{"id":130130,"date":"2025-03-14T09:00:39","date_gmt":"2025-03-14T08:00:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=130130"},"modified":"2025-04-15T20:41:44","modified_gmt":"2025-04-15T18:41:44","slug":"die-rueckkehr-der-diplomatie-die-usa-und-russland-verhandeln-ueber-das-ende-des-ukraine-kriegs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=130130","title":{"rendered":"Die R\u00fcckkehr der Diplomatie \u2013 Die USA und Russland verhandeln \u00fcber das Ende des Ukraine-Kriegs"},"content":{"rendered":"<p>Nach den Verhandlungen zwischen einer US-Delegation und ukrainischen Unterh&auml;ndlern in Saudi-Arabien reiste der US-Sondergesandte Steve Witkoff nach Moskau, um die M&ouml;glichkeiten f&uuml;r einen Waffenstillstand auszuloten. Putin sagte unterdessen, er unterst&uuml;tze den Plan, verlangt aber Garantien. Klar ist, die Diplomatie ist zur&uuml;ck. Deutschland und die EU haben daran jedoch keinen Anteil. Die Geschicke Europas werden in Washington und Moskau bestimmt. Den L&auml;ndern der EU fehlt dazu die geistige Reife. Von <strong>Gert-Ewen Ungar<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6108\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-130130-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250314_Die_Rueckkehr_der_Diplomatie_Die_USA_und_Russland_verhandelt_ueber_das_Ende_des_Ukraine_Kriegs_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250314_Die_Rueckkehr_der_Diplomatie_Die_USA_und_Russland_verhandelt_ueber_das_Ende_des_Ukraine_Kriegs_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250314_Die_Rueckkehr_der_Diplomatie_Die_USA_und_Russland_verhandelt_ueber_das_Ende_des_Ukraine_Kriegs_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250314_Die_Rueckkehr_der_Diplomatie_Die_USA_und_Russland_verhandelt_ueber_das_Ende_des_Ukraine_Kriegs_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=130130-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250314_Die_Rueckkehr_der_Diplomatie_Die_USA_und_Russland_verhandelt_ueber_das_Ende_des_Ukraine_Kriegs_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250314_Die_Rueckkehr_der_Diplomatie_Die_USA_und_Russland_verhandelt_ueber_das_Ende_des_Ukraine_Kriegs_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Seit der Inauguration von Donald Trump ist Bewegung in den zuvor festgefahrenen Ukraine-Krieg gekommen. Weder die Ukraine noch die EU oder die Biden-Administration wollten ihren Kurs &uuml;berdenken, obwohl die Ukraine auf dem Schlachtfeld immer deutlicher ins Hintertreffen geraten war. Ziel der USA, der EU und der Ukraine blieb, mittels Waffenlieferungen der Ukraine zu einer Position der St&auml;rke zu verhelfen, aus der sie Russland die Bedingungen f&uuml;r einen Friedensschluss diktieren k&ouml;nnen. Anzeichen daf&uuml;r, dass dies gelingen k&ouml;nnte, gab es keine.<\/p><p>Die USA unter Trump haben diesen Plan inzwischen aufgegeben, die Ukraine wurde von den USA zur Aufgabe des Plans gedr&auml;ngt, die EU h&auml;lt jedoch weiterhin daran fest. Deutschland und die EU wollen aufr&uuml;sten, die R&uuml;stungsproduktion massiv ausweiten und die Ukraine mit Waffen sowie finanziell unterst&uuml;tzen.<\/p><p>Seit einigen Wochen gibt es zwischen den USA und Russland einen regen diplomatischen Austausch. Vorl&auml;ufiger H&ouml;hepunkt ist der Besuch des US-Sondergesandten Steve Witkoff in Moskau am Donnerstag. Er folgte unmittelbar auf ein Treffen in Saudi-Arabien zwischen einer hochrangigen Delegation von US-Diplomaten unter Leitung von Au&szlig;enminister Marco Rubio mit einer Delegation der Ukraine, die von Pr&auml;sidialamtschef Andrij Jermak angef&uuml;hrt wurde. Jermak wurde von Au&szlig;enminister Andrij Sybiha und Verteidigungsminister Rustem Umjerow begleitet. Welche Bedeutung das Treffen f&uuml;r die ukrainische Seite hatte, l&auml;sst sich daran erahnen, dass sich Wolodymyr Selenskyj zeitgleich in Saudi-Arabien aufhielt. Marco Rubio soll w&auml;hrend der Gespr&auml;che in der Hafenstadt Dschidda Kontakt zu Selenskyj gehalten haben.<\/p><p>Auf dem Treffen wurden eine Reihe von Verabredungen getroffen, allerdings ist die Behauptung falsch, dort sei ein Waffenstillstand beschlossen worden. Richtig ist, dass die Ukraine dazu gedr&auml;ngt wurde, ihre Forderung nach einem teilweisen Waffenstillstand aufzugeben und einem vollst&auml;ndigen Waffenstillstand zuzustimmen. Besprochen wurden auch Gebietsabtretungen an Russland. Bisher war Kiew nicht dazu bereit, auf Territorien zu verzichten, das hat sich nun ge&auml;ndert.<\/p><p>Die USA sagten zu, die Verhandlungsergebnisse an Moskau zu &uuml;bermitteln. F&uuml;r den Fall, dass Moskau einem Waffenstillstand zustimmt, muss abgestimmt werden, wie die Einhaltung des Waffenstillstands &uuml;berwacht werden kann. Moskau hat bereits wiederholt klargestellt, dass es die Anwesenheit von Truppen der NATO-L&auml;nder nicht akzeptieren wird. Damit wurde der Idee westeurop&auml;ischer L&auml;nder, &ldquo;Friedenstruppen&rdquo; entsenden zu wollen, eine klare Absage erteilt.<\/p><p>W&auml;hrend gestern im Deutschen Bundestag &uuml;ber die &Auml;nderung des Grundgesetzes zur massiven Aufr&uuml;stung debattiert wurde und Friedrich Merz in dem Zusammenhang behauptete, die Welt w&uuml;rde auf Deutschland schauen, landete der US-Sondergesandte Witkoff in Moskau, um das Ergebnis der Verhandlungen in Dschidda zu &uuml;bermitteln. Deutlicher l&auml;sst sich das Auseinanderfallen von deutscher Selbstwahrnehmung und der Realit&auml;t wohl nicht illustrieren. Die Welt schaut auf Moskau und Washington, die bizarren deutschen Ideen zur Aufr&uuml;stung und Militarisierung sowie der proklamierte F&uuml;hrungsanspruch sind international nicht nur irrelevant, sondern wirkten am gestrigen Donnerstag wie aus der Zeit gefallen.<\/p><p>Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Wei&szlig;russlands Pr&auml;sident Alexander Lukaschenko am Abend sagte Wladimir Putin, grunds&auml;tzlich unterst&uuml;tze er den Vorschlag f&uuml;r einen Waffenstillstand. Er bedankte sich bei Donald Trump f&uuml;r dessen Bem&uuml;hen, den Ukraine-Konflikt zu befrieden. Putin bedankte sich zudem bei China, S&uuml;dafrika, Brasilien, der Afrikanischen Union und all jenen L&auml;ndern, die sich f&uuml;r eine Verhandlungsl&ouml;sung im Ukraine-Konflikt eingesetzt haben. Dass er sich bei Deutschland und der EU nicht bedankte, muss nicht extra erw&auml;hnt werden, denn von dort kam schlicht nichts au&szlig;er ein durchgehend aggressiver Ton und der Wille, Russland m&ouml;glichst nachhaltig zu schaden.<\/p><p>Hinsichtlich eines Waffenstillstandes seien allerdings noch Fragen zu kl&auml;ren, f&uuml;gte Putin hinzu. So m&uuml;sse sichergestellt werden, dass die Zeit nicht f&uuml;r die Aufr&uuml;stung der Ukraine genutzt wird &ndash; eine Lehre aus dem Betrug Deutschlands im Rahmen von Minsk 2. Angela Merkel hatte in einem Interview mit der Wochenzeitung <em>Die Zeit<\/em> im Jahr 2022 zugegeben, dass es ihr bei den Verhandlungen zum v&ouml;lkerrechtlich bindenden Abkommen Minsk 2 nie um die Befriedung des Konflikts in der Ukraine gegangen sei, sondern darum, der Ukraine Zeit zur Aufr&uuml;stung zu verschaffen. Das Abkommen wurde von den Garantiem&auml;chten Deutschland und Frankreich sowie der Ukraine systematisch hintertrieben. Seitdem hat sich die Situation der Ukraine allerdings deutlich verschlechtert. Zielte Minsk 2 noch darauf ab, die territoriale Integrit&auml;t der Ukraine mit Ausnahme der Krim zu erhalten, verliert sie jetzt absehbar rund 20 Prozent ihres Territoriums.<\/p><p>Putin wiederholte heute noch einmal die eigentlich schon oft vorgebrachte Position, es gehe darum, die Bedingungen f&uuml;r einen langen, dauerhaften Frieden zu schaffen. In Deutschland wurde bisher abgestritten, dass Putin zu Verhandlungen bereit ist. Durch ein System bestehend aus Zensur und dysfunktionalem Journalismus konnte die Desinformation verbreitet werden, ohne dass mit Widerspruch gerechnet werden musste. Fakt ist, dass Russland ohne Unterlass auf seine Bereitschaft zur friedlichen Regulierung des Konfliktes hingewiesen und zur Diplomatie eingeladen hat. Nach Deutschland drang es nicht durch, stattdessen verweigerte man das Gespr&auml;ch.<\/p><p>Deutschlands Au&szlig;enministerin Annalena Baerbock spricht seit &uuml;ber drei Jahren nicht mit ihrem russischen Amtskollegen. Begegnete sie ihm auf internationalen Konferenzen, machte sie ihm eine Szene und wiederholte politisch naive Positionen. &bdquo;Russland kann den Krieg sofort beenden, wenn Russland sein Milit&auml;r aus der Ukraine abzieht&rdquo;, brachte Baerbock regelm&auml;&szlig;ig vor. Das Problem dabei ist: Baerbock meint es damit vollkommen ernst. Deutschland hat ein Bildungsproblem, das auch in h&ouml;chsten politischen &Auml;mtern zum Tragen kommt. Wer zur Kenntnis genommen hat, wie Baerbock sich in TV-Gespr&auml;chsrunden oder im Bundestag auff&uuml;hrt, bekommt eine Vorstellung davon, wie sie sich auf internationalem diplomatischen Parkett bewegt. Sie hat dem Ansehen Deutschlands massiv geschadet, allerdings ist sie damit nicht allein.<\/p><p>Erstaunlich ist, welche rhetorische Kehrtwende man in der EU inzwischen vollzieht. Nachdem man drei Jahre lang jegliches Gespr&auml;ch mit Russland abgelehnt und im Wahlkampf gegen Trump gewettert hat, begr&uuml;&szlig;t man nun einhellig die Bem&uuml;hungen um einen Waffenstillstand. In Russland t&auml;uscht das niemanden dar&uuml;ber hinweg, dass aus der EU bisher nicht nur keine diplomatische Initiative kam, sondern das Ziel der Waffenlieferungen an die Ukraine die strategische Niederlage Russlands war. Die Aufr&uuml;stungspl&auml;ne von EU und Deutschland sprechen ohnehin eine andere als eine friedfertige Sprache.<\/p><p>Die Unterredungen mit dem US-Sondergesandten Steve Witkoff werden hinter verschlossenen T&uuml;ren stattfinden, sagte ein hochrangiger russischer Diplomat im russischen Fernsehen. Er wird mit einem Vorschlag Russlands zur Umsetzung des Waffenstillstands zur&uuml;ckreisen. Die Diplomatie ist zur&uuml;ck.<\/p><p>Deutschland und die EU haben daran jedoch keinerlei Anteil. Sie haben sich mit ihrem Beharren auf eine milit&auml;rische L&ouml;sung in die Ecke man&ouml;vriert und zum Spielball der Geopolitik gemacht. &Uuml;ber das Schicksal Europas wird in Washington und Moskau entschieden. Der EU und Deutschland fehlt dazu die notwendige geistige Reife.<\/p><p><small>Titelbild: Studio Romantic\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach den Verhandlungen zwischen einer US-Delegation und ukrainischen Unterh&auml;ndlern in Saudi-Arabien reiste der US-Sondergesandte Steve Witkoff nach Moskau, um die M&ouml;glichkeiten f&uuml;r einen Waffenstillstand auszuloten. Putin sagte unterdessen, er unterst&uuml;tze den Plan, verlangt aber Garantien. Klar ist, die Diplomatie ist zur&uuml;ck. Deutschland und die EU haben daran jedoch keinen Anteil. 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