{"id":13198,"date":"2012-05-10T15:53:39","date_gmt":"2012-05-10T13:53:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13198"},"modified":"2015-02-15T15:30:37","modified_gmt":"2015-02-15T14:30:37","slug":"unter-der-decke-der-neoliberalen-einheitspartei-gart-es","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13198","title":{"rendered":"Unter der Decke der neoliberalen Einheitspartei g\u00e4rt es"},"content":{"rendered":"<p>So wird von einer Veranstaltung am 9. Mai an der Uni M&uuml;nster berichtet, bei der Heiner Flassbeck in seinen bekannten Positionen sowohl von einem Vertreter der Deutschen Bank als auch von dem fr&uuml;heren s&auml;chsischen Ministerp&auml;sidenten Georg Milbradt (CDU) unterst&uuml;tzt wurde und bei der, zum offensichtlichen Entsetzen der Moderatorin von der FAZ (Heike G&ouml;bel) auch Hans Tietmeyer zugestehen musste, dass die Anpassung der Wettbewerbsf&auml;higkeit nicht nur einseitig von Seiten der Defizitl&auml;nder erfolgen kann. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nWir stehen vor dem Kollaps der Eurozone und damit auch vor einem Kollaps Europas. Wenn das geschehen ist, wenn Millionen Menschen wie jetzt schon in Griechenland, in Spanien und in Portugal dann auch in anderen L&auml;ndern vor dem wirtschaftlichen Aus und oft zugleich vor dem Ende jeglicher menschlichen Perspektive stehen, dann wird man hoffentlich die Frage stellen, wer dieses Ungl&uuml;ck, in das wir sehenden Auges gelaufen sind, zu verantworten hat&hellip;<\/p><p>Wenn man dann zu einer ehrlichen Antwort f&auml;hig w&auml;re, dann m&uuml;sste man feststellen: Es ist der gleiche Fehler wie bei der gro&szlig;en Weltwirtschaftskrise 1929 gemacht worden. Es wurde sozusagen in die Krise hinein zu sparen versucht und damit logischerweise ohne Erfolg. Das konnte man dank der &ouml;konomischen Theorie wissen, wenn man gewillt war, in volkswirtschaftlichen Zusammenh&auml;ngen und nicht nur betriebswirtschaftlich zu denken. Und man konnte es aus der Geschichte der Weltwirtschaftskrise wie auch dank aktueller Erfahrung wissen. Das Experiment l&auml;uft schlie&szlig;lich schon seit zwei Jahren in Griechenland &ndash; erfolglos und damit f&uuml;r Menschen ohne ideologische Binde vor den Augen erkennbar gescheitert.<br>\nAber die Ignoranz und die Gleichschaltung der herrschenden Meinung in Wissenschaft und Medien, in Politik und Wirtschaft war und ist so gro&szlig;, dass weder die Erfahrung noch die leicht zu verstehende Theorie die notwendige Wirkung entfalten konnte.<\/p><p>Vielleicht aber bleibt uns diese Analyse des Ungl&uuml;cks erspart, weil wir dieses noch abzuwenden verm&ouml;gen. Die bisher gleichgeschaltete herrschende Meinung bekommt n&auml;mlich Risse. Unter der Decke g&auml;rt es. Blubbernde Blasen treten zum Vorschein: Die Bundesbank nehme h&ouml;here Inflation in Kauf, k&ouml;nnen wir <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/inflation-bundesbank-erlaubt-hoehere-teuerung-loehne-sollen-steigen-a-832358-druck.html\">jetzt lesen<\/a>. Das wird zwar noch in der Sprache der herrschenden Ideologie vermittelt. Es wird nicht neutral formuliert, die Bundesbank nehme eine h&ouml;here Preissteigerungsrate in Kauf. Nein, es hei&szlig;t, die &bdquo;Inflation&ldquo; bei uns k&ouml;nne k&uuml;nftig &uuml;ber dem Durchschnitt der Europ&auml;ischen Wirtschafts- und W&auml;hrungsunion liegen. Ein Anstieg von 2 % auf 2,5 oder 2,6 % wird &bdquo;Inflation&ldquo; genannt. Diese Borniertheit st&ouml;rt uns jetzt nicht. Denn es bewegt sich etwas. Die Meldung geht auf eine &Auml;u&szlig;erung des Chefvolkswirts der deutschen Bundesbank zur&uuml;ck. Man kann das als eine Korrektur der bisherigen Linie betrachten.<br>\nDahinter steckt die Erkenntnis, dass die Anpassungsleistung innerhalb des Euroraums nicht nur von den s&uuml;deurop&auml;ischen V&ouml;lkern geleistet werden muss, sondern auch von uns. Die Preise und L&ouml;hne m&uuml;ssen bei uns etwas mehr als im europ&auml;ischen Durchschnitt steigen, damit sich die Volkswirtschaften der Eurozone wenigstens auf mittlere Sicht wieder ann&auml;hern. Ohne Ann&auml;herung der Entwicklung der Lohnst&uuml;ckkosten, ohne Ann&auml;herung der Wettbewerbsf&auml;higkeit wird n&auml;mlich der gemeinsame W&auml;hrungsraum nicht zu halten sein. Die Bundesbank gibt mit der &Auml;u&szlig;erung des Chefvolkswirts erstmals zu, dass Deutschland Verantwortung f&uuml;r ein neues Gleichgewicht im Euro-Raum hat.<br>\nIn die gleiche Richtung zielt die erstaunliche Ermunterung von Bundesfinanzminister Sch&auml;uble, h&ouml;here L&ouml;hne zu vereinbaren, und die eingangs zitierte &uuml;berraschende &Uuml;bereinstimmung mit Heiner Flassbeck.<\/p><p>Dass es unter der Decke g&auml;rt, dass die Einheitsfront der Ignoranten aufbricht, hat wohl etwas damit zu tun, dass jetzt auch die Beobachter der Europ&auml;ischen Zentralbank und der Bundesbank, der Berliner Bundesregierung und auch einige der meinungsf&uuml;hrenden Wirtschaftsjournalisten zu merken beginnen, dass sie mit ihrer bisherigen ideologisch bestimmten Linie eine Katastrophe herbeif&uuml;hren. Sie sind mit ihrem Latein am Ende.<br>\nWahrscheinlich hat es sich inzwischen auch bis zu ihnen herumgesprochen, dass viele und wichtige Banken in s&uuml;deurop&auml;ischen L&auml;ndern eigentlich bankrott sind. (Siehe dazu auch <a href=\"http:\/\/www.badische-zeitung.de\/deutschland-1\/deutschland-sieht-den-balken-im-eigenen-auge-nicht--58656717.html\">Heiner Flassbeck<\/a>) Die Konten in Griechenland d&uuml;rften sowieso ger&auml;umt sein. Es wird in anderen L&auml;ndern damit weitergehen, wenn nicht Entscheidendes geschieht. Und wenn sich bisher einige in Deutschland dar&uuml;ber freuen, dass das zustr&ouml;mende Geld hierzulande die Zinsen dr&uuml;ckt, dann k&ouml;nnten diese doch immerhin merken, dass es au&szlig;er ihnen selbst in ihren Kreisen noch einige Umsichtigere gibt: Solche, die noch zu erfassen verm&ouml;gen, welch eine Katastrophe der Zusammenbruch zuerst in Griechenland und dann in Spanien und immer weiter bis Italien und vielleicht bis Frankreich und dann auch hierzulande darstellen w&uuml;rde.<\/p><p>Die Verantwortungslosigkeit neoliberal gepr&auml;gter Kreise ist vermutlich beachtlich und es gibt sicher die Uneinsichtigen. Aber es sieht so aus, dass einige aus diesen Zirkeln die &bdquo;Hosen gestrichen voll haben&ldquo; und in Panik geraten. Darauf kann man nur hoffen. Damit man nicht hinterher die Scherben zusammen kehren muss und sich nicht hinterher dar&uuml;ber her machen muss, das absehbare europ&auml;ische Ungl&uuml;ck zu analysieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So wird von einer Veranstaltung am 9. Mai an der Uni M&uuml;nster berichtet, bei der Heiner Flassbeck in seinen bekannten Positionen sowohl von einem Vertreter der Deutschen Bank als auch von dem fr&uuml;heren s&auml;chsischen Ministerp&auml;sidenten Georg Milbradt (CDU) unterst&uuml;tzt wurde und bei der, zum offensichtlichen Entsetzen der Moderatorin von der FAZ (Heike G&ouml;bel) auch Hans<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13198\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[139,205,157],"tags":[423,364,365,476],"class_list":["post-13198","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-euro-und-eurokrise","category-neoliberalismus-und-monetarismus","category-wettbewerbsfaehigkeit","tag-austeritaetspolitik","tag-flassbeck-heiner","tag-inflation","tag-weltwirtschaftskrise"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13198","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=13198"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13198\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":25042,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13198\/revisions\/25042"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=13198"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=13198"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=13198"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}