{"id":1311,"date":"2006-05-17T11:08:26","date_gmt":"2006-05-17T09:08:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1311"},"modified":"2016-02-09T11:08:00","modified_gmt":"2016-02-09T10:08:00","slug":"bundesprasident-kohler-will-den-alteren-einiges-zumuten-langeres-arbeitsleben-und-mehr-eigene-vorsorge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1311","title":{"rendered":"Bundespr\u00e4sident K\u00f6hler will den \u00c4lteren \u201eeiniges zumuten\u201c: L\u00e4ngeres Arbeitsleben und mehr eigene Vorsorge"},"content":{"rendered":"<p>Mit Verweis darauf, dass die Rente mit 65 mittlerweile selbst 90 Jahre alt sei, fragte K&ouml;hler auf dem 8. Seniorentag in K&ouml;ln, ob starre Altersgrenzen noch in unsere Zeit passten, er w&uuml;nsche sich mehr Freiheit f&uuml;r den einzelnen und f&uuml;r die Tarifpartner, l&auml;nger zu arbeiten. Au&szlig;erdem mahnte er mal wieder sein Lieblingsthema an: Mehr Eigenvorsorge.<br>\nK&ouml;hlers &bdquo;Denkanst&ouml;&szlig;e&ldquo; gehen immer in die gleich Richtung: Zur&uuml;ck in die Vergangenheit.<br>\n<!--more--><br>\nEs gab seit dem Zeitalter der Aufkl&auml;rung ein Fortschrittsdenken, in dem die Befreiung des Menschen von m&uuml;hseliger Arbeit als humane Utopie und als grundlegendes Reformziel galt. Die Einf&uuml;hrung des gesetzlichen Rentenalters im Jahre 1916 war so eine Etappe einer fortschrittlichen sozialen Reform. Mit der damals in Kraft getretenen &bdquo;Reichsversicherungsordnung&ldquo; sollte den Menschen nach einem m&uuml;hseligen Arbeitsleben ein selbstbestimmter und materiell gesicherter &bdquo;Ruhestand&ldquo; geg&ouml;nnt werden.<\/p><p>Die Befreiung von der Last der Arbeit zugunsten eines Lebens in Selbstverwirklichung war seit der &bdquo;Erbs&uuml;nde&ldquo; im Buch Genesis der Bibel ein Menschheitstraum. Ihm n&auml;her zu kommen, war das Ziel von Generationen von Sozialreformern.<\/p><p>Ganz anders denkt K&ouml;hler: Weil die Rente mit 65 schon 90 Jahre alt ist, passe sie nicht mehr in unsere Zeit und deshalb denkt er &uuml;ber die Abschaffung der Altersgrenze ganz allgemein nach &ndash; und zwar nicht nach unten, wie es sich in den Nachrichten manchmal angeh&ouml;rt hat.<br>\nWas passt denn noch in unsere Zeit oder genauer, was verlangt der Zeitgeist wie ihn K&ouml;hler interpretiert? Es ist offenbar der Blick zur&uuml;ck vor das Jahr 1916, ins 19. Jahrhundert, ja noch mehr, sein Denken ist geradezu alttestamentarisch:<br>\n&bdquo;Im Schwei&szlig;e deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist.&ldquo; <\/p><p>&bdquo;Ich w&uuml;rde mir hier m&ouml;glichst viel Freiheit f&uuml;r jeden einzelnen und f&uuml;r die Tarifpartner w&uuml;nschen, denn jeder Mensch altert eben anders, und auch jeder Beruf ist anders&ldquo;, meint K&ouml;hler. Wie die von K&ouml;hler mal wieder zitierte &bdquo;Freiheit f&uuml;r jeden einzelnen&ldquo; in der Wirklichkeit aussieht, h&auml;tte er von seiner Nachrednerin, der f&uuml;r Senioren zust&auml;ndigen Ministerin Ursula von der Leyen h&ouml;ren k&ouml;nnen: 41 Prozent aller Betriebe besch&auml;ftigten niemanden mehr &uuml;ber 50 Jahren, nur 40 Prozent der 55- bis 64-J&auml;hrigen in Deutschland k&ouml;nnten noch einer Erwerbst&auml;tigkeit nachgehen. <\/p><p>Es zeigt sich einmal mehr die Diskrepanz von K&ouml;hlers Freiheitspathos und den Bedingungen der M&ouml;glichkeit von &bdquo;Freiheit&ldquo; f&uuml;r den einzelnen. &Uuml;ber diese Diskrepanz nachzudenken, h&auml;tte man sich vom Bundespr&auml;sidenten gew&uuml;nscht.<\/p><p>K&ouml;hler ist und bleibt ein Gefangener des zynischen Pathos seiner liberalen Ideologie: &bdquo;Alle Altersgruppen, auch die jetzigen Rentner, sollten verstehen, dass der finanzielle Spielraum f&uuml;r die Altersversorgung enger wird. Ohne mehr eigene Vorsorge wird es k&uuml;nftig nicht gehen.&ldquo; <\/p><p>Dass er als fr&uuml;herer Finanzstaatsekret&auml;r durch die Verlagerung von Kosten der Einheit auf die Sozialversicherungssysteme wesentlich dazu beigetragen hat, dass der finanzielle Spielraum f&uuml;r die Altersversorgung heute so eng ist, verschweigt er geflissentlich.<br>\n&bdquo;Ich z&auml;hle auf Sie, die &Auml;lteren. Deshalb erlaube ich mir auch, Ihnen einiges zuzumuten,&ldquo; ruft er den Senioren zu.<\/p><p>Ich scheue normalerweise vor personenbezogenen Argumenten zur&uuml;ck, aber wer so notorisch wie K&ouml;hler von anderen Verzicht und Eigenverantwortung einfordert, muss sich auch mal sagen lassen:<br>\nJa, es ist schon eine ziemliche &bdquo;Zumutung&ldquo; f&uuml;r die &Auml;lteren, aber auch f&uuml;r alle anderen Altersgruppen, solche Appelle und Mahnungen aus dem Munde des Bundespr&auml;sidenten h&ouml;ren zu m&uuml;ssen, der wohl als einziger Mensch in diesem Lande das Privileg genie&szlig;t, dass seine Dienstbez&uuml;ge in voller H&ouml;he bis zu seinem Lebensende erhalten bleiben. Er braucht keine &bdquo;eigene Vorsorge&ldquo;, seine Rente ist sicher und zwar unabh&auml;ngig vom finanziellen Spielraum f&uuml;r die Altersversorgung.<br>\nK&ouml;hler ist typisch f&uuml;r die heutigen &bdquo;Wegweiser&ldquo; an der Spitze von Wirtschaft und Staat, die anderen den Weg zum Verzicht weisen, aber nie daran denken, selbst dort hinzugehen, wohin sie andere weisen.<\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.bundespraesident.de\/-,2.630206\/Rede-von-Bundespraesident-Hors.htm\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.bundespraesident.de\/-,2.630206\/Rede-von-Bundespraesident-Hors.htm\">www.bundespraesident.de<\/a><\/p><p><strong>K&ouml;hler wirbt f&uuml;r l&auml;ngeres Arbeitsleben<\/strong><\/p><p><strong>Rede von Bundespr&auml;sident Horst K&ouml;hler auf dem 8. Seniorentag am 16. Mai 2006 in K&ouml;ln<\/strong><\/p><p>Das Renteneintrittsalter von 65 Jahren ist mittlerweile selbst 90 Jahre alt. Damals, 1916, erreichten nur etwa 3 von 10 Neugeborenen &uuml;berhaupt das Rentenalter. Heute sind es 8 von 10. Das stellt den Anspruch, mit 65 oder sogar deutlich fr&uuml;her aus dem Erwerbsleben auszuscheiden, in ein neues Licht. Tats&auml;chlich zeigen auch Umfragen, dass die Deutschen sich darauf einstellen, sp&auml;ter in Rente zu gehen. <\/p><p>Ich finde, es k&ouml;nnte durchaus auch dar&uuml;ber diskutiert werden, ob starre Altersgrenzen &uuml;berhaupt noch in unsere Zeit passen. Ich w&uuml;rde mir hier m&ouml;glichst viel Freiheit f&uuml;r jeden einzelnen und f&uuml;r die Tarifpartner w&uuml;nschen, denn jeder Mensch altert eben anders, und auch jeder Beruf ist anders, und viele T&auml;tigkeiten setzen gerade solche Qualit&auml;ten voraus, die erst &auml;ltere Menschen ganz entwickelt haben. <\/p><p>Aber alle Altersgruppen, auch die jetzigen Rentner, sollten verstehen, dass der finanzielle Spielraum f&uuml;r die Altersversorgung enger wird. Ohne mehr eigene Vorsorge wird es k&uuml;nftig nicht gehen.<\/p><p>Ich z&auml;hle auf Sie, die &Auml;lteren. Deshalb erlaube ich mir auch, Ihnen einiges zuzumuten.<\/p><p>41 Prozent aller Betriebe besch&auml;ftigten niemanden mehr &uuml;ber 50 Jahren, nur 40 Prozent der 55- bis 64-J&auml;hrigen in Deutschland seien erwerbst&auml;tig, kritisierte von der Leyen am Dienstag in K&ouml;ln bei der Er&ouml;ffnung des 8. Deutschen Seniorentags.\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Verweis darauf, dass die Rente mit 65 mittlerweile selbst 90 Jahre alt sei, fragte K&ouml;hler auf dem 8. Seniorentag in K&ouml;ln, ob starre Altersgrenzen noch in unsere Zeit passten, er w&uuml;nsche sich mehr Freiheit f&uuml;r den einzelnen und f&uuml;r die Tarifpartner, l&auml;nger zu arbeiten. Au&szlig;erdem mahnte er mal wieder sein Lieblingsthema an: Mehr Eigenvorsorge.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1311\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[141,96,123,39],"tags":[442,441,531,273,301],"class_list":["post-1311","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-arbeitsmarkt-und-arbeitsmarktpolitik","category-bundespraesident","category-kampagnentarnworteneusprech","category-rente","tag-eigenverantwortung","tag-freiheit","tag-koehler-horst","tag-privatvorsorge","tag-rentenalter"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1311","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1311"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1311\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":31024,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1311\/revisions\/31024"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1311"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1311"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1311"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}