreichischen Journalisten und Institutionen gef&uuml;hrt. Bevor wir gleich auf einzelne Aspekte eingehen: Wie w&uuml;rden Sie diese Gespr&auml;che zusammenfassen?<\/strong><\/p><p>Naja. Zum einen am&uuml;sant, da dadurch evident wurde, wie stereotyp sehr viele von ihnen ticken, und zum anderen erschreckend, wie gering die Feedback- und Selbstreflexionsresistenz ausgepr&auml;gt ist. Oft hatte ich das Gef&uuml;hl, Dialoge mit trivialen Maschinen zu f&uuml;hren. Wir im systemischen Beratungsumfeld unterscheiden zwischen trivialen und nicht trivialen Maschinen. Mein Buch ist ein weiteres Zeitdokument mit &ndash; ich nenne das einmal &ndash; empirischer Substanz. Eine Leserin schrieb mir k&uuml;rzlich Folgendes (sorry, wenn ich kurz Werbung mache):<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Ich bin hellauf begeistert. Hab mich gefreut, dass du mit diesem &ndash; so akribisch recherchierten &ndash; wirklich realistischen Zeit- und Stimmungsdokument so ins Schwarze getroffen hast!! Das wird noch ein &bdquo;Nachschlagewerk&ldquo; f&uuml;r die n&auml;chste Zeit &hellip;&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>In der Corona-Episode haben sich in Deutschland &ndash; vermutlich aber auch in &Ouml;sterreich &ndash; fast ausnahmslos alle Mainstreammedien auf die politische Regierungslinie eingeschossen. Selbst nach der anf&auml;nglichen Unsicherheit &uuml;ber die Auswirkungen des Virus, also mit wachsender Informationsdichte, &auml;nderte sich das kaum bis gar nicht. Offensichtlich ging es nicht darum, medial die Ma&szlig;nahmen-Politik zu begleiten und kritisch zu hinterfragen, sondern nur um den Transport der politischen Vorgaben. Ist diese Tatsache nicht schon ein Beleg f&uuml;r die Unm&ouml;glichkeit von Objektivit&auml;t?<\/strong><\/p><p>Ja. Die ab M&auml;rz 2020 erlebte Monotonie in der Berichterstattung war anfangs noch verst&auml;ndlich. Man starrte auf die t&auml;glich pr&auml;sentierten Grafiken, da niemand wirklich wusste, wie bedrohlich die Gefahr durch das C-Virus war. Im Verlauf der Zeit (gepr&auml;gt durch zus&auml;tzliche Erkenntnisse und Evidenzen) schien die Lernkurve der Medien hingegen kaum anzusteigen. Bis heute, mehr als vier Jahre danach, hat sich vor allem bei den Massenmedien nicht wirklich etwas ge&auml;ndert. Hin und wieder wird &ndash; eher hom&ouml;opathisch und, um nicht komplett die Glaubw&uuml;rdigkeit zu verlieren &ndash; eine dem jahrelang gepflegten Narrativ widersprechende Information &sbquo;eingestreut&lsquo;. So wird beispielsweise die durch die erzwungene Ver&ouml;ffentlichung der RKI-Files entstandene Transparenz von den meisten Medien nach wie vor entweder beschwichtigt oder einfach ignoriert. Aus meiner Sicht ist das bewusste Weglassen (oder Unterdr&uuml;cken) von Informationen auch FAKE.<\/p><p><strong>Vielfach diskutiert wird die Frage, ob Medien gleichgeschaltet &ndash; also von au&szlig;en beeinflusst &ndash; sind oder sich selbst zensieren. Tats&auml;chlich schreibt der <em>SPIEGEL<\/em> oft von der <em>S&Uuml;DDEUTSCHEN<\/em> ab und umgekehrt. Das gilt nat&uuml;rlich auch f&uuml;r andere Medien. Und &uuml;berhaupt: Die Gleichf&ouml;rmigkeit im Mainstream ist eklatant, und eine besondere Rolle scheinen die Nachrichtenagenturen zu spielen. Wie sch&auml;tzen Sie diese ein?<\/strong><\/p><p>Hinter jeder Information steht eine Intention und hinter jeder Intention steht ein Gesch&auml;ftszweck. Der Eindruck, dass die wichtigsten Medien in der Hand diverser Institutionen sind, wird immer offensichtlicher. Und dabei spielen weltweit agierende Presseagenturen eine essenzielle Rolle. Da gibt es auch eine Art Hierarchie: <em>Reuters<\/em> &amp; Co schreiben, <em>dpa<\/em> &amp; Co &uuml;bernehmen und die klassischen Medien &uuml;bernehmen auch, reduzieren zwar die Sprache auf ihre Zielgruppe und zeigen Kreativit&auml;t bei den Headlines. <\/p><p>Das mag &uuml;berzeichnet klingen, aber auch dazu gibt es genug Evidenzen. Man muss es aber auch irgendwie verstehen, da lokale und regionale Medien oft &sbquo;keine Chance&lsquo; zum Recherchieren haben. Nur, wenn z.B. der <em>ORF<\/em> als Quelle schreibt, dass &sbquo;die ukrainischen Luftlandetruppen gestern auf Facebook mitteilten&lsquo;, dann wei&szlig; man, wie weit man von Objektivit&auml;t entfernt ist. Im Buch ist auch ein Dialog mit einem Journalisten zu finden, der seine Arbeit damit begr&uuml;ndet, dass er sich schon seit 40 Jahren auf <em>Reuters<\/em> verl&auml;sst.<\/p><p><strong>Inwieweit sind Journalisten &uuml;berhaupt in der Lage, dem politischen Narrativ zu widersprechen bzw. kritisch dar&uuml;ber zu berichten? Meist haben wir es ja mit Freiberuflern oder befristet Angestellten zu tun, die ihren Job schnell verlieren k&ouml;nnen, wenn sie nicht &bdquo;kuschen&ldquo;.<\/strong><\/p><p>Ich <a href=\"https:\/\/stichpunkt-magazin.com\/medienbetrachtung-jenseits-von-gut-und-boese-gespraech-mit-dr-konrad-breit\/\">differenziere auch zu dieser Frage<\/a> ganz einfach: Die meisten glauben das wirklich, was sie schreiben (weil es ihrer Haltung entspricht und sie oft auch der Obrigkeit aus Wissenschaft &amp; Politik verfallen sind), und &ndash; tats&auml;chlich &ndash; viele haben auch existenzielle Motive, das zu reproduzieren, was gew&uuml;nscht ist. Dazu kommt nat&uuml;rlich die &ouml;konomische Situation vieler Medien. Spannend ist hier noch zu erg&auml;nzen, dass viele alternative Medien mit einer enormen intrinsischen Motivation &sbquo;RKI-Files&lsquo; und dergleichen nachsp&uuml;ren und &sbquo;fette Apparate&lsquo; wie die &Ouml;RR das nicht tun. Die meisten neuen, freien und alternativen Medien bekommen noch dazu kaum F&ouml;rderungen. Ich muss aber nochmals betonen, dass leider auch zahlreiche neue und alternative Medien (die sich gerne als &sbquo;f&uuml;nfte Gewalt im Staat&lsquo; bezeichnen) in einer eigenen Blase zu einseitigen Sichtweisen (wenn auch mit deutlich weniger Reichweite) tendieren.<\/p><p><strong>Gerade k&uuml;rzlich gingen die sogenannten Fakten-Checker durch die Medien, die von Mark Zuckerberg von seinen Plattformen geworfen wurden. &Auml;hnliches hatte zuvor Elon Musk auf <em>X<\/em> gemacht. K&uuml;nftig sollen die Nutzer richtige oder unwahre Behauptungen checken und entsprechend kommentieren k&ouml;nnen. Sehen Sie das als Chance oder Kosmetik?<\/strong><\/p><p>Jedenfalls sind die Chancen nach Objektivit&auml;t gr&ouml;&szlig;er als bisher. Das ist eindeutig. Allerdings wird es nicht ausbleiben, dass es in Zukunft Aufgabe der Konsumenten sein wird, sich &uuml;ber das Lesen verschiedener Medien eigene Wahrheiten zu &sbquo;basteln&lsquo;. Wollte man dieses Problem angehen bzw. etwas tiefer beleuchten, m&uuml;ssten wir in unsere Ausbildungssysteme einsteigen. Was an Schule und Hochschulen abl&auml;uft, kann ich etwas beurteilen (ich habe seit 1988 durchgehend Lehrauftr&auml;ge) und noch besser Michael Meyen, der das in seinem Buch &bdquo;Der dressierte Nachwuchs&ldquo; recht gut beschreibt.<\/p><p><strong>In Ihrem Buch behandeln Sie unter anderem das Thema &bdquo;Autorit&auml;res versus partizipatives Krisenmanagement als Ambivalenz&ldquo;. Was meinen Sie damit?<\/strong><\/p><p>Danke f&uuml;r die Frage. Das ist ein tolles Thema, wird allerdings oft zu akademisch betrachtet. Ich versuche, mich kurzzuhalten: Zentralisierung versus Dezentralisierung ist im Business-Kontext ein Dauerbrenner und polarisiert nicht nur in der Managementwissenschaft, sondern in allen gesellschaftspolitischen Belangen. So, wie es Konjunkturzyklen gibt, so wechseln sich Zeiten mit mehr (Taylorismus) oder weniger (Human Relations) Zentralisierung ab. Beide Begriffe sind in ihrer Extremform organisatorisch allerdings irrelevant (Ausnahmen wie China, Nordkorea etc. best&auml;tigen die Regel):<\/p><ul>\n<li>Zentralisation pur = ein zentrales Organ entscheidet, totalit&auml;rer Staat<\/li>\n<li>Dezentralisation pur = jeder entscheidet ohne Bezug zum Zentrum, Basisdemokratie, Holokratie.<\/li>\n<li>In der Praxis geht es um ein Kontinuum zwischen den Extremen (Schwedens Weg in der C-Zeit).<\/li>\n<\/ul><p>Herrscht in Unternehmen nun bereits seit Jahrzehnten ein Trend in Richtung dezentraler Organisationsstrukturen vor, erleben wir die Umsetzung globaler Strategien (SDGs, Agenda 2030) aktuell anders. Wir sehen heute eine klare Hierarchie (einige wenige entscheiden) und klare Absichten nach Kontrolle und &Uuml;berwachung. Hoch entwickelte IT- und Kontrollsysteme (inkl. KI) spielen eine besondere Rolle dabei. Die dementsprechende, gut orchestrierte Begleitung erfolgt durch eine (meist abh&auml;ngige) Medienlandschaft. Kontrolle kommt nicht mehr durch Ketten oder Mauern (Feudalismus 1.0), sondern durch Ideen, die in unserem Geist eingepflanzt werden &ndash; still, unsichtbar und oft t&ouml;dlich (Feudalismus 2.0). Um es konkreter zu machen: Der beabsichtigte Pandemievertrag illustriert eine Renaissance des Taylorismus sehr gut. Entm&uuml;ndigung und Kollektivierung sind weitere Folgen davon. Gro&szlig;es und Neues kann oft nur autorit&auml;r umgesetzt werden. In vielen Facetten sind beispielsweise gr&uuml;ne Bewegungen schon so weit links, dass sie unten rechts wieder rausschauen.<\/p><p><strong>Widmen wir uns dem zweiten Teil Ihres Buches &bdquo;Reale Diskurse mit Journalisten&ldquo;. Er besteht aus Dialogen, die Sie mit Journalisten gef&uuml;hrt haben. Einem leitenden ORF-Redakteur schrieben Sie in Bezug auf die Berichterstattung &uuml;ber Corona mit der Bitte um Antwort Folgendes: <em>&bdquo;<\/em><\/strong><em><strong>Es muss auch klar berichtet werden, dass der ORF als Leitmedium nach wie vor einen sehr wesentlichen Beitrag zur Ausgrenzung, etc. leistet. Ein bisschen Selbstreflexion oder auch einmal einen Fehler zugeben, t&auml;te der Institution gut. Sehr viele Menschen wenden sich vom ORF ab. Knapp zwei Millionen Menschen werden aktuell ausgegrenzt. Im Wording gibt es nur mehr &sbquo;Brave und B&ouml;se&lsquo;.&ldquo;<\/strong><\/em> Wie war die Reaktion darauf?<\/p><p>Hier die Antwort: <em>&bdquo;Sie erlauben mir, die Sache etwas anders zu sehen: Dem ORF vorzuwerfen, er leiste einen &sbquo;wesentlichen Beitrag zur Spaltung der Gesellschaft&lsquo;, ist falsch. Im Gegenteil, gerade l&auml;uft eine Kampagne dazu&ldquo; <\/em>(der Redakteur hat mir ein paar Werbesujets dazugeh&auml;ngt) &hellip; Weiter geht es:<\/p><p>&bdquo;<em>Dar&uuml;ber hinaus berichten wir in unseren Sendungen ausf&uuml;hrlich &uuml;ber alle Aspekte der Pandemie &ndash; und auch &uuml;ber die gesellschaftlichen Probleme, die sie aufwirft. Neben diversen Diskussionssendungen wie &hellip;&ldquo;<\/em> (er f&uuml;gte eine Aufz&auml;hlung von Sendungen mit Links an). Ich k&ouml;nnte noch einiges hier anf&uuml;hren, der Punkt ist, dass es weder Bewusstsein noch Interesse zur Selbstreflexion gegeben hat (und noch immer zu wenig gibt).<\/p><p><strong>Der Dialog ging noch etwas weiter &hellip;<\/strong><\/p><p>Zu meinem Feedback, dass sich viele Menschen vom <em>ORF<\/em> abwenden, kam Folgendes: <em>&bdquo;Und wenn Sie schreiben, die Menschen wenden sich vom ORF ab, ist das ebenfalls nicht richtig: Die Nachrichten-Sendungen haben seit der Pandemie extrem hohe Quoten. Die Nutzung des ORF-Programms ist auf dem h&ouml;chsten Stand seit 10 Jahren.&ldquo;<\/em><\/p><p>Diese Konversation fand Anfang des Jahres 2022 statt.<\/p><p><strong>Die in Ihrem Buch abgedruckten Dialoge sind spannend, zum Teil auch ersch&uuml;tternd. Haben Sie denn den Eindruck, dass die sogenannten alternativen Medien eher zur eigenen Weiterentwicklung und Selbstreflexion in der Lage sind?<\/strong><\/p><p>Was die Landschaft alternativer Medien anbelangt, muss man sehr gut differenzieren. Schauen Sie sich den Mediennavigator an: Einige bleiben &ndash; dogmatisch &ndash; im Eck des Widerstandes, und somit ist kaum Weiterentwicklung und Selbstreflexion gew&uuml;nscht. Einige entwickeln sich gut in Richtung &sbquo;Profession&lsquo;, sprich, in die Mitte zwischen konformer und nicht-konformer Berichterstattung. Leider bilden solche eher die Ausnahme. So, wie es auch in der klassischen Medienblase zu beobachten ist: Die meisten bleiben dogmatisch bei ihren Erz&auml;hlungen (<em>Spiegel<\/em>, <em>SZ<\/em>, <em>Standard<\/em>, <em>Profil<\/em>, &hellip;), einige bewegen sich gut in Richtung &sbquo;Profession&lsquo;. Hier m&ouml;chte ich insbesondere die <em>Berliner Zeitung<\/em> nennen.<\/p><p>Wissen Sie, was ein Grundproblem ist? Die Themen sind so vielf&auml;ltig &ndash; von Pandemie, Ukraine, Gaza, Energie bis zu allen links-woken Themen (Fr&uuml;hsexualisierung, Gender, &hellip;) &ndash;, dass sich innerhalb dieser Themen die Positionierungen der Medien als sehr heterogen zeigen und sich auch immer wieder &auml;ndern (Anmerkung: Solche Verwirrungen k&ouml;nnten auch gewollt und orchestriert sein). So beobachte ich in den diversen Widerstandsbewegungen (ich selbst bin kein Freund vom Wort Widerstand, sondern eher f&uuml;r W&ouml;rter wie Aufkl&auml;rung, Freiheit, etc.) dieselben &ndash; allzu menschlichen &ndash; Ph&auml;nomene des Neides, der Ausgrenzung und Diffamierung, wie sie offiziell eigentlich bek&auml;mpft werden sollen. Das ist nicht gut, und von einer Einigkeit bei Grundwerten wie Toleranz, Selbstreflexionsf&auml;higkeit und Wertsch&auml;tzung ist diese Szene weit entfernt. Das alles geht &uuml;ber eine reine Links-rechts-Positionierung hinaus. Das Verbindende sollte meiner Meinung nach das &sbquo;Menschliche im Menschen&lsquo; sein, egal welche Hautfarbe, welche Ethnie, welche sexuelle Orientierung und, und, und. Menschen haben zwar unterschiedliche Hautfarben, Seelen haben das nicht. Ich wei&szlig; nicht, ob ich meine Botschaft damit auf den Punkt bringen kann.<\/p><p>Eines muss ich allerdings noch erg&auml;nzen: Ich glaube, dass das links-woke Thema so stark (f&uuml;r eine relativ kleine Minderheit) &uuml;bertrieben wurde, dass eine kritische Masse von Menschen l&auml;ngst erreicht ist und es aktuell wieder eine starke R&uuml;ckbesinnung zu konservativeren Werten gibt. Und konservativ ist weder schlecht noch rechts. Ich pers&ouml;nlich halte mich an Antoine de Rivarol, der meinte: &bdquo;Konservatismus ist nicht ein H&auml;ngen an dem, was gestern war, sondern ein Leben aus dem, was immer gilt.&ldquo;<\/p><p><strong>Was empfehlen Sie Mediennutzern? &Uuml;ber den nicht ganz einfachen Begriff der Objektivit&auml;t haben wir ja schon gesprochen. Wie kann man Methoden der L&uuml;ge und politischer Narrative durchschauen?<\/strong><\/p><p>Dazu f&auml;llt mir Folgendes ein:<\/p><ul>\n<li>pflege authentische Beziehungen und forme B&uuml;ndnisse<\/li>\n<li>suche bewusst auch Infos au&szlig;erhalb Deiner Blase<\/li>\n<li>deaktiviere gewisse Nachrichtenkan&auml;le<\/li>\n<li>nimm Dir Zeit, B&uuml;cher zu lesen (ohne digitale St&ouml;rungen)<\/li>\n<li>nimm Dir mindestens einmal am Tag Zeit, um nachzudenken<\/li>\n<\/ul><p><strong>In Deutschland wird immer wieder die Abschaffung des &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunks diskutiert. Sehen Sie darin eine Alternative?<\/strong><\/p><p>Die Wahrheit liegt &ndash; wie in so vielen Dingen des Lebens &ndash; in der Mitte: Es braucht jedenfalls, auch in &Ouml;sterreich, eine fundamentale Reform. Und, wie ich im Buch schreibe, wir brauchen die vierte S&auml;ule im Staat wie einen Bissen Brot. Eine Zwangsgeb&uuml;hr kann es nicht sein (Haushaltsabgabe in &Ouml;sterreich seit 2024). Organisationen wie der <em>ORF<\/em> brauchen einen Change, eine wesentliche Transformation kann nur mit den wichtigsten Stakeholdern, sprich Redakteuren, passieren. <\/p><p>Es gibt sehr valide Studien, dass die Diskrepanz zwischen Journalismus und Gesellschaft zu gro&szlig; ist. Laut einer <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/gallup?ref=article_a\">Gallup<\/a>-Studie unter repr&auml;sentativ ausgew&auml;hlten Medienschaffenden in &Ouml;sterreich f&uuml;hlten sich 34 Prozent von ihnen den Gr&uuml;nen am n&auml;chsten, die &Ouml;VP kam auf 14 Prozent, die SP&Ouml; auf neun Prozent. Zum Vergleich: Bei der letzten Nationalratswahl lagen die Gr&uuml;nen bei rund acht Prozent, Redaktionen und Bev&ouml;lkerung liegen also weit auseinander. Und ich vermute einmal, dass es in Deutschland auch nicht viel anders ist.<\/p><p><small>Titelbild: Andrey_Popov\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In erster Linie ist der &Ouml;sterreicher <strong>Konrad Breit<\/strong> <a href=\"https:\/\/www.konradbreit.com\/home\/\">Berater und Coach<\/a> f&uuml;r &bdquo;Change Management&ldquo;. Seit der Corona-Episode hat er sich intensiv mit der Ma&szlig;nahmen-Politik und der medialen Berichterstattung besch&auml;ftigt. Das Ergebnis ist sein Buch &bdquo;<a href=\"https:\/\/stichpunkt.media\/produkt\/objektiv-konfession-statt-profession-im-journalismus\/\">Objektiv &ndash; Konfession statt Profession im Journalismus<\/a>&ldquo;. Darin hat sich Breit nicht nur mit dem Mainstream und den sogenannten<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=129406\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":129407,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,209,41],"tags":[2218,2938,313,2005,2108,2947,1919,3505,1935],"class_list":["post-129406","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-interviews","category-medienanalyse","tag-alternative-medien","tag-autoritarismus","tag-oerr","tag-fake-news","tag-filterblase","tag-herdenjournalismus","tag-lueckenpresse","tag-massenmedien","tag-presseagenturen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Shutterstock_2106891404.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/129406","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=129406"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/129406\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":129418,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/129406\/revisions\/129418"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/129407"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=129406"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=129406"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=129406"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}