{"id":13080,"date":"2012-05-02T16:55:59","date_gmt":"2012-05-02T14:55:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13080"},"modified":"2015-02-15T10:42:21","modified_gmt":"2015-02-15T09:42:21","slug":"die-fifa-mafia-schmutzige-geschafte-mit-dem-weltfusball","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13080","title":{"rendered":"Die FIFA-Mafia \u2013 schmutzige Gesch\u00e4fte mit dem Weltfu\u00dfball"},"content":{"rendered":"<p>Fu&szlig;ball bewegt Millionen. Allerdings nicht nur Fans auf den R&auml;ngen der Stadien. Bei der FIFA werden auch viele Millionen Dollar, Franken und Euro hin- und hergeschoben. Ein wirtschaftlicher und politischer Skandal ungeheuren Ausma&szlig;es. Ein Buch verschafft Einblick in das &bdquo;gr&ouml;&szlig;te Schwarze Loch&ldquo; unserer Zeit.<br>\n<!--more--><br>\nWenn der Ball rollt, steht die Welt still. Millionen Menschen lieben dieses Spiel. Ihnen bereitet Fu&szlig;ball Freude und Vergn&uuml;gen. Fu&szlig;ball ist die sch&ouml;nste Nebensache der Welt. F&uuml;r den Chef der FIFA, Sepp Blatter, geht es in erster Linie um Gesch&auml;ft, Macht und Selbsterh&ouml;hung. Und er hat seine willigen Helfer. Das &bdquo;Korruptionsstadl in Z&uuml;rich&ldquo; nennt Karl-Heinz Rummenigge, Chef der europ&auml;ischen Klubvereinigung ECA, die FIFA. <\/p><p>Das Treiben der FIFA, vor allem das seines Pr&auml;sidenten, ist ein wirtschaftlicher und politischer Skandal ungeheuren Ausma&szlig;es. Zu dieser Einsch&auml;tzung kommt Thomas Kistner, Sportjournalist der &bdquo;S&uuml;ddeutschen Zeitung&ldquo;, in seinem jetzt bei Droemer Knaur erschienenen Buch &bdquo;FIFA-MAFIA &ndash; Die schmutzigen Gesch&auml;fte mit dem Weltfu&szlig;ball&ldquo;. Seit 1990 recherchiert der Autor in Sachen FIFA, entsprechend umfangreich und fundiert sind die Fakten. <\/p><p>Wer gerne Krimis liest, der k&ouml;nnte an diesem Buch seine helle Freude haben &ndash; wenn das Geschilderte nicht Realit&auml;t w&auml;re. Was seit Jahrzehnten Blatter an Vernetzungen und Abh&auml;ngigkeiten aufgebaut hat, das ist atemberaubend. Das System Blatter hat Gro&szlig;e aus der Sportartikelindustrie, aus Politik und Werbewirtschaft so in die Abh&auml;ngigkeit fast eines Mannes gebracht, dass man aus dem Staunen nicht herauskommt. Es ist erschreckend zu sehen, wie in einer solchen weltweit agierenden Organisation nahezu jede Form von demokratischer Entscheidung vom Fingerzeig eines sich als g&ouml;ttlich einsch&auml;tzenden Mannes wenn nicht verhindert, dann doch ausgehebelt werden kann. <\/p><p>Thomas Kistners akribische Recherche gerinnt in diesem Buch zu einem gedruckten Indizienprozess. Leserin und Leser erfahren viel &uuml;ber die bislang unbekannte Seite des Weltfu&szlig;balls und seines Verbandes, wie den Verlust des B&auml;lle-Symbols der FIFA, die besondere Vernetzung dieses Verbandes mit Interpol und Security-Firmen, &uuml;ber die Entstehung eines global ausgerichteten Sport-Sicherheitsdienstes in Katar, &uuml;ber FBI-Ermittlungen rund um den Fu&szlig;ball und Wettspielszene und von der Jagd auf eine CD mit sensiblen Bankdaten von hohen Fu&szlig;ballvertretern. <\/p><p>Und: Ein interner FIFA-Briefverkehr belegt, wie die lukrativen Sportrechte an Freunde und Kollegen verschachert werden. Man erf&auml;hrt wie es mit Geld m&ouml;glich ist in der Schweiz immer festere Schutzw&auml;lle zu errichten. Thomas Kistner: &bdquo;Blickdichte Mauern um die eigenen Spitzenleute und um deren Gesch&auml;ftsmoral braucht es dringend, denn der Begriff FIFA ist unter Blatter zum Synonym f&uuml;r Korruption geworden.&ldquo; Bei internationalen Treffen und Veranstaltungen stellt die FIFA Bedingungen, die die Teilnehmer von jeder Form von Einreisekontrolle freistellt, wozu auch der uneingeschr&auml;nkte Transfer und Umtausch anderer W&auml;hrungen in Dollar, Euro oder Schweizer Franken geh&ouml;rt. Wer hier vermutet, dass es um erlaubte Geldw&auml;sche gehen k&ouml;nnte, muss damit nicht falsch liegen. <\/p><p>Die Bedeutung dieses Buches geht &uuml;ber die Grenzen der Arenen hinaus. Was hier stattfindet ist nicht ein Geschachere innerhalb eines Zweiges des Sportbetriebs, was schon schlimm genug w&auml;re. Was sich unter dem Dach FIFA entwickelt hat, durchdringt l&auml;ngst teile der Wirtschaft und der Politik &ndash; internationale Polizeibeh&ouml;rden und Staatsanwaltschaften sollten sich der Sache annehmen. Schon einmal stand der Weltverband kurz vor dem Strafrichter; doch es gelang der FIFA sich freizukaufen. Das sollte ihr nicht noch einmal gelingen. Das Buch von Thomas Kistner m&uuml;sste eigentlich dazu beitragen, im &bdquo;Kooruptionsstadl in Z&uuml;rich&ldquo; kr&auml;ftig aufzur&auml;umen. Auch deshalb weil es nicht nur um das System Blatter geht: auch bei seinen freiwilligen und unfreiwilligen &bdquo;Mitspielern&ldquo; in der Show-, Sport-, Werbe-, Pharma- und Medienindustrie ist einiges zu ordnen.<\/p><p>Wie hei&szlig; das Thema FIFA ist wird daran deutlich, was Thomas Kistner auf die Frage &bdquo;Wie reagiert die Fifa auf Ihre Arbeit und seit wann wei&szlig; sie davon?&ldquo; auf der Seite des Verlags antwortet:<\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Sie wei&szlig; sp&auml;testens seit Januar davon, als der Verlag, dann bald auch ich selbst, von der Fifa angefragt wurde, ob ich dem Verband das Manuskript vorab selbst vorlegen m&ouml;chte. Andernfalls werde man Wege finden, rechtzeitig vor der Ver&ouml;ffentlichung daran zu kommen.<br>\nGrunds&auml;tzlich z&auml;hle ich zu den drei, vier Journalisten, die bei der Fifa auf dem Index stehen. Sepp Blatter selbst hat diese aus seiner Sicht bedrohlichen Leute Ende 2010 namentlich in einem Schweizer Interview benannt. Und so ist bei manchen Fifa-nahen Leuten die Angst davor, mit mir in Verbindung gebracht zu werden, gar als ein Gespr&auml;chspartner, mit H&auml;nden zu greifen.<br>\nZuweilen wird diese Furcht auch offen formuliert. Zu den Standardfragen mir gegen&uuml;ber geh&ouml;rt bspw. mittlerweile, ob ich sicher sei, dass mein Telefon nicht abgeh&ouml;rt werde. Ich habe keine Hinweise darauf, dass dem so w&auml;re. Keine Ahnung, ob das Paranoia ist &ndash; die Sorge einer wachsenden Anzahl von ehemaligen oder Immer-noch-Insidern jedenfalls ist Fakt. Und ein englischer Kollege hat schon 2006 ausf&uuml;hrlich dar&uuml;ber berichtet, wie w&auml;hrend seiner Buchrecherchen f&uuml;r ein Fifa-kritisches Buch die britische Telekom herausfand, dass irgendjemand seinen Telefongespr&auml;chen nachgesp&uuml;rt hatte. Aber klar, auch hier gilt: Der Sachverhalt ist so, doch wer wirklich hinter der Aktion steckte, wurde nie herausgefunden.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>Nach Kistners Einsch&auml;tzung erliegen noch immer zu viele Regierungen, Institutionen und Verb&auml;nde der &bdquo;diabolischen Anziehungskraft des Weltfu&szlig;ballgesch&auml;fts&ldquo;. Und: &bdquo;Es ist eine Branche, die, um mit Blatter zu sprechen, alle Religionen &uuml;bertrumpft hat. In unserer Zeit bildet sie das gr&ouml;&szlig;te Schwarze Loch.&ldquo; Mit dem Erscheinen von Kistners Buch kommt Licht ins Dunkel.<\/p><p>Hermann Zoller<\/p><p><em>Thomas Kistner<\/em><br>\n<em>FIFA-MAFIA &ndash; Das schmutzige Gesch&auml;ft mit dem Weltfu&szlig;ball<\/em><br>\n<em>Droemer Verlag<\/em><br>\n<em>426 Seiten, 19,99 Euro<\/em><br>\n<em>ISBN 978-3-426-27586-3<\/em><\/p><p><strong>Thomas Kistner<\/strong>, geboren 1958, ist Redakteur der S&uuml;ddeutschen Zeitung und zust&auml;ndig f&uuml;r Sportpolitik. Er wurde unter anderem mit dem Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet, war 2006 &ldquo;Sportjournalist des Jahres&ldquo; und ist international einer der renommiertesten investigativen Journalisten im Bereich Sportpolitik und organisierte Kriminalit&auml;t im Sport. Kistner kommentiert regelm&auml;&szlig;ig auf Deutschlandfunk und ist mit den Themen Doping und Korruption im Sport gefragter Gast in TV-Talk-Shows.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fu&szlig;ball bewegt Millionen. Allerdings nicht nur Fans auf den R&auml;ngen der Stadien. Bei der FIFA werden auch viele Millionen Dollar, Franken und Euro hin- und hergeschoben. Ein wirtschaftlicher und politischer Skandal ungeheuren Ausma&szlig;es. 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