{"id":13127,"date":"2012-05-07T09:12:29","date_gmt":"2012-05-07T07:12:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13127"},"modified":"2015-02-15T11:41:38","modified_gmt":"2015-02-15T10:41:38","slug":"fdp-haushoch-drin-und-linke-dezimiert-drausen-und-keiner-kommt-auf-die-nahe-liegende-erklarung-meinungsmache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13127","title":{"rendered":"FDP haushoch drin und Linke dezimiert drau\u00dfen \u2013 und keiner kommt auf die nahe liegende Erkl\u00e4rung: Meinungsmache"},"content":{"rendered":"<p>Am Wahlabend kurz vor Mitternacht hat der Deutschlandfunk den Bonner Politologen Frank Decker interviewt. Kein Wort zu den Kampagnen und den ungleich verteilten Mitteln der Meinungsmache. Alles ist irgendwie objektiv begr&uuml;ndet. Selbst solche absurden Schwankungen wie bei der FDP. Dabei sind die Kampagnen und die Kampagnenmacher deutlich erkennbar. Wenn man die Rolle erkannt hat, die publizistische und finanzielle Macht f&uuml;r die Pr&auml;gung von Meinung und damit auch f&uuml;r die Pr&auml;gung von politischen Entscheidungen und damit auch von Wahlentscheidungen spielen, dann bleibt einem nichts r&auml;tselhaft. Von <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong><br>\n<!--more--><br>\nAls ich am 26. M&auml;rz wettete, dass die FDP in Schleswig-Holstein und\/oder Nordrhein-Westfalen wieder in den Landtag einziehen wird (Siehe hier: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12954\">&bdquo;Erg&auml;nzung zur FDP: Die totale Manipulation ist m&ouml;glich, also auch der Wiederaufstieg&ldquo;<\/a>) habe ich das ja nicht leichtfertig getan. Wolfgang Lieb und Jens Berger haben auch nicht zuf&auml;llig <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13102\">diesen Beitrag &uuml;ber die FDP<\/a> geschrieben. &ndash; Bei genauer Beobachtung kann man wissen, dass jene, die &uuml;ber viel Geld und publizistische Macht verf&uuml;gen, Meinungen umdrehen k&ouml;nnen. 5 oder 6 % der W&auml;hler zu &uuml;berreden, dass es sinnvoll ist, die FDP zu w&auml;hlen, obwohl sie eigentlich tot ist, ist kein Kunstst&uuml;ck. Man hat das Geld f&uuml;r Plakate, man pr&auml;sentiert neue Gesichter wie Kubicki und Lindner. Man hat die Unterst&uuml;tzung gro&szlig;er Medien wie im Falle NRWs jene des K&ouml;lner Stadtanzeigers. Man, im konkreten Fall die Strategen hinter der FDP, k&ouml;nnen mit Recht darauf hoffen, dass die &ouml;ffentlich-rechtlichen Sender &uuml;ber die FDP berichten, als w&auml;re es eine gro&szlig;e Volkspartei, sie k&ouml;nnen darauf hoffen, dass anders als etwa bei der Linkspartei die Schw&auml;chen der FDP, ihre Entbehrlichkeit, die bei ihr g&auml;ngige politische Korruption und die Dummheit mancher ihrer Repr&auml;sentanten nicht zur Sprache kommen. Das ist alles so machbar. Die totale Manipulation ist hier betrieben worden. <\/p><p>&bdquo;Meinungsmache&ldquo; ist deshalb das wichtigste Suchraster f&uuml;r treffende Analysen. Nur wenn Sie bei solchen Vorg&auml;ngen wie den gestrigen Wahlen pr&uuml;fen, welche Rolle die Kampagnen der Meinungsmache gespielt haben, werden Sie in der Regel f&uuml;ndig, nicht in allen 100 % der erkl&auml;rungsbed&uuml;rftigen F&auml;lle, aber bei ca. 80 % schon. Deshalb ist der Ansatzpunkt der NachDenkSeiten so richtig, deshalb nannte ein Leser meines Buches <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?page_id=4078\">&bdquo;Meinungsmache&ldquo;<\/a> dieses einen &bdquo;Augen&ouml;ffner&ldquo;. Die dort 2009 beschriebenen Dutzenden von F&auml;llen der gezielten, manipulierenden Irref&uuml;hrung k&ouml;nnte ich inzwischen um noch ein paar Dutzend erg&auml;nzen.<\/p><p>Meinungsmache spielt auch eine zentrale Rolle bei der Entwicklung und Bewertung der Strategie von SPD (und Gr&uuml;nen). Da darf es kein klares Profil wie etwa bei Holland in Frankreich geben, da wird sorgf&auml;ltig darauf geachtet, dass man auf die Fortsetzung der Agendapolitik setzt und sich damit letztlich nicht mehr &ndash; von kleinen Details abgesehen &ndash; von Frau Merkel und Herrn Sch&auml;uble und Herrn Br&uuml;derle unterscheidet. Und dann wundern sich die SPD-Genossen, dass die anderen immer noch die Nase vorn haben.<\/p><p>Klar, dass die angepassten Parteien bei ihren Wahlanalysen nicht auf die Idee kommen, sie k&ouml;nnten Opfer von Meinungsmache-Kampagnen geworden sein. Dann m&uuml;sste man ja die armen Journalisten kritisieren. Das darf man nicht, weil man sonst abgestraft wird. Am gestrigen Wahlabend konnte man erleben, dass sogar der Vorsitzende der Linken inzwischen den Niedergang seiner Partei nicht mehr als Ergebnis einer systematisch betriebenen Kampagne versteht, sondern so analysiert wie es die Meinungsmacher w&uuml;nschen: Die Linke hat verloren, weil sie zerstritten ist. Anders als manch andere sch&auml;tze ich ja Klaus Ernst und finde, dass er unter widrigen Umst&auml;nden einen vern&uuml;nftigen Job macht. Deshalb finde ich es schade, dass er jetzt die g&auml;ngige Analyse &uuml;bernimmt, statt den noch verbliebenen Anh&auml;ngern der Linken den Wahlverlust ehrlich zu erkl&auml;ren. Au&szlig;erdem: Innerparteiliche Debatten und einen gewissen Streit an der Spitze wird es wie bei jeder Partei auch bei der Linken immer geben. Wenn man also den innerparteilichen Streit als Ursache des Niedergangs kennzeichnet, dann l&auml;dt man geradezu dazu ein, mit diesem Hinweis k&uuml;nftig immer getrieben und geschlagen zu werden.<\/p><p>Kampagnen der Meinungsmache &uuml;ber all. Und clever geplant. Und strategisch langfristig angelegt. Dazu ein Beispiel aus den Analysen und Kommentaren des Ergebnisses der franz&ouml;sischen Pr&auml;sidentenwahl. Dazu meldete SpiegelOnline gestern um 20:40 Uhr:<\/p><blockquote><p>06. Mai 2012, 20:40 Uhr<br>\n<strong><a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/praesident-fran-ois-hollande-muss-frankreich-enttaeuschen-a-831633-druck.html\">Hollande siegt &uuml;ber Sarkozy<br>\nDer Pr&auml;sident, der Frankreich entt&auml;uschen muss<\/a><\/strong><br>\nEine Analyse von Mathieu von Rohr, Tulle<br>\nDer Favorit hat gesiegt: Fran&ccedil;ois Hollande ist neuer franz&ouml;sischer Pr&auml;sident. Die W&auml;hler haben den Sozialisten mit rund 52 Prozent ins Amt gew&auml;hlt &ndash; doch er wird viele Anh&auml;nger bitter entt&auml;uschen m&uuml;ssen. Pr&auml;sident Hollande hat einen der schwierigsten Jobs der Welt gewonnen. &hellip;<\/p><\/blockquote><p>Um 1:37 Uhr des 7. Mai war das immer noch der Aufmacher von Spiegel online. Klar, die Botschaft ist auch wichtig, also l&auml;sst man sie lange an der Spitze. Die &Uuml;berschrift soll vermitteln, dass die Positionen des neuen franz&ouml;sischen Pr&auml;sidenten sachlich fragw&uuml;rdig sind und ihn die Realit&auml;t einholen wird. Das liegt auf der Linie, die vorher bei Spiegel online\/Managermagazin schon <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/0,1518,druck-829751,00.html\">von Wolfgang Kaden intoniert<\/a> worden ist: Zu Merkels Sparkurs gibt es eigentlich keine Alternative usw. &ndash; Fairerweise kann man anmerken, dass der Text des zitierten Artikels von Mathieu von Rohr differenzierter ist als die &Uuml;berschrift. Aber die &Uuml;berschrift eines Artikels bei Spiegel Online pr&auml;gt nach aller Erfahrung mehr noch als der Text die Meinung anderer Journalisten.<\/p><p>Zum Abschluss des auf den NachDenkSeiten durchaus nicht neuen Themas Meinungsmache  will ich noch einmal anmerken: Es ist nicht unsere Schuld, dass Meinungsmache in dem skizzierten Ma&szlig;e m&ouml;glich ist. Wir haben nicht zu verantworten, was wir analysieren: dass heute die totale Gleichschaltung der Meinung m&ouml;glich ist. Sie k&ouml;nnen heute zum Beispiel in deutschen Tageszeitungen und in den Sendungen unserer Fernseh- und H&ouml;rfunk-Sender kein anderes Wort als &bdquo;Schuldenkrise&ldquo; oder &bdquo;Staatsschuldenkrise&ldquo; f&uuml;r die Kennzeichnung der von der Finanzwirtschaft verursachten Krise lesen oder h&ouml;ren. So total ist die Manipulation verankert. &ndash; Und Sie werden jetzt in der weiteren Zeit auch nichts anderes mehr &uuml;ber die Linke h&ouml;ren, als die vom zitierten Bonner Professor Decker intonierte Linie: &sbquo;Die Linke kann sich in den westdeutschen L&auml;ndern nicht verankern. Sie bleibt eine ostdeutsche Regionalpartei.&rsquo; Das ist die vereinbarte Botschaft. Die wird in der n&auml;chsten Zeit propagiert. Genauso wie die Botschaft, dass die FDP wieder da ist, dass ihr Problem nur der Vorsitzende R&ouml;&szlig;ler ist, dass man selbstverst&auml;ndlich mit der FDP kommunal, landespolitisch und bundespolitisch koalieren darf. Mit korrupten Parteien kann man koalieren, weil wir alle korrupt sind. Das ist der Konsens im Hintergrund.<\/p><p>In diesem Kontext von Interesse ist auch noch die Beobachtung, dass die gesamte politische Wissenschaft, die in den Medien zur Sprache kommt, zur kritischen Analyse des Geschehens unwillig und unf&auml;hig ist. Der genannte Professor Decker steht nur als Synonym f&uuml;r seinen Beruf insgesamt. Die meinungsf&uuml;hrende politische Wissenschaft wird ihrer Hauptaufgabe, das politische Geschehen aufkl&auml;rend zu beschreiben und kritisch zu hinterfragen, nicht gerecht. Ein interessantes Ph&auml;nomen. Man sollte sich immer dessen bewusst sein, damit man zumindest abschaltet, wenn einer dieser Professoren seine Stimme erhebt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Wahlabend kurz vor Mitternacht hat der Deutschlandfunk den Bonner Politologen Frank Decker interviewt. Kein Wort zu den Kampagnen und den ungleich verteilten Mitteln der Meinungsmache. Alles ist irgendwie objektiv begr&uuml;ndet. Selbst solche absurden Schwankungen wie bei der FDP. Dabei sind die Kampagnen und die Kampagnenmacher deutlich erkennbar. 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