{"id":131042,"date":"2025-04-02T16:29:04","date_gmt":"2025-04-02T14:29:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=131042"},"modified":"2025-04-02T16:53:35","modified_gmt":"2025-04-02T14:53:35","slug":"armeniens-holpriger-weg-nach-westen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=131042","title":{"rendered":"Armeniens holpriger Weg nach Westen"},"content":{"rendered":"<p>Das bisher traditionell mit Russland verb&uuml;ndete Armenien soll nach dem Willen seines Parlaments den Beitritt zur EU beantragen. Das Parlament in der Hauptstadt Eriwan stimmte k&uuml;rzlich in dritter Lesung mit gro&szlig;er Mehrheit f&uuml;r ein Gesetz, mit dem die Regierung aufgefordert wird, einen Beitrittsprozess zur EU zu beginnen. Eine geopolitische Einsch&auml;tzung von <strong>Ramon Schack<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDie aktuelle armenische Regierung f&uuml;hlte sich von Moskau im Stich gelassen, nachdem Russland im September 2023 angesichts der aserbaidschanischen Milit&auml;raggression in der von Armeniern und Armenierinnen bewohnten Region Bergkarabach nicht interveniert hatte. Baku brachte Bergkarabach schlie&szlig;lich gewaltsam unter seine Kontrolle. Zehntausende Zivilistinnen und Zivilisten, die gesamte armenische Bev&ouml;lkerung, mussten fl&uuml;chten.<\/p><p><strong>Moskau und Teheran sind die traditionellen Schutzm&auml;chte Armeniens<\/strong><\/p><p>Bis 1991 war die kleine Kaukasusrepublik Teil der damaligen Sowjetunion und danach mit Russland verb&uuml;ndet. Ohne den Iran h&auml;tte Armenien seit seiner Unabh&auml;ngigkeit 1991 kaum &uuml;berlebt. Die geschlossenen Grenzen zu Aserbaidschan und der T&uuml;rkei strangulieren jegliche wirtschaftliche Entwicklung und engen die geostrategischen Perspektiven Armeniens dramatisch ein.<\/p><p><strong>Weg von Moskau?<\/strong><\/p><p>Basierend auf einer weiteren m&ouml;glichen Bedrohung durch das Nachbarland wendet sich Armenien verst&auml;rkt dem Westen zu. Die Regierung lie&szlig; die Mitgliedschaft in der von Russland dominierten Milit&auml;rallianz Organisation des Vertrags &uuml;ber kollektive Sicherheit (OVKS) auslaufen. Der armenische Ministerpr&auml;sident Paschinjan lie&szlig; dazu verlautbaren, dass seine Regierung zu einem sp&auml;teren Zeitpunkt &uuml;ber das genaue Datum des Austritts aus der Organisation des Vertrags &uuml;ber kollektive Sicherheit (OVKS) entscheiden werde, zu deren Mitgliedsstaaten neben Russland und Belarus auch die ehemaligen zentralasiatischen Sowjetstaaten Kasachstan, Kirgistan und Tadschikistan geh&ouml;ren. Diese Entwicklung hin zum Westen, angeblich aufgrund der Bedrohung durch Baku, ist eigentlich unlogisch, denn Aserbaidschan ist ein enger Verb&uuml;ndeter des Westens. Der Westen hat sich schon seit geraumer Zeit auf die Seite Aserbaidschans geschlagen. Ursula von der Leyen genierte sich daher nicht, bei ihrer Bitt- und Betteltour nach Gas Aserbaidschan als &bdquo;zuverl&auml;ssigen Erdgaslieferanten&ldquo; zu lobhudeln. Aber im Westen protegiert man nicht nur die Oligarchen von Baku, sondern l&auml;sst sich von diesen zum Teil auch schmieren, wie die sogenannte &ldquo;Aserbaidschan-Aff&auml;re&ldquo; beweist, in deren Sumpf zahlreiche deutsche Christdemokraten verschwunden sind. Aserbaidschans j&uuml;ngste Aggressionen basieren also auf der Politik des Westens, denn Baku wei&szlig;, dass es von dessen &ldquo;Menschenrechtsrhetorik&ldquo; verschont bleibt. Trotzdem unterzeichnete Eriwan ein Sicherheitsabkommen mit Washington. Russland reagierte &auml;u&szlig;erst verstimmt auf den Kurswechsel.<\/p><p><strong>NGOs organisierten sich<\/strong><\/p><p>Eine von proeurop&auml;ischen Organisationen und B&uuml;ndnissen getragene B&uuml;rgerinitiative hatte in dem 2,7 Millionen Einwohner z&auml;hlenden Land im vergangenen Jahr rund 60.000 Unterschriften f&uuml;r eine Petition zum EU-Beitritt gesammelt. Regierungschef Paschinjan fungierte als Pate f&uuml;r dieses Ziel. Nach seinen Worten sollen aber angeblich die B&uuml;rger in einem Referendum das letzte Wort dazu haben. Bisher hat allerdings kein EU-Mitgliedsland einen Beitritt Armeniens &ouml;ffentlich unterst&uuml;tzt, die Ereignisse im benachbarten Georgien stecken den Strategen noch in den Knochen.<\/p><p>Fortschritte gibt es allerdings, zumindest oberfl&auml;chlich, im jahrzehntelangen Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan. Beide S&uuml;dkaukasus-Republiken haben sich auf ein Friedensabkommen geeinigt. &bdquo;Der Verhandlungsprozess &uuml;ber den Text des Friedensabkommens mit Armenien ist abgeschlossen&ldquo;, sagte der aserbaidschanische Au&szlig;enminister Jeyhun Bayramow Mitte M&auml;rz gegen&uuml;ber den Medien. Vom armenischen Au&szlig;enministerium hie&szlig; es, das Abkommen sei &bdquo;zur Unterzeichnung bereit&rdquo;. Beide Seiten lie&szlig;en verlautbaren, Armenien akzeptierte die Vorschl&auml;ge Aserbaidschans zu zwei Punkten des Friedensabkommens, f&uuml;r die bisher kein Kompromiss gefunden worden war.<\/p><p><strong>Kriege &uuml;ber Kontrolle von Bergkarabach<\/strong><\/p><p>Armenien und Aserbaidschan f&uuml;hrten in den vergangenen Jahrzehnten zwei Kriege gegeneinander um die Kontrolle der Region Bergkarabach. 2023 brachte Aserbaidschan in einer gro&szlig; angelegten Milit&auml;roffensive die mehrheitlich von ethnischen Armenierinnen und Armeniern bewohnte Region unter seine Kontrolle. Die seit Jahrzehnten umstrittene Region geh&ouml;rt v&ouml;lkerrechtlich zu Aserbaidschan. Diese Offensive l&ouml;ste die Flucht der mehr als 100.000 armenischen Bewohner nach Armenien aus. Viele Armenier wittern daher einen Ausverkauf ihres Landes durch die eigene Regierung.<\/p><p><small>Titelbild: Shutterstock \/em concepts<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=117318\">Paschinjans Pokerspiel: Armenien kehrt dem von Moskau dominierten Milit&auml;rb&uuml;ndnis den R&uuml;cken<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=110974\">&bdquo;Alle externen Akteure haben versagt!&ldquo; &ndash; Armenien nach dem Sturm (I)<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=111200\">&bdquo;Arzach wurde geopfert&ldquo; &ndash; Armenien nach dem Sturm (II)<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=128046\">Wie man die Linke in den Krieg lockt &hellip; &ndash; oder: &bdquo;Antiimperialismus&ldquo; und &bdquo;Decolonize Russia!&ldquo;<\/a>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das bisher traditionell mit Russland verb&uuml;ndete Armenien soll nach dem Willen seines Parlaments den Beitritt zur EU beantragen. 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