{"id":13158,"date":"2012-05-08T12:40:10","date_gmt":"2012-05-08T10:40:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13158"},"modified":"2015-02-15T11:51:13","modified_gmt":"2015-02-15T10:51:13","slug":"die-angst-der-eliten-vor-dem-volk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13158","title":{"rendered":"Die Angst der Eliten vor dem Volk"},"content":{"rendered":"<p>Wie eigentlich kaum anders zu erwarten, hat das Gros der deutschen Medien mit hysterischer Schnappatmung auf den Linksrutsch in Frankreich und Griechenland reagiert. Anstatt das Votum des Volkes zu akzeptieren und zu respektieren, verweist die deutsche Presselandschaft lieber mit gespielter Distanziertheit auf die vermeintliche Reaktion der Finanzm&auml;rkte und prophezeit der Eurozone eine &bdquo;Vertrauenskrise&ldquo;. Freilich ist dabei nicht das Vertrauen der B&uuml;rger, sondern das Vertrauen der Finanzspekulanten gemeint. Die B&uuml;rger vertrauen n&auml;mlich l&auml;ngst nicht mehr darauf, dass die Politik ihre Interessen vertritt. Da stellt sich unweigerlich die Frage, ob Medien, die ganz offen die Interessen der Eliten und der Finanzlobby &uuml;ber die Interessen des Volkes stellen, &uuml;berhaupt noch der freiheitlich demokratischen Grundordnung entsprechen. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nWer die Berichterstattung der Mainstream-Medien verfolgt, muss unweigerlich zu dem Schluss kommen, dass die Reaktionen der Finanzm&auml;rkte als objektiver Gradmesser f&uuml;r die Wahlergebnisse in Frankreich und Griechenland herangezogen werden k&ouml;nnen. Die S&uuml;ddeutsche Zeitung interpretiert den Kursr&uuml;ckgang des Euros zum Dollar in H&ouml;he von einem Cent als &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/hollande-griechenland-und-die-vertrauenskrise-wir-stehen-vor-einer-grossen-krise-in-europa-1.1350759\">R&uuml;ckkehr der Furcht<\/a>&ldquo; und macht eine &bdquo;Vertrauenskrise&ldquo; aus. Dies ist eine eigenwillige Interpretation, wenn man bedankt, dass der Euro bei seiner Einf&uuml;hrung mehr als 40 Cent unter dem heutigen &bdquo;Furchtkurs&ldquo; bewertet wurde. Der einst stolze SPIEGEL beklagt &uuml;ber sein Onlineportal &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/unternehmen\/dax-startet-tief-im-minus-nach-wahlen-a-831700.html\">die Unsicherheit nach den Wahlen in Frankreich und Griechenland<\/a>&ldquo; und  die &bdquo;Furcht vor einem lang anhaltenden politischen Chaos&ldquo;. Im gleichen pessimistischen Grundton orakelt die WELT, dass &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.welt.de\/finanzen\/article106266310\/Franzosen-und-Griechen-veraengstigen-Dax-Anleger.html\">die Wahlergebnisse in Frankreich und Griechenland die Angst der Anleger vor einem Ende der Sparpolitik [sch&uuml;ren w&uuml;rden]<\/a>&ldquo;. Wie kaum anders zu erwarten sorgt sich auch die BILD um &bdquo;unsere Ersparnisse&ldquo;, die durch die Wahlen, bei denen &bdquo;Chaos &uuml;ber Vernunft [siegte]&ldquo; nun mehr denn je gef&auml;hrdet sind.  <\/p><p>All dies erinnert in seiner manipulativen Meinungsmache an das ironische Plakat des K&uuml;nstlers Klaus Staeck, der die W&auml;hler 1972 warnte: <\/p><blockquote><p><em><strong>&bdquo;Deutsche Arbeiter! Die SPD will euch eure Villen im Tessin wegnehmen&ldquo;.<\/strong><\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/120408_deutsche_arbeiter.jpg\" alt=\"\"><\/p>\n<p><em>Satirisches Plakat zu den Bundestagswahlen von 1972.<\/em><br>\n<em>Klaus Staeck<\/em><br>\n<em>Bundesrepublik Deutschland, 1972<\/em><br>\n<em>Druck<\/em><br>\n<em>83,2 x 58 cm<\/em><br>\n<em>Haus der Geschichte, Bonn<\/em><br>\n<em>EB-Nr.: 1988\/2\/113.0035<\/em><\/p>\n<p><em><a href=\"http:\/\/www.hdg.de\/lemo\/objekte\/pict\/KontinuitaetUndWandel_plakatStaeckTessin\/index.html\">&copy; Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland<\/a><\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Bebildert sind diese Artikel mit tr&uuml;b dreinblickenden Aktienh&auml;ndlern und d&uuml;steren Agenturbildern der Akropolis. Die Botschaft ist klar: Wenn das Volk sich in Wahlen gegen die Statthalter der marktradikalen Ideologie ausspricht, droht dem ganzen Kontinent ein Unheil, das auch nicht vor der T&uuml;rschwelle des deutschen Lesers haltmacht. <\/p><p>Sieht so eine Berichterstattung aus, die das Volk als Souver&auml;n respektiert? Wohl kaum. So sieht vielmehr eine Berichterstattung aus, die die Interessen der Finanzm&auml;rkte als Souver&auml;n respektiert und akzeptiert. Angela Merkels Leitbild der &bdquo;marktkonformen Demokratie&ldquo; wurde mittlerweile kritiklos von den Medien &uuml;bernommen. Jede Art von Politik, die &bdquo;die M&auml;rkte verunsichern&ldquo; k&ouml;nnte, wird verteufelt, Kritik an der neoliberalen Agenda ist unerw&uuml;nscht. <\/p><p>Der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Paul_Sethe%20%20schrieb%20im%20Jahre%201965\">Publizist Paul Sethe<\/a>: <\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Pressefreiheit ist die Freiheit von 200 reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten&ldquo;.<\/em><\/p><\/blockquote><p> Daran hat sich bis heute offenbar nichts ge&auml;ndert. Anstatt den W&auml;hlerwillen der Franzosen und Griechen zu respektieren, f&uuml;hrt man lieber &bdquo;die Finanzm&auml;rkte&ldquo; als vermeintlich objektiven Schiedsrichter &uuml;ber den W&auml;hlerwillen ins Feld. Was im Interesse der Allgemeinheit ist, muss jedoch keineswegs auch im Interesse der Finanzm&auml;rkte sein. Im Gegenteil, will sich unsere Gesellschaft aus dem W&uuml;rgegriff der Finanzm&auml;rkte befreien, muss sie logischerweise gegen deren Interessen handeln. <\/p><p>Kann es jedoch auch sein, dass der Terminus &bdquo;Finanzm&auml;rkte&ldquo; in diesem Kontext nur ein Synonym f&uuml;r die Meinung der &bdquo;200 reichen Leute&ldquo;, die &bdquo;Eliten&ldquo;, ist, die Sethe anf&uuml;hrt? Es ist verst&auml;ndlich, dass diese &bdquo;Eliten&ldquo; kein Interesse an einer h&ouml;heren Besteuerung der Spitzeneinkommen haben, wie sie Hollande in seinem Wahlprogramm verspricht. Es ist auch verst&auml;ndlich, dass diese &bdquo;Eliten&ldquo; die Umverteilung von Steuergeldern in ihre Taschen, die mit den angeblichen &bdquo;Eurorettungsprogrammen&ldquo; garantiert werden, nicht durch eine griechische Regierung gef&auml;hrdet sehen wollen, die sich diesem Irrsinn widersetzt. Ja, es ist sogar verst&auml;ndlich, dass diese &bdquo;Eliten&ldquo; jeder Form von linker Politik, die sich gegen ihre Interessen stellt, ablehnt. <\/p><p>Wer in Deutschland linke Politik betreibt, wird von den Medien wahlweise ignoriert oder bek&auml;mpft. Ohne die massive Meinungsmache der Medien w&auml;re die vorherrschende Politik, die sich gegen die Interessen des Volkes wendet und nur die Interessen der &bdquo;Eliten&ldquo; bedient, wohl gar nicht m&ouml;glich. Die beiden gro&szlig;en Philosophen Bert Brecht und Edmund Stoiber erkannten, dass &bdquo;nur die d&uuml;mmsten K&auml;lber ihre Metzger selber [w&auml;hlen]&ldquo;. Seien wir doch froh, dass die franz&ouml;sischen und griechischen K&auml;lber nicht ganz so dumm sind wie ihre deutschen Artgenossen. Seien wir vor allem froh, dass unsere glorreichen Druckerzeugnisse im Ausland nicht gelesen werden und ihre manipulative Wirkung trotz Schengen an der Landesgrenze haltmacht.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/c98a520fcb5747059037fe8f8cce3e1a\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie eigentlich kaum anders zu erwarten, hat das Gros der deutschen Medien mit hysterischer Schnappatmung auf den Linksrutsch in Frankreich und Griechenland reagiert. Anstatt das Votum des Volkes zu akzeptieren und zu respektieren, verweist die deutsche Presselandschaft lieber mit gespielter Distanziertheit auf die vermeintliche Reaktion der Finanzm&auml;rkte und prophezeit der Eurozone eine &bdquo;Vertrauenskrise&ldquo;. Freilich ist<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13158\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[126,123,190],"tags":[374,283,1043,1555],"class_list":["post-13158","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-erosion-der-demokratie","category-kampagnentarnworteneusprech","category-wahlen","tag-eliten","tag-finanzmaerkte","tag-frankreich","tag-griechenland"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13158","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=13158"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13158\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13160,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13158\/revisions\/13160"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=13158"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=13158"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=13158"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}