{"id":129667,"date":"2025-03-04T14:00:29","date_gmt":"2025-03-04T13:00:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=129667"},"modified":"2025-03-05T15:17:05","modified_gmt":"2025-03-05T14:17:05","slug":"der-kampf-um-syrien-geht-weiter-die-syrer-bleiben-im-ungewissen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=129667","title":{"rendered":"Der Kampf um Syrien geht weiter \u2013 Die Syrer bleiben im Ungewissen"},"content":{"rendered":"<p>Knapp drei Monate nach dem Sturz des alten syrischen Systems bringen sich die Staaten, die den &bdquo;Regime Change&ldquo; in Syrien direkt oder indirekt herbeif&uuml;hrten, in Stellung. Die T&uuml;rkei, USA, Israel und europ&auml;ische Staaten versuchen, das Land nach ihren territorialen und wirtschaftlichen Interessen aufzuteilen. Die arabischen Golfstaaten positionieren sich gegen Israel und betonen die Unterst&uuml;tzung der Interimsf&uuml;hrung von Ahmed al-Sharaa (Hayat Tahrir al-Sham, HTS). Iran und Russland intensivieren direkt und indirekt diplomatische Kontakte mit der HTS-Interimsf&uuml;hrung. Russland will die Pr&auml;senz von zwei St&uuml;tzpunkten in Syrien (Latakia, Tartus) sichern. Iran will diplomatisch Spannungen gegen Verb&uuml;ndete in der Region (Hisbollah im Libanon, Volksmobilisierungskr&auml;fte im Irak) entgegenwirken. Von <strong>Karin Leukefeld<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_772\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-129667-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250305-Kampf-um-Syrien-geht-weiter-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250305-Kampf-um-Syrien-geht-weiter-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250305-Kampf-um-Syrien-geht-weiter-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250305-Kampf-um-Syrien-geht-weiter-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=129667-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250305-Kampf-um-Syrien-geht-weiter-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250305-Kampf-um-Syrien-geht-weiter-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Territoriale Neuordnung?<\/strong><\/p><p>Die T&uuml;rkei k&ouml;nnte &ndash; nach einem Vorschlag von Parteigr&uuml;nder Abdullah &Ouml;calan &ndash; &uuml;ber die Entwaffnung und Aufl&ouml;sung der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) verhandeln. Der Vorsto&szlig; wird von den USA und EU-Staaten wie Deutschland unterst&uuml;tzt. Vorschlag und Verhandlungen k&ouml;nnten sich direkt auf die Lage im Nordosten Syriens auswirken. Dort haben von der PKK ausgebildete und gef&uuml;hrte bewaffnete Einheiten im Syrienkrieg den Einsatz vor Ort f&uuml;r die US-gef&uuml;hrte Allianz gegen den Islamischen Staat erbracht. Im Gegenzug konnten die kurdisch gef&uuml;hrten Syrischen Demokratischen Kr&auml;fte (SDF) die ressourcenreichen Gebiete n&ouml;rdlich des Euphrat kontrollieren.<\/p><p>Ob und wie ein R&uuml;ckzug der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) in dem Gebiet stattfinden wird, bleibt abzuwarten. Die USA haben im Verlauf des Syrienkrieges wiederholt einen Zusammenschluss der Kurden aus dem Nordosten Syriens mit den Kurden im Norden des Iraks thematisiert, was im Laufe des Syrienkrieges zu einer st&auml;rkeren Zusammenarbeit der sehr verschiedenen kurdischen Organisationen gef&uuml;hrt hat. Auf Dauer aber d&uuml;rfte ein Erstarken kurdischer Autonomie &uuml;ber ein vergr&ouml;&szlig;ertes Territorium weder vom Irak noch von Syrien, nicht von der T&uuml;rkei und auch nicht vom Iran unterst&uuml;tzt werden.<\/p><p>Deutschland unterst&uuml;tzt die Entwaffnung und Aufl&ouml;sung der Arbeiterpartei Kurdistans, wie <a href=\"https:\/\/www.auswaertiges-amt.de\/de\/newsroom\/2702474-2702474\">Kanzleramt und Ausw&auml;rtiges Amt in Berlin erkl&auml;rten<\/a>.<\/p><p>Mit Frankreich hat Deutschland im Auftrag der EU ma&szlig;geblich dazu beigetragen, dass die langj&auml;hrigen einseitigen wirtschaftlichen Strafma&szlig;nahmen gegen Syrien <a href=\"https:\/\/www.auswaertiges-amt.de\/de\/service\/laender\/syrien-node\/reise-syrien-2692328\">zumindest teilweise aufgehoben wurden<\/a>.<\/p><p>Beide Staaten hatten seit 2011 jede Lockerung der Sanktionen ebenso abgelehnt wie den Dialog mit der amtierenden syrischen Regierung von Bashar al-Assad. Mit der Unterst&uuml;tzung syrischer Menschenrechtsorganisationen (im Ausland) hat Deutschland sich die Strafverfolgung syrischer Gewaltverbrechen und Folter auf die Fahnen geschrieben. Eine in Damaskus geplante Konferenz zum Thema &bdquo;Staatsfolter&ldquo; (unter der alten Regierung von Bashar al-Assad) wurde ohne Angabe von Gr&uuml;nden <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/asien\/syrien-folter-aufarbeitung-gerichte-100.html\">kurzfristig abgesagt<\/a>.<\/p><p>Unter Missachtung des internationalen Rechts r&uuml;ckt die israelische Armee seit dem HTS-Einmarsch in Damaskus (8. Dezember 2023) immer weiter auf syrisches Territorium vor. Mit einer massiven Angriffswelle &ndash; mehr als 400 Luftangriffe innerhalb von zwei Tagen &ndash; zerst&ouml;rte Israel s&auml;mtliche Milit&auml;ranlagen der ehemaligen syrischen Streitkr&auml;fte. Vor wenigen Tagen bombardierte die israelische Luftwaffe erneut Ziele s&uuml;dlich von Damaskus und forderte eine <a href=\"https:\/\/apnews.com\/article\/israel-syria-buffer-zone-military-netanyahu-6a107f835d4262b56551ad940a5144d7\">entmilitarisierte Pufferzone<\/a> f&uuml;r die s&uuml;dlichen syrischen Provinzen Qunaitra, Deraa und Sweida.<\/p><p>S&auml;mtliche arabischen Golfstaaten sowie Jordanien, &Auml;gypten und die T&uuml;rkei verurteilen das Vorgehen Israels in Syrien und fordern den Abzug der israelischen Besatzungstruppen sowie die Wahrung der territorialen Integrit&auml;t und Souver&auml;nit&auml;t Syriens. Katar weist darauf hin, dass die USA nicht bereit seien, die finanziellen Sanktionen gegen Syrien und die HTS-Interimsregierung aufzuheben. Das verhindere ein finanzielles Engagement Katars in dem Land. Der Emir von Katar, Tamim bin Hamid al Thani, hatte Ende Januar Damaskus besucht und finanzielle Unterst&uuml;tzung speziell f&uuml;r die Angestellten und Beamten im Staatsdienst Syriens <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/middle-east\/us-sanctions-hold-up-qatari-support-syria-sources-say-2025-02-26\/\">zugesagt<\/a>.<\/p><p>&bdquo;<strong>Offen f&uuml;r Gesch&auml;fte&ldquo;<\/strong><\/p><p>Die selbst ernannte HTS-Interimsregierung in Damaskus hat das Verhalten Israels in Syrien wiederholt verurteilt und fordert den R&uuml;ckzug der Besatzungstruppen. Ansonsten zeigt sich die HTS-F&uuml;hrung in alle Richtungen &bdquo;offen f&uuml;r Gesch&auml;fte&ldquo; (open for business) und hat die Privatisierung bisheriger Staatsbetriebe in Aussicht gestellt, so Interims-Au&szlig;enminister Al-Shibani im <a href=\"https:\/\/youtu.be\/zIgVAiSvjME\">Gespr&auml;ch mit dem ehemaligen britischen Premierminister Tony Blair<\/a> auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos.<\/p><p>Der von Hayat Tahrir al-Sham (HTS) eingesetzte Interimsminister f&uuml;r &Ouml;l und Ressourcen Ghiath Diab hat die Entscheidung der Au&szlig;enminister der Europ&auml;ischen Union (24. Februar 2025) begr&uuml;&szlig;t, die Sanktionen gegen den syrischen Energiesektor zun&auml;chst befristet aufzuheben. Die Entscheidung sei &bdquo;ein positiver Schritt f&uuml;r den Wiederaufbau der nationalen Wirtschaft&ldquo;, hie&szlig; es in einer Erkl&auml;rung, die von der syrischen Tageszeitung <em>Al Watan<\/em> (26. Februar 2025) auszugsweise ver&ouml;ffentlicht wurde. Damit werde die Stabilit&auml;t in Syrien gest&auml;rkt, denn &bdquo;der Energiesektor ist eine der wichtigsten S&auml;ulen&ldquo; der syrischen Wirtschaft. Diab rief &bdquo;die Unternehmen, die fr&uuml;her im &Ouml;lsektor t&auml;tig waren, auf, nach Syrien zur&uuml;ckzukehren und mit ihrem Know-how und ihren Investitionen zur Entwicklung dieses wichtigen Sektors beizutragen&ldquo;.<\/p><p>Bereits am 19. Februar 2025 <a href=\"https:\/\/data.consilium.europa.eu\/doc\/document\/ST-6227-2025-ADD-1\/en\/pdf\">hatte der Europ&auml;ische Rat beschlossen<\/a>, &bdquo;hinsichtlich der Lage in Syrien einen Teil der Strafma&szlig;nahmen auszusetzen, um die Zusammenarbeit mit dem Land, seiner Bev&ouml;lkerung und Unternehmen in den Bereichen Energie, Verkehr und Wiederaufbau sowie die damit verbundenen Finanz- und Bankgesch&auml;fte zu erm&ouml;glichen&ldquo;.<\/p><p>Der &bdquo;Sturz des Assad-Regimes&ldquo; markiere &bdquo;den Beginn einer neuen &Auml;ra der Hoffnung f&uuml;r das syrische Volk&ldquo;, hei&szlig;t es in der Erkl&auml;rung. &bdquo;Alle Syrer, im Land und in der Diaspora&ldquo; sollten die M&ouml;glichkeit haben, sich &bdquo;am Wiederaufbau ihres Landes zu beteiligen&ldquo;. Die EU stehe in diesem Moment des &Uuml;bergangs an der Seite des syrischen Volkes.<\/p><p><strong>Zur Erinnerung an 2011<\/strong><\/p><p>Die EU hatte im Fr&uuml;hjahr 2011 die &Ouml;l- und Gasf&ouml;rderung und Export Syriens mit einseitigen Sanktionen blockiert, um &bdquo;das syrische Regime&ldquo; daf&uuml;r zu bestrafen, &bdquo;Gewalt gegen das eigene Volk&ldquo; auszu&uuml;ben. Es folgten weitere, <a href=\"https:\/\/www.consilium.europa.eu\/en\/policies\/syria\/#sanctions\">j&auml;hrlich verl&auml;ngerte Strafma&szlig;nahmen<\/a> gegen staatliche und private Unternehmen, Regierungsmitglieder und Gesch&auml;ftsleute.<\/p><p>Erg&auml;nzt wurden die von der EU verh&auml;ngten Straf- oder Beugema&szlig;nahmen (restrictive measures) durch Finanzsanktionen der USA (&bdquo;C&auml;sar-Gesetz&ldquo;), die private, staatliche und jede Art von Investitionen in Syrien <a href=\"https:\/\/www.ohchr.org\/en\/press-releases\/2020\/12\/us-must-remove-sanctions-and-allow-syria-rebuild-un-expert\">blockierten<\/a>.<\/p><p>Einseitig von Staaten oder Staatengemeinschaften verh&auml;ngte wirtschaftliche Straf- oder Beugema&szlig;nahmen (Sanktionen) sind nach dem internationalen Recht illegal. Wegen der schwerwiegenden Folgen solcher Ma&szlig;nahmen f&uuml;r die Bev&ouml;lkerung, die wirtschaftlichen M&ouml;glichkeiten und die Entwicklung eines Landes ist nur der Weltsicherheitsrat befugt, diese Art von Sanktionen zu verh&auml;ngen.<\/p><p>Zuletzt hatte der Europ&auml;ische Rat am 25. November 2024 &ndash; nur wenige Tage vor dem &bdquo;Sturz des Regimes&ldquo; in Damaskus, drei neu ernannte Minister der syrischen Regierung (Handel und Verbraucherschutz, &Ouml;l und Ressourcen und einen Staatsminister) auf die EU-Sanktionsliste gesetzt. Damit standen 318 Personen und 86 Unternehmen auf der <a href=\"https:\/\/www.consilium.europa.eu\/en\/press\/press-releases\/2024\/11\/25\/syria-council-adds-three-individuals-to-sanctions-list-for-continued-repression-and-human-rights-violations\/\">EU-Sanktionsliste<\/a>.<\/p><p><strong>Nationaler Dialog<\/strong><\/p><p>Am 25.\/26. Februar 2025 fand in Damaskus ein <a href=\"https:\/\/www.jordantimes.com\/news\/region\/syria-conference-lays-out-post-assad-priorities-denounces-provocative-netanyahu-remarks\">&bdquo;Nationaler Dialog&ldquo;<\/a> statt. Eingeladen hatte ein Vorbereitungskomitee, das von der selbst ernannten HTS-Interimsregierung beauftragt worden war. Berichten zufolge nahmen rund 600 eingeladene Personen von St&auml;mmen, aus der Religion und der Zivilgesellschaft teil, rund 10.000 sollen sich per Internet zugeschaltet haben. Politische Parteien waren nicht zu dem Treffen eingeladen. Bewaffnete Gruppen, die ihre Waffen erst abgeben wollen, wenn es eine Verfassung, Wahlen, ein Parlament und eine frei gew&auml;hlte neue Regierung gibt, waren ebenfalls ausgeschlossen. Betroffen von dem Ausschluss waren Alawiten, Kurden und Drusen sowie einige Gruppen, die der HTS-Allianz angeh&ouml;ren.<\/p><p>As-Sharaa hatte bei seiner Ernennung zum Interimspr&auml;sidenten (29. Januar 2025) Parlament und politische Parteien verboten und die Verfassung au&szlig;er Kraft gesetzt. Es werde f&uuml;nf Jahre bis zu den n&auml;chsten Wahlen dauern, sagte er. Eine Verfassung werde fr&uuml;hestens in drei Jahren ausgearbeitet werden.<\/p><p>Das Treffen fand im Pr&auml;sidentenpalast statt und wurde vom HTS-ernannten Interimspr&auml;sidenten Ahmed al-Sharaa er&ouml;ffnet. Eine vorbereitete Abschlusserkl&auml;rung umfasste 18 Punkte, die nach Auskunft des Vorbereitungskomitees als Grundlage f&uuml;r staatliche Reformen der Institutionen dienen und das politische Leben, Wirtschaft, Verteidigung und die Gesetze Syriens betreffen sollen. Gefordert wurde auch der Abzug der israelischen Truppen.<\/p><p><strong>Israel fordert entmilitarisierte Pufferzone im S&uuml;den Syriens<\/strong><\/p><p>Begleitet wurde der &bdquo;Dialog&ldquo; von massiven Bombenangriffen der israelischen Luftwaffe auf Ziele s&uuml;dlich von Damaskus (Al Kisweh) und in der Provinz Deraa. Der israelische Ministerpr&auml;sident Benjamin Netanjahu hatte am 23. Februar 2025 erkl&auml;rt, Israel werde &bdquo;weder den HTS-Kr&auml;ften noch der neuen Syrischen Armee erlauben, das Gebiet s&uuml;dlich von Damaskus&ldquo; zu betreten. Er forderte eine <a href=\"https:\/\/apnews.com\/article\/israel-syria-buffer-zone-military-netanyahu-6a107f835d4262b56551ad940a5144d7\">&bdquo;komplette Demilitarisierung S&uuml;dsyriens in den Provinzen Qunaitra, Deraa und Suwaida&ldquo;<\/a>. Netanjahu warnte vor Angriffen auf die &bdquo;Drusengemeinschaft&ldquo; im S&uuml;den Syriens und bot den Drusen an, auf den (von Israel besetzten) syrischen Golanh&ouml;hen zu arbeiten.<\/p><p>Verteidigungsminister Israel Katz erg&auml;nzte, die israelische Armee werde auf der Spitze des Hermon Berges (Jbeil Scheich) bleiben, die eigentlich zu Syrien geh&ouml;rt. Man werde dort, in der UN-kontrollierten Pufferzone auf den syrischen Golanh&ouml;hen sowie im S&uuml;den Syriens unbefristet bleiben, &bdquo;um unsere Bev&ouml;lkerung vor Drohungen zu besch&uuml;tzen&ldquo;. Katz best&auml;tigte, dass Israel auf dem Berg Hermon (Jbeil Scheich) zwei und in der UN-Pufferzone sieben Milit&auml;rbasen errichtet habe. Israel werde mit &bdquo;freundlichen Bev&ouml;lkerungsgruppen in der Region&ldquo;, speziell mit den Drusen seine Beziehungen vertiefen. Gegen jede Bedrohung aber werde man hart reagieren.<\/p><p><strong>Wir wissen nicht, was geschieht<\/strong><\/p><p>F&uuml;r die Bev&ouml;lkerung des Landes herrscht vor allem Ungewissheit. Die neuen Machthaber verbreiten ausgew&auml;hlte Informationen &uuml;ber einen Telegram-Kanal, der &uuml;ber ein Handy empfangen werden kann. Informationen &uuml;ber den Nationalen Dialog oder internationale Absprachen gebe es nur &bdquo;sp&auml;rlich&ldquo;, sagt eine Gespr&auml;chspartnerin. Sie wusste zwar, dass es einen &bdquo;Nationen Dialog&ldquo; geben sollte, hatte von dem eint&auml;gigen Treffen im Pr&auml;sidentenpalast am 25. Februar aber nichts geh&ouml;rt. Es habe sich herumgesprochen, dass in vielen Teilen des Landes gegen die Besatzung und gegen Israel protestiert werde, das sei beruhigend.<\/p><p>Der Alltag gestaltet sich weiter schwierig. In zahlreichen Telefongespr&auml;chen beschreiben Gespr&auml;chspartner (aus Damaskus) der Autorin ihren Alltag. Hunderttausende wurden entlassen und stehen ohne Arbeit und ohne Einkommen da. Es habe Proteste gegeben, aber keine L&ouml;sung. Rentner, Pension&auml;re erhielten kein oder zu wenig Geld. Die Banken zahlten weiterhin nur geringe Summen aus, der Stand des US-Dollar gegen&uuml;ber dem Syrischen Pfund bestimme die Preise. Nur wenige in Syrien verf&uuml;gen allerdings &uuml;ber US-Dollar-Reserven. Brot und Transportkosten seien weiterhin sehr teuer, andere Preise auf dem Markt schwankten mit einer Tendenz nach unten. Positiv sei, dass die Stromversorgung sich verbessert habe. Die &Ouml;lfelder von Deir Ez Zor seien der HTS-Interimsregierung &uuml;bergeben worden, das sei wohl der Grund daf&uuml;r, dass sich die Stromversorgung langsam stabilisiere, sagt eine Gespr&auml;chspartnerin. Bisher habe es lediglich eine oder zwei Stunden Strom aus dem staatlichen Netz gegeben, jetzt seien es vier oder f&uuml;nf Stunden. &bdquo;Wir sind bescheiden geworden&ldquo;, f&uuml;gt sie hinzu.<\/p><p>Viele sind mit b&uuml;rokratischen Dingen besch&auml;ftigt. Abgelaufene Ausweise und Aufenthaltsgenehmigungen werden seit drei Monaten nicht bearbeitet. Der Grund bleibt unklar. Die Ank&uuml;ndigung, monatliche Geh&auml;lter um das 400-Fache anzuheben, erwies sich als &bdquo;M&auml;rchen aus 1001 Nacht&ldquo;, sagt ein Gespr&auml;chspartner. Er selbst habe ein kleines Unternehmen und seit Monaten keine Auftr&auml;ge bekommen. Die meisten Leute, die er kenne, seien ohne Arbeit. &bdquo;Die Menschen sind arbeitslos und haben kein Geld auszugeben, so ist das&ldquo;, f&uuml;gt er hinzu. &bdquo;Wir warten, wir warten.&ldquo;<\/p><p>Der am Wochenende beginnende Fastenmonat Ramadan zeigt bereits drastische Ver&auml;nderungen f&uuml;r die Bev&ouml;lkerung. Bisher gab es in Syrien &ndash; wo es viele verschiedene Glaubensgemeinschaften gibt &ndash; diesbez&uuml;glich keine staatlichen Anordnungen. Die religi&ouml;se Vorgabe ist, dass Muslime im Fastenmonat zwischen Sonnenauf- und -untergang nicht essen und auch nicht trinken sollen. Nun m&uuml;ssen Restaurants und Imbisse tags&uuml;ber geschlossen bleiben. Unklar ist, ob Hotels Essen servieren d&uuml;rfen, zumal Kranke und Reisende von der Fastenpflicht befreit sind.<\/p><p>Auf die Frage, ob es wieder Polizei gebe, hei&szlig;t es, &bdquo;schwarze vermummte M&auml;nner&ldquo; seien in den Stra&szlig;en unterwegs, meist in Vierergruppen. Sie geh&ouml;rten zum Innenministerium. Ehemalige Polizisten konnten sich bewerben, wurden &uuml;berpr&uuml;ft und erhielten eine kurze Ausbildung. Die &bdquo;schwarzen M&auml;nner&ldquo; bezeichneten sich selbst nicht als Polizei, sondern als &bdquo;Sicherheitskr&auml;fte&ldquo;. Er sei nicht der Einzige, der sich dar&uuml;ber aufregt, dass diese M&auml;nner vermummt seien, berichtet ein Gespr&auml;chspartner. &bdquo;Wir wissen gar nicht, mit wem wir es zu tun haben. Sie zeigen ihr Gesicht nicht.&ldquo;<\/p><p><small>Titelbild: &copy; Karin Leukefeld<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Knapp drei Monate nach dem Sturz des alten syrischen Systems bringen sich die Staaten, die den &bdquo;Regime Change&ldquo; in Syrien direkt oder indirekt herbeif&uuml;hrten, in Stellung. Die T&uuml;rkei, USA, Israel und europ&auml;ische Staaten versuchen, das Land nach ihren territorialen und wirtschaftlichen Interessen aufzuteilen. Die arabischen Golfstaaten positionieren sich gegen Israel und betonen die Unterst&uuml;tzung der<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=129667\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":129668,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,20,171],"tags":[1876,1557,2069,1530,1418,259,1553,2868,1019],"class_list":["post-129667","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-landerberichte","category-militaereinsaetzekriege","tag-europaeischer-rat","tag-israel","tag-militaerstuetzpunkte","tag-pkk","tag-regime-change","tag-russland","tag-syrien","tag-truppenverlegung","tag-wirtschaftssanktionen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/241225-leukefeld.jpeg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/129667","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=129667"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/129667\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":129727,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/129667\/revisions\/129727"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/129668"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=129667"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=129667"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=129667"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}