{"id":131647,"date":"2025-04-15T12:35:43","date_gmt":"2025-04-15T10:35:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=131647"},"modified":"2025-04-16T14:50:19","modified_gmt":"2025-04-16T12:50:19","slug":"trumps-zollkrieg-was-geschah-hinter-den-kulissen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=131647","title":{"rendered":"Trumps Zollkrieg \u2013 Was geschah hinter den Kulissen?"},"content":{"rendered":"<p>Der am 2. April mit gro&szlig;em Tamtam ausgerufene &bdquo;Liberation Day&ldquo; ist mittlerweile Geschichte. Trumps Ank&uuml;ndigung f&uuml;r &bdquo;reziproke Z&ouml;lle&ldquo; gegen Gott und die Welt hielt ganze acht Tage, dann musste der wohl m&auml;chtigste Mann der Welt seine Z&ouml;lle wieder zur&uuml;cknehmen, da die noch m&auml;chtigeren Anleihenm&auml;rkte verr&uuml;ckt spielten und die Refinanzierbarkeit der US-Schulden zu kippen drohte. Was &uuml;brigbleibt, ist die Wiederauflage des Handelskriegs gegen China &ndash; Ausgang offen. Verst&auml;ndlich, dass nun Spekulationen und Erkl&auml;rungsversuche ins Kraut schie&szlig;en. Ging es Trump wom&ouml;glich gar nicht um Z&ouml;lle? Hat China ihn in der &bdquo;ersten Schlacht&ldquo; des Handelskriegs besiegt? Steckt hinter dem erratischen Verhalten eine tiefere Strategie? Auf keine dieser Fragen gibt es &uuml;berzeugende Antworten. Ein Deutungsversuch von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3747\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-131647-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250415_Trumps_Zollkrieg_Was_geschah_hinter_den_Kulissen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250415_Trumps_Zollkrieg_Was_geschah_hinter_den_Kulissen_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250415_Trumps_Zollkrieg_Was_geschah_hinter_den_Kulissen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250415_Trumps_Zollkrieg_Was_geschah_hinter_den_Kulissen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=131647-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250415_Trumps_Zollkrieg_Was_geschah_hinter_den_Kulissen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250415_Trumps_Zollkrieg_Was_geschah_hinter_den_Kulissen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em>Dieser Artikel liegt auch <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/flyer\/250415_Trumps_Zollkrieg_Was_geschah_hinter_den_Kulissen_NDS.pdf\">als gestaltetes PDF vor<\/a>. Wenn Sie ihn ausdrucken oder weitergeben wollen, nutzen Sie bitte diese M&ouml;glichkeit. Weitere Artikel in dieser Form <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?cat=54\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p>Dass US-Pr&auml;sident Donald Trump kein Freund des Freihandels ist, machte er der Welt bereits in seiner ersten Amtszeit klar. Wer denkt, er sei ein bedingungsloser Verfechter protektionistischer Politik, liegt jedoch auch falsch. Sein Motto &bdquo;America first&ldquo; ist hier durchaus ernstzunehmen. Ideologische Scheuklappen scheinen ihm fremd zu sein. Seine Handelspolitik ist vielmehr dadurch gekennzeichnet, dass er internationale Abkommen und Konventionen ignoriert und seine eigene Mischung aus Freihandel und Protektionismus zusammenschustert, die seiner Meinung nach der USA am meisten n&uuml;tzt &ndash; &bdquo;Make America great again&ldquo; halt.<\/p><p>Und bereits hier sind die ersten Zielkonflikte zwischen seiner Rhetorik und seiner Zollpolitik zu erkennen. Nat&uuml;rlich wei&szlig; auch Trump, dass Z&ouml;lle nie Zusatzeinnahmen generieren k&ouml;nnen, mit denen er Steuererleichterungen refinanzieren kann. Z&ouml;lle sind n&auml;mlich ein zweischneidiges Schwert. Wenn sie wirklich wirken, gehen die Importe sp&uuml;rbar zur&uuml;ck &ndash; dann gibt es jedoch auch keine zus&auml;tzlichen Zolleinnahmen. Wenn sie nicht wirken, verteuern sie ganz einfach nur die importierten Produkte und liefern zwar Einnahmen, f&uuml;hren aber nicht dazu, dass im Land selbst Jobs entstehen. Trumps Quadratur des Kreises &ndash; sagenhafte Einnahmen zu generieren und gleichzeitig die ausgelagerten Jobs ins Land zur&uuml;ckzuholen &ndash; widerspricht somit der &ouml;konomischen Logik. Und dass es bei den reziproken Z&ouml;llen nur in wenigen F&auml;llen &uuml;berhaupt um Importe geht, die in direkter Konkurrenz mit vorhandenen oder potenziellen amerikanischen Produkten stehen, sollte ohnehin klar sein. Die US-Verbraucher werden auch dann keine amerikanischen Bananen kaufen k&ouml;nnen, wenn Trump Importe aus Guatemala, Ecuador oder Costa Rica mit 500-Prozent-Strafz&ouml;llen belegen w&uuml;rde. Und ob jemals ein &bdquo;amerikanisches iPhone&ldquo; zu einem Preis hergestellt werden kann, der halbwegs marktf&auml;hig ist, sei ebenfalls dahingestellt.<\/p><p>Handelsbilanzen haben &uuml;brigens immer zwei Seiten. Implizit fordert Trump ja nun andere Staaten auf, mehr amerikanische Produkte zu kaufen. Die N&auml;herin in Lesotho wird sich aber auch dann keinen Ford F150 Pickup leisten k&ouml;nnen, wenn Lesotho gar keine Z&ouml;lle erhebt, und inwieweit Einfuhrz&ouml;lle der USA daran etwas &auml;ndern k&ouml;nnten, ist &uuml;berdies nicht ersichtlich. Im schlimmsten Fall verliert die N&auml;herin ganz einfach ihren Job. US-Exporteuren ist damit kein Jota geholfen. Ob in den USA neue Jobs entstehen k&ouml;nnen oder alte Jobs zur&uuml;ckkehren, hat ohnehin nur wenig mit Lohnkosten, daf&uuml;r umso mehr mit Lieferketten und qualifizierten Arbeitnehmern zu tun. Sicher, das sind keine fixen Gr&ouml;&szlig;en. Doch der daf&uuml;r n&ouml;tige &bdquo;Strukturwandel&ldquo; w&auml;re eher eine Frage von Jahrzehnten gezielter Investitionen und l&auml;sst sich nicht mit Strafz&ouml;llen binnen Wochen &uuml;ber das Knie brechen. Doch auch hier stellt sich die Frage, was man damit &uuml;berhaupt bezwecken will. Am Ende zahlt der Verbraucher den ganzen Spuk und letztlich steigt dadurch nur der Preis. Die Kaufkraft, vor allem der unteren Schichten, sinkt.<\/p><p>Z&ouml;lle k&ouml;nnen durchaus ein sinnvolles politisches Instrument sein. Beispielsweise dann, wenn es darum geht, strategisch wichtige Sektoren im Lande zu halten oder um eine offensichtliche Dumpingstrategie, die ja oft auch im Kontext staatlicher Subventionen steht, zu kontern. H&auml;tten Deutschland oder die EU beispielsweise in den 1990ern und 2000ern konsequent die damals zu Dumpingpreisen angebotenen chinesischen Solarmodule durch Z&ouml;lle vom Markt gehalten, g&auml;be es wom&ouml;glich in Deutschland noch eine Solarindustrie. Diese zielgerichteten und begr&uuml;ndeten Z&ouml;lle haben jedoch wenig bis nichts mit den Pauschalz&ouml;llen zu tun, die Trump verk&uuml;ndet hatte.<\/p><p>Warum hat Donald Trump denn dann &uuml;berhaupt die Weltwirtschaft mit seinen reziproken Z&ouml;llen schockiert, wenn er ohnehin bereits vorher ahnen musste, dass diese Z&ouml;lle in der verabschiedeten Form so nicht standhalten werden? Die Antwort auf diese Frage kann nur hei&szlig;en, dass die Z&ouml;lle nie das Ziel, sondern nur ein Mittel zum Zweck waren, andere Ziele zu erreichen. Und genau dabei ist er nun auch auf einem guten Weg. Glaubt man der US-Regierung, finden zurzeit mit 120 L&auml;ndern Verhandlungen zu bilateralen Handelsabkommen statt. Auch mit der EU wird nun verhandelt. Am Ende k&ouml;nnten hier beispielsweise die Erh&ouml;hung der EU-Energieimporte aus den USA, erh&ouml;hte Importe von Waffensystemen und Konzessionen auf dem Gebiet der Regulierung der Tech-Konzerne auf der Agenda stehen. H&auml;tte Trump dies auch erreicht, ohne mit der Zollkeule zu schwingen? Wohl nicht. Ist Trump also genial? Auch das trifft nicht zu. Trump profitiert nur davon, dass die volkswirtschaftlichen Gegner der USA entweder &ndash; wie die EU &ndash; immer noch gedanklich am Rockzipfel des gro&szlig;en Bruders h&auml;ngen oder &ndash; wie die BRICS-Staaten &ndash; untereinander in Konkurrenz stehen und keine gemeinsame Antwort auf die US-Erpressungen finden.<\/p><p>Auch in den bilateralen Verhandlungen mit anderen Staaten und Wirtschaftsr&auml;umen haben die USA durchaus gute Chancen, Ergebnisse zu erzielen, die ohne die offene Erpressung mittels Zollandrohungen so nicht erreicht werden k&ouml;nnten. Trump wei&szlig; genau, bei internationalen Abkommen sind die USA nur ein Teilnehmer von vielen und k&ouml;nnen ihre Interessen nur schwer nur gegen den Rest der Welt durchsetzen. Bei bilateralen Abkommen sind die USA jedoch in jeder einzelnen Verhandlung der St&auml;rkere und k&ouml;nnen ihre Interessen so viel besser erzwingen. Das Recht des St&auml;rken &ndash; Imperialismus in Reinkultur.<\/p><p>So gesehen lief der Zollkrieg eigentlich nach Trumps Vorstellungen. Doch dann kam die urpl&ouml;tzliche Wende und er verk&uuml;ndete &ndash; wenig glaubhaft &ndash; eine Pause der reziproken Z&ouml;lle, baute seine Drohkulisse also selbst wieder ab. Was war geschehen? Er hat seine Rechnung offenbar ohne die Finanzm&auml;rkte gemacht. Dazu muss man zun&auml;chst ein wenig in die volkswirtschaftlichen und mehr noch die finanzwirtschaftlichen Hintergr&uuml;nde einsteigen. Die Erkl&auml;rungen und Erz&auml;hlungen, die in unseren Medien kursieren, sind daf&uuml;r nicht sonderlich hilfreich. Hier konzentriert man sich paradoxerweise auf den Aktienmarkt. W&auml;hrend der gesamten Woche nach Trumps Zollank&uuml;ndigungen ging es in der Berichterstattung vornehmlich um den angeblichen &bdquo;B&ouml;rsencrash&ldquo;, den sie ausgel&ouml;st h&auml;tten. Das allein ist Unfug, zwar hat beispielsweise der f&uuml;r den US-Markt ma&szlig;gebliche S&amp;P 500 Index in der Tat nach der Verk&uuml;ndung der neuen Z&ouml;lle kurz gehustet und in den Folgetagen um rund 15 Prozent nachgegeben &ndash; er war jedoch im letzten Jahr um mehr als 15 Prozent gestiegen, sodass man dies auch als &uuml;berf&auml;llige Korrektur eines aufgebl&auml;hten Marktes bezeichnen k&ouml;nnte. Kein Grund zur Panik, aber mit ruhigen Analysen verliert man im Wettrennen um Auflage, Einschaltquote und Klickzahlen.<\/p><p>Viel spannender als der Aktienmarkt war in dieser Woche der Markt f&uuml;r US-Staatsanleihen &ndash; der ansonsten wohl einer der stabilsten der Welt ist. Dass die B&ouml;rsen volatil sind und es auch mal ordentlich bergab geht, ist vollkommen normal. Ein solcher &bdquo;B&auml;renmarkt&ldquo; geht jedoch in den allermeisten F&auml;llen mit steigenden Preisen f&uuml;r als sicher geltende Staatsanleihen einher. Fonds, Banken und Versicherungen ziehen Gelder aus dem unruhigen und unsicheren Aktienmarkt ab und parken sie auf dem Anleihenmarkt. Dies ist &uuml;brigens ganz im Sinne der Staaten, da zus&auml;tzliche Nachfrage nach deren Staatsanleihen die Zinsen dr&uuml;ckt. Und dies gilt nicht nur f&uuml;r neue Schulden, sondern auch f&uuml;r alte Schulden, die durch neue Schulden abgel&ouml;st werden. Gerade f&uuml;r die USA mit ihren sagenhaften 36,6 Billionen(!) US-Dollar Staatsschulden ist dies eine, wenn nicht die entscheidende Gr&ouml;&szlig;e. Dazu eine kleine &Uuml;berschlagrechnung: Wenn die USA ihre kompletten Staatsschulden mit einem Zinssatz von 2 Prozent refinanzieren k&ouml;nnte, m&uuml;sste sie daf&uuml;r 732 Milliarden US-Dollar pro Jahr bezahlen. Liegt der Zinssatz aber bei 6 Prozent, sind dies 2.195 Milliarden US-Dollar pro Jahr, was mehr als einem Viertel der Staatseinnahmen entsprechen w&uuml;rde. Dagegen sind die m&ouml;glichen Einnahmen durch Z&ouml;lle eine zu vernachl&auml;ssigende Gr&ouml;&szlig;e.<\/p><p>Der m&auml;chtigste Mann der Welt ist also in seiner Politik auf Gedeih und Verderben dem Anleihenmarkt ausgeliefert. Und hier wird es spannend. Wer ist eigentlich auf dem Anleihenmarkt der dominante Player, der die Kurse bestimmen kann? Gerade kritische und alternative Medien kommen an dieser Stelle sofort auf China zu sprechen, das angeblich der gr&ouml;&szlig;te Gl&auml;ubiger der USA sei. Das ist aber falsch. Zum einen baut China seine Dollar-Reserven, die in der Tat zum gr&ouml;&szlig;ten Teil aus US-Staatsanleihen bestehen, ab. Heute ist China mit Best&auml;nden von rund 760 Milliarden US-Dollar in US-Staatsanleihen nur noch die Nummer Zwei hinter Japan, das US-Staatsanleihen im Wert von &uuml;ber einer Billion US-Dollar h&auml;lt. Der gr&ouml;&szlig;te Einzelgl&auml;ubiger der USA ist und bleibt jedoch die eigene Notenbank FED, die derzeit Anleihen im Wert von rund 4,2 Billionen US-Dollar in ihren Bilanzen hat.<\/p><p>Was ist nun aber auf dem Anleihenmarkt genau passiert, dass Trump seine Zollpolitik &ndash; auch wenn sie eher als Drohkulisse f&uuml;r die nun laufenden Verhandlungen interpretiert werden sollte &ndash; bereits nach acht Tagen wieder kassieren musste? Daf&uuml;r lohnt sich ein Blick auf die Entwicklung des Zinssatzes (Yield) f&uuml;r die 10-j&auml;hrigen US Treasury Bonds.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250415-Zollkrieg-01.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250415-Zollkrieg-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Direkt nach der Ank&uuml;ndigung der reziproken Z&ouml;lle durch Trump am 2. April sank der Zinssatz deutlich. Das war vorauszusehen und an dieser Stelle sei nochmal auf die Wechselwirkung zwischen den Aktien- und dem Anleihenmarkt erinnert. Es wurde offenbar massenhaft Geld aus dem Aktienmarkt in den Anleihenmarkt verschoben. Am 7. April gab es jedoch eine Kehrtwende, pl&ouml;tzlich schoss der Zins ohne erkl&auml;rbare Gr&uuml;nde in die H&ouml;he &ndash; von 3,9 Prozent um ganze 0,5 Prozentpunkte auf 4,4 Prozent. Das ist f&uuml;r den sonst eher ruhigen Anleihenmarkt in der Tat ein Erdbeben. Was war passiert?<\/p><p>Dazu gibt es in der <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/politik-gesellschaft\/geopolitik\/so-clever-hat-china-reagiert-wie-peking-trumps-zoll-politik-spektakulaer-scheitern-liess-li.2315852\"><em>Berliner Zeitung<\/em><\/a> die interessante Erkl&auml;rung, China h&auml;tte seine Dollarreserven auf den Markt geworfen und so den Markt f&uuml;r US-Staatsanleihen mit dem Ziel aus dem Ruder laufen lassen, Trump zur R&uuml;cknahme seiner Z&ouml;lle zu zwingen. Einige US-Finanzexperten sahen nicht China, sondern Japan in der Rolle des gro&szlig;en Verk&auml;ufers, der Trump die Stirn bot. Beide Varianten sind pure Spekulation und unwahrscheinlich. H&auml;tten die Notenbanken dieser beiden Staaten derart massiv Dollar-Papiere auf den Markt geworfen, w&auml;re dies nicht ohne Folgen f&uuml;r den Dollarkurs geblieben. Der Dollar h&auml;tte dann gegen&uuml;ber dem Yuan und\/oder dem Yen deutlich abgewertet. Ein Blick auf den Dollar-Kurs zeigt jedoch, dass er an diesen zwei Tagen gegen&uuml;ber dem Yuan sogar an Wert gewann und gegen&uuml;ber dem Yen nur leicht an Wert verlor. Es ist also wahrscheinlicher, dass japanische Banken Teile ihrer Treasury-Bonds verkauft haben. Eine gro&szlig;e Intervention gab es aber nicht. Wer hat dann aber den Markt derart beeinflusst?<\/p><p>Die Antwort ist recht einfach &ndash; es waren US-Banken und US-Fondsgesellschaften, die offenbar im gro&szlig;en Stil US-Staatsanleihen verkauft haben. Die interessantere Frage ist die nach dem &bdquo;Warum&ldquo;. Sicher, gem&auml;&szlig; der neoliberalen Marktlogik k&ouml;nnte es durchaus sein, dass beispielsweise die Algorithmen von BlackRock Alarm wegen der mit den Z&ouml;llen verbundenen Rezessionsgefahr geschlagen haben. BlackRock-Chef Larry Fink &auml;u&szlig;erte sich in diesen Tagen auch <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=xRCEXPXfeL4\">dementsprechend<\/a>. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass wir es hier mit einer Kraftprobe zu tun hatten. Anders als Teile der Realwirtschaft haben sowohl die Tech- und Netzgiganten aus dem Valley als auch die Finanzgiganten der Wall Street &uuml;berhaupt kein Interesse an Trumps Zollpolitik, zumal sie bef&uuml;rchten, dass sie &ndash; die eigentlichen &ouml;konomischen Gro&szlig;m&auml;chte in den USA &ndash; am Ende die Leidtragenden eines Handelskriegs sein werden. Also zeigten sie Donald Tump, wer die Macht hat, und dies auf sehr eindr&uuml;ckliche Weise. Kaum verk&uuml;ndete Trump ein Moratorium seiner reziproken Z&ouml;lle f&uuml;r alle L&auml;nder au&szlig;er China, nahm der wundersame Zinsanstieg am US-Anleihenmarkt wieder ab und die Unruhen auf den anderen Finanzm&auml;rkten fanden ebenfalls ihr Ende.<\/p><p>Ist der Handelskrieg und die Gefahr einer weltweiten Rezession damit beendet? Mitnichten! Trump hat China den Handelskrieg erkl&auml;rt und es sieht zurzeit so aus, als sei er durchaus gewillt, diesen Krieg mit voller H&auml;rte zu f&uuml;hren. F&uuml;r China ist dies keine gute Nachricht, auch wenn man davon ausgehen kann, dass China dieses Szenario nicht unvorbereitet trifft und dass man in Planspielen bereits L&ouml;sungen erarbeitet hat. Die Folgen dieser Politik werden aber auch die USA schon bald zeitversetzt treffen. Volkswirtschaftlich ist dabei eher irrelevant, dass die US-B&uuml;rger nun keine Technikgimmicks bei Temu mehr kaufen k&ouml;nnen. Ganz und gar nicht irrelevant ist jedoch das Chaos, das schon bald bei den Lieferketten entstehen wird. Die Verteuerung chinesischer Endprodukte wird vor allem den Verbraucher treffen. Die Verteuerung chinesischer Vorprodukte und Komponenten wird jedoch die US-Wirtschaft treffen, deren Endprodukte dadurch teurer werden und wom&ouml;glich international weniger wettbewerbsf&auml;hig werden. Am Ende k&ouml;nnten die USA so nicht der gro&szlig;e Gewinner, sondern der gro&szlig;e Verlierer dieses Handelskriegs sein. In diesem Punkt &auml;hneln Handelskriege &bdquo;echten&ldquo; Kriegen &ndash; es gibt keine Gewinner.<\/p><p><small>Titelbild: rawf8\/shutterstock.com<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/b709c0d65f674aaaa1f837119a5d6dc3\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der am 2. April mit gro&szlig;em Tamtam ausgerufene &bdquo;Liberation Day&ldquo; ist mittlerweile Geschichte. Trumps Ank&uuml;ndigung f&uuml;r &bdquo;reziproke Z&ouml;lle&ldquo; gegen Gott und die Welt hielt ganze acht Tage, dann musste der wohl m&auml;chtigste Mann der Welt seine Z&ouml;lle wieder zur&uuml;cknehmen, da die noch m&auml;chtigeren Anleihenm&auml;rkte verr&uuml;ckt spielten und die Refinanzierbarkeit der US-Schulden zu kippen drohte. Was<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=131647\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":131648,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,136,54,37,30],"tags":[379,283,895,499,2575,1497,2174,637,2908,1800,1556],"class_list":["post-131647","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-banken-boerse-spekulation","category-gestaltete-pdf","category-globalisierung","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-china","tag-finanzmaerkte","tag-freihandel","tag-handelsbilanz","tag-handelskrieg","tag-japan","tag-protektionismus","tag-staatsanleihen","tag-strafzoelle","tag-trump-donald","tag-usa"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Shutterstock_2572251901.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/131647","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=131647"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/131647\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":131717,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/131647\/revisions\/131717"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/131648"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=131647"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=131647"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=131647"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}