{"id":1325,"date":"2006-05-29T17:18:05","date_gmt":"2006-05-29T15:18:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1325"},"modified":"2016-02-06T12:09:15","modified_gmt":"2016-02-06T11:09:15","slug":"fortsetzung-briefwechsel-bild-herausgeber-diekmann-vs-norbert-blum-in-sachen-rente","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1325","title":{"rendered":"Fortsetzung Briefwechsel BILD-Herausgeber Diekmann vs. Norbert Bl\u00fcm in Sachen Rente"},"content":{"rendered":"<p>Wir dokumentieren zwei weitere Briefe. Siehe Anhang 1 &ldquo;Brief von Kai Diekmann vom 18. Mai&rdquo; und Anhang 2 &ldquo;Brief von Norbert Bl&uuml;m vom 23. Mai&rdquo;. Interessant ist die Art der Argumentation bei Diekmann. Der Herausgeber von BILD best&auml;tigt unsere Analysen &uuml;ber die herrschende Ideologie und die Gedankenlosigkeit unserer Eliten.<br>\n<!--more--><br>\nWenn ihnen die Argumente fehlen, dann behaupten sie, ihre Aussage sei &bdquo;unumstritten&ldquo;. Siehe Satz 3, Absatz 3. Und sie berufen sich quasi im Kreisverkehr aufeinander, so Diekmann auf M&uuml;ntefering und auf das HWWA und auf Miegel!!. Sie nennen diese Zeugen aus ihren eigenen Reihen dann &bdquo;Experten&ldquo;. Dazu passt der rote Faden der &bdquo;Reforml&uuml;ge&ldquo;:<\/p><blockquote><p><strong>Und wenn alle anderen die von der Partei verbreitete L&uuml;ge glaubten &ndash; wenn alle Aufzeichnungen gleich lauteten &ndash;, dann ging die L&uuml;ge in die Geschichte ein und wurde Wahrheit.<\/strong><\/p>\n<div class=\"cite_hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div>\n<p class=\"reference\">George Orwell, 1984<\/p>\n<\/blockquote><p>Genau dies im Urteil &uuml;ber die gesetzliche Rente zu bewirken, die L&uuml;ge als Wahrheit erscheinen zu lassen, ist das Ziel der Kampagne gegen die gesetzliche Rente. Sie wird von der Bild-Zeitung in Kooperation mit der Allianz AG betrieben. Die in den NachDenkSeiten, in &bdquo;Machtwahn&ldquo; und jetzt auch von Norbert Bl&uuml;m beschriebene und kritisierte Kampagne zur so genannten Schrumpfrente hat das Ziel, das Vertrauen in die gesetzliche Rente zu zerst&ouml;ren.<br>\nIn unseren Texten haben wir immer wieder beschrieben, wie Propaganda hier mit politischen Taten und Entscheidungen zusammenwirken. Die Propaganda von der Schrumpfrente und von der hohen Belastung k&uuml;nftiger Generationen durch die Rentner wird dadurch besonders glaubw&uuml;rdig,<\/p><ul>\n<li>dass zum Beispiel das Renteneintrittsalter hoch gesetzt und damit de facto eine Absenkung des Rentenniveaus betrieben wurde,<\/li>\n<li>und dass den Sozialkassen einschlie&szlig;lich der Rentenkassen die sozialen Kosten der deutschen Einheit aufgedr&uuml;ckt wurden. Diese versicherungsfremden Leistungen werden durch den Bundeszuschuss ein St&uuml;ck weit ausgeglichen. Insofern ist die Polemik von Kai Diekmann gegen diese Zusch&uuml;sse nicht angebracht.<\/li>\n<\/ul><p>Dass Norbert Bl&uuml;m sich heute so vehement in diese Debatte einschaltet, ist auch ein Zeichen daf&uuml;r, dass er einsieht, wie problematisch es war, die sozialen Kosten der Vereinigung wie auch des Aussiedlerzuzugs den Beitragszahlern aufzudr&uuml;cken. Das ist zu Zeiten von Kohls und seiner Regierungszeit leider geschehen.<\/p><p><strong>Anhang 1: Brief Herausgeber BILD Kai Diekmann vom 18.5. an Norbert Bl&uuml;m:<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr Dr. Bl&uuml;m,<\/p><p>vielen Dank f&uuml;r Ihren Brief. Er zeigt in seiner wortreichen Zappeligkeit, mit seinen tausend Unterstellungen, Mutma&szlig;ungen und P&ouml;beleien, wie sehr Sie Grund haben, die Diskussion um Ihr trostloses politisches Lebenswerk zu f&uuml;rchten.<\/p><p>Ansonsten will ich es kurz halten: Im Kern geht es allein um eine Frage: Ist die Rente, wie Sie einst behaupteten, sicher, und war diese Aussage 1986 f&uuml;r Sie als L&uuml;ge erkennbar?<\/p><p>Da&szlig; die Rente einen ausk&ouml;mmlichen Lebensabend nicht mehr sichert, ist unumstritten. Andernfalls w&auml;ren die j&uuml;ngsten &Auml;u&szlig;erungen von Herrn M&uuml;ntefering ebenso unverst&auml;ndlich wie die Einf&uuml;hrung der Riester-Rente oder des demographischen Faktors. Auch das HWWA geht davon aus, da&szlig; sp&auml;testens 2030 die Rente unterhalb von 40% des Durchschnittsgehaltes und damit in vielen F&auml;llen unterhalb des Existenzminimums liegen wird. Ohne kreditfinanzierte Staatszusch&uuml;sse in Milliardenh&ouml;he, also ohne skandal&ouml;se Verlagerung der Kosten auf kommende Generationen, w&auml;re die Rentenkasse schon heute pleite. Und dennoch sollen die Rentenbeitr&auml;ge weiterhin steigen.<\/p><p>Dies alles war bereits zur Zeit Ihrer Aussage klar erkennbar. Leute wie Professor Miegel, aber auch viele andere Experten haben eindringlich vor der demographischen Entwicklung und den Folgen f&uuml;r die Rentenversicherung gewarnt. Auch viele Zeitungen haben Sie schon damals f&uuml;r Ihre Aussage scharf kritisiert. Damit aber beantwortet sich auch der zweite Teil der hier im Raum stehenden Frage, ob Sie bewu&szlig;t gelogen haben.<\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<\/p><p>Kai Diekmann.<\/p><p><strong>Anhang 2: Brief Norbert Bl&uuml;m an Kai Diekmann vom 23.5.:<\/strong><\/p><p>Herrn Chefredakteur<br>\nKai Diekmann<br>\nBILD-Zeitung<br>\nAxel-Springer-Platz 1<\/p><p>20350 Hamburg<br>\nFax: 040 \/ 347 &ndash; 22134<\/p><p>Sehr geehrter Herr Diekmann,<\/p><p>vielen Dank f&uuml;r Ihren Brief 18.05.2006, den ich gestern erhalten habe. Er ist ein wertvolles Dokument argumentativer Verlegenheit.<\/p><p>Zum schweren Vorwurf der Manipulation kommt von Ihnen kein Wort, in der BILD die Entwicklung der gesetzlichen Rente mit der privaten Rente in den n&auml;chsten 30 Jahren verglichen und dabei f&uuml;r die gesetzliche eine Preissteigerung von j&auml;hrlich 2 Prozent, f&uuml;r die private aber im gleichen Zeitraum &uuml;berhaupt keine Preissteigerung in Rechnung gestellt hat.<\/p><p>Ihr wortreicher Brief ist eine misslungene Ablenkung von der Peinlichkeit versuchter Volksverdummung durch BILD.<\/p><p>Ich rate Ihnen, mit dem Begriff &bdquo;Rentenl&uuml;ge&ldquo; sparsam umzugehen. Sie geraten in Gefahr, Ihrer ersten juristischen Blamage eine zweite hinzuzuf&uuml;gen.<\/p><p>In Erwartung weiterer so aufschlussreicher Briefe, um die ich Sie h&ouml;flich bitte,<br>\nverbleibe ich<\/p><p>mit vorz&uuml;glicher Hochachtung<\/p><p>Ihr<br>\nNorbert Bl&uuml;m<\/p><p><strong>Anhang 3: Auszug aus Albrecht M&uuml;ller: Die Reforml&uuml;ge, Seiten 38f<\/strong><\/p><p><strong>Nachplapperei statt Analyse<\/strong><\/p><p>Die g&auml;ngigen Diagnosen und Therapien der Reformer beziehen ihre Glaubw&uuml;rdigkeit vor allem aus der Tatsache, dass viele von denen, die die &ouml;ffentliche Meinung pr&auml;gen, das gleiche sagen: die Opposition und Teile der Bundesregierung genauso wie Zeitschriften, Zeitungen und Fernsehsender, gleichg&uuml;ltig ob &ouml;ffentlich-rechtlich oder privat, ob intellektuell oder popul&auml;r, ob rechts oder links. Einer sagt: &raquo;Mit dem Umlageverfahren ist die Altersversorgung nicht mehr zu finanzieren&laquo; &ndash; und alle einflussreichen Multiplikatoren sagen es nach. Der Spiegel sagt: &raquo;Wir leben in &shy;einem Gewerkschaftsstaat&laquo; &ndash; und Hunderte Spiegel-Leser und &shy;Intellektuelle sagen es nach. Die Neoliberalen sagen: &raquo;Keynes ist out&laquo; &ndash; und von Abertausenden schallt es genauso zur&uuml;ck. Einer sagt: &raquo;Wir brauchen endlich einen Niedriglohnsektor&laquo; &ndash; und &shy;Legionen wiederholen es. Meinhard Miegel, ein unerm&uuml;dlicher Trommler f&uuml;r die Umstellung auf Privatversicherung f&uuml;rs Alter,14 sagt: &raquo;Der Generationenvertrag tr&auml;gt nicht mehr&laquo; &ndash; und fast alle sagen es nach. Die OECD sagt, die PISA-Studie habe gezeigt, dass unser Bildungssystem marode ist &ndash; und nahezu alle sagen es nach, ohne zu &uuml;berpr&uuml;fen, ob es stimmen kann, dass unsere Sch&uuml;ler schlechter seien als beispielsweise die in den USA. Dadurch, dass viele eine solche Behauptung nachsagen, verselbst&auml;ndigt sie sich und entwickelt ihre eigene &raquo;Reformdynamik&laquo;. Schlie&szlig;lich ruft ein gro&szlig;er vieltausendstimmiger Chor: Alles ist neu. Die &shy;Globalisierung ist neu! Das demographische Problem ist neu! Das Normalarbeitsverh&auml;ltnis ist ein Auslaufmodell! Der Verteilungsstaat ist am Ende! Um Reformen als notwendig und dringlich erscheinen zu lassen, muss behauptet werden, wir st&uuml;nden vor v&ouml;llig neuen Herausforderungen. Dadurch, dass viele das gleiche wiederholen, wird die L&uuml;ge zur Wahrheit, wie schon George Orwell diagnostizierte.<\/p><p>Einer sagt: &raquo;Reformen alleine gen&uuml;gen nicht mehr, wir brauchen den Systemwechsel&laquo; &ndash; und immer mehr reden genauso, &shy;reden in den gleichen Worten, treffen die gleichen Feststellungen; nur Gedanken machen sie sich nicht, denn es sind nur geliehene Gedanken. Wenn uns, nein: wenn unsere Eliten heute eines nachhaltig verbindet, dann ist es der lockere Gebrauch geliehener &shy;Gedanken. Solche Gedanken nachzusagen hat einen gro&szlig;en Vorteil: Man ist nie alleine, und man ist nur selten in der Verlegenheit, das, was man behauptet, begr&uuml;nden zu m&uuml;ssen. Auch &ouml;konomisch ungebildete Leute k&ouml;nnen durch den Gebrauch der &uuml;b&shy;lichen Schlagworte nachweisen, dass sie dazugeh&ouml;ren, dass sie wissen, &raquo;wo es langgeht&laquo;.<\/p><p>In der &ouml;ffentlichen Debatte verwenden die Modernisierer die immer gleichen Eingangsformeln, um ihren nachgeplapperten Behauptungen die Weihe der Allgemeing&uuml;ltigkeit zu verleihen: &raquo;Wie wir alle wissen &hellip;&laquo;, &raquo;wie allgemein bekannt ist &hellip;&laquo;, &raquo;es ist &shy;unbestritten, dass &hellip;&laquo; Achten Sie mal darauf.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir dokumentieren zwei weitere Briefe. Siehe Anhang 1 &ldquo;Brief von Kai Diekmann vom 18. Mai&rdquo; und Anhang 2 &ldquo;Brief von Norbert Bl&uuml;m vom 23. Mai&rdquo;. Interessant ist die Art der Argumentation bei Diekmann. 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