{"id":13003,"date":"2012-04-26T10:24:22","date_gmt":"2012-04-26T08:24:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13003"},"modified":"2024-09-29T04:37:44","modified_gmt":"2024-09-29T02:37:44","slug":"interview-mit-james-k-galbraith-13","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13003","title":{"rendered":"Interview mit James K. Galbraith 1\/3"},"content":{"rendered":"<p>Die NachDenkSeiten hatten am Rande der <a href=\"http:\/\/ineteconomics.org\/\">INET-Konferenz<\/a> in Berlin die Chance, mit dem amerikanischen &Ouml;konomen <strong>James K. Galbraith<\/strong> zu sprechen. Im ersten Teil des Gespr&auml;chs geht es vor allem um Galbraiths neues Buch <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/019985565X\/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=derspiege-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=019985565X\">&bdquo;Inequality and Instability&ldquo;<\/a>, in dem er darlegt, dass ein steigende Ungleichheit nicht nur ungerecht ist, sondern auch zur Instabilit&auml;t unseres Wirtschaftssystems f&uuml;hrt. Galbraiths Vortrag auf der INET-Konferenz ist auch als Video <a href=\"http:\/\/ineteconomics.org\/conference\/berlin\/all-videos-day-3\">verf&uuml;gbar<\/a>. Das Gespr&auml;ch f&uuml;hrten <strong>Roger Strassburg (RS)<\/strong> und <strong>Jens Berger (JB)<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>RS:<\/strong> Lassen Sie uns mit Ihrem neuen Buch beginnen. Was uns gleich zu Beginn auff&auml;llt, ist das Kartenhaus auf dem Umschlag, was impliziert, dass etwas nicht so ist, wie es sein sollte, dass das System instabil ist.<\/p><p><strong>JG:<\/strong> Eine der wesentlichen Erkenntnisse meiner Arbeit ist, dass das Ausma&szlig; der Ungleichheit ein guter Indikator f&uuml;r Instabilit&auml;t ist, was durch das Kartenhaus auf der Vorderseite ausgedr&uuml;ckt werden soll.<\/p><p><strong>RS:<\/strong> Sehen Sie Ungleichheit als Ursache von Instabilit&auml;t, oder nur als Begleiterscheinung?<\/p><p><strong>JG:<\/strong> Das Buch ist ein Werk angewandter Statistik, eine Arbeit der Bemessung, ein Werk, um Muster in den Daten zu erkennen. Es ist sehr schwer, endg&uuml;ltige Aussagen &uuml;ber Ursache und Wirkung aus solchen Anhaltspunkten zu treffen, deshalb bleibe ich bei dem, was ich vorher schon gesagt habe: dass Ungleichheit, was direkt messbar ist, ein sehr guter Indikator f&uuml;r Instabilit&auml;t ist.<\/p><p><strong>RS:<\/strong> Was auff&auml;llt und mich irgendwie &uuml;berrascht hat war, dass Ungleichheit dem B&ouml;rsenkurs zu folgen scheint.<\/p><p><strong>JG:<\/strong> In den Vereinigten Staaten ist das mit Sicherheit so, und es gibt einen sehr einfachen Grund daf&uuml;r &ndash; n&auml;mlich, dass wir Ungleichheit aus den Steuerunterlagen berechnen. Steuerunterlagen sind Aufzeichnungen steuerpflichtiger Einkommen. Das steuerpflichtige Einkommen am oberen Ende der Pyramide wird effektiv festgelegt  und steht damit in sehr enger Verbindung mit den Kapitalgewinnen, den Gewinnen aus Aktienoptionen und Gehaltszahlungen und dem Risikokapital von B&ouml;rseng&auml;ngen. Die obersten Einkommen somit sehr stark mit den Verm&ouml;genswerten im Aktienmarkt zusammen.<\/p><p><strong>RS:<\/strong> Wie wirkt sich diese Art der Ungleichheit auf das Wohlergehen der Allgemeinheit aus, wenn man bedenkt dass sich die Gehalts-Ungleichheit nicht so stark ver&auml;ndert hat?<\/p><p><strong>JG:<\/strong> Also, grunds&auml;tzlich verbessert es die Lebenssituation kurzfristig, da ein Aktienboom mit h&ouml;heren Investitionen zusammenh&auml;ngt. Es werden neue Arbeitsstellen geschaffen und es werden mehr &Uuml;berstunden an die Erwerbst&auml;tigen ausgezahlt. Wenn man nun die Eink&uuml;nfte aus Arbeit von den Kapitaleink&uuml;nften trennt, wird diese Art der Ungleichheit sogar weniger w&auml;hrend eines Aktienbooms. Ein Musterbeispiel daf&uuml;r sind die sp&auml;ten 1990ern, wo &uuml;bergreifend die Ungleichheit enorm anstieg aufgrund des NASDAQ-IT-Booms, aber die Ungleichheit in der erwerbst&auml;tigen Bev&ouml;lkerung verringert sich durch die dadurch ausgel&ouml;ste wirtschaftliche Aktivit&auml;t. Daran ist folglich nichts Geheimnisvolles. Deshalb bin ich der Meinung, dass die Betonung nicht auf der Auswirkung von Ungleichheit auf des allgemeine Wohlergehen, sondern auf deren Auswirkung auf die Instabilit&auml;t liegen sollte.<\/p><p><strong>RS:<\/strong> Vermuten Sie da einen urs&auml;chlichen Zusammenhang?<\/p><p><strong>JG:<\/strong> Noch einmal, was ich in den Daten gefunden habe ist, dass sehr schnell steigende Ungleichheit, was man messen kann, zusammenh&auml;ngt mit Kreditbooms, welche wiederum von Kreditkrisen abgel&ouml;st werden. <\/p><p><strong>RS:<\/strong> Hat der Kredit-Boom Reichtum von unten nach oben bewegt?<\/p><p><strong>JG:<\/strong> In einem Kredit-Boom steigen die Eink&uuml;nfte der Personen an der Spitze, welche, wie schon erw&auml;hnt, aus ihren Steuerunterlagen berechnet werden, enorm, da sie riesige Kapitalgewinne erfahren.<\/p><p><strong>JB:<\/strong> Wohin flie&szlig;t dieses Geld? Wenn man die obersten Einkommen betrachtet, die zum gro&szlig;en Teil von den Aktienm&auml;rkten stammen &ndash; wo kommt dieses Geld her? Von den Arbeitnehmern?<\/p><p><strong>JG:<\/strong> Das Geld, welches mit dem Kredit-Boom im Zusammenhang steht, wird zum Gro&szlig;teil durch den Prozess der Kredit-Tilgung erzeugt, es kommt nicht aus den Taschen der &auml;rmeren Leute, es ist keine feste Geldmenge, dies ist der Mechanismus der instabilen Kreditwirtschaft.<\/p><p><strong>RS:<\/strong> Dann ist dieses Geld im Grunde genommen virtuell &ndash; oder?<\/p><p><strong>JG:<\/strong> Geld ist eine Funktion in einer Tabellenberechung, in gewisser Weise ist alles Geld virtuell. Ihre Bank h&auml;lt auch kein B&uuml;ndel Geldscheine mit Ihrem Namen darauf.<\/p><p><strong>RS:<\/strong> Was ist die Verbindung zwischen Ungleichheit und Armut? Gibt es eine Verbindung zwischen Ungleichheit und Armut oder sind sie einfach zwei unabh&auml;ngige Dinge? Wenn wir an Ungleichheit denken, denken wir an Armut. Aber ist dies wirklich das Gleiche? Geh&ouml;ren sie zueinander?<\/p><p><strong>JG:<\/strong> Ich denke man sollte dort unterscheiden. Im Fall der USA war, wie ich schon sagte, unser Wachstum von der h&ouml;chst instabilen kreditgetriebenen Variante. Die Armutsrate verringerte sich w&auml;hrend der Booms und stieg im Abschwung, sie unterscheidet sich also von den Ungleichheitszahlen, die aus den Steuerunterlagen berechnet werden. Auf der anderen Seite repr&auml;sentiert sie die Nachfrage nach Arbeit bei der unteren H&auml;lfte der Einkommen, da die Stunden, die man gesondert f&uuml;r Einkommensungleichheit messen kann, sehr eng mit den Stunden zusammenh&auml;ngen, die in den schlechter bezahlten Stellen gearbeitet wird. Die Anzahl der von ihnen besetzten Arbeitsstellen, die Stunden die in jeder dieser Stellen gearbeitet wird, all dies &uuml;bertr&auml;gt sich direkt auf das w&ouml;chentliche Einkommen &ndash; und w&auml;hrend eines Booms steigen diese nat&uuml;rlich.<\/p><p><strong>JB:<\/strong> Wie misst man Armut? Ist Armut nur eine statistische Gr&ouml;&szlig;e?<\/p><p><strong>JG:<\/strong> Es gibt viele M&ouml;glichkeiten Armut zu messen, aber es gibt keinen Zweifel daran, dass diese w&auml;hrend der Booms zur&uuml;ckgingen. Kein Zweifel. Gegen Ende der 1990er waren die Armutsraten in den Vereinigten Staaten auf einem absoluten Minimum. Das war eine direkte Folge der Tatsache, dass man drei Jahre Arbeitslosigkeitsraten unter vier Prozent hatte. &Uuml;ber die Verteilung der Mittel kann man unterschiedlicher Auffassung sein. H&auml;tte man etwa besseres finden k&ouml;nnen, als sie alle in Internet-Firmengr&uuml;ndungen zu stecken, die dann Pleite gingen?  Das Problem dieser Zeit war jedoch nicht die Armutsfrage, sondern dieser Zeit war dass das Wachstum auf einem sehr instabilen Fundament gebaut war.<\/p><p><strong>RS:<\/strong> Also ist im Grunde ist der Kredit, der alles instabil macht, die &uuml;berm&auml;&szlig;igen Kredite&hellip;<\/p><p><strong>JG:<\/strong> Ja, ja, ja, das ist genau der Punkt.<\/p><p><strong>RS:<\/strong> &hellip;und die Tatsache, dass das Finanzsystem so riesig geworden ist. Wie hoch ist der Anteil der Finanzwirtschaft am BIP?<\/p><p><strong>JG:<\/strong> Nun, zehn Prozent der Einkommen oder ungef&auml;hr vierzig Prozent der Gewinne.<\/p><p><strong>RS:<\/strong> Ist das &uuml;berm&auml;&szlig;ig?<\/p><p><strong>JG:<\/strong> Ich denke, dass ist &uuml;berm&auml;&szlig;ig, ja, sicher.<\/p><p><strong>RS:<\/strong> Was denken Sie w&auml;re eine vern&uuml;nftige Menge? Ab wann wird es &uuml;berm&auml;&szlig;ig?<\/p><p><strong>JG:<\/strong> Nun, betrachtet man die Zahlen, ging es uns vor zwanzig, f&uuml;nfundzwanzig Jahren ziemlich gut. Es gibt kaum Gr&uuml;nde anzunehmen, dass sich die Wirtschaft so gewandelt hat, dass der Finanzsektor jetzt so viel wichtiger ist. Tats&auml;chlich hat der Sektor einen Weg gefunden, sich in einem sehr viel gr&ouml;&szlig;eren Teil der wirtschaftlichen Transaktionen durchzusetzen als dies zuvor der Fall war.<\/p><p><strong>JB:<\/strong> Was kann die Politik tun, um die Ungleichheit zu verringern?<\/p><p><strong>JG:<\/strong> Ich denke es gibt viele unterschiedliche Dinge, die man tun k&ouml;nnte. Man k&ouml;nnte die Geh&auml;lter regulieren, man k&ouml;nnte h&ouml;here und stabilere Tarife f&ouml;rdern, die gesamte Struktur der Sozialversicherung und &ndash;leistungen reduziert die Ungleichheit. Und man kann die Ausma&szlig;e und Aktivit&auml;ten des Finanzsektors reduzieren. All diese Dinge w&uuml;rden eine Verringerung der Ungleichheit in unterschiedlichen Teilen ihrer Verbreitung unterst&uuml;tzen.<\/p><p><strong>JB:<\/strong> Wie hoch sollte der Spitzensteuersatz f&uuml;r Spitzengeh&auml;lter sein?<\/p><p><strong>JG:<\/strong> Ich spreche von Ungleichheit vor Steuern. Nat&uuml;rlich wirkt sich das Steuersystem darauf auch aus, selbstverst&auml;ndlich.<\/p><p><strong>JB:<\/strong> In Frankreich fordert beispielsweise &hellip;<\/p><p><strong>JG:<\/strong> Das war schon immer eine interessante Diskussion unter Wirtschaftswissenschaftlern, deren professionelle &Uuml;berzeugung es war, dass man, egal welche Verteilung sich vor Steuern ergibt, diese zul&auml;sst, um sie dann durch das Steuersystem neu zu verteilen, und ich fand das noch nie sehr &uuml;berzeugend. Ich denke, was wirklich passiert, ist, dass die Verteilung vor Steuern im wesentlichen ein regulierendes Ergebnis, ein Produkt zuvor getroffener sozialer Entscheidungen, ist. Es hat, unter anderem, mit Mindestl&ouml;hnen, dem Stand der Gewerkschaften und unglaublich vielen anderen gesellschaftlichen Faktoren zu tun. Eine akzeptable und gerechte Verteilung vor Steuern zu haben ist um ein vielfaches stabiler, als diese im nachhinein durch Steuerschl&uuml;ssel wieder auszugleichen, da es einen ungeheuren politischen Widerstand dagegen geben wird nachdem man ihnen einmal soviel Einkommen vor Steuern zugestanden hat.<\/p><p><strong>RS:<\/strong> Nat&uuml;rlich, doch wenn wir einmal in die Nachkriegszeit schauen, dort hatten wir teilweise sehr hohe Spitzensteuers&auml;tze, &uuml;ber 90 Prozent.<\/p><p><strong>JG:<\/strong> Die nur auf einige sehr wenige Leute angewandt wurden.<\/p><p><strong>RS:<\/strong> Aber auch jetzt w&uuml;rden Sie nur auf einen sehr kleinen Teil angewandt werden &ndash; das oberste Prozent oder Zehntel eines Prozents.<\/p><p><strong>JG:<\/strong> In den USA gab es in den 80er Jahren eine schrittweise Reform, die von Bill Bradley und Dick Gephardt im Kongress entwickelt wurde. Man wollte die Spitzensteuers&auml;tze senken, indem man die Basis erweitert, da das System der sehr hohen Spitzensteuers&auml;tze so sehr von Schlupfl&ouml;chern und Ausnahmen durchsetzt war, dass die Spitzenverdiener diese im Gro&szlig;en und Ganzen gar nicht zahlten &ndash; au&szlig;er sie geh&ouml;rten zu dieser speziellen Spezies, wie beispielsweise der ber&uuml;hmte Sportler Bill Bradley oder Jack Kemp, der zu dieser Zeit auch Mitglied des Kongresses war. Sie zahlten sehr hohe Steuers&auml;tze auf die Eink&uuml;nfte, die sie rein durch Lohn oder Gehalt erhielten. Aber wenn man in irgendeiner Form gesch&auml;ftlich t&auml;tig war, hatte man einen Bergbau-Freibetrag oder einen Holz-Freibetrag oder irgendeinen anderen verdammten Freibetrag der einen davor bewahrte.<\/p><p><strong>RS:<\/strong> Es scheint &uuml;berall so zu sein, dass L&ouml;hne und Geh&auml;lter am Ende h&ouml;her besteuert werden als andere Eink&uuml;nfte. Das scheint in jedem Land zu passieren.<\/p><p><strong>JG:<\/strong> Das mag schon sein, aber das Ziel der 86er-Gesetze war, den Satz an der Spitze zu verringern aber die Basis zu erweitern um beispielsweise steuereinkommensneutral zu bleiben, was es schlie&szlig;lich auch zum Gro&szlig;teil war. Ich glaube, dass die Langzeitauswirkungen der 86er-Gesetze erst jetzt von den &Ouml;konomen erkannt werden. Ich glaube eine der wichtigsten Dinge die sie ver&auml;nderten &ndash; und das trifft auch auf die vorherigen reaganschen Steuersenkungen zu &ndash; war, den Unternehmen einen starken Anreiz zu geben, Ertr&auml;ge direkt in die F&uuml;hrungsetagen umzuleiten. Ich denke, der &bdquo;CEO-Boom&ldquo; war zum Teil das Ergebnis der Beschneidung der Grenzsteuers&auml;tze. Das hatte sehr sch&auml;dliche Auswirkungen auf die Firmenf&uuml;hrung in den Vereinigten Staaten. Ich habe dar&uuml;ber in einem fr&uuml;heren Buch &bdquo;The Predator State&ldquo; geschrieben und ich erhalte jetzt die ersten Kommentare dazu. Ich wei&szlig; dass Thomas Piketty zu der selben Schlussfolgerung gelangt ist.<\/p><p><strong>RS:<\/strong> Wie konnte das passieren? Ich kann das nicht ganz nachvollziehen.<\/p><p><strong>JG:<\/strong> Nun, wenn man einen hohen Grenzsteuersatz hat, dann hat man einen hohen Anreiz, Ertr&auml;ge innerhalb der Unternehmen zu halten und den Unternehmenssteuersatz zu bezahlen, um die zur&uuml;ckbehaltenen Ertr&auml;ge dann so zu verwenden, dass dies der Wertsch&ouml;pfung der leitenden Angestellten zugute kommt. Man baut einen Wolkenkratzer mit tollen Dachwohnungen, man hat einen Firmenjet, all dies wird in der Art wie sich gro&szlig;e Firmen in den 50er und 60er Jahren in den USA pr&auml;sentiert haben widergespiegelt. Und sie haben aufgeh&ouml;rt Wolkenkratzer zu bauen &ndash; wann wurde der letzte gebaut? Wahrscheinlich das World Trade Center 1970. Danach kam nur sehr, sehr wenig. Die Unternehmen begannen haupts&auml;chlich, Anlagen zu bauen, welche viel g&uuml;nstiger sind, und stattdessen das Geld direkt in die Taschen Ihrer Chefetagen zu pumpen.<\/p><p><strong>RS:<\/strong> Okay, das macht Sinn.<\/p><p><strong>JG:<\/strong> Das ist, was passiert ist. Ich wei&szlig; nicht ob dies von den Autoren der Steuersenkungen der 80er auch vollkommen so vorhergesehen wurde.<\/p><p><strong>RS:<\/strong> Es ist nichts was einem ins Auge sticht, es ist nicht offensichtlich.<\/p><p><strong>JG:<\/strong> Es mag nicht vollkommen offensichtlich sein, doch mag es offensichtlich wohl Leute in der Industrie gegeben haben, die dieses Ziel durchaus im Auge hatten. Doch mit Sicherheit hat es sich im Nachhinein entwickelt und r&uuml;ckblickend scheint es ziemlich deutlich.<\/p><p><strong>RS:<\/strong> Was denken Sie sind die Auswirkungen des &bdquo;CEO-Booms&ldquo; auf die Wirtschaft? Setzt er die falschen Impulse?<\/p><p><strong>JG:<\/strong> Prim&auml;r erzeugt er eine sehr kleine Gruppe von, sagen wir, &bdquo;selbsternannten F&uuml;hrungskr&auml;ften&ldquo;, welche sich zum Gro&szlig;teil aus eigenem Antrieb aus dem technischen Betrieb herausgel&ouml;st haben &ndash; d.h. sie sind haupts&auml;chlich Finanzleute. Ich denke, das hat eine sehr erhebliche Auswirkung darauf, wie gro&szlig;e amerikanische Unternehmen arbeiten. Es hat sie sehr viel verwundbarer f&uuml;r &bdquo;Gesundschrumpfungen&ldquo; gemacht, ihre technischen T&auml;tigkeiten werden der finanziellen Ergebnisse wegen manipuliert.<\/p><p><strong>RS:<\/strong> Wenn man dies mal beurteilt, ist dies doch ein ziemlich schlimmes Resultat.<\/p><p><strong>JG:<\/strong> Ja, ich glaube das ist mit Sicherheit ein sch&auml;dliches Ergebnis.<\/p><p><strong>RS:<\/strong> Glauben Sie, es gibt eine M&ouml;glichkeit das zu &auml;ndern, es gibt ja mit Sicherheit Widerstand dagegen?<\/p><p><strong>JG:<\/strong> Nun es gibt immer eine M&ouml;glichkeit etwas zu &auml;ndern.<\/p><p><strong>RS:<\/strong> Eine realistische M&ouml;glichkeit w&auml;re?<\/p><p><strong>JG:<\/strong> Mein Job ist es nicht, die Realisierbarkeit von M&ouml;glichkeiten einzusch&auml;tzen. Ich bin der Meinung, dass es meine Aufgabe als &Ouml;konom ist, zu versuchen, die Auswirkungen politischer Entscheidungen zu beschreiben und dabei zu helfen, fundierte Entscheidungen zu treffen &ndash; &uuml;ber das, was sie gerne an Ver&auml;nderungen in der Zukunft sehen wollen.<\/p><p><strong>RS:<\/strong> Eine der offensichtlicheren &Auml;nderungen, die einem als machbar erscheinen, w&auml;re, Hedge-Fund-Manager so zu besteuern, als wenn sie echtes Einkommen h&auml;tten. Doch das scheint politisch nicht m&ouml;glich zu sein.<\/p><p><strong>JG:<\/strong> Worauf wollen sie hinaus?<\/p><p><strong>RS:<\/strong> Der Punkt ist&hellip;<\/p><p><strong>JG:<\/strong> &hellip; reiche Leute haben Einfluss? Ja, okay, das wissen wir alle. (lacht)<\/p><p><strong>RS:<\/strong> &hellip; weshalb ich die Realisierbarkeit &uuml;berhaupt etwas &auml;ndern zu k&ouml;nnen in Frage stelle.<\/p><p><strong>JB:<\/strong> Ich habe eine Frage zu den Spitzengeh&auml;ltern der Top-Manager. Wenn man den deutschen Durchschnitts-&Ouml;konom dazu befragt, sagt er, dies sei ein absolut normales Marktverhalten &ndash; Angebot und Nachfrage. Sie erkl&auml;ren diese Geh&auml;lter sogar mit den Mechanismen des Arbeitsmarkts. Was halten Sie von dieser Theorie?<\/p><p><strong>JG:<\/strong> Man m&uuml;sste fragen, wie es dazu kam, dass die Top-Manager pl&ouml;tzlich alle m&ouml;glichen F&auml;higkeiten entwickelt haben, die sie vor drei&szlig;ig Jahren noch nicht hatten als ihre Unternehmen m&auml;chtiger und stabiler und bedeutendere Wirtschaftsfaktoren waren als sie es jetzt sind. Es ist ziemlich schwer, dies anhand eines in sich selbst geschlossenen Logik-Kreises, wie Sie ihn beschrieben haben, zu erkl&auml;ren.<\/p><p>Der zweite Teil des Interviews folgt in K&uuml;rze. Das Transskript in englischer Sprache finden sie <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/Galbraith_Interview_Inequality_120412-2.pdf\">hier als PDF [75 KB]<\/a>.<\/p><p><em>Bei der &Uuml;bersetzung ins Deutsche half uns unser Leser Tammo Mueller.<\/em><br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/211257448f7c4e829eccc6468f175a5e\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die NachDenkSeiten hatten am Rande der <a href=\"http:\/\/ineteconomics.org\/\">INET-Konferenz<\/a> in Berlin die Chance, mit dem amerikanischen &Ouml;konomen <strong>James K. Galbraith<\/strong> zu sprechen. 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