{"id":130,"date":"2004-02-04T11:06:38","date_gmt":"2004-02-04T10:06:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=130"},"modified":"2016-04-02T12:45:24","modified_gmt":"2016-04-02T10:45:24","slug":"die-revolution-von-oben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=130","title":{"rendered":"Die Revolution von oben"},"content":{"rendered":"<p>Markus Grill, stern, 17. Dezember 2003<br>\n<!--more--><br>\nVor vier Jahren las Arbeitgeberpr&auml;sident Martin Kannegiesser eine Meinungsumfrage, die ihn &auml;rgerte. Darin stand, dass die Bev&ouml;lkerungsmehrheit Wirtschaftsbosse f&uuml;r egoistisch h&auml;lt, f&uuml;r Leute, die &ldquo;nur an ihre eigenen Interessen&rdquo; denken und &ldquo;kein Verst&auml;ndnis f&uuml;r die Sorgen der kleinen Leute&rdquo; haben. Der Arbeitgeberpr&auml;sident raufte sich die verbliebenen Haare und fragte sich: Was tun? Kannegiesser hoffte damals, dass Kanzler Schr&ouml;der endlich die von der Wirtschaft ersehnten Sozialreformen anpackt &ndash; und nun diese Umfrage! 67 Prozent der Befragten verbanden mit dem Wort Reform &ldquo;Bef&uuml;rchtungen&rdquo; oder &ldquo;Skepsis&rdquo;. Beim Stichwort soziale Marktwirtschaft fiel den Leuten im Osten vor allem &ldquo;Egoismus&rdquo; und &ldquo;Ausbeutung&rdquo; ein. Kannegiessers Fazit: &ldquo;Das, was die Bev&ouml;lkerung will, und das, was die F&uuml;hrungskr&auml;fte in der Wirtschaft f&uuml;r notwendig hielten, klaffte himmelweit auseinander.&rdquo;<\/p><p>Was sollte der Boss der Metall-Arbeitgeber tun? Aufgeben? Alle Hoffnungen fahren lassen, dass Rot-Gr&uuml;n einen wirtschaftsfreundlichen Kurs einschl&auml;gt? Gar auswandern, seine Waschmaschinenfirma gleich mit nach Asien verlagern? Oder hier bleiben und sich ein anderes Volk suchen? Der milde l&auml;chelnde Kannegiesser entschied sich f&uuml;r Letzteres. Weil man 82 Millionen Menschen nicht einfach auswechseln kann, griff er zu einer List. Er wollte die Leute ein bisschen umerziehen. &ldquo;Aufkl&auml;ren&rdquo; nennt er das. Ihnen mit schlauen Parolen die Notwendigkeit von radikalen Reformen einh&auml;mmern, sie mit Plakaten, Anzeigen und TV-Spots &uuml;bersch&uuml;tten, auf dass die Leute die W&uuml;nsche der Wirtschaft als ihre eigenen begreifen. Kannegiesser, 62, und die Bosse von Gesamtmetall waren sich rasch einig, dass man &ldquo;viel Geld in die Hand nehmen&rdquo; m&uuml;sse, um eine PR-Maschine f&uuml;r ein wirtschaftsfreundliches Klima zum Laufen zu bringen. Kannegiessers Argument: &ldquo;Wir als Metall- und Elektroindustrie sind wie keine andere in die Weltwirtschaft eingebunden. Wir sind also viel st&auml;rker darauf angewiesen, dass sich die Produktionsbedingungen f&uuml;r Unternehmen verbessern.&rdquo; <\/p><p><strong>50 Millionen Euro<\/strong> machte Gesamtmetall locker und gr&uuml;ndete damit im Jahr 2000 die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM). Das war der Auftakt. Seitdem folgen Reforminitiativen ohne Ende. Sie hei&szlig;en B&uuml;gerkonvent, Klarheit in die Politik, Marke Deutschland, Deutschland packt&rsquo;s an oder, j&uuml;ngstes Beispiel, Konvent f&uuml;r Deutschland, eine Initiative von Roland Berger, 66, und Hans-Olaf Henkel, 63, mit Roman Herzog, 69, als Galionsfigur. Es ist eine au&szlig;erparlamentarische Opposition von oben. Angef&uuml;hrt von alten M&auml;nnern wie dem Ex-Bundesbankpr&auml;sidenten Hans Tietmeyer, 72, die lange Zeit f&uuml;r die Entwicklung der Republik verantwortlich waren. Die Old Boys wollen die K&ouml;pfe und Herzen der Bev&ouml;lkerung ver&auml;ndern und sie zu Wirtschaftsreformen &uuml;berreden. Dabei ist die Agenda 2010 f&uuml;r sie erst der Anfang eines viel weiter gehenden Abbaus staatlicher Leistungen wie Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe. Ihr Einfluss geht mittlerweile so weit, dass von Sabine Christiansen bis Maybrit Illner keine Talkshow mehr ohne sie auskommt. <\/p><p>Die Finanziers der Propaganda bleiben dabei gern im Hintergrund. So wollte auch der Arbeitgeberverband Gesamtmetall bei der INSM nicht selbst die Reformbotschaften verk&uuml;nden. Allzu leicht h&auml;tte man Einseitigkeit unterstellt. Deshalb wurde ein Kuratorium gegr&uuml;ndet, in dem Edmund Stoiber, Oswald Metzger oder Tietmeyer vertreten sind. Das Kuratorium traf sich bis heute kein einziges Mal, aber das ist auch nicht so wichtig.<\/p><p>Wichtig ist dagegen, dass die Propagandamaschine auf Hochtouren l&auml;uft. Als Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer fungieren der ehemalige Pressechef des Bundesverbands der Deutschen Industrie, Dieter Rath, und der Ex-Wirtschaftsjournalist Tasso Enzweiler. Die beiden legten eine fl&auml;chendeckende Anzeigenkampagne auf und warben mit Sprechblasen von Lothar Sp&auml;th, Uli Hoene&szlig;, Arnulf Baring oder Roland Berger. &ldquo;Deutschland kann den Aufstieg schaffen&rdquo;, stand da. Oder: &ldquo;Der Fehler liegt im System.&rdquo; Das war zwar ein bisschen allgemein gehalten, st&ouml;rte anfangs aber nicht. Es ging ja nur darum, das Meinungsklima zu &auml;ndern. Inzwischen habe die Initiative konkrete Vorschl&auml;ge erarbeitet zur Gesundheits-, Renten- und Arbeitsmarktreform, sagt Kannegiesser. Was er wirklich will, hat er oft genug deutlich gemacht: Senkung der Lohnkosten, mehr Druck auf Arbeitslose. <\/p><p>Im kommenden Jahr l&auml;uft die bisherige Finanzierung der INSM aus, doch Kannegiesser hat sich in seinem Verband daf&uuml;r stark gemacht, der Propagandatruppe weitere 50 Millionen Euro zukommen zu lassen. Au&szlig;erdem steht der INSM noch ein warmer Geldregen aus M&uuml;nchen bevor. Dort residiert im noblen Vorort Gr&uuml;nwald Dieter Rickert, 63, Deutschlands bekanntester Headhunter. F&uuml;r das &ldquo;Manager Magazin&rdquo; geh&ouml;rt er zu den 50 einflussreichsten M&auml;nnern der deutschen Wirtschaft. Der passionierte Pfeifenraucher kassiert mindestens 100.000 Euro pro Vermittlung. <\/p><p>Rickert sieht die Lage in Deutschland &auml;hnlich mies wie Kannegiesser. &ldquo;Das Problem sind aber nicht die Politiker, die wissen n&auml;mlich, was man machen muss. Sie trauen sich nur nicht, weil sie Angst vor den W&auml;hlern haben, die keine Reformen wollen.&rdquo; Deshalb will auch Rickert die Bev&ouml;lkerung &ldquo;aufkl&auml;ren&rdquo;. &ldquo;Die W&auml;hler haben ja letztlich keine Ahnung, was in der Republik passiert, die benehmen sich wie ein Fanclub, nicht wie ein verst&auml;ndiges Wahlpublikum.&rdquo; Dabei sei klar, was passieren m&uuml;sse: Arbeitskosten runter, mehr private Vorsorge, l&auml;ngere Arbeitszeiten, weniger K&uuml;ndigungsschutz, weniger Arbeitslosenhilfe und so weiter. &ldquo;Aber die Leute sehen das immer noch nicht ein.&rdquo; Deshalb m&uuml;sse man es ihnen ganz simpel erkl&auml;ren. &ldquo;Politische Botschaften so wie bei der &lsquo;Sendung mit der Maus&rsquo;.&rdquo; Die Initiative, die Rickert Anfang 2004 gr&uuml;nden will, soll daher &ldquo;Klarheit in die Politik&rdquo; hei&szlig;en. <\/p><p><strong>Urspr&uuml;nglich<\/strong> wollte der Headhunter dazu bei Unternehmen eine Milliarde Euro einsammeln. Dieser Batzen sollte in einer Stiftung geparkt werden und j&auml;hrlich mit Zinsen und Spenden 100 Millionen Euro zur Finanzierung der Kampagnen abwerfen. Im Juli lud Rickert 500 Unternehmer zu einem Treffen in den Bayerischen Hof in M&uuml;nchen ein, 100 erschienen. Schnell war aber klar, dass nicht genug Geld zusammenkommt. Jetzt plant Rickert eine Ministiftung, die j&auml;hrlich 100 Millionen Euro Spendengelder einsammeln soll.<\/p><p>Die Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung will er der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft &uuml;berlassen. Sie soll mit Werbeagenturen die &ldquo;optimale Ansprache f&uuml;r den typischen &lsquo;Bild&rsquo;-Leser aust&uuml;fteln&rdquo;. &ldquo;Lichtfiguren&rdquo; sollen f&uuml;r Glaubw&uuml;rdigkeit sorgen. &ldquo;Meine Traumkombination w&auml;re neben Tietmeyer der Kardinal Lehmann und Martin Walser.&rdquo; Vom Kardinal ist Rickert neuerdings ganz begeistert, seit er eine Rede Lehmanns vor der INSM gelesen hat. &ldquo;Elektrisiert&rdquo; hat ihn vor allem der Satz, dass &ldquo;die sozialpolitische Unterst&uuml;tzung bei einem steigenden allgemeinen Wohlstand nicht wachsen kann, sondern eher zur&uuml;ckgenommen werden muss&rdquo;. Rickert klatscht in die H&auml;nde: &ldquo;Genau! Bei uns ist es aber exakt umgekehrt gelaufen: Immer mehr Wohlstand und trotzdem immer h&ouml;here Sozialleistungen.&rdquo; Die Leute m&uuml;ssten einfach einsehen, dass wir uns das nicht mehr leisten k&ouml;nnen. Er h&auml;lt es deshalb f&uuml;r sinnvoll, die Sozialhilfe f&uuml;r Arbeitsf&auml;hige zu k&uuml;rzen oder die Zahl der Urlaubstage von 30 auf 21 zu verringern. <\/p><p>Was die Radikalit&auml;t seiner Ansichten angeht, kann Rickert es mit einer weiteren Initiative aufnehmen, dem B&uuml;rgerkonvent von Meinhard Miegel, einem aus Talkshows bekannten Wirtschaftsprofessor. Miegel, 64, ist ein alter Hase im Politikbetrieb: 1977 gr&uuml;ndete er zusammen mit Kurt Biedenkopf das Institut f&uuml;r Wirtschaft und Gesellschaft Bonn, eine neoliberale Denkfabrik. Seit 20 Jahren weist der stets in feines Tuch gekleidete Professor darauf hin, dass die Deutschen immer &auml;lter werden und deshalb die Rente in ihrer heutigen H&ouml;he nicht mehr finanzierbar ist: &ldquo;Langfristig werden wir uns nur noch eine Rente auf Sozialhilfeniveau leisten k&ouml;nnen. F&uuml;r den Rest muss man selbst vorsorgen.&rdquo; Setzen sich Miegels Ansichten durch, nutzt das vor allem den Versicherungskonzernen &ndash; nicht zuf&auml;llig ist Miegel auch Berater des von dieser Branche unterhaltenen Instituts f&uuml;r Altersvorsorge. <\/p><p>Miegels Mission ist es, der Bev&ouml;lkerung klar zu machen, dass &ldquo;Deutschland vor einem Umbruch in Gr&ouml;&szlig;enordnungen steht, die die meisten noch gar nicht realisiert haben&rdquo;. Es gehe &ldquo;beinhart und alternativlos&rdquo; darum, &ldquo;dass das Versorgungsniveau aus den &ouml;ffentlichen Kassen zur&uuml;ckgef&uuml;hrt werden muss&rdquo;. Nicht nur die Rente, auch die Pflegeversicherung und die Krankenversicherung fliege uns &ldquo;bald um die Ohren&rdquo;. Miegel verk&uuml;ndet seine Botschaften am liebsten in Talkshows &ndash; und am allerliebsten in Talkshows, in denen keine Arbeitslosen oder andere Betroffene sitzen. Als Miegel erfuhr, dass solche Personen in der SWR-Talkshow &ldquo;Nachtcaf&eacute;&rdquo; auftreten w&uuml;rden, sagte er einen Tag vor Aufzeichnung der Sendung ab und begr&uuml;ndete das damit, dass man &ldquo;diesen Personenkreis m&ouml;glichst unter sich diskutieren lassen sollte&rdquo;.<\/p><p>Miegel leidet unter &ldquo;der Uneinsichtigkeit der Bev&ouml;lkerung&rdquo;: &ldquo;Die Leute lehnen v&ouml;llig Unvermeidliches als unzumutbar ab&rdquo;, ruft er. Deshalb will er &uuml;berall lokale B&uuml;rgerkonvente gr&uuml;nden, die Druck auf &ouml;rtliche Abgeordnete aus&uuml;ben sollen, damit die Politiker nicht nachlassen im Reformeifer. In Stuttgart, M&uuml;nchen und Vellmar (Nordhessen) sind schon solche Konvente entstanden.<\/p><p>F&uuml;r Headhunter Dieter Rickert sind diese lokalen Konvente ein Grauen, keine klare Linie sei da erkennbar. Rickert erz&auml;hlt gen&uuml;sslich, wie er vor kurzem zu einem Abendessen eingeladen war, bei dem 20 Akademiker zusammensa&szlig;en. &ldquo;Einer brachte einen Packen Unterlagen des B&uuml;rgerkonvents mit. Da hab ich mich dumm gestellt und gefragt: &lsquo;Erkl&auml;ren Sie doch mal, was wollen Sie eigentlich?&rsquo; Da sagte er: &lsquo;Ja, so geht&rsquo;s doch nicht weiter in der Politik.&rsquo; Weil er nicht erkl&auml;ren konnte, was er genau wollte, nahm ich das Manifest des B&uuml;rgerkonvents und las es vor. Die Damen g&auml;hnten, die Herren h&ouml;rten zu, am Ende fragte ich, was nun konkret passieren soll? Es herrschte heillose Verwirrung.&rdquo;<\/p><p><strong>Auch bei der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft<\/strong> r&uuml;mpft man &uuml;ber Miegels B&uuml;rgerkonvent die Nase. Tietmeyer und Kannegiesser st&ouml;ren sich daran, dass der Bonner Professor die Geldgeber des Konvents verschweigt, der allein f&uuml;r seine gro&szlig; angelegte Werbekampagne rund sechs Millionen Euro ausgab. Nach stern-Recherchen steckt der D&uuml;sseldorfer Kaufmann und CDU-Gro&szlig;spender Udo van Meeteren, 77, als Finanzier hinter dem B&uuml;rgerkonvent. Van Meeteren behauptet aber, nicht der einzige Spender zu sein. Er habe den B&uuml;rgerkonvent nur mit 5.000 Euro unterst&uuml;tzt. <\/p><p>Rudolf Speth, Politikwissenschaftler in Berlin und Verfasser einer Studie &uuml;ber den B&uuml;rgerkonvent, kritisiert die &ldquo;fehlende Transparenz&rdquo; und &ldquo;tendenziell undemokratische Struktur&rdquo; von Miegels Truppe: &ldquo;Bei einer Summe von sechs Millionen Euro ist es f&uuml;r die &Ouml;ffentlichkeit wichtig, dass sie &uuml;ber die Herkunft und die damit verbundene Interessenlage informiert wird.&rdquo; Bemerkenswert findet Speth am B&uuml;rgerkonvent auch den &ldquo;Widerspruch zwischen der Partein&auml;he der Protagonisten und der strikten Anti-Partei-Haltung in den Texten und &ouml;ffentlichen &Auml;u&szlig;erungen.&rdquo; Miegel geh&ouml;re &ldquo;zum Kern des zentralen Netzwerks der CDU&rdquo;. <\/p><p>K&uuml;rzlich traf sich erstmals ein weiterer Club von konservativ-liberalen Systemver&auml;nderern unter dem Namen Konvent f&uuml;r Deutschland. Vorzeigefigur ist der ehemalige Bundespr&auml;sident Roman Herzog, hinter dem Verein stecken der ehemalige BDI-Chef Hans-Olaf Henkel und der Unternehmensberater Roland Berger. Berger sitzt in seiner Zentrale in M&uuml;nchen und erl&auml;utert mit m&uuml;der Stimme, &ldquo;dass unser politisches System, wie jede Ordnung, die sich nicht anpasst, verkommen ist&rdquo;, und wir die &ldquo;Entscheidungsprozesse effizienter gestalten m&uuml;ssen&rdquo;. Ihn st&ouml;rt vor allem, dass der Bundesrat mehr als die H&auml;lfte aller Gesetze des Bundestags blockieren kann. &ldquo;Maggie Thatcher h&auml;tte als Bundeskanzlerin in Deutschland keine ihrer Reformen durchgebracht.&rdquo;<\/p><p>Berger und Henkel wollen mit bekannten Namen f&uuml;r ihre Vorschl&auml;ge werben. Neben Herzog haben sie die &uuml;blichen Verd&auml;chtigen ins Boot geholt: Lambsdorff, Metzger, Glotz und einige andere. Eine Anschubfinanzierung kam von der Deutschen Bank. Immer wieder werde man im n&auml;chsten Jahr mit Vorschl&auml;gen an die Presse gehen und so die &ldquo;Reform der Reformf&auml;higkeit&rdquo; in Deutschland pushen.<\/p><p>Berger findet es klasse, dass &uuml;berall nun radikal-liberale Konvente und Initiativen entstehen und die Reformbereitschaft der Bev&ouml;lkerung anheizen. &ldquo;Das zeigt doch auch, dass immer mehr B&uuml;rger mit den gegenw&auml;rtigen Verh&auml;ltnissen unzufrieden sind.&rdquo; B&uuml;rger? Oder sind es eher Eliten, die da eine andere Republik propagieren? Berger kontert: &ldquo;Die Tatsache, dass es Eliten sind, die Dinge in Bewegung bringen, ist doch nicht neu. Es gibt keine Revolution, die nicht von der Elite ausging. Auch Lenin war Elite.&rdquo; <\/p><p><strong>Die wichtigsten Trommler f&uuml;r ein anderes Deutschland<\/strong><\/p><p>F&uuml;nf Reforminitiativen h&auml;mmern der Bev&ouml;lkerung mit millionenschweren Anzeigenkampagnen und prominenten Unterst&uuml;tzern ihre Botschaft ein: Reformen sind gut &ndash; Sozialabbau ist besser!<\/p><p><strong>B&uuml;rgerkonvent<\/strong><br>\n<strong>These:<\/strong> Meinhard Miegel (fr&uuml;her CDU-Bundesgesch&auml;ftstelle) will den Reformstau in Deutschland &ldquo;aktiv &uuml;berwinden&rdquo; &ndash; durch TV-Spots, &ouml;ffentliche Auftritte und lokale Konvente.<br>\n<strong>Unterst&uuml;tzer:<\/strong> Hans-Olaf Henkel, Roland Berger, Otto Graf Lambsdorff, Peter Glotz, Rupert Scholz.<br>\n<strong>Finanzierung:<\/strong> unklar, nach stern-Informationen u. a. durch D&uuml;sseldorfer CDU-Gro&szlig;spender.<\/p><p><strong>Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (auch: Chancen f&uuml;r alle)<\/strong><br>\n<strong>These:<\/strong> Soziale Marktwirtschaft ist durch zu viel Wohlfahrtsstaat &uuml;berlastet, er muss gestutzt werden. Haben den &ldquo;Reformer des Jahres&rdquo; w&auml;hlen lassen, schalten Anzeigen, platzieren Unterst&uuml;tzer in Talkshows.<br>\n<strong>Kuratorium:<\/strong> Hans Tietmeyer, Martin Kannegiesser (Gesamtmetall), Oswald Metzger, Randolf Rodenstock, Edmund Stoiber u. a.<br>\n<strong>Unterst&uuml;tzer:<\/strong> Arnulf Baring, Roland Berger, Peter Glotz, Arend Oetker, Lothar Sp&auml;th, Florian Gerster, Michael Glos, Dagmar Schipanski u. a.<br>\n<strong>Finanzierung:<\/strong> 50 Millionen Euro von Gesamtmetall, weitere 50 Millionen Euro geplant.<\/p><p><strong>Konvent f&uuml;r Deutschland<\/strong><br>\n<strong>These:<\/strong> Das politische System hat sich &uuml;berlebt, Bundestag und Bundesrat blockieren sich zu h&auml;ufig. Deutschland braucht eine Neuordnung.<br>\n<strong>Konventskreis:<\/strong> Roman Herzog, Roland Berger, Hans-Olaf Henkel, Klaus v. Dohnanyi, Peter Glotz, Oswald Metzger, Otto Graf Lambsdorff, Rupert Scholz, Henning Voscherau u. a.<br>\n<strong>Finanzierung:<\/strong> Anschub von Deutscher Bank, weitere Finanziers gesucht.<\/p><p><strong>Initiative Klarheit in die Politik (in Gr&uuml;ndung)<\/strong><br>\n<strong>These:<\/strong> Die Bev&ouml;lkerung kennt die Vorz&uuml;ge von Reformen nicht &ndash; sie muss aufgekl&auml;rt werden.<br>\n<strong>Gr&uuml;nder:<\/strong> Dieter Rickert, Headhunter.<br>\n<strong>Unterst&uuml;tzer:<\/strong> 20 Unternehmer und Privatpersonen &ndash; die Namen sind noch geheim.<\/p><p><strong>Team-Arbeit f&uuml;r Deutschland<\/strong><br>\n<strong>Ziel:<\/strong> B&uuml;rgerengagement gegen Arbeitslosigkeit st&auml;rken, indem man viele Mitstreiter ins Boot holt: Manager, K&uuml;nstler, Journalisten. Geplant: bundesweite Aktionstage, Werbekampagnen.<br>\n<strong>Initiator:<\/strong> Wolfgang Clement.<br>\n<strong>Unterst&uuml;tzer:<\/strong> Florian Gerster, Peter Hartz, Gunter Thielen, Hubertus Schmoldt und 500 Unternehmen der &ldquo;Initiative f&uuml;r Besch&auml;ftigung&rdquo;.<br>\n<strong>Finanzierung:<\/strong> 10 Millionen Euro pro Jahr aus Steuergeldern.<\/p><p><em>&copy; stern, Markus Grill<\/em>\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Markus Grill, stern, 17. 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