{"id":131086,"date":"2025-04-04T09:00:33","date_gmt":"2025-04-04T07:00:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=131086"},"modified":"2025-04-04T16:33:21","modified_gmt":"2025-04-04T14:33:21","slug":"carlo-masala-dann-eben-ein-dritter-weltkrieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=131086","title":{"rendered":"Carlo Masala &#8211; Dann eben ein dritter Weltkrieg?"},"content":{"rendered":"<p>Es ist die alte Leier: &bdquo;Russland abzuschrecken und einzud&auml;mmen&ldquo; bedeutet Steigerung der Verteidigungsausgaben und K&uuml;rzung in anderen Bereichen. Ja, der Preis daf&uuml;r k&ouml;nne im Extremfall sogar in Menschenleben bemessen sein und w&auml;re doch zu erbringen, wie Carlo Masala uns mitteilen will. Mit seinem Buch &bdquo;Wenn Russland gewinnt&ldquo; bespielt er die Klaviatur der &Auml;ngste, um eine mehrheitlich friedliebende Bev&ouml;lkerung kriegst&uuml;chtig zu machen, und ebenso, um f&uuml;r sich selbst als Experte zu werben. Von <strong>Irmtraud Gutschke<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9923\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-131086-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250403-Carlo-Masala-Dann-eben-dritter-Weltkrieg-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250403-Carlo-Masala-Dann-eben-dritter-Weltkrieg-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250403-Carlo-Masala-Dann-eben-dritter-Weltkrieg-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250403-Carlo-Masala-Dann-eben-dritter-Weltkrieg-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=131086-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250403-Carlo-Masala-Dann-eben-dritter-Weltkrieg-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250403-Carlo-Masala-Dann-eben-dritter-Weltkrieg-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Mit erbitterter Miene in polierter R&uuml;stung: Carlo Masala ist Professor f&uuml;r Internationale Politik an der Universit&auml;t der Bundeswehr in M&uuml;nchen und, wie der Klappentext ihn r&uuml;hmt, &bdquo;gefragter Kommentator f&uuml;r deutsche und internationale Medien sowie h&auml;ufiger Gast in den gro&szlig;en Polit-Talkshows&ldquo;. Mit seinem Buch &bdquo;Wenn Russland gewinnt&ldquo; sagt er eigentlich nur das, was er in seinen vorher bei C.H.Beck erschienenen B&auml;nden &bdquo;Weltunordnung&ldquo; und &bdquo;Bedingt abwehrbereit&ldquo; schon proklamiert hat. Aber diesmal ist es ein &bdquo;Szenario&ldquo;, ja fast ein &bdquo;Roman&ldquo;.<\/p><p>&bdquo;Wenn Russland gewinnt&ldquo; &ndash; schon der Titel appelliert an &Auml;ngste, die besonders im Westen verbreitet sind. Dass Konrad Adenauer als strikter Antikommunist einen Horror vor &bdquo;Soffjetrussland&ldquo; hatte, kam aus seiner Vergangenheit und passte zur US-Politik nach 1945. Im bald beginnenden Kalten Krieg zwischen den Superm&auml;chten fand mit der politischen auch eine geistig-kulturelle Teilung der &bdquo;Deutschl&auml;nder&ldquo; statt. Die besteht bis heute fort. Im Osten gibt es eine Russland-Erfahrung, oft auch mit Sprachkenntnis verbunden, die dem Westen gerade jetzt von Nutzen w&auml;re, da Donald Trump die US-Politik um 180 Grad zu &auml;ndern verspricht. Aber diese Ost-Kompetenz ist bis heute nicht angekommen im politischen Milieu, wo Verunsicherung herrscht. Pl&ouml;tzlich schmerzt die transatlantische Leine, mit der man sich fr&uuml;her so wohlgef&uuml;hlt hatte. Einst williger B&uuml;ndnispartner der USA &ndash; gerade die Westdeutschen galten als Mustersch&uuml;ler &ndash;, geht dieser Status verloren. Missachtung aus Washington. Europa wird abserviert und ist in Sorge, jenen Schutzschirm zu verlieren, unter dem man sich sicher w&auml;hnte.<\/p><p><strong>Selbst war er nie in der Bundeswehr<\/strong><\/p><p>Carlo Masala, 1968 als Kind einer &ouml;sterreichischen Verk&auml;uferin und eines italienischen Gastarbeiters in K&ouml;ln geboren, war interessanterweise selbst nie in der Bundeswehr. &bdquo;Ich bin damals, schulisch gepr&auml;gt, in einem linksliberalen Milieu aufgewachsen&ldquo;, sagte er in einem taz-Interview. &bdquo;H&auml;tte ich damals gewusst, dass die Bundeswehr auch ein Studium, eine Ausbildung finanziert, w&auml;re das f&uuml;r mich interessant gewesen.&ldquo; [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] Fr&uuml;h schon musste er lernen, sich durchzusetzen, zielstrebig arbeitete er an seiner Karriere.<\/p><p>Heute wohnt er in Leipzig. Wenn er schon zu DDR-Zeiten dort gelebt h&auml;tte, w&auml;re aus ihm ein anderer geworden. Nun trennen uns Welten. Dass sich auf sein Buch nur satirisch reagieren lie&szlig;e, dachte ich zun&auml;chst. Beim Lesen aber merkte ich, dass ich es ernst nehmen musste, bitterernst: Ein Wehrdienstverweigerer will die deutsche Bev&ouml;lkerung auf einen m&ouml;glichen Krieg in Europa einschw&ouml;ren. Mit Wucht rennt er durch nun ge&ouml;ffnete T&uuml;ren. CDU und SPD haben sich, assistiert von den Gr&uuml;nen, einen Blankoscheck f&uuml;r Aufr&uuml;stung ausgestellt &ndash; wohlweislich, bevor das im neu gew&auml;hlten Bundestag mit ver&auml;nderten Mehrheiten schwierig geworden w&auml;re. Eine Verfassungs&auml;nderung wurde beschlossen, die an einen Staatsstreich denken l&auml;sst: per namentlicher Abstimmung &ndash; Fraktionsdisziplin setzte die Abgeordneten unter Druck. Per Volksentscheid w&auml;re die Entscheidung kaum so zustande gekommen. Im Schnelldurchlauf wurde ein Exempel statuiert, was Demokratie in diesem Lande wert ist. &Uuml;ber unsere K&ouml;pfe hinweg sichert sich die Waffenlobby nun Profite auf unabsehbare Zeit.<\/p><p>Im Buch kommt der Vorstandsvorsitzende der Firma Rheineisen am 27. M&auml;rz 2028 nach dem Beschuss seines Firmenjets Gulfstream G 650 durch eine Stinger-Rakete ums Leben. Und am gleichen Tag wird auf dem historischen Rathaus der estnischen Stadt Narwa die russische Flagge gehisst. Ein Einmarsch in Estland: Es geistern ja l&auml;ngst schon Meinungen durch die Medien, was Schlimmes geschehen w&uuml;rde, wenn Russland seine Kriegsziele in der Ukraine erreicht. Dann macht uns &bdquo;Soffjetrussland&ldquo; zur Kolonie, ruft Adenauer aus seinem Grab, dann sind wir &bdquo;Sibirien&ldquo;. Dass der Ukraine-Krieg endet &ndash; was nicht nur f&uuml;r mich eine Hoffnung ist, wird f&uuml;r Carlo Masala zum Schreckensszenario, mit dem er m&ouml;glichst viele Leute anstecken will.<\/p><p>Von Anfang an ist die Absicht des Buches durchsichtig, auch wenn es auf durchaus spannende Weise an verschiedene Schaupl&auml;tze f&uuml;hrt: in die russische Pr&auml;sidialverwaltung, den Rat der Au&szlig;enminister in Br&uuml;ssel, das B&uuml;ro des Bundeskanzleramts, das NATO-Hauptquartier &hellip; Der Autor will Eindruck machen mit seinem Insiderwissen. Das tat ihm wohl schon beim Schreiben gut. Wir sollen ihm folgen, aufblicken zu ihm als Experten, damit wir unbeirrt bleiben in einem Krieg, der Trump nun zu teuer wird. Ungefragt sollen wir bereitwillig weiterhin f&uuml;r Waffenlieferungen an die Ukraine zahlen, auch wenn wir an deren Sieg nicht mehr glauben. Denn mit einem Kapitulationsfrieden, meint Masala, w&uuml;rde es f&uuml;r uns erst richtig schlimm.<\/p><p><strong>Angstszenario voller Russenhass<\/strong><\/p><p>Niemand kann in die Zukunft sehen. Das Szenario in diesem Buch ist h&ouml;chst manipulativ. Mit der Kr&auml;nkung, dass die ganze westliche Aufr&uuml;stung der Ukraine letztlich f&uuml;r die Katz war, st&auml;nde Masala nicht allein. Aber es ist doch ziemlich erschreckend, wie ihm der Russenhass aus allen Knopfl&ouml;chern blitzt, als h&auml;tte Deutschland nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg ein Recht auf Revanche. Er ist besessen davon, es wird ihm schon fast zur fixen Idee. &bdquo;Russland bereitet sich auf einen gro&szlig;en Krieg vor.&ldquo; Landauf, landab geht er in den Medien mit seiner Phobie hausieren. [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] War er je in Russland? Beherrscht er die Sprache? Selbst wenn, w&auml;re er mental f&auml;hig zu Diplomatie auf Augenh&ouml;he? Europ&auml;ische Diplomatie statt Waffenlieferungen, gerade daf&uuml;r w&uuml;rde es doch jetzt h&ouml;chste Zeit. Denn wir leben doch auf einem Kontinent.<\/p><p>Putin kann Deutsch. Vielleicht liest er das Buch sogar und am&uuml;siert sich &uuml;ber die Idee des Autors, dass er nach der Kapitulation der Ukraine seinen R&uuml;cktritt anbieten w&uuml;rde. Mag ja sein, dass er das schon mal vorhatte. Aber dass sein junger Nachfolger ausgerechnet Obmantschikow hei&szlig;t und sein Vertrauter Palatschow! &bdquo;L&uuml;gner&ldquo; und &bdquo;Henker&ldquo;. Es ist ihm wohl selbst gar nicht klar, wie er seinen Ruf als &bdquo;Milit&auml;rexperte&ldquo; l&auml;diert, wenn er sich derma&szlig;en vordergr&uuml;ndig von Emotionen leiten l&auml;sst. Wir sollen ihn f&uuml;r einen Sachverst&auml;ndigen halten, aber N&uuml;chternheit ist nur Fassade. Unter dieser Maske ist er befangen, gekr&auml;nkt, kampfesw&uuml;tig und voller Angst.<\/p><p>In Moskau wird man sich am&uuml;sieren &uuml;ber seine Idee, ein russisches Atom-Unterseeboot zur unbewohnten Hans-Insel im Nordpolarmeer zu schicken, um dort die russische Flagge zu hissen und darunter eine Flasche Kristall-Wodka mit einer B&uuml;chse Kaviar zu deponieren: Ach, da h&auml;tten wir doch eine bessere Wodka-Marke gefunden als die, die es schon zu DDR-Zeiten gab, wird man lachen. Aber originell ist der Mann &ndash; und vor allem: Er nimmt uns ernst. Er f&uuml;rchtet uns sogar.<\/p><p><strong>Wenn der US-Pr&auml;sident z&ouml;gert<\/strong><\/p><p>In seinem &bdquo;Roman&ldquo; will das 2028 von Russland angegriffene Estland den NATO-B&uuml;ndnisfall nach Artikel 5 ausrufen. Der NATO-Generalsekret&auml;r &uuml;berlegt, wie das konkret durchzuf&uuml;hren w&auml;re, und verweist auf Schwierigkeiten, sollte Russland eine Seeblockade errichten. Der franz&ouml;sische Staatspr&auml;sident gibt zu bedenken, dass Russland wohl keinen Krieg mit der NATO bezweckt, sondern vor allem seine B&uuml;rger in Estland sch&uuml;tzen will. &bdquo;Man muss schon sagen, dass Estland deren Rechte seit Jahren nicht in vollem Umfang ber&uuml;cksichtigt.&ldquo; [<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] Immerhin ist das mal ausgesprochen. Eigentlich m&uuml;sste man noch weiter gehen: Zwar von inneren Widerspr&uuml;chen ausgel&ouml;st, lag der Zerfall der Sowjetunion im Interesse des Westens. Die Unterst&uuml;tzung antirussischer Bestrebungen in den einstigen Sowjetrepubliken und die NATO-Osterweiterung waren zur Eind&auml;mmung Russlands gedacht und wurden dort als Bedrohung verstanden. Weil den USA die Mittel knapp werden, steigt Trump jetzt ab vom hohen Ross und gibt sogar zu, dass in der Ukraine ein &bdquo;Stellvertreterkrieg&ldquo; der USA mit Russland stattgefunden hat. [<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] Und wenn es so ist (was unsereins schon lange sagte), ist doch plausibel, dass sich zuerst diese beiden Gro&szlig;m&auml;chte an einen Tisch setzen m&uuml;ssen. Der Ukraine und der EU wird auf beleidigende Weise klargemacht, was sie schon immer waren und wohl auch bleiben sollen: Handlanger der USA.<\/p><p>Der US-Pr&auml;sident im Buch gibt jedenfalls keine Zustimmung zur Ausrufung des Artikels 5: &bdquo;Wegen einer kleinen Stadt in Estland riskiere ich nicht den Dritten Weltkrieg.&ldquo; [<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>] Aber das klingt ja absolut vern&uuml;nftig. Alles ist zu tun, um einen dritten Weltkrieg zu vermeiden. Russland-Hass verstellt Masala den Blick. Er m&uuml;sste ja auch nicht aufs Schlachtfeld, d&uuml;rfte einen bequemen sicheren Bunker haben. Aber eigentlich denkt er gar nicht so weit. Erst einmal will er sich in unserem noch-friedlichen Land publikumswirksam im Kampf gegen die &bdquo;Angstunternehmer&ldquo; profilieren.<\/p><p>Bunt zusammengesetzt sei diese Truppe. &bdquo;Es sind Menschen, die aus ideologischer &Uuml;berzeugung f&uuml;r die Sache Moskaus streiten, ehemalige Milit&auml;rs, die ihre &ouml;ffentliche Bedeutungslosigkeit kompensieren, Publizisten, die sich am extremen rechten oder linken Rand des Spektrums sichtlich wohl f&uuml;hlen, und eine kleine Schar von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen.&ldquo; [<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>] Hat er sich da gar schon Namen aufgeschrieben? So, wie es die Ukraine auf ihrer Seite &bdquo;Mirotworez&ldquo; macht? Die hei&szlig;t auf Deutsch &bdquo;Friedensstifter&ldquo; und gibt Tausende von Namen, Telefonnummern und Mailadressen von Leuten preis, die in diesem Krieg nicht den ukrainischen Kampf unterst&uuml;tzen. [<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>]<\/p><p><strong>Die Ukraine als weltweit gr&ouml;&szlig;ter Waffenimporteur<\/strong><\/p><p>Kriegslogik. Aber was geschieht mit uns, wenn ein solches Freund-Feind-Schema Fu&szlig; fasst? &bdquo;Wenn die NATO nicht reagiert, hat Russland gewonnen&ldquo;, sagt der deutsche Bundeskanzler nach der Telefonkonferenz am 27. M&auml;rz 2028 zu seinem Sicherheitsberater. Damit spricht er dem Autor aus dem Herzen. Sowieso behandelt er den Bundeskanzler betont zuvorkommend, wenn er im Buch auftritt. Schlie&szlig;lich will er dem Verteidigungsministerium weiterhin Beratungsleistungen verkaufen. Mit derma&szlig;en simplen Gut-B&ouml;se-Konstellationen im Kopf? Was ist das f&uuml;r ein Sachverst&auml;ndiger? Eher ist er ein Sprachrohr, ein Mann f&uuml;r Publicity.<\/p><p>Er ist ehrgeizig, will hoch hinaus. Dass Trump sich von Europa abkehrt, ist seine Chance, als Scharfmacher in die &Ouml;ffentlichkeit zu treten. Dabei geht er in seinem Verst&auml;ndnis des Ukrainekrieges als &bdquo;Weltordnungskonflikt&ldquo; schon weiter, als es medial bislang &uuml;blich war. Da wurde vornehmlich an unser Mitgef&uuml;hl appelliert, weil ein gro&szlig;es Land ein kleines &uuml;berfallen habe. Dass in der Ukraine unsere Demokratie verteidigt w&uuml;rde, sollten die Leute glauben, obgleich die korrupte Oligarchie dort weit von Demokratie entfernt ist.<\/p><p>Kriegspropaganda: L&auml;ngst schon ist Deutschland Teil dieses Krieges, f&uuml;r den die Ukraine mit uns&auml;glichem Leid bezahlt. Ein Krieg des Westens gegen Russland, in dem der US-Pr&auml;sident nun anscheinend das Handtuch wirft. Allein schon emotional: Wie sollen europ&auml;ische Transatlantiker mit dieser j&auml;hen Wendung fertig werden? Und Selenskyj erst: Wie er von Biden erst geh&auml;tschelt und dann von Trump gedem&uuml;tigt wurde! Mit Sanktionen gegen die russische Wirtschaft hat Deutschland sich selbst massiv geschadet. Wie viele Milliarden Milit&auml;rhilfe an die Ukraine die deutschen Steuerzahler finanzierten, die Zahlen entziehen sich jedem Vorstellungsverm&ouml;gen. Und man merkt schon kaum mehr auf, wenn neue Sanktionen beschlossen und weitere Mittel f&uuml;r die Ukraine in Aussicht gestellt werden.<\/p><p>Die Commerzbank prognostiziert, dass sich Deutschlands kreditfinanzierte Ausgaben f&uuml;r Verteidigung in den n&auml;chsten zw&ouml;lf Jahren um 750 Milliarden Euro erh&ouml;hen werden. Plus dem Infrastruktur-Sonderverm&ouml;gen von rund 500 Milliarden und dem zus&auml;tzlichen Verschuldungsspielraum f&uuml;r die Bundesl&auml;nder ergebe sich eine Summe von rund 1.500 Milliarden Euro neuer Schulden. [<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>]<\/p><p>Es ist eigentlich widersinnig: W&auml;hrend US-Politik irgendwie das Feuer l&ouml;schen will, schiebt Deutschland neuen Brennstoff nach &ndash; wobei Trump durchaus eigene Interessen verfolgt. Der Weltordnungskonflikt wird unter dem Motto &bdquo;America First&ldquo; nur auf eine andere Ebene geschoben. Putin kann Trumps gutem Willen nicht vorbehaltlos glauben, und wir k&ouml;nnen es ebenso wenig. Die kriegsgebeutelte Ukraine soll f&uuml;r die US-Milit&auml;rhilfen wom&ouml;glich nicht nur mit ihren Bodensch&auml;tzen zahlen, sondern kommt wirtschaftlich noch st&auml;rker unter US-Protektorat. Wenn es zu einem EU-Beitritt der Ukraine k&auml;me, st&uuml;nde allen US-Unternehmen, die dort engagiert sind, ein riesiger Freihandelsbereich offen. Allein schon mit ihrer gro&szlig;en industriellen Lebensmittelproduktion k&ouml;nnte die Ukraine faktisch alle kleinen und mittleren Landwirtschaftsbetriebe in der EU &uuml;ber den Preis plattmachen. Und auf der anderen Seite wird die EU f&uuml;r alle Kriegssch&auml;den aufkommen. [<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>]<\/p><p>Laut dem Europ&auml;ischen Friedensforschungsinstitut in Stockholm ist die Ukraine weltweit der gr&ouml;&szlig;te Waffenimporteur. Auff&auml;llig ist zudem die starke Abh&auml;ngigkeit europ&auml;ischer Staaten von US-R&uuml;stungsg&uuml;tern. 64 Prozent der Waffenk&auml;ufe der europ&auml;ischen NATO-Staaten stammen aus den USA. [<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>] Trumps mit Forderungen verbundene Abkehr von Europa kommt seiner heimischen R&uuml;stungsindustrie zugute. Kann der milit&auml;risch-industrielle Komplex in den USA da wirklich an einer Friedensordnung auf unserem Kontinent interessiert sein? Was Deutschland betrifft: Wie die Aktie von &bdquo;Rheinmetall&ldquo; in der vergangenen Woche &uuml;ber 20 Prozent zulegte, bildet Hoffnungen ab, dass der Gewinn des Bundeswehrlieferanten &ndash; im vorigen Jahr schoss er um 61 Prozent in die H&ouml;he &ndash; noch weiter steigt. [<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>] Werden wir von R&uuml;stungsaktion&auml;ren regiert?<\/p><p><strong>Verteidigung liberaler Werte: Was wird davon &uuml;brig sein?<\/strong><\/p><p>Immer wieder ist im Buch davon die Rede, dass Europa ohne die USA milit&auml;risch nicht stark genug sei, der Ukraine beizustehen. Allerdings legt Masala dem russischen Pr&auml;sidenten Obmantschikow mehrmals die Prognose einer neuen europ&auml;ischen Sicherheitsarchitektur in den Mund. Wie die aussehen k&ouml;nnte, wird nicht erkl&auml;rt. Dass sie dem Autor bedrohlich erscheint, bildet die Interessen der R&uuml;stungslobby ab. Dass schon einmal ein solches Sicherheitsb&uuml;ndnis mit Russland beschlossen worden ist, d&uuml;rfte Masala wissen. Am 21. November 1990 wurde die &bdquo;Charta von Paris f&uuml;r ein neues Europa&ldquo; von 32 europ&auml;ischen L&auml;ndern, einschlie&szlig;lich der Sowjetunion, sowie den USA und Kanada unterzeichnet. [<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>] Sie sollte ein &bdquo;neues Zeitalter des Friedens&ldquo; er&ouml;ffnen. Doch bereits neun Monate sp&auml;ter begannen die Kriege auf dem Territorium Jugoslawiens, die 1999 in der NATO-Bombardierung Belgrads kulminierten. Mit Serbien wurde ein Verb&uuml;ndeter Russlands getroffen. Sowieso wurde die &bdquo;Charta von Paris&ldquo; nach dem Zerfall der Sowjetunion begraben. Im Sinne westlicher Machtpolitik schien Russland in die Knie gezwungen. Das &auml;nderte sich erst mit Putins Macht&uuml;bernahme. Der Kalte Krieg trat in eine neue Phase.<\/p><p>Nach dem belletristischen Teil im Buch erkl&auml;rt der Autor im Nachwort noch einmal explizit seine Positionen. &bdquo;Die Ukraine darf nicht verlieren. Russland darf nicht gewinnen.&ldquo; [<a href=\"#foot_13\" name=\"note_13\">13<\/a>] So entschieden Olaf Scholz das sagte, wird er von Masala (er hatte ja bereits einen neuen Kanzler im Blick) dennoch kritisiert. Zu schwammig sei das, ohne klare Strategie. Dass es unrealistisch war, davon spricht er nicht. Stattdessen erkl&auml;rt er: &bdquo;Putins Strategie &hellip;, neben der Erzeugung von Angst infolge einer m&ouml;glichen nuklearen Eskalation auf die Ersch&ouml;pfung demokratischer Gesellschaften zu setzen &hellip; Je mehr Kosten die Sanktionen gegen Russland verursachten, desto weniger waren Menschen bereit, ihre Fortdauer zu unterst&uuml;tzen.&ldquo; [<a href=\"#foot_14\" name=\"note_14\">14<\/a>] Wohl wahr. Nur folgen seine Gedanken eben nicht dem allgemeinen Interesse, in Frieden und Sicherheit zu leben. Im Gegenteil: Von oben herab &uuml;berlegt er, wie sich die Widerspenstigen z&auml;hmen lassen.<\/p><p>&bdquo;Denn Fragen wie die nach h&ouml;heren Verteidigungsausgaben, nach beschleunigten R&uuml;stungsprozessen, nach Wiedereinf&uuml;hrung der allgemeinen Wehrpflicht &hellip; k&ouml;nnen dann nicht auf der Basis eines breiten gesellschaftlichen Konsenses entschieden werden.&ldquo; Vielmehr liege die Aufgabe der Politik darin, &bdquo;diese Themen nicht blo&szlig; im Blick auf &ouml;ffentliche Meinung und kommende Wahlen zu verhandeln, sondern bewusst politische F&uuml;hrung auszu&uuml;ben&ldquo;. [<a href=\"#foot_15\" name=\"note_15\">15<\/a>] Also Durchregieren, was auch Kanzler Merz gefallen d&uuml;rfte. Zentralismus ohne Demokratie macht vieles leichter und schmeichelt dem Ego.<\/p><p>In Putin entdeckt Masala &bdquo;missionarischen Eifer&ldquo;, als s&auml;he er sein Spiegelbild. Wie weit w&uuml;rde er gehen mit seiner Ausrichtung auf Kriegst&uuml;chtigkeit, die schlie&szlig;lich im Gegensatz zum Friedensgebot des Grundgesetzes steht, den Staat so einzurichten, dass er auf Erhaltung, Verstetigung und Ausweitung von Frieden gerichtet ist? Dass Frieden zwar erstrebenswert, w&uuml;rde er antworten, aber wenn &uuml;berhaupt nur auf dem Wege intensivier Militarisierung zu erreichen sei. &bdquo;Russland abzuschrecken und einzud&auml;mmen, kann nur gelingen, wenn die europ&auml;ischen Gesellschaften bereit sind, den daf&uuml;r angefallenen Preis zu zahlen. Und dieser Preis bemisst sich zwar im Extremfall der B&uuml;ndnisverteidigung in Menschenleben, er f&auml;llt aber bereits jetzt an als &ouml;konomische und politische Kosten. Wer eine Steigerung von Verteidigungsausgaben durchsetzen will, der wird in anderen Bereichen k&uuml;rzen m&uuml;ssen oder kann dort zumindest weniger investieren. Es wird also auch um eine Priorisierung von Staatsaufgaben gehen.&ldquo; [<a href=\"#foot_16\" name=\"note_16\">16<\/a>]<\/p><p>Zu diesem Zweck sei &bdquo;klar zu kommunizieren, was auf dem Spiel steht. Demokratische Gesellschaften sind durch hybride Kriegsf&uuml;hrung bedroht und letzten Endes geht es um nicht weniger als um die Verteidigung der demokratischen Staatsform, oder pathetischer gesprochen, um die Art und Weise, wie wir leben und leben wollen.&ldquo; [<a href=\"#foot_17\" name=\"note_17\">17<\/a>]<\/p><p>Dass Masalas Vorstellungen von zentral angeordneter Kriegsert&uuml;chtigung sich durchsetzen, davor sei eindringlich gewarnt. Denn in diesem Fall ist es fraglich, welche liberalen, demokratischen Werte &uuml;berhaupt noch &uuml;brig sind, die wir gegen autorit&auml;re Herrschaftsformen verteidigen wollten.<\/p><p><em>Carlo Masala: Wenn Russland gewinnt. Ein Szenario. C.H.Beck, 116 Seiten, broschiert, 15 Euro.<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] <a href=\"https:\/\/taz.de\/Carlo-Masala-ueber-die-Bundeswehr\/!5884220.html\">taz.de\/Carlo-Masala-ueber-die-Bundeswehr\/!5884220.html<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/vermischtes\/article255743250\/Maischberger-Russland-bereitet-sich-auf-einen-grossen-Krieg-vor.html\">welt.de\/vermischtes\/article255743250\/Maischberger-Russland-bereitet-sich-auf-einen-grossen-Krieg-vor.html<\/a><br>\n<a href=\"https:\/\/www.merkur.de\/politik\/putin-carlo-masala-ueber-militaerische-russland-ukraine-krieg-deutschland-bundeswehr-zr-93636746.html\">merkur.de\/politik\/putin-carlo-masala-ueber-militaerische-russland-ukraine-krieg-deutschland-bundeswehr-zr-93636746.html<\/a><br>\n<a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/politik\/interview-militaerexperte-carlo-masala-zur-bedrohung-durch-russland-wer-das-nicht-sehen-will-ist-blind.html\">augsburger-allgemeine.de\/politik\/interview-militaerexperte-carlo-masala-zur-bedrohung-durch-russland-wer-das-nicht-sehen-will-ist-blind.html<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Carlo Masala, S. 65<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.t-online.de\/nachrichten\/ausland\/usa\/id_100626374\/trumps-ukraine-plan-ploetzlich-heisst-es-stellvertreterkrieg-.html\">t-online.de\/nachrichten\/ausland\/usa\/id_100626374\/trumps-ukraine-plan-ploetzlich-heisst-es-stellvertreterkrieg-.html<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Masala, S. 65<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] ebenda, S. 102<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/webarchiv\/presse\/hib\/2019_06\/647952-647952%2520\">bundestag.de\/webarchiv\/presse\/hib\/2019_06\/647952-647952<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1189955.aufruestung-sparen-fuer-die-kriegstuechtigkeit.html\">nd-aktuell.de\/artikel\/1189955.aufruestung-sparen-fuer-die-kriegstuechtigkeit.html<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/politik-gesellschaft\/geopolitik\/ein-teuflischer-plan-usa-wollen-ukraine-komplett-uebernehmen-li.2311608\">berliner-zeitung.de\/politik-gesellschaft\/geopolitik\/ein-teuflischer-plan-usa-wollen-ukraine-komplett-uebernehmen-li.2311608<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/europa\/sipri-waffen-102\">tagesschau.de\/ausland\/europa\/sipri-waffen-102<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1189959.rheinmetall-co-aufruestung-an-der-boerse.html\">nd-aktuell.de\/artikel\/1189959.rheinmetall-co-aufruestung-an-der-boerse.html<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/resource\/blob\/189558\/21543d1184c1f627412a3426e86a97cd\/charta-data.pdf\">bundestag.de\/resource\/blob\/189558\/21543d1184c1f627412a3426e86a97cd\/charta-data.pdf<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_13\" name=\"foot_13\">&laquo;13<\/a>] Masala, S.106<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_14\" name=\"foot_14\">&laquo;14<\/a>] ebenda, S. 107 f<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_15\" name=\"foot_15\">&laquo;15<\/a>] ebenda, S. 109<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_16\" name=\"foot_16\">&laquo;16<\/a>] ebenda, S.115<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_17\" name=\"foot_17\">&laquo;17<\/a>] ebenda, S. 116<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist die alte Leier: &bdquo;Russland abzuschrecken und einzud&auml;mmen&ldquo; bedeutet Steigerung der Verteidigungsausgaben und K&uuml;rzung in anderen Bereichen. Ja, der Preis daf&uuml;r k&ouml;nne im Extremfall sogar in Menschenleben bemessen sein und w&auml;re doch zu erbringen, wie Carlo Masala uns mitteilen will. 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