{"id":131680,"date":"2025-04-16T10:00:42","date_gmt":"2025-04-16T08:00:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=131680"},"modified":"2025-04-16T10:38:49","modified_gmt":"2025-04-16T08:38:49","slug":"typisch-osten-eine-region-bekommt-ihr-fett-weg-durch-das-mutige-theaterprojekt-inside-outside-europe-so-der-deutschlandfunk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=131680","title":{"rendered":"Typisch Osten \u2013 eine Region bekommt ihr Fett weg durch das mutige Theaterprojekt Inside Outside Europe, so der Deutschlandfunk"},"content":{"rendered":"<p>Die Deutschlandfunk-Sendung &bdquo;Kultur heute&ldquo; (DLF, 14. April 2025) nahm sich im Beitrag &bdquo;Grenzen in den K&ouml;pfen: Das Theaterprojekt &bdquo;Inside Outside Europe&ldquo; in Chemnitz&ldquo; einerseits einer bemerkenswerten k&uuml;nstlerischen Produktion von vier Werken an. Der <em>DLF<\/em> transportierte f&uuml;r mich andererseits irritierend ein g&auml;ngiges Bild &uuml;ber den Osten: Heimat v&ouml;lkischer Mobber, herzlose Beh&ouml;rden, latente bis offene Ablehnung von Migranten. Das Theaterprojekt besch&auml;ftigte sich f&uuml;r mich jedoch mit der Rolle der Deutschen insgesamt in Europa. Im DLF-Beitrag h&ouml;rte ich am Ende vor allem irritierende S&auml;tze, die zum Schluss kommen lie&szlig;en: Typisch Osten. Doch muss es typisch Deutschland hei&szlig;en. Ein Zwischenruf von <strong>Frank Blenz<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Typisch Osten?<\/strong><\/p><p>Nach dem H&ouml;ren des Beitrags <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/grenzen-in-den-koepfen-das-theaterprojekt-inside-outside-europe-in-chemnitz-100.html\">&bdquo;Grenzen in den K&ouml;pfen: Das Theaterprojekt &bdquo;Inside Outside Europe&ldquo; in Chemnitz&ldquo; im <em>Deutschlandfunk (DLF)<\/em><\/a> kam mir kurz der Gedanke: &lsquo;Typisch Osten&lsquo;. Warum? Mir schien, als wurde im <em>DLF<\/em> eine andere Geschichte als die eines Theaterprojekts erz&auml;hlt, als bek&auml;me eine Region ihr Fett weg, weil das politisch und moralisch im gespaltenen Einheitsdeutschland angesagt scheint. Richtig so. Was ist es dann auch ein Wunder, wenn Urteile &uuml;ber einen Teil der Bundesrepublik, dem voller renitenter Menschen, entsprechend kritisch ausfallen. Typisch Osten halt? Ich wurde das Gef&uuml;hl nicht los, dass es den Theaterleuten des Projekts ganz im Gegensatz zum DLF-Autor nicht darum ging, allein wieder mal diesen Osten als politisch r&uuml;ckschrittlich und rassistisch zu adressieren. Die vielf&auml;ltigen Probleme Ausgrenzung, Rassismus, Vorurteile, die auch im Osten, jedoch unstrittig ebenso im ganzen Land zu Hause sind, werden im Projekt gesamtgesellschaftlich behandelt. Auf der Seite des Theaters Chemnitz ist &uuml;ber das Theaterprojekt im Rahmen &bdquo;Chemnitz Kulturhauptstadt Europa 2025&ldquo; u.a. zu lesen:<\/p><blockquote><p>\n<em>Europa ist heterogen und begreift sich zugleich als Gemeinsames &ndash; gemeinsam an Geschichte und an Erfahrungen. Die vier gro&szlig;en Stadttheater der Kulturhauptstadtregion n&auml;hern sich diesem Erfahrungsraum, indem sie in einem B&uuml;hnenbild ganz unterschiedliche Geschichten aufbl&auml;ttern. Die vier Urauff&uuml;hrungen erz&auml;hlen von Clowns und dem Lachen in Europa, von Verstrickungen in den deutschen Faschismus, von Heimat und migrantischen Erfahrungen.<\/em><br>\n<em>(Quelle: <a href=\"https:\/\/www.theater-chemnitz.de\/spielplan\/detailseite\/inside-outside-europe\/14282\">Theater Chemnitz<\/a>)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Wie lebt es sich im Erzgebirge, wenn man eine Migrationsgeschichte hat?<\/strong><\/p><p>Mit den Anfangss&auml;tzen wurde meinem Eindruck nach eine Grundrichtung vorgegeben, die vor allem die Region Osten trifft. &bdquo;Wie lebt es sich im Erzgebirge, wenn man eine Migrationsgeschichte hat?&ldquo;, fragt die DLF-Kultur-heute-Moderatorin zu Beginn des Deutschlandfunk-Beitrags &bdquo;Grenzen in den K&ouml;pfen: Das Theaterprojekt &bdquo;Inside Outside Europe&ldquo; in Chemnitz&ldquo;. Schon kommt der Autor konkreter darauf zu sprechen, als er eines der St&uuml;cke, &bdquo;Call It Home. Wie kann man Heimat teilen?&ldquo; (Eduard-von-Winterstein-Theater Annaberg-Buchholz), vorstellt. Erz&auml;hlt wird eine Geschichte aus ebendieser kleinen Stadt Annaberg-Buchholz im Erzgebirge, in der Mobber, v&ouml;lkische Parolen und eine mysteri&ouml;se Pandemie, die rechtes Gedankengut verbreitet, vorkommen. Es gruselt einen.<\/p><p>Andere Informationen zum St&uuml;ck auf der Seite &bdquo;Erzgebirgische Theater&ldquo; nehmen mich ehrlich mit. Ich finde, das Beispiel Erzgebirge steht nicht f&uuml;r sich typisch. Viele &auml;hnliche Episoden landauf, landab tragen sich in jeder Region des Landes zu:<\/p><blockquote><p>\n<em>Die georgische Theatermacherin Tam&oacute; Gvenetadze ist durch das Erzgebirge gereist, hat Interviews gef&uuml;hrt und daraus ein St&uuml;ck entwickelt. &bdquo;Call It Home. Wie kann man Heimat teilen?&ldquo; thematisiert die Herausforderungen von Migration, Identit&auml;t und Integration vor dem Hintergrund einer fiktiven Pandemie. Im Zentrum stehen Maleeka und ihre T&ouml;chter Sya und Junah, die aus dem Iran ins Erzgebirge gefl&uuml;chtet sind und versuchen, in ihrer neuen Heimat Fu&szlig; zu fassen. Maleeka bem&uuml;ht sich emsig um die Integration. Sie spricht perfekt Deutsch, sie erlernt traditionelle Br&auml;uche und beginnt, diese zu lieben. Sie feiert jedes Jahr den Tag, an dem sie in ihre erste eigene Wohnung gezogen ist, indem sie G&auml;ste einl&auml;dt und Neinerlaa kocht &ndash; als w&auml;re dieser Tag ihr Weihnachten, ihr Fest.<\/em><br>\n<em>(Quelle: <a href=\"https:\/\/www.erzgebirgische.theater\/details.cfm?id=1517\">Erzgebirgische Theater<\/a>)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Er schw&auml;rmt vom Leben in Sachsen, sie hadert bereits damit<\/strong><\/p><p>Im vierten Theaterst&uuml;ck &bdquo;Eudaimon&iacute;a&ldquo; (Theater Plauen-Zwickau) ist von Gl&uuml;ckseligkeit die Rede. In Sachsen ist das f&uuml;r Migranten nicht einfach, erz&auml;hlt das St&uuml;ck, in dem die gesamtbundesdeutsche B&uuml;rokratie in ihrer vollendeten K&auml;lte gezeigt wird.<\/p><blockquote><p>\n<em>Ein gl&uuml;ckseliges Leben erhoffen sich auch zahlreiche Menschen, die nach Europa str&ouml;men. Verk&ouml;rpert Europa wirklich eine sichere und gl&uuml;ckliche Zukunft? Das fragt sich auch Dea, eine georgische &Auml;rztin, die schon lange in Sachsen arbeitet, sich jedoch immer noch nicht willkommen f&uuml;hlt. Als Dea in der Ausl&auml;nderbeh&ouml;rde den jungen Georgier Erekle kennenlernt, prallen ihre Erfahrungen und seine Hoffnungen aufeinander. Er schw&auml;rmt von dem neuen Leben in Sachsen, sie hadert bereits damit. Dea hat schon unz&auml;hlige Beh&ouml;rdeng&auml;nge hinter sich, und trotzdem fordert die B&uuml;rokratie von ihr st&auml;ndig neue Unterlagen. Immer wieder wird ihr die Einb&uuml;rgerung verweigert. Auch Erekle lernt schnell die B&uuml;rokratie kennen. Warum verweigert sie ihm ein Visum ohne Arbeitsvertrag, wo doch umgekehrt sein Arbeitgeber ihm keinen Arbeitsvertrag ohne Visum ausstellen kann? &bdquo;Machen Sie doch eine Ausnahme&ldquo;, fleht Erekle. Aber die deutsche B&uuml;rokratie kennt keine Ausnahmen.<\/em><br>\n<em>(Quelle: <a href=\"https:\/\/www.theater-plauen-zwickau.de\/spielplan.php?seite=0&amp;id=2253\">Theater Plauen<\/a>)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Der Osten &bdquo;fiel auf&ldquo;<\/strong><\/p><p>Die Rolle der Deutschen in Europa wird im Projekt beleuchtet. Rassismus, Ausgrenzung, Hass kommen ins Blickfeld, dem wird Humanismus entgegengestellt, erfahre ich noch im DLF-Beitrag. Darauf zieht der Autor ein Fazit, das mich zum schon genannten &bdquo;Schluss&ldquo; kommen lie&szlig;: Typisch Osten.<\/p><blockquote><p>\n<em>Das ist mutig in einer Region, die bei den j&uuml;ngsten Wahlen mit Bestergebnissen f&uuml;r die AfD auffiel.<\/em><\/p>\n<p><em>Die St&uuml;cke zeigen au&szlig;erdem, wie zerst&ouml;rerisch es wirken kann, wenn Migration vor allem als Problem diskutiert wird, an den Stammtischen wie in der Bundespolitik.<\/em><br>\n<em>(Quelle: <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/grenzen-in-den-koepfen-das-theaterprojekt-inside-outside-europe-in-chemnitz-100.html\">DLF<\/a>)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Der Osten fiel auf &ndash; mit Bestergebnissen f&uuml;r die AfD. Dem Autor sei gesagt, dass in dieser auff&auml;lligen, wahrscheinlich umstrittenen Region die neue Partei BSW ebenfalls zweistellige Zahlen bei den j&uuml;ngsten Wahlen zu verzeichnen hatte.<\/p><p>Dass es mutig sein soll, in s&auml;chsischen Theatern f&uuml;r s&auml;chsisches, deutsches, internationales Publikum kritische, tiefgr&uuml;ndige St&uuml;cke aufzuf&uuml;hren, erschloss sich mir nicht. Die vielf&auml;ltige, engagierte s&auml;chsische Theaterlandschaft &ndash; Macher wie Publikum &ndash; gerade in der Chemnitzer Kulturhauptstadtregion h&auml;tte vielmehr schon lange den Titel Immaterielles Weltkulturerbe verdient.<\/p><p><small>Titelbild: Electric Egg\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Deutschlandfunk-Sendung &bdquo;Kultur heute&ldquo; (DLF, 14. 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Der <em>DLF<\/em> transportierte f&uuml;r mich andererseits irritierend ein g&auml;ngiges Bild &uuml;ber den Osten: Heimat v&ouml;lkischer Mobber, herzlose Beh&ouml;rden, latente bis offene Ablehnung von<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=131680\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":131682,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[917,183],"tags":[998,571,918,575,1123,827,3143,340],"class_list":["post-131680","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kultur-und-kulturpolitik","category-medienkritik","tag-buerokratie","tag-dlf","tag-kulturlandschaft","tag-ostdeutschland","tag-sachsen","tag-stigmatisierung","tag-visum","tag-zuwanderung"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Shutterstock_704967469.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/131680","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=131680"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/131680\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":131689,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/131680\/revisions\/131689"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/131682"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=131680"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=131680"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=131680"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}