{"id":13131,"date":"2012-05-07T17:36:05","date_gmt":"2012-05-07T15:36:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13131"},"modified":"2015-02-15T11:44:32","modified_gmt":"2015-02-15T10:44:32","slug":"studie-uber-bild-vom-guten-zum-bosen-wulff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13131","title":{"rendered":"Studie \u00fcber BILD &#8211; Vom guten zum b\u00f6sen Wulff"},"content":{"rendered":"<p>Unter dem Titel <a href=\"http:\/\/www.otto-brenner-stiftung.de\/otto-brenner-stiftung\/aktuelles\/bild-und-wulff-ziemlich-beste-partner.html\">&bdquo;BILD und Wulff &ndash; ziemlich beste Partner&ldquo;<\/a> ist heute die j&uuml;ngste Fallstudie der Otto Brenner Stiftung (OBS) erschienen. Der Medienwissenschaftler Hans-J&uuml;rgen Arlt und der Publizist Wolfgang Storz haben in akribischer Kleinarbeit die letzten f&uuml;nf Jahre der BILD-Berichterstattung &uuml;ber Christian Wulff ausgewertet. Ihre Studie k&ouml;nnte endlich eine Antwort auf die h&auml;ufig gestellte Frage geben, warum die BILD-Zeitung ihren ehemaligen Darling wie eine hei&szlig;e Kartoffel fallengelassen hat. Das Timing der Ver&ouml;ffentlichung k&ouml;nnte kaum besser sein. Am Donnerstag entscheidet die Jury des Henri-Nannen-Preises &uuml;ber die diesj&auml;hrigen Auszeichnungen. Zu den <a href=\"http:\/\/www.henri-nannen-preis.de\/presse_2012.php?id=89\">Nominierten<\/a> geh&ouml;rt ausgerechnet die Wulff-Berichterstattung der BILD. Von <strong>Jens Berger<\/strong><br>\n<!--more--><br>\nDer 12. Dezember 2011 markiert eine Z&auml;sur in der deutschen Mediengeschichte. W&auml;hrend die BILD an diesem Tag in ihrer Printausgabe noch eine r&uuml;hrselige PR-Geschichte &uuml;ber den Emirate-Besuch des Bundespr&auml;sidenten samt &bdquo;bezaubernder Gattin&ldquo; publizierte, ver&ouml;ffentlicht BILD.de um 22:02 vorab den Artikel <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/politik\/inland\/christian-wulff\/wirbel-um-privat-kredit-ueber-halbe-million-euro-21531308.bild.html\">&bdquo;Wirbel um Privat-Kredit &ndash; Hat Wulff das Parlament get&auml;uscht?&ldquo;<\/a>, der auch die in der n&auml;chsten Printausgabe erscheinen sollte. Kurz zuvor sprach Christian Wulff die Worte auf den Anrufbeantworter des BILD-Chefredakteures Kai Diekmann, die ihm wenige Tage sp&auml;ter das Genick brechen sollten. Das Gros der Medien wertete diesen Anruf als &bdquo;Angriff auf die Pressefreiheit&ldquo; und pr&auml;sentierte die BILD-Zeitung als Leuchtfeuer des investigativen Journalismus &ndash; ein Bild, das sich ganz ausgezeichnet in die fortw&auml;hrende Imagekampagne der BILD-Zeitung einreiht. BILD will als journalistisches Medium wahrgenommen werden und erh&auml;lt dabei bestm&ouml;gliche Sch&uuml;tzenhilfe von der Konkurrenz. Auch dies war einer der Nebeneffekte der Wulff-Aff&auml;re.<\/p><p>Die Z&auml;sur in der Wulff-Berichterstattung der BILD verdient es, n&auml;her betrachtet zu werden. Welche Motive hatte das Boulevardblatt seinen Liebling der kl&auml;ffenden Meute ans Messer zu liefern? Auf diese Frage haben die OBS-Autoren Arlt und Storz eine unkonventionelle, aber keinesfalls unplausible Erkl&auml;rung: BILD musste sich an die Spitze der Wulff-Aufkl&auml;rer stellen, um nicht selbst durch die Wulff-Aff&auml;re besch&auml;digt zu werden &ndash; Journalismus aus Notwehr. Die BILD wusste offensichtlich schon l&auml;ngere Zeit sehr gut &uuml;ber Wulffs Verfehlungen bescheid. Am 12. Dezember 2011 wusste die BILD jedoch, dass nun auch der SPIEGEL und der Stern in Sachen Hauskredit aktiv wurden und kurz vor einer Ver&ouml;ffentlichung standen. Wenn die BILD die Berichterstattung in diesem Moment nicht selbst in die Hand genommen h&auml;tte, w&auml;re sie wom&ouml;glich selbst ein Opfer der Aff&auml;re geworden.<\/p><p>Bis zu diesem Dezemberabend gab es wohl keine Medienpartnerschaft, die so innig war, wie die Beziehung von Christian Wulff zur BILD. Wer sich die zahlreichen Beispiele, die in der OBS-Studie aufgef&uuml;hrt sind, zu Gem&uuml;te f&uuml;hrt, muss zu dem Ergebnis kommen, dass die BILD kein journalistisches Erzeugnis, sondern ein PR-Organ in Wulffs &ndash; und in eigener &ndash; Sache ist. Die Berichte &uuml;ber Christian und Bettina Wulff bewegten sich in der &bdquo;Vor-Aff&auml;ren-Zeit&ldquo; stets hart am Rande des Kitschs. Er, der Traumpolitiker, der m&uuml;helos Integrit&auml;t, christliche Ma&szlig;st&auml;be und politisches Raffinement vereint, und sie, die First-Lady, die stets stilsicher auftritt, sch&ouml;n anzuschauen und dabei doch &bdquo;eine von uns&ldquo; ist. Das Wulff-Bild der BILD schwankte dabei stets zwischen Society-Kitsch und Homestory &ndash; mal wurden die Wulffs als Repr&auml;sentanten auf Augenh&ouml;he zu den europ&auml;ischen K&ouml;nigsh&auml;usern verg&ouml;ttert, mal wurden sie als &bdquo;ganz normale&ldquo; B&uuml;rger dargestellt, die bei Karstadt auch mal in der Schlange stehen. <\/p><p>Freilich beruhte die Partnerschaft zwischen BILD und Wulff auf zwei Seiten. W&auml;hrend Christian Wulff die devot-verherrlichende Berichterstattung zu sch&auml;tzen wusste, steckte er der BILD regelm&auml;&szlig;ig exklusive Informationen, mit denen BILD die Geschichte vom &bdquo;guten Wulff&ldquo; erz&auml;hlen konnte. Die BILD wurde so zum exklusiven Medienpartner der Familie Wulff.  Pikant an der Sache ist vor allem, dass die Nebendarsteller der sp&auml;teren Wulff-Aff&auml;re auch allesamt in der BILD-Geschichte vom &bdquo;guten Wulff&ldquo; auftauchen. Da stellt sich nat&uuml;rlich die Frage, ob die BILD nichts von den Unregelm&auml;&szlig;igkeiten bei Wulffs Umgang mit den Herren Geerkens, Maschmeyer, Schmidt und Groenewold gewusst hat, ob sie nichts wissen wollte oder ob sie zwar alles gewusst, aber nie etwas dar&uuml;ber geschrieben hat. Wie man es auch dreht und wendet, unter journalistischen Aspekten wirft dies ein d&uuml;steres Bild auf die BILD.<\/p><p>Als BILD ahnte, dass ihr Partner nicht mehr haltbar ist, vollzog sie den Schwenk in eigener Sache und stellte sich selbst an die Spitze der Aufkl&auml;rer in der Wulff-Aff&auml;re. Dabei vermied es die BILD bei ihrer Vorw&auml;rtsverteidigung jedoch, sich selbst zum Ankl&auml;ger im Namen des Volkes aufzuschwingen, wie sie es ansonsten gerne macht. Stattdessen lie&szlig; man den Kollegen der anderen Bl&auml;tter dosierte Insiderinformationen zukommen und berichtete dann (&bdquo;Wirbel um Wulff&ldquo;) &uuml;ber die Vorw&uuml;rfe der anderen Zeitungen und Zeitschriften. Die wiederum nannten stets brav die Quelle und verhalfen der BILD dabei zum Nimbus des investigativen Journalismus in der Wulff-Aff&auml;re. Vor allem der SPIEGEL und die FAZ lie&szlig;en sich dabei als willf&auml;hrige BILD-Helfer nur allzu gerne vor den Karren spannen.<\/p><p>Erst als klar war, dass die BILD die Wulff-Aff&auml;re nicht nur schadlos, sondern sogar als eigentlicher Sieger &uuml;berstanden hatte, ging man bei Springer von inszenierter Distanziertheit (&bdquo;Wirbel um Wulff&ldquo;) zur Attacke &uuml;ber. Pl&ouml;tzlich war der ehemalige hoch integre Traumpolitiker der Inbegriff der Selbstbedienungsmentalit&auml;t. Aus dem guten wurde der b&ouml;se Wulff und BILD ernannte sich selbst &ndash; ganz in der Tradition des Blattes &ndash;  zum Scharfrichter im Namen des Volkes. Die &uuml;brigen Medien machte gute Miene zum b&ouml;sen Spiel. Wer tags zuvor die BILD noch als investigatives Medium gelobt und als Leuchtturm der Pressefreiheit verteidigt hat, konnte freilich nicht mehr tags drauf seine Leser daran erinnern, dass die BILD &uuml;ber Jahre hinweg eine &auml;u&szlig;erst profitable Gesch&auml;ftspartnerschaft zur Familie Wulff und deren Umfeld pflegte.<\/p><p>Somit ist die Aff&auml;re Wulff auch eine Geschichte &uuml;ber den Niedergang des Journalismus. Dass die <a href=\"http:\/\/www.henri-nannen-preis.de\/hauptjury.php\">Jury<\/a> des angesehen Henri-Nannen-Preises nun ausgerechnet die BILD-Berichterstattung zur Wulff-Aff&auml;re f&uuml;r preisw&uuml;rdig h&auml;lt, ist eine Bankrotterkl&auml;rung des Journalismus. Wenn der BILD am Freitag tats&auml;chlich der Nannen-Preis verliehen wird, sollte jeder Preistr&auml;ger, der auch nur einen Hauch von Berufsethos hat, seinen Preis zur&uuml;ckgeben.<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/30139b31afb94b31bea4edae7c1d6f08\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter dem Titel <a href=\"http:\/\/www.otto-brenner-stiftung.de\/otto-brenner-stiftung\/aktuelles\/bild-und-wulff-ziemlich-beste-partner.html\">&bdquo;BILD und Wulff &ndash; ziemlich beste Partner&ldquo;<\/a> ist heute die j&uuml;ngste Fallstudie der Otto Brenner Stiftung (OBS) erschienen. Der Medienwissenschaftler Hans-J&uuml;rgen Arlt und der Publizist Wolfgang Storz haben in akribischer Kleinarbeit die letzten f&uuml;nf Jahre der BILD-Berichterstattung &uuml;ber Christian Wulff ausgewertet. 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