{"id":131733,"date":"2025-04-17T10:00:42","date_gmt":"2025-04-17T08:00:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=131733"},"modified":"2026-01-27T11:51:52","modified_gmt":"2026-01-27T10:51:52","slug":"da-stoert-sich-doch-tatsaechlich-jemand-an-der-liedzeile-meine-soehne-geb-ich-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=131733","title":{"rendered":"Da st\u00f6rt sich doch tats\u00e4chlich jemand an der Liedzeile \u201eMeine S\u00f6hne geb\u2018 ich nicht\u201c"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/x.com\/Nightmare_Snake\/status\/1910408709932450282\">&bdquo;W&uuml;rden Sie Ihre Kinder zur Bundeswehr schicken?&ldquo;<\/a> Gerade wurde diese Frage dem Politikwissenschaftler Carlo Masala gestellt. Seine Antwort sollte nicht so im Raum stehen gelassen werden. Ein Kommentar von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1737\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-131733-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250417_Da_stoert_sich_doch_tatsaechlich_jemand_an_der_Liedzeile_Meine_Soehne_geb_ich_nicht_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250417_Da_stoert_sich_doch_tatsaechlich_jemand_an_der_Liedzeile_Meine_Soehne_geb_ich_nicht_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250417_Da_stoert_sich_doch_tatsaechlich_jemand_an_der_Liedzeile_Meine_Soehne_geb_ich_nicht_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250417_Da_stoert_sich_doch_tatsaechlich_jemand_an_der_Liedzeile_Meine_Soehne_geb_ich_nicht_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=131733-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250417_Da_stoert_sich_doch_tatsaechlich_jemand_an_der_Liedzeile_Meine_Soehne_geb_ich_nicht_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250417_Da_stoert_sich_doch_tatsaechlich_jemand_an_der_Liedzeile_Meine_Soehne_geb_ich_nicht_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>&bdquo;W&uuml;rden Sie ihre Kinder zur Bundeswehr schicken?&ldquo;, lautet die Frage, die der Moderator in der <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ptNiEHpyzcE\">Sendung &bdquo;ntv Salon&ldquo;<\/a> dem Politikwissenschaftler Carlo Masala stellt. Masala antwortet mit den Worten: &bdquo;Der Punkt ist, und deswegen finde ich diese Diskussion so absurd: Man geht zur Bundeswehr, wenn man 18 ist. Da schicke ich meine Kinder nicht zur Bundeswehr, sondern meine Kinder entscheiden selber, ob sie da hingehen oder nicht. Und ich habe als Elternteil mit ihnen dar&uuml;ber zu diskutieren, wenn sie Fragen haben, und meine Auffassung ist, wenn sie eine Entscheidung getroffen haben &ndash; egal, in welche Richtung &ndash;, dann habe ich die zu unterst&uuml;tzen. Aber dieses &lsquo;Meine S&ouml;hne gebe ich nicht&rsquo; ist so etwas von paternalistisch, da frage ich mich manchmal: Was steckt da eigentlich f&uuml;r ein Menschenbild dahinter?&ldquo;<\/p><p>Dass sich Masala dies fragt, ist gut. Jetzt m&uuml;sste er nur noch die richtige Antwort finden. Dem l&auml;sst sich nachhelfen. <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=1q-Ga3myTP4\">&bdquo;Nein, meine S&ouml;hne geb&lsquo; ich nicht&ldquo; &ndash; dieser Titel eines gro&szlig;artigen Liedes gegen den Krieg von Reinhard Mey<\/a> [Anm. d. Red.: Das hier verlinkte Video zeigt die im Jahr 2020 in Zusammenarbeit mit j&uuml;ngeren K&uuml;nstlern aufgenommene neue Version des Songs von Reinhard Mey, welcher urspr&uuml;nglich aus dem Jahr 1986 stammt und auf dem Solo-Album &bdquo;Alleingang&ldquo; erschien.] ist also aus Sicht des Professors f&uuml;r Internationale Politik an der Bundeswehr-Universit&auml;t in M&uuml;nchen &bdquo;paternalistisch&ldquo;.<\/p><p>&bdquo;Und?&ldquo;, m&ouml;chte man an der Stelle fragen. Wo ist das Problem? In dem Wort &bdquo;paternalistisch&ldquo; stecken etymologisch betrachtet die Begriffe &bdquo;Vater&ldquo; oder &bdquo;v&auml;terlich&ldquo; drin. Zu dem Begriff passend gibt es das Wort &bdquo;maternalistisch&ldquo;, also &bdquo;m&uuml;tterlich&ldquo;. Um es einfach zu sagen: V&auml;ter sind nun mal v&auml;terlich &ndash; und M&uuml;tter m&uuml;tterlich. Zumindest, wenn sie gute Eltern sind. V&auml;terlich und m&uuml;tterlich zu sein, hei&szlig;t auch: Um sein Kind besorgt sein, sich gegebenenfalls vor das Kind zu stellen, um es vor Angriffen zu sch&uuml;tzen &ndash; nicht nur vor k&ouml;rperlichen, sondern vor Angriffen jeder Art.<\/p><p>Der Begriff paternalistisch wird in unserem Sprachgebrauch oft auch im Sinne einer &bdquo;Bevormundung&ldquo; verstanden. So will ihn Masala hier auch verstanden wissen. Er tritt auf als Vater, der seinen m&uuml;ndigen erwachsenen Kindern die volle Freiheit l&auml;sst, was sie tun, wie sie sich entscheiden, schlie&szlig;lich sind die Kinder ja alt genug, und der Vater tritt in seiner Rolle als Vormund zur&uuml;ck.<\/p><p>Dagegen spricht vom Grundsatz her nichts. Und mit dieser Position l&auml;sst sich sogar sympathisieren, schlie&szlig;lich: Wenn Eltern sich anma&szlig;en, ihre erwachsenen S&ouml;hne und T&ouml;chter im Hinblick auf ihre individuelle Lebensentscheidungen zu bevormunden, sich &uuml;ber sie zu stellen und <em>f&uuml;r<\/em> sie oder gar <em>&uuml;ber<\/em> sie hinweg zu entscheiden, zeugt das eher selten von einer gesunden Beziehung.<\/p><p>Doch Vorsicht! Falle!<\/p><p>In Masalas Aussagen offenbart sich unter dem veranschlagten Thema eine Argumentation, die so falsch ist wie die Argumentation jener Akteure, die unbedingt immer mehr Waffen auf den Schlachtfeldern in der Ukraine sehen m&ouml;chten. Oft ist deren Argumentation von Eindimensionalit&auml;t und Scheinlogik gepr&auml;gt. Einem &uuml;berfallenen Land m&uuml;sse man doch &bdquo;helfen&ldquo;, sagen sie. Die Kriegshintergr&uuml;nde, die Komplexit&auml;t der Geo- und Tiefenpolitik blenden sie dabei aus. Ihr Feindbild sitzt fest &ndash; es kann nur Russland sein, auf keinen Fall der milit&auml;risch-industrielle Komplex. Und ihre &bdquo;L&ouml;sung&ldquo; zu einem raschen Kriegsende lautet: Waffen, Waffen und noch mehr Waffen &ndash; eine L&ouml;sung wohlgemerkt, die den Verh&auml;ltnissen nicht gerecht wird.<\/p><p>In diesem Geiste kann Masalas Antwort verstanden werden.<\/p><p>Konkret: Selbstverst&auml;ndlich haben Eltern Entscheidungen von ihren erwachsenen Kindern zu respektieren. Wenn das erwachsene Kind aber nach &bdquo;bestem Wissen und Gewissen&ldquo; die Entscheidung getroffen hat, sich das Leben zu nehmen, dann w&uuml;rde wohl nur ein Rabenvater es dabei unterst&uuml;tzen. Ja, das ist eine Zuspitzung. Aber ist es so viel anders, wenn sich das Kind im Erwachsenenalter freiwillig zum &bdquo;Dienst an der Waffe&ldquo; meldet und gar bereit ist, in den Krieg zu ziehen, um sein Land zu &bdquo;verteidigen&ldquo;? Ist es da nicht die Pflicht eines jeden anst&auml;ndigen Vaters und einer jeden anst&auml;ndigen Mutter, sich den erwachsenen Spr&ouml;ssling zur Brust zu nehmen, um mit ihm ein Gespr&auml;ch &uuml;ber zombiejournalistische Realit&auml;tskonstruktionen in den Medien zu sprechen? Sollten Eltern bei einer solchen Entscheidung ihre Kinder nicht dar&uuml;ber aufkl&auml;ren, wie verlogen und dreckig Kriege eigentlich sind? Sollten Eltern ihren Kindern nicht mit Nachdruck klarmachen, dass es nahezu nie um die edlen Ideale geht, die von Politikern, Journalisten und Experten nach au&szlig;en kommuniziert werden? Ist es etwa nicht die Aufgabe von Eltern, auch ihren erwachsenen Kindern bewusst zu machen, dass sie sich als Soldaten bei einem Kriegseintritt vor den Karren einer bis ins Mark verdorbenen Politik spannen lassen, die sie offensichtlich noch nicht durchschaut haben?<\/p><p>Eltern ziehen ihre Kinder nicht zum Sterben in einem Krieg gro&szlig;. Wenn Eltern sagen &ndash; oder mit Reinhard Mey singen &ndash;, &bdquo;Meine S&ouml;hne gebe ich nicht!&ldquo;, dann mag das &bdquo;paternalistisch&ldquo; sein. Aber dieser Paternalismus ist angebracht und richtig. Diese Eltern wollen ihre Kinder vor dem Abgrund des Krieges bewahren. Der Grund daf&uuml;r liegt auf der Hand. Er nennt sich: Liebe!<\/p><p><small>Titelbild: Markus Wissmann\/shutterstock.com<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/6dbe42e499b7473681aaa58182dd27eb\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/x.com\/Nightmare_Snake\/status\/1910408709932450282\">&bdquo;W&uuml;rden Sie Ihre Kinder zur Bundeswehr schicken?&ldquo;<\/a> Gerade wurde diese Frage dem Politikwissenschaftler Carlo Masala gestellt. Seine Antwort sollte nicht so im Raum stehen gelassen werden. 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