{"id":132470,"date":"2025-05-05T09:00:23","date_gmt":"2025-05-05T07:00:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=132470"},"modified":"2026-01-27T11:52:30","modified_gmt":"2026-01-27T10:52:30","slug":"wir-haben-nicht-viel-zeit-um-verteidigungsbereit-zu-werden-feindbildaufbau-mit-kramp-karrenbauer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=132470","title":{"rendered":"\u201eWir haben nicht viel Zeit, um verteidigungsbereit zu werden\u201c \u2013 Feindbildaufbau mit Kramp-Karrenbauer"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.saarbruecker-zeitung.de\/saarland\/landespolitik\/die-bedrohungslage-durch-russland-ist-sehr-real-akk-fordert-rueckkehr-zur-wehrpflicht_aid-126853361\">&bdquo;Die Bedrohungslage durch Russland ist real&ldquo;<\/a> &ndash; das sagte laut <em>Saarbr&uuml;cker Zeitung<\/em> Annegret Kramp-Karrenbauer auf einer Veranstaltung im Saarland. Das Blatt wertet die Aussage der ehemaligen Bundesverteidigungsministerin auch noch durch eine entsprechende Sprache und fehlende Kritik auf. Der Feindbildaufbau in Politik und Medien schreitet voran. Ein Kommentar von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nRom wurde nicht an einem Tag erbaut, lautet ein gefl&uuml;geltes Wort. Beim Feindbildaufbau ist es nicht anders. Worte f&uuml;gen sich an Worte, Zeitungsartikel an Zeitungsartikel. Hier ein Politiker, der vor der angeblichen Gefahr aus Russland warnt, da ein Politiker, der Deutschland &bdquo;kriegst&uuml;chtig&ldquo; sehen will. Hier ein Zeitungsartikel, der von einem m&ouml;glichen Angriff Russlands auf die NATO redet, da ein Artikel, der die Aufr&uuml;stung unterst&uuml;tzt. Hier ein Experte, der vom vielleicht letzten Sommer im Frieden spricht, da einer, der meint, Russland m&uuml;sse mit H&auml;rte entgegengetreten werden. <\/p><p>Und dann ist da noch Annegret Kramp-Karrenbauer. Vor rund 90 Zuh&ouml;rern trug die ehemalige Bundesverteidigungsministerin im Restaurant des Saar-Landtages vor. Das berichtet die <em>Saarbr&uuml;cker Zeitung<\/em>. Bei der Veranstaltung mit weiteren CDU-Politikern ging es um die europ&auml;ische Verteidigungspolitik &bdquo;vor dem Hintergrund der Aggression Russlands&ldquo;, hei&szlig;t es in der Zeitung. &bdquo;Die Bedrohungslage durch Russland ist real&ldquo;, sagte die Politikerin. Und: &bdquo;Wir haben nicht viel Zeit, um verteidigungsbereit zu werden&ldquo;.<\/p><p>Die <em>Saarbr&uuml;cker Zeitung<\/em> berichtet ohne eine dringend angebrachte kritische Einordnung dieser Aussagen, die einem eklatanten Bruch mit der Realit&auml;t gleichkommen. Im Gegenteil. In der Dachzeile des Artikels hei&szlig;t es: &bdquo;Ex-Verteidigungsministerin mit klarer Ansage&ldquo;.<\/p><p>&bdquo;Mit klarer Ansage&ldquo;? Mit dieser Formulierung wertet die Redaktion Kramp-Karrenbauers Aussagen auf. Den Aussagen wird eine Art Realit&auml;tsstatus zugeschrieben. Die Annahme, dass von Medien als &bdquo;klar&ldquo; benannte Aussagen auch die Realit&auml;t oder gar die Wahrheit widerspiegeln, liegt &ndash; naiv betrachtet &ndash; nahe. Und so setzen Kramp-Karrenbauer und die Zeitung einen weiteren Stein in jenes Gebilde, das den Feindbildaufbau zeigt.<\/p><p>Wie oft soll man es noch sagen? Die Annahme, dass Russland die NATO angreifen wird, geht an der Realit&auml;t vorbei (siehe: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=130831\">Kriegst&uuml;chtigkeit: Die gro&szlig;e L&uuml;ge<\/a>). Sie baut auf falschen Annahmen und verqueren Realit&auml;tsvorstellungen. L&auml;ngst scheint jedoch das eingetreten zu sein, was seit l&auml;ngerem zu bef&uuml;rchten war: Eine Verselbstst&auml;ndigung der Propaganda.<\/p><p>Sinngem&auml;&szlig; hei&szlig;t es in einem Spruch, dass Politiker L&uuml;gen verbreiten, Medien diese L&uuml;gen drucken und am n&auml;chsten Tag Politiker, die die L&uuml;gen lesen, selbst glauben. Selbstredend nehmen dann auch noch Medienvertreter die L&uuml;gen f&uuml;r bare M&uuml;nze, schlie&szlig;lich unterliegen nicht wenige Journalisten der Annahme, dass in ihrem Medium nur &bdquo;die Wahrheit&ldquo; steht und gewiss schon gar keine L&uuml;gen gedruckt werden.<\/p><p>Der Feindbildaufbau lebt von der permanenten Wiederholung von Halbwahrheiten, L&uuml;gen, Realit&auml;tsbr&uuml;chen und Propaganda. Wer der Propaganda auf den Leim geht, wird sie meist aus voller &Uuml;berzeugung als Wahrheit betrachten und sich ganz in ihrem Sinne &auml;u&szlig;ern.<\/p><p>W&auml;hrend diese Zeilen entstehen, ver&ouml;ffentlicht die <em>NZZ<\/em> ein Portr&auml;t &uuml;ber den zuk&uuml;nftigen deutschen Au&szlig;enminister Johann Wadephul. Schon die &Uuml;berschrift l&auml;sst erahnen, was auf den Leser wartet: <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/international\/aussenminister-wadephul-von-der-cdu-bodenstaendig-und-weniger-belehrend-ld.1882395\">&bdquo;Norddeutsch, bodenst&auml;ndig, Reservist: Johann Wadephul ist das neue Gesicht der deutschen Au&szlig;enpolitik&ldquo;<\/a>. Es folgt ein Artikel, der sich mit laut-leiser Lobhudelei kaum zur&uuml;ckh&auml;lt. Und: Wir erfahren, dass der CDU-Politiker &bdquo;im Flecktarn&ldquo; 20 Kilometer vor der Grenze zu Wei&szlig;russland gestanden habe &ndash; es klingt so, als sei allein das schon eine Heldentat. Dann schildert die <em>NZZ<\/em> folgende Geschichte.<\/p><blockquote><p>&bdquo;In Litauen kam es damals zu einer r&uuml;ckblickend denkw&uuml;rdigen Begegnung. W&auml;hrend der &Uuml;bung besuchte der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius die Truppe. Dort wurde ein Angriff Russlands simuliert. Wadephul sp&auml;hte den imaginierten Feind als Aufkl&auml;rer aus. Anschlie&szlig;end wurde er von Pistorius zum Oberstleutnant der Reserve bef&ouml;rdert. Auf Bildern der Begegnung sieht man, wie Wadephul breit grinsend seine Urkunde entgegennimmt.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Der neue Au&szlig;enminister der Bundesrepublik &bdquo;sp&auml;hte den imaginierten Feind&ldquo; aus? Damit, um es ironisch zu formulieren, d&uuml;rfte er das Aufnahmeritual in die vorherrschende Politik mit Bravour absolviert haben.<\/p><p>Der &bdquo;imaginierte Feind&ldquo;: Er zeigt sich in den Aussagen von Kramp-Karrenbauer und in der Art und Weise, wie die <em>Saarbr&uuml;cker Zeitung<\/em> mit dem Auftritt der Politikerin umgeht. Von den Worten des neuen deutschen Top-Diplomaten ganz zu schweigen: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=132269\">&bdquo;Russland wird f&uuml;r immer ein Feind f&uuml;r uns bleiben&ldquo;<\/a>. So h&ouml;rt es sich an, wenn der Feindbildaufbau abgeschlossen ist.<\/p><p><em>Leserbriefe zu diesem Beitrag <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=132718\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: Shutterstock \/ Foto-berlin.net<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/709268d1c62e4ede9d0736807dcb36e0\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.saarbruecker-zeitung.de\/saarland\/landespolitik\/die-bedrohungslage-durch-russland-ist-sehr-real-akk-fordert-rueckkehr-zur-wehrpflicht_aid-126853361\">&bdquo;Die Bedrohungslage durch Russland ist real&ldquo;<\/a> &ndash; das sagte laut <em>Saarbr&uuml;cker Zeitung<\/em> Annegret Kramp-Karrenbauer auf einer Veranstaltung im Saarland. Das Blatt wertet die Aussage der ehemaligen Bundesverteidigungsministerin auch noch durch eine entsprechende Sprache und fehlende Kritik auf. 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