{"id":131962,"date":"2025-04-23T14:11:39","date_gmt":"2025-04-23T12:11:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=131962"},"modified":"2025-04-25T07:31:44","modified_gmt":"2025-04-25T05:31:44","slug":"mar-a-lago-accord-trumps-unausgegorener-oekonomischer-masterplan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=131962","title":{"rendered":"Mar-a-Lago-Accord \u2013 Trumps unausgegorener \u00f6konomischer Masterplan"},"content":{"rendered":"<p>Der US-Dollar ist massiv &uuml;berbewertet und dies sei der ma&szlig;gebliche Grund f&uuml;r die heutigen &ouml;konomischen Probleme der USA. Dies ist die Kernthese eines <a href=\"https:\/\/www.hudsonbaycapital.com\/documents\/FG\/hudsonbay\/research\/638199_A_Users_Guide_to_Restructuring_the_Global_Trading_System.pdf\">Strategiepapiers<\/a> des US-&Ouml;konomen Stephen Miran. Miran schl&auml;gt vor, durch Z&ouml;lle und dem mehr oder weniger unfreiwilligen Abschied von der Weltreservew&auml;hrung US-Dollar die Wettbewerbsf&auml;higkeit der USA zu erh&ouml;hen. Andere Volkswirtschaften sollen daf&uuml;r ihre Forderungen an die USA in langfristige Schuldpapiere umschulden. Wer dies nicht tut oder den imperialen W&uuml;nschen der USA in anderen Punkten nicht entspricht, wird durch Z&ouml;lle bestraft. Besiegelt werden soll diese neue Weltwirtschafts- und -w&auml;hrungsordnung durch ein Abkommen, benannt nach Trumps Wohnsitz Mar-a-Lago. Ein Plan voller Widerspr&uuml;che, gekennzeichnet von Gr&ouml;&szlig;enwahn. Das alles w&auml;re eigentlich kaum eine Notiz wert, w&auml;re Stephen Miran nicht Trumps oberster Wirtschaftsberater und w&uuml;rde Mirans Strategiepapier nicht als &bdquo;Trumps &ouml;konomischer Masterplan&ldquo; gelten. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_188\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-131962-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250423_Mar_a_Lago_Accord_Trumps_unausgegorener_oekonomischer_Masterplan_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250423_Mar_a_Lago_Accord_Trumps_unausgegorener_oekonomischer_Masterplan_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250423_Mar_a_Lago_Accord_Trumps_unausgegorener_oekonomischer_Masterplan_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250423_Mar_a_Lago_Accord_Trumps_unausgegorener_oekonomischer_Masterplan_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=131962-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250423_Mar_a_Lago_Accord_Trumps_unausgegorener_oekonomischer_Masterplan_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250423_Mar_a_Lago_Accord_Trumps_unausgegorener_oekonomischer_Masterplan_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em>Dieser Artikel liegt auch <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/flyer\/250424_Mar_a_Lago_Accord_Trumps_unausgegorener_oekonomischer_Masterplan_NDS_JB.pdf\">als gestaltetes PDF vor<\/a>. Wenn Sie ihn ausdrucken oder weitergeben wollen, nutzen Sie bitte diese M&ouml;glichkeit. Weitere Artikel in dieser Form <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?cat=54\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p>Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist der US-Dollar zur Weltreservew&auml;hrung geworden. Das 1944 ratifizierte Bretton-Woods-System sah vor, dass die US-Notenbank den US-Dollar durch ihre Goldreserve deckt und andere W&auml;hrungen im Rahmen von Wechselkursbandbreiten an die Ankerw&auml;hrung US-Dollar gekoppelt waren. Vor allem f&uuml;r die USA brachte dies den Vorteil, dass es nun eine weltweite Nachfrage nach ihren Schuldverschreibungen gab, aus denen sich die Dollarreserven ma&szlig;geblich zusammensetzten, die andere Staaten nun vorhalten mussten. Andererseits waren die USA in diesem System jedoch auch gezwungen, Leistungsbilanzdefizite zu erzielen, und die Funktion einer Reservew&auml;hrung f&uuml;hrte &ndash; damals in Kombination mit einem unflexiblen Wechselkurssystem &ndash; dazu, dass der US-Dollar permanent &uuml;berbewertet war. &Ouml;konomen sprechen hierbei von einem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Triffin-Dilemma\">Triffin-Dilemma<\/a>. 1973 brach das Bretton-Woods-System zusammen und fortan wurden die Wechselkurse der gro&szlig;en westlichen W&auml;hrungen ma&szlig;geblich frei durch Angebot und Nachfrage bestimmt.<\/p><p>Doch auch in einem System der freien Wechselkurse gibt es den Effekt, dass Leitw&auml;hrungen dazu neigen, &uuml;berbewertet zu sein. Die W&auml;hrungsreserven anderer Staaten stellen schlie&szlig;lich eine zus&auml;tzliche Nachfrage dar, die nicht durch reale Handelsstr&ouml;me gedeckt ist. Dies wurde jedoch bislang von den meisten &Ouml;konomen eher als Vorteil gesehen. Eine starke W&auml;hrung f&uuml;hrt schlie&szlig;lich dazu, dass sich Importe verbilligen, man sich also mehr leisten kann. Bezogen auf die USA und China f&uuml;hrte dies beispielsweise dazu, dass die Amerikaner chinesische Produkte bezogen, China im Gegenzug dazu die Schuldverschreibungen der USA aufbaute. Dies forcierte jedoch auch die Deindustrialisierung der USA. Der starke US-Dollar machte Importe preiswerter und verteuerte US-Exporte auf dem Weltmarkt. Deutschland erlebte sp&auml;testens seit der Einf&uuml;hrung des Euros &uuml;brigens einen umgekehrten Effekt. So gesehen ist die These, dass die St&auml;rke des US-Dollars f&uuml;r die US-Volkswirtschaft auch ein Problem ist, als solche nicht ganz abwegig und auch der Verweis auf die Funktion als Leitw&auml;hrung, die implizit mit einer Aufwertung der W&auml;hrung einhergeht, ist nicht per se falsch.<\/p><p>Doch wie wertet man seine eigene W&auml;hrung ab? Diese Frage ist sowohl politisch als auch &ouml;konomisch alles andere als profan; vor allem dann, wenn man gleichzeitig die eigene Volkswirtschaft wie Trump re-industrialisieren will. Wenn man Angebot und Nachfrage betrachtet, m&uuml;sste der Weg, die eigene W&auml;hrung abzuwerten, dahin gehen, mehr G&uuml;ter zu importieren und weniger G&uuml;ter zu exportieren. Doch Trumps Politik verfolgt ja das genaue Gegenteil. Dieser Zielkonflikt ist dann auch auf der &ouml;konomischen Ebene der gro&szlig;e Widerspruch in Mirans Strategiepapier. Aber der Reihe nach. Was schl&auml;gt Miran eigentlich konkret vor?<\/p><ol>\n<li>Abwertung des US-Dollars durch Aufgabe der Funktion als Weltleitw&auml;hrung<\/li>\n<\/ol><p>Die Abwertung des US-Dollars ist f&uuml;r Miran das Kernelement seiner Strategie. Und hier geht es nicht &bdquo;nur&ldquo; um die Re-Industrialisierung aus &ouml;konomischen Gr&uuml;nden, sondern auch um politische Fragen. Die USA sollen schlie&szlig;lich, so Miran, die Weltmacht Nummer Eins bleiben; ein Staat, der deindustrialisiert ist und nicht einmal die Waffensysteme, die er ben&ouml;tigt, um seine Macht weltweit zu projizieren, selbst herstellen kann, sei jedoch dem Abstieg geweiht. So weit, so logisch. Weniger logisch ist dann jedoch Mirans Strategie, dies ausgerechnet dadurch zu erreichen, den US-Dollar als weltweite Reservew&auml;hrung zu schw&auml;chen.<\/p><p>Dazu lohnt ein Blick auf die aktuelle Situation. Der zweitgr&ouml;&szlig;te Einzelgl&auml;ubiger der USA (hinter der eigenen Notenbank FED) ist die japanische Notenbank Bank of Japan, die rund 1.250 Milliarden US-Dollar in Form von amerikanischen Staatsanleihen als W&auml;hrungsreserve h&auml;lt. W&uuml;rde die Bank of Japan einen Teil dieser Papiere nun verkaufen, w&uuml;rde in der Tat der Dollar gegen&uuml;ber dem Yen an Wert verlieren, aber daf&uuml;r w&uuml;rde das zus&auml;tzliche Angebot an Staatsanleihen den Zins auf diese Anleihen erh&ouml;hen. Dieser Effekt k&ouml;nnte nur dadurch minimiert werden, wenn die US-Notenbank diese Anleihen kaufen w&uuml;rde. Dies w&auml;re freilich &ouml;konomisch m&ouml;glich &ndash; und grunds&auml;tzlich auch sinnvoll -, jedoch hat die FED kein Mandat f&uuml;r eine direkte Staatsfinanzierung und wenn man sich &Auml;u&szlig;erungen der FED-Verantwortlichen anschaut, besteht daran auch wenig Interesse. Private US-Investoren w&auml;ren als K&auml;ufer eine Option, jedoch w&auml;ren dann die Zinseffekte (s.o.) vorhanden. Dies wei&szlig; auch Miran und seine L&ouml;sung f&uuml;r dieses Dilemma birgt den n&auml;chsten Zielkonflikt.<\/p><ol start=\"2\">\n<li>Umstrukturierung der US-Staatsschulden<\/li>\n<\/ol><p>Miran sieht im Bestand der US-Staatsanleihen bei ausl&auml;ndischen Akteuren offenbar gar nicht das eigentliche Problem, sondern in den Zinszahlungen und dem Umstand, dass die bestehenden Anleihen nach ihrem Ablauf erneuert werden m&uuml;ssen. Dies stelle eine permanente Nachfrage nach dem US-Dollar dar, die ma&szlig;geblich f&uuml;r dessen &Uuml;berbewertung ist. Seine L&ouml;sung f&uuml;r dieses Problem ist es nun, die bestehenden Staatsanleihen mit Laufzeiten von zwei bis drei&szlig;ig Jahren und j&auml;hrlichen Zinszahlungen in sehr langlaufende Anleihen &ndash; die Rede ist von Century-Bonds, also Anleihen, die ganze 100 Jahre Laufzeit haben &ndash; mit sehr geringer oder gar keiner j&auml;hrlichen Verzinsung umzuwandeln, bei denen die eigentliche Zinszahlung erst am Ende der Laufzeit anf&auml;llt; sogenannte Nullkupon-Anleihen. Wer w&uuml;rde sich aber freiwillig eine Anleihe der USA kaufen, bei der die R&uuml;ckzahlung erst in 100 Jahren stattfinden soll? Auch Miran wei&szlig;, dass wohl keine Notenbank dieser Welt dies freiwillig tun w&uuml;rde. Aus diesem Grund schl&auml;gt er Zwangsma&szlig;nahmen vor. Doch dazu sp&auml;ter mehr.<\/p><p>Zun&auml;chst sei noch angemerkt, dass Mirans Strategieplan an dieser Stelle eine weitere L&uuml;cke aufweist. Stand M&auml;rz sind die USA mit insgesamt 8.817 Milliarden US-Dollar bei ausl&auml;ndischen Gro&szlig;gl&auml;ubigern, also in der Regel nationalen Notenbanken, verschuldet. Insgesamt sind jedoch US-Staatsanleihen <a href=\"https:\/\/www.sifma.org\/resources\/research\/statistics\/us-treasury-securities-statistics\/\">im Wert von 28.600 Milliarden US-Dollar<\/a> im Umlauf. Selbst wenn es den USA gelingen sollte, alle Notenbanken der Welt davon zu &bdquo;&uuml;berzeugen&ldquo;, ihre Dollar-Reserven in Century-Bonds ohne Kupon umzuwandeln, betr&auml;fe dies also nicht einmal ein Drittel aller Anleihen. Der Rest der Anleihen wird vor allem von Banken, Fonds und Versicherungen gehalten. Wie w&uuml;rden die reagieren, wenn die USA eine erkennbare Politik verfolgen, deren Ziel eine Abwertung des Dollars ist? Ganz einfach &ndash; sie w&uuml;rden h&ouml;here Zinsen verlangen. Was die USA mittelfristig bei den &bdquo;Gro&szlig;gl&auml;ubigern&ldquo; durch dieses Man&ouml;ver sparen w&uuml;rden, m&uuml;ssten sie also bei den &uuml;brigen Gl&auml;ubigern mehr bezahlen. Gewonnen w&auml;re unter dem Strich nichts.<\/p><ol start=\"3\">\n<li>Z&ouml;lle<\/li>\n<\/ol><p>Wie k&ouml;nnte man die Bank of Japan oder die EZB davon &uuml;berzeugen, freiwillig ihre zurzeit gehaltenen Staatsanleihen in Century-Bonds ohne Kupon umzuwandeln oder &ndash; besser noch aus Sicht Mirans &ndash; die Summe ihrer Dollarreserven zu reduzieren? Streng genommen: Gar nicht, zumindest nicht ohne Zwang. Und genau hier setzt Miran an. Neben politischen Drohkulissen (z.B. Aufk&uuml;ndigung von Verteidigungsversprechen) nennt er in seinem Strategiepapier vor allem Strafz&ouml;lle als empfohlenes Mittel der Wahl. Die Logik dahinter ist simpel: Wenn beispielsweise Japan oder die EU ihre Forderungen an die USA nicht freiwillig umwandeln, m&uuml;ssen sie halt &uuml;ber Strafz&ouml;lle dazu gezwungen werden. Nun sind aber die meisten Notenbanken &ndash; vor allem die EZB &ndash; politisch unabh&auml;ngig und selbst wenn die Politik vor den US-Drohungen bzw. US-Z&ouml;llen einknickt, ist es ungewiss, ob die Notenbanken dementsprechend handeln.<\/p><p>Gerade bei der Frage der Z&ouml;lle zeigt sich jedoch auch die unglaublich intellektuelle Schw&auml;che des Strategiepapiers. Denn hier verbirgt sich ein derart massiver Zielkonflikt, dass man sich fragt, ob dieser &bdquo;Masterplan&ldquo; &uuml;berhaupt ernst gemeint ist. Miran ist ein Freund von Z&ouml;llen und sieht sie neben der genannten Abkehr der Funktion des US-Dollars als Reservew&auml;hrung als das wichtigste Instrument zur Schw&auml;chung des Dollars. Seine Logik: Wenn die USA z.B. 10 Prozent Z&ouml;lle auf EU-Importe nehmen und der Dollar gegen&uuml;ber dem Euro um 10 Prozent an Wert gewinnt (sic!), sei dies unter dem Strich f&uuml;r US-Importeure und damit den Endkunden preisneutral und damit die Quadratur des Kreises: US-Produkte werden wettbewerbsf&auml;higer und gleichzeitig g&auml;be es keinen Inflationseffekt, da ein st&auml;rkerer (sic!) Dollar die Mehrkosten f&uuml;r die Z&ouml;lle ja kompensieren w&uuml;rde. Die Kosten f&uuml;r die Z&ouml;lle w&uuml;rden so die anderen Volkswirtschaften tragen &ndash; nicht direkt, sondern indirekt in Form von Kaufkraftverlusten.<\/p><p>Sie haben richtig gelesen. Wie von Geisterhand wird bei den Z&ouml;llen nun davon ausgegangen, dass der Dollar nicht an Wert verliert, sondern an Wert gewinnt. Das ist jedoch &ouml;konomisch widersinnig und kontraintuitiv. Seit Trumps Einf&uuml;hrung von Strafz&ouml;llen hat beispielsweise der Euro gegen&uuml;ber dem Dollar ganze 10 Prozent an Wert gewonnen. Das ist zwar grunds&auml;tzlich im Sinne Mirans Ziel einer Schw&auml;chung des Dollars, f&uuml;hrt jedoch auch zweifelsohne dazu, dass Importe in die USA sich f&uuml;r US-Kunden verteuern. Die USA zahlen also doppelt &ndash; erst einmal in Form von nominell h&ouml;heren Preisen durch die Z&ouml;lle und dann noch einmal in Form von Kaufkraftverlust durch die Abwertung ihrer W&auml;hrung. Das ist die bittere Wahrheit, die hinter dieser Strategie steckt, die als Masterplan gehandelt wird. Man kann nicht beides haben. Entweder man gewinnt an internationaler Kaufkraft und verliert an Wettbewerbsf&auml;higkeit. Oder man steigert seine Wettbewerbsf&auml;higkeit und verliert daf&uuml;r an internationaler Kaufkraft.<\/p><ol start=\"4\">\n<li>Zwangsmittel und Erpressung<\/li>\n<\/ol><p>Die hier genannten Punkte sind ausnahmslos Rechnungen, die die USA ohne den Wirt gemacht haben. Doch der soll nun ja mittels Z&ouml;llen zu seinem &bdquo;Gl&uuml;ck&ldquo; gezwungen werden. Doch nicht nur das. Das Weltwirtschaftssystem, das der Mar-a-Lago-Accord umrei&szlig;t, sieht Z&ouml;lle auch als Druckmittel f&uuml;r eine ganze Reihe von politischen Fragen vor. <a href=\"https:\/\/www.hudsonbaycapital.com\/documents\/FG\/hudsonbay\/research\/638199_A_Users_Guide_to_Restructuring_the_Global_Trading_System.pdf\">In seinem Strategiepapier nennt Stephen Miran<\/a> folgende Punkte:<\/p><ul>\n<li><em>Wendet das Land &auml;hnliche Zolls&auml;tze auf seine Importe aus den USA an wie die USA auf ihre Exporte in die USA?<\/em><\/li>\n<li><em>Hat das Land in der Vergangenheit seine W&auml;hrung unterdr&uuml;ckt, beispielsweise durch die Anh&auml;ufung &uuml;berm&auml;&szlig;iger Devisenreserven?<\/em><\/li>\n<li><em>&Ouml;ffnet das Land seine M&auml;rkte f&uuml;r US-Unternehmen in gleicher Weise wie die USA ihre M&auml;rkte f&uuml;r ausl&auml;ndische Unternehmen, die in den USA t&auml;tig sind?<\/em><\/li>\n<li><em>Respektiert das Land die amerikanischen Rechte an geistigem Eigentum?<\/em><\/li>\n<li><em>Hilft das Land China dabei, Z&ouml;lle durch Re-Exporte zu umgehen?<\/em><\/li>\n<li><em>Kommt das Land seinen NATO-Verpflichtungen in vollem Umfang nach?<\/em><\/li>\n<li><em>Steht das Land in wichtigen internationalen Streitigkeiten, beispielsweise in den Vereinten Nationen, auf der Seite Chinas, Russlands und des Irans?<\/em><\/li>\n<li><em>Hilft das Land sanktionierten Unternehmen, Sanktionen zu umgehen, oder betreibt es Handel mit sanktionierten Unternehmen?<\/em><\/li>\n<li><em>Unterst&uuml;tzt das Land die Sicherheitsbem&uuml;hungen der USA in verschiedenen Regionen oder lehnt es diese ab?<\/em><\/li>\n<li><em>Beherbergt das Land Feinde der Vereinigten Staaten, z. B. Terroristen oder Cyberkriminelle?<\/em><\/li>\n<li><em>Treten die F&uuml;hrer des Landes auf der internationalen B&uuml;hne gegen die Vereinigten Staaten auf?<\/em><\/li>\n<\/ul><p>Die Punkte 1 und 3 waren bereits bei Trumps reziproken Z&ouml;llen die offizielle Begr&uuml;ndung der Zolls&auml;tze. Andere Punkte spielten in seinen &Auml;u&szlig;erungen ebenfalls eine Rolle und man kann derzeit nur vermuten, dass es bei den parallel stattfindenden bilateralen Verhandlungen mit &ndash; so die US-Regierung &ndash; 160 L&auml;ndern zu k&uuml;nftigen Handelsabkommen um genau diese Punkte gehen wird. Man kann es auch Erpressung oder Imperialismus in Reinkultur nennen. Die USA dr&uuml;cken der Welt ihre Regeln auf.<\/p><p><strong>Wie realistisch ist es, dass es zum Mar-a-Lago-Accord kommen wird?<\/strong><\/p><p>Warum spricht Miran &uuml;berhaupt vom &bdquo;Mar-a-Lago-Accord&ldquo;? Dabei d&uuml;rfte er sich auf eine gewollte Parallele zum Plaza-Accord beziehen. Nach dem Ende von Bretton Woods liefen die Wechselkurse n&auml;mlich nicht so, wie es sich die USA erw&uuml;nscht hatten. Die USA verschuldeten sich st&auml;rker als andere westliche Industriestaaten und in Kombination mit der Funktion des US-Dollars als Reservew&auml;hrung und vergleichsweise hohen Zinsen kam es zu einer Aufwertung des Dollars, die ihrerseits das ohnehin bereits bestehende Handelsbilanzdefizit der USA vergr&ouml;&szlig;erten. Die USA baten ihre Verb&uuml;ndeten in Deutschland, Gro&szlig;britannien, Frankreich und Japan, ihre W&auml;hrungen gegen&uuml;ber dem Dollar aufzuwerten. Dieses Abkommen wurde 1985 nach dem Plaza-Hotel in New York benannt, in dem man die Verhandlungen dazu f&uuml;hrte. Der Plaza-Accord hatte durchaus Erfolg, der Dollar wertete in den n&auml;chsten Jahren um ganze 50 Prozent gegen&uuml;ber der D-Mark und dem Yen ab. Das Handelsbilanzdefizit verringerte sich, aber insbesondere in Japan f&uuml;hrte die Aufwertung des Yen auch zu einer Preisblase am Immobilienmarkt, deren Platzen sp&auml;ter eine anhaltende Rezession ausl&ouml;ste.<\/p><p>1985 waren die Weltwirtschaft und das Weltw&auml;hrungssystem jedoch auch noch sehr westlich gepr&auml;gt und die USA konnten die Regeln ma&szlig;geblich bestimmen. Heute, vierzig Jahre sp&auml;ter, befinden wir uns auch &ouml;konomisch in einer multipolaren Welt. Es ist unwahrscheinlich, dass &ouml;konomische Gro&szlig;m&auml;chte wie China sich von den USA erpressen lassen, im Rahmen eines Mar-a-Lago-Accords ihren Teil dazu beizutragen, den lt. USA zu harten US-Dollar abzuwerten. Im Gegenteil. Bereits beim letzten Handelskrieg zwischen China und den USA, den ebenfalls Donald Trump im Jahr 2018 angezettelt hat, ging es beiden Parteien vor allem darum, ihre eigene W&auml;hrung abzuwerten.<\/p><p>Statt eines &bdquo;Accords&ldquo;, also eines Abkommens, d&uuml;rfte es jedoch aus verschiedenen anderen Gr&uuml;nden tats&auml;chlich mittel- bis langfristig zu einer Abwertung des Dollars kommen. Dazu z&auml;hlt die Zollpolitik, aber auch der geringere Anteil der USA am Weltmarkt. Reservew&auml;hrungen sind ja zweierlei &ndash; zum einen die naheliegende Option, W&auml;hrungs&uuml;bersch&uuml;sse zu verwalten, ohne die eigene W&auml;hrung aufzuwerten und damit seine Wettbewerbsf&auml;higkeit zu verringern. Und sie stellen zum anderen auch ein strategisches Reservoir dar, um bei starken W&auml;hrungsschwankungen den Wechselkurs der eigenen W&auml;hrung zu steuern. Wenn der Au&szlig;enhandel in US-Dollar jedoch an Bedeutung verliert, sinkt auch die Bedeutung einer strategischen Dollarreserve, um die eigene W&auml;hrung gegen Schwankungen gegen&uuml;ber dem Dollar zu sch&uuml;tzen. Noch wichtiger f&uuml;r den Bedeutungsverlust von Dollarreserven d&uuml;rfte aber das schwindende politische Vertrauen in die USA sein. Wer offen mit dem Gedanken spielt, internationale Abkommen aufzuk&uuml;ndigen, die halbe Welt sanktionieren will, selbst neue Regeln diktieren will, ist nicht gerade ein seri&ouml;ser Schuldner. Der Abzug aus dem Dollar wird also ohnehin kommen.<\/p><p>Ob die USA sich dar&uuml;ber freuen k&ouml;nnen, weil sie nun so wettbewerbsf&auml;hig sind, dass sie wieder selbst Industrieg&uuml;ter und Konsumprodukte herstellen k&ouml;nnen, oder ob sie sich dar&uuml;ber Sorgen machen sollten, dass dies auch hei&szlig;t, dass sie sich k&uuml;nftig viele Importg&uuml;ter nicht mehr leisten k&ouml;nnen, steht dabei auf einem ganz anderen Blatt.<\/p><p>Empfehlenswert zum Thema ist der Podcast von Christian Rieck zum Thema: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Bt71KTw_iWc\">Trumps neue Weltwirtschaftsordnung: Der Mar-a-Lago-Accord erkl&auml;rt<\/a>.<\/p><p><small>Titelbild: me.mabdullah\/shutterstock.com<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/50126bb16442455cb2c1e553009f7437\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der US-Dollar ist massiv &uuml;berbewertet und dies sei der ma&szlig;gebliche Grund f&uuml;r die heutigen &ouml;konomischen Probleme der USA. 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