{"id":129695,"date":"2025-03-05T10:00:06","date_gmt":"2025-03-05T09:00:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=129695"},"modified":"2026-01-27T11:50:40","modified_gmt":"2026-01-27T10:50:40","slug":"medien-und-der-ukraine-krieg-vom-schrecken-bereinigte-bilder-im-sinne-der-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=129695","title":{"rendered":"Medien und der Ukraine-Krieg: Vom Schrecken bereinigte Bilder im Sinne der Politik"},"content":{"rendered":"<p>Vom Schrecken und vom Grauen an der Front bereinigt &ndash; so erscheint der Krieg in der Ukraine viel zu oft in den Medien. Nach drei Jahren des Kampfes wird von Hunderttausenden von toten, verst&uuml;mmelten und traumatisierten Soldaten auf beiden Seiten der Front ausgegangen. Das Kriegsgrauen wird aber in der Berichterstattung kaum sichtbar. Warum ist das so? Ein Kommentar von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9184\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-129695-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250305_Medien_und_der_Ukraine_Krieg_Vom_Schrecken_bereinigte_Bilder_im_Sinne_der_Politik_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250305_Medien_und_der_Ukraine_Krieg_Vom_Schrecken_bereinigte_Bilder_im_Sinne_der_Politik_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250305_Medien_und_der_Ukraine_Krieg_Vom_Schrecken_bereinigte_Bilder_im_Sinne_der_Politik_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250305_Medien_und_der_Ukraine_Krieg_Vom_Schrecken_bereinigte_Bilder_im_Sinne_der_Politik_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=129695-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250305_Medien_und_der_Ukraine_Krieg_Vom_Schrecken_bereinigte_Bilder_im_Sinne_der_Politik_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250305_Medien_und_der_Ukraine_Krieg_Vom_Schrecken_bereinigte_Bilder_im_Sinne_der_Politik_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Wer die Berichterstattung weiter Teile der Medien hierzulande verfolgt, wird feststellen: Ihre Beitr&auml;ge zeigen nahezu nie den Krieg. Was sie zeigen, sind politisch bereinigte Bilder, die das Grauen unsichtbar machen. Die Beitr&auml;ge zum Ukraine-Krieg lassen den Krieg als Gebilde erscheinen, das Journalisten aus abstrakten Begriffen zusammensetzen. &bdquo;Angriff&rdquo;, &bdquo;Gegenangriff&rdquo;, &bdquo;verteidigt&rdquo;, &ldquo;Nachschub an Soldaten&rdquo;, &bdquo;K&auml;mpfe gehen weiter&ldquo;, &bdquo;Panzer, die zum Einsatz kommen&ldquo; &ndash; und so geht es hoch und runter im Bl&auml;tterwald. Gewiss: Jeder, der nachdenkt, wei&szlig; auch ohne drastische Bilder, dass sich hinter diesen Begriffen das schiere Grauen verbirgt. Allerdings l&auml;sst sich dieses Wissen auch leicht ignorieren, wenn man vom heimischen Sofa aus zur Rede aufschwingt, warum ein Land weiterk&auml;mpfen soll. Hinzu kommt: Wer m&ouml;chte schon beim Abendessen vor der <em>Tagesschau<\/em> mit Bildern, die tats&auml;chlich den Horror des Krieges zeigen, bel&auml;stigt werden? Was Soldaten an der Front wirklich durchleiden, das wollen viele weder sehen noch sich vorstellen.<\/p><p><em>Ein<\/em> Grund daf&uuml;r, dass Medien grausame Bilder nicht zeigen, ist nachvollziehbar. Ein Journalismus, der sich gegen&uuml;ber berufsethischen Standards und gesetzlichen Vorgaben verpflichtet sieht, kennt die Grenzen des Zeigbaren. Bei der Ver&ouml;ffentlichung von Bildern, die Leid, Zerst&ouml;rung und den Horror des Krieges zeigen wollen, sind Grenzen gesetzt. Das ist vern&uuml;nftig und richtig, denn es geht hierbei unter anderem auch um die W&uuml;rde der Opfer.<\/p><p>Allerdings ist es sehr schwer, das Grauen zu zeigen, ohne das Grauen zu zeigen. Sprache kann beschreiben, sie kann sehr plastisch sein in der Darstellung des Grauens. An die Wirkung der Bilder wird sie trotzdem kaum herankommen. Wenn ein Krieg in Europa abl&auml;uft, der uns doch, nach Aussagen von Politik und Medien, &bdquo;alle&ldquo; betrifft, w&auml;re dann nicht eine ungesch&ouml;nte Dokumentation des Grauens angebracht? Was w&auml;re, wenn jene Bilder, die wirklich die Brutalit&auml;t des Krieges zeigen w&uuml;rden, f&uuml;r die breite &Ouml;ffentlichkeit zu sehen w&auml;ren?<\/p><p>Diese Frage geht tief, denn sie ber&uuml;hrt die zu Recht bestehenden Grenzen innerhalb der Presseberichterstattung und kollidiert mit einer weiteren elementaren Frage, n&auml;mlich: W&uuml;rde der gezeigte Horror vielleicht dazu f&uuml;hren, dass sowohl in den kriegf&uuml;hrenden L&auml;ndern als auch in den Unterst&uuml;tzerstaaten die Bereitschaft, den Krieg m&ouml;glichst schnell zu beenden, ansteigt?<\/p><p>Der Eindruck entsteht, dass dieses Ausblenden einer Gruppe sehr gelegen kommt: n&auml;mlich der Fraktion der Kriegstreiber. Wer m&ouml;chte, dass ein Krieg gef&uuml;hrt wird, dass sich junge M&auml;nner freiwillig f&uuml;r den Kampf an der Front melden, der hat ein Interesse daran, dass die Realit&auml;t des Krieges gefiltert und in kleinen, verdaulichen Happen der &Ouml;ffentlichkeit serviert wird. Kein kriegf&uuml;hrendes Land und kein Land, dass eine Kriegspartei mit Waffen unterst&uuml;tzt, will zeigen, welche furchtbaren Sch&auml;den am Menschen durch die gelieferten Waffen angerichtet werden.<\/p><p>Zwar gibt es bisweilen Bilder, die auch das Grauen des Krieges sichtbar machen, aber dann geht es meistens um ein einseitiges propagandistisches Zeigen, das dazu dienen soll, auf die Brutalit&auml;t des &bdquo;Feindes&ldquo; hinzuweisen und die Bev&ouml;lkerung hinter die veranschlagte Kriegspolitik zu bringen.<\/p><p>Gezeigt werden darf im Sinne der Propaganda, der Manipulation und des Feindbildaufbaus nur, wie unmenschlich der &bdquo;b&ouml;se Gegner&ldquo; bei seinen Angriffen vorgeht. Und selbst da tariert die Propaganda genau aus: Die Barbarei des Feindes sichtbar machen? Ja, aber nur so, dass der feine Grad zwischen gesch&uuml;rter Wut und dem Kippen der Wut in Angst eingehalten wird. Schlie&szlig;lich sollen die M&auml;nner des Landes nicht noch auf die Idee kommen, dass es besser ist, sich vom Schrecken der Front fernzuhalten.<\/p><p>Auch wenn es hier und da tats&auml;chlich kritische Berichte geben sollte, die versuchen, das Monstr&ouml;se des Krieges in der Ukraine nicht propagandistisch, sondern journalistisch vertretbar sichtbar zu machen &ndash; gut. Nur: In Anbetracht der Menge an Beitr&auml;gen, die verschleiern, die camouflieren, die ausblenden und unsichtbar machen, sind Berichte dieser Art nahezu bedeutungslos. Sie k&ouml;nnen sogar ganz im Sinne der verlogenen Kriegspolitik dazu dienen, bei entsprechenden Vorw&uuml;rfen als Alibiberichte aus der Schublade gezogen zu werden, um zu versuchen, die Anschuldigungen einer einseitigen Berichterstattung zu entkr&auml;ften.<\/p><p>Bei Lichte betrachtet: Medien schaffen es hierzulande nicht einmal, die l&auml;ngst unz&auml;hligen Rekrutierungsvideos auf den Stra&szlig;en der Ukraine der deutschen &Ouml;ffentlichkeit in der Breite sichtbar zu machen. L&auml;ngst machen sogar Mitglieder der US-Regierung auf <a href=\"https:\/\/x.com\/MyLordBebo\/status\/1895752927991792126\">Zwangsrekrutierungen<\/a> in der Ukraine auf offener Stra&szlig;e <a href=\"https:\/\/x.com\/ggreenwald\/status\/1896231753142185997\">aufmerksam<\/a>. In Deutschland pr&auml;sentieren Medien allenfalls ein paar emotional bereinigte Artikel, die das Vorgehen der ukrainischen Beh&ouml;rden thematisieren.<\/p><p>An dieser Stelle dr&auml;ngt sich eine weitere Frage auf: Wie sieht es mit der politischen Motivation im Journalismus aus, wenn es darum geht, den Kriegsschrecken zu gl&auml;tten und Videos von Zwangsrekrutierungen nicht zu zeigen? Wer als Journalist auf diese Weise die vorherrschende Politik st&uuml;tzen will, betreibt Verrat an seinem Beruf &ndash; denn er dient damit <em>nicht<\/em> der Berichterstattung, sondern der Manipulation und Propaganda.<\/p><p><small>Titelbild: cunaplus\/shutterstock.com<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/8d190d15f80045888301284203418eb3\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom Schrecken und vom Grauen an der Front bereinigt &ndash; so erscheint der Krieg in der Ukraine viel zu oft in den Medien. Nach drei Jahren des Kampfes wird von Hunderttausenden von toten, verst&uuml;mmelten und traumatisierten Soldaten auf beiden Seiten der Front ausgegangen. Das Kriegsgrauen wird aber in der Berichterstattung kaum sichtbar. 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