{"id":13230,"date":"2012-05-15T09:02:15","date_gmt":"2012-05-15T07:02:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13230"},"modified":"2019-01-30T10:57:39","modified_gmt":"2019-01-30T09:57:39","slug":"gluck-braucht-einen-geschichtlichen-atem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13230","title":{"rendered":"Gl\u00fcck braucht einen geschichtlichen Atem"},"content":{"rendered":"<p>G&ouml;tz Eisenberg erinnert an den engagierten Intellektuellen und Schriftsteller Lothar Baier, der am 16. Mai 70 Jahre alt geworden w&auml;re. Lothar Baier z&auml;hlte in den sp&auml;ten 70er und dann vor allem in den 80er Jahren zu den wichtigen intellektuellen K&ouml;pfen. Er war ein gefragter Literaturkritiker, die Feuilletons fast aller gro&szlig;en Zeitungen standen ihm in jenen Jahren offen. Bei Wagenbach erschienen seine Essays &bdquo;Firma Frankreich, Gleichheitszeichen&ldquo; und &bdquo;Die gro&szlig;e Ketzerei&ldquo; und er publizierte in der Zeitschrift Merkur, in Enzensbergers Zeitschrift TransAtlantik wie in Wagenbachs Freibeuter. 1982 wurde er mit dem Jean-Amery-Preis f&uuml;r Essayistik ausgezeichnet.1985 erschien im Verlag S. Fischer seine Erz&auml;hlung &bdquo;Jahresfrist&ldquo;, in die er seine Erfahrungen beim Restaurieren eines alten Bauernhauses in S&uuml;dfrankreich einflie&szlig;en lie&szlig;.<br>\n&bdquo;Heute hinauszuschreien, dass die Utopie gescheitert ist, ist etwa so klug, wie im Sp&auml;therbst, wenn die Bl&auml;tter fallen, zu dem Schluss zu kommen, dass die Idee des Fr&uuml;hlings gescheitert ist. Nieder mit dem Fr&uuml;hling!&ldquo;, schrieb er in dem 1993 erschienenen Band &bdquo;Die verleugnete Utopie&ldquo;.  Von <strong>G&ouml;tz Eisenberg<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nEinen seiner letzten Texte hat Lothar Baier unter dem Datum des 14. Januar 2003 in Form eines Briefes an den Mitte Mai 2009 in Z&uuml;rich gestorbenen Psychoanalytiker Paul Parin, der f&uuml;r Lothar so etwas wie ein v&auml;terlicher Freund und gelegentlicher Ratgeber gewesen ist. Er hat diesen Brief auch an einige wenige, noch verbliebene Freunde geschickt. &bdquo;lieber herr parin&ldquo;, lesen wir dort, &bdquo; &sbquo;und er hat alles kleingeschrieben &ndash; stefan george tut dies auch&rsquo;, hei&szlig;t es in einem chanson von tucholsky. dass ich alles klein schreibe, hat mit george nichts zu tun, sondern nur mit dem kruden faktum, dass ich mit der linken tippen muss, da der rechte arm vergipst in der schlinge h&auml;ngt.&ldquo; <\/p><p>Der Brief enth&auml;lt in seinem Fortgang Lothars Version des dramatischen Scheiterns einer Liebesbeziehung, deretwegen er nach Kanada gegangen war. In dem an mich gerichteten Begleitschreiben spricht Lothar davon, dass er auch nach dem Ende dieser Beziehung in Kanada bleiben wolle. Montr&eacute;al sei ein &bdquo;wirksames Antidepressivum&ldquo; f&uuml;r ihn und er denke nicht daran, ins &bdquo;gentrifizierte Finanzdorf Frankfurt&ldquo; zur&uuml;ckzukehren. <\/p><p>W&auml;hrend eines seiner zahlreichen Frankreichaufenthalte hatte er in den neunziger Jahren eine Frankokanadierin kennengelernt. Die beiden f&uuml;hrten &uuml;ber l&auml;ngere Zeit eine transatlantische Beziehung. Lothar begann, Lehrauftr&auml;ge an kanadischen Universit&auml;ten anzunehmen und zwischen Frankfurt und Montr&eacute;al hin und her zu pendeln, bis er Anfang des neuen Jahrhunderts auf ihr Dr&auml;ngen hin seine Zelte in Frankfurt und Deutschland abbrach und vollends nach Kanada ging. Seinen 60. Geburtstag feierte er mit seiner Lebensgef&auml;hrtin und einem neuen Freundeskreis im gemeinsam erworbenen Haus in Montr&eacute;al. Nachdem sein Entschluss feststand, nach Kanada zu gehen, brach er viele Br&uuml;cken hinter sich ab und lie&szlig;, um sich den Abschied zu erleichtern, an Deutschland und seinen Bewohnern kein gutes Haar. In dieser Zeit br&uuml;skierte er manchen und stie&szlig; seinen Bekannten- und Freundeskreis gelegentlich mit schroffen Bemerkungen und herber Kritik vor den Kopf. Der Abschiedsschmerz und die Angst vor dem endg&uuml;ltigen Schritt in eine ungewisse Zukunft schlugen in Angriffslust um. Lothar praktizierte eine Art Beziehungspolitik der verbrannten Erde, spitzte Konflikte zu, bezog in Diskussionen extreme, schwer nachvollziehbare Positionen, grenzte sich ab. Entt&auml;uscht zeigte er sich vor allem von vielen ehemaligen Weggef&auml;hrten und Genossen, die er nun mit einem gewissen Sarkasmus als &bdquo;former radicals, now upstairs moving&ldquo; bezeichnete. Einige von ihnen hatten nach langen Phasen des lebensgeschichtlichen Improvisierens und Sich-Durchschlagens als freie Schreiber den Weg in feste Anstellungen gew&auml;hlt und sich in Lothars Wahrnehmung in &bdquo;Normalit&auml;tsspie&szlig;er&ldquo; verwandelt &ndash; sein Abgrenzungsfuror trieb den ansonsten freundlichen, eher aggressionsgehemmten Menschen zur Entwicklung solcher Wort-Granaten. Alles, was &bdquo;aus dem Rahmen ihrer ruhigen, rotgr&uuml;nen oder schwarzen Beamtenexistenz f&auml;llt&ldquo;,  mache sie sprachlos. Es kam ihm so vor, als seien sie f&uuml;r ihn und seine Erfahrungen nicht l&auml;nger ansprechbar und als existiere der &bdquo;kleine Schreiber Lothar Baier&ldquo; f&uuml;r sie nicht mehr. <\/p><p>Dem oben erw&auml;hnten Brief beigef&uuml;gt hatte er den Bericht einer kanadischen Tageszeitung &uuml;ber ein T&ouml;tungsdelikt in Vancouver: &bdquo;Did video-game violence lead to real-life shooting?&ldquo;, lautete die &Uuml;berschrift. In einem Internet-Caf&eacute; war ein 17-J&auml;hriger von einem Kumpel, der von ihm gerade beim Video-Schie&szlig;en besiegt worden war, erschossen worden. &bdquo;Den Artikel lege ich dir bei, f&uuml;r deine Dokumentation&ldquo;, schrieb Lothar. Von ihm habe ich auch zuerst davon geh&ouml;rt, dass &bdquo;going postal&ldquo;, aufs Postamt gehen, in den USA ein Synonym f&uuml;r Amoklaufen ist. Als man in den 80er Jahren im Zuge der Reaganomics damit begann, die Post zu privatisieren und zu &bdquo;verschlanken&ldquo;, kamen einige entlassene ehemalige Postangestellte bewaffnet an ihren privatisierten Arbeitsplatz zur&uuml;ck und schossen dort um sich. Lothar sah einen Zusammenhang zwischen der wirtschaftlichen Deregulierung und der Zunahme solcher Firmen-Amokl&auml;ufe. Im August 1999 schrieb er aus Montr&eacute;al: &bdquo;Die Deregulierung schl&auml;gt hier noch viel schneller auf die Individuen durch als in Europa, wo es noch z&auml;hlebige b&uuml;rgerliche Residuen gibt. Vielleicht gibt es auch schon deregulierungstypische Verbrechen, wie das Massaker eines frustrierten Daytraders unter Angestellten einer Brokerfirma in Atlanta.&ldquo; <\/p><p>Die Liebesbeziehung war angesichts der Probleme des allt&auml;glichen Zusammenlebens und ungewohnter N&auml;he-Verh&auml;ltnisse bald in eine Krise geraten und dann katastrophal gescheitert. Zum zweiten Mal in seinem Leben m&uuml;sse er die Erfahrung machen, schrieb er in einem Brief, &bdquo;dass mir eine Frau das Haus unter dem Arsch wegzieht&ldquo;. Nach den Wirren und Verletzungen der Trennung fand er eine kleine Wohnung in einem ehemaligen Arbeiterviertel. Doch so etwas wie Gl&uuml;ck stellte sich nicht mehr ein. Die Probleme, die Lothar mit der Auswanderung hinter sich zu lassen hoffte, hatten wie blinde Passagiere den Umzug mitgemacht und &bdquo;verspotteten ihn f&uuml;r die Vorstellung, &hellip; irgendjemandem entkommen zu k&ouml;nnen&ldquo;, wie er es in seiner Erz&auml;hlung Jahresfrist zwei Jahrzehnte zuvor beschrieben hatte. Ich stelle mir vor, dass es ihm nun in Kanada &auml;hnlich erging wie damals in der s&uuml;dfranz&ouml;sischen Einsamkeit: Vor allem in den N&auml;chten &bdquo;meldete sich immer unabweisbarer der Verdacht zu Wort, dass dieser ganze Fluchtversuch vergeblich war. In den N&auml;chten holte mich etwas ein, was sich durch keine Entfernung und keine Isolation absch&uuml;tteln lie&szlig;. Als ich in die Ein&ouml;de fuhr, glaubte ich allen Arten von Verfolgern entkommen zu sein, und wusste noch nichts von den Verfolgern, die ich unerkannt mitgeschleppt hatte und die mir desto dichter auf den Leib r&uuml;ckten, je weiter ich mich von der gewohnten Welt entfernte.&ldquo; L&auml;ngst aus dem Bewusstsein entschwundene Gestalten und Peiniger suchten ihn heim und zerrten abgesunkene Gef&uuml;hle aus der Erinnerung heraus. Wie durch ein Steigrohr stiegen &bdquo;Gef&uuml;hle der Scham und der Schuld, &Auml;ngste und Erniedrigungen&ldquo; auf. &bdquo;Fr&uuml;here Erzieher und Ausbilder, an die ich seit vielen Jahren nicht mehr gedacht hatte, machten sich in den Tr&auml;umen breit und spielten Szenen vor, die immer von der Ohnmacht handelten, und noch jenseits des Schlafs klang das Echo ihrer Stimmen nach.&ldquo;<br>\nDas Antidepressivum Montr&eacute;al wirkte nicht mehr. Die Depression kehrte zur&uuml;ck und irgendwann schien ihm das Leben nicht mehr der M&uuml;he wert. <\/p><p><strong>Da bei politisch denkenden und engagierten Menschen, die die Idee der Befreiung zu ihrer regulativen Idee gemacht haben, also bei Linken, Lebensgeschichte und Geschichte eng miteinander verflochten und aufeinander bezogen sind, h&auml;ngt ihr seelisches Gleichgewicht, ihre Identit&auml;t in besonderer Weise davon ab, wie gesellschaftliche Prozesse verlaufen. Gl&uuml;ck wird es f&uuml;r sie nicht nur als subjektives, individuelles geben, sondern bedarf stets einer &ouml;ffentlichen, allgemeinen Dimension: Gl&uuml;ck ist entweder f&uuml;r (fast) alle m&ouml;glich, oder f&uuml;r (fast) keinen. Mit Peter Br&uuml;ckners Worten: Gl&uuml;ck hat seinen geschichtlichen Atem, braucht den Wind einer historischen Tendenz im R&uuml;cken. Phasen, da sich die Wirklichkeit zum befreienden Gedanken dr&auml;ngt und es zu einer Verbindung der aus dem Subjekt kommenden Kr&auml;fte mit den objektiven Verh&auml;ltnissen kommt, erleben an Ver&auml;nderung interessierte Menschen als ihren Kair&oacute;s, als &ouml;ffentliches Gl&uuml;ck. &bdquo;Kair&oacute;s ist die altgriechische Bezeichnung f&uuml;r eine gl&uuml;ckliche Situation&ldquo;, formuliert Oskar Negt, &bdquo;die ganz verschiedene Kr&auml;fte zu einem Energieb&uuml;ndel zusammenf&uuml;gt, das einer Neuerung zur Existenz verhilft.&ldquo; In Zeiten, da die Klassenk&auml;mpfe stillgestellt scheinen, m&uuml;ssen Linke sich schwierigen Balanceakten unterziehen. Affirmation oder Emanzipation, Wendung der Gl&uuml;ckssuche ins Private oder Widerstand &ndash; eine sich wie von selbst herstellende Balance zwischen derart gegens&auml;tzlichen Tendenzen ist schwer denkbar und sie bedarf st&auml;ndiger und m&uuml;hevoller Identit&auml;tsarbeit. Es ist schwierig, in nichtrevolution&auml;ren Zeiten das lebensgeschichtliche Primat der Politik durchzuhalten. <\/strong><\/p><p>Lothar Baiers &bdquo;Depression&ldquo; weist neben ihrer individuellen, einzelnen Entstehungsgeschichte eine gesellschaftlich-historische, allgemeine Dimension auf. Er musste mehrfach erfahren,  dass der Gang seiner Lebensgeschichte vom gegenl&auml;ufigen Trend gesellschaftlich-historischer Tendenzen ungl&uuml;cklich geschnitten wurde. Dieser Schnitt &ndash; der Anti-Kair&oacute;s &ndash; kann die Folgen lebensgeschichtlicher Verletzungen aus der Latenz hervortreten lassen und so zum Ausl&ouml;ser psychischer Erkrankungen werden. Lothar Baier wusste um diese Zusammenh&auml;nge. In einem autobiographisch gef&auml;rbten Text, der <em>Vom Schreiben leben<\/em> hei&szlig;t und in Heft 10\/79 der Zeitschrift <em>Merkur<\/em> erschienen ist, blickt er auf die Jahre der 68er Revolte und ihr Ende zur&uuml;ck: &bdquo; &hellip; ich sp&uuml;rte damals, dass irgendetwas unwiderruflich zu Ende gegangen war, und ich f&uuml;hlte mich krank. Ich f&uuml;hlte mich umso mehr krank, als ich weder die Krankheit lokalisieren noch mir erkl&auml;ren konnte, woher sie kam. W&auml;re ich zu einem Arzt gegangen, h&auml;tte er wahrscheinlich etwas wie &sbquo;Depression&lsquo; diagnostiziert und mir Medikamente verschrieben.&ldquo; Lothar leitete seinen Zustand vom allgemeinen Zustand der Erstarrung ab, den alle um ihn herum damals registrierten. Er sah sich von Tr&uuml;mmerhaufen zerbrochener Hoffnungen umgeben und empfand sich als &bdquo;entlassener Hilfsarbeiter der Revolution&ldquo;. Der erste Ausbruch von Lothars Depression f&auml;llt mit dem Verlust des &ouml;ffentlichen Gl&uuml;cks zusammen, das die Revolte der Jugendlichen und Studierenden f&uuml;r viele mit sich gebracht hatte. Die Revolte war getragen von der Hoffnung, dass sich die Verh&auml;ltnisse grunds&auml;tzlich &auml;ndern lie&szlig;en und zwar am besten sofort oder doch in absehbarer Zeit. Nachdem sich diese Hoffnung als Illusion entpuppt hatte, lagen vor den Akteuren die Brecht&lsquo;schen &bdquo;M&uuml;hen der Ebenen&ldquo; und eine &bdquo;Leidensgeschichte der M&auml;&szlig;igung der Anspr&uuml;che&ldquo;, wie Peter Br&uuml;ckner es ausgedr&uuml;ckt hat. Sie mussten lernen, dass Ver&auml;nderung der Gesellschaft nicht die Zeitlichkeit des Sofort besitzt, sondern langfristige Bem&uuml;hungen erfordert. Und sie w&uuml;rden &uuml;ber diesen Bem&uuml;hungen &auml;lter, wom&ouml;glich alt werden und mussten ihr Leben einstweilen unter Bedingungen f&uuml;hren, die sie einer scharfen Kritik unterzogen hatten und im Kern ablehnten &ndash; und nun dennoch zur Basis ihrer Lebensentw&uuml;rfe und Identit&auml;tskonstruktionen nehmen mussten. Die bisherigen Orientierungsschemata stimmten nicht mehr und man musste neue finden, da man nicht ohne ein geistiges Koordinatensystem leben kann. Das bezeichnet den Kern der Krise, in die die antiautorit&auml;re Linke Anfang der 1970er Jahre geriet und von der auch Lothar erfasst wurde. <\/p><p>Der zweite Depressionsschub scheint eine Folge der Krise gewesen zu sein, in die die westeurop&auml;ische Linke, zu deren f&uuml;hrenden intellektuellen K&ouml;pfen Lothar Baier in den sp&auml;ten 70er und dann vor allem in den 80er Jahren z&auml;hlte, nach dem Kollaps des Ostblocks geriet. F&uuml;r eine Weile konnte es den Anschein haben, als sollte die b&uuml;rgerlich-kapitalistische Welt das letzte Wort haben und als habe ihr weltumspannender Triumph jedwede Alternative unter sich begraben. Der H&ouml;chststand der kapitalistischen Entwicklung ging mit einem Tiefststand widerst&auml;ndiger Potenziale einher. Ich erinnere mich gut daran, dass Lothar Baier im Tod des franz&ouml;sischen Sozialisten Pierre B&eacute;r&eacute;govoy am 1. Mai des Jahres 1993, also am &bdquo;Kampftag der Arbeiterklasse&ldquo;, ein Symbol f&uuml;r diesen Zustand und ein Menetekel erblickte. Morgens hatte B&eacute;r&eacute;govoy noch auf einer gewerkschaftlichen Kundgebung gesprochen, abends erschoss er sich. <\/p><p>Lothar Baier ahnte fr&uuml;h, worauf das von den Hohepriestern des <em>freien Marktes<\/em> verk&uuml;ndete <em>Neue Zeitalter<\/em> hinauslaufen w&uuml;rde: Ein von keinerlei Alternativen behelligter und von keiner nennenswerten Opposition eingeschr&auml;nkter Kapitalismus w&uuml;rde jedwede Bei&szlig;hemmung ablegen und nackt und ungeschminkt in Erscheinung treten. &bdquo;Der Kapitalismus ist immer nur nett, wenn er nett sein muss. Jetzt muss er nicht&ldquo;, zitierte er den Wiener Autor G&uuml;nther Nenning, dessen Argumentation er wie folgt zusammenfasste: &bdquo;Zu Zeiten des Kalten Krieges war der Kapitalismus viel weniger reich als jetzt, und dennoch finanzierte er, wenn auch gelegentlich maulend, den vollen Sozialstaat. Jetzt, wo er um ein Vielfaches reicher ist, sieht er sich mangels kommunistischer oder auch nur sozialdemokratischer Herausforderung zu solchen Nettigkeiten nicht mehr gezwungen, und kann deshalb den Sozialstaat in seiner bisherigen Form zum unbezahlbaren Luxus erkl&auml;ren, ohne damit mehr als rhetorischen Protest zu ernten. Auch in dieser Hinsicht geht es ihm besser denn je.&ldquo;<\/p><p>Lothar Baier &uuml;berwand seine Post-68er-Krise und depressive Episode und war auch in den Jahren danach ein gefragter Literaturkritiker. Die Feuilletons fast aller gro&szlig;en Zeitungen standen ihm in jenen Jahren offen. Man bot ihm an, Feuilleton-Chef der Wochenzeitung DIE ZEIT zu werden, aber er lehnte ab. Bei Wagenbach erschienen seine viel beachteten und gelesenen Essays <em>Firma Frankreich, Gleichheitszeichen, Die gro&szlig;e Ketzerei<\/em> und <em>Volk ohne Zeit<\/em>. Er publizierte in der Zeitschrift <em>Merkur<\/em>, in Enzensbergers Zeitschrift <em>TransAtlantik<\/em> wie in Wagenbachs <em>Freibeuter<\/em>. 1982 wurde er mit dem <em>Jean-Amery-Preis<\/em> f&uuml;r Essayistik ausgezeichnet. 1985 erschien im Verlag <em>S. Fischer<\/em> seine Erz&auml;hlung <em>Jahresfrist<\/em>, in die er seine Erfahrungen beim Restaurieren eines alten Bauernhauses in S&uuml;dfrankreich einflie&szlig;en lie&szlig;. Auch dieses Haus sollte &ndash;zumindest in den Sommermonaten &ndash; eine Frankfurter Liebesbeziehung beherbergen, die dann aber zerbrach und ihn des Hauses beraubte. Jahresfrist ist aber zugleich eine Auseinandersetzung mit dem von Lothar Baier gesch&auml;tzten franz&ouml;sischen Schriftsteller Paul Nizan, dessen Roman <em>Die Verschw&ouml;rung<\/em> er ins Deutsche &uuml;bertragen hatte. Nizan war 1939 aus Protest gegen den Hitler-Stalin-Pakt aus der Kommunistischen Partei ausgetreten und in der Folge als &bdquo;Verr&auml;ter&ldquo; gebrandmarkt worden. Im Mai 1940 kam er an der Front bei D&uuml;nkirchen ums Leben. <\/p><p>Ab den 90er Jahren wurde die Luft d&uuml;nn f&uuml;r einen wie Lothar, der den nach dem Zusammenbruch des Ostblocks zur Mode gewordenen Trend zum Abschw&ouml;ren und zur Konversion nicht mitmachte und sich und seinen fr&uuml;heren Intentionen die Treue hielt. W&auml;hrend zahlreiche ehemalige Linke sich von ihrer Vergangenheit distanzierten und sich in runderneuerte &bdquo;Wachhunde&ldquo; der globalisierten kapitalistischen Ordnung und des Marktes verwandelten, wie Paul Nizan es ausgedr&uuml;ckt h&auml;tte, blieb er ein &bdquo;engagierter Intellektueller&ldquo; im Sinne Sartres. &bdquo;Heute hinauszuschreien&ldquo;, schrieb er in dem 1993 erschienenen Band Die <em>verleugnete Utopie<\/em>, &bdquo;dass die Utopie gescheitert ist, ist etwa so klug, wie im Sp&auml;therbst, wenn die Bl&auml;tter fallen, zu dem Schluss zu kommen, dass die Idee des Fr&uuml;hlings gescheitert ist. Nieder mit dem Fr&uuml;hling!&ldquo; Er wurde Redakteur der in der Schweiz erscheinenden Wochenzeitung (WOZ), bis es zu unsch&ouml;nen Zerw&uuml;rfnissen kam und man das von ihm betreute Gesellschafts-Ressort abschaffte, und verfasste regelm&auml;&szlig;ig Beitr&auml;ge f&uuml;r den Freitag und den <em>Deutschlandfunk<\/em>. Er, der in seinen guten Jahren vom Schreiben hatte leben k&ouml;nnen, hatte nun M&uuml;he, finanziell &uuml;ber die Runden zu kommen.<\/p><p>Wenn er depressiv sei, hat er mir einmal gesagt, empfinde er den Alltag so anstrengend, als m&uuml;sse er st&auml;ndig gegen die Fahrtrichtung einer Rolltreppe anlaufen. An manchen Tagen fiel es ihm schwer, das Haus zu verlassen und sich gegen die Schwere der Welt anzustemmen. Einige Verabredungen sagte er deswegen kurzfristig ab. Zum letzten Mal gesehen habe ich  ihn im Herbst 2001. Wir hatten nachmittags Pilze gesucht und gefunden und uns w&auml;hrenddessen intensiv unterhalten. Abends bereiteten wir die Pilze zu, a&szlig;en gemeinsam und redeten weiter. Gegen Mitternacht brachte ich ihn zum letzten Zug nach Frankfurt. Er rauchte auf dem Bahnsteig noch eine seiner schwarzen franz&ouml;sischen Zigaretten und sagte bereits in der offenen T&uuml;r stehend: &bdquo;Bis bald, wir m&uuml;ssen unsere Diskussion dringend fortsetzen.&ldquo; <\/p><p>Ich vermisse ihn und unsere Gespr&auml;che sehr. Wie dringend br&auml;uchten wir gerade heute einen wie ihn und seinen wachen, kritischen Verstand. <\/p><p>Vielleicht stellt mein Reden von der Depression und dem Niedergang der Linken auch nur den Versuch dar, mir das Unfassbare und Unerkl&auml;rliche von Lothars Suizid erkl&auml;rbar zu machen und den immer noch nachwirkenden Schrecken zu bannen. Letztlich werden derartige Ereignisse immer etwas R&auml;tselhaftes behalten, das sich unseren Erkl&auml;rungs- und Sinngebungsversuchen entzieht. Erst wenn die Katastrophe eingetreten ist, scheint alles einer Logik zu folgen, die auf den Selbstmord die ganze Zeit &uuml;ber zusteuerte. Es h&auml;tte aber auf allen Stufen der Entwicklung auch andere M&ouml;glichkeiten gegeben. Jetzt ist jeder Lernprozess dadurch versperrt, dass er zu sp&auml;t kommt. Es bleibt unser, der &Uuml;berlebenden, &bdquo;st&uuml;rmisches Bed&uuml;rfnis&ldquo;, wie es bei Musil hei&szlig;t, &bdquo;zur&uuml;ckzukehren zu einem Punkt, der vor der falschen Abzweigung liegt.&ldquo; <\/p><p>Wie stark mir der Selbstmord meines Freundes nachging und wie sehr er mein ohnehin prek&auml;res inneres Gleichgewicht ersch&uuml;ttert hat, merkte ich erst, als ich selbst zwei Monate sp&auml;ter <em>dem Tod von der Schippe gesprungen<\/em> war, wie man so sagt. Mitte September 2004 schlief ich auf dem Weg zu Freunden in Oberitalien beim Durchqueren eines Schweizer Tunnels am Steuer ein und kann von Gl&uuml;ck sagen, dass ich aus dem demolierten Wagen halbwegs unverletzt aussteigen konnte. Als ich sp&auml;ter die Bilder der &Uuml;berwachungskameras sah, die den Unfall aufgezeichnet hatten, wurde mir nachtr&auml;glich ganz bl&uuml;merant. Man konnte sehen, wie Sekunden sp&auml;ter auf beiden Spuren Autos aus dem Tunnel herausschossen und die Unfallstelle passierten. So war nur ich zu Schaden gekommen. Die beiden Schweizer Polizisten, die mich, nachdem sie ein horrendes Bu&szlig;geld kassiert hatten, unter ihre Fittiche nahmen, sprachen in ihrem beh&auml;bigen <em>Schwyzerd&uuml;tsch<\/em> ein ums andere Mal von <em>Schutzengeln<\/em>, die ich gehabt haben m&uuml;sse. Bei dem Gl&uuml;ck m&uuml;ssten es schon mehrere gewesen sein.<\/p><p>Meine Freunde holten mich am Tag darauf in der Schweiz ab und nahmen mich mit in die Berge oberhalb des Gardasees. Dort hatte ich Zeit, &uuml;ber Vieles nachzudenken. Es ist sehr schwer zu beschreiben, aber bei aller Vorsicht w&uuml;rde ich es so ausdr&uuml;cken: Von der Idee, im fahrenden Auto einzuschlafen, mich fallen zu lassen, war eine enorme Lockung ausgegangen, ein immenser Sog, dem ich mich schlie&szlig;lich &uuml;berlassen hatte. Ich sah es kommen und die Vorstellung, dass es kommt, war keineswegs unangenehm. Es war, als w&uuml;rde pl&ouml;tzlich alle Anspannung von mir abfallen und einem wohligen Gef&uuml;hl der Schl&auml;frigkeit und Bewusstlosigkeit weichen. <\/p><p>Ich hatte den damals gerade erschienenen Roman von Dieter Forte im Gep&auml;ck, der Auf der anderen Seite der Welt hei&szlig;t. In ihm stie&szlig; ich &ndash; ein paar Wochen nach dem Unfall &ndash; auf eine Passage, in der ein jungen Mann den Antritt seiner Reise in eine Lungenheilanstalt schildert: <\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Er war erleichtert gewesen, als der Zug endlich abfuhr. Nicht, dass er sich nach dem Tod sehnte, das nicht, aber es war ihm in diesem Moment egal, ob er nun sterben w&uuml;rde oder ob er noch einmal zur&uuml;ckkehren w&uuml;rde, eine Gleichg&uuml;ltigkeit breitete sich in ihm aus, die mit jedem der vielen Kilometer, die ihn von seiner Heimat entfernten, st&auml;rker wurde. Er empfand seine Trennung von der Welt so deutlich, dass er den Tod als eine fast angenehme, seine Gedanken mit Befriedigung erf&uuml;llende, den K&ouml;rper vollst&auml;ndig entspannende Aussicht ansah. Ein verdienter Schlaf nach langer unn&uuml;tzer Arbeit, die Apathie eines Sonnenuntergangs, die einen rastlosen Tag in Frieden verabschiedete, um der stillen unbeweglichen Nacht zu weichen.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>Ich begann, &uuml;ber meinen Unfall zu schreiben und landete beim Nachdenken auf langen Wanderungen und Radtouren und sp&auml;ter beim Schreiben immer wieder bei Lothar und seinem Selbstmord.<\/p><p>Albert Camus hat in &bdquo;Der Mythos von Sisyphos&ldquo; geschrieben: &bdquo;Ein Selbstmord kann vielerlei Ursachen haben und im Allgemeinen sind die sichtbarsten nicht eben die wirksamsten gewesen. Ein Selbstmord wird selten aus &Uuml;berlegung begangen (obwohl diese Hypothese nicht ausgeschlossen ist). Meist l&ouml;st etwas Unkontrollierbares die Krise aus. Die Zeitungen sprechen dann oft von &sbquo;heimlichem Kummer&lsquo; oder von &sbquo;unheil&shy;barer Krankheit&lsquo;. Diese Erkl&auml;rungen haben ihre Geltung. Man m&uuml;sste aber wissen, ob nicht am selben Tage ein Freund mit dem Verzweifelten in einem gleichg&uuml;ltigen Ton gesprochen hat. Das ist der Schuldige. Dergleichen kann n&auml;mlich gen&uuml;gen, um allen Ekel und allen latenten &Uuml;berdruss auszul&ouml;sen.&ldquo;<br>\nUm Lothar stand es wom&ouml;glich noch schlimmer: Er war so weit weg, dass nicht einmal ein Freund in gleichg&uuml;ltigem Ton mit ihm gesprochen haben wird. Er lebte allein in der Fremde, war ein Fremder unter Fremden. Freilich hatte er Kontakte und Bekannte in Montr&eacute;al, aber um zu Freunden zu werden, fehlte etwas Entscheidendes: eine geteilte Vergangenheit und gemeinsame Erfahrungen. &bdquo;Innere Vorr&auml;te an Ungl&uuml;ckserfahrungen&ldquo;, hei&szlig;t es bei Negt und Kluge, &bdquo;sind dann am explosivsten, wenn ihnen menschliche Ber&uuml;hrungsfl&auml;che fehlt, wenn sie in sich rotieren.&ldquo; <\/p><p>Monate vor seinem Tod hat er einer jungen Frau, die ihn auf der Stra&szlig;e um ein paar Dollar angebettelt hatte, sein G&auml;stezimmer angeboten und ihr Unterschlupf gew&auml;hrt. Zu sp&auml;t merkte er, dass sie ein Junkie war. Sie bestahl ihn, machte alles zu Geld, um an den n&auml;chsten Schuss zu kommen. Verschiedentlich fragte er mich um Rat, wie er sich verhalten k&ouml;nne und solle, und ich riet ihm, Therapie und Rettung dieser Frau daf&uuml;r qualifiziertem Personal und Institutionen zu &uuml;berlassen. Das &uuml;bersteige erfahrungsgem&auml;&szlig; die M&ouml;glichkeiten eines einzelnen Menschen. Ich erinnerte ihn an eine Fabel von &Auml;sop, deren bitterer Erfahrungsgehalt mir aus meiner Arbeit im Gef&auml;ngnis vertraut ist: Ein Wanderer findet im Winter eine Schlange, die &ndash; vor K&auml;lte erstarrt &ndash; dem Tode nahe ist. Er hebt sie auf und w&auml;rmt sie an seiner Brust. Kaum zu Bewegung erwacht, bei&szlig;t die Schlange ihren Lebensretter: &bdquo;Undankbare!&ldquo;, ruft er sterbend. &bdquo;Du wusstest, dass ich eine Schlange bin&ldquo;, erwidert sie, die nun auch in der K&auml;lte zugrunde gehen wird. Lothar hatte sich aber bereits zu weit eingelassen und schreckte davor zur&uuml;ck, die Polizei um Hilfe zu bitten. Der Versuch zweier Au&szlig;enseiter der Gesellschaft, sich gegen die K&auml;lte zusammenzuschlie&szlig;en und ihre Einsamkeiten in der Hoffnung zusammenzuwerfen, dass etwas Gemeinsames daraus entstehen k&ouml;nnte, scheiterte kl&auml;glich. Er war schlie&szlig;lich erleichtert, als er sie nach schier endlosem Hin und Her, gro&szlig;en menschlichen Entt&auml;uschungen und finanziellen Einbu&szlig;en aus der Wohnung geworfen hatte. Die schmerzlichen Erfahrungen mit der Junkie-Frau verarbeitete er zu einer Geschichte, die er Das Biest &uuml;berschrieb. Es ist, soweit ich wei&szlig;, der letzte abgeschlossene Text von Lothar. <\/p><p>Nachdem er eine Zahnentz&uuml;ndung verschleppt hatte, war schlie&szlig;lich der ganze Kiefer vereitert und es mussten ihm s&auml;mtliche Z&auml;hne gezogen werden. &bdquo;Die Symbolik dieses Aktes wiegt schwerer als der reale Verlust der Z&auml;hne und die vor&uuml;bergehenden Schmerzen: Man b&uuml;&szlig;t die F&auml;higkeit zum Zubei&szlig;en ein, f&uuml;hlt sich depotenziert&ldquo;, schrieb er.<br>\nIm Dezember 2003 reiste er noch einmal nach Deutschland, um in Hannover einen Literaturpreis entgegenzunehmen. Er freute sich &uuml;ber die Anwesenheit des Jurymitglieds F.C. Delius und seiner Verlegerin Antje Kunstmann, die im Jahr 2000 sein letztes gro&szlig;es Buch Keine Zeit! 18 Versuche &uuml;ber die Beschleunigung herausgebracht hat. Er fand die Laudatio der Kritikerin Sibylle Kramer ganz passabel und hielt die &uuml;bliche Dankesrede. In der Eingangshalle der Volkshochschule besichtigte er ein Gem&auml;lde, auf dem zwei Hannoversche Au&szlig;enseiter und Verfolgte zu sehen sind: Theodor Lessing und Peter Br&uuml;ckner.<br>\nIm Februar 2004 erreichte ihn die Nachricht aus Deutschland, dass sich der Mann seiner Nichte an einem Apfelbaum im Garten aufgeh&auml;ngt hat.<br>\nEr setzte sich ans Fenster und sah den Stra&szlig;enkatzen zu, die hinter dem Haus durch den Schnee strichen. In den N&auml;chten erstanden die alten Qu&auml;lgeister auf, die er aus der Zeit in S&uuml;dfrankreich noch in schmerzhafter Erinnerung hatte. Selbst das Schreiben &ndash; der Gravitationspunkt seines Lebens &ndash; bot keine Zuflucht mehr. In seinem Essay &bdquo;Vom Schreiben leben&ldquo; hatte er diesen Zustand als &auml;u&szlig;erste Zuspitzung der Krise und schlimmste Bef&uuml;rchtung ge&auml;u&szlig;ert: &bdquo;Und wenn die Arbeit, die einen daran zu hindern scheint, ganz aus der Welt herauszufallen, immer schwerer wird, wenn diese letzte Verbindung zu zerrei&szlig;en droht.&ldquo;<\/p><p>Da war am Ende nichts Sch&uuml;tzendes und Haltendes mehr.<br>\nDa war keiner mehr und niemand und nichts.<br>\nEine ber&uuml;hrungslose Leere. <\/p><p>Am 11. Juli 2004 fand man Lothar Baier erh&auml;ngt in seiner Wohnung in Montr&eacute;al. In einem Essay &uuml;ber Jean Am&eacute;rys Buch &bdquo;Hand an sich legen&ldquo; hatte er Jahre zuvor einen Kommentar zu einer Tagebucheintragung Cesare Paveses zitiert, der m&ouml;glicherweise auch auf ihn selbst zutrifft: &bdquo;Es scheint ihm, dass es bereits zu sp&auml;t ist und dass er endg&uuml;ltig in einem Suizidantenleben dahind&auml;mmert; doch im Sommer des gleichen Jahres &hellip; findet er das Wollen intakt und f&uuml;hrt es aus. Durch diese Tat rettet er sein Leben.&ldquo;<\/p><p>&bdquo;Ach, h&auml;tte ihn doch sein verdammter Stolz nicht daran gehindert, nach Deutschland und Frankfurt zur&uuml;ckzukehren&ldquo;, denke ich manchmal. Es war, als wolle er demonstrieren, dass die Beziehung zu einer Frau nicht dar&uuml;ber zu entscheiden hat, wo er lebt und arbeitet. Den Triumph seiner reum&uuml;tigen R&uuml;ckkehr nach Deutschland wollte er uns allen, vor allem aber &bdquo;der Ex&ldquo; &ndash; so sprach er von ihr in seinen Briefen &ndash; nicht g&ouml;nnen: &bdquo;Sie soll sehen, dass sie mich nicht aus diesem Land vertreiben kann! Jetzt bleibe ich erst recht!&ldquo;<br>\nVielleicht h&auml;tte ein in Deutschland wieder repariertes Netz aus gekappten alten Bindungen, verst&auml;rkt durch neu eingegangene Freundschaften und solidarische Beziehungen, seinen Sturz aus der Welt aufhalten k&ouml;nnen. Auf der vor seiner Auswanderung verbrannten Erde h&auml;tte schnell wieder etwas wachsen und gedeihen k&ouml;nnen. Freundschaften und mit anderen geteilte Ziele im Leben sind die beste Verteidigung gegen Verzweiflung und Tod.<br>\nWir w&uuml;rden dann am 16. Mai bei franz&ouml;sischem Rotwein und von Lothar zubereitetem Kichererbsen-Salat gemeinsam seinen 70. Geburtstag feiern. <\/p><p>Stattdessen findet nun am Mittwoch, den 16. Mai um 20 Uhr in der Frankfurter Villa Orange, Hebelstr. 1 eine Veranstaltung des Hessischen Literaturforums unter dem Titel <em><strong>Lothar Baier zu ehren<\/strong><\/em> statt, auf der Autoren, Verleger, Journalisten an den&nbsp;Essayisten, Publizisten, Schriftsteller und &Uuml;bersetzer Lothar Baier erinnern wollen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>G&ouml;tz Eisenberg erinnert an den engagierten Intellektuellen und Schriftsteller Lothar Baier, der am 16. Mai 70 Jahre alt geworden w&auml;re. Lothar Baier z&auml;hlte in den sp&auml;ten 70er und dann vor allem in den 80er Jahren zu den wichtigen intellektuellen K&ouml;pfen. Er war ein gefragter Literaturkritiker, die Feuilletons fast aller gro&szlig;en Zeitungen standen ihm in jenen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13230\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[212,205,161],"tags":[],"class_list":["post-13230","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gedenktagejahrestage","category-neoliberalismus-und-monetarismus","category-wertedebatte"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13230","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=13230"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13230\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":48858,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13230\/revisions\/48858"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=13230"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=13230"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=13230"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}