{"id":129750,"date":"2025-03-06T09:00:44","date_gmt":"2025-03-06T08:00:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=129750"},"modified":"2025-03-06T13:16:38","modified_gmt":"2025-03-06T12:16:38","slug":"general-a-d-kujat-und-botschafter-a-d-varga-grosse-chancen-fuer-frieden-in-der-ukraine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=129750","title":{"rendered":"General a. D. Kujat und Botschafter a. D. Varga: Gro\u00dfe Chancen f\u00fcr Frieden in der Ukraine"},"content":{"rendered":"<p>Die Chancen f&uuml;r einen Frieden in der Ukraine sind gestiegen und inzwischen hoch &ndash; so sch&auml;tzten Ende Februar in Berlin der ehemalige Bundeswehr-Generalinspekteur und fr&uuml;here Vorsitzende des NATO-Milit&auml;rausschusses <strong>General a. D. Harald Kujat<\/strong> und der fr&uuml;here ungarische Diplomat <strong>Gy&ouml;rgy Varga<\/strong> die aktuelle Lage ein. Die beiden hochrangigen Experten wurden <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=K5UEodKM_ds\">von der Eurasien Gesellschaft eingeladen<\/a>, die sich nach eigenen Angaben f&uuml;r &bdquo;friedliche Koexistenz und kooperative Beziehungen der L&auml;nder Eurasiens&ldquo; einsetzt. Ein Bericht von <strong>&Eacute;va P&eacute;li<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3243\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-129750-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250306-Kujat-Varga-Grosse-Chancen-fuer-Frieden-in-Ukraine-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250306-Kujat-Varga-Grosse-Chancen-fuer-Frieden-in-Ukraine-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250306-Kujat-Varga-Grosse-Chancen-fuer-Frieden-in-Ukraine-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250306-Kujat-Varga-Grosse-Chancen-fuer-Frieden-in-Ukraine-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=129750-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250306-Kujat-Varga-Grosse-Chancen-fuer-Frieden-in-Ukraine-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250306-Kujat-Varga-Grosse-Chancen-fuer-Frieden-in-Ukraine-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Mit dem Telefonat von US-Pr&auml;sident Donald Trump und dem Pr&auml;sidenten von Russland, Wladimir Putin, am 12. Februar 2025 sei eine &bdquo;neue Phase der Weltpolitik&ldquo; eingel&auml;utet worden, sagte <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/scharping-ade-kujat-wird-oberster-nato-militaer-a-168701.html\">General a. D. Harald Kujat<\/a> bei der <a href=\"https:\/\/www.eurasien-gesellschaft.org\/\">Veranstaltung<\/a> &uuml;ber das Thema &bdquo;Chancen f&uuml;r Frieden in der Ukraine &ndash; der Trump-Putin-Gipfel&ldquo;.<\/p><p>&bdquo;Diese Chancen h&auml;ngen direkt mit dem Erscheinen der neuen US-amerikanischen Regierung zusammen, und leider sie sind nicht auf die Entscheidungen der EU- und NATO-Elite zur&uuml;ckzuf&uuml;hren&ldquo;, f&uuml;gte Gy&ouml;rgy Varga, ehemaliger ungarischer Botschafter in Moldau, hinzu.<\/p><p>US-Pr&auml;sident Trump setze sich seit Monaten f&uuml;r die Beendigung des Krieges ein, so Varga, doch die EU-B&uuml;rokraten in Br&uuml;ssel w&uuml;rden nicht verstehen, welche Chance die EU habe, &bdquo;ohne die USA einen Krieg gegen Russland zu gewinnen, wenn drei Jahre, zusammen mit den USA, genug waren, nur zu verlieren&ldquo;. Er war von 2017 bis 2021 der Leiter der Beobachtermission der Organisation f&uuml;r Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in der Ukraine an der 410 Kilometer langen ukrainisch-russischen Grenze im Donbass.<\/p><p>Varga sagte, Putins &bdquo;gr&ouml;&szlig;ter Fehler&ldquo; sei gewesen, die EU als rationalen Akteur zu sehen, der nicht bereit sei, sich aus ideologischen Gr&uuml;nden selbst zu zerst&ouml;ren. Die westliche Politik habe trotz der Verhandlungsbereitschaft Moskaus und nun unter Trump auch Washingtons nur das Interesse, eine Friedensl&ouml;sung zu verz&ouml;gern, stellte der Botschafter fest.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wenn sich die EU als rationaler Akteur benehmen w&uuml;rde, h&auml;tte der Krieg innerhalb von zwei Monaten, im April 2022, beendet werden k&ouml;nnen, als sich Moskau und Kiew dazu in Istanbul verabredeten.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Kritik an der westlichen Politik<\/strong><\/p><p>&Auml;hnlich kritisch &uuml;ber die westliche Politik in Bezug auf den Ukraine-Krieg &auml;u&szlig;erte sich Kujat. Mit Blick auf die katastrophale Lage der Ukraine sagte er: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wenn man die sich immer mehr abzeichnende milit&auml;rische Niederlage abwenden will, dann muss es rechtzeitig vorher zu einem Waffenstillstand und zu Friedensverhandlungen kommen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Der NATO-General a. D. sprach sich entschieden gegen die Entsendung von &bdquo;Friedenstruppen&ldquo; aus EU- oder anderen westlichen Staaten aus. Solche Truppen w&uuml;rden von Russland nicht akzeptiert, wie russische Politiker bereits mehrfach erkl&auml;rten. Zudem wies er auf die logistische Herausforderung hin, eine &uuml;ber tausend Kilometer lange Trennlinie mit ausreichend Soldaten zu &uuml;berwachen. Seiner Einsch&auml;tzung nach w&auml;re die EU nicht in der Lage, die daf&uuml;r erforderliche Truppenst&auml;rke bereitzustellen.<\/p><p>Kujat pl&auml;dierte f&uuml;r eine Friedensmission der Vereinten Nationen, die auf Artikel 7 der UN-Charta basieren sollte. Diese w&uuml;rde die st&auml;rksten verf&uuml;gbaren Sicherheitsgarantien bieten. Weiterhin geht er davon aus, dass nach Abschluss der derzeit geplanten Verhandlungen eine internationale Friedenskonferenz mit einer Vielzahl von Staaten zur Ukraine tagen wird.<\/p><p><strong>Verpasste Chancen f&uuml;r die Ukraine<\/strong><\/p><p>Der ehemalige OSZE-Missionsleiter Varga erinnerte daran, dass zwischen 2014 und 2022 nichts geschah, um die Lage zu verbessern: Die Kiewer Regierung habe mit der Umsetzung der vom UN-Sicherheitsrat einstimmig gebilligten Minsker Abkommen gar nicht begonnen und sogar seit 2020 offen dar&uuml;ber gesprochen, die Vereinbarungen nicht umsetzen zu wollen.<\/p><p>Zugleich habe der Westen sich nicht daf&uuml;r eingesetzt, dass die Ukraine die Minsker Vereinbarungen einh&auml;lt, und keine entsprechenden Sanktionen eingeleitet. Varga erinnerte daran, dass Alt-Bundeskanzlerin Angela Merkel und der ehemalige franz&ouml;sische Pr&auml;sident Fran&ccedil;ois Hollande im Dezember 2022 erkl&auml;rten, dass die Vereinbarungen von Minsk der Ukraine nur Zeit geben sollten, sich auf einen Krieg vorzubereiten.<\/p><p>Da es in den acht Jahren seit 2014 keine positiven Ver&auml;nderungen gegeben habe, habe Russlands Pr&auml;sident Putin im Dezember 2021 der NATO vorgeschlagen, die Ukraine nicht in das westliche Milit&auml;rb&uuml;ndnis aufzunehmen. Das sei abgelehnt worden, weil Russland dabei kein Mitspracherecht habe.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die heutige europ&auml;ische Krise wurde nicht nur durch die milit&auml;rische Aggression Russlands verursacht, sondern auch durch die schlechten Antworten des kollektiven Westens auf die Prozesse in der gemeinsamen Nachbarschaft zwischen Europa und Russland 2008, 2014, 2021, 2022 und auch heute.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Varga verwies auf die sich durch Kiewer Ma&szlig;nahmen verschlechternde Lage der russischen Bev&ouml;lkerungsgruppe in der Ostukraine ab 2014. Die EU habe diesen Schritt nicht sanktioniert, obwohl die Minderheiten der EU-Mitgliedsstaaten (Polen, Ungarn, Rum&auml;nen) dadurch ebenfalls erhebliche Einbu&szlig;en erlitten. Russland habe es f&uuml;r legitim gehalten, seine nachweislich schwer diskriminierte ethnische und sprachliche Minderheit von Millionen Russen in dem Nachbarland zu verteidigen.<\/p><div class=\"imagewrap\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250303-Bild1_250227Varga-Kujat.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p><small>Foto: General a. D. Harald Kujat und der fr&uuml;here ungarische Diplomat Gy&ouml;rgy Varga im Gespr&auml;ch bei der Eurasien Gesellschaft in Berlin &ndash; Quelle: Tilo Gr&auml;ser<\/small><\/p><p>Die negative Rolle westlicher Politiker habe sich auch gezeigt, als diese im Fr&uuml;hjahr 2022 das in Istanbul ausgehandelte ukrainisch-russische Abkommen zur Einstellung der Kampfhandlungen torpedierten. Damit sei nach April 2022 &bdquo;nicht nur Russland f&uuml;r die Fortsetzung des Krieges verantwortlich, sondern auch die NATO-Elite&ldquo;, so der ehemalige Botschafter.<\/p><p>Der kollektive Westen habe den Krieg nicht isoliert, sondern ihn stattdessen internationalisiert. Eine diplomatische L&ouml;sung sei von ihm w&auml;hrend des Krieges unerw&uuml;nscht gewesen und nicht unterst&uuml;tzt worden. Die derzeitige EU-Politik habe trotz k&uuml;nstlicher Angstmache nicht die Absicht, die russischen Sicherheitsinteressen nach einem Abstand zur NATO durch eine &bdquo;Pufferzone&ldquo; zu ber&uuml;cksichtigen, stellte Varga klar.<\/p><p><strong>Zwei Z&uuml;ge durch Europa<\/strong><\/p><p>Kujat sieht eine &bdquo;ganz entscheidende geopolitische Wende&ldquo; aufgrund der Bereitschaft Washingtons und Moskaus, &uuml;ber einen Neubeginn ihrer Beziehungen und eine m&ouml;gliche k&uuml;nftige Partnerschaft zu sprechen. Dagegen setze die EU den Konfrontationskurs fort und habe einen Tag nach dem Trump-Putin-Telefonat Beschl&uuml;sse wie neue Sanktionen gefasst, um den Krieg fortzusetzen.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Deutlicher kann nicht bewiesen werden, dass der US-amerikanische und der russische Zug in eine Richtung fahren und der europ&auml;ische Zug in eine andere Richtung. Der amerikanisch-russische Zug f&auml;hrt in Richtung Frieden und der europ&auml;ische Zug f&auml;hrt in Richtung Fortsetzung des Krieges.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Das westliche Narrativ verschweige, dass Russland weder die EU noch die NATO angegriffen oder sanktioniert hat, sagte Botschafter a. D. Varga. Beide Organisationen h&auml;tten sich selbst entschieden, ihre L&auml;nder in den Krieg zu zwingen, anstatt den Konflikt zu isolieren und zu l&ouml;sen. Der Krieg werde als Aggression gegen die EU und die &bdquo;demokratische Welt&ldquo; dargestellt, um die internationale Unterst&uuml;tzung zu maximieren.<\/p><p>Die neue US-F&uuml;hrung unter Pr&auml;sident Trump versuche, einen Weltkrieg zu verhindern, und wolle Russlands Sicherheitsinteressen akzeptieren. Dagegen wolle der europ&auml;ische Mainstream in der EU Russland weiter provozieren, anstatt die ver&auml;nderte US-Politik f&uuml;r eine realpolitische Kurskorrektur zu nutzen, so Varga. <\/p><p><strong>Ma&szlig;nahmen f&uuml;r europ&auml;ische Sicherheits- und Friedensordnung<\/strong><\/p><p>Kujat sprach sich unter anderem f&uuml;r eine eigenst&auml;ndigere EU-Politik sowie daf&uuml;r aus, dass die NATO auf dem europ&auml;ischen Kontinent ein Gleichgewicht der milit&auml;rischen Kr&auml;fte herstellt. Durch politische Ma&szlig;nahmen wie Abr&uuml;stung und R&uuml;stungskontrolle, vertrauensbildende Ma&szlig;nahmen sowie Dialog und wirtschaftliche Zusammenarbeit k&ouml;nne ein &bdquo;tragf&auml;higer Frieden&ldquo; erreicht und stabilisiert werden.<\/p><p>Er betonte die Notwendigkeit, China in die Friedensbem&uuml;hungen f&uuml;r die Ukraine einzubeziehen, und forderte die Wiederaufnahme der Gespr&auml;che &uuml;ber nukleare Abr&uuml;stung. In der ver&auml;nderten geopolitischen Haltung der USA bestehe eine Chance f&uuml;r die Gestaltung einer neuen europ&auml;ischen Sicherheitsarchitektur.<\/p><p>Trump k&ouml;nnte &bdquo;beispielsweise mit Russland vereinbaren, dass Russland seine Streitkr&auml;fte aus Wei&szlig;russland abzieht. Im Gegenzug dazu k&ouml;nnten die US-amerikanischen Verb&auml;nde aus den &ouml;stlichen Teilen Europas abgezogen werden, insbesondere die Kampftruppen, die seit Beginn des Ukrainekrieges zus&auml;tzlich nach Europa verlegt wurden.&ldquo; &Auml;hnlich k&ouml;nne es einen Abzug von Mittelstreckenraketen und Raketensystemen auf beiden Seiten geben.<\/p><p>Bereits diese wenigen Ma&szlig;nahmen w&uuml;rden eine Phase der Entspannung zwischen den beiden Gro&szlig;m&auml;chten mit dem Abschluss weiterer R&uuml;stungskontrollvertr&auml;ge und vertrauensbildenden Ma&szlig;nahmen einleiten und dazu beitragen, den Weg zu einer europ&auml;ischen Sicherheits- und Friedensordnung zu ebnen, so der ehemalige hochrangige Milit&auml;r.<\/p><p><strong>Wider die Kriegshysterie<\/strong><\/p><p>Kujat distanzierte sich von den Aussagen deutscher &bdquo;sogenannter Milit&auml;rexperten&ldquo;, die ein erh&ouml;htes Kriegsrisiko in Europa prognostizieren. Er widersprach der These, Russland plane die Vernichtung der Ukraine und Europa m&uuml;sse sich auf einen Gro&szlig;krieg einstellen.<\/p><p>Russland werde keinen Krieg gegen die NATO f&uuml;hren, ist sich Kujat sicher und sagte, ihm sei nicht bekannt, worauf die deutschen &bdquo;Experten&ldquo; ihre Aussage st&uuml;tzen. Zur Debatte um eine m&ouml;gliche NATO-Mitgliedschaft der Ukraine erkl&auml;rte er, die Position der USA dazu sei nicht neu, da Trump-Vorg&auml;nger Joseph Biden im Juni 2024 <a href=\"https:\/\/time.com\/6984968\/joe-biden-transcript-2024-interview\/\">in einem Interview erkl&auml;rte<\/a>, die Ukraine werde kein NATO-Mitglied sein.<\/p><p>Die EU habe es selbst zu verantworten, dass sie bei den Verhandlungen f&uuml;r ein Kriegsende nicht gefragt sei, so General a. D. Kujat, der betonte: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Seit Ausbruch des Krieges gab es weder von der Europ&auml;ischen Kommission noch von einem der gro&szlig;en europ&auml;ischen Staaten eine Initiative zur Beendigung des Krieges.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Im Gegenteil dazu sei Ungarns Regierungschef Orb&aacute;n f&uuml;r seine Gespr&auml;che mit Kiew, Moskau, Peking und Washington f&uuml;r eine Friedensl&ouml;sung &bdquo;ma&szlig;los kritisiert&ldquo; worden. Ihn habe &uuml;berrascht, so Kujat, dass den EU-Politikern nicht bekannt zu sein schien, dass die US-F&uuml;hrung die Ukraine nie in die NATO aufnehmen wollte und will.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Europ&auml;ische Politiker k&auml;mpfen auch heute f&uuml;r die Fortsetzung des Krieges, ohne auf die Interessen von 450 Millionen EU-B&uuml;rgern und der Ukraine R&uuml;cksicht zu nehmen&ldquo;, so Varga.\n<\/p><\/blockquote><p>Heute f&uuml;hre die Ukraine mit der Unterst&uuml;tzung von mehr als 40 westlichen L&auml;ndern einen bewaffneten Kampf, um Gebiete zur&uuml;ckzuerobern. Dabei habe Kiew deren friedliche Wiedereingliederung in das politische und wirtschaftliche System seit 2015 trotz der ukrainischen Verpflichtungen nach den Minsker Vereinbarungen verweigert. Das Scheitern der Ukraine-Politik des kollektiven Westens sei f&uuml;r die meisten offensichtlich, so Varga.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die EU finanziert den Krieg eines Landes, das nicht Mitglied der Union ist. Die Mitgliedstaaten der NATO sind de facto Teilnehmer in einem Krieg, in dem kein NATO-Mitglied verteidigt werden muss&ldquo;, erkl&auml;rte der ehemalige Botschafter.\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Die Rolle der NATO-Osterweiterung<\/strong><\/p><p>Die beiden renommierten Redner haben unterschiedliche Sichten auf die Rolle der NATO und auf die NATO-Osterweiterung in der Entwicklung des Konflikts und f&uuml;r seine L&ouml;sung.<\/p><p>Varga erinnerte an zwei Meilensteine auf dem Weg zum Krieg in der Ukraine: <a href=\"https:\/\/www.stern.de\/politik\/ausland\/ukraine-und-georgien-die-nato-in-moskaus-vorgarten-3084932.html\">Die Zusage an die Ukraine und Georgien<\/a> f&uuml;r eine NATO-Mitgliedschaft auf dem NATO-Gipfel im April 2008 in Bukarest sowie <a href=\"https:\/\/www.derstandard.at\/story\/2000011236567\/ex-premier-umsturz-in-ukraine-von-usa-gesteuert\">der US-unterst&uuml;tzte Staatstreich<\/a> in Kiew im Februar 2014.<\/p><p>Mit dem Angebot von 2008 habe die NATO die Souver&auml;nit&auml;t der Ukraine missachtet, die sich seit ihrer Unabh&auml;ngigkeit in ihren grundlegenden Dokumenten als &bdquo;st&auml;ndig neutrales und blockfreies&ldquo; Land definiert habe. Dabei sei auch die Tatsache ignoriert worden, dass es in der Ukraine keine gesellschaftliche Unterst&uuml;tzung f&uuml;r eine NATO-Mitgliedschaft gab. Zum zweiten Punkt sagte Varga:<\/p><p>Beide Ereignisse seien ein Versto&szlig; gegen das Budapester Memorandum von 1994, das sowohl die Grenzen als auch die Souver&auml;nit&auml;t der Ukraine garantierte. Varga war damals selbst an der <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=125695\">Verabschiedung des Dokuments<\/a> in der ungarischen Hauptstadt beteiligt.<\/p><p>Die NATO habe mit den Ereignissen von 2008 und 2014 zuerst gegen das Memorandum versto&szlig;en. Sie habe zudem seit 2014 Zehntausende ukrainische Soldaten ausgebildet und die CIA an der ukrainische-russischen Grenze Spionageposten eingerichtet, erinnerte Varga.<\/p><p>Ebenfalls erinnerte er daran, dass die EU- und die NATO-Eliten sich in der US-amerikanischen Wahlkampagne auf der Seite von Joseph Biden und damit der Fortsetzung des Krieges gestellt h&auml;tten. Doch die W&auml;hler in den USA &bdquo;haben den Kandidaten gew&auml;hlt, der versprochen hat, den Krieg schnell zu beenden&ldquo;. <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Aufrichtige Politiker, die vor einem Krieg mit Russland Angst haben, w&auml;ren die Ersten, eine Pufferzone zwischen der NATO und Russland zu fordern.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Die NATO-Osterweiterung sei eine &bdquo;sch&auml;dliche Strategie&ldquo; gewesen. Gastgeber Rahr, Vorsitzender der Eurasien Gesellschaft, sagte in einem aktuellen Interview mit dem Hintergrund-Magazin: &bdquo;Die NATO-Osterweiterung ist die Mutter aller Probleme&ldquo;. Im Gegenteil findet Kujat die NATO-Osterweiterung, die er mitgestaltete, weiterhin richtig, stimmte aber Botschafter Varga zu, dass die Einladung an die Ukraine 2008 zu weit ging.<\/p><p><strong>Ver&auml;nderte Positionen durch den US-Regierungswechsel<\/strong><\/p><p>Die Positionen der EU und der USA unterschieden sich laut dem ungarischen Diplomaten inzwischen. Die f&uuml;hrenden EU-Politiker w&uuml;rden sich ideologisch f&uuml;r den von den USA ausgel&ouml;sten Krieg engagieren, &bdquo;ohne sich mit den Konsequenzen zu besch&auml;ftigen&ldquo;. Die Nachteile, die Kosten des Krieges und der Wiederaufbau der Ukraine w&uuml;rden in Europa bleiben, was &bdquo;kluge Politiker&ldquo; schon vor Jahren gewusst h&auml;tten.<\/p><blockquote><p>&bdquo;Die Voraussetzungen f&uuml;r eine Krise und sp&auml;ter f&uuml;r einen Krieg in der Ukraine wurden haupts&auml;chlich von den Vereinigten Staaten geschaffen, und heute sind es die Vereinigten Staaten, die bereit sind, diesen Krieg zu beenden und die Hauptursache, die versprochene NATO-Mitgliedshaft f&uuml;r die Ukraine, zu beseitigen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Der Glaube, dass die NATO-Mitgliedschaft eine Sicherheitsgarantie gegen m&ouml;gliche Angriffe bedeute, sei irrt&uuml;mlich, sagte Kujat. Er wies auf den Artikel 10 des NATO-Vertrages hin, laut dem ein Beitritt dann m&ouml;glich wird, wenn &bdquo;neue Mitglieder einen Beitrag zur Sicherheit aller bisherigen Staaten leisten und so die gemeinsame Sicherheit erh&ouml;hen&ldquo;.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Im Fall der Ukraine w&auml;re das Gegenteil der Fall, denn das B&uuml;ndnis w&uuml;rde das Risiko eines Krieges mit Russland in das B&uuml;ndnis importieren. Insofern w&auml;re eine NATO-Mitgliedschaft keine Sicherheitsgarantie f&uuml;r die Ukraine, sondern eine Unsicherheitsgarantie f&uuml;r alle NATO-Mitgliedstaaten einschlie&szlig;lich der Ukraine.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Erinnerung an Verfassungsauftrag<\/strong><\/p><p>In der Diskussion, moderiert von Alexander Rahr von der Eurasien Gesellschaft, bezeichnete Kujat die aktuelle Aufr&uuml;stungsdebatte in Deutschland und der EU wegen eines angeblich drohenden russischen Angriffs als &bdquo;v&ouml;llig &uuml;berzogen&ldquo;. Die Bundeswehr m&uuml;sse zur Landes- und B&uuml;ndnisverteidigung in der Lage sein. Aber dazu reiche es &bdquo;v&ouml;llig aus, wenn unsere Politiker sagen: Wir wollen jetzt tun, was in der Verfassung steht.&ldquo;<\/p><p>Das sei aber seit 2011 nicht mehr gew&auml;hrleistet, erkl&auml;rte der ehemalige Vorsitzende des NATO-Milit&auml;rausschusses. Dem Grundgesetz nach dienten die Streitkr&auml;fte zur Verteidigung, aber nicht, &bdquo;um Krieg zu f&uuml;hren&ldquo;. Selbst die deutsche NATO-Mitgliedschaft versehe das Grundgesetz in Artikel 24 Absatz 2 mit einem Vorbehalt:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Der Bund kann sich zur Wahrung des Friedens einem System gegenseitiger kollektiver Sicherheit einordnen; er wird hierbei in die Beschr&auml;nkungen seiner Hoheitsrechte einwilligen, die eine friedliche und dauerhafte Ordnung in Europa und zwischen den V&ouml;lkern der Welt herbeif&uuml;hren und sichern.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Das Ziel der Wahrung des Friedens werde in der aktuellen Diskussion &uuml;ber Kriegsf&auml;higkeit unterschlagen, kritisierte der ehemalige Bundeswehr-General und f&uuml;gte hinzu:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ich erwarte von unseren Politikern, dass sie sich gef&auml;lligst an die Verfassung halten&ldquo;.\n<\/p><\/blockquote><p>Die EU hat aus Sicht von Varga zwei Optionen: Entweder sie identifiziert sich mit der neuen US-Position, um den Krieg schnell zu beenden, oder sie ruiniert die Ukraine und ihre Staatlichkeit weiter und nimmt die ganze Last des Scheiterns auf sich. Der ehemalige Botschafter beendete seine Rede mit einem Ratschlag an die EU-Politiker:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Eine kluge EU-Elite w&uuml;rde nicht um einen Sitz am US-amerikanischen Verhandlungstisch bitten. Sie w&uuml;rde selbst ihren eigenen Verhandlungstisch f&uuml;r die Ukraine und Russland vorschlagen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><em>Die Vortr&auml;ge von General a. D. Harald Kujat und Botschafter a. D. Gy&ouml;rgy Varga bei der Eurasien Gesellschaft k&ouml;nnen Sie hier in kompletter L&auml;nge einsehen: <\/em><\/p><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"\" title=\"YouTube video player\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/K5UEodKM_ds?si=xVOZOW7o1tYq80U0\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p><small>Titelbild: &Eacute;va P&eacute;li<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=123938\">General a. D. Harald Kujat: &bdquo;Selenskyjs Drohung h&auml;tte eine harte Reaktion des Westens erfordert&ldquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=121160\">Exklusiv-Beitrag von Botschafter a. D. Varga: Falsche Argumente im Dienste von Angstmacherei und Krieg<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=118536\">General a. D. Harald Kujat: &bdquo;NATO k&ouml;nnte &auml;hnlichen Fehler begehen wie die USA in Vietnam&ldquo; &ndash; Interview Teil 1<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=111161\">Vortrag von General a. D. Harald Kujat in Berlin &uuml;ber Ukrainekrieg und den geopolitischen Wandel<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=128576\">Die bewusstseinsver&auml;ndernde Wirkung der &bdquo;kollektiven Verteidigung&ldquo; der NATO<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/05bf1835ac92429da697527fb2b0d851\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Chancen f&uuml;r einen Frieden in der Ukraine sind gestiegen und inzwischen hoch &ndash; so sch&auml;tzten Ende Februar in Berlin der ehemalige Bundeswehr-Generalinspekteur und fr&uuml;here Vorsitzende des NATO-Milit&auml;rausschusses <strong>General a. D. Harald Kujat<\/strong> und der fr&uuml;here ungarische Diplomat <strong>Gy&ouml;rgy Varga<\/strong> die aktuelle Lage ein. Die beiden hochrangigen Experten wurden <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=K5UEodKM_ds\">von der Eurasien Gesellschaft eingeladen<\/a>,<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=129750\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":129751,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,170,211],"tags":[1572,3240,418,2301,2591,466,259,1800,260,1556],"class_list":["post-129750","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-friedenspolitik","category-veranstaltungshinweiseveranstaltungen","tag-abruestung","tag-diplomatische-verhandlungen","tag-grundgesetz","tag-konfrontationspolitik","tag-kujat-harald","tag-nato","tag-russland","tag-trump-donald","tag-ukraine","tag-usa"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Cover_Kujat_Rahr_Varga.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/129750","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=129750"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/129750\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":129788,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/129750\/revisions\/129788"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/129751"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=129750"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=129750"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=129750"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}