{"id":131151,"date":"2025-04-03T11:36:19","date_gmt":"2025-04-03T09:36:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=131151"},"modified":"2025-04-15T16:41:26","modified_gmt":"2025-04-15T14:41:26","slug":"trumps-zoelle-nicht-protektionismus-sondern-nackter-imperialismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=131151","title":{"rendered":"Trumps Z\u00f6lle \u2013 Nicht Protektionismus, sondern nackter Imperialismus"},"content":{"rendered":"<p>Wer die bisherigen &Auml;u&szlig;erungen Donald Trumps zur Zollpolitik aufmerksam verfolgt hat, den d&uuml;rften auch die heute Nacht verk&uuml;ndeten neuen Zolltarife der USA im Kern nicht sonderlich &uuml;berraschen. Nun heulen Wirtschaftsliberale weltweit, Trump h&auml;tte den Freihandel beerdigt und es beginne eine neue &Auml;ra des Protektionismus. Doch das ist zumindest zum Teil Unsinn. Trumps Z&ouml;lle haben ja eben zum Ziel, dass andere L&auml;nder ihrerseits &bdquo;Handelshemmnisse&ldquo; abbauen und so den Freihandel st&auml;rken. Dabei geht er jedoch teils selektiv, teils erratisch vor. Internationale Abkommen sind f&uuml;r ihn offenbar nicht bindend. Es gilt das Recht des St&auml;rkeren und zumindest aus Trumps Perspektive sind dies in Handelsfragen die USA, die nun anderen L&auml;ndern ihren Willen aufzwingen. Das ist Imperialismus wie aus dem Bilderbuch. Ein Kommentar von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6687\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-131151-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250403_Trumps_Zoelle_Nicht_Protektionismus_sondern_nackter_Imperialismus_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250403_Trumps_Zoelle_Nicht_Protektionismus_sondern_nackter_Imperialismus_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250403_Trumps_Zoelle_Nicht_Protektionismus_sondern_nackter_Imperialismus_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250403_Trumps_Zoelle_Nicht_Protektionismus_sondern_nackter_Imperialismus_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=131151-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250403_Trumps_Zoelle_Nicht_Protektionismus_sondern_nackter_Imperialismus_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250403_Trumps_Zoelle_Nicht_Protektionismus_sondern_nackter_Imperialismus_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Was hat die kleine s&uuml;dafrikanische Enklave Lesotho eigentlich verbrochen, um den m&auml;chtigsten Mann der Welt derart zu erz&uuml;rnen? Lesotho nimmt zusammen mit dem franz&ouml;sischen &Uuml;berseegebiet Saint Pierre und Miquelon mit stolzen 50 Prozent den ersten Platz bei den heute Nacht verk&uuml;ndeten Strafz&ouml;llen ein. Laut Erkl&auml;rung Trumps handelt es sich hierbei um &bdquo;reziproke Z&ouml;lle&ldquo;, die USA erlauben sich also Z&ouml;lle und Handelshemmnisse, die andere Staaten gegen US-Importe erheben, ihrerseits auch gegen Importe aus diesen Staaten zu erheben. Diese Staaten w&uuml;rden die USA, so Trump w&ouml;rtlich, &bdquo;auspl&uuml;ndern und vergewaltigen&ldquo;. Harte Worte. Doch wie pl&uuml;ndert und vergewaltigt der kleine Staat Lesotho die gro&szlig;en USA eigentlich genau?<\/p><p>Das wei&szlig; wohl auch Mr. President nicht so wirklich. W&auml;hrend seiner ersten Amtszeit hatte er Lesotho noch wenig diplomatisch als &bdquo;eines dieser Drecksloch-L&auml;nder&ldquo; (original: &bdquo;Shithole-Countries&ldquo;) bezeichnet und erst vor wenigen Wochen drehte er so richtig gegen das Land auf, &bdquo;von dem&ldquo;, so Trump, &bdquo;noch nie jemand geh&ouml;rt hat&ldquo;. Lesothos Fehler war, dass es &uuml;ber ein Programm der mittlerweile von Trump geschlossenen US-Entwicklungshilfeorganisation USAID l&auml;ppische acht Millionen US-Dollar f&uuml;r ein Programm zur St&auml;rkung der dortigen LGBTQ-Gemeinschaft bekommen hat. F&uuml;r den Kulturk&auml;mpfer Trump reicht dies offenbar, um nun zumindest zolltechnisch Feindstaat Nummer Eins zu werden. Ansonsten ist n&auml;mlich nicht erkennbar, was ausgerechnet Lesotho f&uuml;r diese Rolle pr&auml;destiniert. Spezielle Z&ouml;lle auf US-Importe erhebt das Land n&auml;mlich nicht und es ist ohnehin fraglich, welche US-Produkte das bitterarme Land &uuml;berhaupt importieren sollte. Daf&uuml;r exportierte es bis jetzt sehr erfolgreich Waren in die USA &ndash; vor allem das in einigen US-Staaten legalisierte Cannabis und Textilprodukte; lustigerweise wird auch ein Poloshirt aus Trumps Merchandising-Shop <a href=\"https:\/\/www.timeslive.co.za\/lifestyle\/2025-03-06-does-trump-really-not-know-about-lesotho-this-shirt-might-prove-otherwise\/#google_vignette\">in Lesotho gefertigt<\/a>. Dieser Handelsbilanz&uuml;berschuss ist dann wohl der Grund, warum nun auf Importe aus Lesotho anhand einer <a href=\"https:\/\/ustr.gov\/issue-areas\/reciprocal-tariff-calculations\">grotesken Formel<\/a> massive Strafz&ouml;lle anfallen.<\/p><p>Die USA sind mit 60 Prozent &uuml;brigens Lesothos wichtigster Handelspartner. Man braucht nicht viel Phantasie, um sich auszumalen, was Trumps Strafz&ouml;lle f&uuml;r dieses arme Land bedeuten. Und wie soll Lesotho aus dieser Misere herauskommen? Nun, es k&ouml;nnte beispielsweise zwei F35-Kampfjets aus den USA kaufen, dann h&auml;tte man ein ausgeglichenes Handelsbudget mit den USA und w&auml;re wieder eines der &bdquo;guten&ldquo; L&auml;nder, die die USA nicht &bdquo;auspl&uuml;ndern und vergewaltigen&ldquo;. Das ist grotesk? Nat&uuml;rlich ist es das.<\/p><p>Auff&auml;llig ist, dass neben kleinen Entwicklungsl&auml;ndern genau die volkswirtschaftlichen Konkurrenten, zu denen die USA erhebliche Handelsbilanzdefizite haben, prominent mit hohen Strafz&ouml;llen belegt werden. Dazu z&auml;hlen vor allem Indien, Taiwan, Vietnam, Thailand, China und nat&uuml;rlich die EU &ndash; pikanterweise sind dies genau die Staaten &ndash; bzw. mit der EU der Staatenbund -, die im <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Project_2025\">&bdquo;Project 2025&ldquo;<\/a>, einer Art &bdquo;Regierungsplan&ldquo; der reaktion&auml;ren Heritage Foundation f&uuml;r Trumps zweite Amtszeit, als wichtigste Ziele von Strafz&ouml;llen genannt werden.<\/p><p>Doch um was geht es eigentlich? Denkt Trump ernsthaft, dass er mit derlei Strafz&ouml;llen die Produktion von Poloshirts zur&uuml;ck in die USA holt? Wohl kaum. Auf dem Papier geht es ohnehin nicht um Z&ouml;lle, sondern um den Abbau &bdquo;nicht-tarif&auml;rer Handelshemmnisse&ldquo;. Das sind z.B. Subventionen, Steuern und generell Gesetze und Vorschriften, die durch nationale Regulierungen internationale Produkte und Dienstleistungen &bdquo;behindern&ldquo;. Freilich misst Trump hier mit zweierlei Ma&szlig;. So sind ihm beispielsweise die Subventionen des Airbus-Konzerns EADS durch Deutschland, Frankreich und die EU ein Dorn im Auge. Dass die USA jedoch mindestens im gleichen Ma&szlig;e ihre R&uuml;stungs- und Luftfahrtindustrie subventionieren, st&ouml;rt ihn nicht.<\/p><p>Daher ist Trumps Zollpolitik auch nicht mit einem &bdquo;neuen&ldquo; Protektionismus zu verwechseln. Es geht ja explizit darum, dass andere Staaten ihre protektionistischen Ma&szlig;nahmen gegen die USA abbauen. Es mag sich paradox anh&ouml;ren, aber zumindest auf dem Papier benutzt Trump mit seinen Strafz&ouml;llen eigene protektionistische Ma&szlig;nahmen, um den Protektionismus anderer L&auml;nder in erster Konsequenz zu bestrafen und ihn in zweiter Konsequenz abzubauen. Da als Belohnung ein Absenken der spezifischen Strafz&ouml;lle im Raum steht, k&ouml;nnte man dies sogar als &ndash; wenn auch skurrile &ndash; Freihandelspolitik bezeichnen.<\/p><p>Aber um Freihandel geht es den USA in diesem Fall nat&uuml;rlich nicht, zumal sie ja selbst ihre eigenen Handelshemmnisse nicht infrage stellen. Nein, die USA wollen durch die Erpressung durch Strafz&ouml;lle direkt Einfluss auf die Politik anderer souver&auml;ner Staaten nehmen. Was Lesotho nun realistisch tun soll, um die Gnade Trumps zu erlangen, erschlie&szlig;t sich vielleicht nicht, bei der EU, China und den anderen gr&ouml;&szlig;eren Wirtschaftsr&auml;umen fielen einem da schon zahlreiche Punkte ein. Letztlich nutzt Trump also Z&ouml;lle, um andere Staaten gef&uuml;gig zu machen. Wer seinem Willen folgt, wird mit niedrigeren Z&ouml;llen belohnt, wer sich ihm widersetzt, bekommt h&ouml;here Strafz&ouml;lle aufgebrummt. Das w&auml;re Imperialismus in Reinkultur.<\/p><p>Am Ende hat das Ganze jedoch auch eine absurde Fu&szlig;note. Trumps Zollpolitik wird in den USA sowohl zu h&ouml;heren Preisen f&uuml;hren als auch US-Unternehmen im internationalen Wettbewerb behindern. Warum? Zun&auml;chst einmal sind sie selbst von den Z&ouml;llen betroffen, da diese ja auch f&uuml;r Vorprodukte anfallen, die von US-Unternehmen weiterverarbeitet und international vermarktet werden. Hinzu kommt, dass gerade die gr&ouml;&szlig;eren Wirtschaftsr&auml;ume, wie die EU und China, diese Z&ouml;lle ihrerseits mit Z&ouml;llen auf US-Importe kontern werden. Exporte, die eigentlich in die USA gehen k&ouml;nnten, werden so in andere L&auml;nder umgelenkt. Der gro&szlig;e Verlierer werden am Ende nur die USA sein. Wenn deren Wirtschaftskraft sinkt, sinken auch automatisch die Importe &ndash; die B&uuml;rger k&ouml;nnen sich dann schlicht weniger leisten. Am Ende k&ouml;nnten also die USA als Verlierer und Trump als &bdquo;Gewinner&ldquo; dastehen &ndash; hat er doch die Au&szlig;enhandelsdefizite verringert.<\/p><p><em>Leserbriefe zu diesem Beitrag <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=131664\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: White House<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/b378461cc7a04d2e8cec92f32e15e025\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer die bisherigen &Auml;u&szlig;erungen Donald Trumps zur Zollpolitik aufmerksam verfolgt hat, den d&uuml;rften auch die heute Nacht verk&uuml;ndeten neuen Zolltarife der USA im Kern nicht sonderlich &uuml;berraschen. Nun heulen Wirtschaftsliberale weltweit, Trump h&auml;tte den Freihandel beerdigt und es beginne eine neue &Auml;ra des Protektionismus. Doch das ist zumindest zum Teil Unsinn. 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