{"id":130783,"date":"2025-03-27T11:00:39","date_gmt":"2025-03-27T10:00:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=130783"},"modified":"2025-03-28T09:02:30","modified_gmt":"2025-03-28T08:02:30","slug":"stellt-gezielte-toetung-von-journalisten-durch-israel-fuer-bundesregierung-ein-kriegsverbrechen-dar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=130783","title":{"rendered":"Stellt gezielte T\u00f6tung von Journalisten durch Israel f\u00fcr Bundesregierung ein Kriegsverbrechen dar?"},"content":{"rendered":"<p>Die israelische Armee (IDF) hat am 24. M&auml;rz zwei Journalisten im Gazastreifen get&ouml;tet, den f&uuml;r <em>Al Jazeera <\/em>t&auml;tigen Hossam Shabat sowie den f&uuml;r <em>Palestine Today<\/em> arbeitenden Mohammad Mansour. Im ersten Fall wurde das Auto des Al-Jazeera-Journalisten gezielt ins Visier genommen, was die IDF auch offiziell einr&auml;umt, im zweiten Fall die Wohnung des Journalisten, dabei starben auch seine Frau und Kind. Die <em>NachDenkSeiten <\/em>wollten vor diesem Hintergrund wissen, ob die Bundesregierung die gezielte T&ouml;tung von Journalisten als Kriegsverbrechen bewertet und wieso es angesichts von 206 durch Israel seit Oktober 2023 get&ouml;teten Journalisten allein im Gazastreifen, einer historisch einmalig hohen Zahl, keine proaktiven Stellungnahmen von Seiten der Bundesregierung gab. Von <strong>Florian Warweg<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3808\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-130783-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250327_Stellt_gezielte_Toetung_von_Journalisten_durch_Israel_fuer_Bundesregierung_ein_Kriegsverbrechen_dar_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250327_Stellt_gezielte_Toetung_von_Journalisten_durch_Israel_fuer_Bundesregierung_ein_Kriegsverbrechen_dar_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250327_Stellt_gezielte_Toetung_von_Journalisten_durch_Israel_fuer_Bundesregierung_ein_Kriegsverbrechen_dar_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250327_Stellt_gezielte_Toetung_von_Journalisten_durch_Israel_fuer_Bundesregierung_ein_Kriegsverbrechen_dar_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=130783-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250327_Stellt_gezielte_Toetung_von_Journalisten_durch_Israel_fuer_Bundesregierung_ein_Kriegsverbrechen_dar_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250327_Stellt_gezielte_Toetung_von_Journalisten_durch_Israel_fuer_Bundesregierung_ein_Kriegsverbrechen_dar_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/0DbatPQwH4M\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p><strong>Hintergrund: <\/strong><\/p><p>Hossam Shabat war im Auftrag des katarischen Senders <em>Al Jazerra<\/em> (AJ) auf der Saladin-Stra&szlig;e unterwegs, einer Hauptverkehrsstra&szlig;e, die den Norden des Gazastreifens mit dem S&uuml;den verbindet, als ihn die israelische Armee am 24. M&auml;rz mit einem gezielten Luftschlag t&ouml;tete. Videoaufnahmen zeigen, wie Helfer seinen leblosen K&ouml;rper aus dem zerst&ouml;rten Wagen ziehen. Shabat wurde 23 Jahre alt. <\/p><p>Die israelische Armee <a href=\"https:\/\/x.com\/IDF\/status\/1904457386590384418\">erkl&auml;rte offiziell<\/a>, dass sie den AJ-Journalisten gezielt &bdquo;eliminiert&ldquo; h&auml;tte, und f&uuml;hrte als Begr&uuml;ndung an, dass er und f&uuml;nf weitere AJ-Journalisten &bdquo;Hamas-Terroristen&ldquo; seien.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250326_BPK-IDF-Screen1.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250326_BPK-IDF-Screen1.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Die gezielte T&ouml;tung von Journalisten in Konfliktgebieten gilt als Kriegsverbrechen. Journalisten unterliegen in diesem Kontext einem besonderen Schutz, was innerhalb des UN-Rahmens unter anderem durch die UNESCO-Resolution 29 von 1996, die Resolution 1738 des UN-Sicherheitsrats von 2006 sowie die Erkl&auml;rung von Medell&iacute;n vom 4. Mai 2007 <a href=\"https:\/\/guide-humanitarian-law.org\/content\/article\/3\/journalists\/\">dokumentiert<\/a> ist. <\/p><p>Zwei Stunden vor seiner gezielten T&ouml;tung durch die IDF hatte Shabat &uuml;ber den Tod seines Kollegen Mohammad Mansour berichtet, der f&uuml;r den Fernsehsender <em>Palestine Today<\/em> (PJ) arbeitete. Das Haus des PJ-Journalisten in Chan Yunis, der zweitgr&ouml;&szlig;ten Stadt im S&uuml;den des Gazastreifens, war am Montag bei einem mutma&szlig;lich ebenfalls gezielten Luftschlag zerst&ouml;rt worden. Dabei starben auch seine Frau und seine Tochter. <\/p><p>Der AJ-Journalist Shabat war in der gesamten arabischen Welt bekannt, weil er als freier Mitarbeiter f&uuml;r <em>Al Jazeera Mubasher<\/em>, dem Live-Kanal des Senders, aus Gaza berichtete. Der TV-Sender aus Katar ist der einzige internationale Fernsehsender, der noch mit eigenen Mitarbeitern live aus Gaza berichtet und deswegen massiver Repression durch Israel ausgesetzt ist. Bereits im Mai 2024 lie&szlig; Tel Aviv das AJ-B&uuml;ro in Jerusalem schlie&szlig;en. Vier Monate sp&auml;ter, im September 2024, <a href=\"https:\/\/taz.de\/Israels-Armee-toetet-Journalisten\/!6074798\/\">st&uuml;rmte<\/a> die IDF mit Waffengewalt das Al-Jazeera-B&uuml;ro in Ramallah, im von Israel v&ouml;lkerrechtswidrig besetzten Westjordanland, und schloss auch dieses. <\/p><p>Nach dem Tod von Shabat ver&ouml;ffentlichte sein Team folgende letzte Worte des Journalisten auf dessen X-Account: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wenn Sie dies lesen, bedeutet das, dass ich von den israelischen Besatzungstruppen get&ouml;tet wurde &ndash; h&ouml;chstwahrscheinlich gezielt. Als das alles begann, war ich erst 21 Jahre alt &ndash; ein Student mit Tr&auml;umen wie jeder andere auch. In den letzten 18 Monaten habe ich jeden Moment meines Lebens meinem Volk gewidmet. Ich dokumentierte die Schrecken im n&ouml;rdlichen Gaza-Streifen Minute f&uuml;r Minute, entschlossen, der Welt die Wahrheit zu zeigen, die sie zu verbergen suchten. Ich schlief auf Gehwegen, in Schulen, in Zelten &ndash; &uuml;berall, wo ich konnte. Jeder Tag war ein Kampf ums &Uuml;berleben. Ich litt monatelang Hunger, doch ich wich nie von der Seite meines Volkes.\n<\/p><\/blockquote><div class=\"external-2click\" data-provider=\"X (Twitter)\" data-provider-slug=\"twitter\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Tweets werden Daten an X (ehemals Twitter) &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von X (Twitter) zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><blockquote class=\"external-2click-target twitter-tweet\">\n<p lang=\"en\" dir=\"ltr\">This is Hossam&rsquo;s team, and we are sharing his final message :<\/p>\n<p>&ldquo;If you&rsquo;re reading this, it means I have been killed&mdash;most likely targeted&mdash;by the Israeli occupation forces. When this all began, I was only 21 years old&mdash;a college student with dreams like anyone else. For past 18&hellip; <a href=\"https:\/\/t.co\/80aNO6wtfO\">pic.twitter.com\/80aNO6wtfO<\/a><\/p>\n<p>&mdash; &#1581;&#1587;&#1575;&#1605; &#1588;&#1576;&#1575;&#1578; (@HossamShabat) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/HossamShabat\/status\/1904219854183313461?ref_src=twsrc%5Etfw\">March 24, 2025<\/a><\/p><\/blockquote><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"twitter\">Inhalte von X (Twitter) nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><p> <\/p><p>Mit der T&ouml;tung von Shabat und Mansour steigt die Zahl von durch Israel get&ouml;teten Journalisten und Medienschaffenden (Kameram&auml;nnern etc.) <a href=\"https:\/\/www.ochaopt.org\/content\/reported-impact-snapshot-gaza-strip-25-march-2025\">laut dem Amt der Vereinten Nationen f&uuml;r die Koordinierung humanit&auml;rer Angelegenheiten <\/a>(UN-Ocha) auf 206. <\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250326_BPK-IDF-Screen2.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250326_BPK-IDF-Screen2.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Die UN-Sonderberichterstatterin f&uuml;r Meinungsfreiheit im B&uuml;ro des Hochkommissars f&uuml;r Menschenrechte (OHCHR), Irene Khan, <a href=\"https:\/\/www.ipg-journal.de\/interviews\/artikel\/eine-atmosphaere-der-angst-7971\/\">erkl&auml;rt<\/a> in einem Interview gegen&uuml;ber der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung, dass die Anzahl der get&ouml;teten Journalisten in Gaza f&uuml;r das 21. Jahrhundert einmalig hoch sei und dass Israel gezielt Journalisten t&ouml;te, um &bdquo;die Berichterstattung &uuml;ber Kriegsverbrechen unterbinden zu wollen&ldquo;: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Die UN-Aufzeichnungen aus &uuml;ber 30 Jahren zeigen, dass der Gazastreifen den traurigen Rekord h&auml;lt, mit der h&ouml;chsten Zahl an Opfern der t&ouml;dlichste Konflikt f&uuml;r Medienschaffende und Journalisten zu sein. Der Tod vieler Journalisten ist auf die Heftigkeit des Krieges zur&uuml;ckzuf&uuml;hren, aber es gab auch gezielte T&ouml;tungen. Unter dem Humanit&auml;ren V&ouml;lkerrecht gelten Journalisten als Zivilpersonen und haben Anspruch auf Schutz. Die gezielte Ermordung von Journalisten ist ein Kriegsverbrechen. Und doch wurden und werden sie im Gazastreifen vors&auml;tzlich get&ouml;tet.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Doch selbst die Einsch&auml;tzungen der UN-Sonderberichterstatterin f&uuml;r Meinungsfreiheit sowie zahlreicher internationaler Journalistenvereinigungen k&ouml;nnen die Bundesregierung nicht davon &uuml;berzeugen, dass die belegte gezielte T&ouml;tung von Journalisten in Gaza ein israelisches Kriegsverbrechen darstellt. <\/p><p><strong>Auszug aus dem Wortprotokoll der Regierungspressekonferenz vom 26. M&auml;rz 2025<\/strong><\/p><p><strong>Frage Warweg<\/strong><br>\nDie israelische Armee hat am 24. M&auml;rz zwei Journalisten im Gazastreifen get&ouml;tet, den f&uuml;r Al Jazeera t&auml;tigen Hossam Shabat sowie den f&uuml;r Palestine Today arbeitenden Mohammad Mansour. Im ersten Fall wurde das Auto des Al-Jazeera-Journalisten gezielt von der israelischen Armee ins Visier genommen, was diese auch offiziell einger&auml;umt hat, im zweiten Fall die Wohnung des Journalisten. Dabei starben sowohl seine Frau als auch sein Kind. Da w&uuml;rde mich zun&auml;chst grunds&auml;tzlich die Bewertung der Bundesregierung interessieren. Stellt f&uuml;r die Bundesregierung die gezielte T&ouml;tung eines Journalisten durch die israelische Armee ein Kriegsverbrechen dar, ja oder nein?<\/p><p><strong>Wagner (AA)<\/strong><br>\nIch kann ganz allgemein sagen: Nat&uuml;rlich ist die Pressefreiheit ein hohes Gut, und sie muss gesch&uuml;tzt werden. Insofern sind Angriffe auf Journalistinnen und Journalisten niemals gerechtfertigt und m&uuml;ssen vermieden werden.<\/p><p>Jetzt steht zu den konkreten F&auml;llen, zu denen ich keine eigenen Erkenntnisse habe, das im Raum, was von israelischer Seite dazu gesagt wird. Ob es legitime Ziele waren oder nicht, das kann ich von hier aus nicht beurteilen. Aber ich kann Ihnen ganz allgemein sagen: Journalistinnen und Journalisten d&uuml;rfen nicht zur Zielscheibe werden. In Gaza ist die Situation f&uuml;r die Menschen dort, aber auch f&uuml;r die Journalistinnen und Journalisten, die dar&uuml;ber berichten, katastrophal, extrem gef&auml;hrlich und ganz schwierig. Das muss sich dringend &auml;ndern. Deshalb fordern wir die israelische Regierung und alle an den Verhandlungen beteiligten Seiten auf, schnell wieder zu einem Waffenstillstand zur&uuml;ckzukehren und zu einer politischen L&ouml;sung zu kommen.<\/p><p><strong>Zusatzfrage Warweg<\/strong><br>\nMit der T&ouml;tung der genannten zwei Journalisten stieg laut UN-OCHA die Zahl der durch Israel seit Oktober 2023 get&ouml;teten Journalisten und Medienschaffenden auf 206 Personen, eine zumindest f&uuml;r das 21. Jahrhundert historisch einmalige Eskalation. Da w&uuml;rde mich noch interessieren: Wieso gab es bisher keine einzige proaktive Stellungnahme vonseiten der Bundesregierung, insbesondere vonseiten des Ausw&auml;rtigen Amtes, zu dieser enorm hohen Zahl an get&ouml;teten Journalisten?<\/p><p>Nur zum Vergleich: Im Ukrainekrieg starben auf beiden Seiten seit Februar 2022 rund 40 Journalisten. Da gab es &ndash; &ndash; &ndash;<\/p><p><strong>BPK-Vorsitzende Wolf<\/strong><br>\nIhre Frage ist angekommen, Herr Warweg!<\/p><p><strong>Zusatz Warweg<\/strong><br>\nNein. &ndash; Dazu gab es partiell durchaus Stellungnahmen. Deswegen w&uuml;rde mich interessieren, wieso es bisher keine einzige proaktive Stellungnahme vonseiten des Ausw&auml;rtigen Amts gegen&uuml;ber dieser historisch einmaligen Zahl an get&ouml;teten Journalisten gibt.<\/p><p><strong>Wagner (AA)<\/strong><br>\nWas Sie behaupten, ist einfach falsch, Herr Warweg. Wir haben uns aktiv zu journalistischen F&auml;llen eingelassen, die in Gaza vorgefallen sind, auch proaktiv. Es stimmt einfach nicht, was Sie behaupten. Aber Sie haben recht: 206 tote Journalisten sind 206 tote Journalisten zu viel. Im &Uuml;brigen gilt das, was ich eben gesagt habe.<\/p><p>Die beiden Konflikte miteinander zu vergleichen, ist, glaube ich, ganz, ganz d&uuml;nnes Eis.<\/p><p><strong>Zusatz Warweg<\/strong><br>\n(ohne Mikrofon, akustisch unverst&auml;ndlich)<\/p><p><strong>Vorsitzende Wolf<\/strong><br>\nIhre Frage ist gestellt, angekommen und beantwortet. &ndash; Jetzt ist Frau J&auml;ckels dran.<\/p><p><strong>Frage J&auml;ckels (Neues Deutschland)<\/strong><br>\nIch stelle immer wieder dieselbe Frage. Sie sagen, die Pressefreiheit sei ein hohes Gut, das gesch&uuml;tzt werden m&uuml;sse. Was passiert denn, wenn unsere engsten Freunde dieses hohe Gut nicht sch&uuml;tzen? Welche Konsequenzen hat das?<\/p><p><strong>Wagner (AA)<\/strong><br>\nDann thematisieren wir das, wir verurteilen es &ouml;ffentlich, wir besprechen es bilateral, und das tun wir immer wieder. Das ist, wie gesagt, etwas, das nicht sein kann, das vermieden werden muss und das verhindert werden muss. Ich glaube, das, was wir ja als Bundesregierung tun, n&auml;mlich uns daf&uuml;r einzusetzen, in diesem schwierigen Konflikt dahin zu kommen, dass das Leid in Gaza aufh&ouml;rt und dass wir endlich zu einer politischen L&ouml;sung kommen und dass das T&ouml;ten und das Sterben in Gaza aufh&ouml;ren, ist ja Teil dieses Einsatzes.<\/p><p>Insofern kann ich verstehen, dass Sie es wahnsinnig frustrierend finden, hier jetzt sozusagen nur die Antwort eines Sprechers des Ausw&auml;rtigen Amtes zu erhalten, aber es ist ja nicht so, dass wir nichts tun. Ganz im Gegenteil: Die deutsche Regierung ist ja sehr aktiv dabei, in diesem Konflikt sozusagen auch den Einfluss, den wir haben, geltend zu machen, und spricht dabei mit allen Seiten. Die Sonderbeauftragte des Ausw&auml;rtigen Amtes f&uuml;r humanit&auml;re Hilfe in Gaza befindet sich gerade in Israel, spricht dort mit den israelischen Partnern und setzt sich daf&uuml;r ein, dass humanit&auml;re Hilfe nach Gaza hereinkommt. Das ist ja au&szlig;enpolitisches Handeln.<\/p><p><strong>Zusatz J&auml;ckels<\/strong><br>\nDer Grund, warum ich immer wieder die gleiche Frage stelle, ist ja, dass immer wieder &auml;hnliche Lippenbekenntnisse kommen. Deutschland setzt sich f&uuml;r das humanit&auml;re V&ouml;lkerrecht ein, Deutschland setzt sich f&uuml;r Menschenrechte ein, Deutschland setzt sich f&uuml;r die Pressefreiheit ein. Es folgen aber dann keine Konsequenzen, wenn es Verst&ouml;&szlig;e in diesen Bereichen gibt. Die Konsequenzen, die genannt werden, sind: Wir reden mit den Partnern. &ndash; Da schleicht sich ja irgendwann so ein bisschen der Eindruck ein, dass das eigentlich nur leere Worth&uuml;lsen sind und dass aber tats&auml;chlich nichts passiert.<\/p><p><strong>Vorsitzende Wolf<\/strong><br>\nFrau J&auml;ckels, entschuldigen Sie, wenn ich da einmal reingehe, aber das ist jetzt Ihre Einordnung der Antwort. Die k&ouml;nnen Sie gerne in Ihrer Berichterstattung vornehmen. Aber die Frage ist jetzt die gleiche wie die erste.<\/p><p><strong>Zusatzfrage J&auml;ckels<\/strong><br>\nK&ouml;nnen Sie denn in irgendeiner Weise vorweisen, dass es &uuml;ber diese Lippenbekenntnisse hinaus konkrete Konsequenzen gab?<\/p><p><strong>Wagner (AA)<\/strong><br>\nDas haben wir doch hier immer wieder dargelegt, Frau J&auml;ckels. Es gibt doch konkretes Handeln. Wir haben am Montag l&auml;nger &uuml;ber die Situation hinsichtlich Siedlergewalt im Westjordanland gesprochen. Da haben wir auf europ&auml;ischer Ebene Sanktionen angesto&szlig;en. Diplomatie besteht nun einmal sehr viel aus Kontakt, Einwirken und Einflussm&ouml;glichkeiten, die wir nutzen. Das ist leider etwas, das ich hier nicht sozusagen in epischer Breite in aller &Ouml;ffentlichkeit darstellen kann. Aber nat&uuml;rlich nutzt die Bundesregierung die Kan&auml;le und den Einfluss, den sie hat.<\/p><p><strong>Frage Warweg<\/strong><br>\nEine ganz kurze Bitte, Herr Wagner, weil ich tats&auml;chlich vorher recht intensiv sowohl den Twitter-Account als auch die RegPK-Protokolle durchgegangen bin und keine einzige proaktive Stellungnahme gefunden habe: K&ouml;nnten Sie bitte zwei oder drei Beispiele von proaktiven Stellungnahmen zur T&ouml;tung von Journalisten im Gazastreifen nachreichen?<\/p><p><strong>Wagner (AA)<\/strong><br>\nDas mache ich gerne, Herr Warweg.<\/p><p><em><strong>30 Minuten sp&auml;ter &mdash; Nachreichung durch Herrn Wagner:<\/strong><\/em><\/p><p>Herr Warweg, ich kann best&auml;tigen, dass es einen Kontakt zwischen Frau Baerbock und Frau Schmid gab. Das ist alles, was ich zu diesem Thema zu sagen habe.<\/p><p>Ich kann Ihnen aber noch etwas zu Ihrer Frage zu den Journalisten in Gaza nachreichen: Unter anderem hat die Au&szlig;enministerin bei ihrer Rede auf dem Global Media Forum im Juni 2024 &ndash; ich hoffe, das trifft die Qualifikation einer proaktiven &Auml;u&szlig;erung &ndash; davon gesprochen, dass Journalistinnen und Journalisten in Gaza get&ouml;tet worden sind und dass das inakzeptabel ist. Die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung hat am Tag der Pressefreiheit 2024 auf diese F&auml;lle in Gaza hingewiesen und sie verurteilt. Der deutsche Vertreter in Ramallah Oliver Owcza hat sich dazu schon im November 2023 auf X eingelassen. Insofern, glaube ich, kann ich zu meinen Worten stehen, dass es einfach falsch war zu behaupten, wir h&auml;tten uns nicht aktiv dazu eingelassen.<\/p><p><small>Titelbild: Screenshot NachDenkSeiten, Bundespressekonferenz 26.03.2025<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=116346\">Vogel-Strau&szlig;-Taktik der Bundesregierung: Von Deutschland gelieferte Kriegswaffen im Einsatz gegen zivile Ziele in Gaza<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=125587\">Historische Bundespressekonferenz: &bdquo;Deutschland muss sich als Mitt&auml;ter an den Reparationszahlungen f&uuml;r Gaza beteiligen&ldquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=126055\">Die anhaltende H&ouml;lle f&uuml;r Gazas Bev&ouml;lkerung darf nicht vergessen werden!<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=130177\">Kein Wasser, kein Strom, keine Lebensmittel: Bundesregierung ruft Israel zur Einhaltung des V&ouml;lkerrechts in Gaza auf<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/f5f1c5e7f71047c086205366fd0cf49b\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die israelische Armee (IDF) hat am 24. M&auml;rz zwei Journalisten im Gazastreifen get&ouml;tet, den f&uuml;r <em>Al Jazeera <\/em>t&auml;tigen Hossam Shabat sowie den f&uuml;r <em>Palestine Today<\/em> arbeitenden Mohammad Mansour. Im ersten Fall wurde das Auto des Al-Jazeera-Journalisten gezielt ins Visier genommen, was die IDF auch offiziell einr&auml;umt, im zweiten Fall die Wohnung des Journalisten, dabei starben<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=130783\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":130784,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,126,171],"tags":[2503,302,1557,304,2520,1415,2360],"class_list":["post-130783","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-erosion-der-demokratie","category-militaereinsaetzekriege","tag-bundespressekonferenz","tag-gaza","tag-israel","tag-kriegsverbrechen","tag-mord","tag-pressefreiheit","tag-zivile-opfer"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/250326_BPK_Titelbild_Clip_2_IDF_toetet_2_Journalisten_in_Gaza_NDS.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/130783","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=130783"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/130783\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":130825,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/130783\/revisions\/130825"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/130784"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=130783"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=130783"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=130783"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}