{"id":1300,"date":"2006-05-12T09:50:50","date_gmt":"2006-05-12T07:50:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1300"},"modified":"2016-02-10T15:42:44","modified_gmt":"2016-02-10T14:42:44","slug":"eine-aparte-rezension-von-machtwahn-in-ftd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1300","title":{"rendered":"Eine aparte Rezension von \u201eMachtwahn\u201c in ftd"},"content":{"rendered":"<p>Als Autor bleibt einem meist nichts erspart. Dennoch, ich kann nicht klagen: sehr viele Leser von &bdquo;Machtwahn&ldquo; mailen mir, dass sie die Welt nach der Lekt&uuml;re anders und klarer sehen. Die Tatsache, dass das Buch seit Erscheinen im M&auml;rz auf der Bestsellerliste des <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/charts\/0,1518,385594,00.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/charts\/0,1518,385594,00.html\">SPIEGEL<\/a> rangiert und auf der Liste der Wirtschaftsbestseller des Managermagazins von null &uuml;ber 50 Konkurrenten hinweg auf <a href=\"http:\/\/www.harenberg.de\/mambo\/index.php?option=com_wrapper&amp;Itemid=32\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.harenberg.de\/mambo\/index.php?option=com_wrapper&amp;Itemid=32\">Platz eins<\/a> gesprungen ist, spricht f&uuml;r positives Weitersagen der Leser. Offenbar irritiert dies manchen Meinungsmacher, so zum Beispiel offensichtlich den Kommentator der Financial Times Deutschland Sch&uuml;tte. &ndash; Eine kritische Rezension, wenn sie zur Sache gegangen w&auml;re, h&auml;tte ich richtig gut gefunden. Aber wenn die Rezensenten mit ihren Texten immer wieder meine Diagnose unserer Eliten best&auml;tigen, dann wird es mit der Zeit langweilig.<br>\n<!--more--><br>\nHier zun&auml;chst (=A) die Rezension aus der Financial Times Deutschland vom 10.5.2006 mit durch Ziffern markierte Stellen und dann (=B) Anmerkungen zu den mit Ziffern markierten Stellen und (=C) Anh&auml;nge:<\/p><p><strong>A. Text Financial Times Deutschland 10.5.2006<\/strong><\/p><p>Wirtschaftsb&uuml;cher<\/p><p><strong>Der Machtwahn des Literaten<\/strong><\/p><p>von Christian Sch&uuml;tte<\/p><p>Der US-amerikanische &Ouml;konom Arnold Kling hat wirtschaftspolitische Argumente einmal in solche vom &ldquo;Typ K&rdquo; und solche vom &ldquo;Typ M&rdquo; unterschieden. K-Argumente bewerten eine Politik nach zu erwartenden oder tats&auml;chlich zu beobachtenden Konsequenzen.<\/p><p>M-Argumente bewerten die Motive derjenigen, die diese Politik fordern oder betreiben. Albrecht M&uuml;ller, einst zu sozialliberalen Zeiten Planungschef im Kanzleramt, hat fast 350 Seiten mit knalligen M-Argumenten gef&uuml;llt. Er h&auml;lt den &ldquo;Neoliberalismus&rdquo; f&uuml;r eine Irrlehre geistig Minderbemittelter. Wenn sich trotzdem so viele Wissenschaftler, Politiker, Manager und Journalisten dieser Ideen bedienen, muss die Erkl&auml;rung auf der Hand liegen: Die Eliten sind mittelm&auml;&szlig;ig, h&ouml;chstwahrscheinlich auch korrupt.<br>\nM&uuml;llers Buch will nun &ldquo;heikle Fragen&rdquo; kl&auml;ren: &ldquo;Was sind die wahren Motive unserer Eliten?&rdquo; Die meisten K&auml;ufer werden da schon so ihre eigenen finsteren Vermutungen haben. Und der Autor entt&auml;uscht sie nicht. <strong>(1)<\/strong><br>\nEs ist leicht &ndash; und auch richtig &ndash; M&uuml;ller einen grotesken Drang zu Verschw&ouml;rungstheorien <strong>(2)<\/strong> vorzuwerfen. Die wahre Schw&auml;che des Buches ist aber noch viel grunds&auml;tzlicher: M&uuml;ller verrennt sich so in die Denunziation von Motiven, dass die &ouml;konomische Analyse (&ldquo;K-Argumente&rdquo;) v&ouml;llig auf der Strecke bleibt. <strong>(3)<\/strong> Was w&auml;re aber, wenn die Korrupten einmal in der Sache Recht h&auml;tten? Demografischer Wandel zum Beispiel mehr Kapitalbildung erfordern w&uuml;rde? <strong>(4)<\/strong> W&auml;re die Kapitalbildung dann falsch, nur weil jemand daran verdienen will?<br>\nIn seinem ersten Bestseller &ldquo;Die Reforml&uuml;ge&rdquo; (2005) hatte M&uuml;ller noch versucht, mit Argumenten und Fakten gegen die Selbstgef&auml;lligkeit des Mainstreams anzutreten. Das war nicht immer &uuml;berzeugend, aber doch wenigstens oft erfrischend. &ldquo;Machtwahn&rdquo; beschr&auml;nkt sich auf die st&auml;ndige Behauptung, dass &ldquo;der Neoliberalismus&rdquo; widerlegt sei,<strong>(5)<\/strong> und spekuliert <strong>(6)<\/strong> im &Uuml;brigen nur &uuml;ber niedere Beweggr&uuml;nde anderer Leute.<br>\nNat&uuml;rlich f&auml;llt trotz allem noch das ein oder andere Zutreffende ab &ndash; etwa wenn M&uuml;ller den Mangel an &Ouml;konomen an der Regierungsspitze beklagt. Wenn der Autor allerdings selbst einen so zentralen Fachbegriff wie den der &ldquo;Allokation&rdquo; falsch verwendet,<strong>(7)<\/strong> dann diskreditiert er sich als Kritiker schlichtweg.<br>\n&ldquo;Machtwahn&rdquo; hat in den vergangenen Wochen im Sauseschritt die Bestsellerlisten erobert. F&uuml;r die Zukunft der wirtschaftspolitischen Debatte verhei&szlig;t das nichts Gutes.<\/p><p><strong>Machtwahn. Wie eine mittelm&auml;&szlig;ige F&uuml;hrungselite uns zugrunde richtet<\/strong><br>\nAlbrecht M&uuml;ller | Droemer Knaur 2006 | 363 S. | 19,90 Euro | ISBN 3426273861.<br>\nAus der FTD vom 10.05.2006<br>\n&copy; 2006 Financial Times Deutschland<\/p><p><strong>B. Anmerkungen Albrecht M&uuml;llers zu den mit Ziffern markierten Stellen<\/strong><\/p><p><strong>Zu (1):<\/strong> Damit hat der Kommentator Sch&uuml;tte ja recht. Aber warum unterstellt er den Lesern &bdquo;finstere Vermutungen&ldquo;? Die meisten Leserinnen und Leser machen t&auml;glich ihre eigenen Erfahrungen mit diesen unseren Eliten. Sie erfahren, wie man sich oben selbst bedient und gleichzeitig nach unten tritt. &ndash; Wir haben erfahren, wie unsere Eliten von ihren Reformen schw&auml;rmten und selbst unf&auml;hig sind, ihr Scheitern einzugestehen. Sie machen einfach weiter, erh&ouml;hen allenfalls die Dosis ihrer Drogen. &ndash; Das sind keine Vermutungen, sondern Erfahrungen, und sie sind nicht finster sondern realistisch.<\/p><p><strong>Zu (2):<\/strong> Mit dem Vorwurf &bdquo;Verschw&ouml;rungstheorie!&ldquo; schreibt der Kommentator Sch&uuml;tte einfach von Welt am Sonntag ab, ohne irgend ein einziges Argument geschweige denn einen Beleg zu bem&uuml;hen. Hier gilt wohl: &bdquo;Der Vorwurf der Verschw&ouml;rung ist die letzte Waffe derjenigen, die ertappt sind und keine Argumente mehr haben.&ldquo; Das ist schade, denn ich h&auml;tte mich gerne einmal mit Begr&uuml;ndungen zu diesem Vorwurf auseinander gesetzt.<br>\nTats&auml;chlich habe ich in &bdquo;Machtwahn&ldquo; die Interessenverflechtungen und die implementierten Netzwerke, mit denen sich unsere Eliten ihre falschen Diagnosen und Therapien gegenseitig best&auml;tigen, im einzelnen geschildert und belegt. Mit den Fakten &uuml;ber die Interessenverflechtungen zwischen Wissenschaft und einzelnen Interessen und leider auch zwischen den Medienmachern und einzelnen Wirtschaftsinteressen, die neuerdings seit M&auml;rz 2006 auf den Tisch gekommen sind (auch aufgrund der Recherchen der Freundinnen\/e der NachDenkSeiten), h&auml;tte ich weitere 50 Seiten f&uuml;llen k&ouml;nnen.<br>\nIn den NachDenkSeiten haben wir in den letzten Wochen ausf&uuml;hrlich berichtet. Das Ergebnis: Die Realit&auml;t ist um vieles schlimmer, als sich jeder noch so engagierte Verschw&ouml;rungstheoretiker diese Wirklichkeit ausdenken k&ouml;nnte.<\/p><p><strong>Zu (3): Die &ouml;konomische Analyse in dem Sinne, die Konsequenzen einer Politik zu analysieren, bleibe in &bdquo;Machtwahn&ldquo; v&ouml;llig auf der Strecke. Diese Behauptung grenzt ans Groteske und zeigt nur, dass der Kommentator offenbar nicht viel gelesen hat. Dazu zwei Beispiele:<\/strong><\/p><p>Erstens: Es gibt in meinem Buch ein ausf&uuml;hrliches Kapitel IV mit einer Analyse der Folgen der nunmehr 25 Jahre ausprobierten neoliberalen Wirtschaftspolitik. Siehe dazu das <a href=\"?page_id=1082\">Inhaltsverzeichnis<\/a> in der Rubrik Machtwahn.<\/p><p>Zweitens: Ich beschreibe, weil ich die Folgen der makro&ouml;konomisch falschen Politik f&uuml;r so verheerend halte, gleich an mehreren Stellen, was makro&ouml;konomisch falsch gemacht wird, was die Bundesregierung und die Europ&auml;ische Zentralbank tun m&uuml;ssten, und was voraussichtlich die Folge der Mehrwertsteuererh&ouml;hung und einer falschen Geldpolitik im n&auml;chsten Jahr sein wird: Der Abbruch eines zarten Pfl&auml;nzchens genannt Aufschwung.<br>\nKommentator Sch&uuml;tte hat dies alles &uuml;berlesen.<br>\nMit meiner Warnung von Ende Januar 2006 liege ich im &uuml;brigen gleichauf mit Gewerkschaften und Arbeitgebern. Siehe die aktuelle Meldung in der Frankfurter Rundschau vom 10.5. unten im Anhang.<\/p><p><strong>Zu (4): F&uuml;r die Einlassung, die Deutschen m&uuml;ssten mehr sparen und deshalb tendenziell auf das Kapitaldeckungsverfahren umsteigen (diese Aussage steckt hinter den S&auml;tzen von Christian Sch&uuml;tte), muss man dem Kommentator wirklich dankbar sein. Die &ouml;konomisch Versierten unter jenen, die mit dem demografischen Wandel f&uuml;r Privatvorsorge argumentieren, gehen mit einer solchen Forderung &auml;u&szlig;erst vorsichtig um. Sie wissen n&auml;mlich, dass es uns wirklich nicht am Sparen mangelt. Die Sparquote in Deutschland ist im Vergleich zu anderen L&auml;ndern ausgesprochen hoch. Mit jedem neuen Leistungsbilanz&uuml;berschuss bilden wir zudem zus&auml;tzliches Verm&ouml;gen gegen&uuml;ber dem Ausland. Am Sparwillen fehlt es wirklich nicht. Wenn der Chefkommentator der Financial Times Deutschland dies anders sehen sollte, nun denn, dann wissen wir die &ouml;konomischen Analysen dieses Teils des Blattes realistischer einzusch&auml;tzen. <\/strong><br>\nF&uuml;r Skepsis spricht auch die Einlassung des Rezensenten zum Thema Allokation. Siehe unten Ziffer <strong>(7)<\/strong>.<\/p><p><strong>Zu (5):<\/strong> Im gesamten Kapitel II meines Buches belege ich im einzelnen das Scheitern der neoliberalen Reformpolitik und ich zitiere aus deutschen Medien ausf&uuml;hrlich Bilanzen des Scheiterns, unter anderem die Financial Times Deutschland vom 2.8.2005 mit folgender Einlassung: &bdquo;Gro&szlig;e Steuersenkung, kleine Wirkung. Hans Eichel ist eine tragische Figur. Das &sbquo;gr&ouml;&szlig;te Steuersenkungsprogramm in der Geschichte der Bundesrepublik&rsquo; hat der Finanzminister nach eigener Aussage ins Werk gesetzt. Und was bleibt von ihm am Ende seiner Amtszeit in Erinnerung? Der &sbquo;Herr der L&ouml;cher&rsquo;.&ldquo;<br>\nDa k&ouml;nnen wir dem Chefkommentator Sch&uuml;tte doch nur empfehlen, gelegentlich Financial Times Deutschland zu lesen.<\/p><p><strong>Zu (6):<\/strong> Ich habe im einzelnen beschrieben und in vielen F&auml;llen konkret belegt, wer wie bedient wird &ndash; unter der &Uuml;berschrift &bdquo;Dumm, arglos oder korrupt?&ldquo; von Seite 263 bis 301. Ich habe das getan und habe Namen genannt, weil aus meiner Sicht die Schamgrenze der immer vorhandenen leichten Korruption &uuml;berschritten ist. Im &uuml;brigen w&auml;re ja mal zu fragen, wo die W&auml;chterfunktion der Journalisten in den vergangen Jahren geblieben ist? Was in den letzten Wochen an Aufkl&auml;rung &uuml;ber Interessenverflechtungen erfreulicherweise auch in einigen Medien in Gang kam, ist &uuml;ber weite Strecken von uns angesto&szlig;en: von den NachDenkSeiten und von &bdquo;Machtwahn&ldquo;.<\/p><p><strong>Zu (7): Dass ich den zentralen &ouml;konomischen Fachbegriff &bdquo;Allokation&ldquo; falsch verwendet h&auml;tte, hat mich besonders am&uuml;siert. Vermutlich war ich, als ich 1968 in Bonn als Redenschreiber des Bundeswirtschaftsministers Karl Schiller anheuerte, einer der ganz wenigen &Ouml;konomen, die in Fragen der Allokation, also der optimalen Verwendung der Ressourcen einer Volkswirtschaft, intensiv geschult worden waren. Anfang der sechziger Jahre hatten wir uns als Studenten und wissenschaftliche Assistenten ausf&uuml;hrlich mit Theorie und Praxis der Allokation besch&auml;ftigt und dabei zum Beispiel damals schon an der Universit&auml;t in M&uuml;nchen &uuml;ber die marktwirtschaftlich gebotene Einf&uuml;hrung einer &Ouml;kosteuer debattiert. Diese Ideen sind dann zum Beispiel in die Vorschl&auml;ge der Steuerreformkommission der SPD von 1971 eingeflossen. Dort gibt es ein Kapitel &bdquo;IX. Besteuerung umweltfeindlicher Produkte&ldquo; und es hei&szlig;t: &bdquo;Eine solche Steuer ist unter ordnungspolitischen Gesichtspunkten sinnvoll.&ldquo; &ndash;<\/strong><\/p><p>Dabei ging es um nichts anderes als um Fragen der optimalen Allokation. (Verst&auml;ndnis bei Wikipedia siehe Anhang) In &bdquo;Machtwahn&ldquo; kommt das Wort dreimal vor. Sch&uuml;ttes Verdikt trifft nirgends zu. Eine der Stellen zitiere ich, weil dabei zugleich sichtbar wird, dass in &bdquo;Machtwahn&ldquo; viel differenzierter gedacht wird als in vielen deutschen Medien. Wo k&ouml;nnen Sie zum Beispiel das folgende zur kommenden Mehrwertsteuererh&ouml;hung lesen? Nahezu nirgendwo, weil von Allokation die meisten wenig wissen, vermutlich einschlie&szlig;lich Christian Sch&uuml;tte. Hier der Text aus Machtwahn, Seite 33:<\/p><p>&bdquo;<strong>Eliten ohne Durchblick<\/strong><\/p><p>Beim Beschluss &uuml;ber die Erh&ouml;hung der Mehrwertsteuer um 3 Prozent ist nicht nur missachtet worden, dass diese Erh&ouml;hung (trotz eines konstant gehaltenen erm&auml;&szlig;igten Mehrwertsteuersatzes) vor allem jene Menschen unmittelbar trifft, die ihr ganzes Einkommen ausgeben und ausgeben m&uuml;ssen; es ist auch &uuml;bersehen oder bewusst in Kauf genommen worden, dass die Mehrwertsteuererh&ouml;hung tendenziell der Exportwirtschaft nutzt. Denn diese muss die h&ouml;here Mehrwertsteuer genauso wenig tragen wie die bisherige Mehrwertsteuer auch. Die Exporte werden also nicht belastet, wohl aber die Importe. Tendenziell wird damit die Steuerlast noch weiter auf die binnenmarktorientierte Wirtschaft verschoben. Das ist das Gegenteil dessen, was hierzulande n&ouml;tig w&auml;re. Die Exportwirtschaft braucht keine weitere Entlastung. Der Binnenmarkt braucht Impulse.<br>\nAuch unter dem Gesichtspunkt der Verteilung der Ressourcen &ndash; der <strong>&raquo;Allokation&laquo;<\/strong> &ndash; ist die Verschiebung der Steuerbelastung in Richtung Mehrwertsteuer fragw&uuml;rdig: Denn auch die Exportwirtschaft nimmt &ouml;ffentliche Leistungen in Anspruch. Je mehr solche Leistungen &uuml;ber die Mehrwertsteuer finanziert werden, um so weniger beteiligt sich die Exportwirtschaft an der Finanzierung dieser f&uuml;r alle bereitgestellten Leistungen des Staates.<br>\nTrotz dieser Sachlage grassiert die Forderung, der Staat solle seine Einnahmen mehr und mehr auf die Mehrwertsteuer st&uuml;tzen. Haben unsere Eliten die Zusammenh&auml;nge nicht ganz verstanden? Oder vertreten sie vor allem die Interessen der Exportwirtschaft?&ldquo;<\/p><p>Und noch ein einschl&auml;giger Text zum Thema Allokation, Seite 211:<\/p><p>&bdquo;Die aktuelle Eindimensionalit&auml;t im wirtschaftswissenschaftlichen Denken und die Militanz, ja sogar Brutalit&auml;t bei der Durchsetzung des eigenen Credos, das ist f&uuml;r mich als &Ouml;konom ein neues Ph&auml;nomen. Es wirkt wie ein Einmauern in einen Fundamentalismus, eine geradezu kindische Regression, ein R&uuml;ckfall hinter ein schon erreichtes Niveau der wissenschaftlichen und der &ouml;ffentlichen Debatte und der Anwendung von &ouml;konomischen Erkenntnissen in der praktischen Politik. Leider ist es ein R&uuml;ckschritt nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis, und leider m&uuml;ssen wir ihn teuer bezahlen.<br>\nUnter einer solchen Regression leiden wir nicht nur im Blick auf die konjunkturpolitischen Vers&auml;umnisse. In anderen Bereichen stellen wir das Gleiche fest. Jene &Ouml;konomen, die sich mit der optimalen Allokation der Ressourcen befassen &ndash; vereinfacht k&ouml;nnte man auch sagen: mit der optimalen Kombination der Produktionsfaktoren &ndash;, hatten schon vor hundert Jahren erkannt, dass es der Markt allein nicht richten kann, dass es der Korrekturen, eben der Rahmensetzung durch den Staat und die Gesellschaft bedarf, wenn die Produktionsfaktoren optimal, auch im Sinne gesellschaftlicher Ziele, kombiniert werden sollen.<br>\nDer Markt funktioniert nicht &uuml;berall und bei jedem Problem. Wenn zum Beispiel bei der Produktion eines Gutes oder einer Dienstleistung Kosten nicht bei den Produzenten, sondern bei Dritten oder bei der Allgemeinheit anfallen, dann muss der Staat in gravierenden F&auml;llen daf&uuml;r sorgen, dass diese externen Kosten &ndash; zum Beispiel des Lkw-Verkehrs &ndash; in die Kalkula-tionen der Spediteure gezwungen werden. Man kann das eine Korrektur des Marktversagens nennen. Diese Korrektur ist eine marktwirtschaftlich gebotene Notwendigkeit, nicht etwa eine Untat. Von der Einsicht in diese selbstverst&auml;ndliche Notwendigkeit zur Korrektur von Marktversagen sind die Eliten, die heute das Sagen haben, weit entfernt. Sie predigen Privatisierung, Deregulierung, Entstaatlichung. Der Staat soll sich raushalten, der Markt kann alles besser &ndash; simpler geht es nicht.&ldquo;<\/p><p><strong>Schlussbemerkung:<\/strong><br>\nChristian Sch&uuml;tte hat vermutlich deshalb einen so eigenartig unsachlichen Kommentar geschrieben, weil er sich an einigen Stellen meines Buches getroffen f&uuml;hlt. Gerade traf ich auf einen Sch&uuml;tte-Text zu den so genannten impliziten Schulden oder in der Sprache Sch&uuml;ttes &ldquo;Implizite Zahlungsverpflichtungen, die auf den Sozialversicherungen lasten&ldquo;. Auf Seite 250 ff beschreibe ich im Rahmen des Kapitels &bdquo;Mittelma&szlig; in der Sache, aber Meister in der Kunst der Verf&uuml;hrung&ldquo; einen Fall 5: &bdquo;Ein Gespenst geht um: Implizite Schulden und die Verletzung der Generationengerechtigkeit.&ldquo; &ndash; Offenbar fand sich der Kommentator der Financial Times Deutschland auch davon schrecklich getroffen. &ndash; Tut mir leid. Ich will doch nicht weh tun, ich will nur zum Nachdenken anregen. Bei Kommentatoren einer Zeitung, die wir oft anerkennend zitieren. sowieso.<\/p><p><strong>C. Anh&auml;nge:<\/strong><\/p><p><strong>Anhang 1:<\/strong><\/p><p>W&auml;hrungspolitik<br>\n<strong>Arbeitgeber warnen EZB vor Zinserh&ouml;hung<\/strong><\/p><p>Warschau Nach den Gewerkschaften hat auch der europ&auml;ische Arbeitgeberverband Unice die Europ&auml;ische Zentralbank (EZB) davor gewarnt, den Aufschwung mit Zinserh&ouml;hungen zu gef&auml;hrden. Die Organisation habe Verst&auml;ndnis f&uuml;r die Verantwortung der EZB, die Inflation unter Kontrolle zu halten, sagte der Pr&auml;sident des europ&auml;ischen Arbeitgeberverbandes Unice, Antoine Seilli&egrave;re. &ldquo;Aber unsere Mitglieder glauben, geldpolitische Initiativen, die die Konjunkturerholung bremsen, sind eine gro&szlig;e Gefahr f&uuml;r Europa.&rdquo; Die EZB solle tun, was sie f&uuml;r notwendig halte, m&uuml;sse aber immer daran denken, dass mehr Wachstum von zentraler Bedeutung f&uuml;r die Zukunft Europas sei.<\/p><p>Die EZB hatte nach zweieinhalb Jahren historisch niedriger Zinsen im Dezember die Zinswende eingeleitet. Seither hat die Notenbank zwei Mal den Schl&uuml;sselzins um 25 Basispunkte auf zuletzt 2,5 Prozent angehoben, um einem Anstieg der Inflation vorzubeugen. Der n&auml;chste Zinsschritt wird f&uuml;r Juni erwartet.<\/p><p>Am Montag hatte bereits der Europ&auml;ische Gewerkschaftsbund die EZB aufgefordert, die Zinsen nicht weiter zu erh&ouml;hen. Rtr&ldquo; (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.f-r.de\/in_und_ausland\/wirtschaft\/aktuell\/?em_cnt=878910\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.f-r.de\/in_und_ausland\/wirtschaft\/aktuell\/?em_cnt=878910\">FR<\/a>)<\/p><p><strong>Anhang 2.<\/strong><\/p><p><strong>Was versteht man unter <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Allokation\" title=\"Externer Link zu http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Allokation\">Allokation \/ Aus Wikipedia<\/a>:<\/strong><\/p><p><strong>Wirtschaftswissenschaft<\/strong><\/p><p>In der Wirtschaftswissenschaft bezeichnet man das Zuordnen knapper Ressourcen auf verschiedene Verwendungsm&ouml;glichkeiten als Ressourcenallokation. Ein bestimmter Produktionsfaktor (Rohstoff, Vorprodukt, Energie, Arbeitskraft, Finanzmittel, Recht), der zur Produktion des Gutes X eingesetzt wird, kann damit nicht gleichzeitig alternativ zur Produktion eines Gutes Y verwendet werden.<br>\nIn einer Marktwirtschaft wird die Allokation auf M&auml;rkten &uuml;ber den Preis der Ressource gesteuert. Derjenige, der die Ressource am dringendsten braucht, ist wahrscheinlich bereit, einen h&ouml;heren Preis zu zahlen. Ist diese Allokation nicht mehr gew&auml;hrleistet, spricht man von Marktversagen.<br>\nGegenstand einer vergleichenden Betrachtung k&ouml;nnen mehrere m&ouml;gliche Allokationen sein, um die optimale zu finden. Zum Beispiel kann aus der Menge der zul&auml;ssigen Allokationen die Menge der pareto-effizienten Allokationen bestimmt werden. F&uuml;r &ouml;ffentliche G&uuml;ter urteilte Richard Musgrave, dass die Allokation meritorischer und sozialer G&uuml;ter eine der Kernaufgaben des Staates sei.<br>\nW&auml;hrend sich die Allokation mit der Verteilung der Produktionsfaktoren befasst wird bei der Distribution die Verteilung der Konsumprodukte betrachtet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Autor bleibt einem meist nichts erspart. Dennoch, ich kann nicht klagen: sehr viele Leser von &bdquo;Machtwahn&ldquo; mailen mir, dass sie die Welt nach der Lekt&uuml;re anders und klarer sehen. Die Tatsache, dass das Buch seit Erscheinen im M&auml;rz auf der Bestsellerliste des <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/charts\/0,1518,385594,00.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/charts\/0,1518,385594,00.html\">SPIEGEL<\/a> rangiert und auf der Liste der<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1300\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[208],"tags":[829,1695,300],"class_list":["post-1300","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-rezensionen","tag-ftd","tag-machtwahn","tag-mueller-albrecht"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1300","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1300"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1300\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":31062,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1300\/revisions\/31062"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1300"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1300"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1300"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}