{"id":129852,"date":"2025-03-09T12:00:12","date_gmt":"2025-03-09T11:00:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=129852"},"modified":"2025-03-08T04:16:40","modified_gmt":"2025-03-08T03:16:40","slug":"frieden-in-der-ukraine-us-militaerintervention-in-mexiko","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=129852","title":{"rendered":"Frieden in der Ukraine \u2013 US-Milit\u00e4rintervention in Mexiko?"},"content":{"rendered":"<p>Die Regierung von Donald Trump hat die Einstufung der gr&ouml;&szlig;ten mexikanischen Drogenkartelle als &ldquo;Ausl&auml;ndische terroristische Organisationen&rdquo; (Foreign Terrorist Organizations) und &ldquo;Speziell gelistete weltweite Terroristen&rdquo; (Specially Designated Global Terrorists) formalisiert[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=129852#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]. Diese Ma&szlig;nahme ist weniger eine Sicherheitsstrategie als vielmehr ein neuer Vorwand f&uuml;r den US-Imperialismus, um seine Einmischung in Lateinamerika auszuweiten in Form von verdeckten oder direkten milit&auml;rischen Interventionen. Sie erm&ouml;glicht unter anderem den Einsatz von US-Kampfdrohnen auf mexikanischem Gebiet. Dies geschieht in einem Kontext, in dem das Wei&szlig;e Haus versucht, sich gegen&uuml;ber China und Russland geopolitisch neu zu positionieren. Von <strong>Katu Arkonada<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDie Einstufung als Terrorismus ist nicht nur eine symbolische Handlung, sondern der Vorbote m&ouml;glicher verdeckter oder direkter milit&auml;rischer Interventionen auf mexikanischem Boden, eine Option, die im Trump-Machtzirkel bereits offen diskutiert wird.<\/p><p>Die Verwendung des Etiketts &ldquo;Terrorismus&rdquo; gegen die Drogenkartelle stellt eine Wende in der US-Doktrin dar. Bisher hatte Washington diese Kategorie Akteuren mit expliziten politischen Absichten vorbehalten, wie etwa dem Islamischen Staat (IS). In seinem Bestreben, Interventionen zu rechtfertigen, hat das Wei&szlig;e Haus jedoch das Spektrum auf Gruppen ausgeweitet, die zwar Straftaten begehen, aber nicht in die klassische Kategorie des Terrorismus fallen. Wie bei (fast) allem, was im Trumpismus geschieht, handelt es sich um einen konzeptionellen Fehler: Der Drogenhandel ist ein Problem der organisierten Kriminalit&auml;t und ein Thema der Sicherheit, nicht der Verteidigung.<\/p><p>Die Strategie entspricht der Logik von Trumps Politik, bei der Fentanyl und Migration als rhetorische Waffen in der innenpolitischen Auseinandersetzung eingesetzt werden. Die Hysterie, die in den USA durch die Opioidkrise ausgel&ouml;st wurde, hat die republikanische Regierung dazu bewogen, dem Nachbarland die Schuld zu geben, obwohl die Nachfrage nach Drogen und die Verf&uuml;gbarkeit von Waffen aus den USA stammen.<\/p><p>Die Einstufung als Terrorismus wiederum er&ouml;ffnet die M&ouml;glichkeit, dass Washington Sanktionen verh&auml;ngt, milit&auml;rische Mittel einsetzt und Druck auf Drittl&auml;nder aus&uuml;bt, sich seinem Kreuzzug anzuschlie&szlig;en.<\/p><p><strong>Die Androhung einer milit&auml;rischen Intervention und wirtschaftlicher Druck<\/strong><\/p><p>Die Rhetorik von Trump hat sich auf Mexiko konzentriert, ein Land, mit dem ihn nicht nur eine lange Grenze, sondern auch eine komplexe wirtschaftliche, politische und soziale Beziehung verbindet. Hinzu kommt die bevorstehende Neuverhandlung des Freihandelsvertrags zwischen Mexiko, den USA und Kanada (T-MEC) im Jahr 2025, die von Washington als Erpressungsinstrument genutzt werden wird, um seine Bedingungen aufzuzwingen.<\/p><p>Aber die wirkliche Bedrohung liegt nicht nur auf wirtschaftlicher Ebene. Mit der Einstufung der Kartelle als terroristische Organisationen hat das Wei&szlig;e Haus die T&uuml;r f&uuml;r eine m&ouml;gliche milit&auml;rische Intervention ge&ouml;ffnet. Elon Musk, der zu einer der Schl&uuml;sselfiguren in der neuen Trump-Regierung geworden ist, hat darauf hingewiesen, dass diese Ma&szlig;nahme den Einsatz von Drohnen zum Bombardieren von Zielen auf mexikanischem Boden erm&ouml;glicht. Gleichzeitig ist best&auml;tigt worden, dass die CIA in Mexiko Spionagedrohnen eingesetzt hat, angeblich um Fentanyllabore aufzusp&uuml;ren. Dies&nbsp;zeigt, dass die Militarisierung des Konflikts bereits im Gange ist.<\/p><p>Die Regierung von Claudia Sheinbaum hat jegliche M&ouml;glichkeit einer ausl&auml;ndischen Intervention abgelehnt und versucht, die Auswirkungen der Entscheidung der USA kleinzureden. Die Trump-Regierung ist jedoch nicht gerade daf&uuml;r bekannt, die Souver&auml;nit&auml;t ihrer Nachbarn zu respektieren. Wenn diese Eskalation in Worten und milit&auml;risch fortgesetzt wird, wird Mexiko einem beispiellosen Druck ausgesetzt sein, der zu einer regionalen Krise f&uuml;hren k&ouml;nnte.<\/p><p><strong>Die Heuchelei der USA und der Waffenfluss zu den Kartellen<\/strong><\/p><p>W&auml;hrend Washington Mexiko als Epizentrum des Drogenhandels bezeichnet, ignoriert es, dass der gr&ouml;&szlig;te Drogenmarkt der Welt innerhalb seiner eigenen Grenzen liegt. Dar&uuml;ber hinaus stammen die Waffen, mit denen die Kartelle ihre Macht aufgebaut haben, aus der US-amerikanischen R&uuml;stungsindustrie.<\/p><p>Die Waffen, die die Gewalt in Mexiko sch&uuml;ren, werden illegal &uuml;ber die 3.152 Kilometer lange gemeinsame Grenze eingeschleust, mit Texas und Arizona als den wichtigsten Umschlagpl&auml;tzen. Die St&auml;rkung des organisierten Verbrechens in den letzten zwei Jahrzehnten ist in hohem Ma&szlig;e auf die mangelnde Kontrolle des Waffenflusses aus den USA zur&uuml;ckzuf&uuml;hren, die es den Kartellen erm&ouml;glicht hat, an Sturmgewehre und Ausr&uuml;stung f&uuml;r den milit&auml;rischen Einsatz zu gelangen.<\/p><p>Der sogenannte &ldquo;Krieg gegen den Drogenhandel&rdquo;, der unter der Regierung von Felipe Calder&oacute;n (2006-2012) begonnen und von Enrique Pe&ntilde;a Nieto (2012-2018) fortgesetzt wurde, bewirkte lediglich eine Zunahme der bewaffneten Gewalt.<\/p><p>Der Zugang der Kartelle zu halbautomatischen Barrett-Gewehren des Kalibers .50 BMG der US-Armee zeigt, wie sie sich mit Kriegstechnologie ausger&uuml;stet haben.<\/p><p>Diese Zunahme der kriminellen Feuerkraft ist auf drei Schl&uuml;sselfaktoren zur&uuml;ckzuf&uuml;hren:<\/p><ol>\n<li>Im Jahr 2004 lief das Verbot der Herstellung und des Verkaufs von Waffen milit&auml;rischer Art in den USA (Federal Assault Weapons Ban) aus.<br>\nIm Jahr 2005 verabschiedete der US-Kongress ein Immunit&auml;tsgesetz, das die R&uuml;stungsindustrie vor zivilrechtlichen Klagen sch&uuml;tzt.<\/li>\n<li>Die Waffenlobby treibt die Ausweitung der Produktion und des Vertriebs von Waffen f&uuml;r den milit&auml;rischen Gebrauch voran.<\/li>\n<\/ol><p>W&auml;hrend sich die USA nicht um das Problem scheren, hat die mexikanische Regierung gehandelt. Unter der Regierung von Andr&eacute;s Manuel L&oacute;pez Obrador reichte Au&szlig;enminister Marcelo Ebrard zwei Klagen gegen Waffenhersteller in den USA ein. Die erste Anh&ouml;rung dieser F&auml;lle, an denen Unternehmen wie Smith &amp; Wesson beteiligt sind, fand am 4. M&auml;rz 2025 vor dem Obersten Gerichtshof der USA statt.<\/p><p>Obwohl die Aussicht auf Erfolg dieser Klagen gering ist, ist die Strategie klar: Aufdeckung der Komplizenschaft Washingtons in der Sicherheitskrise, mit der Mexiko konfrontiert ist.<\/p><p><strong>Massendeportationen: Die bevorstehende humanit&auml;re Krise<\/strong><\/p><p>Wenn die Einstufung der mexikanischen Kartelle als Terrororganisationen Trumps Vorwand f&uuml;r k&uuml;nftige milit&auml;rische Interventionen ist, dann ist seine Migrationspolitik der andere Pfeiler seiner Destabilisierungsstrategie.<\/p><p>Trump hat versprochen, eine Million Menschen pro Jahr abzuschieben, eine Ma&szlig;nahme, die, wenn sie umgesetzt wird, in mehr als einem lateinamerikanischen Land eine humanit&auml;re Krise ausl&ouml;sen wird.<\/p><p>Mexiko, Mittelamerika und die Karibik werden mit der massiven Ankunft von abgeschobenen Migranten &uuml;berfordert sein &ndash; ohne Unterst&uuml;tzungsnetzwerke oder ausreichende institutionelle Strukturen, um ihre Eingliederung in die Arbeitswelt zu erreichen.<\/p><p>Die wirtschaftlichen Folgen w&auml;ren verheerend. Allein im November 2024 beliefen sich die &Uuml;berweisungen (remesas) mexikanischer Migranten auf 5,435 Milliarden Dollar, was einem Gesamtbetrag von 59,518 Milliarden Dollar f&uuml;r das Jahr entspricht &ndash; eine Zahl, die h&ouml;her ist als das BIP Boliviens und nahe an dem von Uruguay liegt.<\/p><p>Eine abrupte Migrationswelle ohne jegliche Planung k&ouml;nnte die Wirtschaftssysteme mehrerer L&auml;nder zum Kollaps bringen und eine soziale Krise von enormem Ausma&szlig; ausl&ouml;sen.<\/p><p><strong>Schlussfolgerung: Der Streit um die Souver&auml;nit&auml;t<\/strong><\/p><p>Der Amtsantritt von Trump hat f&uuml;r Mexiko und Lateinamerika einen Wendepunkt markiert. Die Einstufung der Kartelle als terroristische Vereinigungen, die Militarisierung des Konflikts und die Politik der Massenabschiebungen bilden den Rahmen f&uuml;r eine beispiellose Einmischung.<\/p><p>Mexiko hat eine indes wichtige Karte bei den Verhandlungen in der Hand: Die Verantwortung der USA f&uuml;r die Gewaltkrise. Ohne US-Waffen h&auml;tten die Kartelle nicht die M&ouml;glichkeit, in Mexiko Terror zu verbreiten. Ohne den US-Markt f&uuml;r Opioide h&auml;tte der Drogenhandel nicht das Ausma&szlig;, das er heute hat.<\/p><p>Die Herausforderung f&uuml;r die Regierung von Claudia Sheinbaum wird zweifach sein: Widerstand gegen die imperialistische Offensive zu leisten und alle politischen, justiziellen und medialen Mittel einzusetzen, um die USA dazu zu bewegen, ihrer Verantwortung nachzukommen. Ohne diese Strategie wird Trump den perfekten Vorwand finden, um in Mexiko zu intervenieren, mit demselben Drehbuch, das die USA in der Vergangenheit bei ihren milit&auml;rischen Abenteuern angewandt haben.<\/p><p><em>&Uuml;ber den Autor: <strong>Katu Arkonada<\/strong> aus dem Baskenland ist Politikwissenschaftler und Autor, er lebt derzeit in Mexiko.<\/em><\/p><p><em>&Uuml;bersetzung: Vilma Guzm&aacute;n, <a href=\"https:\/\/amerika21.de\/analyse\/274039\/lateinamerika-usa-kartelle-terrorismus\">Amerika21<\/a>.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: Mit KI (Grok) generiertes Symbolbild<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95143\">Nach Drohung mit Milit&auml;rintervention: Streit zwischen Mexiko und USA eskaliert<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=125472\">Weder Mexiko noch China: Die USA sind der gr&ouml;&szlig;te Geldw&auml;scher im Drogenhandel<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=122528\">Eine neue Etappe f&uuml;r die Linke in Mexiko<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=115046\">David gegen Goliath: Der Waffenschmuggel aus den USA nach Mexiko und die Folgen<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/94739f0544aa4e19bb63337167721bbf\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Die Einstufung betrifft in Mexiko das C&aacute;rtel de Sinaloa, C&aacute;rtel de Jalisco Nueva Generaci&oacute;n (CJNG), C&aacute;rtel del Noreste (CDN), La Nueva Familia Michoacana (LNFM), C&aacute;rtel de Golfo (CDG) und C&aacute;rteles Unidos (CU). Au&szlig;erdem die regional aktiven Organisation Tren de Aragua (TdA) und Mara Salvatrucha (MS-13). Siehe&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.state.gov\/designation-of-international-cartels\/\">Designation of International Cartels<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Regierung von Donald Trump hat die Einstufung der gr&ouml;&szlig;ten mexikanischen Drogenkartelle als &ldquo;Ausl&auml;ndische terroristische Organisationen&rdquo; (Foreign Terrorist Organizations) und &ldquo;Speziell gelistete weltweite Terroristen&rdquo; (Specially Designated Global Terrorists) formalisiert[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=129852#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]. 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