{"id":130861,"date":"2025-03-29T12:00:40","date_gmt":"2025-03-29T11:00:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=130861"},"modified":"2025-04-01T15:31:20","modified_gmt":"2025-04-01T13:31:20","slug":"chronik-eines-unnoetigen-krieges-wie-der-westen-russland-provozierte-und-den-frieden-verspielte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=130861","title":{"rendered":"Chronik eines unn\u00f6tigen Krieges: Wie der Westen Russland provozierte und den Frieden verspielte"},"content":{"rendered":"<p>Scott Hortons 900-seitiges Meisterwerk &ldquo;Provoked: How Washington Started the New Cold War with Russia and the Catastrophe in Ukraine&ldquo; (Provoziert &ndash; Wie Washington den neuen Kalten Krieg mit Russland und die Katastrophe in der Ukraine begann) ist ein enorm wichtiges Werk, das akribisch dokumentiert, wie drei Jahrzehnte westlicher Einkreisung den Einmarsch Russlands in die Ukraine provozierten. Diese ausf&uuml;hrliche <strong>Rezension von Michael Holmes<\/strong> soll einen breiten und umfassenden &Uuml;berblick &uuml;ber die vielen Verbrechen, Fehleinsch&auml;tzungen und Vers&auml;umnisse auf allen Seiten geben, die in einen unn&ouml;tigen Krieg m&uuml;ndeten. <\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_243\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-130861-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250331_Chronik_eines_unnoetigen_Krieges_Wie_der_Westen_Russland_provozierte_und_den_Frieden_verspielte_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250331_Chronik_eines_unnoetigen_Krieges_Wie_der_Westen_Russland_provozierte_und_den_Frieden_verspielte_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250331_Chronik_eines_unnoetigen_Krieges_Wie_der_Westen_Russland_provozierte_und_den_Frieden_verspielte_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250331_Chronik_eines_unnoetigen_Krieges_Wie_der_Westen_Russland_provozierte_und_den_Frieden_verspielte_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=130861-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250331_Chronik_eines_unnoetigen_Krieges_Wie_der_Westen_Russland_provozierte_und_den_Frieden_verspielte_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250331_Chronik_eines_unnoetigen_Krieges_Wie_der_Westen_Russland_provozierte_und_den_Frieden_verspielte_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em>Dieser Artikel liegt auch <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/flyer\/250401-Horton-Chronik-eines-unnoetigen-Krieges-Holmes-NDS.pdf\">als gestaltetes PDF vor<\/a>. Wenn Sie ihn ausdrucken oder weitergeben wollen, nutzen Sie bitte diese M&ouml;glichkeit. Weitere Artikel in dieser Form <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?cat=54\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p><strong>Scott Horton<\/strong>, Redaktionsleiter von <em>Antiwar.com<\/em>, ist vor allem daf&uuml;r bekannt, dass er &uuml;ber 6.000 tiefgehende Interviews mit Experten zur US-Au&szlig;enpolitik gef&uuml;hrt hat. Sein beeindruckendes neues Buch &ldquo;Provoked&ldquo;<em> <\/em>ist eine monumentale Anklageschrift gegen die Torheiten der westlichen Au&szlig;enpolitik, in der er nachzeichnet, wie die NATO-Erweiterung und die Regimewechselkriege Russlands Feindseligkeit gesch&uuml;rt haben. Anhand von Tausenden von Quellen zeigt Horton &uuml;berzeugend, dass das westliche Handeln &ndash; getarnt als Verteidigung der Demokratie &ndash; Moskaus Reaktion provozierte. Von den gebrochenen Versprechen der NATO bis hin zur Bewaffnung von Extremisten entlarvt Horton ein Muster westlicher Heuchelei, das Russland als expansionistischen Aggressor darstellt und gleichzeitig Friedensgespr&auml;che in der Ukraine sabotiert. Das Buch ist keine Verteidigung von Putins Regime, sondern eine forensische Untersuchung dar&uuml;ber, wie westliche &Uuml;berheblichkeit und ideologische Hybris den Optimismus nach dem Kalten Krieg in ein nukleares Patt verwandelten. Mit der Pr&auml;zision eines Historikers und der Hartn&auml;ckigkeit eines Enth&uuml;llungsjournalisten stellt Horton die g&auml;ngige Darstellung Russlands als alleinigen Verursacher globaler Instabilit&auml;t in Frage und argumentiert stattdessen, dass die Politik der USA und der NATO die Konflikte von Tschetschenien bis zum Donbass versch&auml;rfte. Durch die Verflechtung von Diplomatendepeschen, freigegebenen Staatsdokumenten, Zeugenaussagen und historischen Analysen zu einer ebenso fesselnden wie beunruhigenden Erz&auml;hlung ermutigt Horton die Leser, die Mythen zu hinterfragen, die uns zu zerst&ouml;ren drohen.<\/p><p>Dieses gr&uuml;ndlich recherchierte Buch st&uuml;tzt sich auf Experten, Diplomaten und politische Entscheidungstr&auml;ger, um seine Argumente zu belegen. Jede zentrale Behauptung wird mit Zitaten und Daten aus unanfechtbaren Quellen untermauert, selbst von etablierten Pers&ouml;nlichkeiten und Presseorganen. Hortons R&uuml;ckgriff auf von der breiten &Ouml;ffentlichkeit respektierte Stimmen, gepaart mit detaillierten Archivrecherchen, verleiht &ldquo;Provoked&ldquo; eine seltene Autorit&auml;t und verwandelt ein Buch, das sich als kontr&auml;rer Revisionismus lesen k&ouml;nnte, in eine unwiderlegbare Gegenerz&auml;hlung. Hortons scharfe Analyse und sein schwarzer Humor machen &ldquo;Provoked&ldquo; so &uuml;berzeugend. Dies ist keine Polemik, sondern eine tiefgehende Analyse der eigenen Aufzeichnungen des Westens, um seine Fehltritte aufzudecken.<\/p><p><strong>NATO-Erweiterung: Die Saat des russischen Misstrauens<\/strong><\/p><p>Scott Horton zeigt &uuml;berzeugend, dass Russlands tiefsitzendes Misstrauen gegen&uuml;ber dem Westen das Ergebnis einer Reihe bewusster politischer Entscheidungen des Westens war, zu denen vor allem die unerbittliche Osterweiterung der NATO geh&ouml;rte. Als sich der Kalte Krieg dem Ende zuneigte, versicherten die Staats- und Regierungschefs der USA und Europas den sowjetischen Vertretern, dass die NATO &ldquo;keinen Zentimeter nach Osten&rdquo; vorr&uuml;cken w&uuml;rde, wenn Moskau die deutsche Wiedervereinigung zulie&szlig;e. Bei diesen Zusagen handelte es sich nicht um vage diplomatische Nettigkeiten, sondern um ausdr&uuml;ckliche Zusicherungen, die von hochrangigen westlichen Vertretern, darunter der amerikanischer Au&szlig;enminister James Baker III und der deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl, abgegeben wurden. Horton durchforstet akribisch freigegebene Dokumente und Berichte aus erster Hand, um zu zeigen, dass es sich dabei nicht um beil&auml;ufige Bemerkungen, sondern um sorgf&auml;ltig formulierte Versprechen handelte, die eine kollabierende Sowjetunion beruhigen sollten.<\/p><p>Horton argumentiert nachdr&uuml;cklich, dass der Verrat dieser Zusicherungen nicht nur ein diplomatischer Fehler war, sondern eine tiefgreifende strategische Fehlkalkulation, die die russische Paranoia sch&uuml;rte. Im Gegensatz zu der karikaturhaften Darstellung der russischen Staats- und Regierungschefs, die der westlichen Integration angeblich von Natur aus feindlich gegen&uuml;berstanden, hebt Horton die Tatsache hervor, dass Michail Gorbatschow, Boris Jelzin und sogar Wladimir Putin zu verschiedenen Zeitpunkten offen daf&uuml;r waren, dass Russland selbst Teil der NATO wird. Sie alle dr&auml;ngten darauf, eine gemeinsame Sicherheitsarchitektur zu schmieden, die sowohl Russland als auch Europa umfasst. Sie bestanden darauf, dass Russland als gleichberechtigter Partner behandelt wird. All diese Vorschl&auml;ge wurden von den USA systematisch ignoriert oder zur&uuml;ckgewiesen, die stattdessen eine imperiale Agenda verfolgten, die die europ&auml;ische Sicherheitslandschaft grundlegend ver&auml;nderte.<\/p><p>Horton beschreibt detailliert, wie die NATO-Erweiterung in verschiedenen Wellen erfolgte, die jeweils die &Uuml;berzeugung Moskaus verst&auml;rkten, dass der Westen Russland eher als besiegten Gegner denn als Partner betrachtete. Die erste Welle erfolgte 1999, als Polen, Ungarn und die Tschechische Republik offiziell der NATO beitraten &ndash; ein Schritt, den George Kennan, der Architekt der Eind&auml;mmungspolitik des Kalten Krieges, als einen &bdquo;strategischen Fehler von m&ouml;glicherweise epischem Ausma&szlig;&rdquo; anprangerte. Zu dieser Zeit galt Kennan in Washington als &bdquo;der weiseste und rangh&ouml;chste der au&szlig;enpolitischen Graub&auml;rte&rdquo;. Er sagte voraus, dass die NATO-Erweiterung &bdquo;zu einem neuen Kalten Krieg f&uuml;hren w&uuml;rde, der wahrscheinlich in einem hei&szlig;en Krieg enden w&uuml;rde, und zum Ende der Bem&uuml;hungen um eine funktionierende Demokratie in Russland&rdquo;. Seine Worte klingen wie eine Prophezeiung: &bdquo;Nat&uuml;rlich wird es eine b&ouml;se Reaktion Russlands geben, und dann werden [die NATO-Erweiterer] sagen, dass wir euch immer gesagt haben, dass die Russen so sind.&rdquo; Horton zitiert Dutzende renommierter au&szlig;enpolitischer Koryph&auml;en, Russlandexperten und Diplomaten, die in unmissverst&auml;ndlichen Worten davor warnten, dass die Ostexpansion der NATO die &Auml;ngste Russlands sch&uuml;ren, Europa destabilisieren, Russlands liberale Opposition schw&auml;chen und den Weg f&uuml;r katastrophale Konfrontationen ebnen w&uuml;rde. Er zeigt, dass Pr&auml;sident Clintons Verteidigungsminister William Perry wegen dieser Entscheidung beinahe zur&uuml;ckgetreten w&auml;re. Im Jahr 2016 sagte Perry dem <em>Guardian<\/em>: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ich muss sagen, dass die Vereinigten Staaten einen Gro&szlig;teil der Schuld verdienen. Unsere erste Aktion, die uns wirklich in eine schlechte Richtung gebracht hat, war die NATO-Erweiterung.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Die zweite Welle im Jahr 2004 war sogar noch provokativer und brachte die baltischen Staaten &ndash; Estland, Lettland und Litauen &ndash; sowie die Slowakei, Rum&auml;nien, Bulgarien und Slowenien ins B&uuml;ndnis. Zum ersten Mal grenzten die NATO-Streitkr&auml;fte nun direkt an Russland. Bis 2009 hatte das B&uuml;ndnis Albanien und Kroatien aufgenommen, wodurch das Vertrauen zwischen Moskau und dem Westen weiter untergraben wurde. Mit der Aufnahme Montenegros 2017 und Nordmazedoniens 2020 setzte sich das Muster fort.<\/p><p>Jede weitere Welle der NATO-Erweiterung verst&auml;rkte die Entschlossenheit Moskaus, aber die NATO-Gipfelerkl&auml;rung von Bukarest 2008, die eine sp&auml;tere Mitgliedschaft der Ukraine und Georgiens in Aussicht stellte, eskalierte die Konfrontation auf ein existenzielles Niveau. Horton zitiert ein entscheidendes Telegramm des US-Botschafters in Russland William Burns an Au&szlig;enministerin Rice vom April 2008, in dem Burns warnte:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Der Beitritt der Ukraine zur NATO ist f&uuml;r die russische Elite (nicht nur f&uuml;r Putin) der Leuchtendste aller roten F&auml;den. In den mehr als zweieinhalb Jahren, in denen ich mit den wichtigsten russischen Akteuren &ndash; von Hardlinern bis hin zu prowestlichen Liberalen &ndash; Gespr&auml;che gef&uuml;hrt habe, habe ich noch niemanden gefunden, der den NATO-Beitritt der Ukraine als etwas anderes betrachtet als eine direkte Herausforderung f&uuml;r die russischen Interessen.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Horton behauptet, dass die westlichen Staats- und Regierungschefs diese Warnungen entweder vors&auml;tzlich ignorierten oder ihre Bedeutung untersch&auml;tzten, indem sie dem expansionistischen Dogma der NATO nach dem Ende des Kalten Krieges Vorrang vor der Stabilit&auml;t einr&auml;umten.<\/p><p>Anstatt eine ausgewogene Sicherheitsarchitektur anzustreben, stellte die NATO jede neue Erweiterung als eine organische, demokratische Entscheidung souver&auml;ner Staaten dar. Horton demontiert diese Darstellung wirkungsvoll und zeigt, dass das Wachstum der NATO ein ideologisches Projekt war, das von einer Washingtoner Elite vorangetrieben wurde, die sich an ihrem &bdquo;unipolaren Moment&rdquo; berauschte. Der Glaube, dass Russland an den Rand gedr&auml;ngt werden k&ouml;nne, sch&uuml;rte eine Arroganz, die die Grundprinzipien der Realpolitik ignorierte. Anstatt Russland in einen kooperative Sicherheitsrahmen einzubinden, betrachteten die westlichen Politikeliten die NATO als einen exklusiven Club, der Moskau Bedingungen diktierte. Horton zeigt, dass dieser abweisende Ansatz Russland entfremdete und nationalistische Gruppierungen im Land st&auml;rkte.<\/p><p>Die anf&auml;ngliche Reaktion Moskaus auf die NATO-Erweiterung war relativ zur&uuml;ckhaltend, und zwar nicht, weil es den neuen Status quo akzeptierte, sondern weil es in den 90er-Jahren nicht &uuml;ber die Mittel verf&uuml;gte, sich dagegen zu wehren. Jelzin, der verzweifelt auf die wirtschaftliche Unterst&uuml;tzung des Westens angewiesen war, war nicht in der Lage, die Entscheidungen Washingtons in Frage zu stellen, obwohl er davor warnte, dass das Vordringen der NATO nach Osteuropa ein Vertrauensbruch sei. Doch als Russland unter Putin wieder auf die Beine kam, verfestigten sich die &uuml;ber Jahre aufgestauten Missst&auml;nde zu einer Doktrin des Widerstands. Horton argumentiert &uuml;berzeugend, dass der Westen, indem er Russlands wiederholte diplomatische Ann&auml;herungsversuche und eindeutige Warnungen ignorierte, systematisch genau die Feindseligkeit sch&uuml;rte, die er sp&auml;ter einzud&auml;mmen vorgab.<\/p><p>Horton unterstreicht, dass die potenzielle NATO-Mitgliedschaft der Ukraine f&uuml;r Russland eine existenzielle Grenze darstellt, die ihre Wurzeln in einer traumatischen Geschichte von Invasionen an der Westgrenze des Landes hat &ndash; einer weiten, offenen Ebene ohne nat&uuml;rliche Hindernisse wie Gebirge oder gro&szlig;e Fl&uuml;sse. Er weist darauf hin, dass diese Region, die die heutige Ukraine und Wei&szlig;russland umfasst, als Invasionskorridor f&uuml;r drei katastrophale Feldz&uuml;ge diente: Napoleons Marsch auf Moskau 1812, der Vorsto&szlig; des kaiserlichen Deutschlands nach Russland 1914-1917 w&auml;hrend des Ersten Weltkriegs und Hitlers Operation Barbarossa 1941, die den t&ouml;dlichsten Konflikt in der Geschichte der Menschheit ausl&ouml;ste. Der Einmarsch der Nazis kostete sch&auml;tzungsweise 27 Millionen Sowjetb&uuml;rgern das Leben, w&auml;hrend die Belagerung von Leningrad &ndash; dem heutigen St. Petersburg &ndash;, wo Putins eigener Bruder Viktor w&auml;hrend der Hungersnot umkam, &uuml;ber eine Million Menschenleben forderte. F&uuml;r Moskau, so Horton, l&auml;sst das Vordringen der NATO in die Ukraine diese Traumata wieder aufleben, verst&auml;rkt durch das Auftreten ukrainischer Neonazi-Bataillone, die sich offen auf die Ikonographie des Dritten Reichs berufen. Der pers&ouml;nliche Verlust Putins und die kollektive Erinnerung Russlands an die Gr&auml;ueltaten der Nazis machen die Ann&auml;herung Kiews an den Westen zu einem existenziellen Verrat &ndash; ein Schauplatz f&uuml;r feindliche Kr&auml;fte, die die Geschichte zu wiederholen drohen.<\/p><p>Horton zeigt, dass die NATO die Ukraine zu einem De-facto-Mitglied machte, indem sie die Interoperabilit&auml;t ihrer Waffensysteme erh&ouml;hte und ihre Kriegsstrategien und -taktiken koordinierte. Durch die Stationierung von Milit&auml;rberatern, Geheimdienstmitarbeitern und Waffen in einer Region, die seit jeher f&uuml;r existenzbedrohende Invasionen steht, verschmolz die NATO unwissentlich geopolitische Man&ouml;ver des 21. Jahrhunderts mit Russlands jahrhundertealten &Uuml;berlebensinstinkten und verwandelte diplomatische Streitigkeiten in eine unvers&ouml;hnliche Konfrontation.<\/p><p>Horton &uuml;bt scharfe Kritik an einer charakteristischen Pathologie der US-Au&szlig;enpolitik: der Unf&auml;higkeit amerikanischer Politiker, sich in die Perspektive des Gegners hineinzuversetzen &ndash; zu begreifen, dass Washingtons Handlungen von Rivalen nicht als wohlwollende F&uuml;hrung, sondern als existenzielle Bedrohung wahrgenommen werden. Er erinnert daran, dass die Monroe-Doktrin jedem Land auf dem amerikanischen Kontinent mit Krieg droht, wenn es sich mit einer feindlichen Gro&szlig;macht verb&uuml;ndet. Die USA haben diese Doktrin oft durchgesetzt. Horton f&uuml;gt hinzu: &bdquo;Und vergessen Sie die Einschr&auml;nkungen der Monroe-Doktrin in Bezug auf Amerika. Auch jede Nation der Alten Welt muss sich dem Imperium beugen.&rdquo; Er bespricht Untersuchungen, die stark auf eine Beteiligung der USA oder der Ukraine an der Sprengung der Nord-Stream-Pipelines 2022 hindeuten &ndash; dem folgenreichsten Angriff auf die deutsche Souver&auml;nit&auml;t seit 1945: &bdquo;Unabh&auml;ngig davon, ob Biden oder Selenskyjs Truppen es getan haben, war es ein Angriff auf unseren Verb&uuml;ndeten Deutschland.&rdquo;<\/p><p><strong>Westliche Einmischung, Schocktherapie und Farben-Revolutionen<\/strong><\/p><p>Scott Horton beschreibt detailliert, wie die enthusiastische und massive Unterst&uuml;tzung des Westens f&uuml;r Boris Jelzins korrupten und autorit&auml;ren Gangsterstaat in Verbindung mit der vom IWF auferlegten brutalen Schocktherapie zur totalen wirtschaftlichen Zerst&ouml;rung und zum Aufstieg der Oligarchenherrschaft in Russland f&uuml;hrte. Er zeigt auf, dass westliche Regierungen das Jelzin-Regime auch nach der gewaltsamen Niederschlagung des russischen Parlaments im Jahr 1993 &ndash; einem milit&auml;rischen Angriff, bei dem Panzer das Parlament beschossen und mindestens 187 Menschen t&ouml;teten &ndash; weiterhin unterst&uuml;tzten und dabei der geopolitischen Stabilit&auml;t und radikalen Marktreformen den Vorrang gaben. Die rasche Privatisierung, die extremen Sparma&szlig;nahmen und die epische Korruption l&ouml;sten einen wirtschaftlichen Zusammenbruch von historischem Ausma&szlig; aus, bei dem die Lebenserwartung drastisch sank. Horton zitiert eine Studie eines renommierten Experten, der &bdquo;3,4 Millionen vorzeitige russische Todesf&auml;lle zwischen 1990 und 1998&rdquo; sch&auml;tzt. Diese eklatante Einmischung in die russische Politik sch&uuml;rte in der russischen &Ouml;ffentlichkeit tiefe Ressentiments und Misstrauen gegen&uuml;ber dem Westen und brachte die liberalen Reformer in Misskredit. Aus diesem Chaos heraus entwickelte sich Putin zu einer starken F&uuml;hrungspers&ouml;nlichkeit. Er wurde als Wiederhersteller von Sicherheit, Einheit und Wohlstand wahrgenommen. Trotz seines derzeitigen Rufs im Westen bem&uuml;hte sich Putin anfangs sehr um gute Beziehungen zu den westlichen M&auml;chten.<\/p><p>Die &ldquo;Demokratief&ouml;rderungs&rdquo;-Maschinerie des Westens hat die Souver&auml;nit&auml;t vieler L&auml;nder in Osteuropa, auf dem Balkan, im Kaukasus und in Zentralasien eklatant verletzt. Horton analysiert die von den USA finanzierten Farben-Revolutionen in Serbien, Georgien, der Ukraine, Kirgisistan, Wei&szlig;russland und anderen L&auml;ndern, die als Volksaufst&auml;nde dargestellt werden, aber oft von der National Endowment for Democracy (NED) und USAID sowie anderen von westlichen Regierungen und der Soros-Stiftung finanzierten Organisationen inszeniert wurden. Er zeigt &uuml;berzeugend, dass die westliche Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die politische Opposition und die pro-westlichen Medien bei den meisten dieser Revolutionen von entscheidender Bedeutung war. Diese oft gewaltt&auml;tigen Bewegungen ersetzten autorit&auml;re Regime durch pro-westliche Gegenst&uuml;cke, die ebenso repressiv waren. Der georgische Pr&auml;sident Micheil Saakaschwili, der nach der Rosenrevolution von 2003 als Reformer gefeiert wurde, lie&szlig; Oppositionelle inhaftieren und Gefangene foltern. Die Orangene Revolution von 2004 in der Ukraine brachte eine pro-westliche nationalistische Regierung an die Macht, die ebenso korrupt war wie die alte &ndash; ihre F&uuml;hrer Juschtschenko und Timoschenko gingen in erbitterten Machtk&auml;mpfen schnell aufeinander los. In Kirgisistan st&uuml;rzte die Tulpenrevolution 2005 einen korrupten, autorit&auml;ren F&uuml;hrer, nur um einen anderen einzusetzen, der den USA erweiterten milit&auml;rischen Zugang gew&auml;hrte.<\/p><p>Horton dokumentiert die unersch&uuml;tterliche Unterst&uuml;tzung des Westens f&uuml;r autorit&auml;re Herrscher wie Nasarbajews brutale Herrschaft in Kasachstan, das Karimow-Regime in Usbekistan, das 2005 in Andischan Hunderte von Demonstranten massakrierte, und Aserbaidschans Alijew-Dynastie, eine Kleptokratie, die abweichende Meinungen zum Schweigen bringt und die ethnische Vertreibung in Berg-Karabach betreibt, w&auml;hrend sie gleichzeitig die NATO mit &Ouml;l versorgt. Die russische F&uuml;hrung, so Horton, habe die eklatante Heuchelei der westlichen Rhetorik zur F&ouml;rderung der Demokratie aufgegriffen.<\/p><p><strong>Stellvertreterkriege: Jugoslawien, Tschetschenien, Georgien und Syrien<\/strong><\/p><p>Horton argumentiert, dass Washingtons Missachtung des V&ouml;lkerrechts bei der ungenehmigten Bombardierung Jugoslawiens durch die NATO (1999), der Invasion des Irak (2003) und den Regimewechsel-Kampagnen in Libyen (2011) und Syrien (2012) die russischen Eliten davon &uuml;berzeugt hat, dass die &ldquo;regelbasierte Ordnung&rdquo; ein hohles Schlagwort ist. Moskau sah zu, wie der Westen diese Kriege als moralische Notwendigkeiten darstellte, w&auml;hrend er ihre katastrophalen humanit&auml;ren Folgen ignorierte und UN-Mandate umging. F&uuml;r den Kreml waren diese Aktionen keine Ausnahmen, sondern ein Muster: aggressive Machtspiele, die Russlands Sicherheitsinteressen beiseiteschoben und die Souver&auml;nit&auml;t schw&auml;cherer Staaten mit F&uuml;&szlig;en traten. Diese Wahrnehmung westlicher Heuchelei, so zeigt Horton, verh&auml;rtete Russlands Entschlossenheit, sich gegen eine Politik zu wehren, die es als existenzielle Bedrohung an seinen Grenzen ansah.<\/p><p>Nirgendwo wird diese Dynamik deutlicher als in den Jugoslawienkriegen, wo die westliche Rhetorik der Humanit&auml;t mit der brutalen Realit&auml;t der Stellvertreterkriege kollidierte. Horton dokumentiert minuti&ouml;s, wie die USA und Europa zwar &ouml;ffentlich ethnische S&auml;uberungen verurteilten, aber aktiv Gewaltkampagnen erm&ouml;glichten, die ihren geopolitischen Zielen entsprachen, und Friedensverhandlungen sabotierten, die ein fr&uuml;hes Ende der K&auml;mpfe h&auml;tten herbeif&uuml;hren k&ouml;nnen. W&auml;hrend der kroatischen &ldquo;Operation Sturm&rdquo; von 1995 &ndash; einer Milit&auml;roffensive, bei der &uuml;ber 200.000 Serben aus der Krajina vertrieben und zivile Konvois und H&auml;user beschossen wurden &ndash; versorgte die Clinton-Regierung Zagreb mit Satellitennachrichten und milit&auml;rischer Ausbildung und stellte die Operation als &ldquo;Befreiung&rdquo; dar, obwohl sie eindeutig an die ethnischen S&auml;uberungen der faschistischen &Auml;ra erinnerte. In Bosnien bewaffneten und legitimierten westliche M&auml;chte die bosnisch-muslimische Regierung, obwohl diese sich mit dschihadistischen K&auml;mpfern verb&uuml;ndete und serbische Zivilisten massakrierte. Die Bombardierung Serbiens durch die NATO im Jahr 1999, mit der angeblich die ethnischen S&auml;uberungen im Kosovo gestoppt werden sollten, machte diesen moralischen Bankrott noch deutlicher. Horton zeigt auf, wie der Westen die zivile Infrastruktur zerst&ouml;rte und die Kosovo-Befreiungsarmee (UCK) bewaffnete, die in den Drogen- und Organhandel verwickelt war und 200.000 Serben und Roma aus dem Kosovo vertrieb. F&uuml;r Moskau ging es bei diesen Interventionen nicht darum, Leben zu retten, sondern die westliche Macht auszuweiten und Serbien, Russlands Verb&uuml;ndeten auf dem Balkan, zu dem&uuml;tigen.<\/p><p>Dieses Muster der Provokation erstreckte sich auch auf den Kaukasus und den Nahen Osten, wo die US-Unterst&uuml;tzung f&uuml;r antirussische K&auml;mpfer das Gef&uuml;hl der Einkreisung Moskaus noch verst&auml;rkte. Horton argumentiert, dass Washington w&auml;hrend des Zweiten Tschetschenienkriegs Verb&uuml;ndete wie Saudi-Arabien und die T&uuml;rkei stillschweigend dazu ermutigte, mit dem Dschihadismus verbundene tschetschenische Rebellen zu bewaffnen und zu finanzieren. Diese Stellvertreterstrategie zielte darauf ab, das postsowjetische Russland zu destabilisieren und dessen Kontrolle &uuml;ber die kaspischen &Ouml;lpipelines zu blockieren. Die Golfstaaten versorgten die Rebellen &uuml;ber Wohlt&auml;tigkeitsorganisationen mit Waffen und wahhabitischer Ideologie, w&auml;hrend US-Beamte angeblich Ausbildungsprogramme f&uuml;r K&auml;mpfer in Aserbaidschan genehmigten. Horton betrachtet Putins vernichtende Vergeltungsma&szlig;nahmen als verzweifelte, doch verbrecherische Reaktion auf den vom Ausland unterst&uuml;tzten Terrorismus. W&auml;hrend eine gewisse Beteiligung der USA gut dokumentiert ist, bleiben Behauptungen &uuml;ber direkte Waffentransfers der CIA zwar plausibel, aber unbewiesen.<\/p><p>Horton vertritt die Auffassung, dass der Georgienkrieg 2008 eine direkte Folge des r&uuml;cksichtslosen Auftretens der NATO war. Auf dem Bukarester Gipfel im April dieses Jahres stellte das B&uuml;ndnis Georgien und der Ukraine die zuk&uuml;nftige Mitgliedschaft in Aussicht. Ermutigt durch diese Garantie &ndash; und durch jahrelange milit&auml;rische Hilfe und Ausbildung durch die USA &ndash; begann der georgische Pr&auml;sident Micheil Saakaschwili einen Artillerieangriff auf russische Friedenstruppen in S&uuml;dossetien und beschoss dessen Hauptstadt Zchinwali. Horton vertritt die Auffassung, dass Moskau mit seinem raschen Gegenschlag die Botschaft vermittelte, dass die NATO-Erweiterung nicht unwidersprochen bleiben w&uuml;rde.<\/p><p>Schlie&szlig;lich legt Horton &uuml;berzeugend dar, wie die USA und ihre Verb&uuml;ndeten Gro&szlig;britannien, Frankreich, Saudi-Arabien, die T&uuml;rkei und Katar den syrischen B&uuml;rgerkrieg verl&auml;ngerten, indem sie extremistische Rebellen bewaffneten, darunter mit al-Qaida verbundene Gruppierungen wie Jabhat al-Nusra. Dieser Versuch, das Assad-Regime zu st&uuml;rzen, f&ouml;rderte den Aufstieg von ISIS und al-Qaida und trieb Syrien 2015 an den Rand des Zusammenbruchs. Russlands Intervention, die als Aggression verurteilt wurde, wird als pragmatisch dargestellt: Sie sollte ein &Uuml;bergreifen des Dschihadismus auf den Nordkaukasus verhindern und einen Verb&uuml;ndeten im Nahen Osten sch&uuml;tzen.<\/p><p>F&uuml;r Horton sind diese Konflikte miteinander verkn&uuml;pft: Jeder vom Westen unterst&uuml;tzte Regimewechsel oder v&ouml;lkerrechtswidrige Krieg vertiefte die russischen &Auml;ngste und rechtfertigte immer h&auml;rtere und autorit&auml;rere Reaktionen.<\/p><p><strong>Die Ukraine: Maidan-Revolution, der Aufstieg der Rechtsextremen und die gespaltene Nation<\/strong><\/p><p>In den brisantesten Kapiteln des Buches wird der Euromaidan-Aufstand in der Ukraine von 2014 analysiert. Horton widerspricht der westlichen Darstellung und zeigt auf, wie rechtsextreme Gruppen wie der Rechte Sektor und C14 den gewaltsamen Sturz der demokratisch gew&auml;hlten Regierung von Pr&auml;sident Viktor Janukowitsch anf&uuml;hrten und die friedlichen Proteste in den Hintergrund dr&auml;ngten. Er er&ouml;rtert eingehende Untersuchungen, die stark darauf hindeuten, dass die rechtsextremen Gruppen mindestens ebenso viele Menschen t&ouml;teten wie die Sicherheitskr&auml;fte. Diese antisemitischen, rassistischen und homophoben Gruppierungen wurden in den Sicherheitsapparat der Ukraine nach dem Maidan integriert. Die Asow-K&auml;mpfer trugen offen neonazistische Abzeichen, w&auml;hrend der Staat den faschistischen F&uuml;hrer und Nazi-Kollaborateur Stepan Bandera verherrlichte.<\/p><p>Horton beschreibt detailliert, wie westliche Regierungen und George Soros schon Jahre vor dem Maidan betr&auml;chtliche Mittel in pro-westliche NGOs und Medien in der Ukraine steckten. Diese langfristigen Investitionen kultivierten eine politische Infrastruktur, die den Regimewechsel vorbereitete. Horton hebt das 2014 durchgesickerte Telefongespr&auml;ch zwischen der stellvertretenden Au&szlig;enministerin Victoria Nuland und dem US-Botschafter Geoffrey Pyatt hervor &ndash; ein offenes Gespr&auml;ch &uuml;ber die Auswahl der ukrainischen F&uuml;hrung nach dem Maidan, insbesondere von Arsenij Jazenjuk, der sp&auml;ter zum Premierminister ernannt wurde. Nach dem Putsch unterst&uuml;tzten die westlichen M&auml;chte die neue Regierung mit milit&auml;rischer Hilfe und Ausbildung, Geheimdienstinformationen und diplomatischem Schutz. Im Jahr 2024 enth&uuml;llte die <em>New York Times<\/em>, dass die CIA nach dem Putsch von 2014 zw&ouml;lf geheime St&uuml;tzpunkte in der N&auml;he der ukrainischen Grenze zu Russland eingerichtet hatte. Doch die westlichen Regierungen vermieden es auffallend, Kiew zu einem Kompromiss mit der entrechteten russischsprachigen Bev&ouml;lkerung im Osten und S&uuml;den zu dr&auml;ngen. Sie schwiegen auch zu den Mitgliedern der harten Rechten in der Regierung, der Armeef&uuml;hrung und der Polizei. Horton weist nach, dass die USA und Kanada sogar Neonazi-K&auml;mpfer aus Asow und anderen Regimentern ausbildeten und bewaffneten. Asow-F&uuml;hrer Andrij Biletsky verk&uuml;ndete, dass die Ukraine &bdquo;die wei&szlig;en V&ouml;lker der ganzen Welt auf den letzten Kreuzzug um ihre Existenz f&uuml;hrt. Ein Feldzug gegen semitisch gef&uuml;hrte Untermenschen&rdquo;.<\/p><p>Die &ouml;ffentliche Meinung, so zeigt Horton, war tief gespalten. Umfragen ergaben deutliche regionale Unterschiede: Die Westukraine unterst&uuml;tzte die EU-Integration und die Maidan-Revolution, w&auml;hrend der russischsprachige Osten und S&uuml;den die kulturelle Ausl&ouml;schung f&uuml;rchteten. Die Politik nach dem Putsch &ndash; Verbot der russischen Sprache in Schulen, Entlassung von Pro-Janukowitsch-Beamten und Feiern f&uuml;r faschistische F&uuml;hrer &ndash; entfremdete Millionen von Menschen und heizte die Rebellion im Donbass an. Die Antwort Kiews war brutal. Milizen wie Asow beschossen wahllos zivile Gebiete im Donbass, vergewaltigten, pl&uuml;nderten und entf&uuml;hrten Menschen. Die Armee setzte Luftangriffe, schwere Artillerie und Streubomben ein, w&auml;hrend Sicherheitskr&auml;fte mutma&szlig;liche Separatisten hinrichteten und folterten, was in Berichten der Vereinten Nationen und von Menschenrechtsorganisationen dokumentiert wurde. Kiew unterbrach auch die Versorgung der Rebellengebiete mit Wasser und Lebensmitteln. Ein Bericht der Vereinten Nationen kam zu dem Schluss, dass &bdquo;die &uuml;berwiegende Mehrheit der zivilen Opfer im Donbass-Krieg zwischen 2018 und 2021, etwa 81,4 Prozent, in von den Rebellen kontrollierten Gebieten zu beklagen war, w&auml;hrend 16,3 Prozent in von der ukrainischen Regierung kontrollierten Gebieten zu beklagen waren.&rdquo;<\/p><p>Horton spricht Russland nicht von der Ausnutzung des Konflikts frei, betont aber, dass Kiews harte Linie, die von westlichen Beratern unterst&uuml;tzt wurde, politischen Dissens in einen offenen Krieg verwandelte. Er zeigt, dass die gro&szlig;e Mehrheit der Rebellen im Osten Ukrainer waren, die Repressionen durch die neue Regierung f&uuml;rchteten. Der B&uuml;rgerkrieg verwandelte sich allm&auml;hlich in einen Stellvertreterkrieg zwischen dem Westen und Russland. Vor der russischen Invasion im Jahr 2022 &bdquo;waren die Rebellen im Donbass fast ausschlie&szlig;lich einheimische K&auml;mpfer&rdquo;.<\/p><p>Hortons Analyse unterstreicht das beunruhigende Abdriften der Ukraine in Richtung Autoritarismus und Illiberalismus, obwohl der Westen die Revolution von 2014 als demokratischen Durchbruch darstellte. Er dokumentiert die systematische Unterdr&uuml;ckung der politischen Opposition &ndash; das Verbot von Parteien, die Zensur abweichender Medien und sogar der R&uuml;ckgriff auf Mordanschl&auml;ge und religi&ouml;se Diskriminierung. Anstatt die oligarchische Macht abzubauen, wurde sie durch die Reformen nach dem Maidan gefestigt, wobei die Korruption trotz westlicher Milliardenhilfe auf allen Ebenen fortbesteht. Die Konsolidierung der Autorit&auml;t durch die Selenskyj-Regierung vor und nach der russischen Invasion &ndash; Annullierung von Wahlen, Verhaftung von Kritikern und Zentralisierung der Kontrolle &ndash; offenbart eine weitere Tendenz zur Autokratie, die durch die Kriegsma&szlig;nahmen noch verst&auml;rkt wurde. Horton deckt auch auf, dass die Regierung immer j&uuml;ngere M&auml;nner mit oft brutaler Gewalt in die Armee zwingt. Entscheidend ist, dass er den demokratischen Niedergang der Ukraine mit der Komplizenschaft des Westens in Verbindung bringt: Indem sie geopolitischen Zielen Vorrang vor demokratischer Rechenschaftspflicht einr&auml;umten, dr&uuml;ckten die Staats- und Regierungschefs der USA und der EU bei der Repression in Kiew beide Augen zu. Der Westen, so Horton, habe es nicht einmal geschafft, die ukrainische Zentralregierung gegen die anhaltende Bedrohung durch die radikale Rechte zu st&auml;rken. Erschwerend kam hinzu, dass sie dem Land harte Sparma&szlig;nahmen des IWF aufzwangen.<\/p><p><strong>Die umk&auml;mpfte Geschichte der Ukraine: Hungersnot, Faschismus und ausl&auml;ndische Manipulation<\/strong><\/p><p>Um die Spaltung der Ukraine zu kontextualisieren, geht Horton auf die traumatische Vergangenheit des Landes ein. Stalins Zwangskollektivierung in den 1930er-Jahren l&ouml;ste eine menschengemachte Hungersnot aus, der Millionen zum Opfer fielen und die das Misstrauen gegen&uuml;ber Moskau vertiefte. W&auml;hrend des Zweiten Weltkriegs kollaborierte die Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) &ndash; darunter auch die von Bandera gef&uuml;hrte Fraktion &ndash; mit den Nazis und beteiligte sich aktiv am V&ouml;lkermord an Hunderttausenden von Juden und Polen.<\/p><p>Nach dem Krieg unterst&uuml;tzten die USA heimlich die &Uuml;berreste der OUN bei ihrem Guerillakampf gegen die Sowjetherrschaft und besch&ouml;nigten ihr faschistisches Weltbild, um sie als antikommunistische &ldquo;Freiheitsk&auml;mpfer&rdquo; darzustellen. Die Weltkriege und der Kalte Krieg, so Horton, legten den Grundstein f&uuml;r die ideologische Spaltung der modernen Ukraine: ein Westen, der Bandera verehrt, und ein Osten, der in ihm ein Symbol des faschistischen Terrors sieht. Heute, so Horton, wird Bandera in der Westukraine als Nationalheld gefeiert und sein Verm&auml;chtnis in staatlich gef&ouml;rderten Gedenkst&auml;tten und milit&auml;rischer Symbolik verewigt. Der ukrainische Journalist Lew Golinkin hat nach 2014 &bdquo;mehrere Hundert Denkm&auml;ler, Statuen und Stra&szlig;en, die nach Nazi-Kollaborateuren in der Ukraine benannt sind&rdquo; dokumentiert. Der Geburtstag von Bandera ist ein nationaler Feiertag.<\/p><p>Diese historische Abrechnung ist f&uuml;r Hortons Analyse von zentraler Bedeutung: Die Allianz des Westens mit Faschisten und Nazi-Kollaborateuren aus der Zeit des Kalten Krieges und seine Umarmung rechtsextremer Gruppen nach dem Maidan haben alte Spaltungen wieder aufleben lassen und die russischsprachigen Ukrainer im Osten und S&uuml;den entfremdet, die Banderas Erben als faschistische Nachfolger betrachten. Die rot-schwarzen Fahnen der OUN, die neben den ukrainischen Fahnen auf dem Maidan wehten, und die Hakenkreuztattoos auf den Armen vieler ukrainischer Soldaten versetzen die Minderheiten des Landes in Schrecken.<\/p><p><strong>Der gro&szlig;e Russiagate-Schwindel<\/strong><\/p><p>Horton untersucht die Russiagate-Saga als eine Mischung aus politischem Opportunismus und institutioneller Vorteilsnahme &ndash; ohne einen Funken Sympathie f&uuml;r Trump. Horton belegt, dass das Narrativ der geheimen Absprachen zwischen Trump und Russland, das von Hillary Clintons Kampagne aggressiv gef&ouml;rdert und von Fraktionen innerhalb der US-Geheimdienste verst&auml;rkt wurde, ein kalkulierter Versuch war, das &ouml;ffentliche Misstrauen als Waffe einzusetzen. Trotz jahrelanger Ermittlungen konnten weder glaubw&uuml;rdige Beweise f&uuml;r eine Verschw&ouml;rung zwischen Trump und Moskau vorgelegt werden, noch best&auml;tigten die Untersuchungen die Behauptungen &uuml;ber eine erhebliche russische Einmischung in die Wahlen in den USA oder Europa. Die Folge, so Horton, war eine moralische Panik: Skeptiker der geheimen Absprachen oder des Ukraine-Kriegs wurden als &lsquo;Putin-Marionetten&rsquo; diffamiert, w&auml;hrend die sozialen Medien kritische Stimmen als &lsquo;Desinformation&rsquo; zensierten. Die alten Eliten beider gro&szlig;en Parteien lie&szlig;en ein McCarthy&rsquo;sches Misstrauen gegen&uuml;ber der Diplomatie wieder aufleben und setzten NATO-Skepsis mit Moskau-Loyalit&auml;t gleich.<\/p><p>Ironischerweise ernannte Trump Russland-Falken und weitete die t&ouml;dliche Hilfe f&uuml;r die Ukraine &uuml;ber das Niveau der Obama-&Auml;ra hinaus aus &ndash; Schritte, die Horton als Versuche ansieht, Anschuldigungen &uuml;ber Kreml-Verbindungen zu entkr&auml;ften. Die Episode verr&auml;t weniger &uuml;ber russische Einmischung als vielmehr die Anf&auml;lligkeit des Westens f&uuml;r selbstverschuldete Paranoia, bei der ideologische Gewissheit n&uuml;chterne Untersuchungen in den Hintergrund dr&auml;ngt und unbewiesene Bedrohungen reale Eskalationen rechtfertigen. Trotz seiner Verachtung f&uuml;r Trumps Demagogie verurteilt Horton die liberalen Eliten f&uuml;r die Abkehr von rechtsstaatlichen Verfahren &ndash; was die Polarisierung vertieft, die Demokratie aush&ouml;hlt und die Politik militarisiert.<\/p><p><strong>Das Minsker Abkommen und die Istanbuler Gespr&auml;che: Sabotierter Frieden<\/strong><\/p><p>Die Minsker Vereinbarungen von 2014-2015, die dem Donbass Autonomie gew&auml;hren und die K&auml;mpfe beenden sollten, wurden systematisch unterminiert &ndash; sowohl durch die Weigerung Kiews, sie umzusetzen, als auch durch westliche M&auml;chte, die sie als Hinhaltetaktik betrachteten. Das Minsk-II-Abkommen von 2015 wurde von Deutschland und Frankreich im Rahmen des Normandie-Formats und der Trilateralen Kontaktgruppe der OSZE vermittelt und von der Ukraine, Russland und Vertretern der selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk formell unterzeichnet. Horton zeigt, dass darin &bdquo;im Wesentlichen gefordert wurde, dass die ukrainische Verfassung umgeschrieben wird, um einen st&auml;rkeren F&ouml;deralismus f&uuml;r die Region und den Schutz der russischen Sprache einzuf&uuml;hren&rdquo;. Kiew weigerte sich, diese politischen Reformen durchzuf&uuml;hren.<\/p><p>Selenskyj wurde als Friedensstifter mit dem Auftrag gew&auml;hlt, die Minsker Vereinbarungen umzusetzen. Doch wie Horton zeigt, geriet er unter starken Druck von militanten Neonazis und Ultranationalisten, die brutale Milit&auml;rkampagne fortzusetzen. Westliche M&auml;chte &ndash; obwohl sie Minsk &ouml;ffentlich bef&uuml;rworteten &ndash; dr&auml;ngten die Ukraine insgeheim dazu, &bdquo;bis zum totalen Sieg durchzuhalten&rdquo;. Poroschenko, Merkel und Hollande gaben sp&auml;ter zu, dass Minsk II ein Trick war, um der Ukraine Zeit zum Aufr&uuml;sten zu verschaffen &ndash; eine Enth&uuml;llung, die Moskau als Beweis f&uuml;r die Hinterh&auml;ltigkeit des Westens wertete. Ukrainische Beamte erkl&auml;rten, dass die Einhaltung von Minsk den Krieg h&auml;tte verhindern k&ouml;nnen, aber die USA und Gro&szlig;britannien machten Druck, Russland maximal zu schw&auml;chen.<\/p><p>Horton geht sehr ausf&uuml;hrlich auf die Vorgeschichte der russischen Invasion ein. &bdquo;Im Jahr 2021 verabschiedete die Rada ein Gesetz, das die ukrainische Doktrin f&uuml;r die Wiederbesetzung und den Wiederaufbau des Donbass festschrieb. &hellip; Wie Selenskyjs alter Freund Sergej Siwocho beklagte, behandelte es die &ouml;stliche Bev&ouml;lkerung als &lsquo;erobertes Volk&rsquo;. Das Gesetz machte Ukrainisch zur einzigen Sprache, die in offiziellen Dokumenten oder Verfahren erlaubt war, schloss alle Staatsfeinde dauerhaft von der Besch&auml;ftigung in der Regierung aus und schloss jeden Sonderstatus f&uuml;r den Donbass oder die Krim aus.&rdquo;<\/p><p>Horton beschreibt detailliert, wie Putins Vertragsentw&uuml;rfe vom Dezember 2021 von den USA und der NATO als &ldquo;Non-Starter&rdquo; abgetan wurden, obwohl sie von Experten als verhandlungsf&auml;higes Er&ouml;ffnungsangebot eingesch&auml;tzt wurden. Russland forderte rechtsverbindliche Garantien gegen eine NATO-Erweiterung in der Ukraine, eine Begrenzung der milit&auml;rischen Stationierung in Osteuropa und eine Wiederbelebung der Raketenbeschr&auml;nkungen &auml;hnlich dem INF-Vertrag. Die Regierung Biden lehnte formelle Vereinbarungen ab und bot lediglich vage &bdquo;informelle Zusicherungen&rdquo; an, w&auml;hrend sie gleichzeitig die &lsquo;offene T&uuml;r&rsquo; der NATO f&uuml;r die Ukraine bekr&auml;ftigte, selbst als Bidens Team insgeheim zugab, dass die NATO-Mitgliedschaft der Ukraine einen Krieg garantieren w&uuml;rde. Die OSZE dokumentierte im Februar 2022 eine erhebliche Eskalation in Donezk und registrierte &uuml;ber 3.400 Granaten- und M&ouml;rserangriffe, von denen zwei Drittel bis drei Viertel auf von den Rebellen gehaltenen Gebieten detonierten.<\/p><p>Horton erkennt Alternativen, die Russland h&auml;tte verfolgen sollen &ndash; eine globale diplomatische Initiative, multilaterale Foren, die Entsendung unbewaffneter Friedenstruppen &ndash;, obwohl er die Invasion eher als Reaktion auf eine wahrgenommene existenzielle Bedrohung denn als imperiale Ambition kontextualisiert. Putin bezeichnete die Invasion als &bdquo;Pr&auml;ventivschlag&rdquo; gegen die westliche Aggression. NATO-Generalsekret&auml;r Jens Stoltenberg gab sp&auml;ter zu, dass Putin &bdquo;in den Krieg gezogen ist, um die NATO, mehr NATO, in der N&auml;he seiner Grenzen zu verhindern&rdquo;. Horton hebt einen entscheidenden Wandel in der US-Politik unmittelbar nach dem Einmarsch Russlands hervor &ndash; den sogar die <em>New York Times <\/em><em>zugab &ndash;,<\/em> <em>und zwar <\/em>von der Verteidigung der Ukraine zur absichtlichen Verl&auml;ngerung des Krieges, um Russland eine &bdquo;strategische Zerm&uuml;rbung&rdquo; zuzuf&uuml;gen. Aus diesem Grund gaben die USA die Diplomatie v&ouml;llig auf.<\/p><p>Die Istanbuler Friedensgespr&auml;che im April 2022 betrachtet Horton als eine der gr&ouml;&szlig;ten verpassten Gelegenheiten, die Katastrophe abzuwenden. Als die russischen Streitkr&auml;fte in den ersten Wochen der Invasion auf Kiew vorr&uuml;ckten, einigten sich die ukrainischen und russischen Unterh&auml;ndler vorl&auml;ufig auf folgende Punkte: Die Ukraine w&uuml;rde sich zur Neutralit&auml;t bekennen, ihre NATO-Bestrebungen aufgeben und dem Donbass im Gegenzug f&uuml;r Sicherheitsgarantien und den R&uuml;ckzug Russlands Autonomie gew&auml;hren. Sogar ukrainische Diplomaten gaben sp&auml;ter zu, dass die Vereinbarung fast abgeschlossen war, da Moskau bereit war, bei wichtigen Forderungen Kompromisse einzugehen. Der damalige Selenskyj-Berater Alexej Arestowitsch bezeichnete die Istanbuler Verhandlungen, an denen er teilnahm, sp&auml;ter als &bdquo;absolut erfolgreich&rdquo;. Er sagte, dass &bdquo;es das profitabelste Abkommen war, das wir h&auml;tten abschlie&szlig;en k&ouml;nnen. &hellip; Wir haben die Champagnerflasche ge&ouml;ffnet. Wir haben &uuml;ber Entmilitarisierung, Entnazifizierung, Fragen der russischen Sprache, der russischen Kirche und vieles mehr gesprochen.&rdquo; Der ukrainische Verhandlungsf&uuml;hrer Oleksandr Chalyi sagte: &bdquo;Wir waren Ende April sehr nahe dran, unseren Krieg mit einer friedlichen L&ouml;sung zu beenden.&rdquo;<\/p><p>Aber die westlichen M&auml;chte, so enth&uuml;llt Horton, sabotierten gezielt die Gespr&auml;che. Der britische Premierminister Boris Johnson forderte Kiew Berichten zufolge zum &ldquo;Weiterk&auml;mpfen&rdquo; auf und sagte unbegrenzte milit&auml;rische Unterst&uuml;tzung zu. Er machte unmissverst&auml;ndlich klar, dass die Ukraine im Falle eines Friedensschlusses mit Russland nicht mit der Unterst&uuml;tzung der USA und Gro&szlig;britanniens rechnen k&ouml;nne. US-Regierungsvertreter wiesen die Diplomatie als Beschwichtigungspolitik zur&uuml;ck. Die Gespr&auml;che scheiterten und besiegelten das Schicksal der Ukraine in einem lang anhaltenden Krieg.<\/p><p>F&uuml;r Horton verk&ouml;rpert diese Episode die Trag&ouml;die: Frieden war m&ouml;glich, aber der Westen gab der Bestrafung Russlands Vorrang vor der Rettung der Ukraine. Der Moment war verloren, und der Krieg geriet in eine katastrophale Pattsituation. Die USA und Gro&szlig;britannien w&uuml;rden eine Generation von Ukrainern auf dem Altar der Gro&szlig;machtpolitik opfern.<\/p><p><em><strong>Ein sinnloser Krieg<\/strong><\/em><\/p><p><em>Provoked <\/em>erz&auml;hlt von der grausamen Realit&auml;t eines sinnlosen Krieges, &bdquo;einem absolut brutalen Kampf, der an einen Grabenkrieg im Stil des Ersten Weltkriegs erinnert, der oft im eiskalten Schlamm ausgetragen wird&rdquo;. Soldaten auf beiden Seiten nennen ihn einen &bdquo;Fleischwolf&rdquo;. Horton veranschaulicht, wie die westliche Presse dazu neigt, die russischen Gr&auml;ueltaten zu &uuml;bertreiben und die ukrainischen Verbrechen herunterzuspielen. Dennoch kommt er letztendlich zu dem Schluss: &bdquo;Alles in allem sind die Russen die Aggressoren und haben St&auml;dte angegriffen, in denen mit Sicherheit Unschuldige get&ouml;tet wurden, und so liegt es auf der Hand, dass sie sich, abgesehen von aller Kriegspropaganda, mehr und schlimmerer Verbrechen schuldig gemacht haben.&rdquo;<\/p><p>Horton zeigt, dass die NATO-Staaten mehrere weitere diplomatische Auswege ablehnten. Ihr hartes Sanktionsregime l&auml;hmte die europ&auml;ische Wirtschaft und l&ouml;ste Nahrungsmittelkrisen im globalen S&uuml;den aus, <em>w&auml;hrend sich Russland erfolgreich auf die asiatischen M&auml;rkte und die fiskalische Widerstandsf&auml;higkeit in Kriegszeiten umstellte. <\/em>Die Wirtschaft der Ukraine wurde durch den Krieg zerst&ouml;rt.<\/p><p>Die Discord-Leaks enth&uuml;llten, dass interne US-Einsch&auml;tzungen vor dem gravierenden Munitionsmangel der Ukraine und den un&uuml;berwindbaren russischen Verteidigungslinien warnten. Dennoch dr&auml;ngte Washington Kiew im Jahr 2023 zu einer Gegenoffensive, obwohl es einen Sieg f&uuml;r unrealistisch hielt. Als der Angriff auf Moskaus Sch&uuml;tzengr&auml;ben und Minenfelder ins Stocken geriet, warfen US-Regierungsvertreter den ukrainischen Truppen vor, sie seien &bdquo;opferscheu&rdquo; &ndash; ein Vorwurf, den Horton als grotesk zur&uuml;ckweist: &bdquo;Hunderttausende von Menschen wurden get&ouml;tet, nur wegen des idiotischen und gescheiterten Plans von Pr&auml;sident Biden und dem Imperium&rdquo;. Eine Umfrage vom September 2024 ergab, dass mehr als zwei Drittel der Ukrainer die Aufnahme von Friedensgespr&auml;chen mit Russland bef&uuml;rworteten &ndash; ein krasser Gegensatz zur Rhetorik westlicher Politiker, f&uuml;r die Demokratie zu k&auml;mpfen, w&auml;hrend sie die Mehrheitsmeinung in der Ukraine ignorieren.<\/p><p><strong>Am nuklearen Abgrund<\/strong><\/p><p>Hortons Kritik an Washingtons Aufk&uuml;ndigung von R&uuml;stungskontrollvertr&auml;gen mit Russland aus der &Auml;ra des Kalten Krieges ist ein erschreckendes Beispiel daf&uuml;r, wie kurzsichtige politische Entscheidungen das nukleare Brinkmanship auf ein Niveau eskalieren lie&szlig;en, das seit der Kubakrise nicht mehr erreicht wurde. Er zeichnet den Ausstieg der USA aus dem ABM-Vertrag (Anti-Ballistic Missile) im Jahr 2002, dem INF-Vertrag (Intermediate-Range Nuclear Forces) im Jahr 2019 und dem Vertrag &uuml;ber Offene Himmel (Open Skies) im Jahr 2020 nach &ndash; Eckpfeiler der strategischen Stabilit&auml;t, die die Erstschlagskapazit&auml;ten einschr&auml;nkten. Mit der Stationierung von Raketenabwehrsystemen in Polen und Rum&auml;nien, die angeblich der &lsquo;iranischen Bedrohung&rsquo; entgegenwirken sollten, haben die USA Abschussrampen mit doppeltem Verwendungszweck aufgestellt, die in der Lage sind, nuklear best&uuml;ckte Raketen auf das russische Kernland abzufeuern und Moskaus Entscheidungsspielraum in einer Krise auf wenige Minuten zu verk&uuml;rzen. In Verbindung mit den NATO-Milit&auml;r&uuml;bungen, die Angriffe auf russischem Boden simulierten, &uuml;berzeugte dies den Kreml davon, dass der Westen nicht auf Abschreckung, sondern auf einen Erstschlagsvorteil aus war. In seiner Rede im Dezember 2022 sagte Putin: &bdquo;Die Vereinigten Staaten entwickeln ein System f&uuml;r einen Entwaffnungsschlag gegen uns &hellip; Sie arbeiten an der F&auml;higkeit, unser nukleares Reaktionspotenzial zu neutralisieren, was ihnen erlauben w&uuml;rde, die Bedingungen zu diktieren oder sogar unseren Staat zu zerst&ouml;ren.&rdquo;<\/p><p>Horton zitiert russische Milit&auml;rstrategen und US-R&uuml;stungskontrollveteranen, die davor warnten, dass diese Ma&szlig;nahmen den Zeit- und Vertrauenspuffer ausl&ouml;schten, der notwendig sei, um zwischen einem echten Enthauptungsangriff und einem falschen Alarm zu unterscheiden &ndash; ein gef&auml;hrlicher R&uuml;ckfall in die Weltuntergangslogik des 20. Jahrhunderts. Nach Hortons Ansicht verst&auml;rkten die Vertragsverletzungen des Westens Putins Belagerungsmentalit&auml;t und rechtfertigten Russlands eigenes nukleares Auftreten &ndash; eine R&uuml;ckkopplungsschleife, in der &lsquo;defensive&rsquo; Ma&szlig;nahmen zu existenziellen Bedrohungen wurden. Dieses atomare S&auml;belrasseln ist purer Wahnsinn, da sowohl Russland als auch die USA &uuml;ber Tausende von Wasserstoffbomben verf&uuml;gen &ndash; weitaus m&auml;chtiger als konventionelle Atomwaffen &ndash;, die Milliarden von Menschen t&ouml;ten und gro&szlig;e Teile des Planeten f&uuml;r Jahrzehnte unbewohnbar machen k&ouml;nnten.<\/p><p>Putins gr&ouml;&szlig;te Bef&uuml;rchtung war, dass die NATO nuklearf&auml;hige Raketensysteme in der Ukraine stationieren k&ouml;nnte, die eines Tages von einer streng antirussischen Regierung kontrolliert werden k&ouml;nnten. In einem solchen Szenario w&uuml;rde Moskau mit der albtraumhaften Aussicht auf einen pl&ouml;tzlichen, verheerenden Schlag konfrontiert, bei dem die russische F&uuml;hrung nur wenige Augenblicke Zeit h&auml;tte, um zu entscheiden, ob sie einen nuklearen Gegenangriff starten oder auf die M&ouml;glichkeit eines Fehlalarms setzen sollte. Diese Bef&uuml;rchtung wurde noch verst&auml;rkt, als die westlichen Staaten der Ukraine ihr Einverst&auml;ndnis signalisierten, mit den von ihnen gelieferten Waffen Ziele in Russland anzugreifen. Der Westen hat nicht einmal versucht, die Ukraine daran zu hindern, die russische Neonazi-Miliz &ldquo;Russisches Freiwilligenkorps&rdquo;  einzusetzen, die mit gepanzerten Fahrzeugen aus den USA Angriffe auf russisches Territorium durchf&uuml;hrten.<\/p><p><strong>Schlussfolgerung: Heuchelei, Hybris und die menschlichen Kosten<\/strong><\/p><p><em>Provoked <\/em>ist ein Pl&auml;doyer f&uuml;r Demut und die Erkenntnis, dass sowohl liberale als auch autorit&auml;re Imperien Ressentiments sch&uuml;ren und den Kreislauf der Gewalt aufrechterhalten. Es erinnert uns daran, dass bei dieser Konfrontation nicht abstrakte Ideologien auf dem Spiel stehen, sondern Menschenleben. Gew&ouml;hnliche Ukrainer sind Kanonenfutter, Spielfiguren in einem blutigen Schachspiel der Gro&szlig;m&auml;chte. Das Buch gipfelt in einem vernichtenden Urteil: Das moralische Getue des Westens und die autorit&auml;re Realpolitik Russlands verst&auml;rken sich gegenseitig.<\/p><p>Horton verurteilt eindeutig Putins Kriegsverbrechen in Tschetschenien, Syrien und der Ukraine, besteht aber darauf, dass die NATO-Erweiterung und die Sabotage der Diplomatie Moskaus Darstellung der westlichen Doppelz&uuml;ngigkeit best&auml;tigen. Hortons Warnung vor einem &bdquo;immerw&auml;hrenden nuklearen Schwert, das &uuml;ber unser aller K&ouml;pfe h&auml;ngt&rdquo; klingt mit d&uuml;sterer Dringlichkeit: Wenn wir uns nicht mit der Rolle des Westens bei der Provokation dieser Krise auseinandersetzen, wird sich der Kreislauf der Eskalation fortsetzen, und die Opfer werden sich vervielfachen. Dies ist nicht nur ein Buch &ndash; es ist eine 900-seitige Alarmglocke, die f&uuml;r eine Welt l&auml;utet, die schlafwandelnd dem Armageddon entgegengeht.<\/p><p><small>Titelbild: Buchcover &ndash; The Libertarian Institute<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=128531\">Interview mit Star&ouml;konom Jeffrey Sachs: &bdquo;Das harte Weltimperium der USA z&auml;hlt seine Toten nicht&rdquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=123626\">Interview mit Michael L&uuml;ders: &bdquo;Wir werden als mitschuldig gelten f&uuml;r den Massenmord im Gazastreifen&ldquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=126644\">Interview mit Journalist Vincent Bevins: Der Westen und die blutige Spur der V&ouml;lkermorde von Indonesien bis Gaza<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=121573\">Gro&szlig;machtspiele<\/a>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Scott Hortons 900-seitiges Meisterwerk &ldquo;Provoked: How Washington Started the New Cold War with Russia and the Catastrophe in Ukraine&ldquo; (Provoziert &ndash; Wie Washington den neuen Kalten Krieg mit Russland und die Katastrophe in der Ukraine begann) ist ein enorm wichtiges Werk, das akribisch dokumentiert, wie drei Jahrzehnte westlicher Einkreisung den Einmarsch Russlands in die Ukraine<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=130861\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":130863,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,54,171,208],"tags":[1519,3240,469,462,1268,2301,911,1878,466,955,3500,1418,309,2614,259,2794,260,1556],"class_list":["post-130861","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-gestaltete-pdf","category-militaereinsaetzekriege","category-rezensionen","tag-atomwaffen","tag-diplomatische-verhandlungen","tag-grossbritannien","tag-jugoslawien","tag-kalter-krieg","tag-konfrontationspolitik","tag-maidan","tag-naher-osten","tag-nato","tag-neonazismus","tag-raketenstationierung","tag-regime-change","tag-repressionen","tag-russiagate","tag-russland","tag-stellvertreterkrieg","tag-ukraine","tag-usa"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/250318-Provoked-Cover.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/130861","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=130861"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/130861\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":131066,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/130861\/revisions\/131066"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/130863"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=130861"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=130861"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=130861"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}