{"id":130026,"date":"2025-03-11T15:00:39","date_gmt":"2025-03-11T14:00:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=130026"},"modified":"2025-03-12T07:14:50","modified_gmt":"2025-03-12T06:14:50","slug":"michail-gorbatschow-und-das-ende-des-ersten-kalten-krieges","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=130026","title":{"rendered":"Michail Gorbatschow und das Ende des (ersten) Kalten Krieges"},"content":{"rendered":"<p>Vor 40 Jahren, am 11. M&auml;rz 1985, wurde mitten im K&auml;ltesten Krieg Michail Gorbatschow zum Generalsekret&auml;r der KPdSU gew&auml;hlt. Als er am 25. Dezember 1991 als Pr&auml;sident der Sowjetunion zur&uuml;cktreten musste, war die Welt eine andere: Der Kalte Krieg war beendet, die drohende Atomkriegsgefahr zwischen den Superm&auml;chten gebannt, 80 Prozent der Nuklearsprengk&ouml;pfe weltweit verschrottet und f&uuml;r Europa ein neues Zeitalter des Friedens und der Kooperation ausgerufen. &ndash; Was lie&szlig;e sich daraus f&uuml;r ein konstruktives Ende der neuen Konfrontation lernen? Von <strong>Leo Ensel<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1307\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-130026-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250311-Gorbatschow-und-Ende-des-Kalten-Krieges-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250311-Gorbatschow-und-Ende-des-Kalten-Krieges-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250311-Gorbatschow-und-Ende-des-Kalten-Krieges-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250311-Gorbatschow-und-Ende-des-Kalten-Krieges-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=130026-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250311-Gorbatschow-und-Ende-des-Kalten-Krieges-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250311-Gorbatschow-und-Ende-des-Kalten-Krieges-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Das 21. Jahrhundert wird entweder ein Jahrhundert der totalen Versch&auml;rfung der todbringenden Krise oder ein Jahrhundert der moralischen L&auml;uterung und spirituellen Genesung der Menschheit sein. Ihre umfassende Wiederbelebung. Ich bin &uuml;berzeugt, dass wir alle &ndash; alle vern&uuml;nftigen politischen Kr&auml;fte, alle spirituellen und ideellen Str&ouml;mungen, alle Glaubensrichtungen &ndash; aufgerufen sind, diesen &Uuml;bergang, den Sieg der Menschlichkeit und der Gerechtigkeit zu erm&ouml;glichen. Damit das 21. Jahrhundert zum Jahrhundert der Wiedergeburt wird, zum Jahrhundert des Menschen.&ldquo;<\/em><br>\n<em>(<a href=\"https:\/\/www.gorby.ru\/\">Michail Sergejewitsch Gorbatschow<\/a>)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Mitte der Achtzigerjahre des vorigen Jahrhunderts befand sich die Welt im K&auml;ltesten Krieg. Zwei bis an die Z&auml;hne bewaffnete Superm&auml;chte, USA und Sowjetunion, und ihre Milit&auml;rb&uuml;ndnisse, NATO und Warschauer Pakt, standen sich feindselig gegen&uuml;ber. Das Misstrauen zwischen beiden Seiten war grenzenlos. <\/p><p><strong>Welt am Abgrund<\/strong><\/p><p>Mehrfach w&auml;re es um ein Haar zu einem Atomkrieg aus Versehen gekommen. So in der Nacht vom 25. auf den 26. September 1983, als der Computer des sowjetischen Raketenabwehrsystems Serpuchow bei Moskau f&uuml;nfmal hintereinander den Start einer amerikanischen Interkontinentalrakete meldete und der diensthabende Offizier, Oberstleutnant <a href=\"https:\/\/globalbridge.ch\/der-einsame-tod-des-mannes-der-1983-die-welt-vor-einem-atomkrieg-gerettet-hat\/\">Stanislaw Petrow<\/a>, die Nerven behielt und &ndash; wie sich sp&auml;ter herausstellte, zu Recht &ndash; auf &bdquo;Fehlalarm infolge eines Computerfehlers&ldquo; pl&auml;dierte. Oder anderthalb Monate sp&auml;ter, zwischen dem 7. und 11. November 1983, w&auml;hrend der Kommandostabs&uuml;bung &bdquo;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Able_Archer_83\">Able Archer 83<\/a>&ldquo;, als die NATO einen Atomkrieg so realistisch simulierte, dass der damalige h&ouml;chst misstrauische Generalsekret&auml;r der KPdSU Jurij Andropov erst- und einmalig im Kalten Krieg sowjetische Bomberstaffeln in der DDR mit scharfen Nuklearsprengk&ouml;pfen best&uuml;cken lie&szlig;.<\/p><p>In Europa bedrohten sich sowjetische und amerikanische Kurz- und Mittelstreckenraketen gegenseitig, beide deutsche Staaten waren vollgestopft mit Atomsprengk&ouml;pfen &ndash; allein die alte Bundesrepublik wies mit 6.000 Atomsprengk&ouml;pfen die gr&ouml;&szlig;te Atomwaffendichte der Welt auf &ndash;, die meisten von ihnen w&auml;ren im sogenannten &bdquo;Ernstfall&ldquo; auf oder &uuml;ber deutschem Territorium explodiert. Die alte Bundesrepublik und die DDR waren das potenzielle Schlachtfeld der Superm&auml;chte. Im Kriegsfalle w&auml;re hier kein Stein auf dem anderen geblieben.<\/p><p>Die R&uuml;stungsspirale drehte sich in atemberaubendem Tempo, auf jede &bdquo;Nachr&uuml;stung&ldquo; der einen folgte prompt eine &bdquo;Nach-Nachr&uuml;stung&ldquo; der Gegenseite, die Vorwarnzeiten in Mitteleuropa betrugen zum Schluss nur noch rund vier Minuten. Beide Seiten hatten sich in eine &bdquo;High-Noon-Situation&ldquo; mit brandgef&auml;hrlichem &sbquo;Selbstz&uuml;ndungsmechanismus&lsquo; hineinman&ouml;vriert.<\/p><p>Gegen diesen &bdquo;R&uuml;stungswahnsinn&ldquo; &ndash; ein damals viel gebrauchtes und bezeichnenderweise l&auml;ngst in Vergessenheit geratenes Wort &ndash; bildete sich in Westeuropa eine breite, &auml;u&szlig;erst heterogene Friedensbewegung. Immer mehr Menschen gingen nach dem Motto &bdquo;Der Frieden ist zu wichtig, um ihn nur den Gener&auml;len und Politikern zu &uuml;berlassen!&ldquo; auf die Stra&szlig;en, im Herbst 1983 waren es allein in Westdeutschland &uuml;ber eine Million. In der DDR wiederum konstituierten sich unabh&auml;ngige Friedens- und Umweltgruppen unter dem Dach der Evangelischen Kirche. Das gemeinsame Nahziel aller Friedensinitiativen in West und Ost lautete &bdquo;Keine Stationierung neuer Atomraketen in Europa!&ldquo;, das mittelfristige Ziel war ein atomwaffenfreies Europa und das utopisch erscheinende Fernziel der Ausstieg aus der Logik des Wettr&uuml;stens und die &Uuml;berwindung der Machtbl&ouml;cke.<\/p><p>&bdquo;Einer muss anfangen aufzuh&ouml;ren!&ldquo;, so lautete eine etwas hilflose Parole. Und dann geschah ein Wunder.<\/p><p><strong>Eine wahre &bdquo;Zeitenwende&ldquo; f&uuml;r die ganze Welt<\/strong><\/p><p>Eine Seite fing tats&auml;chlich an, aufzuh&ouml;ren. Und es waren ausgerechnet unsere &sbquo;Feinde&lsquo; im vom damaligen US-Pr&auml;sidenten Ronald Reagan so bezeichneten &bdquo;Reich des B&ouml;sen&ldquo;! Das sklerotische kommunistische System begann &ndash; s&auml;mtlichen Erwartungen zum Trotz &ndash; tats&auml;chlich, sich zu ver&auml;ndern. Ex oriente lux again. Es war, als h&auml;tte ein siebzigj&auml;hriger Tattergreis mit letzter Kraft noch einen Helden gezeugt. Auf einmal wurde es interessant, die Reden des Vorsitzenden der kommunistischen Partei zu verfolgen. Kein Phrasengedresche, keine Verk&uuml;ndigung letztg&uuml;ltiger Weisheiten mehr aus Moskau! Nun dominierten die Zauberworte <em>Perestroika<\/em> und <em>Glasnost<\/em>.<\/p><p>Und die neuen Machthaber hatten Humor. Statt von Breschnew-Doktrin war jetzt von der &sbquo;Sinatra-Doktrin&lsquo; die Rede: &bdquo;I did it my way!&ldquo; Michail Gorbatschow, der neue Held auf der weltpolitischen B&uuml;hne: jung, energisch, wom&ouml;glich sogar ehrlich, gut aussehend, offenes Gesicht, mit einer <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=121581\">attraktiven klugen Frau<\/a> an seiner Seite. Und lachen konnte er auch! Ein weiterer Zaubersatz machte die Runde: &bdquo;Wir werden Euch etwas Schreckliches antun: Wir werden Euch des Feindes berauben!&ldquo;<\/p><p>Und dann ging es Schlag auf Schlag. Gorbatschow machte Druck in Richtung Abr&uuml;stung. Mitte November 1985 kam es seit ewigen Zeiten wieder zu einer Gipfelkonferenz der Chefs der beiden Superm&auml;chte: US-Pr&auml;sident Ronald Reagan und der KPdSU-Vorsitzende Michail Gorbatschow trafen sich in Genf. Das Treffen, das zun&auml;chst mit einem heftigen wechselseitigen Schlagabtausch begann, f&uuml;hrte immerhin zu einem ersten greifbaren Ergebnis: Beide Seiten erkl&auml;rten, ein Atomkrieg k&ouml;nne nicht gewonnen, d&uuml;rfe daher auch nicht begonnen werden und keine Seite d&uuml;rfe &Uuml;berlegenheit anstreben. Und sie beschlossen, die Ende 1983 abgebrochenen Verhandlungen &uuml;ber atomare Mittelstreckenraketen in Europa wieder aufzunehmen. Damit war zwar noch kein Durchbruch in Richtung Abr&uuml;stung erzielt, aber der Grundstein f&uuml;r eine weitere Zusammenarbeit gelegt.<\/p><p>Das zweite Gipfeltreffen fand auf Initiative Michail Gorbatschows elf Monate sp&auml;ter, im Oktober 1996, im isl&auml;ndischen Reykjavik statt. Es las sich zun&auml;chst wie ein Scheitern. Gorbatschow war Reagan sehr weit entgegengekommen: Er erkl&auml;rte, bei den Verhandlungen &uuml;ber Mittelstreckenraketen in Europa auf die Einbeziehung britischer und franz&ouml;sischer Atomraketen zu verzichten &ndash; an diesem Punkt waren bis dato die Verhandlungen stets gescheitert &ndash;, er stimmte Abr&uuml;stungskontrollen auf sowjetischen Boden zu und schlug Reagan nicht nur die Halbierung aller strategischen Atomwaffen, sondern sogar die Abschaffung s&auml;mtlicher Atomwaffen innerhalb eines Zeitraums von zehn Jahren vor! Die einzige sowjetische Bedingung: Die USA sollten auf die Entwicklung und Installierung ihres weltraumgest&uuml;tzten Raketenabwehrsystems (SDI) verzichten. Da Reagan zu diesem Schritt nicht bereit war, reisten beide Seiten zun&auml;chst unverrichteter Dinge wieder nach Hause.<\/p><p>Auf der anschlie&szlig;enden Pressekonferenz, die Gorbatschow allein absolvierte, gelang ihm ein genialer Coup: Er weigerte er sich schlicht, von einem Scheitern zu sprechen, und erkl&auml;rte, das Treffen sei ein <em>Durchbruch<\/em> gewesen, weil man sich grunds&auml;tzlich auf eine Reduzierung der strategischen und Mittelstreckenraketen geeinigt habe. Dadurch geriet Ronald Reagan unter Druck, dem nichts anderes &uuml;brig blieb, als das Treffen nun ebenfalls als Durchbruch zu deklarieren.<\/p><p>Im Anschluss erlebten die Genfer Verhandlungen &uuml;ber Mittelstreckenraketen einen Aufschwung, und am 8. Dezember 1987 unterzeichneten beide Staatsm&auml;nner in Washington nichts weniger als den bedeutendsten Abr&uuml;stungsvertrag der Weltgeschichte: Der INF-Vertrag (er wurde am 1. Februar 2019 von Donald Trump gek&uuml;ndigt, Wladimir Putin zog einen Tag sp&auml;ter nach) erm&ouml;glichte erstmals und einmalig <em>die komplette Verschrottung einer gesamten Waffenkategorie<\/em>,<em> <\/em>und zwar der allergef&auml;hrlichsten: die Zerst&ouml;rung s&auml;mtlicher landgest&uuml;tzter Raketensysteme einer Reichweite zwischen 500 und 5.500 Kilometern. Quantitativ machte die Sowjetunion dabei einen schlechten &sbquo;Deal&lsquo;: Sie hatte 1.846 Raketen zu verschrotten, der Westen mit 846 genau tausend weniger. (Und nicht zuletzt daf&uuml;r bezieht Gorbatschow bis auf den heutigen Tag Pr&uuml;gel von seinen im quantitativen &sbquo;alten Denken&lsquo; verhafteten russischen Landsleuten &hellip;) Aber Gorbatschow dachte in <em>qualitativen<\/em> Kategorien, und mit dieser Ma&szlig;nahme war die akute Atomkriegsgefahr in Europa &uuml;ber drei Jahrzehnte lang &ndash; bis zur genannten K&uuml;ndigung des INF-Vertrages &ndash; gebannt.<\/p><p>Und damit nicht genug: Der Vertrag machte den Weg frei f&uuml;r Abr&uuml;stungsma&szlig;nahmen auch im strategischen Bereich. Insgesamt gelang es Michail Gorbatschow und Ronald Reagan, 80 Prozent aller Atomsprengk&ouml;pfe weltweit zu vernichten. Im nunmehr wiedervereinten Deutschland wurden fast alle der &uuml;ber 6.000 in beiden deutschen Teilstaaten gelagerten Atomsprengk&ouml;pfe abgezogen &ndash; um die 20 Sprengk&ouml;pfe, sie werden gerade modernisiert, verblieben allerdings im Rahmen der &bdquo;nuklearen Teilhabe&ldquo; im rheinland-pf&auml;lzischen B&uuml;chel &ndash;, was die sicherheitspolitische Lage Deutschlands erheblich verbesserte.<\/p><p>Das Ende des Kalten Krieges wurde anderthalb Monate nach der, ebenfalls durch Gorbatschow erm&ouml;glichten, deutschen Wiedervereinigung besiegelt. Im November 1990 trafen sich in Paris die Staats- und Regierungschefs aller europ&auml;ischen Staaten &ndash; inclusive der Sowjetunion, der USA und Kanada &ndash; und unterzeichneten am 21. November ein epochales Dokument: Die &bdquo;Charta von Paris&ldquo; erkl&auml;rte den Kalten Krieg f&uuml;r beendet und rief f&uuml;r Europa ein Zeitalter des Friedens und der Zusammenarbeit aus. Ihr zentraler sicherheitspolitischer Satz lautete:<em> &bdquo;Sicherheit ist unteilbar, und die Sicherheit jedes Teilnehmerstaates ist untrennbar mit der aller anderen verbunden.&ldquo; <\/em>Die gro&szlig;e Zukunftsvision des nun nicht mehr geteilten europ&auml;ischen Kontinents war in der Formulierung Michail Gorbatschows das <em>&bdquo;Gemeinsame Haus Europa&ldquo;.<\/em><\/p><p>Long time ago &hellip;<\/p><p><strong>Das &bdquo;Neue Denken&ldquo;<\/strong><\/p><p>Preisfrage: Was lie&szlig;e sich aus dem gl&uuml;cklichen Ende des (aus heutiger Perspektive: ersten) Kalten Krieges f&uuml;r die heutige Situation, wo das &bdquo;Gemeinsame Europ&auml;ische Haus&ldquo; in Tr&uuml;mmern liegt und alle Seiten nicht nur erneut in einen kalten, sondern sogar in einen blutigen Stellvertreterkrieg verstrickt sind, lernen?<\/p><p>Vielleicht w&auml;ren es ja die strikte &Auml;chtung von Kriegen und Gewalt jedweder Art und der unbedingte Wille zu einer L&ouml;sung auf der Basis dessen, was Michail Gorbatschow &bdquo;Neues Denken&ldquo; nannte und mit dem er &ndash; eine wahrhaft <em>&bdquo;Kopernikanische Wende in der R&uuml;stungspolitik&ldquo;<\/em> &ndash; nichts weniger als <em>die Logik des Wettr&uuml;stens selbst<\/em> besiegte hatte. Er hat es zwei Jahre vor seinem Tode in seinem <a href=\"https:\/\/globalaffairs.ru\/articles\/ponyat-perestrojku\/\">politischen Testament<\/a> nochmal folgenderma&szlig;en zusammengefasst: <\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Im Mittelpunkt des Neuen Denkens stand die These vom Vorrang der universellen Interessen und Werte in einer zunehmend integrierten, interdependenten Welt. Das Neue Denken verleugnet nicht nationale, Klassen-, Unternehmens- und andere Interessen. Aber es r&uuml;ckt das Interesse an der Erhaltung der Menschheit in den Vordergrund, um sie vor einem drohenden Atomkrieg und einer Umweltkatastrophe zu bewahren. Wir haben uns geweigert, die weltweite Entwicklung als einen Kampf zwischen zwei gegens&auml;tzlichen Gesellschaftssystemen zu betrachten. Wir haben unser Sicherheitskonzept &uuml;berarbeitet und uns die Entmilitarisierung der Weltpolitik zur Aufgabe gemacht. Daraus ergibt sich der Grundsatz der angemessenen Verteidigungsf&auml;higkeit auf niedrigerem R&uuml;stungsniveau.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Wie &uuml;berlebensnotwendig eine R&uuml;ckkehr zu diesen Prinzipien gerade in der aktuellen Weltlage ist, das bedarf keiner weiteren Erl&auml;uterung. Gorbatschow schrieb im selben Text:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Keine Herausforderung oder Bedrohung, der die Menschheit im 21. Jahrhundert gegen&uuml;bersteht, kann milit&auml;risch gel&ouml;st werden. Kein gro&szlig;es Problem kann von einem Land oder einer Gruppe von L&auml;ndern im Alleingang gel&ouml;st werden. Solange es Atomwaffen gibt, besteht die Gefahr eines Atomkriegs. Es kann kein anderes Endziel geben als die Abschaffung der Atomwaffen. Aber das Gerede von einer Welt ohne Atomwaffen &ndash; und alle L&auml;nder, einschlie&szlig;lich der USA, geben weiterhin Lippenbekenntnisse zu diesem Ziel ab &ndash; wird eine leere Phrase bleiben, wenn die derzeitige Militarisierung der Weltpolitik und des politischen Denkens nicht &uuml;berwunden wird. Heute ist es besonders relevant, dass keine Seite milit&auml;rische &Uuml;berlegenheit anstreben darf.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Nun liegt es an uns allen, gute Erben zu sein, wenn wir nicht alle im schlimmsten Falle im Atomblitz verdampfen wollen. Ein wundersch&ouml;ner <a href=\"https:\/\/www.sonnenseite.com\/de\/franz-alt\/kommentare-interviews\/michail-gorbatschow-nie-wieder-krieg\/\">Satz<\/a> dieses Ausnahmepolitikers und -menschen k&ouml;nnte uns dabei unterst&uuml;tzen:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Sieger ist nicht, wer Schlachten in einem Krieg gewinnt, sondern wer Frieden stiftet!&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><em>Mit freundlicher Genehmigung <a href=\"https:\/\/globalbridge.ch\/michail-gorbatschow-und-das-ende-des-ersten-kalten-krieges\/\">von Globalbridge<\/a>.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: mark reinstein\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor 40 Jahren, am 11. M&auml;rz 1985, wurde mitten im K&auml;ltesten Krieg Michail Gorbatschow zum Generalsekret&auml;r der KPdSU gew&auml;hlt. Als er am 25. 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