{"id":13057,"date":"2012-04-30T17:13:30","date_gmt":"2012-04-30T15:13:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13057"},"modified":"2015-02-15T10:36:44","modified_gmt":"2015-02-15T09:36:44","slug":"erganzende-gedanken-zum-1-mai-warum-droht-der-tag-der-arbeit-in-der-bedeutungslosigkeit-zu-verschwinden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13057","title":{"rendered":"Erg\u00e4nzende Gedanken zum 1. Mai &#8211; Warum droht der Tag der Arbeit in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden?"},"content":{"rendered":"<p>Ohne Frage f&auml;llt es den Gewerkschaften heute ausgesprochen schwer, zum Tag der Arbeit viele Menschen zu mobilisieren. 1. Mai Kundgebungen vor 40 Jahren und heute, das ist schon wie Tag und Nacht. Es w&auml;re billig festzustellen, an diesem Niedergang seien die Gewerkschaften schuld. Ganz unschuldig sind sie nicht. Ich habe mir den <a href=\"http:\/\/www.dgb.de\/tag-der-arbeit\">Aufruf des DGB zum 1. Mai 2012<\/a> und ein aktuelles <a href=\"http:\/\/einblick.dgb.de\/themen\/++co++4b0c608a-8f87-11e1-50ef-00188b4dc422\">einblick-Interview mit Michael Sommer<\/a>, dem DGB-Vorsitzenden, angeschaut. Dazu und erg&auml;nzend ein paar Anmerkungen. Vielleicht findet der\/die eine oder andere Redner\/in darin noch Anregungen zur kritischen Anreicherung seiner\/ihrer Reden zum 1. Mai. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><\/p><ol>\n<li><strong>Der wichtigste Hebel zur Entmachtung der Arbeitnehmerschaft: die Ansammlung einer Reservearmee von Arbeitslosen.<\/strong><br>\nDazu das klassische Zitat, das jeder Gewerkschafter st&auml;ndig zitieren m&uuml;sste, um den eigenen Anh&auml;ngern wenigstens zu erkl&auml;ren, warum ihre politischen Gegner die Besch&auml;ftigungspolitik vernachl&auml;ssigt und ge&auml;chtet haben:<br>\nDer ehemalige Notenbanker Sir Alan Budd &ndash; seine <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Alan_Budd\">Biografie siehe hier<\/a> &ndash; beschrieb die Geldpolitik der Bank of England unter Margret Thatcher so: \n<blockquote><p>&bdquo;Viele &bdquo;haben nie (&hellip;) geglaubt, dass man mit Monetarismus die Inflation bek&auml;mpfen kann. Allerdings erkannten sie, dass [der Monetarismus] sehr hilfreich dabei sein kann, die Arbeitslosigkeit zu erh&ouml;hen. Und die Erh&ouml;hung der Arbeitslosigkeit war mehr als w&uuml;nschenswert, um die Arbeiterklasse insgesamt zu schw&auml;chen. [&hellip;] Hier wurde &ndash; in marxistischer Terminologie ausgedr&uuml;ckt &ndash; eine Krise des Kapitalismus herbeigef&uuml;hrt, die die industrielle Reservearmee wiederherstellte, und die es den Kapitalisten fortan erlaubte, hohe Profite zu realisieren.&ldquo; (The New Statesman, 13. Januar 2003, S. 21)<\/p><\/blockquote>\n<p>Hier die <a href=\"http:\/\/www.newstatesman.com\/blogs\/the-staggers\/2010\/07\/class-war-budd-thatcher-cuts\">Originalquelle auf Englisch<\/a>.<\/p>\n<p>In Deutschland kam dann noch der st&auml;ndige Sozialabbau zu Zeiten der Regierung Kohl und der Ausbau des Niedriglohnsektors und der Leiharbeit durch Rot-Gr&uuml;n hinzu. Die Agenda 2010 und Harz IV waren wichtige weitere Bausteine zur Verunsicherung der Arbeitnehmerschaft und damit zur weiteren Entmachtung.<\/p><\/li>\n<li><strong>Viele Gewerkschafter haben die zentrale Bedeutung der Verweigerung einer aktiven Besch&auml;ftigungspolitik f&uuml;r die Schw&auml;chung der Arbeitnehmerschaft nicht erkannt.<\/strong> Manche haben diese Entmachtung gef&ouml;rdert, indem sie selbst den Unsinn nachgebetet haben, in den siebziger Jahren sei die aktive Besch&auml;ftigungspolitik nach den Methoden von Keynes gescheitert.<\/li>\n<li><strong>Immerhin werden im Aufruf des DGB zum 1. Mai 2012 kraftvolle Investitionen in Besch&auml;ftigung gefordert.<\/strong> Auch ein Mindestlohn und ein europ&auml;ischer Marshallplan f&uuml;r Wachstum und Besch&auml;ftigung. Es wird auch konkret gefordert, den Fiskalpakt und die Schuldenbremse zu stoppen. Und vom DGB Vorsitzenden wird die negative Wirkung der Europ&auml;ischen Sparpolitik beklagt.<\/li>\n<li><strong>Es w&auml;re aber wichtig, politisch Ross und Reiter zu nennen. Das geschieht nicht. Der DGB tut so, als sei die Sparpolitik in Europa und ihre Folgen f&uuml;r die Arbeitslosigkeit vom Himmel gefallen. Die Union wird geschont.<\/strong><br>\nDer DGB Vorsitzende spricht vom &bdquo;gegenw&auml;rtigen europ&auml;ischen Sparkurs&ldquo;. Dieser ist doch nicht alleine in Br&uuml;ssel erfunden worden. Die Originale sitzen in Berlin: Angela Merkel und Wolfgang Sch&auml;uble. Davon kein Wort in den &Auml;u&szlig;erungen. Stattdessen ein Angriff auf die FDP wegen ihrer Weigerung beim Mindestlohn.<\/li>\n<li><strong>Auch die SPD wird geschont.<\/strong> Dabei d&uuml;rfte es sich sicher auch bis zum DGB-Haus herumgesprochen haben, dass sowohl beim Sparkurs als auch bei der Schuldenbremse die SPD F&uuml;hrung die Bundesregierung ermuntert und gedr&auml;ngt hat.<br>\n<strong>Die SPD wird auch bei den Einlassungen zur sozialen Sicherheit geschont.<\/strong> Sommer spricht von der tickenden Zeitbombe der Altersarmut und im Aufruf ist immerhin erfreulicherweise die Rede davon, dass Beitragsk&uuml;rzungen abzulehnen sind, weil sie die Rentenk&uuml;rzungen von morgen sind. Aber von den Gewerkschaften m&uuml;sste man erwarten k&ouml;nnen, dass sie endlich die Forderung erheben, alle Mittel auf die gesetzliche Rentenversicherung zu konzentrieren und mit dem Ergebnis politischer Korruption, der Riester-Rente und der R&uuml;rup-Rente, Schluss zu machen.<\/li>\n<li><strong>Dahinter verbirgt sich eine fatale politische B&uuml;ndnisstrategie der Gewerkschaften.<\/strong> Vom DGB-Vorsitzenden Sommer ist bekannt, dass er auf eine gro&szlig;e Koalition aus ist. Wenn die gro&szlig;e Koalition dann aus einer Union besteht, die auch durch die Schonung durch die Gewerkschaften ihren prozyklischen Spar-Absichts-Kurs best&auml;tigt f&uuml;hlen kann, und aus einer SPD mit eben dieser Grundhaltung und bei Ausschaltung der arbeitnehmerfreundlichen Teile der SPD, dann wird das eine fatale Koalition.<\/li>\n<li><strong>Die Gewerkschaften m&uuml;ssen auf ein politisch linkes B&uuml;ndnis setzen. Alles andere f&uuml;hrt zu einer weiteren Entwertung des 1. Mai und zu einer weiteren Schw&auml;chung der Gewerkschaften.<\/strong><\/li>\n<\/ol><p><strong>Anhang:<\/strong><\/p><ol type=\"A\">\n<li><strong>Der Aufruf zum 1. Mai 2012<\/strong><br>\nTag der Arbeit<br>\n<a href=\"http:\/\/www.dgb.de\/tag-der-arbeit\">1. Mai 2012: &ldquo;Gute Arbeit f&uuml;r Europa &ndash; Gerechte L&ouml;hne, Soziale Sicherheit&rdquo;<\/a><br>\n&bdquo;Gute Arbeit f&uuml;r Europa &ndash; Gerechte L&ouml;hne, Soziale Sicherheit&ldquo; lautet das diesj&auml;hrige Motto zum Tag der Arbeit. Der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften sagen Ja zur europ&auml;ischen Integration. Wir wollen die Zukunft Europas sozial gestalten.<\/li>\n<li><strong>Michael Sommer im einblick-Interview<\/strong><br>\n<a href=\"http:\/\/einblick.dgb.de\/themen\/++co++4b0c608a-8f87-11e1-50ef-00188b4dc422\">&bdquo;Die &Auml;ra der Deregulierung ist zu Ende&ldquo;<\/a><\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ohne Frage f&auml;llt es den Gewerkschaften heute ausgesprochen schwer, zum Tag der Arbeit viele Menschen zu mobilisieren. 1. Mai Kundgebungen vor 40 Jahren und heute, das ist schon wie Tag und Nacht. Es w&auml;re billig festzustellen, an diesem Niedergang seien die Gewerkschaften schuld. Ganz unschuldig sind sie nicht. Ich habe mir den <a href=\"http:\/\/www.dgb.de\/tag-der-arbeit\">Aufruf des<\/a><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13057\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[212,109,205],"tags":[517,312,1007],"class_list":["post-13057","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gedenktagejahrestage","category-gewerkschaften","category-neoliberalismus-und-monetarismus","tag-dgb","tag-reformpolitik","tag-sommer-michael"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13057","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=13057"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13057\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":25030,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13057\/revisions\/25030"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=13057"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=13057"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=13057"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}