{"id":130658,"date":"2025-03-24T13:00:56","date_gmt":"2025-03-24T12:00:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=130658"},"modified":"2025-03-27T12:54:11","modified_gmt":"2025-03-27T11:54:11","slug":"anleitung-zum-totruesten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=130658","title":{"rendered":"Anleitung zum Totr\u00fcsten"},"content":{"rendered":"<p>Unterzeile: &bdquo;Geld gewinnt Kriege&ldquo;, so schreibt der &Ouml;konom Moritz Schularick in einer Studie f&uuml;r das Kiel Institut f&uuml;r Weltwirtschaft. Schularick hat die deutsche Politik in eine grenzenlose Militarisierung getrieben und dabei sogar die NS-R&uuml;stung als Vorbild angef&uuml;hrt. Seine &bdquo;Lehre&ldquo; wird gern &uuml;bernommen, auch von einem gr&uuml;nen Ministerpr&auml;sidenten wie Winfried Kretschmann. Von <strong>Rupert Koppold<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3162\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-130658-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250324_Anleitung_zum_Totruesten_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250324_Anleitung_zum_Totruesten_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250324_Anleitung_zum_Totruesten_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250324_Anleitung_zum_Totruesten_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=130658-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250324_Anleitung_zum_Totruesten_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250324_Anleitung_zum_Totruesten_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Wer hatte die Idee zur wahnwitzigen deutschen Aufr&uuml;stung? Der <em>Spiegel<\/em> wei&szlig; es und <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/verteidigung-moritz-schularick-fordert-drohnen-statt-panzern-und-wirbt-fuer-atomare-aufruestung-a-bb66fd65-5d8b-47b8-9d09-6e1a43bd9615\">schreibt am 5. M&auml;rz 2025<\/a>: &bdquo;Der &Ouml;konom Moritz Schularick hat jene Milliardenkredite vorgeschlagen, die Schwarz-Rot jetzt umsetzen will.&ldquo; Schularick ist seit 2023 Pr&auml;sident des Kiel Instituts f&uuml;r Weltwirtschaft IfW, auf der Homepage seiner Institution hei&szlig;t es: &bdquo;Er ber&auml;t regelm&auml;&szlig;ig Zentralbanken, Finanzministerien, Investoren und internationale Organisationen.&ldquo; Und unsere Leitmedien, so muss man hinzuf&uuml;gen, bieten ihm immer wieder die M&ouml;glichkeit, seine &bdquo;Erkenntnisse&ldquo; publik zu machen.<\/p><p>&bdquo;Wir m&uuml;ssen aufr&uuml;sten f&uuml;r den Wohlstand&ldquo;, fordert der Professor f&uuml;r Volkswirtschaft schon <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/verteidigungsausgaben-wir-muessen-aufruesten-fuer-den-wohlstand-a-0d456e8d-ae8f-44dc-af56-7443992ead05\">am 23. M&auml;rz 2024 im <em>Spiegel<\/em><\/a>, und diese Forderung w&auml;hlt das Magazin auch als &Uuml;berschrift f&uuml;r Schularicks Gastbeitrag aus. Deutschland sei nicht verteidigungsf&auml;hig, die Wirtschaft lahme, deshalb solle der Staat &bdquo;aus dieser Not eine Tugend machen und mit Ausgaben f&uuml;r R&uuml;stung das Wachstum ankurbeln&ldquo;. Schularick schl&auml;gt ein Sonderverm&ouml;gen vor, realistisch erscheine ihm eine Erh&ouml;hung der Milit&auml;rausgaben &bdquo;bis zum Ende des Jahrzehnts auf 150 Milliarden Euro j&auml;hrlich&ldquo; (!). Schularick empfiehlt sich dabei als guter Hausarzt: &bdquo;Eine Vitaminspritze w&uuml;rde dem deutschen Patienten zumindest kurzfristig helfen, wieder auf die Beine zu kommen.&ldquo;<\/p><p>Diese Aufr&uuml;stung m&uuml;sse &ndash; und so ist es inzwischen gekommen &ndash; auf jeden Fall kreditfinanziert sein, weil K&uuml;rzungen an anderer Stelle vor allem die Sozialausgaben betr&auml;fen. Das aber w&uuml;rde, so Schularick noch sensibel, &bdquo;politisch polarisieren und das Land innenpolitisch destabilisieren&ldquo;. Es w&uuml;rde &bdquo;uns [?] schw&auml;cher machen und den R&uuml;ckhalt in der Bev&ouml;lkerung untergraben&ldquo;. Mittelfristig allerdings w&uuml;rden &bdquo;harte Budgetentscheidungen zwischen ,Kanonen und Butter&lsquo; zu treffen sein. Inzwischen hat der Bundestag das Geld f&uuml;r die gr&ouml;&szlig;te deutsche Aufr&uuml;stung [fast?] aller Zeiten durchgewunken, Moritz Schularick kann bei seinen Forderungen alle Hemmungen ablegen, es muss f&uuml;r ihn nun auch kurzfristig die Butter rationiert werden.<\/p><p>Das &bdquo;Finanzpaket&ldquo; sei auch nur, sagt Schularick, ein erster Schritt: &bdquo;Wir m&uuml;ssen weitere Schritte gehen und massiv deregulieren, das Sozialsystem und das Arbeitsrecht reformieren&ldquo;, so zitiert ihn am 3. M&auml;rz 2025, als das Vorhaben der designierten Schwarz-Rot-Regierung anstand, <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/politik\/deutschland\/schuldenbremse-und-sondervermoegen-top-oekonom-schularick-sieht-keine-alternative_aid-124876691\">die <em>Rheinische Post<\/em><\/a>. Schularick konkretisiert: &bdquo;Wir werden wieder mehr und l&auml;nger arbeiten m&uuml;ssen. CDU-Chef Friedrich Merz muss jetzt zeigen, dass er es auch damit ernst meint.&ldquo; Und klar: &bdquo;Die Rente geh&ouml;rt unbedingt auf die Reformagenda der neuen Regierung. Unsere Demografie l&auml;sst uns gar keine Alternative.&ldquo;<\/p><p>In der extrem aufr&uuml;stungsfrohen Ausgabe des <em>ZDF-Heute Journals<\/em> vom 19. M&auml;rz 2025 wird Moritz Schularick zum m&ouml;glichen Tempo der deutschen Aufr&uuml;stung befragt. Er verspricht: &bdquo;Wir werden alle &uuml;berrascht sein, was da alles m&ouml;glich ist!&ldquo; Dies w&uuml;ssten wir ja aus der deutschen Vergangenheit. &bdquo;Wenn wir an die Flugzeugproduktion im Zweiten Weltkrieg denken, da kann man viel sehr schnell hochfahren, wenn man die entsprechenden Priorit&auml;ten setzt.&ldquo; Wie? Darf man die Aufr&uuml;stung der Nazis in einer &ouml;ffentlich-rechtlichen Nachrichtensendung als Vorbild anf&uuml;hren? Aber ja: Was vor ein paar Jahren noch skandal&ouml;s gewesen w&auml;re, das geht nun wieder in diesem zeitengewendeten Deutschland.<\/p><p>Nachfragen aber m&uuml;ssen erlaubt sein. Br&auml;uchte man, um ein vorbildliches Nazi-Aufr&uuml;stungstempo zu erreichen, nicht viele Zwangsarbeiter? Sollte man deshalb in Sachen Migration statt Abschiebung nicht eher in Richtung Arbeitslager denken? Und dann wurde dieser Nazikrieg, trotz des immensen R&uuml;stungstempos, am Ende ja verloren. Zu letzterem Sachverhalt freilich hat Schularick das Patentrezept schon geliefert: Priorit&auml;ten setzen! In der Ank&uuml;ndigung seines Aufsatzes &bdquo;Who wins wars?&ldquo;, geschrieben mit Co-Autor Jonathan Federle und publiziert von Schularicks IfW, fasst das Institut die Antwort gleich zusammen: <a href=\"https:\/\/www.ifw-kiel.de\/publications\/news\/empirical-study-money-wins-wars\/\">&bdquo;Money wins wars&ldquo;<\/a> (Den Text zwischen Frage und Antwort kann man sich eigentlich schenken, wer ihn trotzdem lesen will, hier der Link: <a href=\"https:\/\/www.ifw-kiel.de\/publications\/who-wins-wars-33655\/\">Who wins wars?<\/a><\/p><p>Jetzt ist es also erforscht: Geld gewinnt Kriege! Und zwar zum ersten Mal, wie Schularick in seinem Aufsatz stolz verk&uuml;ndet (&bdquo;This has been shown for the first time in a new empirical analysis of the Kiel Institute for the World Economy.&ldquo;) Schularick polstert seine Arbeit am Ende mit einem Cicero-Zitat auf (&bdquo;Nervos belli, pecuniam infinitam&ldquo;), der die Geld-gewinnt-Kriege-These schon im Jahr 43 v. Chr. verk&uuml;ndete. Der Ich-war-der-Erste-Anspruch w&auml;re also diskutabel. Doch wie dem auch sei: Die gemeinsame Forderung von Cicero und Schularick nach &bdquo;unbegrenzten Geldreserven&ldquo; wird von der neuen deutschen Regierung &ndash; unter Mithilfe der drau&szlig;en vor der Koalitionst&uuml;r gelassenen, aber immer noch verl&auml;sslich bellizistischen Gr&uuml;nen &ndash; nun umgesetzt. Dies w&auml;ren ja auch, so Schularick, die &bdquo;Kernforderungen&ldquo; von Robert Habeck gewesen.<\/p><p>Kleiner Exkurs: Die Bundesregierung sei f&uuml;r forschungsbasierte Politikberatung aufgeschlossen, sagt Schularick. Die Kontakte seien eng, sowohl auf institutioneller als auch auf pers&ouml;nlicher Ebene. Schularick hat im Jahr 2023 auch dazu geraten, den schwedischen Batteriekonzern Northvolt beim Bau eines Werks in Schleswig-Holstein (!) zu unterst&uuml;tzen, was Habeck auch getan hat. Der <em>Focus<\/em> spricht aber bald von <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/finanzen\/news\/600-millionen-in-den-sand-gesetzt-vw-sah-die-gefahr-bei-northvolt-habeck-ging-trotzdem-all-in_id_260694215.html\">&bdquo;Habecks 600-Millionen-Poker&ldquo;<\/a> und fragt: &bdquo;Steuergeld in den Sand gesetzt?&ldquo; Inzwischen hat Northvolt in Schweden Insolvenz angemeldet.<\/p><p>Doch zur&uuml;ck zur R&uuml;stungsberatung. Das <em>ZDF<\/em> fragt Schularick am 12. M&auml;rz 2025: &bdquo;Sie haben SPD und Union beraten. Wurden Sie richtig verstanden und jetzt kommt, was Sie wollten?&ldquo; Schularick: &bdquo;Teilweise ja, teilweise nein. Also die Ausnahme von der Schuldenbremse bei den Verteidigungsausgaben oberhalb von einem Prozent ist grunds&auml;tzlich eine gute und sinnvolle Regelung, und ich (!) w&uuml;rde die gerne so im Grundgesetz sehen.&ldquo; Es drohe allerdings &bdquo;ein gro&szlig;er Verschiebebahnhof&ldquo; von Investitionen. Deshalb beschwert sich der Professor &uuml;ber seine Sch&uuml;ler: &bdquo;Das hat man nicht unterbunden und dementsprechend nicht gut zugeh&ouml;rt.&ldquo; &Uuml;berhaupt muss Schularick seine Sch&uuml;ler immer wieder ma&szlig;regeln! Am 26. Juni 2024 konstatiert er etwa <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/schuldenbremse-und-verteidigung-deutschland-hat-den-schuss-nicht-gehoert-19815310.html\">in der <em>FAZ<\/em><\/a>, dass &bdquo;ein russischer Sieg die aktuellen finanzpolitischen Debatten zur Makulatur&ldquo; machen w&uuml;rde. Die knallig zur Sache passende Artikel&uuml;berschrift lautet: &bdquo;Deutschland hat den Schuss nicht geh&ouml;rt&ldquo;.<\/p><p>Noch ein kleiner Exkurs: Schularicks Co-Autor des FAZ-Schuss-Texts ist Niall Ferguson, Berater und Unterst&uuml;tzer von US-Pr&auml;sident George W. Bush beim v&ouml;lkerrechtswidrigen Irak-Krieg 2003. Ein Jahr sp&auml;ter sprach sich Ferguson dann gegen die Wiederwahl von Bush aus, weil dieser die Sozialausgaben nicht so stark k&uuml;rzen wollte, wie er, Niall Ferguson, es verlangt hatte. Im Jahr 2018 forderte Ferguson &uuml;brigens konservative Studenten an der Stanford-Universit&auml;t auf, Recherchen zu einem linksgerichteten Kommilitonen anzustellen: &bdquo;Jetzt wenden wir uns dem feineren Spiel zu, sie im Studentenausschuss zu zerm&uuml;rben.&ldquo; Dies schrieb Ferguson laut <em>Wikipedia<\/em> an den Vorsitzenden des republikanischen Studentenverbands, und er f&uuml;gte orwellianisch hinzu: &bdquo;Der Preis der Freiheit ist st&auml;ndige Wachsamkeit&ldquo;.<\/p><p>Wieder zur&uuml;ck zu Schularick und seinem Kieler IfW, das im Wesentlichen vom Bund und vom Land Schleswig-Holstein finanziert wird. Die &bdquo;wissenschaftliche&ldquo; Anleitung zum Auf- und Wett- und Totr&uuml;sten kann dort eine lange Tradition vorweisen. Gegr&uuml;ndet wurde das Institut von Wirtschaftsprofessor Bernhard Harms in wilhelminischen Zeiten, genauer: im Kriegsjahr 1914. Gunnar Take, der &uuml;ber die IfW-Geschichte geforscht hat, kommt laut <em>Wikipedia<\/em> zur Erkenntnis: &bdquo;Mit einer intensiv betriebenen &Ouml;ffentlichkeitsarbeit wurde Harms zu einem in der Kriegspropaganda aktivsten deutschen Wirtschaftsprofessoren.&ldquo; Schularick f&uuml;hrt also fort, was Harms begonnen hat. Wobei es bei Harms, der von 1915 an die &bdquo;Kriegswirtschaftlichen Nachrichten&ldquo; herausgab, um die Unterst&uuml;tzung kaiserlichen Gro&szlig;machtstrebens ging. Die finanziellen und politischen F&ouml;rderer seines Instituts waren &bdquo;die Kaiserfamilie, die Marine, kolonialistische Lobbygruppen, Reeder, Bankiers und Industrielle&ldquo; (Wikipedia).<\/p><p>Unbeschadet ging das IfW dann durch die Weimarer Republik hindurch und in das Dritte Reich hinein, wo es sich judenfrei machte, das Nazi-Regime in Sachen Machtpolitik publizistisch aufm&ouml;belte und vor und w&auml;hrend des Kriegs Gutachten f&uuml;r das Wehrwirtschafts- und Reichswirtschaftsministerium erstellte. Andreas Pred&ouml;hl zum Beispiel, von 1934 an Leiter des Instituts, arbeitete am Projekt eines nationalsozialistisch gepr&auml;gten europ&auml;ischen Wirtschaftsraums &ndash; und mit ihm Karl Schiller, der sp&auml;tere bundesrepublikanische Wirtschafts- und Finanzminister! Als Geopolitiker versteht sich auch Moritz Schularick. Die Resultate seiner oben erw&auml;hnten Studie &bdquo;Who wins wars&ldquo; werden vom IfW angepriesen als <a href=\"https:\/\/www.ifw-kiel.de\/publications\/news\/empirical-study-money-wins-wars\/\">&bdquo;highly relevant for today&rsquo;s geopolitics&ldquo;<\/a>. Und Schularick selbst schreibt am 13. M&auml;rz 2025 auf <em>X<\/em>: &bdquo;The interplay between monetary policy and geopolitics was the focus of our Policy Panel at our Monetary Policy Conference. It covered many topics, including Trump&rsquo;s (erratic) policies, the war in Ukraine, the pandemic, and how central banks have responded to these developments.&ldquo; Was jedoch der Publizist Wolfgang Michal von der Disziplin Geopolitik h&auml;lt, deren Geschichte er ausf&uuml;hrlich im <em>Freitag<\/em> (13. M&auml;rz 2025) darstellt, wird schon in der &Uuml;berschrift zu seinem Text klar: &bdquo;Wiederkehr einer Weltsicht des Wahns&ldquo;. In seinem Schlusssatz fasst Michal zusammen, wohin solche Forschungen f&uuml;hren: &bdquo;Geopolitik ist stets ein sicherer Weg zum Krieg.&ldquo;<\/p><p>Kontinuit&auml;ten, wohin man blickt! Aufgearbeitet hat das IfW seine Geschichte lange nicht, es hat sie verschwiegen oder gesch&ouml;nt. Der Institutsleiter und begeisterte Nazi Andreas Pred&ouml;hl etwa lehrte nach dem Krieg weiter, nun an der Uni M&uuml;nster, und er gr&uuml;ndete 1965 das Deutsche &Uuml;berseeinstitut in Hamburg. Erst im Jahr 2019 erschien eine Arbeit des schon erw&auml;hnten Gunnar Take &uuml;ber die Rolle des IfW in der Nazi-Zeit. Der Institutspr&auml;sident Gabriel Felbermayer, Schularicks Vorvorg&auml;nger, schreibt dazu <a href=\"https:\/\/www.ifw-kiel.de\/de\/publikationen\/aktuelles\/felbermayr-aufarbeitung-der-ifw-rolle-in-der-ns-zeit-wichtiger-schritt\/\">auf der IfW-Homepage<\/a>: &bdquo;Wir sind sehr froh, dass sich mit Gunnar Take ein Historiker aus eigenem Antrieb [!] der Institutsgeschichte w&auml;hrend der Zeit des Nationalsozialismus angenommen hat. Diese unabh&auml;ngige Forschungsarbeit ist f&uuml;r uns wichtig und wertvoll. Die Geschehnisse am Institut w&auml;hrend der NS-Zeit sind besch&auml;mend und verst&ouml;rend.&ldquo; Nun, so verst&ouml;rend wohl auch wieder nicht, wenn der aktuelle IfW-Chef Moritz Schularick die Nazi-Aufr&uuml;stung unbefangen als f&uuml;r unsere Zeit vorbildlich bezeichnen kann. Und nicht zu vergessen: Das Institut wahrt seine Tradition auch durch die Verleihung sowohl des Bernhard-Harms-Preises als auch der Bernhard-Harms-Medaille. Den Preis erhielt zum Beispiel Karl Schiller im Jahr 1989, die Medaille wurde im Jahr 1968 an Hermann Josef Abs vergeben, den Nazi-Banker und Ex-Aufsichtsrat der I.G. Farben.<\/p><p>Moritz Schularick hat passgenau das &bdquo;erforscht&ldquo;, was die Politik w&uuml;nscht und seinem Institut guttut. Auch der BND-Chef Bruno Kahl, Oberst der Reserve, steht in gro&szlig;er Russophobie-Tradition, sein Nachrichtendienst wurde ja von Reinhard Gehlen gegr&uuml;ndet, der schon f&uuml;r die Nazis als Leiter von &bdquo;Fremde Heere Ost&ldquo; geforscht hat. Kahl wei&szlig; genau: &bdquo;Russland bereitet sich auf einen Krieg mit dem Westen vor.&ldquo; Und er l&uuml;gt dreist: &bdquo;Die Milit&auml;rausgaben sind um ein Vielfaches h&ouml;her als im Westen.&ldquo; Solch primitive Die-Russen-kommen-Propaganda wird unter anderem von Reiner Braun fachgerecht widerlegt, er zitiert dabei die neuen Zahlen des schwedischen Friedensforschungsinstituts Sipri und <a href=\"https:\/\/gewerkschaftsforum.de\/kein-angriffskrieg-auf-europa-warum-die-hochruestungspolitik-deutschlands-in-die-falsche-richtung-fuehrt\/#more-22275\">kommt zum Schluss<\/a>: &bdquo;Die NATO ist in allen zentralen milit&auml;rischen Bereichen Russland um das Drei- bis Siebenfache &uuml;berlegen.&ldquo;<\/p><p>Aber was n&uuml;tzen solche Stimmen, die von unseren Leitmedien sowieso ignoriert oder marginalisiert werden? Da gibt etwa der <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/heimatschutz-bald-im-fight-tonight-modus-neue-division-soll-zugig-fur-moglichen-nato-aufmarsch-fit-gemacht-werden-13244911.html\"><em>Tagesspiegel<\/em> am 23. Februar 2025<\/a> lieber Generalmajor Andreas Henne, Kommandeur der neuen Heimatschutzdivision, den Raum, f&uuml;r sein Ziel zu werben. Henne will n&auml;mlich den &bdquo;zeitgerechten NATO-Aufmarsch m&ouml;glich machen&ldquo;. Russische Sabotagekr&auml;fte seien bereits im Land, gesch&uuml;tzt werden m&uuml;sse kritische Infrastruktur, egal ob milit&auml;rische oder zivile. &bdquo;Es wird sicherlich Infrastruktur geben, die beidem dient,&ldquo; sagt Henne. &bdquo;Also ein Kraftwerk, das eine Kaserne versorgt und gleichzeitig eine Kleinstadt, ist nat&uuml;rlich f&uuml;r uns interessant zu verteidigen, sozusagen zwei Fliegen mit einer Klappe.&ldquo; Na, das ist doch mal ein sch&ouml;ner Vergleich! Aber halt! W&auml;ren dann nicht Kaserne und Kleinstadt, die zu verteidigenden Fliegen, totgeklappt?<\/p><p>Doch was soll diese Wortklauberei! Immerhin bem&uuml;hen sich Leute wie Heimatschutz-Henne oder der gr&uuml;ne baden-w&uuml;rttembergische Finanzminister Danyal Bayaz um einpr&auml;gsame Bilder. Bayaz fordert im Interview mit der <em>Stuttgarter Zeitung<\/em> (3. M&auml;rz 2025) nat&uuml;rlich Hochr&uuml;stung. Er beklagt, dass &bdquo;der Groschen&ldquo; noch nicht bei allen gefallen sei, und er verbindet bei der Warum-Frage B&ouml;rsensprache mit Kulinarik: &bdquo;Immerhin haben wir [?] die Unf&auml;higkeit zur Verteidigung zu verantworten und die Friedensdividende verfr&uuml;hst&uuml;ckt &hellip;&ldquo; Und sowieso: &bdquo;Die neue Regierung wird unliebsame Dinge anpacken m&uuml;ssen, von den sozialen Sicherungssystemen bis hin zu Arbeitsanreizen.&ldquo; Bayaz pl&auml;diert unter anderem daf&uuml;r, zur Finanzierung der Aufr&uuml;stung einen Feiertag zu streichen.<\/p><p>Danyal Bayaz spricht damit Moritz Schularick aus dem Herzen, er hat ja auch mit diesem zusammen (und mit Claus Ruhe Madsen, Wirtschaftsminister in Schleswig-Holstein) am 13. M&auml;rz 2025 einen <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/meinung\/gastbeitraege\/gastkommentar-milliarden-fuer-verteidigung-schaffen-milliarden-fuers-bip\/100108494.html\">Gastkommentar f&uuml;rs <em>Handelsblatt<\/em><\/a> geschrieben, in dem die Hochaufr&uuml;stung als Super-Konjunkturprogramm f&uuml;r Deutschland gepriesen wird. Besagtes <em>Handelsblatt<\/em> hatte <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/deutschland\/verteidigungspolitik-es-kann-ein-olivgruenes-wirtschaftswunder-geben\/100111458.html\">am 6. M&auml;rz 2025<\/a> voller Vorfreude geschrieben: &bdquo;Es kann ein olivgr&uuml;nes Wirtschaftswunder geben.&ldquo; Und die guten Nachrichten nehmen einfach kein Ende! Die kriselnde Auto- und deren Zulieferindustrie zum Beispiel werden transformiert zur R&uuml;stungsindustrie. Rheinmetall erw&auml;gt gerade die &Uuml;bernahme eines VW-Werks in Osnabr&uuml;ck, es sei gut geeignet f&uuml;r die Panzerproduktion.<\/p><p>VW und Rheinmetall! Deutsche Kontinuit&auml;ten eben. Auf der Rheinmetall-Homepage findet sich &uuml;brigens ein Text zur Firmengeschichte, in dem die Nazi-Zeit aufgearbeitet werden soll. <a href=\"https:\/\/www.rheinmetall.com\/de\/unternehmen\/historie\/geschichten-rheinmetall\/jahre-1936-1945\">In diesem Text<\/a> beklagt sich das Unternehmen, dass es w&auml;hrend des Zweiten Weltkriegs von der B&uuml;rokratie behindert wurde: &bdquo;Selbst die f&uuml;r den immer noch erhofften &lsquo;Endsieg&rsquo; notwendige Waffenfertigung wurde durch sie immer wieder ausgebremst. Das betraf sowohl die Beschaffung von Arbeitskr&auml;ften &ndash; selbst die von Zwangsarbeitern &ndash; als auch die Verlegung von Betrieben.&rdquo; H&auml;tten wir sonst doch noch gesiegt? W&auml;ren Europa und am Ende die ganze Welt dann ein Nazi-Reich geworden? Und w&auml;re das gut so? Aber noch sind wir erst in der bundesdeutschen Vorkriegszeit, in welcher der aktuelle Rheinmetall-Chef Armin Papperger <a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/features\/Panzer-statt-Volkswagen-Rheinmetall-erwaegt-Uebernahme-von-VW-Werk-10315115.html\">in jedem Sinn bedenkenlos jubelt<\/a>: &bdquo;&bdquo;Eine &Auml;ra der Wiederaufr&uuml;stung in Europa hat begonnen&ldquo; [&hellip;] Dies bringe der Firma ,Wachstumsperspektiven f&uuml;r die kommenden Jahre, wie wir sie noch nie erlebt haben.&lsquo; Seit Beginn des Ukraine-Kriegs 2022 hat sich der Aktienkurs des Unternehmens mehr als verzehnfacht.&ldquo;<\/p><p>Und auch im S&uuml;den geht was. Oliver D&ouml;rre, Chef der bayerischen R&uuml;stungsschmiede Hensoldt, sagt, seine Firma profitiere von den Schwierigkeiten der Autoindustrie, er will Besch&auml;ftigte von Bosch und Continental &uuml;bernehmen. Baden-W&uuml;rttemberg wird ebenfalls nicht leer ausgehen, <a href=\"https:\/\/www.swr.de\/swraktuell\/baden-wuerttemberg\/ruestung-ausbauen-kretschmann-ministerpraesident-diehl-bodensee-hensoldt-neuer-schwerpunkt-bw-100.html\">Hensoldt r&uuml;stet ja auch in Ulm, Oberkochen (Ostalbkreis), Immenstaad am Bodensee und Pforzheim<\/a>. Und <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/meinung\/gastbeitraege\/gastkommentar-milliarden-fuer-verteidigung-schaffen-milliarden-fuers-bip\/100108494.html\">au&szlig;erdem<\/a>: &bdquo;Allein vier Fraunhofer-Institute in Baden-W&uuml;rttemberg besch&auml;ftigen sich mit Milit&auml;rtechnologie. Dazu gibt es in Heilbronn und T&uuml;bingen wichtige Forschungszentren zu K&uuml;nstlicher Intelligenz. F&uuml;r die Verteidigungsindustrie wird KI ebenso wie autonome Systeme, Robotik, und Drohnen-Technologie eine zentrale Rolle spielen.&ldquo;<\/p><p>Und was sagt Winfried Kretschmann zu all dem, der einzige gr&uuml;ne Ministerpr&auml;sident Deutschlands und wahrscheinlich der letzte von Baden-W&uuml;rttemberg? Er hatte sich ja mal, im Jahr 2011 und kurz bevor er Landesvater wurde, kritisch &uuml;ber seine einschl&auml;gige Gro&szlig;industrie ge&auml;u&szlig;ert und behauptet: &bdquo;Weniger Autos sind nat&uuml;rlich besser als mehr&ldquo;. Noch im selben Jahr aber hat er bereut und, wie damals die <em>Stuttgarter Zeitung<\/em> schrieb, seinen Fehler wiedergutgemacht: &bdquo;Besuch bei Porsche &ndash; Kretschmann b&uuml;gelt schlechten Start aus&ldquo;. Jetzt, am 5. M&auml;rz 2025, kann die <em>ARD-Tagesschau<\/em> verk&uuml;nden: &bdquo;Kretschmann will Ausbau der R&uuml;stungsindustrie in BW&ldquo;. Der <a href=\"https:\/\/www.staatsanzeiger.de\/nachrichten\/wirtschaft\/kretschmann-fuer-ausbau-der-ruestungsindustrie-im-suedwesten\/\"><em>Staatsanzeiger<\/em> vom selben Tag zitiert ihn<\/a>: &bdquo;Das wird ein neuer industrieller Schwerpunkt f&uuml;r Baden-W&uuml;rttemberg werden, da bin ich mir sicher.&ldquo; Ethische Bedenken habe er nicht, so Kretschmann: &bdquo;Ich war noch nie ein Pazifist.&ldquo; Diese Debatte sei f&uuml;r die Gr&uuml;nen sowieso seit dem Kosovo-Krieg &bdquo;ausgestanden&ldquo;.<\/p><p>Kretschmann hat sein Wendehals-Talent also hinreichend und nicht nur beim Auto-Thema bewiesen. Vom Kommunistischen Bund Westdeutschland ging es zu den Gr&uuml;nen und hinein in den Konservatismus. Den Widerstand gegen das irre Bahnhofsprojekt S21, der ihn an die Spitze des Landes gesp&uuml;lt hatte, gab er gleich nach Amtsantritt auf (&bdquo;Der K&auml;s&lsquo; isch g&auml;ssa!&ldquo;), nun macht er sein Baden-W&uuml;rttemberg eben zum Hochr&uuml;stungsmusterland. Und wenn Winfried Kretschmann zusammen mit seinem Parteifreund Danyal Bayaz und Professor Moritz Schularick, dem Geistesbruder von Doktor Seltsam, mal im Atombunker sitzen sollte, dann wissen diese drei und all ihre Kumpane trotzdem: Alles richtig gemacht!<\/p><p><small>Titelbild: Shutterstock \/ Maksim Safaniuk<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=118746\">Alle Friedenspreise erobert!<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=112668\">Die Feigen und die Toten<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=103152\">L&uuml;gen, Leoparden und notwendige Gemetzel<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86230\">V&ouml;lkerkunde mit Anna Kupriy bei der Landeszentrale f&uuml;r politische Bildung: Die Russen sind faul, die Ukrainer flei&szlig;ig<\/a>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unterzeile: &bdquo;Geld gewinnt Kriege&ldquo;, so schreibt der &Ouml;konom Moritz Schularick in einer Studie f&uuml;r das Kiel Institut f&uuml;r Weltwirtschaft. Schularick hat die deutsche Politik in eine grenzenlose Militarisierung getrieben und dabei sogar die NS-R&uuml;stung als Vorbild angef&uuml;hrt. Seine &bdquo;Lehre&ldquo; wird gern &uuml;bernommen, auch von einem gr&uuml;nen Ministerpr&auml;sidenten wie Winfried Kretschmann. Von <strong>Rupert Koppold<\/strong>.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist<\/em><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=130658\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":130659,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,172,135,129,156],"tags":[3293,2102,625,1076,1367,906,3070,3541,3532],"class_list":["post-130658","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-aufruestung","category-finanzpolitik","category-lobbyorganisationen-und-interessengebundene-wissenschaft","category-schulden-sparen","tag-bellizismus","tag-geostrategie","tag-ifw","tag-kretschmann-winfried","tag-ruestungsausgaben","tag-ruestungsindustrie","tag-rheinmetall","tag-schularick-moritz","tag-sondervermoegen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/shutterstock_2575439643.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/130658","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=130658"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/130658\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":130682,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/130658\/revisions\/130682"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/130659"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=130658"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=130658"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=130658"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}