{"id":1305,"date":"2006-05-15T10:57:51","date_gmt":"2006-05-15T08:57:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1305"},"modified":"2016-02-10T13:15:20","modified_gmt":"2016-02-10T12:15:20","slug":"zweistellige-milliardenverluste-fur-den-fiskus-durch-steuerhinterziehungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1305","title":{"rendered":"Zweistellige Milliardenverluste f\u00fcr den Fiskus durch Steuerhinterziehungen"},"content":{"rendered":"<p>Unterrichtung des Deutschen Bundestages durch den Pr&auml;sidenten des Bundesrechnungshofes &uuml;ber die Steuerausf&auml;lle bei der Umsatzsteuer durch Steuerbetrug und Steuervermeidung. Diese <a href=\"http:\/\/dip.bundestag.de\/btd\/15\/014\/1501495.pdf\" title=\"Externer Link zu http:\/\/dip.bundestag.de\/btd\/15\/014\/1501495.pdf\">Bundestagsdrucksache [PDF &ndash; 268 KB]<\/a> ist zwar schon vom 3.9.2003, angesichts der aktuellen steuerpolitischen Entscheidungen vor allem zu Lasten der Lohnabh&auml;ngigen lohnt es sich aber, sich diese Ergebnisse in Erinnerung zu rufen. Man kann an der nachl&auml;ssigen Verfolgung von Steuerhinterziehern feststellen, dass auch der Staat selbst, darin immer noch ein Kavaliersdelikt sieht. Zumal wenn man dagegen stellt, mit welchem personellem und &Uuml;berwachungsaufwand man die Alg-II &ndash; Empf&auml;nger verfolgt.<br>\n<!--more--><br>\nWir zitieren aus der Bundestagsdrucksache 15\/1495:<\/p><blockquote><p>Dem Fiskus entgehen durch nationale und internationale Betrugsdelikte im Bereich der <strong>Umsatzsteuer<\/strong> j&auml;hrlich zweistellige Milliardenbetr&auml;ge. Dar&uuml;ber hinaus l&auml;sst es das System der Umsatzsteuer zu, sich durch steuerliche Gestaltungen auf Kosten der Allgemeinheit ungerechtfertigte Vorteile zu verschaffen.<\/p><\/blockquote><blockquote><p>Der finanzielle Schaden allein durch <strong>Umsatzsteuerkarusselle<\/strong> innerhalb der Gemeinschaft wird auf ann&auml;hernd 12 Mrd. Euro pro Jahr gesch&auml;tzt.<\/p><\/blockquote><blockquote><p>Die <strong>Umsatzsteuer<\/strong> ist neben der Lohnsteuer f&uuml;r die Bundes- und L&auml;nderhaushalte die bedeutsamste Einnahmequelle (Ist-Aufkommen im Jahre 2001 rd. 104,5 Mrd. Euro). Das Steueraufkommen k&ouml;nnte jedoch noch deutlich h&ouml;her sein, wenn nicht mehrere Schlupfl&ouml;cher im Umsatzsteuerrecht und Betrugsdelikte im Zusammenhang mit der Umsatzsteuer zu j&auml;hrlichen Einnahmeverlusten in Milliardenh&ouml;he f&uuml;hren w&uuml;rden.<br>\nDie Verluste f&uuml;r den Fiskus entstehen einmal durch nicht abgef&uuml;hrte Umsatzsteuerbetr&auml;ge, zum anderen durch im Ergebnis zu Unrecht verg&uuml;tete Vorsteuerbetr&auml;ge. Das Betrugspotenzial bezieht sich demnach &ndash; sowohl auf der Umsatzsteuerseite (2001: rd. 553 Mrd. Euro), als auch auf der Vorsteuerseite (2001: rd. 446 Mrd. Euro) &ndash; auf Betr&auml;ge, die gr&ouml;&szlig;er sind als der Bundeshaushalt.<\/p><\/blockquote><blockquote><p>Die Deutsche Bundesbank hat bereits im Jahre 1997 darauf hingewiesen, dass ein auff&auml;lliges Missverh&auml;ltnis zwischen dem damals stetigen Wirtschaftswachstum und dem Aufkommen an Umsatzsteuer besteht. Sie f&uuml;hrte dazu aus: &bdquo;Die Ertr&auml;ge aus der Umsatzsteuer &hellip; wurden &hellip; seit 1995 von einer weitgehenden Stagnation gepr&auml;gt. Die Aufkommenstendenz blieb in dieser Zeit deutlich hinter dem gesamtwirtschaftlichen Wachstum zur&uuml;ck. Dieser Trend hat sich bis heute fortgesetzt.<\/p><\/blockquote><blockquote><p>Der Betrag der Niederschlagungen von Umsatzsteuerforderungen durch die Finanzbeh&ouml;ren hat mit rd. 3,4 Mrd. Euro (bei einer hohen Dunkelziffer) zum Ende des Jahres 2001 eine kaum mehr vertretbare H&ouml;he erreicht.<\/p><\/blockquote><blockquote><p>Der Bundesrechnungshof hatte bereits in seinen Bemerkungen des Jahres 2000 &uuml;ber das Problem des so genannten Karussellbetruges berichtet. Er hatte auf den erheblichen finanziellen Schaden hingewiesen, den er aufgrund einer Sch&auml;tzung des Finanzministeriums Baden-W&uuml;rttemberg mit rd. 11,8 Mrd. Euro pro Jahr bezifferte.<\/p><\/blockquote><blockquote><p>Durch <strong>Werkvertragsunternehmen<\/strong> mit tats&auml;chlichem oder vorgeblichem Auslandssitz sowie durch unseri&ouml;s arbeitende <strong>Subunternehmen und Scheinfirmen<\/strong> gehen nach Einsch&auml;tzung des Bundesministeriums der Finanzen (Bundesministerium) j&auml;hrlich etwa 64 Mrd. Euro Steuereinnahmen verloren. Ein erheblicher Teil davon entf&auml;llt auf die illegale Bet&auml;tigung im Baugewerbe.<\/p><\/blockquote><p>Kettenbetrug und Besteuerung der Werkvertragsunternehmer im Baugewerbe:<\/p><blockquote><p>Das Bundesministerium hat das Ausma&szlig; und die volkswirtschaftlichen Auswirkungen der illegalen Bet&auml;tigung beziffert. Danach gehen ca. 500 000 Arbeitspl&auml;tze und j&auml;hrlich etwa 64 Mrd. Euro Steuereinnahmen und rd. 56 Mrd. Euro Sozialversicherungsbeitr&auml;ge verloren.<br>\nDurch die Einschaltung einer Vielzahl unseri&ouml;s operierender Subunternehmer fallen pro Jahr Steuerbetr&auml;ge in Milliardenh&ouml;he aus. Dar&uuml;ber hinaus sind legal arbeitende Bauunternehmer nicht mehr konkurrenzf&auml;hig. In einem aktuellenFall erreicht der Steuerschaden einen knapp dreistelligen Millionenbetrag.<\/p><\/blockquote><blockquote><p>Auch die <strong>Besteuerung der in Deutschland t&auml;tigen ausl&auml;ndischen Besch&auml;ftigten<\/strong> ist nicht sichergestellt. Die Finanz&auml;mter kontrollieren nur im Ausnahmefall, ob die nach den Doppelbesteuerungsabkommen vorgesehenen Voraussetzungen f&uuml;r eine Ertragsbesteuerung (so genannte 183-Tage-Regelung) erf&uuml;llt sind. Ein bundesweiter Abgleich, ob die eingesetzten Besch&auml;ftigten insgesamt l&auml;nger als 183 Tage in Deutschland anwesend waren, ist mangels entsprechender Datenbanken nicht m&ouml;glich. Ausl&auml;ndische Besch&auml;ftigte k&ouml;nnen so &uuml;ber Jahre in Deutschland arbeiten, ohne dass Lohn-\/Einkommensteuer abgef&uuml;hrt wird. Die Steuerausf&auml;lle in diesem Bereich sind nach Einsch&auml;tzung des Bundesrechnungshofes ebenfalls erheblich.<\/p><\/blockquote><blockquote><p>Die <strong>Globalzession<\/strong> ist im Kreditgesch&auml;ft ein weit verbreitetes Instrument, um Kreditforderungen abzusichern. Weil die Verpflichtung, Umsatzsteuer abzuf&uuml;hren, bei einer Globalzession nicht auf den neuen Forderungsinhaber &uuml;bergeht, kommt es nach Sch&auml;tzung des Bundesrechnungshofes zu j&auml;hrlichen Umsatzsteuerausf&auml;llen im dreistelligen Millionenbereich&hellip; Der Bundesrechnungshof sch&auml;tzt, dass Globalzessionen bundesweit zu j&auml;hrlichen Umsatzsteuerausf&auml;llen im dreistelligen Millionenbereich f&uuml;hren.<\/p><\/blockquote><blockquote><p>Durch <strong>&bdquo;planm&auml;&szlig;ige&ldquo; Insolvenzen von Leasingnehmern<\/strong> hochwertiger Industrieg&uuml;ter kommt es zu erheblichen Umsatzsteuerausf&auml;llen. Diese Steuerausf&auml;lle bewegen sich nach vorsichtigen Sch&auml;tzungen inzwischen weit im dreistelligen Millionenbereich.<\/p><\/blockquote><p>Die <strong>Schlussbemerkung<\/strong> dieser Unterrichtung:<\/p><blockquote><p><strong>Die Pr&uuml;fungen und die darauf beruhenden Empfehlungen des Bundesrechnungshofes zu Betrugsbek&auml;mpfungs- und zu Steuerumgehungstatbest&auml;nden bei der Umsatzsteuer zeigen ein hohes Potenzial f&uuml;r Umsatzsteuermehreinnahmen in einer Gr&ouml;&szlig;enordnung von mehreren Milliarden Euro pro Jahr auf. Bei den Kettenbetrugsmodellen im Baugewerbe kommen noch betr&auml;chtliche Betr&auml;ge an ausgefallener Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeitr&auml;gen der illegal oder zumindest unangemeldet Besch&auml;ftigten hinzu. Dar&uuml;ber hinaus f&uuml;hren die Schein-Arbeitgeber selbstverst&auml;ndlich auch keine Einkommen- oder K&ouml;rperschaft- und Gewerbesteuer ab.<\/strong><\/p><\/blockquote><p>Bei Alg II-Empf&auml;ngern, darf man Hausbesuche machen und die Bettw&auml;sche kontrollieren, man darf Kontrollanrufe machen und man darf die Konten &uuml;berwachen. Ein irrsinniger Personal- und Kontrollaufwand f&uuml;r jeweils ein paar Euro. Bei Millionen-Betr&uuml;gereien gilt das Bankgeheimnis und der Schutz der Privatsph&auml;re. Hat je ein Minister von Parasiten und Schmarotzern gesprochen? <\/p><p>Es gilt: <strong>Die Kleinen h&auml;ngt man, die Gro&szlig;en l&auml;sst man laufen.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unterrichtung des Deutschen Bundestages durch den Pr&auml;sidenten des Bundesrechnungshofes &uuml;ber die Steuerausf&auml;lle bei der Umsatzsteuer durch Steuerbetrug und Steuervermeidung. 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