{"id":13250,"date":"2012-05-15T14:22:09","date_gmt":"2012-05-15T12:22:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13250"},"modified":"2015-02-15T15:48:31","modified_gmt":"2015-02-15T14:48:31","slug":"so-einfach-ist-die-manipulation-mit-sprache-mit-ubertreibungen-ohne-bezug-zu-den-fakten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13250","title":{"rendered":"So einfach ist die Manipulation: Mit Sprache, mit \u00dcbertreibungen ohne Bezug zu den Fakten"},"content":{"rendered":"<p>Heute fr&uuml;h um 8:26 Uhr erschien eine dieser typischen Spiegel-Online-Meldungen <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/plus-beim-bip-deutsche-wirtschaft-waechst-im-ersten-quartal-a-833178.html\">&bdquo;Starkes Wachstum. Deutsche Wirtschaft strotzt vor Kraft&ldquo;<\/a>, die erkennbar Teil der Kampagne sind, wonach es uns unglaublich gut geht, dies das erfolgreiche Ergebnis der neoliberal gepr&auml;gten Reformen ist und der hervorragenden Arbeit der Regierenden ist. Das sind die offenen unterschwelligen Botschaften. Diese Botschaften werden vermutlich geglaubt, auch von Menschen, die eigentlich die intellektuelle Kraft haben sollten, diese Art primitiver Manipulation zu durchschauen. Von <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong><br>\n<!--more--><br>\n<strong>Ein paar Hinweise auf die Manipulationen im Einzelnen auf der Basis des Textes von Spiegel Online.<\/strong><\/p><p><strong>Dort hei&szlig;t es zum Einstieg:<\/strong><\/p><blockquote><p>&bdquo;<strong>Starkes Wachstum<\/strong><\/p>\n<p><strong>Deutsche Wirtschaft strotzt vor Kraft<\/strong><\/p>\n<p>Halb Europa kriselt, doch in Deutschland ist von Rezession keine Spur. Nach einem D&auml;mpfer Ende vergangenen Jahres ist die heimische Wirtschaft Anfang 2012 &uuml;berraschend kr&auml;ftig gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt stieg um 0,5 Prozent.<\/p>\n<p>Berlin &ndash; Die deutsche Wirtschaft hat durch ein starkes Wachstum im ersten Quartal einer Rezession getrotzt. Das Bruttoinlandsprodukt stieg von Januar bis M&auml;rz um 0,5 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Experten hatten mit einem deutlich geringeren Wachstum gerechnet, einige hatten sogar ein weiteres Schrumpfen vorhergesagt. <\/p>\n<p>Ende 2011 war die Wirtschaftsleistung noch um 0,2 Prozent zur&uuml;ckgegangen &ndash; zum ersten Mal seit fast drei Jahren. Bei zwei Minus-Quartalen in Folge sprechen &Ouml;konomen von einer Rezession.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p><strong>Kommentar AM:<\/strong><\/p><ul>\n<li>&bdquo;Von Rezession keine Spur&ldquo; ??? &ndash; Im April lag die offizielle Arbeitslosigkeit bei 2,963 Millionen. Das sind immerhin knapp 3 Millionen &ndash; noch statistisch erfasste &ndash; Menschen ohne Arbeit. Dazu kommen vermutlich rund 4 Millionen, die von der Statistik nicht mehr erfasst werden oder in &bdquo;Unterbesch&auml;ftigung&ldquo; sind. Rund 1,3 Millionen Menschen verdienen so wenig, dass sie aufstocken m&uuml;ssen. &Uuml;ber 800.000 sind als Leiharbeiter t&auml;tig. Von Rezession keine Spur?<\/li>\n<li>0,5% Wachstum sind &ndash; grob aufs Jahr hochgerechnet &ndash; 2% per annum. Das ist auch nicht ann&auml;herungsweise ein &bdquo;starkes&ldquo; Wachstum. Dieses sieht, wenn eine Volkwirtschaft aus einer Rezession kommt, anders aus. Rund 4% f&uuml;r mehrere Jahre w&auml;ren ein &bdquo;starkes Wachstum&ldquo;.  &ndash; Um die 0,5% dennoch als bedeutsam erscheinen zu lassen, werden sie mit den minus 0,2% des Vorquartals verglichen. Diese Werte &ndash; plus 0,5 und minus 0,2% &ndash; sind so gering, dass sie schon nahe im Bereich statistischer Fehler liegen k&ouml;nnten.<\/li>\n<li>Der oft angewandte, billige Trick: Man verweist auf &bdquo;Experten&ldquo;, die die Entwicklung d&uuml;sterer erwartet hatten. SPON:  &bdquo;Experten hatten mit einem deutlich geringeren Wachstum gerechnet, einige hatten sogar ein weiteres Schrumpfen vorhergesagt.&ldquo;<\/li>\n<\/ul><p><strong>SPON schreibt:<\/strong><\/p><blockquote><p>&bdquo;Ihr schnelles Comeback verdankt Europas gr&ouml;&szlig;te Volkswirtschaft vor allem den gut laufenden Exporten und der Kauflaune der Verbraucher. &ldquo;Nach vorl&auml;ufigen Berechnungen sind die Exporte &ndash; anders als die Importe &ndash; zum Jahresbeginn gestiegen&rdquo;, schrieben die Statistiker. &ldquo;Au&szlig;erdem wurde im Inland mehr konsumiert als im Vorquartal.&rdquo; Das habe die sinkenden Investitionen teilweise kompensieren k&ouml;nnen. Details wollen die Statistiker erst am 24. Mai nennen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p><strong>Kommentar AM:<\/strong><\/p><p>Immerhin wird zugegeben, dass das (bisschen) Wachstum vor allem von den Exporten kommt. Nat&uuml;rlich wird zugleich darauf verzichtet zu erw&auml;hnen, dass dies zugleich Symptom und Ursache der gro&szlig;en Risiken und Gefahren f&uuml;r die Euro-Zone darstellt &ndash; der Auseinanderentwicklung der Wettbewerbsf&auml;higkeit der Euro-Staaten. Deutschland exportiert Arbeitslosigkeit. Ein toller Erfolg.<\/p><p>Die &bdquo;Kauflaune der Verbraucher&ldquo; wird wie &uuml;blich &uuml;bertrieben. Es wird mit dem Vorquartal verglichen und verschwiegen, dass der Konsum seit einem Jahrzehnt stagniert.<\/p><p><strong>SPON schreibt:<\/strong><\/p><blockquote><p>&bdquo;Verglichen mit dem ersten Quartal des vergangenen Jahres legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sogar um 1,7 Prozent zu &ndash; mehr als doppelt so stark wie erwartet. Experten gehen davon aus, dass die Prognosen f&uuml;r 2012 nun angehoben werden. &ldquo;Dieses starke erste Quartal wird zu einer drastischen Aufw&auml;rtsrevision der Prognosen f&uuml;r 2012 f&uuml;hren&rdquo;, sagte Volkswirt Andreas Scheuerle von der Deka-Bank. &ldquo;Man muss mit einer Korrektur um rund einen halben Prozentpunkt rechnen.&rdquo; Bisher erwartet die Bundesregierung f&uuml;r das Gesamtjahr ein Wachstum von 0,7 Prozent, 2013 sollen es 1,6 Prozent werden.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p><strong>Kommentar AM:<\/strong><\/p><p>Das sind rundum l&auml;cherlich geringe Werte und Verschiebungen, die meist sprachlich aufgemotzt werden. Z.B. &bdquo;<strong>sogar<\/strong> um 1,7%&ldquo;. Was sind 1,7% im Jahr? L&auml;cherlich. Aber das &bdquo;sogar&ldquo; bringt die W&uuml;rze. Oder z.B.: die Korrektur um einen halben Prozentpunkt f&uuml;r 2012 und die Korrektur von 0,7% auf 1,6% f&uuml;r 2013 wird zur &bdquo;drastischen Aufw&auml;rtsrevision&ldquo; umgedeutet. <\/p><p>Und klar, zur Umdeutung st&uuml;tzt sich SPON auf den Volkswirt einer Bank. Das ist inzwischen &uuml;blich geworden. Als Experten f&uuml;r volkswirtschaftliche Angelegenheiten werden die Mitarbeiter privater Interessenten zitiert.<\/p><p><strong>Es reicht. Der Rest des Textes von SPON ist &auml;hnlich manipulativ. Die Wertungen gr&uuml;nden immer wieder auf &bdquo;Experten&ldquo; aus der Finanzwirtschaft. Reiner Kampagnenjournalismus.<br>\nSchade, dass wir nicht wissen, ob SPON oder die Nachrichtenagenturen, deren Meldungen oft Basis solcher Texte sind, daf&uuml;r von PR-Agenturen und\/oder dem Bundespresseamt bezahlt werden.<\/strong><\/p><p><strong>&Uuml;ber die Wirkung dieser Daueragitation sollte man sich keine Illusionen machen. Sie erreicht inzwischen auch das Bildungsb&uuml;rgertum. Ein markantes Beispiel aus den letzten Tagen:<\/strong><\/p><blockquote><p>Frau Bruhns, heute, alt und uneitel &ndash; welche T&uuml;r w&uuml;rden Sie gern noch aufknacken als Journalistin?<br>\nMerkel. Sie macht einen hervorragenden Job. &hellip;<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/!93106\/\">taz<\/a><\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute fr&uuml;h um 8:26 Uhr erschien eine dieser typischen Spiegel-Online-Meldungen <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/plus-beim-bip-deutsche-wirtschaft-waechst-im-ersten-quartal-a-833178.html\">&bdquo;Starkes Wachstum. Deutsche Wirtschaft strotzt vor Kraft&ldquo;<\/a>, die erkennbar Teil der Kampagne sind, wonach es uns unglaublich gut geht, dies das erfolgreiche Ergebnis der neoliberal gepr&auml;gten Reformen ist und der hervorragenden Arbeit der Regierenden ist. Das sind die offenen unterschwelligen Botschaften. 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