{"id":12995,"date":"2012-04-26T09:15:16","date_gmt":"2012-04-26T07:15:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12995"},"modified":"2019-01-30T10:58:21","modified_gmt":"2019-01-30T09:58:21","slug":"amok-in-erfurt-teil-3-schulen-verlassliche-orte-oder-zulieferbetriebe-fur-markt-und-industrie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12995","title":{"rendered":"Amok in Erfurt \/ Teil 3  &#8211; Schulen: Verl\u00e4ssliche Orte oder Zulieferbetriebe f\u00fcr Markt und Industrie?"},"content":{"rendered":"<p>Am heutigen Tag vor 10 Jahren lief ein Sch&uuml;ler am Erfurter Gutenberg-Gymnasium Amok und t&ouml;tete 16 Menschen und sich selbst. <strong>G&ouml;tz Eisenberg<\/strong> hat auf die damaligen schrecklichen Ereignisse <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12961\">zur&uuml;ckgeblickt<\/a> und danach gefragt, was aus diesem Massaker <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12985\">wirklich gelernt wurde<\/a>. Lesen Sie heute den letzten Teil seiner Beobachtungen und seinen Schlussfolgerungen. Im Anhang finden Sie eine kommentierte Chronik der zur&uuml;ckliegenden Schulamokl&auml;ufe.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Schulen: Verl&auml;ssliche Orte oder Zulieferbetriebe f&uuml;r Markt und Industrie?<\/strong><\/p><p>Von G&ouml;tz Eisenberg<\/p><p>Im Zentrum des Appels der Erfurter Sch&uuml;ler und Studierenden stand die Forderung, &uuml;ber das Schul- und Bildungssystem und seine Orientierung am Leistungsprinzip nachzudenken. &bdquo;Wer infolge der Pisa-Studie meint, es komme nur auf eine Steigerung der Leistung und nicht auf eine Verbesserung der Lernbedingungen an, der sollte Erfurt mitdenken&ldquo;, hie&szlig; es in ihrem Aufruf. In den Wochen und Monaten nach dem Massaker gab es einen breiten Konsens dar&uuml;ber, dass ein Zusammenhang zwischen einem einseitig leistungsfixierten Schulklima und der wachsenden Gewaltbereitschaft von Sch&uuml;lern existiert und dass Schulen der sozialen und emotionalen Entwicklung der Sch&uuml;ler mehr Raum und Zeit zur Entfaltung gew&auml;hren sollten. Aber die Konsequenzen aus dem sogenannten Pisa-Schock haben schnell die Schlussfolgerungen aus dem Massaker von Erfurt &uuml;berlagert und beiseite gedr&auml;ngt. <\/p><p>Kaum waren die Aufrufe, man m&uuml;sse &bdquo;aufeinander zugehen&ldquo; und sich &bdquo;mehr umeinander sorgen&ldquo;, verklungen, gingen dieselben Leute daran, die Schulen und das ganze Bildungssystem nach Ma&szlig;gabe betriebswirtschaftlicher Prinzipien zu reformieren. Die Leistungsf&auml;higkeit der deutschen Industrie und ihre Stellung auf dem Weltmarkt, hei&szlig;t es unisono, seien mehr und mehr abh&auml;ngig von der Produktion verwertbaren und marktf&auml;higen Wissens. Nachdem Bergwerke und Hoch&ouml;fen stillgelegt worden sind und der &Uuml;bergang in die sogenannte &bdquo;postindustrielle Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft&ldquo; vollzogen ist, gelten die Gehirne der nachwachsenden Generationen als wichtigste &bdquo;Ressource&ldquo; &ndash; und Bildung ist die Art und Weise, sie zu erschlie&szlig;en und als Produktivkraft des Kapitals nutzbar zu machen. Alles und jedes soll sich im Rahmen einer betriebswirtschaftlichen Rationalit&auml;t rechtfertigen und definieren und wird einem entsprechenden Kosten-Nutzen-Kalk&uuml;l unterworfen. Der privatwirtschaftlich verfasste Betrieb ist das Bild, nach dem Kinderg&auml;rten, Schulen, Universit&auml;ten, Krankenh&auml;user, Altenheime und Gef&auml;ngnisse zu gestalten sind. Wer Schulen an Input-Output-Modellen misst, verwechselt die Produktion eines Autos mit der F&ouml;rderung kindlicher Entwicklung. Ganze Sektoren der Gesellschaft, in denen es um Lernen, Heilen, die Entwicklung lebensgeschichtlicher Identit&auml;t geht, m&uuml;ssen ihrer inneren Logik nach, die eine des Lebendigen ist, von der betriebswirtschaftlichen Logik, die eine des Maschinellen und Toten ist, ausgespart und verschont bleiben.<\/p><p>Seit die Bildungs-Ratingagentur Pisa das deutsche Schulsystem quasi auf Ramschniveau heruntergestuft hat, wird st&auml;ndig an der Leistungsschraube gedreht. Oskar Negt hat angesichts der j&uuml;ngsten Entwicklungen von der &ldquo;reellen Subsumption&rdquo; des Bildungssektors unter das Kapital gesprochen, was so viel bedeutet wie die Kapitalisierung des Lehrens und Lernens in seiner inneren Struktur. Managementmethoden dringen in den Bildungssektor ein, Begriffe wie Evaluation, Qualit&auml;tssicherung, Prozessorientierung, Ressourcenoptimierung, Monitoring beherrschen nicht nur die Sprache der Bildungsdiskurse, sondern beginnen, den Schulalltag und seine Zeitstruktur zu durchdringen. Die Schulzeit wird verk&uuml;rzt, regelm&auml;&szlig;ig werden Lernstandserhebungen durchgef&uuml;hrt und Rankinglisten erstellt, die die Konkurrenz unter den Schulen und den Druck auf Lehrer und Sch&uuml;ler erh&ouml;hen. Sch&uuml;ler sind das &bdquo;Humankapital von morgen&ldquo; und sollen fit gemacht werden f&uuml;r den Markt und &bdquo;Verwertungsketten&ldquo;. <\/p><p>Wer nicht mithalten kann, dem droht zeitig die soziale Exklusion. Schon Viertkl&auml;ssler werden, wie Gerhard Matzig unl&auml;ngst in der S&uuml;ddeutschen Zeitung schrieb, zu &bdquo;delirierenden Post-Pisa-Schock-Insassen&ldquo; von Grundschulen gemacht, die nicht l&auml;nger Bildungs- und Lehranstalten genannt werden k&ouml;nnten, sondern &bdquo;Optimierungs- und Besserungs-Anstalten&ldquo;. Bereits im zarten Alter von 10 Jahren wird ein ungeheurer Notenstress erzeugt, dessen Bew&auml;ltigung dar&uuml;ber entscheidet, ob ein Sch&uuml;ler aufs Gymnasium oder wenigstens auf die Realschule wechseln darf, oder auf die Hauptschule und damit auf ein Abstellgleis abgeschoben wird. Eine boomende Nachhilfebranche hat inzwischen die Grundschulen erobert, ehrgeizige Eltern treiben ihre Kinder bereits in einem Alter, in dem wir fr&uuml;her noch g&auml;nzlich sorglos und zweckfrei spielen durften, zu H&ouml;chstleistungen an. Kein Wunder, dass der Psychopharmaka-Konsum von Kindern in den letzten Jahren deutlich gestiegen ist. Sie stehen unter einem enormen famili&auml;ren und schulischen Druck, den sie oft ohne Hilfsmittel nicht bew&auml;ltigen k&ouml;nnen. Schon Kindern werden mehr und mehr Antidepressiva verabreicht. Der Gebrauch des Ritalin-Inhaltsstoffes Methylphenidat, das zu den Amphetaminen z&auml;hlt und eine hochwirksame psychoaktive Substanz ist, hat sich in der letzten Dekade rund verzehnfacht. Wie der ins Milchglas gefallene Frosch so lange strampelt, bis aus der Milch Butter geworden ist und er das Glas verlassen kann, zappeln viele Kinder in der vagen Hoffnung, dass jemand kommen m&ouml;ge, der sie h&auml;lt und beruhigt und so die Bedingungen daf&uuml;r herstellt, dass sich in ihrem Innern eine angstmindernde und identit&auml;tsstiftende psychische Struktur herausbilden kann. <\/p><p>Viele Eltern wollen, dass ihre Kinder &bdquo;brav&ldquo; sind und funktionieren, aber sie sind nicht bereit, durch Bereitstellung gesch&uuml;tzter R&auml;ume und pers&ouml;nlichen Einsatz von Nerven und Lebenszeit dazu beizutragen. Sie &uuml;berlassen die anstrengende Erziehungsarbeit Erzieherinnen und Lehrern und vertrauen ansonsten auf den gro&szlig;en &bdquo;Bravmacher&ldquo; Ritalin, der den Kindern in Form einer zeitgen&ouml;ssischen Schulspeisung t&auml;glich verabreicht wird &ndash; wie uns seinerzeit Lebertran oder Rotb&auml;ckchen. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 12. Februar 2012 stellt uns Paul und seine Mutter vor. Diese arbeitet in der Werbe-Branche. Ihr Sohn Paul ist ein &bdquo;anstrengendes Kind&ldquo;. Die Mutter l&auml;sst ihm Ritalin verschreiben. Jetzt ist Paul kein anstrengendes Kind mehr, weder f&uuml;r die Mutter noch f&uuml;r die Lehrer. Und die Mutter f&uuml;gt hinzu: &bdquo;Wir leben in einer Leistungsgesellschaft und ich m&ouml;chte, dass meine Kinder ganz vorne mitschwimmen.&ldquo; <\/p><p>Auf die ihnen von oben und au&szlig;en auferlegte Leistungskonkurrenz pfropfen die Sch&uuml;ler noch eine horizontale Anerkennungskonkurrenz und Konformit&auml;tszw&auml;nge auf und machen sich untereinander das Leben schwer  &ndash; und manchmal unertr&auml;glich bis zum Suizid. Die unterdr&uuml;ckte Wut der um ihre Kindheit Betrogenen dreht sich im Kreis und richtet unter ihnen selbst Verheerungen an. Sie lernen, dass sie nur dann nicht zu den &bdquo;Losern&ldquo; geh&ouml;ren, wenn sie bestimmte Konsumg&uuml;ter vorweisen k&ouml;nnen und aktiv dazu beitragen, andere auszugrenzen und zu Verlierern zu stempeln. Wo harte Leistungskonkurrenz bis in die seelischen Innenr&auml;ume eindringt, wo Denken und Verhalten der einzelnen bis ins Unbewusste hinein vom &Uuml;berlebenskampf bestimmt wird, wo Unbehagen und Wut aber keine eindeutigen Adressaten finden, entsteht eine frei flottierende, diffuse Aggressivit&auml;t, die in alle m&ouml;glichen Richtungen geht und sich unter anderem in Mobbing- und Dissing-Attacken untereinander entl&auml;dt. Deren bevorzugtes Medium sind die sogenannten sozialen Netzwerke, in denen der Sozialdarwinismus sich austobt und die sich mehr und mehr zu einem digitalen Pranger entwickeln.<\/p><p>In dem Ma&szlig;e, wie Schulen sich als effiziente Zulieferbetriebe f&uuml;r Industrie und Markt begreifen, werden sie versch&auml;rft zu Orten der Konkurrenz, der Selektion und damit auch der Kr&auml;nkung und Besch&auml;mung. Da gleichzeitig von den Heranwachsenden die F&auml;higkeit zur angemessenen Kr&auml;nkungsverarbeitung immer weniger erworben wird, entsteht hier jede Menge schulischer Sprengstoff. Wenn wir solche Entwicklungen zulassen oder gar f&ouml;rdern, werden wir in Zukunft immer damit rechnen m&uuml;ssen, dass eines Tages ein bis dato stiller, unauff&auml;lliger Junge einen schwarzen Kampfanzug anzieht, die Waffe seines Vaters aus dem Schrank holt, ins Epizentrum seiner Kr&auml;nkungen &ndash; die Schule &ndash; zur&uuml;ckkehrt und sich in aller &Ouml;ffentlichkeit r&auml;cht f&uuml;r seine erlittenen Dem&uuml;tigungen und den Raub seiner Kindheit.<\/p><div style=\"text-align: center\">*<\/div><p>Gegenw&auml;rtig w&auml;chst eine Generation heran, die schon in der Wolle mit Sozialdarwinismus eingef&auml;rbt ist. Die hinter uns liegenden, von der Praxis des Neoliberalismus gepr&auml;gten eisigen Jahre haben die Menschen selbst eisig werden lassen und ihre Innenwelt vergletschert. Sie k&ouml;nnen gar nicht anders, als diese K&auml;lte weiterzugeben und auf ihre Umgebung abzustrahlen. Es macht einen nicht zu untersch&auml;tzenden Unterschied, ob man in einer Gesellschaft aufw&auml;chst und lebt, in der schwachen und nicht oder weniger leistungsf&auml;higen Mitmenschen solidarisch beigesprungen und unter die Arme gegriffen wird, oder in einer, in der sie der Verelendung preisgegeben und als sogenannte &bdquo;Loser&ldquo; zu Objekten von Hohn und Missachtung werden. Der Siegeszug des Neoliberalismus brachte die umfassende Durchsetzung jener Art von moralischem Darwinismus mit sich, &bdquo;der mit dem Kult des winner &hellip; den Kampf eines jeden gegen jeden und den normativen Zynismus all seiner Praktiken ins Recht setzt&ldquo;, hei&szlig;t es in Pierre Bourdieus Schrift Gegenfeuer. Die vom Markt propagierten und f&uuml;r ein erfolgreiches Agieren auf dem &ouml;konomischen Parkett erforderlichen Eigenschaften und Haltungen sind inzwischen in Gestalt von R&uuml;cksichtslosigkeit und Rohheit tief in die Poren des Alltagslebens vorgedrungen und haben sich in die Denk-, Affekt- und Wahrnehmungsgewohnheiten und Reaktionsmechanismen der Heranwachsenden eingegraben. <\/p><p>Wohin das f&uuml;hren kann und was f&uuml;r eine Mentalit&auml;t da systematisch erzeugt wird, illustriert folgende Geschichte: Zwei Jungen begegnen irgendwo in den amerikanischen W&auml;ldern einem aggressiven Grizzlyb&auml;ren. W&auml;hrend der eine in Panik ger&auml;t, setzt sich der andere seelenruhig hin und zieht sich seine Turnschuhe an. Da sagt der in Panik Geratene: &bdquo;Bist du verr&uuml;ckt? Niemals werden wir schneller laufen k&ouml;nnen als der Grizzlyb&auml;r.&ldquo; Und sein Freund entgegnet ihm: &bdquo;Du hast Recht. Aber ich muss nur schneller laufen k&ouml;nnen als du.&ldquo; <\/p><div style=\"text-align: center\">*<\/div><p>Um den Sozialdarwinismus unter Jugendlichen am Werk zu sehen, braucht es keine Ausfl&uuml;ge in amerikanische W&auml;lder. Die Wildnis beginnt direkt vor unserer Haust&uuml;r, man muss nur in die Stadt gehen und Augen und Ohren aufsperren. <\/p><p>Eine blinde Frau durchquert den Park vor meiner Haust&uuml;r. Ihr Blindenhund geht neben ihr und ist nicht angeleint. Ein paar Halbw&uuml;chsige, die auf B&auml;nken sitzen, rauchen und Bier trinken, locken den Hund zu sich und halten ihn fest. Die blinde Frau vermisst irgendwann ihren Hund und beginnt nach ihm zu rufen. Sie bleibt stehen und ruft immer lauter nach ihm. Schlie&szlig;lich ger&auml;t sie in Panik und schreit den Namen des Hundes. Jetzt erst lassen die Jugendlichen den Hund laufen und zu seiner Besitzerin zur&uuml;ckkehren. Sie weiden sich an der Hilflosigkeit und Angst der Frau und lachen sich halbtot &uuml;ber ihre niedertr&auml;chtige Aktion.<br>\nIm selben Park sitzen ein paar Tage sp&auml;ter Teenie-M&auml;dchen auf einer Bank. Eine berichtet, sie habe ihre Oma besucht und 15 Euro von ihr bekommen. &bdquo;Daf&uuml;r musste ich mir eine Stunde ihr Geflenne anh&ouml;ren!&ldquo;, sagte sie emp&ouml;rt, so als sei das kein angemessener Stundenlohn f&uuml;r den Besuch einer Enkelin bei ihrer Gro&szlig;mutter.<br>\nIn der Stadt werde ich Zeuge eines Dialogs zwischen 12\/13-j&auml;hrigen Jungen: &bdquo;Ey Olly, deine Mutter ist in Preungesheim!&ldquo; &ndash; in diesem Frankfurter Stadtteil befindet sich das hessische Frauengef&auml;ngnis. Der Beleidigte br&uuml;llt zur&uuml;ck: &bdquo;Halt die Fresse, du Arschloch, sonst fick ich deine Mutter.&ldquo;  <\/p><p>Jugendliche gehen Bier trinkend durch die Fu&szlig;g&auml;ngerzone. Sie sehen einen Bettler am Boden sitzen, der auf einem Schild auf seine Notlage aufmerksam macht und um Spenden bittet. Sie beginnen, ihn zu beschimpfen und zu beleidigen. Schlie&szlig;lich treten sie seinen Hut weg, in dem sich ein paar M&uuml;nzen angesammelt haben, und ziehen lachend und johlend weiter.                                                                                                                       <\/p><p>Dass &bdquo;du Opfer&ldquo; und &bdquo;Hey, du Spast&ldquo; zu den g&auml;ngigen Beleidigungen z&auml;hlen, mit denen heutige Jugendliche sich untereinander belegen, wirft ein schlagendes Licht auf die Perversion im Menschenbild, die sich in den letzten Jahren im Schatten eines vom Neoliberalismus gef&ouml;rderten Klimas der Glorifizierung des Starken und Siegreichen und der Verachtung alles Schwachen, Hilf- und Erfolglosen vollzogen hat. Mit schlechtem Beispiel gehen Sportler voran, die, kaum haben sie irgendeinen Sieg errungen oder eine Meisterschaft gewonnen, vor laufenden Kameras, Sektflaschen sch&uuml;ttelnd, gr&ouml;len: &bdquo;So seh&rsquo;n Sieger aus &ndash; schalalalala&ldquo;.<\/p><div style=\"text-align: center\">*<\/div><p>Die Schulen haben sich also unter dem Druck sogenannter Sachzw&auml;nge von Markt und Industrie unter Kuratel stellen lassen, statt &bdquo;Erfurt mitzudenken&ldquo; und sich in Richtung einer menschlicheren Schule zu entwickeln. Dabei quittiert die Rede von den &bdquo;Sachzw&auml;ngen&ldquo; nur den Umstand, dass wir &ndash; die B&uuml;rger eines dem Anspruch nach demokratischen Gemeinwesens &ndash; es nicht mehr wagen, die &bdquo;Sachen&ldquo;, die ja in Wahrheit menschliche und von Menschen hervorgebrachte Verh&auml;ltnisse sind, in eine andere, menschenf&ouml;rmige Richtung zu zwingen. Man will uns die Funktionsweisen der herrschenden &Ouml;konomie und Gesellschaft als Naturgesetze verkaufen und Menschen, die das nicht akzeptieren wollen, in die Position desjenigen r&uuml;cken, der so t&ouml;richt ist, einem Erdbeben Vorw&uuml;rfe zu machen. Mit gro&szlig;em medialem und propagandistischen Aufwand soll verhindert werden, dass jene angeblich ehernen Gesetze, deren perfekte Grausamkeit man uns gegen&uuml;ber als ein Naturfaktum darstellt, den Menschen pl&ouml;tzlich gestehen w&uuml;rden, dass sie sie ja selbst gemacht haben und also auch ver&auml;ndern k&ouml;nnen. Wenn wir uns auf unsere St&auml;rke und gestalterischen M&ouml;glichkeiten bes&auml;nnen, k&ouml;nnten wir also durchaus darauf bestehen, Schulen und Universit&auml;ten dem Zugriff des Kapitals zu entziehen und sie in der Tradition der Aufkl&auml;rung an der regulativen Idee der M&uuml;ndigkeit auszurichten. Das aufsteigende B&uuml;rgertum hatte M&uuml;ndigkeit zu seinem Kampfbegriff gemacht und Bildung zu einem Instrument der Emanzipation. Freilich blieb der Anspruch, Bildung mit M&uuml;ndigkeit zu verbinden, auf die b&uuml;rgerliche Klasse beschr&auml;nkt, die ihn, zu Reichtum und Macht gelangt, immer st&auml;rker einschr&auml;nkte und schlie&szlig;lich wieder loszuwerden versuchte. M&uuml;ndigkeit und ihre Strangulierung wachsen auf dem gleichen Holz, und es k&auml;me heute darauf an, den urspr&uuml;nglichen Gehalt von Bildung wieder freizulegen, sie von ihren klassenspezifischen Beschr&auml;nkungen zu befreien und als Instrument der Befreiung aller zu konzipieren. Wenn wir soweit w&auml;ren, w&uuml;rden wir schnell feststellen, dass sich das Kapital seine kostenlosen Bildungszulieferbetriebe nicht kampflos entrei&szlig;en lassen wird und wir nicht umhin kommen, den betriebswirtschaftlichen Imperialismus insgesamt zu bek&auml;mpfen und der &Ouml;konomie vern&uuml;nftige gesellschaftliche Ziele vorzugeben, denen sie zu dienen und sich unterzuordnen hat. <\/p><div style=\"text-align: center\">*<\/div><p>Zum Schluss zur&uuml;ck zu dem, was wir aus Erfurt h&auml;tten lernen k&ouml;nnen und was nach wie vor zu ver&auml;ndern w&auml;re. Je mehr die Elternh&auml;user in ihren sozialisierenden, pr&auml;genden und Kinder und Jugendliche bergenden und haltenden Aufgaben und Funktionen ausfallen, desto mehr m&uuml;ssen Schulen zu Schutzr&auml;umen und &bdquo;verl&auml;sslichen Orten&ldquo; (Oskar Negt) werden, in denen sie sich unter Bedingungen raum-zeitlicher Kontinuit&auml;t und Verl&auml;sslichkeit zu Menschen entwickeln k&ouml;nnen. Es ist nicht l&auml;nger hinzunehmen, dass in unseren Schulen Subjektivit&auml;t und Innerlichkeit der Sch&uuml;ler (fast) nur als St&ouml;rung vorkommen. Die Subjektivit&auml;t der Sch&uuml;ler muss noch in ihren verqueren Ausdrucksformen ernst genommen und zum Gegenstand von Auseinandersetzungen zwischen leibhaftigen Menschen werden, die sich gerade in solchen Auseinandersetzungen als Menschen zu erkennen geben. Es kann nicht sein, dass Sch&uuml;ler, die leistungsschwach sind oder &bdquo;st&ouml;ren&ldquo;, b&uuml;rokratisch entsorgt werden. Kinder und Jugendliche brauchen Zuwendung am meisten, wenn sie sie am wenigsten &bdquo;verdienen&ldquo;. Das einzige Antidot gegen die Gewalt sind emotionale Bindungen der Sch&uuml;ler untereinander, an ihre Schule und Lehrer und ein lebendiges, offenes Schulklima, das es m&ouml;glich macht, &uuml;ber alles zu reden. Nur auf diese Weise kann verhindert werden, dass einzelne Sch&uuml;ler oder ganze Gruppen aus von der Schule gestifteten Bez&uuml;gen herausfallen und dauerhaft an den Rand gedr&auml;ngt werden. <\/p><p>&bdquo;Es h&auml;tte nur jemand mit mir reden m&uuml;ssen&ldquo;, hat ein amerikanischer School Shooter auf die Frage geantwortet, was h&auml;tte passieren m&uuml;ssen, um seinen Amoklauf zu verhindern. Schulen ben&ouml;tigen das, was b&uuml;rokratischen Institutionen eigentlich wesensfremd ist, also widrigen Verh&auml;ltnissen abgerungen werden muss: Einf&uuml;hlungsverm&ouml;gen und Sensibilit&auml;t f&uuml;r besondere Umst&auml;nde. Nur so sind Schulgemeinschaften imstande, die Folgen von Verletzungen wahrzunehmen, die die Schule einzelnen Sch&uuml;lern zuf&uuml;gt, und die Warnsignale aufzufangen, die die Verletzten und Gekr&auml;nkten aussenden, bevor sie zur Gewalt greifen. Routine, Bequemlichkeit und Indifferenz sorgen im Schulalltag daf&uuml;r, dass solche Vorzeichen &uuml;bersehen werden: die &Auml;u&szlig;erung von Suizidabsichten oder tiefer Ausweg- und Hoffnungslosigkeit, dauerhafte Mobbing- und Dissing-Attacken gegen&uuml;ber bestimmten Sch&uuml;lern, das Abdriften in gewaltges&auml;ttigte virtuelle Welten, apokryphe oder offene Andeutungen, dass &bdquo;demn&auml;chst irgendetwas passieren wird&ldquo;, das Erstellen von &bdquo;Todeslisten&ldquo;, die intensive heroisierende Besch&auml;ftigung mit anderen Amokl&auml;ufern und die &Uuml;bernahme von deren Zeichen- und Symbolsystemen. <\/p><p>Wenn sich Schw&auml;chen auf beiden oben beschriebenen Ebenen der Konkurrenz miteinander verfilzen, ist Gefahr im Verzug. Ein Versagen in der vertikalen schulischen Leistungskonkurrenz kann unter Umst&auml;nden kompensiert werden durch hinreichende Anerkennung auf der horizontalen Ebene der Statuskonkurrenz untereinander. Umgekehrt kann sich ein Sch&uuml;ler f&uuml;r  die mangelnde Akzeptanz bei seinesgleichen durch die narzisstischen Gratifikationen schadlos halten, die mit schulischen Erfolgen verbunden sind. Versagen beide Quellen der narzisstischen Zufuhr, mischt sich die Kritik an schwachen schulischen Leistungen mit Dem&uuml;tigungen, Schm&auml;hungen und Missachtung durch die anderen Sch&uuml;ler, kann ein Kollaps der inneren Selbstwertregulation die Folge sein. Gegen diesen drohenden narzisstischen Super-Gau ist Kampf mit allen Mitteln geboten. Die in diesem Kampf freigesetzten Aggressionen k&ouml;nnen in alle Richtungen gehen. Bei jungen M&auml;nnern wenden sie sich h&auml;ufig gegen die Au&szlig;en- und Mitwelt, bei jungen Frauen immer noch eher gegen die eigene Person.<\/p><p>Bei all dem pr&auml;ventiven Eifer, den man seit Erfurt an Schulen betreibt, wird h&auml;ufig &uuml;bersehen, dass alle spektakul&auml;ren Schulschie&szlig;ereien in Deutschland nicht von aktuellen, sondern von ehemaligen Sch&uuml;lern begangen wurden. Die T&auml;ter von Freising, Erfurt, Emsdetten und Winnenden kehrten nach mehr oder weniger gro&szlig;em zeitlichem Abstand an ihre ehemaligen Schulen zur&uuml;ck, um dort f&uuml;r vergangene und gegenw&auml;rtige Kr&auml;nkungen Rache zu &uuml;ben. Ein noch so ausgefuchstes &bdquo;Bedrohungsmanagement&ldquo; an diesen Schulen h&auml;tte also gegen diese Taten nichts auszurichten vermocht. Es sei denn, man h&auml;tte in Erfurt die b&uuml;rokratische Entsorgung eines Sch&uuml;lers verhindert oder f&uuml;rsorglich aufgefangen. Ehemalige Sch&uuml;ler befinden sich h&auml;ufig auf irgendwelchen Abstellgleisen im Niemandsland zwischen Schule und Beruf, Pubert&auml;t und Erwachsensein, und wissen nicht, gegen wen sie ihre ohnm&auml;chtige Wut wenden sollen. Diese sucht sich dann ein Ersatzopfer, einen S&uuml;ndenbock, der die Wut auf sich zieht, weil er verletzlich und greifbar ist und\/oder weil er mit vergangenen Kr&auml;nkungen assoziiert wird, die sich mit den gegenw&auml;rtigen tr&uuml;be verfilzen.<\/p><p>Die wirksamste Form der Pr&auml;vention gegen eskalierende Gewalt ist und bleibt eine soziale:<br>\nein von Empathie und Vertrauen getragenes Klima der Aufmerksamkeit und wechselseitigen Sorge. Jedes hysterische Agieren, das auff&auml;llige Sch&uuml;ler vorschnell verd&auml;chtigt, droht das informelle Fr&uuml;hwarnsystem, das eine halbwegs intakte Schulgemeinschaft hervorbringt, zu zerst&ouml;ren. Nicht jede Verhaltensauff&auml;lligkeit darf beh&ouml;rdliche Nachstellungen und sozialarbeiterische oder psychotherapeutische Zwangszuwendung ausl&ouml;sen. Die Ausbreitung einer Fahndungsmentalit&auml;t w&uuml;rde Gewaltphantasien in den Untergrund abdr&auml;ngen, wo sie sich der kommunikativen Bearbeitung und Entsch&auml;rfung entziehen. <\/p><div style=\"text-align: center\">*<\/div><p><strong>&bdquo;Ihr habt mich in eine Ecke getrieben &hellip;&ldquo;<br>\nEine kommentierte Chronik ausgew&auml;hlter Schulamokl&auml;ufe<\/strong> <\/p><ul>\n<li>Am 11.6.1964 dringt der Fr&uuml;hrentner Walter Seifert mit einer zu einem Flammenwerfer umgebauten Unkrautspritze und einer Lanze auf das Gel&auml;nde der Volksschule K&ouml;ln-Volkhoven vor. Den 42-j&auml;hrigen Mann, der als verschlossener Einzelg&auml;nger geschildert wird, treibt jahrelang aufgestaute Wut: Wut auf Beamte, die seine Tuberkulose-Erkrankung nicht als Kriegsfolge anerkennen und seine Rente nicht erh&ouml;hen, Wut auf &Auml;rzte, die nicht verhindert haben, dass seine Frau und ihr gemeinsames Baby im Kindbett starben. Die Wut rei&szlig;t sich schlie&szlig;lich von ihrem Anlass los und generalisiert sich zum Hass auf die ganze Welt, den er an seiner alten Schule austobt. Das erste Opfer ist die Lehrerin Anna Langohr, die auch ihm einst Lesen und Schreiben beibrachte. Sie turnt gerade mit einer M&auml;dchengruppe auf dem Schulhof. Dann zielt er mit dem Flammenwerfer auf die Kinder. Die Bilanz des bis dato in Deutschland einmaligen Schulmassakers: Acht tote Kinder, zwei tote Lehrerinnen, zwanzig Schwerverletzte, die dauerhaft Schmerzen, Narben und schwere Traumatisierungen davontragen. Der Amokl&auml;ufer t&ouml;tet sich unmittelbar nach der Tat selbst, indem er das Insektengift E 605 schluckt.<\/li>\n<li>Am 3.6.1983 st&uuml;rmt der 34-j&auml;hrige Exil-Tschechoslowake Karel Charva in eine Klasse der Freiherr-vom-Stein-Schule im hessischen Eppstein und beginnt um sich zu schie&szlig;en. Er t&ouml;tet drei Sch&uuml;ler, einen Lehrer und einen Polizisten. Anschlie&szlig;end erschie&szlig;t er sich selbst. Die Motive bleiben im Dunkeln.<\/li>\n<li>Am 13.3.1996 erschie&szlig;t der 43-j&auml;hrige arbeitslose Jugendbetreuer Thomas Hamilton in der Turnhalle einer Grundschule im schottischen Dunblane 16 Schulkinder und eine Lehrerin. Sechs Tage vor der Tat bat der Mann, der sich wegen seiner Homosexualit&auml;t ins Abseits gedr&auml;ngt f&uuml;hlte, in einem Brief die K&ouml;nigin um Hilfe, &bdquo;damit ich mein Selbstwertgef&uuml;hl in dieser Gesellschaft wiedererlangen kann.&ldquo; Nach der Tat setzt er seinem Leben ein Ende. In der Hoffnung, den Schrecken durch einen magischen Akt der &bdquo;W&uuml;stung&ldquo; zu bannen, l&auml;sst die Gemeinde die Turnhalle abrei&szlig;en.<\/li>\n<li>Am 24.3.1998 er&ouml;ffnen in Jonesboro\/Arkansas zwei 11- und 13-J&auml;hrige das Feuer auf Mitsch&uuml;ler und Lehrer, als diese nach einem von den beiden Jungen ausgel&ouml;sten Feueralarm die Schule verlassen. Vier Sch&uuml;lerinnen und eine Lehrerin kommen ums Leben. Mitchell Johnson, der &auml;ltere der beiden, wollte es vor allem seiner Ex-Freundin heimzahlen, die gerade mit ihm Schluss gemacht hatte.<\/li>\n<li>Am 20.4.1999, keineswegs zuf&auml;llig an Hitlers Geburtstag, nehmen in Littleton\/Colorado die von der Schulgemeinschaft an den Rand gedr&auml;ngten und der sogenannten Trenchcoat-Mafia angeh&ouml;renden Sch&uuml;ler Eric Harris und Dylan Klebold grausige Rache. &bdquo;Mein Zorn ist wie der eines Gottes&ldquo;, tr&auml;gt Dylan Klebold zuvor in sein Schuljahrbuch ein. Sie werden Sprengs&auml;tze und erschie&szlig;en einen Lehrer und zw&ouml;lf farbige und\/oder als Sportler hervorgetretene und deswegen von ihnen gehasste Mitsch&uuml;ler: &bdquo;Alle Sportler aufstehen, alle Sportler sind tot&ldquo;, rufen sie, bevor sie das Feuer er&ouml;ffnen. Am Ende ihres m&ouml;rderischen W&uuml;tens erschie&szlig;en sie sich selbst. Mit dem Massaker an der Columbine-Highschool beginnt auch f&uuml;r den Amoklauf das Zeitalter der Globalisierung: Die Bilder gehen um die Welt und das Internet sorgt daf&uuml;r, dass jederzeit und &uuml;berall eine Art Blaupause f&uuml;r Schul-Schie&szlig;ereien abrufbar ist. Wer in die Hall of Fame der &Uuml;belt&auml;ter und Negativ-Helden aufgenommen werden will, muss sich in puncto Opferzahl mit Klebold und Harris messen und die perverse &Uuml;berbietungsspirale ein St&uuml;ck weiter drehen.<\/li>\n<li>Am 1. November 1999 schie&szlig;t der 16-j&auml;hrige Lehrling Martin P. in Bad Reichenhall  aus dem Fenster der elterlichen Wohnung auf alles, was sich bewegt. Er t&ouml;tet vier Menschen und anschlie&szlig;end sich selbst. Der Schauspieler G&uuml;nter Lamprecht und seine Lebensgef&auml;hrtin Claudia Amm geraten durch einen Zufall ins Schussfeld des T&auml;ters und &uuml;berleben schwer verletzt und dauerhaft traumatisiert.<\/li>\n<li>Zu den unmittelbaren Nachahmungstaten, die jedes gr&ouml;&szlig;ere Massaker nach sich zieht, geh&ouml;rt die T&ouml;tung einer Lehrerin im s&auml;chsischen Mei&szlig;en durch einen 15-j&auml;hrigen Gymnasiasten am 9. November 1999. Er war bis dato in der Schule nie aufgefallen und galt als recht beliebter und guter Sch&uuml;ler. Er hatte seine Tat angek&uuml;ndigt und wiederholt von seinem &bdquo;Hass&ldquo; auf jene Lehrerin gesprochen.<\/li>\n<li>Zu den Nachbeben von Bad Reichenhall geh&ouml;rt auch das von drei 14-j&auml;hrigen Sch&uuml;lern f&uuml;r Ende November 1999 bis in alle Einzelheiten geplante Blutbad an einer Schule im bayerischen Metten, das die Polizei gerade noch rechtzeitig verhindern kann.<\/li>\n<li>Am 16. M&auml;rz 2000 schie&szlig;t der 16-j&auml;hrige Michael F. im bayerischen Brannenburg auf den Leiter eines Internats, der ihn am Tag zuvor wegen wiederholter Regelverst&ouml;&szlig;e der Schule verwiesen hatte. Der Lehrer stirbt Tage sp&auml;ter, der Sch&uuml;ler, der sich nach der Tat in den Kopf geschossen hatte, liegt seitdem im Koma.<\/li>\n<li>Am 8.6.2001 st&uuml;rmt in einem Vorort von Osaka\/Japan ein 37-j&auml;hriger Mann in einen Schulraum und ersticht acht Schulkinder mit einem Messer, 20 weitere werden zum Teil schwer verletzt.<\/li>\n<li>Am 19. Februar 2002 st&uuml;rmt der 22-j&auml;hrige, aus Polen stammende Adam L. mit einem Kampfanzug bekleidet in die R&auml;ume einer Echinger Dekorationsfirma, die ihn kurz zuvor entlassen hatte. Er erschie&szlig;t seinen ehemaligen Chef und dessen Vertreter. Dann l&auml;sst er sich per Taxi nach Freising zu seiner ehemaligen Schule fahren, an der er Jahre zuvor von einem Lehrer gedem&uuml;tigt und gekr&auml;nkt worden war. Er z&uuml;ndet Rohrbomben und erschie&szlig;t den Schulleiter. Mit der letzten Kugel t&ouml;tet er sich selbst.<\/li>\n<li>Diese Tat und vor allem ihr gro&szlig;es mediales Echo erlebt Robert S. in Erfurt, w&auml;hrend er &uuml;ber seinen Rachepl&auml;nen br&uuml;tet. Am 26.4.2002 f&uuml;hrt er sie aus und t&ouml;tet am Gutenberg-Gymnasium 12 Lehrer\/innen, zwei Sch&uuml;ler, eine Sekret&auml;rin und einen Polizisten, bevor er sich selbst umbringt.<\/li>\n<li>Nach dem Massaker gibt es allein in Th&uuml;ringen ca. 80 Drohungen von so genannten Trittbrettfahrern: &bdquo;Hier gibt es bald Erfurter Verh&auml;ltnisse.&ldquo;<\/li>\n<li>Im Oktober 2002 nimmt der 16-j&auml;hrige Marcel K. im baden-w&uuml;rttembergischen Waiblingen &ndash; ausger&uuml;stet mit einer schusssicheren Weste, einer Luftpistole und Bombenattrappen &ndash; zehn Sch&uuml;ler und eine Lehrerin als Geiseln. Nach intensiven Verhandlungen l&auml;sst er die Geiseln nach und nach frei und ergibt sich. Dass es in Waiblingen glimpflich ausgeht, f&uuml;hrt ein Polizeipsychologe &bdquo;auf Reste an Einf&uuml;hlungsverm&ouml;gen&rdquo; beim T&auml;ter zur&uuml;ck.<\/li>\n<li>In der N&auml;he von Barcelona nimmt im November 2002 ein bewaffneter Mann 25 Schulkinder als Geiseln und verlangt 1,5 Millionen Euro L&ouml;segeld. Er kann noch am selben Abend &uuml;berw&auml;ltigt und festgenommen werden.<\/li>\n<li>Am 2.7.2003 schie&szlig;t im bayerischen Coburg ein 16-j&auml;hriger Sch&uuml;ler eine Lehrerin an und t&ouml;tet sich anschlie&szlig;end selbst durch einen Schuss in den Mund. Die Waffe stammt aus dem Waffentresor des Vaters. Im Vorfeld der Tat scheint sich im Leben des Realsch&uuml;lers etwas ver&auml;ndert zu haben. &Auml;u&szlig;erlich kommt das darin zum Ausdruck, dass er schwarze Kleidung tr&auml;gt, sich f&uuml;r Satanismus interessiert und Gothik-Musik h&ouml;rt.<\/li>\n<li>Im Fr&uuml;hjahr 2006 schlagen Lehrer der R&uuml;tli-Schule und anderer Berliner Hauptschulen Alarm und klagen &uuml;ber eine Eskalation allt&auml;glicher Gewalt, die einen geregelten Unterricht kaum noch zul&auml;sst.<\/li>\n<li>Am 26.5.2006 sticht der stark alkoholisierte 16-j&auml;hrige Mike P. w&auml;hrend der Feierlichkeiten zur Er&ouml;ffnung des Berliner Hauptbahnhofs blindlings auf Passanten in der Menge ein. Er verletzt 37 Menschen, acht davon schwer. Er ist einer der seltenen Amokl&auml;ufer, die ihre Tat &uuml;berleben, und wird im M&auml;rz 2007 zu sieben Jahren Jugendstrafe verurteilt. Die Motive konnten auch vom Gericht nicht gekl&auml;rt werden.<\/li>\n<li>Am 20.11.2006 betritt der 18-j&auml;hrige Sebastian B., der sich im Internet ResistantX nennt, gegen 9:30 maskiert und schwer bewaffnet das Gel&auml;nde seiner ehemaligen Schule in Emsdetten, schie&szlig;t wahllos auf Menschen, z&uuml;ndet Rauchbomben. F&uuml;nf Personen werden durch Sch&uuml;sse verletzt, weitere 32 m&uuml;ssen wegen erlittener Schocks oder Rauchvergiftung behandelt werden. Dann t&ouml;tet er sich selbst. Im Internet hinterl&auml;sst er einen d&uuml;steren Abschiedsbrief, in dem er seinen Ekel vor den Menschen und seinen Hass gegen alle Welt verk&uuml;ndet: &bdquo;Bevor ich gehe, werde ich euch einen Denkzettel verpassen, damit mich kein Mensch mehr vergisst. Ich hasse euch und eure Art! Ihr m&uuml;sst alle sterben.&ldquo; Sebastian B. galt als Au&szlig;enseiter und Eigenbr&ouml;tler, der mit sich und der Umwelt nicht zurechtkam. Am Tag nach der Tat sollte wegen unerlaubten Waffenbesitzes vor Gericht gegen ihn verhandelt werden. Dass Sebastian B. seine weit reichenden Vernichtungspl&auml;ne nicht realisiert und sein mitgef&uuml;hrtes gro&szlig;es Waffenarsenal nicht aussch&ouml;pft, deutet auf Ambivalenzen und erhalten gebliebene T&ouml;tungshemmungen hin.<\/li>\n<li>Nach der Tat von Emsdetten tauchen in ganz Deutschland &bdquo;Amok-Listen&ldquo; von Trittbrettfahrern auf. Sch&uuml;ler k&uuml;ndigen via Internet Amokl&auml;ufe an Schulen an und versetzen ganze Bundesl&auml;nder in Aufregung und Tausende von Polizisten in Alarmbereitschaft. Wer &bdquo;keinen Bock auf Schule hat&ldquo;, &auml;u&szlig;ert im Internet eine Drohung und schon f&auml;llt am n&auml;chsten Tag die Schule aus.<\/li>\n<li>Am 16.4.2007 erschie&szlig;t der aus S&uuml;dkorea stammende Cho Sueng-Hui an der technischen Universit&auml;t von Virginia 32 Studenten und Dozenten, bevor er sich selbst t&ouml;tet. Einige Tage nach der Tat tauchte beim Fernsehsender NBC ein P&auml;ckchen mit einer umfangreichen multimedialen Dokumentation auf. Der Absender: Cho Sueng-Hui. In Texten, auf Fotos und in Videos doziert und posiert er mit an den Kopf gehaltenen Waffen. Er redet in abgehackten, oft wirren S&auml;tzen und mit einer pathetischen Sprache und bezichtigt die ganze Welt, ihm Unrecht getan zu haben. In einer seiner letzten Botschaften formuliert er in beinahe w&ouml;rtlicher Anlehnung an Harris und Klebold: &bdquo;Ihr hattet hundert Milliarden Chancen, das hier zu vermeiden. Aber ihr habt entschieden, mein Blut zu vergie&szlig;en. Ihr habt mich in eine Ecke getrieben und mir nur eine Option gelassen. Als die Zeit kam, habe ich es getan. Ich musste es tun.&ldquo;<\/li>\n<li>Am 7.11.2007 erschie&szlig;t der 18-j&auml;hrige Abiturient Pekka Eric Auvinen an einem Schulzentrum im finnischen Jokela sechs Mitsch&uuml;ler, eine Schulkrankenschwester und die Schulleiterin. Dann t&ouml;tet er sich selbst mit einem Kopfschuss.<\/li>\n<li>Knapp ein Jahr sp&auml;ter, am 23.9.2008, ereignet sich erneut ein Schulamoklauf in Finnland. An einer Berufsschule in Kauhajoki t&ouml;tet der 22-j&auml;hrige Matti Saari neun Menschen und sich selbst. Genau wie Auvinen posierte auch er in den Wochen vor der Tat im Internet-Portal Youtube mit Waffen und k&uuml;ndigte dort das Massaker an. Auf seiner Webseite beschrieb er sich als Hard-Rock-Fan und Konsument von Horrorvideos. Seine Hobbys: Sex, Computer, Waffen und Bier. Der mediale Narzissmus spielt in j&uuml;ngster Zeit bei der Planung und Durchf&uuml;hrung von Amokl&auml;ufen eine immer gr&ouml;&szlig;ere Rolle und es wird &uuml;ber das Medium Internet eine grandiose Selbstinszenierung betrieben.<\/li>\n<li>Am 26.11.2008 muss nach einer per E-Mail eingegangenen Drohung der Unterricht an einer Gesamtschule in Erfurt ausfallen.<\/li>\n<li>Am 11.3.2009 kehrt der 17-j&auml;hrige Tim Kretschmer in schwarzer Kampfmontur an seine ehemalige Schule in Winnenden, die Albertville-Realschule, zur&uuml;ck und schie&szlig;t mit einer Pistole aus dem Besitz seines Vaters in mehreren Klassenr&auml;umen um sich. Er t&ouml;tet acht Sch&uuml;lerinnen, einen Sch&uuml;ler, drei Lehrerinnen. Nach dem Eintreffen der Einsatzkr&auml;fte verl&auml;sst er die Schule und t&ouml;tet auf seiner Flucht drei weitere Menschen. Schlie&szlig;lich wird er auf einem Parkplatz vor einem Autohaus umstellt und angeschossen. Schlie&szlig;lich erschie&szlig;t er sich selbst. In den folgenden Tagen und Wochen kommt es zu unz&auml;hligen Amokdrohungen von Trittbrettfahrern und Wichtigtuern. Die Gie&szlig;ener Kriminologin Bannenberg sprach in einem Vortrag von circa 2000 solcher &bdquo;Bedrohungsf&auml;llen&ldquo; in den Wochen nach dem Amoklauf. Spektakul&auml;re Verbrechen aktualisieren bei anderen eine zuvor bereits latent vorhandene Tatbereitschaft und ziehen h&auml;ufig gravierende Resonanzstraftaten nach sich. Ein Mann l&ouml;scht wenige Tage nach dem Massaker von Winnenden seine Familie aus und t&ouml;tet sich selbst, der lange schwelende Groll &uuml;ber einen Erbschaftsstreit entl&auml;dt sich in einer Schie&szlig;erei im Amtsgericht von Landshut\/Bayern, der zwei Menschen zum Opfer fallen. Wenige Kilometer von Winnenden entfernt bringen zwei Jugendliche eine vierk&ouml;pfige Familie um. (s.u.)<\/li>\n<li>Am 11. Mai 2009, also exakt zwei Monate nach dem Amoklauf von Winnenden, kann die 16-j&auml;hrige Gymnasiastin Tanja O. aus dem nordrhein-westf&auml;lischen Sankt Augustin gerade noch daran gehindert werden, Brands&auml;tze in Klassenzimmer zu werfen und mit einem Samurai-Schwert zu w&uuml;ten. Eine 17-j&auml;hrige Mitsch&uuml;lerin hatte sie auf der Schultoilette w&auml;hrend der Vorbereitungen entdeckt. Sie verliert im Handgemenge mit der T&auml;terin einen Daumen. Tanja O. wird im November 2009 vom Landgericht Bonn zu einer Jugendstrafe von f&uuml;nf Jahren verurteilt. Ihre Unterbringung in der Psychiatrie wird vom Gericht nicht f&uuml;r notwendig erachtet.<\/li>\n<li>Am 17.9.2009 wirft im fr&auml;nkischen Ansbach der 18-j&auml;hrige Sch&uuml;ler Georg R. am Gymnasium Carolinum einen sogenannten Molotow-Cocktail und geht mit einer Axt gegen seine Mitsch&uuml;ler vor. Er verletzt 9 Sch&uuml;ler und einen Lehrer. Ende April 2010 spricht die Gro&szlig;e Jugendkammer des Landgerichts Ansbach nach vier Verhandlungstagen ihr Urteil. Georg R. wird zu einer Jugendstrafe von neun Jahren verurteilt. Da ihm von einem Gutachter eine &bdquo;schizoide Pers&ouml;nlichkeitsst&ouml;rung&ldquo; attestiert wird, ordnet das Gericht seine zun&auml;chst unbefristete Unterbringung in der Psychiatrie an. Die Verhandlung ergab das Bild eines nach au&szlig;en unauff&auml;lligen, in sich gekehrten und isolierten Jungen, der unter dieser Isolation litt und sich in seinem Tagebuch eine Tagtraum- und Parallelwelt geschaffen hatte.<\/li>\n<li>Am 18.2.2010 dringt der 23-j&auml;hrige Florian K. in seine fr&uuml;here Berufsschule in Ludwigshafen ein und sticht mit einem Kampfmesser auf einen Lehrer ein, der ihn seiner Meinung nach vor Jahren zu schlecht benotet und damit mit um seine beruflichen Chancen gebracht hat. Der Lehrer erliegt wenig sp&auml;ter seinen Verletzungen. Der junge Mann hatte seine Tat lang geplant und sich intensiv mit anderen Amokl&auml;ufern wie Robert S. und Auvinen befasst. Was ihn dazu getrieben hat, sechs Jahre nach dem Verlassen dieser Schule zur&uuml;ckzukehren und sich blutig zu r&auml;chen, konnten die Ermittler zun&auml;chst nicht feststellen. Dem jungen Mann war es aber offenbar nicht gelungen, im Leben Fu&szlig; zu fassen und sich beruflich zu verorten.<\/li>\n<li>Mitte Juni 2010 kann an einem Gymnasium in Germering\/Bayern ein Amoklauf verhindert werden. Ein 17-J&auml;hriger war dabei erwischt worden, wie er mit einem Bunsenbrenner eine Fl&uuml;ssigkeit erhitzen wollte, mittels derer er vorgehabt habe, die Schule in die Luft zu sprengen. Auch er war immer wieder gemobbt und geh&auml;nselt worden und galt als Au&szlig;enseiter.<\/li>\n<li>Im Januar 2011: Nach einer anonymen Bombendrohung muss das Erfurter Gutenberg-Gymnasium evakuiert werden. Fahnder mit Sp&uuml;rhunden suchen das Geb&auml;ude ab, finden aber nichts.<\/li>\n<li>Am 22. Juli 2011 z&uuml;ndet der 32-j&auml;hrige Anders Behring Breivik zun&auml;chst im Regierungsviertel von Oslo eine Autobombe, wobei acht Menschen ums Leben kommen. Dann f&auml;hrt er in Polizeiuniform zur Insel Utoya und er&ouml;ffnet das Feuer auf Jugendliche, die dort ihre Ferien in einem Sommerlager der Norwegischen Arbeiterpartei verbringen. Im Laufe einer Stunde erschie&szlig;t er 69 von ihnen. Breivik mutet an wie eine Kreuzung aus einem Freikorpsmann der 1920er Jahre und einem zeitgen&ouml;ssischen School Shooter: Mit jenem teilt er die rassistische und frauenfeindliche Programmatik, mit diesem die Choreographie des Vorgehens und den medialen Narzissmus. Breivik ergibt sich schlie&szlig;lich der anr&uuml;ckenden Polizei und wartet seither auf den letzten Akt seiner Tat: den Prozess, den er zu seiner Arena machen m&ouml;chte. &bdquo;Wenn man zum T&ouml;ten f&auml;hig sein will&ldquo;, sagt er am Ende der ersten Prozesswoche, &bdquo;muss man trainieren, seine Gef&uuml;hle auszumerzen. Man muss eine Strategie der Entmenschlichung verfolgen. Wenn man den Gegner nicht entmenschlicht, kann man ihn nicht t&ouml;ten, wenn man ihm gegen&uuml;bersteht.&ldquo; Bestandteil seines mentalen Vorbereitungs- und Desensibilisierungsprogramms war es, ein ganzes Jahr lang in die virtuelle Welt von World of Warcraft einzutauchen.<\/li>\n<li>Am 9. November 2011 will in der Kleinstadt Ballenstedt im Harz ein 13-j&auml;hriges M&auml;dchen an seiner Schule Amok laufen. Sie z&uuml;ndet Brands&auml;tze und will dann mit Messern und einer Axt auf ihre Mitsch&uuml;ler losgehen. Die herbeigerufene Polizei kann sie schnell &uuml;berw&auml;ltigen. Sie wird in eine psychiatrische Klinik eingeliefert. Aus Kreisen der Ermittler hei&szlig;t es, das M&auml;dchen habe im Elternhaus und in der Schule Probleme gehabt. In diesem Fall wird man davon ausgehen k&ouml;nnen, dass es sich wohl eher um einen Hilferuf, als um den Versuch der Durchf&uuml;hrung eines geplanten Amoklaufs gehandelt hat.<\/li>\n<li>Am 2. April 2012 st&uuml;rmt ein 43-j&auml;hriger aus Korea stammender ehemaliger Student mit einer Waffe auf den Campus eines christlichen Privatcolleges in Oakland\/Kalifornien und erschie&szlig;t sieben Studierende. Der Sch&uuml;tze hatte laut Polizei offenbar gezielt nach einer bestimmten Angestellten aus der Verwaltung gesucht. Als er diese nicht finden konnte, t&ouml;tete er den Angaben zufolge wahllos sechs Frauen und einen Mann. Der T&auml;ter stellt sich wenig sp&auml;ter der Polizei. Er sei vor kurzem wegen Verhaltensproblemen der Hochschule verwiesen worden und habe sich daf&uuml;r r&auml;chen wollen, teilt der Polizeipr&auml;sident von Oakland mit. Zudem sollen ihm H&auml;nseleien seiner Mitsch&uuml;ler wegen seiner schlechten Englischkenntnisse zugesetzt haben.<\/li>\n<\/ul><div style=\"text-align: center\">*<\/div><p>Teile dieses Textes, insbesondere die aktualisierte Chronik sind meinem 2010 im M&uuml;nchner Pattloch-Verlag erschienen Buch <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Damit-mich-kein-Mensch-vergisst\/dp\/3629022502#reader_B004X2V1R2\">&ldquo;&hellip; damit mich kein Mensch mehr vergisst! Warum Amok und Gewalt kein Zufall sind&rdquo;<\/a> entnommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am heutigen Tag vor 10 Jahren lief ein Sch&uuml;ler am Erfurter Gutenberg-Gymnasium Amok und t&ouml;tete 16 Menschen und sich selbst. <strong>G&ouml;tz Eisenberg<\/strong> hat auf die damaligen schrecklichen Ereignisse <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12961\">zur&uuml;ckgeblickt<\/a> und danach gefragt, was aus diesem Massaker <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12985\">wirklich gelernt wurde<\/a>. Lesen Sie heute den letzten Teil seiner Beobachtungen und seinen Schlussfolgerungen. 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