{"id":130041,"date":"2025-03-12T09:06:44","date_gmt":"2025-03-12T08:06:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=130041"},"modified":"2025-03-13T07:28:23","modified_gmt":"2025-03-13T06:28:23","slug":"schwarze-zahlen-schreiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=130041","title":{"rendered":"\u201eSchwarze Zahlen schreiben\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Die Anfrage war dringend, das Ereignis allerdings schon ein paar Tage alt. &bdquo;Die kanadische Regierung hat Sie j&uuml;ngst auf ihre Sanktionsliste gesetzt&ldquo;, so die E-Mail. &bdquo;Sie z&auml;hlen nach Sicht der Regierung in Ottawa demnach zu &bdquo;Individuals who are assisting the Russian government in its full-scale invasion of Ukraine&ldquo;. Auch weitere Begr&uuml;ndungen f&uuml;r Sanktionen lieferte der Reporter von <em>Papertrail Media<\/em> gleich mit: Demnach unterst&uuml;tze ich entweder den &bdquo;military-industrial complex&ldquo; von Russland oder &bdquo;die gewaltsame Umsiedlung ukrainischer Kinder nach Russland&ldquo;. Oder ich sei einfach ein Putin-Versteher und manipuliere so die &ouml;ffentliche Meinung. Fragesteller Frederik Obermaier ist, zusammen mit seinem Fast-Namensvetter Bastian Obermayer, Gr&uuml;nder eines sehr speziellen journalistischen Gesch&auml;ftsmodells namens <em>Papertrail Media<\/em> aus M&uuml;nchen. Er sei f&uuml;r <em>Spiegel<\/em> und <em>ZDF<\/em> unterwegs, betont Obermaier und setzt auch gleich eine Frist f&uuml;r eine schnelle Antwort innerhalb von 24 Stunden. Von <strong>Hubert Seipel<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1293\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-130041-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250312_Schwarze_Zahlen_schreiben_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250312_Schwarze_Zahlen_schreiben_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250312_Schwarze_Zahlen_schreiben_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250312_Schwarze_Zahlen_schreiben_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=130041-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250312_Schwarze_Zahlen_schreiben_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250312_Schwarze_Zahlen_schreiben_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Das Ergebnis der Recherche steht kurz darauf im <em>Spiegel<\/em> und <em>ZDF<\/em>. &bdquo;Kanada sanktioniert Putin-Biographen Hubert Seipel&ldquo;, titelt das Magazin aus Hamburg, und das <em>Zweite Deutsche Fernsehen<\/em> aus Mainz berichtet stolz, der &ouml;ffentlich-rechtliche Sender habe schon &bdquo;Ende 2023 zusammen mit dem SPIEGEL aufgedeckt, dass &bdquo;ausgerechnet Seipel, der jahrelang als Russland-Kenner von Talkshow zu Talkshow gereicht wurde und f&uuml;r seine Filme &bdquo;Ich, Putin&ldquo; und &bdquo;Putin &ndash; das Interview&ldquo; Anerkennung erhielt, heimlich Geld aus Russland bekommen habe &ndash; von dem Oligarchen und Putin-Vertrauten Alexej Mordaschow. Die Zahlungen waren als Zusch&uuml;sse f&uuml;r Seipels B&uuml;cher &uuml;ber Putin deklariert.&ldquo;<\/p><p>Alexei Mordaschow hat in der Tat die Arbeit f&uuml;r meine B&uuml;cher, nicht die Filme, gesponsert. Es waren gut acht Jahre Arbeit, Dutzende Reisen nach Russland, Recherchen in den USA, Pr&auml;senz bei Minsk-2-Verhandlungen oder dem Helsinki-Treffen zwischen dem US- und dem russischen Pr&auml;sidenten. Nicht zu reden von den regelm&auml;&szlig;igen Reisen nach Berlin, wo &uuml;brigens auch Jan Hecker, der au&szlig;enpolitische Berater Merkels, zu meinen Gespr&auml;chspartnern z&auml;hlte.<\/p><p>Konkrete Einflussnahme auf den Inhalt oder die Erscheinung der B&uuml;cher waren juristisch ausgeschlossen.<\/p><p>Mordaschow ist weder Duzfreund des russischen Pr&auml;sidenten noch kommt er aus dem russischen Sicherheits- oder Staatsapparat. Er ist erfolgreicher Unternehmer, der auch in Deutschland nicht nur wegen seiner Beteiligung an dem Touristik-Unternehmen TUI bekannt ist. Mordaschow sa&szlig; &uuml;ber Jahre in wichtigen Gremien wie etwa der &bdquo;Strategischen Arbeitsgruppe f&uuml;r Wirtschaft und Finanzen&ldquo;, ein Projekt der deutschen und der russischen Regierung. Er setzte sich f&uuml;r die deutsch-russischen Beziehungen ein, sponserte Jugendaustausch und war in Berlin auch bei der Bundesregierung ein gern gesehener Gast.<\/p><p>Bis zum Ukraine-Krieg: Seither steht er auf der Sanktionsliste, weil wir uns mit &bdquo;Russland im Krieg befinden&ldquo;, wie unsere scheidende Au&szlig;enministerin Annalena Baerbock gerne sagt. Seit dem Beginn des Ukraine-Krieges erfolgt die Verurteilung nach einem kollektiven politischen Schuldspruch. Der Grund: Russe, reich, schuldig. Oligarch.<\/p><p>Im Amtsblatt der EU ist die Begr&uuml;ndung wenig konkret:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Alexei Mordaschow profitiert von seinen Verbindungen zu russischen Entscheidungstr&auml;gern. Er ist Vorsitzender des Unternehmens Servergroup. Sein Unternehmen ist Anteilseigner der Bank Rossiya, von der er 2017 etwa 5,4 Prozent hielt und die als pers&ouml;nliche Bank hochrangiger Beamter der Russischen F&ouml;deration gilt.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Die Schlussfolgerung:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Daher ist er f&uuml;r die Unterst&uuml;tzung von Handlungen oder politischen Ma&szlig;nahmen verantwortlich, die die territoriale Unversehrtheit, die Souver&auml;nit&auml;t und die Unabh&auml;ngigkeit der Ukraine untergraben.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Dass nun auch ich als Journalist von Kanada sanktioniert worden bin, habe ich wohl nicht zuletzt <a href=\"https:\/\/www.papertrailmedia.de\"><em>Papertrail Media<\/em><\/a> und seiner internationalen Mobilisierung gegen mich zu verdanken.<\/p><p>Die Artikel im <em>Spiegel<\/em> und <em>ZDF<\/em> sind ein sch&ouml;nes Beispiel, wie die Firma operiert. Die Arbeit der Investigativ-Firma <em>Papertrail<\/em>, die als Dienstleister f&uuml;r Print und Fernsehen arbeitet, aber selten genannt wird, ist meist nur journalistischen Insidern bekannt. Es ist ein gegenseitiges Gesch&auml;ft. Es waren Bastian Obermayer und Frederik Obermaier, die den Shitstorm initiierten, der im November 2023 gegen mich von <em>Spiegel<\/em> und <em>ZDF<\/em> und mit einer Reihe ausl&auml;ndischer Zeitungen wie etwa <em>Guardian<\/em> oder <em>Washington Post<\/em> ausgel&ouml;st wurde. Sie alle arbeiten wie <em>Papertrail<\/em> mit der internationalen Journalistenplattform ICIJ in Washington. <\/p><p>Nicht nur die <em>Washington Post<\/em> beruft sich in ihren damaligen E-Mails an mich auf <em>Papertrail<\/em>. Es war eine gut koordinierte internationale Aktion.<\/p><p>The Washington Post, 4. November 2023, T13:15:47+0100<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;My name is Elahe Izadi and I am a media reporter with The Washington Post. As you are aware, we are working with Paper Trail Media and the International Consortium Investigative Journalists &hellip;&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Die dringende Anfrage aus London per E-Mail beruft sich gleichfalls auf die gemeinsame Kampagne.<\/p><p>Urgent Query from the Guardian, 5. November 2023, T10:38:57+0100)<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Our reporting is &hellip; part of a collaborative investigation with the International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ), the Washington Post, Le Monde, Paper Trail Media and other media organisations.&rdquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Es ist eine neue und sehr effektive Art des Arbeitens, dominiert von dem gleichen Blick und der gleichen Mission: Der Westen gegen den Rest der Welt &ndash; ohne R&uuml;cksicht auf Verluste.<\/p><p><strong>Das Maximum herausholen<\/strong><\/p><p>Bastian Obermayer und Frederik Obermaier waren einst Redakteure der <em>S&uuml;ddeutschen Zeitung<\/em> und haben vor Jahren <em>Papertrail Media<\/em> gegr&uuml;ndet, weil sie bei ihrem alten Blatt f&uuml;r investigativen Journalismus &bdquo;nicht das Maximum herausholen konnten&ldquo;, erkl&auml;rten sie in einem Interview mit dem Magazin <em>Medieninsider<\/em>. Seither sind sie mit ihrer Firma als selbstst&auml;ndige Unternehmer unterwegs. Das Gesch&auml;ftsmodell: ein Rechercheb&uuml;ro mit Spezialisierung auf investigativen Journalismus. Und mit wem sie mit Vorliebe arbeiten, um schwarze Zahlen zu schreiben, haben sie gleichfalls erz&auml;hlt. Vorrangig mit wichtigen internationalen Netzwerken wie dem Internationalen Konsortium f&uuml;r investigative Journalisten, kurz ICIJ, oder mit OCCRP. Das &bdquo;Organized Crime and Corruption Reporting Project&ldquo; ist ein mehrheitlich staatlich finanziertes Netzwerk von Journalisten-Organisationen mit Sitz in Washington, die wiederum in vielen verschiedenen L&auml;ndern zu Hause sind.<\/p><p>Die Vorliebe steht auch auf der Papertrail-Webseite.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>&hellip; We are the journalists behind the #PanamaPapers, #ParadisePapers #SuisseSecrets #XinjiangPoliceFiles and #VulkanFiles. Together with <strong>OCCRP, ICIJ &hellip;<\/strong> we worked on the #StoryKillers, #CyprusConfidential, #WorldOfPain, the #RussianAssetTracker and more. Stay tuned.&rdquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Die zwei amerikanischen Organisationen OCCRP und ICIJ arbeiten eng zusammen. Die Spezialit&auml;t des OCCRP ist es, die Zusammenarbeit von Medienorganisationen rund um den Globus zu organisieren. &bdquo;Jeder, der eine globale Geschichte machen m&ouml;chte, kann zu OCCRP kommen und 100 Reporter bekommen&ldquo;, sagt Drew Sullivan. Drew Sullivan ist der breiten &Ouml;ffentlichkeit unbekannt, aber der 60-j&auml;hrige Amerikaner ist einer der einflussreichsten Journalisten der Welt. Er ist Gr&uuml;nder und Leiter des Organized Crime and Corruption Reporting Project (OCCRP) &ndash; mit einem millionenschweren Jahresbudget und mit Niederlassungen in Washington, Amsterdam und Sarajewo. Rund 200 Mitarbeiter sind auf alle Kontinente verteilt. Die Medienpartner geh&ouml;ren zur Elite des journalistischen Mainstreams weltweit: <em>The New York Times<\/em> und <em>The Washington Post<\/em> in den USA, <em>The Guardian<\/em> in Gro&szlig;britannien, <em>Der Spiegel<\/em> und die <em>S&uuml;ddeutsche Zeitung<\/em> in Deutschland oder <em>Le Monde<\/em> in Frankreich.<\/p><p>Bastian Obermayer hat schon gute Erfahrungen mit beiden Organisationen gemacht &ndash; mit den Panama-Papers etwa, jenen vertraulichen Unterlagen eines panamaischen Offshore-Dienstleisters, die durch ein gezieltes, gigantisch gro&szlig;es Datenleck 2016 an die &Ouml;ffentlichkeit gelangten. Ein anonymer Whistleblower hatte die Unterlagen zun&auml;chst der <em>S&uuml;ddeutschen Zeitung <\/em>zugespielt. Anschlie&szlig;end koordinierte das Internationale Konsortium ICIJ mit Hilfe von OCCRP die einj&auml;hrige Datenauswertung und weitere Recherchen. F&uuml;r ihre Recherchen zu dieser Aff&auml;re erhielten das ICIJ 2017 und auch Bastian Obermayer den Pulitzer-Preis. Sein Bild prangt nun auf der Webseite der Organisation OCCPR &uuml;ber dem Projekt Pegasus.<\/p><p>&bdquo;An allem, von den &bdquo;Panama-Papers&ldquo; bis zum &bdquo;Pegasus-Projekt&ldquo;, waren OCCRP-Reporter ma&szlig;geblich beteiligt&ldquo;, best&auml;tigt Drew Sullivan die Unterst&uuml;tzung in einem Interview mit dem <em>NDR<\/em>. Das ist das eine.<\/p><p><strong>Millionen vom State Department<\/strong><\/p><p>Das andere, was er noch nach langem Z&ouml;gern zugibt: Das Geld f&uuml;r die Gr&uuml;ndung von OCCRP kam von der US-Regierung, und die Regierung benutzt die Organisation auch politisch. Und seither sponsert Washington mit rund 50 Millionen US-Dollar.<\/p><p>Mehrere internationale Medien, namentlich <em>Mediapart<\/em> (Frankreich), das US-amerikanische <em>Drop Site News (DSN)<\/em>, <em>Il Fatto Quotidiano<\/em> (Italien) und <em>Reporters United<\/em> (Griechenland), haben seit Anfang 2023 den Umfang der staatlichen F&ouml;rderung recherchiert. Auch ein Fernsehteam des <em>NDR<\/em> war mit von der Partie. Die Reporter John G&ouml;tz und Armin Ghassim interviewten Drew Sullivan mehrmals sehr konkret zu den Vorw&uuml;rfen: Demnach hat die US-Regierung zwischen 2014 und 2023 rund 50 Prozent der Gelder von OCCRP gestellt. Das gehe aus den j&auml;hrlichen Finanz-Pr&uuml;fberichten (Audits) von OCCRP und &ouml;ffentlich einsehbaren Dokumenten von US-Beh&ouml;rden hervor.<\/p><p>Hinzu kommen 1,1 Millionen Dollar, die es von der Europ&auml;ischen Union erhalten hat, und 14 Millionen Dollar, die sie aus sechs europ&auml;ischen L&auml;ndern erhalten haben:<\/p><p>Die Millionen der Regierung werden von der US-Beh&ouml;rde f&uuml;r internationale Entwicklung USAID an OCCRP bezahlt, allerdings mit konkreten Bedingungen, wie die zust&auml;ndige Programmmanagerin Shannon McGuirre von USAID erkl&auml;rt, die f&uuml;r OCCRP verantwortlich ist. <em>&bdquo;In einer Kooperationsvereinbarung gibt es eine Klausel, die sich &bdquo;substanzielle Beteiligung nennt&ldquo;<\/em>. Dank dieses Vertrags kontrolliert das State Department den j&auml;hrlichen Arbeitsplan und das Personal der vermeintlich unabh&auml;ngigen Organisation OCCRP. <em>&bdquo;Wer also wird Chefredakteur, wer ist CEO, wer ist leitender Redakteur und so weiter,&ldquo;<\/em> beschreibt Mike Henning, langj&auml;hriger USAID-Manager f&uuml;r die Abteilung &bdquo;Demokratie&ldquo;, die konkrete staatliche Einflussnahme. <\/p><p>Es ist nicht die einzige Einschr&auml;nkung, die OCCRP dank der staatlichen Gelder hinnimmt. Auch inhaltlich bestimmt die US-Regierung, was geht und was nicht. Die Organisation darf &bdquo;keine kritischen Berichte &uuml;ber die Vereinigten Staaten&ldquo; oder amerikanische Unternehmen machen, r&auml;umt der Gr&uuml;nder und Chef Drew Sullivan auf Nachfrage der NDR-Reporter ein. Gelegentlich sind die Gelder direkt an die Bedingung gekn&uuml;pft, dass das OCCRP damit gegen &bdquo;geostrategische Gegner der USA wie Venezuela oder Russland recherchiert&ldquo;. M&ouml;glicherweise auch gegen mich. <\/p><p>Die Vorgaben haben einige der gr&ouml;&szlig;ten deutschen Verlage oder <em>ARD<\/em> und <em>ZDF<\/em>, <em>Spiegel<\/em>, <em>Zeit<\/em> oder <em>S&uuml;ddeutsche<\/em> nicht daran gehindert, regelm&auml;&szlig;ig mit der amerikanischen Lobbyorganisation zusammenzuarbeiten. Die <em>S&uuml;ddeutsche Zeitung<\/em> teilte auf taz-Anfrage mit, &bdquo;sie habe &uuml;ber die Finanzierung Bescheid gewusst, sei aber gerade in keine gemeinsamen Projekte involviert. Der <em>Spiegel<\/em> teilt mit, f&uuml;r k&uuml;nftige Kooperationen sei entscheidend, &bdquo;dass die Rechercheergebnisse eines Partners unserer journalistischen, dokumentarischen und rechtlichen Pr&uuml;fung standhalten&ldquo;, so das Blatt aus Berlin.<\/p><p><strong>&bdquo;Zensur im NDR&ldquo;<\/strong><\/p><p>Als die Recherche im Dezember 2024 ver&ouml;ffentlicht werden soll, steigt der <em>NDR<\/em> aus und legt den Film mit den sehr klaren Interviews auf Eis. Der Sender hatte in der Vergangenheit selbst mit OCCRP kooperiert. Zuvor hatte OCCRP-Chef Drew Sullivan Druck ausge&uuml;bt und mit juristischen Schritten gedroht. Die Entscheidung ist kaum nachzuvollziehen. NDR-Journalisten recherchieren monatelang und finden heraus, dass die US-Regierung dem gr&ouml;&szlig;ten weltweiten Investigationsnetzwerk Millionen bezahlt und Themen bestimmt, denen das Netzwerk zu folgen hat.<\/p><p><em>Mediapart<\/em> (Frankreich), <em>Drop Site News<\/em> (USA), <em>Il Fatto Quotidiano<\/em> (Italien) und <em>Reporters United <\/em>(Griechenland) ver&ouml;ffentlichen, was sie w&auml;hrend der langen Recherche herausgefunden haben, und werfen dem <em>NDR<\/em> Zensur vor.<\/p><p>Der von der NDR-Pressestelle angef&uuml;hrte offizielle Grund f&uuml;r die Entscheidung: Im ganzen Sender habe sich keine Redaktion gefunden, die die Recherche in ihrem Programm zum Thema machen wollte. Dem Thema mangele es zudem an Relevanz, argumentieren die zust&auml;ndigen F&uuml;hrungskr&auml;fte in einer E-Mail an <em>Mediapart<\/em>. Die Recherche sei von &bdquo;geringem Interesse&ldquo; f&uuml;r die NDR-Zuschauer.<\/p><p>Wer sich den Film anschaut, kommt zu einem anderen Schluss.<\/p><p><a href=\"https:\/\/dalek.zone\/w\/xjUjomMZxRCvp3Z3Gtk9sT\">OCCRP &ndash; Dalek Zone<\/a><\/p><p>F&uuml;r <em>Papertrail Media<\/em> hat sich bislang nicht viel ge&auml;ndert. Von OCCRP habe man nat&uuml;rlich nie einen Cent genommen, erkl&auml;rt Frederik Obermaier unaufgefordert.<\/p><p>Die Obermayer und Obermaier haben mir in ihren Spiegel-Artikeln weder in meinen Filmen noch in meinen B&uuml;chern konkrete Fehler nachgewiesen. Der <em>Spiegel<\/em> hatte zuvor nicht nur den Putin-Film &uuml;ber den gr&uuml;nen Klee gelobt, sondern, ebenso wie auch die <em>Zeit<\/em>, Ausz&uuml;ge aus meinen B&uuml;chern gedruckt. Offenkundig waren die Kollegen damals nur zu dumm, die pure Putin-Propaganda zu erkennen.<\/p><p>Auch der <em>NDR<\/em> konnte in seinem Untersuchungsbericht keine konkreten Fehler in meinen Filmen feststellen &ndash; abgesehen von selbstst&auml;ndigem Denken und Abweichungen vom journalistischen Mainstream, da ich nach monatelangen Recherchen meine Unabh&auml;ngigkeit als Autor offenkundig verteidigt habe.<\/p><p>&bdquo;Seipel behielt sich etwa in den (Film)Vertr&auml;gen vor, dass &bdquo;&Auml;nderungen am Treatment nur mit seinem Einverst&auml;ndnis erfolgen durften&ldquo;, monierte der <em>Spiegel<\/em> nach der Ver&ouml;ffentlichung des NDR-Untersuchungsberichts. Vertragsklauseln, dass er entsprechend &bdquo;den Vorgaben und W&uuml;nschen&ldquo; des <em>NDR<\/em> zu arbeiten habe, &bdquo;strich er unwidersprochen&ldquo;.<\/p><p>Wie weit die Paranoia der Kollegen nach der Zeitenwende gehen kann, zeigt eine E-Mail des <em>Spiegel<\/em> auf dem H&ouml;hepunkt des Shitstorms kurz vor Weihnachten 2023:<\/p><p>&bdquo;Im Nachgang unserer Berichterstattung &uuml;ber ihre Russlandb&uuml;cher ist die Frage aufgekommen&ldquo;, so der Spiegel-Kollege Stefan Weigel &bdquo;im Auftrag der Chefredaktion&ldquo;, ob es denn schon zu meiner Zeit als Spiegel-Redakteur &ndash; wir sprechen von 1979 &ndash; &bdquo;Auff&auml;lligkeiten gegeben haben k&ouml;nnte&ldquo; und ob mein Wechsel zum <em>Stern<\/em> 1985 (also vor 40 Jahren) bereits mit diesem Thema in irgendwelcher Form inhaltlich zusammengehangen haben k&ouml;nnte.<\/p><p>Meine Antwort, gleichfalls per E-Mail:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Sie haben recht. Man kann nicht vorsichtig genug sein. Ich empfehle Ihnen, auch die Jahre 1956\/57 ins Visier zu nehmen. Damals wechselte ich vom Kindergarten in die Volksschule. M&ouml;glicherweise war dieser Wechsel bereits vom KGB gesteuert, um mich zielsicher f&uuml;r die Zeit beim Spiegel und der ARD vorzubereiten.\n<\/p><\/blockquote><p>Frohes Fest, Hubert Seipel.&ldquo;<\/p><p>Seither habe ich vom <em>Spiegel<\/em> selbst nichts mehr geh&ouml;rt.<\/p><p><small>Titelbild: Screenshot von <a href=\"https:\/\/www.papertrailmedia.de\"><em>Paper Trail Media<\/em><\/a><\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=125647\">NDR zensiert eigene Recherche zu Einflussnahme der US-Regierung auf &bdquo;unabh&auml;ngige&ldquo; Investigativplattform OCCRP<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90167\">Wie die CIA Journalisten erfolgreich f&uuml;r Propaganda eingespannt hat<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=109563\">Florian Warweg im Gespr&auml;ch mit Gabriele Gysi: &bdquo;Die Macht muss hinterfragt werden&ldquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=87422\">Noch reformierbar? NDR-Redakteure beklagen sich &uuml;ber Zensur, Klima der Angst, Einsch&uuml;chterungsversuche und Verhinderung kritischer Berichterstattung<\/a>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Anfrage war dringend, das Ereignis allerdings schon ein paar Tage alt. &bdquo;Die kanadische Regierung hat Sie j&uuml;ngst auf ihre Sanktionsliste gesetzt&ldquo;, so die E-Mail. &bdquo;Sie z&auml;hlen nach Sicht der Regierung in Ottawa demnach zu &bdquo;Individuals who are assisting the Russian government in its full-scale invasion of Ukraine&ldquo;. Auch weitere Begr&uuml;ndungen f&uuml;r Sanktionen lieferte der<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=130041\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":130042,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,123,129,182,11],"tags":[3041,2970,1672,1324,1200,2669,1548,2065,1415,420,827,1556,1019,220],"class_list":["post-130041","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-kampagnentarnworteneusprech","category-lobbyorganisationen-und-interessengebundene-wissenschaft","category-medienkonzentration-vermachtung-der-medien","category-strategien-der-meinungsmache","tag-cancel-culture","tag-denunziation","tag-embedded-journalism","tag-foerdermittel","tag-kanada","tag-leitmedien","tag-ndr","tag-ngo","tag-pressefreiheit","tag-spiegel","tag-stigmatisierung","tag-usa","tag-wirtschaftssanktionen","tag-zensur"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/250311-Cover.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/130041","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=130041"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/130041\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":130084,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/130041\/revisions\/130084"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/130042"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=130041"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=130041"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=130041"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}