{"id":131594,"date":"2025-04-14T09:00:21","date_gmt":"2025-04-14T07:00:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=131594"},"modified":"2025-04-14T16:36:52","modified_gmt":"2025-04-14T14:36:52","slug":"selbst-adaptive-ki-gestuetzte-lernsysteme-so-geht-schwarz-rote-bildung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=131594","title":{"rendered":"\u201eSelbst-adaptive, KI-gest\u00fctzte Lernsysteme\u201c \u2013 So geht schwarz-rote Bildung!"},"content":{"rendered":"<p>F&uuml;r Union und SPD sind Forschung und Innovation der &bdquo;Schl&uuml;ssel f&uuml;r die Zukunft&ldquo;. Gro&szlig; raus kommt in ihrem Koalitionsvertrag vor allem &bdquo;Hightech&ldquo;, von KI, &uuml;ber Raumfahrt bis hin zum &bdquo;Hyperloop&ldquo;. F&uuml;r den Griff nach den Sternen pimpt man eigens ein Ministerium auf und schiebt &bdquo;Bildung&ldquo; ab &ndash; ins Familienressort. Ins Bild passt auch die kommende Hausherrin: Die vision&auml;re &bdquo;Doro&ldquo; aus Bayern, bereit zum Schuss auf den Mond, mit Flugtaxi der Marke Pleitegeier. Den maroden Schulen und Unis bl&uuml;hen Milliarden aus dem Schuldentopf und das altbekannte Herumdoktern an Symptomen. Nat&uuml;rlich kommt auch Big Brother auf seine Kosten. Von <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_296\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-131594-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250414_Selbst_adaptive_KI_gestuetzte_Lernsysteme_So_geht_schwarz_rote_Bildung_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250414_Selbst_adaptive_KI_gestuetzte_Lernsysteme_So_geht_schwarz_rote_Bildung_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250414_Selbst_adaptive_KI_gestuetzte_Lernsysteme_So_geht_schwarz_rote_Bildung_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250414_Selbst_adaptive_KI_gestuetzte_Lernsysteme_So_geht_schwarz_rote_Bildung_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=131594-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250414_Selbst_adaptive_KI_gestuetzte_Lernsysteme_So_geht_schwarz_rote_Bildung_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250414_Selbst_adaptive_KI_gestuetzte_Lernsysteme_So_geht_schwarz_rote_Bildung_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Union und SPD &bdquo;wollen Deutschland fit machen und Bildung, Forschung und Innovation einen gr&ouml;&szlig;eren Stellenwert in unserem Land geben&ldquo;. So steht es im <a href=\"https:\/\/www.spd.de\/fileadmin\/Dokumente\/Koalitionsvertrag_2025.pdf\">Koalitionsvertrag<\/a> der ziemlich sicher kommenden Regierungsparteien. Inhalts- bis wortgleiche Bekenntnisse hatten davor schon etliche Regierungsb&uuml;ndnisse abgegeben, mehrmals auch solche in schwarz-roter Zusammensetzung. Umgesetzt wurde von den hehren Vors&auml;tzen stets eher wenig bis gar nichts. Aufbruch f&uuml;r und durch Bildung zu beschw&ouml;ren, ist seit Jahrzehnten ein Renner bei Sonntagsreden. Aber montags drauf ist der Eifer wie auf Knopfdruck erlahmt.<\/p><p>Geht es nach dem Muster weiter? Abwarten und den Protagonisten auch diesmal eine Chance geben. Das geb&uuml;hrt die Fairness. Knapp zehn Seiten umfasst das zugeh&ouml;rige Kapitel im Vertragsentwurf, der noch von den Parteigremien zu beschlie&szlig;en ist, bei der SPD per Mitgliederentscheid. Dass die Partei bei der Besetzung des Bildungs- und Forschungsministeriums absehbar nicht zum Zuge kommen wird, d&uuml;rfte die Genossen schmerzen, aber gewiss nicht zur Ablehnung des &bdquo;Gesamtkunstwerks&ldquo; verleiten.<\/p><p>Denn das immerhin wird anders bei der neuen, alten GroKo: Das Bundesministerium f&uuml;r Bildung und Forschung (BMBF) hat nach 27 Jahren ausgedient und wird zum &bdquo;Ministerium f&uuml;r Forschung, Technologie und Raumfahrt&ldquo; aufgepimpt. Und wo bleibt die &bdquo;Bildung&ldquo;? Die soll ins Familienressort umziehen, das k&uuml;nftig unter dem Namen &bdquo;Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend&ldquo; firmieren wird. Noch nicht ganz klar ist, wo die &bdquo;Hochschulen&ldquo; landen werden, und Kritiker wie der Deutsche Hochschulverband (DHV) melden sich bereits zu Wort, die vor einer Trennung von Forschung und Lehre warnen. &bdquo;Sie sind gerade f&uuml;r Universit&auml;ten konstitutiv und damit zwei Seiten einer Medaille&ldquo;, meint Pr&auml;sident Lambert Koch und sieht die Gefahr von <a href=\"https:\/\/www.hochschulverband.de\/aktuelles-termine\/koch-schwarz-rot-muss-sich-an-kuenftigen-taten-messen-lassen\">&bdquo;Reibungsverlusten und Prozessverl&auml;ngerungen&ldquo;<\/a>.<\/p><p><strong>Hauptsache &bdquo;innovativ&ldquo;<\/strong><\/p><p>Aber vielleicht ist der Verbandschef nur schlecht informiert. Jedenfalls hat der Wissenschaftsjournalist Jan-Martin Wiarda aus &bdquo;Verhandlerkreisen&ldquo; aufgeschnappt, <a href=\"https:\/\/www.jmwiarda.de\/2025\/04\/09\/ist-das-der-ruck\/\">&bdquo;dass die Hochschulen als Ganzes im Forschungsministerium angesiedelt bleiben sollen&ldquo;<\/a>. Was wiederum hie&szlig;e, die Belange der Alma Mater, speziell auch die von Studierenden, h&auml;tten k&uuml;nftig nichts mehr mit &bdquo;Bildung&ldquo; zu tun. Wo doch die Politik so gerne von &bdquo;lebenslangem Lernen&ldquo; palavert und davon, die &bdquo;ganze Bildungskette&ldquo; im Blick zu haben, von Kitas &uuml;ber Schulen, berufliche Ausbildung, Weiterbildung bis zu h&ouml;herer Bildung. Jetzt schickt man sich an, die Kette, zumindest verwaltungstechnisch, aufzubrechen und die Glieder auf zwei H&auml;user zu verteilen. Das kann man gewagt nennen. Oder ist es einfach nur innovativ?<\/p><p>So jedenfalls wird man die Sache verkaufen. Schlie&szlig;lich ist &bdquo;Innovation&ldquo; ein zentraler Leitbegriff der Koalition&auml;re in spe. Unter dem Druck der Wirtschaftsflaute, der R&uuml;ckst&auml;ndigkeit in wichtigen Technologiefeldern und einer auf Handelskrieg erpichten US-Regierung muss sich die Republik &bdquo;umfassend erneuern&ldquo;, lautet die Erz&auml;hlung. Dabei baut man auf m&ouml;glichst entfesselte Unternehmen und die F&ouml;rderung von Wissenschaftlern und Talenten, die man im Rahmen eines &bdquo;1.000-K&ouml;pfe-Programms&ldquo; auch und vor allem aus den USA abwerben m&ouml;chte. &bdquo;In unsicheren Zeiten soll Deutschland zum sicheren Hafen f&uuml;r Forscherinnen und Forscher, Investoren und Unternehmerinnen und Unternehmer aus aller Welt werden&ldquo;, hei&szlig;t es dazu in der Pr&auml;ambel des Koalitionsvertrags.<\/p><p><strong>Rohrpost f&uuml;r Menschen<\/strong><\/p><p>F&uuml;r all das braucht es dann eben auch ein voll auf &bdquo;Innovation&ldquo; geeichtes &bdquo;Forschungsministerium&ldquo;. Aus dem heraus sollen im Rahmen einer &bdquo;Hightech-Agenda f&uuml;r Deutschland&ldquo; insbesondere die als &bdquo;Schl&uuml;sseltechnologien&ldquo; identifizierten Bereiche &bdquo;K&uuml;nstliche Intelligenz&ldquo;, &bdquo;Quantentechnologie&ldquo;, &bdquo;Mikroelektronik&ldquo;, &bdquo;Biotechnologie&ldquo;, &bdquo;klimaneutrale Energieerzeugung&ldquo; und &bdquo;klimaneutrale Mobilit&auml;t&ldquo; gef&ouml;rdert werden. Dazu kommen selbstverst&auml;ndlich noch &bdquo;Sicherheits- und Verteidigungsforschung sowie Dual-Use&ldquo;. Zitat: &bdquo;Wir (&hellip;) schaffen &bdquo;eine F&ouml;rderkulisse f&uuml;r Sicherheits- und Verteidigungsforschung einschlie&szlig;lich Cybersicherheit und sicherer Infrastrukturen, um Kooperationen von Hochschulen und au&szlig;eruniversit&auml;rer Forschung mit Bundeswehr und Unternehmen gezielter zu erm&ouml;glichen&ldquo;.<\/p><p>Mit einer &bdquo;Offensive f&uuml;r Luft- und Raumfahrt&ldquo; bringe man ferner &bdquo;Spitzenforschung und Kommerzialisierung erfolgreich zusammen&ldquo;. Und: &bdquo;Wir errichten eine Nationale Hyperloop Referenzstrecke.&ldquo; Als Standort ist Hamburg im Gespr&auml;ch, und das Fernziel w&auml;re eine Art &bdquo;Rohrpost f&uuml;r Menschen&ldquo;, die per Superschnellzug mit 1.000 Sachen durch eine Vakuumr&ouml;hre schie&szlig;en. Da werden Erinnerungen an den Transrapid wach &ndash; ein Technodesaster par excellence.<\/p><p>Das alles wird ohne Frage teuer, und wo die Mittel daf&uuml;r hergenommen werden, ist v&ouml;llig offen. Eine Kalkulation zu den einzelnen Projekten haben sich die Verhandler verkniffen, zumal s&auml;mtliche &bdquo;Ma&szlig;nahmen des Koalitionsvertrags&ldquo; unter &bdquo;Finanzierungsvorbehalt&ldquo; stehen. Allerdings ist absehbar, dass f&uuml;r den ganzen Technologie-Bumms das Geld lockerer sitzen wird als etwa f&uuml;r Programme zur Sprachf&ouml;rderung oder zur Gewinnung von Lehrkr&auml;ften. Bei Bedarf bliebe ja immer auch der R&uuml;ckgriff auf das per Grundgesetz&auml;nderung erm&ouml;glichte billionenschwere Schuldenpaket zwecks Aufr&uuml;stung. Davon l&auml;sst sich bestimmt auch etwas in die Forschungsabteilungen der Hochschulen und au&szlig;eruniversit&auml;ren Wissenschaftseinrichtungen schleusen. Daneben ist es der ausdr&uuml;ckliche Wille von der Union und SPD, reichlich private Investoren f&uuml;r die Umsetzung der Gro&szlig;projekte der &bdquo;Hightech-Agenda&ldquo; an Land zu ziehen. Schon deshalb darf man gewiss sein: Die Bande zwischen Hochschulen und staatlichen Forschungsinstituten auf der einen und Industrieinteressen auf der anderen Seite werden unter Schwarz-Rot noch enger werden.<\/p><p><strong>Science-Fiction mit &bdquo;Doro&ldquo;<\/strong><\/p><p>Daf&uuml;r steht auch der Name Dorothee B&auml;r, die als sichere Kandidatin f&uuml;r den Chefsessel im Forschungsministerium gilt. Die im Ruf einer &bdquo;Vision&auml;rin&ldquo; stehende CSU-Frau ist gerne abgehoben unterwegs. Schon 2018 warb sie als &bdquo;Beauftragte der Bundesregierung f&uuml;r Digitalisierung&ldquo; f&uuml;r Flugtaxis und sagte deren Einsatz hierzulande f&uuml;r 2025 voraus. Inzwischen stecken alle drei deutschen Entwickler &ndash; Lilium, Airbus, Volocopter &ndash; in einer <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article255335688\/Lilium-Airbus-in-der-Krise-Deutschlands-Flugtaxi-Drama-weitet-sich-aus.html\">ernsten Finanz- und Schaffenskrise<\/a>, und bis zum Regelbetrieb k&ouml;nnten mithin noch &Auml;onen vergehen.<\/p><p>Vielsagend auch: B&auml;rs Steckenpferd, das &bdquo;Digitale&ldquo;, soll in ihrem Haus gar nicht vertreten sein. Daf&uuml;r wird dem Vernehmen nach eigens ein &bdquo;Ministerium f&uuml;r Digitalisierung und Staatsmodernisierung&ldquo; ins Leben gerufen. Also muss die 47-J&auml;hrige wohl noch rasch umschulen. Jedenfalls stellte der Journalist Wiarda die Frage: &bdquo;Wer au&szlig;erhalb Bayerns und au&szlig;er der CSU und Doro B&auml;r h&auml;tte etwas davon, wenn eine Frau f&uuml;r Forschung zust&auml;ndig w&uuml;rde, die bislang kaum bis gar nicht als Forschungspolitikerin in Erscheinung getreten ist?&ldquo; An diesem Punkt bleiben die neuen Regenten der Linie ihrer Vorg&auml;nger jedenfalls treu: Bei der Besetzung von Spitzen&auml;mtern spielen Qualifikation und Kompetenz keine vordringliche Rolle, daf&uuml;r die Anbahnung von Klientelpolitik.<\/p><p>Hochschulpolitisch d&uuml;rfte es unter B&auml;r wie gehabt elit&auml;r zugehen. Durch Festhalten an der &bdquo;Exzellenzstrategie&ldquo; (ehemals &bdquo;Exzellenzinitiative zur F&ouml;rderung von Spitzenforschung&ldquo;) wird die Aufspaltung der Hochschullandschaft in wenige Leuchtt&uuml;rme und viele Massenuniversit&auml;ten weiter vorangetrieben. &Uuml;ber eine Fortsetzung des Bund-L&auml;nder-Programms &uuml;ber 2030 hinaus soll nach einer Evaluierung entschieden werden. Zu begr&uuml;&szlig;en ist, dass der &bdquo;Zukunftsvertrag Studium und Lehre st&auml;rken&ldquo; (ehemals &bdquo;Hochschulpakt&ldquo;) &uuml;ber 2028 hinaus dynamisiert werden soll. Mit den fraglichen Geldern werden &bdquo;zus&auml;tzliche&ldquo; Studienpl&auml;tze finanziert, um dem seit 20 Jahren anhaltenden Run auf die Hochschulen zu begegnen. Allerdings sind die so neu geschaffenen Kapazit&auml;ten deutlich unterfinanziert, wodurch die Pro-Kopf-Ausgaben je Hochsch&uuml;ler sukzessive zur&uuml;ckgegangen sind. Die &uuml;berf&auml;llige St&auml;rkung der Grundfinanzierung der Hochschulen in der Breite zugunsten besserer Studienbedingungen und Betreuungsverh&auml;ltnisse zwischen Lehrenden und Lernenden hat Schwarz-Rot nicht im Sinn. Stattdessen setzt man weiter auf Einzelprogramme, bevorzugt mit Wettbewerbscharakter.<\/p><p><strong>H&auml;ngepartie beim BAf&ouml;G<\/strong><\/p><p>Hoffnung macht die Ank&uuml;ndigung, das Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG) &bdquo;bis Mitte 2026 zu novellieren&ldquo;. Dieses bildet die Grundlage f&uuml;r das grassierende Befristungsunwesen unter den Hochschulbesch&auml;ftigten, Stichwort: akademisches Prekariat. Die abgew&auml;hlte Ampelregierung hatte eine Novellierung auf den letzten Metern verbockt. Nun werden als Reformziele &bdquo;Mindestvertragslaufzeiten vor und nach der Promotion&ldquo; sowie die Ausweitung von &bdquo;Schutzklauseln auf Drittmittelbefristungen&ldquo; angestrebt. Was dagegen bleiben soll, ist die sogenannte Tarifsperre, die es den Gewerkschaften untersagt, vom Gesetz abweichende Befristungsregelungen auszuhandeln. In einem ersten Vertragsentwurf war die Aussage zur Aufhebung der Klausel noch als strittig gekennzeichnet, wurde schlie&szlig;lich auf Betreiben der Union aber gestrichen.<\/p><p>Auf einen ebenfalls &uuml;berf&auml;lligen Nachschlag bei der Bundesausbildungsf&ouml;rderung (BAf&ouml;G) muss noch lange gewartet werden. Man wolle das Gesetz &bdquo;in einer gro&szlig;en Novelle modernisieren&ldquo;, hei&szlig;t es, und die Ank&uuml;ndigung, die Bedarfss&auml;tze auf das Niveau des B&uuml;rgergeldes anzuheben, klingt durchaus vielversprechend. Allerdings soll die Anpassung &bdquo;h&auml;lftig&ldquo; in zwei Schritten erfolgen, der erste zum Wintersemester 2027\/28, der zweite noch ein Jahr sp&auml;ter. Damit werde nach der unzureichenden Novelle vom Herbst 2024 &bdquo;eine ganze Bachelor-Generation mit Nullrunden abgespeist&ldquo;, moniert das Deutsche Studierendenwerk (DSW). &bdquo;Studierende sind jetzt arm, nicht erst in drei Jahren&ldquo;, bem&auml;ngeln Studierendenvertreter. Zu kurz greift auch die geplante Erh&ouml;hung der BAf&ouml;G-Wohnpauschale von 380 Euro auf 440 Euro zum Wintersemsester 2026\/27. Das Geld reicht in der Mehrheit der Hochschulst&auml;dte nicht einmal zur Finanzierung eines WG-Zimmers. Verb&auml;nde fordern seit langem, den Satz flexibel an der &ouml;rtlichen Vergleichsmiete auszurichten. Daraus wird offenbar nichts.<\/p><p><strong>Ende des Sanierungsstaus?<\/strong><\/p><p>Dagegen k&ouml;nnte sich in puncto Sanierungsstau nach Jahrzehnten der Verwahrlosung endlich etwas tun. Sowohl f&uuml;r die Schulen als auch die Hochschulen k&uuml;ndigen Union und SPD ein Investitionsprogramm an. F&uuml;r Letztere versprechen sie recht konkret eine &bdquo;Schnellbauinitiative von Bund und L&auml;ndern zur Modernisierung, energetischen Sanierung und digitalen Ert&uuml;chtigung von Hochschulen und Universit&auml;tskliniken, inklusive Mensen und Cafeterien&ldquo;. Bezahlt werden soll das aus dem Schuldenpaket zur Ert&uuml;chtigung der maroden Infrastruktur im Umfang von 500 Milliarden Euro.<\/p><p>Als erste Anw&auml;rterin auf den Chefposten im k&uuml;nftigen Bildungs- und Familienministerium wird die CDU-Bundestagsabgeordnete Silvia Breher gehandelt. Mit ihr wird es keine &bdquo;Kindergrundsicherung&ldquo; geben. Das zentrale sozialpolitische Projekt der Ampel, auf Betreiben der FDP zuletzt bis zur Unkenntlichkeit geschrumpft, taucht im Koalitionsvertrag nicht einmal mehr namentlich auf. Daf&uuml;r sind darin andere Vorhaben aufgef&uuml;hrt, mit denen man der allgemeinen Bildungsmisere im fr&uuml;hkindlichen und schulischen Bereich beikommen will. Die verbreiteten Defizite bei der sprachlichen, kognitiven und sozialen Entwicklung Heranwachsender sind zwar offensichtlich, gleichwohl wollen sich die kommenden Regierungspartner zun&auml;chst eine &bdquo;Sehhilfe&ldquo; zulegen. Dazu will man relevante und messbare Bildungsziele mit den Bundesl&auml;ndern vereinbaren und eine &bdquo;datengest&uuml;tzte Schulentwicklung und ein Bildungsverlaufsregister&ldquo; schaffen.<\/p><p>Ferner unterst&uuml;tze man die Einf&uuml;hrung einer &bdquo;kompatiblen datenschutzkonformen Sch&uuml;ler-ID&ldquo; und erm&ouml;gliche die &bdquo;Verkn&uuml;pfung mit der B&uuml;rger-ID&ldquo;. Big Brother f&uuml;hrt noch mehr im Schilde. W&auml;hrend etliche L&auml;nder weltweit l&auml;ngst den schulpolitischen R&uuml;ckzug zum Analogen angetreten haben, will Schwarz-Rot per &bdquo;Digitalpakt 2.0&ldquo; die digitale Infrastruktur ausbauen, &bdquo;bed&uuml;rftige Kinder&ldquo; mit digitalen Endger&auml;ten ausstatten, &bdquo;selbst-adaptive, KI-gest&uuml;tzte Lernsysteme sowie digitalgest&uuml;tzte Vertretungskonzepte&ldquo; und &bdquo;eine digitalisierungsbezogene Schul- und Unterrichtsentwicklung&ldquo; voranbringen. Und dann aber noch das: &bdquo;Die Auswirkungen von Bildschirmzeit und Social-Media-Nutzung bewerten wir schnellstm&ouml;glich wissenschaftlich und erarbeiten ein Ma&szlig;nahmenpaket zur St&auml;rkung von Gesundheits- und Jugendmedienschutz.&ldquo; Bis dahin ist das Kind ganz sicher im Brunnen ersoffen &hellip;<\/p><p><strong>Propaganda st&auml;rken<\/strong><\/p><p>Ob all die Instrumente zum erkl&auml;rten Ziel f&uuml;hren, die Zahl der Grundschulkinder, die die Mindeststandards im Lesen, Schreiben und Rechnen nicht erreichen, und der Jugendlichen ohne Schulabschluss &bdquo;deutlich&ldquo; zu reduzieren, sei dahingestellt. Auch hierbei sucht man sein Heil in Einzelma&szlig;nahmen, indem man etwa das &bdquo;Startchancen-Programm&ldquo; auf mehr Schulen ausweitet. Dieses richtet sich speziell an Einrichtungen in sozialen Brennpunkten und adressiert bisher blo&szlig; zehn Prozent aller Sch&uuml;ler. Leistungsabf&auml;lle bescheinigen diverse Bildungsstudien aber praktisch dem gesamten Schulsystem.<\/p><p>Warum also nicht doch die Gie&szlig;kanne rausholen und &uuml;ber die Breite Geld verteilen? Ach was, &bdquo;Gie&szlig;kanne ist schlecht&ldquo;, t&ouml;nen demn&auml;chst die schwarz-roten Regenten &ndash; au&szlig;er beim Aufr&uuml;sten. Und damit die Sache mit der Kriegsert&uuml;chtigung bald auch alle begreifen, st&auml;rken sie &uuml;ber die gesamte Bildungskette &bdquo;Demokratiebildung, Medien- und Nachrichtenkompetenz&ldquo;. Von &bdquo;Bildung&ldquo; zu Gehirnw&auml;sche ist es mithin nicht weit.<\/p><p><small>Titelbild: Juergen Nowak\/shutterstock.com<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/0744d990ddd24e6fbc471887f841ea4a\" alt=\"\" title=\"\" height=\"1\" width=\"1\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F&uuml;r Union und SPD sind Forschung und Innovation der &bdquo;Schl&uuml;ssel f&uuml;r die Zukunft&ldquo;. Gro&szlig; raus kommt in ihrem Koalitionsvertrag vor allem &bdquo;Hightech&ldquo;, von KI, &uuml;ber Raumfahrt bis hin zum &bdquo;Hyperloop&ldquo;. F&uuml;r den Griff nach den Sternen pimpt man eigens ein Ministerium auf und schiebt &bdquo;Bildung&ldquo; ab &ndash; ins Familienressort. 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