{"id":132704,"date":"2025-05-10T13:00:27","date_gmt":"2025-05-10T11:00:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=132704"},"modified":"2026-01-27T11:52:24","modified_gmt":"2026-01-27T10:52:24","slug":"corona-plausibilitaet-hat-nicht-ausgereicht-um-eine-maskenpflicht-fuer-die-gesamte-bevoelkerung-zu-verhaengen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=132704","title":{"rendered":"Corona: \u201ePlausibilit\u00e4t hat nicht ausgereicht, um eine Maskenpflicht f\u00fcr die gesamte Bev\u00f6lkerung zu verh\u00e4ngen\u201c"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Das RKI setzt das wissenschaftliche Arbeiten aus&ldquo; &ndash; unter dieser Zwischen&uuml;berschrift fokussiert die habilitierte Krankenhaushygienikerin <strong>Ines Kappstein<\/strong> in ihrem aktuellen Buch auf das Robert Koch-Institut. Im Interview mit den NachDenkSeiten sagt Kappstein, die Beh&ouml;rde habe den Auftrag, &bdquo;wissenschaftlich zu arbeiten&ldquo;, womit nicht vereinbar sei, &bdquo;dass man einfach nur Behauptungen aufstellt, f&uuml;r die man keine wissenschaftlichen Daten hat&ldquo;. Im Gespr&auml;ch schildert Kappstein, was die Grundlage f&uuml;r ihre Kritik an dem RKI ist und zeigt, wie br&uuml;chig das Fundament war, auf das die Politik eine allgemeine Maskenpflicht gegossen hat. Ihr Fazit: &bdquo;Die Wirksamkeit der Maske ist f&uuml;r die beabsichtige Anwendung nicht belegt. Es fehlte jede wissenschaftliche Grundlage. Deshalb h&auml;tte eine Maskenpflicht nicht verh&auml;ngt werden d&uuml;rfen.&ldquo; Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1563\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-132704-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250509-IV-Kloeckner-Kappstein-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250509-IV-Kloeckner-Kappstein-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250509-IV-Kloeckner-Kappstein-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250509-IV-Kloeckner-Kappstein-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=132704-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250509-IV-Kloeckner-Kappstein-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250509-IV-Kloeckner-Kappstein-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Marcus Kl&ouml;ckner: Die Maske &ndash; nichts war wohl so sehr Zeichen f&uuml;r die Coronazeit wie dieses Teil, das urpl&ouml;tzlich zum festen Bestandteil des Lebens wurde. Sie haben nun ein Buch &uuml;ber die Maske geschrieben. Auf fast 400 Seiten kommt der Begriff allein oder in zusammengesetzter Form rund 1.500-mal vor. Was war f&uuml;r Sie der Grund, den Fokus auf die Maske zu setzen?<\/strong><\/p><p><strong>Ines Kappstein<\/strong>: Interessant. Mir war nicht bewusst, dass der Begriff so h&auml;ufig vorkommt; ich bin nie auf die Idee gekommen, zu z&auml;hlen. F&uuml;r mich begann die intensive Besch&auml;ftigung mit den Corona-Ma&szlig;nahmen nach der Masken-Empfehlung des RKI, die Mitte April 2020 im Epidemiologischen Bulletin des RKI erschien. Aufgrund meines Fachgebiets, der Krankenhaushygiene, kenne ich mich mit Masken aus, wof&uuml;r sie verwendet werden und wie sie getragen werden m&uuml;ssen, damit sie &ndash; vielleicht &ndash; Schutz bieten.<\/p><p><strong>Sie sagen &bdquo;vielleicht Schutz bieten&ldquo;. Wie meinen Sie das?<\/strong><\/p><p>Bewiesen ist ein Schutzeffekt auch bei der Anwendung in der Patientenversorgung nicht, sei es durch das OP-Team w&auml;hrend Operationen oder auf der Station bei engem Kontakt (ein bis zwei Meter Abstand bei Vis-&agrave;-vis-Kontakt) mit Patienten, bei denen Erreger im Nasen-Rachen-Raum nachgewiesen (oder vermutet werden), vor deren Kontakt sich das medizinische Personal sch&uuml;tzen soll (z.B. Influenzaviren bei entsprechender Symptomatik, A-Streptokokken bei eitriger Angina oder Meningokokken bei Meningitisverdacht).<\/p><p>Bei diesen Gelegenheiten verwendet man die sogenannte chirurgische oder OP-Maske. FFP-Masken (in der Regel als FFP2) wurden &sbquo;vor Corona&lsquo; nur bei Patienten mit sogenannter offener Tuberkulose der Atemwege (d.h. Lunge oder Kehlkopf) getragen, dann aber auch nur, solange man im selben Raum mit dem Patienten war.<\/p><p><strong>Die Maske war pl&ouml;tzlich f&uuml;r jedermann ein Muss. Das l&auml;sst darauf schlie&szlig;en, dass der Umgang mit ihr einfach ist und jeder richtig damit umgehen konnte. War dem so?<\/strong><\/p><p>Nein. Masken sind nur scheinbar trivial im Umgang. Und: Sie sind auch mit einem Kontaminationsrisiko f&uuml;r die H&auml;nde des Tr&auml;gers verbunden, weil sie an der Innenseite zwangsl&auml;ufig mit bakteriellen potenziellen Infektionserregern aus dem Nasen-Rachen-Raum des Tr&auml;gers kontaminiert werden.<\/p><p><strong>W&uuml;rden Sie das bitte etwas n&auml;her erl&auml;utern? <\/strong><\/p><p>Das medizinische Personal wird immer wieder darauf aufmerksam gemacht, die Maske nicht &ndash; und insbesondere nicht an der Innenseite &ndash; zu ber&uuml;hren. Das hat seinen Grund. Dieses Risiko der Kontamination besteht insbesondere immer dann, wenn die Maske nur kurz abgenommen wird und dann z.B. am Hals vor der Brust (die OP-Maske wird meist mit B&auml;ndern am Kopf und im Nacken geschlossen) oder eben bei Ohrgummis am Ohr baumelt: Sp&auml;testens beim Wiederaufsetzen kann man leicht mit den H&auml;nden die Innenseite ber&uuml;hren, und dadurch gelangen die Bakterien (zu denen h&auml;ufig Staphylococcus aureus geh&ouml;rt, der der h&auml;ufigste Erreger eitriger Infektionen innerhalb und au&szlig;erhalb des Krankenhauses ist und mit dem der Mensch oft in der vorderen Nasenh&ouml;hle besiedelt ist, d.h. wo er also nur auf der Schleimhaut &sbquo;sitzt&lsquo;, aber keine Infektion verursacht) an die H&auml;nde des Personals. Je nach Tragedauer kann die Maske aber auch an der Au&szlig;enseite mit den Bakterien aus dem Nasen-Rachen-Raum des Tr&auml;gers kontaminiert sein, denn das Maskenmaterial wird durch die Atemluft beim l&auml;ngeren Tragen feucht, sodass die Bakterien von innen nach au&szlig;en quasi durchwandern k&ouml;nnen.<\/p><p><strong>Und im Bereich der Krankenhaushygiene ist dieses Wissen also sehr pr&auml;sent?<\/strong><\/p><p>Wenn man in der Krankenhaushygiene arbeitet, macht man das klinisch t&auml;tige Personal immer wieder auf dieses Kontaminationsrisiko der H&auml;nde aufmerksam, weil potenzielle Infektionserreger an den H&auml;nden zu einem Infektionsrisiko f&uuml;r die Patienten werden k&ouml;nnen, wenn man z.B. am Venenkatheter manipulieren oder einen Verbandswechsel durchf&uuml;hren muss.<\/p><p><strong>Lassen Sie uns jetzt noch mal auf die RKI-Maskenempfehlung f&uuml;r jedermann eingehen.<\/strong><\/p><p>Was ich ausgef&uuml;hrt habe, ist wichtig, um die Empfehlung des RKI einzuordnen. Das RKI empfahl die Maske f&uuml;r nahezu jeden B&uuml;rger in Deutschland, um damit angeblich die Ausbreitung des Coronavirus zu reduzieren und wiederum dadurch eine &Uuml;berlastung der Krankenh&auml;user zu verhindern.<\/p><p><strong>Und nun kommt ein &bdquo;Aber&ldquo;?<\/strong><\/p><p>Erstens war die Wirksamkeit der Masken f&uuml;r dieses Ziel unbewiesen, und zweitens hat man damit der im Umgang mit Masken v&ouml;llig unge&uuml;bten Bev&ouml;lkerung eine nur scheinbar einfache und dar&uuml;ber hinaus potenziell risikoerh&ouml;hende Ma&szlig;nahme verordnet, denn nicht nur Bakterien, sondern auch Viren werden im normalen Leben &uuml;ber die H&auml;nde verbreitet, weil wir uns nat&uuml;rlicherweise und meist auch noch ohne es zu bemerken mit den H&auml;nden oft ins Gesicht fassen, an Nase, Augen und Mund, wo respiratorische Viren ihre sogenannten Eintrittspforten haben, d.h. hingelangen m&uuml;ssen, um &uuml;berhaupt eine Infektion verursachen zu k&ouml;nnen. Ich bin in meinem Buch auf die Rolle der H&auml;nde und der h&auml;ufigen Hand-Gesichtskontakte des Menschen ausf&uuml;hrlich eingegangen.<\/p><p>Deshalb liegt der Fokus des Buches auf der Maske, weil sie durch die Ende April eingef&uuml;hrte Maskentragepflicht das Erscheinungsbild der Corona-Pandemie in der &Ouml;ffentlichkeit ma&szlig;geblich bestimmt hat. Sie war also keine Petitesse, und sie zu tragen war keine freie Entscheidung, denn nahezu in jedem Lebensbereich des mehr oder weniger &ouml;ffentlichen Lebens bestand die Pflicht, eine Maske zu tragen, sonst bekam man einen Bu&szlig;geldbescheid oder wurde nicht eingelassen (zum Beispiel in Krankenh&auml;user).<\/p><p><strong>Die Kampflinie zwischen Ma&szlig;nahmenbef&uuml;rwortern, Politik, Medien und Kritikern lie&szlig; sich gut an der &bdquo;Maskenfrage&ldquo; ablesen. War die Maske mehr als ein, sagen wir: Mittel zum Zweck?<\/strong><\/p><p>Die Maske war viel mehr als nur ein &sbquo;Mittel zum Zweck&lsquo; (also die Virusausbreitung zu reduzieren etc.). Sie war aus meiner Sicht, wie mir aber erst sukzessive im Laufe der Coronajahre klar wurde, das entscheidende Instrument der Politik, um die Bev&ouml;lkerung gef&uuml;gig zu machen: Sie sollte den Lockdown vor Einf&uuml;hrung der Maskenpflicht (und sp&auml;ter dann die nachfolgenden) rechtfertigen, sollte also zeigen, dass wirklich etwas Schlimmes passiert sei, weshalb man erstmals in Deutschland derart einschneidende Ma&szlig;nahmen ergriffen hat. Sie sollte den aus der Sicht der Politik n&ouml;tigen Angstpegel hochhalten, auch die Angst der Menschen voreinander, nicht nur vor dem (unsichtbaren) Virus. Sie sollte die Bev&ouml;lkerung dazu bringen, die kaum richtig untersuchten Impfungen zu akzeptieren, aber nicht nur das, sondern sogar f&uuml;r erstrebenswert zu halten.<\/p><p><strong>Bevor wir auf Ihre Erkenntnisse eingehen: Lassen Sie uns bitte noch mal das Schlaglicht auf die Coronazeit werfen. Die eine Gruppe hat an den Masken festgehalten, f&uuml;r die andere war sie ein rotes Tuch. Was waren die Gr&uuml;nde, die aus Sicht der Gruppe, die das Maskentragen bef&uuml;rwortete, f&uuml;r die Maske sprachen?<\/strong><\/p><p>Wir reden jetzt nicht von den Politikern, die die Maskenpflicht aus welchen Gr&uuml;nden auch immer wollten, sondern von den B&uuml;rgern. Viele Maskenbef&uuml;rworter fanden es wahrscheinlich plausibel, wenn man Mund und Nase bedeckt, weil dahinter ja die Viren sitzen k&ouml;nnen, und haben den Politikern vielleicht einfach geglaubt, dass sie schon das Richtige tun. Diese Personen h&auml;tte man leicht durch eine entsprechende Information &uuml;berzeugen k&ouml;nnen, dass n&auml;mlich Plausibilit&auml;t erstens nicht ausreicht, um eine Maskenpflicht f&uuml;r die gesamte Bev&ouml;lkerung zu verh&auml;ngen, und zweitens weit entfernt ist von einer Wirksamkeit aus wissenschaftlicher Sicht. Plausibel ist vieles, das allein reicht aber nicht f&uuml;r so weitgehende und noch dazu Zwangsma&szlig;nahmen.<\/p><p><strong>Das w&auml;re jetzt die Gruppe jener Maskenbef&uuml;rworter, die die Maske aus ihrer Sicht aus &bdquo;Gr&uuml;nden der Vernunft&ldquo; getragen haben.<\/strong><\/p><p>Es gab aber noch eine andere Gruppe von &ndash; strikten und schwer bis gar nicht erreichbaren &ndash; Maskenbef&uuml;rwortern, die damit einen moralischen Anspruch verbunden haben, die wahrscheinlich von den Begriffen &sbquo;Altruismus und Solidarit&auml;t&lsquo; angesprochen waren, auf jeden Fall aber nicht bereit waren zu fragen, ob Masken denn &uuml;berhaupt in ihrer Effektivit&auml;t wissenschaftlich belegt sind. Es sind (bzw. waren) wohl diejenigen, die sich als &sbquo;links&lsquo; bezeichnen w&uuml;rden und eher &sbquo;gr&uuml;ne&lsquo; Ziele verfolgen und die jeden Zweifel an der Maskenwirksamkeit als &sbquo;rechts&lsquo; bezeichnet haben, was sie von ihrem Weltbild her bek&auml;mpfen mussten. Vom Alter her waren die Vertreter dieser Gruppe oft aus der Mitte des Lebens, einer Zeit, wo viele beginnen, Angst vor dem &Auml;lterwerden zu entwickeln. Ich habe mal gelesen (wei&szlig; aber nicht mehr, wo und wer das gesagt hat), dass diese immer noch ziemlich jungen Menschen, deren Jugend aber definitiv vorbei ist und die in aller Regel schon entscheidende Weichen in ihrem Leben gestellt haben (Familie, Beruf), sich nicht sicher sind, ob das alles so richtig war, und da sich schon deshalb bei ihnen eine gewisse Grundangst breitmacht, waren sie sehr anf&auml;llig f&uuml;r die Angst, die um das Coronavirus herum gesch&uuml;rt wurde. Vielleicht eine Erkl&auml;rung daf&uuml;r, dass nicht etwa alte Menschen, f&uuml;r die das Virus tats&auml;chlich gef&auml;hrlich sein konnte, sondern viel j&uuml;ngere Leute besonders viel Angst vor dem Virus hatten.<\/p><p><strong>Mit welcher Begr&uuml;ndung lehnte die andere Gruppe das Maskentragen ab oder stand ihm kritisch gegen&uuml;ber?<\/strong><\/p><p>Die andere Gruppe war zum Teil zun&auml;chst von den Ma&szlig;nahmen mehr oder weniger &uuml;berzeugt, wie ich aus meinem Umfeld erfahren habe, hat sich dann aber vor allem via Internet kundig gemacht und ist dabei auf Personen gesto&szlig;en, die ihnen aufgrund ihrer Fachkenntnisse Informationen &uuml;ber das Virus und die m&ouml;glichen Auswirkungen der &sbquo;Ma&szlig;nahmen&lsquo; geben konnten. Mein damaliger Artikel in der Zeitschrift <em>Krankenhaushygiene up2date<\/em> zur Masken-Empfehlung des RKI geh&ouml;rte dazu, aber zahlreiche Kritiker der Corona-Ma&szlig;nahmen machten wiederholt Videos mit Erl&auml;uterungen oder Video-Interviews. Das habe ich nie gemacht, weil es nicht so meine Art ist, mich auf diese Art zu &auml;u&szlig;ern, sondern ich schreibe lieber. Jedenfalls konnte man &ndash; auch schon fr&uuml;hzeitig &ndash; eine Menge Kritisches zu der offiziellen Sichtweise &uuml;ber das Coronavirus erfahren, und das hat bei dieser Gruppe zu einer anderen Sicht auf das Virus und die Ma&szlig;nahmen der Regierung gef&uuml;hrt.<\/p><p><strong>Beide Gruppen f&uuml;hrten immer wieder Studien und angebliche oder echte Belege ins Feld, die das Tragen der Masken rechtfertigten oder eben nicht. Sie haben, um das noch mal hervorzuheben, im Bereich Krankenhaushygiene habilitiert. Wie haben Sie in der Coronazeit diese Diskussion und auch das &bdquo;Hauen und Stechen&ldquo; im Hinblick auf die Maskenpflicht beobachtet? Was waren Ihre Gedanken?<\/strong><\/p><p>Man kann sagen: Ich war dankbar f&uuml;r die Diskussionen und die Nennung all der Artikel, die die Effektivit&auml;t der Masken angeblich belegt haben &ndash; oder eben nicht. So erfuhr ich fr&uuml;hzeitig, was gerade diskutiert wurde, und kam ohne viel Aufwand an die Artikel, die gerade von der einen oder anderen Seite angef&uuml;hrt wurden. Man hat ja damals nahezu alle Artikel frei erhalten k&ouml;nnen, auch wenn man die (Fach-)Zeitschriften nicht abonniert hatte. Das hatte es bis dahin noch nicht gegeben. Man brauchte also nur einen der Autoren, den Titel oder die Zeitschrift zu wissen, um ohne Aufwand auch an die PDF-Datei des Artikels oder Preprints zu kommen. So gesehen waren das gute Zeiten. Nebenbei: Warum war das damals so, also warum musste man nicht mehr jeden einzelnen Artikel teuer bezahlen, bevor man ihn lesen konnte? <\/p><p>Da war ich lange auf einer Art Irrweg und habe ganz naiv gedacht, die internationale Community der wissenschaftlichen Journale habe sich angesichts der besonderen Situation durch das neue Virus eben gro&szlig;z&uuml;gig bereitgefunden, alles freizugeben. Inzwischen meine ich (nachdem bekannt geworden ist, dass die Peer-Reviewer und deren Institutionen in den Coronajahren sehr viel Geld von der Industrie bekommen haben), dass die Fachzeitschriften von der einschl&auml;gigen Industrie (und vielleicht auch von den gro&szlig;en Stiftungen) ebenfalls mit viel Geld versorgt wurden, sodass man leicht die Artikel freigeben konnte, &uuml;ber die sonst ein Teil der Einnahmen l&auml;uft, mit denen die Zeitschriften sich finanzieren.<\/p><p><strong>Eine Zwischen&uuml;berschrift in Ihrem Buch lautet: &bdquo;Das RKI setzt das wissenschaftliche Arbeiten aus&ldquo;. Sie schildern dann die Zeit ab dem 14. April 2020. Am 27. April 2020 wurde die Maskenpflicht eingef&uuml;hrt. Was passierte in dieser Zeit? Und: Warum sagen Sie, das RKI habe seine wissenschaftliche Arbeit &bdquo;ausgesetzt&ldquo;?<\/strong><\/p><p>Das RKI hat in seinem f&uuml;r die Einf&uuml;hrung der Maskenpflicht entscheidenden Artikel von April 2020 &uuml;ber die &sbquo;Neubewertung&lsquo; von Masken behauptet, die Maske k&ouml;nne ein Baustein sein, um die Ausbreitung des Virus zu reduzieren und damit die &Uuml;berlastung der Krankenh&auml;user zu verhindern. Daf&uuml;r liefert der Artikel aber keine Belege. Ich habe jede der dort genannten Referenzen gelesen und habe das ausf&uuml;hrlich in meinem Buch dargelegt. Das RKI hat sich dabei fast im ganzen Artikel ziemlich vorsichtig ausgedr&uuml;ckt, hat nur von M&ouml;glichkeiten gesprochen und hat an keiner Stelle gesagt, dass eine solche Maskeneffektivit&auml;t wissenschaftlich belegt sei. Ganz am Schluss aber, im letzten Satz, hei&szlig;t es dann in Bezug auf diese Maskeneffektivit&auml;t nicht mehr &sbquo;kann&lsquo; oder &sbquo;k&ouml;nnte&lsquo;, sondern &sbquo;ist&lsquo;, d.h. am Ende des Artikels (da schauen die meisten Leser hin, weil an dieser Stelle meist ein kurzes Res&uuml;mee gegeben wird) suggeriert das RKI, dass es diese Effektivit&auml;t von Masken tats&auml;chlich gibt.<\/p><p>F&uuml;r dieses Ziel hat das RKI in dem Artikel das Konstrukt der sogenannten unbemerkten &Uuml;bertragung eingef&uuml;hrt &ndash; die &uuml;brigens auch Grundlage war f&uuml;r die massenhaften PCR-Testungen bei Gesunden.<\/p><p><strong>Damit war gemeint: Auch Menschen, die bereits mit dem Virus infiziert waren, aber keine Symptome hatten, k&ouml;nnten ansteckend sein. Richtig?<\/strong><\/p><p>Ja, so war das gemeint. Man scheide das Virus bereits aus, wenn man noch nicht erkrankt ist (&sbquo;pr&auml;symptomatisch&lsquo;), oder man k&ouml;nne ohne Symptome (&sbquo;asymptomatisch&lsquo;) infiziert sein. In beiden F&auml;llen wei&szlig; man es also nicht, weil man nichts sp&uuml;rt von einer oberen Atemwegsinfektion, k&ouml;nne von daher aber &sbquo;unbemerkt&lsquo; das Virus streuen und so andere Menschen, denen man begegnet, infizieren.<\/p><p>Als Novum hingestellt wurde damals, dass man das Virus schon ausscheidet, bevor man krank wird. Das war aber nicht neu, sondern von anderen Virusinfektionen nur zu bekannt. Nat&uuml;rlich ist man da dann auch prinzipiell infekti&ouml;s. Ob es zu einer Erreger&uuml;bertragung kommt, h&auml;ngt von der Art der Kontakte ab (insbesondere enge Kontakte innerhalb der Familie). Und weil man damals so getan hat, als sei das au&szlig;ergew&ouml;hnlich, dass der Erreger schon vor den Krankheitssymptomen im Nasen-Rachen-Sekret erscheint, konnte man auch die &sbquo;unbemerkte &Uuml;bertragung&lsquo; erfinden. Sicher, die gab und gibt es, wurde aber nie als Risiko betrachtet. Bei Corona aber brauchte man sie und hat sie hochstilisiert zu einem hohen Risiko f&uuml;r die gesamte Bev&ouml;lkerung. Und genau das war und ist unbewiesen.<\/p><p>Dieses Konstrukt der angeblich v&ouml;llig neuen &sbquo;unbemerkten &Uuml;bertragung&lsquo; mit noch dazu hohem &Uuml;bertragungsrisiko wurde verwendet (und ben&ouml;tigt), um die Sinnhaftigkeit von Masken (zum &sbquo;Fremdschutz&lsquo;) und damit die (offenbar fr&uuml;hzeitig geplante) politisch gewollte Maskenpflicht zu begr&uuml;nden (aus den RKI-Files geht jedenfalls hervor, dass der Artikel des RKI schon seit Ende M&auml;rz 2020 im RKI vorbereitet wurde). Das hei&szlig;t: Mit der angeblich vorhandenen &sbquo;unbemerkten &Uuml;bertragung&lsquo; (wegen der zum &sbquo;Fremdschutz&lsquo; aus &sbquo;Altruismus und Solidarit&auml;t&lsquo; die Masken erforderlich seien) &ndash; und nur damit &ndash; hat das RKI der Politik die Grundlage daf&uuml;r geliefert, eine Maskenpflicht verh&auml;ngen zu k&ouml;nnen, nachdem die Maske zuvor von RKI und Politik aus guten Gr&uuml;nden abgelehnt worden war, weil es keine Daten gab, die ihre Anwendung in der &Ouml;ffentlichkeit st&uuml;tzen. Mit der &sbquo;unbemerkten &Uuml;bertragung&lsquo; also wurde die Pflicht zum Maskentragen begr&uuml;ndet, egal, wo man sich im &ouml;ffentlichen Raum aufh&auml;lt, zum Beispiel in einem Lebensmittelladen, wo sich die Kunden auf dem Gang begegnen, bis hin zu Wanderwegen mit Engstellen wie in der H&ouml;llentalklamm im Zugspitzgebiet.<\/p><p>Weil die &sbquo;unbemerkte &Uuml;bertragung&lsquo; nicht belegt war (und ist), aber vom RKI in seinem Artikel vom April 2020 als hohes Risiko dargestellt wurde, habe ich im Buch geschrieben, dass das RKI das wissenschaftliche Arbeiten ausgesetzt hat. Das ist f&uuml;r sich schon interessant, weil das RKI gem&auml;&szlig; &sect; 1 IfSG den Auftrag hat, wissenschaftlich zu arbeiten, und damit ist nicht vereinbar, dass man einfach nur Behauptungen aufstellt, f&uuml;r die man keine wissenschaftlichen Daten hat. Noch viel interessanter aber ist, dass sich das RKI innerhalb von nur zwei Monaten &ndash; klandestin, wie man heute in gebildeten Kreisen sagt &ndash; schon wieder von der Theorie der &sbquo;unbemerkten &Uuml;bertragung&lsquo; zur&uuml;ckgezogen hat (allerdings von der &Ouml;ffentlichkeit &ndash; wie im &Uuml;brigen auch von mir &ndash; unbemerkt, also kann man schon sagen: heimlich), indem es im COVID-Steckbrief (den ich nicht st&auml;ndig auf Ver&auml;nderungen durchgeschaut habe, was, wie man sehen kann, ein Fehler war) bereits zu diesem fr&uuml;hen Zeitpunkt geschrieben hat, dass symptomatische Personen bei der Erreger&uuml;bertragung die Hauptrolle spielen (das wusste man schon immer), dass ferner der Anteil pr&auml;symptomatischer Personen &sbquo;nicht genau beziffert&lsquo; werden k&ouml;nne und dass schlie&szlig;lich die Ansteckung durch asymptomatische Personen vermutlich eine &sbquo;untergeordnete Rolle&lsquo; spiele. Das muss man erst einmal begreifen: Noch im April 2020 ist die &sbquo;unbemerkte &Uuml;bertragung&lsquo; angeblich ein hohes Risiko und man braucht Masken zum &sbquo;Fremdschutz&lsquo;, und schon zwei Monate danach im Juni 2020 kann man das Ausma&szlig; der unbemerkten &Uuml;bertragung &sbquo;nicht genau beziffern&lsquo; (pr&auml;symptomatisch), oder sie spielt eine &sbquo;untergeordnete Rolle&lsquo; (asymptomatisch). Da hatte das RKI das wissenschaftliche Arbeiten wieder aufgenommen. Deshalb also meine Aussage, das RKI habe das wissenschaftliche Arbeiten ausgesetzt.<\/p><p><strong>Wie sind Sie denn nun f&uuml;r Ihr Buch vorgegangen, um die &bdquo;Maskenfrage&ldquo; zu kl&auml;ren? Was haben Sie gemacht?<\/strong><\/p><p>Ich habe alle Artikel, die von den Masken-Bef&uuml;rwortern genannt wurden (das waren mit Abstand die meisten) und von den Masken-Kritikern dagegengestellt wurden, durchgelesen und dabei gepr&uuml;ft, was die Autoren sagen und wie sie es begr&uuml;nden oder welche Methodik sie ggf. bei ihren Studien angewendet haben. Denn es waren ja viele Artikel gar keine &sbquo;Studien&lsquo;, also Untersuchungen zu einer konkreten Frage, sondern viele waren nur Artikel, in denen die Autoren ihre Meinung zur Maskenfrage ge&auml;u&szlig;ert haben. Das ist legitim, aber keine Studie, sondern ganz schlicht ein Meinungsbeitrag und hat wissenschaftlich keine dar&uuml;ber hinausgehende Bedeutung, wenn nicht darin wiederum auf konkrete Untersuchungen bzw. Ergebnisse zur relevanten Frage Bezug genommen wird. Und ich habe geschaut, wann die Artikel publiziert bzw. bei der Zeitschrift eingereicht worden waren, um sehen zu k&ouml;nnen, was wann bekannt war (denn es hie&szlig; ja bald insbesondere von Seiten der Politik so oder &auml;hnlich: das haben wir damals ja noch nicht gewusst). Und dabei zeigte sich (das habe ich in einer eigenen Tabelle zusammengestellt), dass sehr viel Corona-Ma&szlig;nahmen-Kritisches schon in 2020 publiziert und auch methodisch gut war, dass aber die f&uuml;r die Corona-Ma&szlig;nahmen positiven Publikationen haupts&auml;chlich aus Modellrechnungen oder eben Meinungsbeitr&auml;gen bestanden, die nur eine geringe Aussagekraft f&uuml;r die Realit&auml;t haben.<\/p><p>Ich habe mir auch die Referenzlisten aller Beitr&auml;ge durchgesehen und daraus die Artikel besorgt und gelesen, die die Autoren z.B. der Meinungsbeitr&auml;ge f&uuml;r ihre Aussagen zitiert haben. Dasselbe Vorgehen habe ich praktiziert bei den Ver&ouml;ffentlichungen der internationalen Gesundheitsbeh&ouml;rden, also ECDC f&uuml;r Europa, CDC f&uuml;r die USA und WHO f&uuml;r die Welt (das RKI hatte ich ja schon). Das ist zeitaufwendig &ndash; und h&auml;ufig nicht sehr interessant, um es vorsichtig auszudr&uuml;cken, aber da musste ich durch, wenn ich mir sicher sein wollte, keine Ergebnisse aus wissenschaftlichen Untersuchungen &uuml;bersehen zu haben, die vielleicht doch f&uuml;r die Anwendung von Masken in der &Ouml;ffentlichkeit sprechen k&ouml;nnten.<\/p><p><strong>Sie sprechen vom Tragen &bdquo;von Masken in der &Ouml;ffentlichkeit&ldquo;.<\/strong><\/p><p>Das ist das Stichwort. Bei all diesen &Uuml;berlegungen geht es immer nur um die Anwendung von Masken in der &Ouml;ffentlichkeit, um, wie es die Regierung immer sagte (und ins IfSG geschrieben hat), damit die Virusausbreitung einzud&auml;mmen und die &Uuml;berlastung der Krankenh&auml;user zu verhindern.<\/p><p>Es geht also nicht um Masken in Situationen, wo zwei Menschen miteinander zu tun haben und der eine von den beiden eine respiratorische Infektion hat, und es geht nat&uuml;rlich auch nicht um experimentelle Studien, wo Masken unter Laborbedingungen an einem Dummy getestet werden, und ebenso wenig geht es um Tierstudien. Die Frage, unter der ich alles beurteilt habe und beurteilen musste, war also: Gibt es Daten aus aussagef&auml;higen wissenschaftlichen Untersuchungen, die belegen, dass Masken, die von allen B&uuml;rgern im &ouml;ffentlichen Raum getragen werden, die Virusausbreitung eind&auml;mmen und dadurch die &Uuml;berlastung von Krankenh&auml;usern (incl. Intensivstationen) verhindern k&ouml;nnen? Nur darum ging es bei der Maskenfrage.<\/p><p><strong>Und? Gibt es diese aussagef&auml;higen Daten?<\/strong><\/p><p>Nein, solche Daten gibt es nicht.<\/p><p>Es gab, ich meine in 2021, einen Experten, der vorher nicht zum Zuge kam, aber dann relativ h&auml;ufig interviewt wurde, der in einem solchen Interview von der ihn doch sehr &uuml;berraschenden hervorragenden Wirksamkeit von Masken sprach. Ich habe ihn angeschrieben und gefragt, auf welche Untersuchungen er sich denn bezogen habe, denn mir seien keine bekannt, die die Anwendung von Masken in der &Ouml;ffentlichkeit st&uuml;tzen w&uuml;rden, wie in Deutschland durch die Maskenpflicht festgelegt. Ich habe keine Antwort bekommen, und ich vermute, er hat die experimentellen Laborstudien gemeint, bei denen FFP-Masken untersucht werden, die seitlich mit Knetmasse abgedichtet werden, um wirklich nur das Maskenmaterial pr&uuml;fen zu k&ouml;nnen. Ich glaube aber nicht, dass er nicht wusste, wovon er redet.<\/p><p><strong>Wie angesprochen haben Bef&uuml;rworter der Masken immer wieder Studien ins Feld gef&uuml;hrt, die angeblich die Wirksamkeit belegen. Zusammengefasst: Welche Probleme haben Sie bei entsprechenden Studien ausgemacht?<\/strong><\/p><p>Es sind keine aussagef&auml;higen Studien f&uuml;r die zur Diskussion stehende Fragestellung, sei es, dass es sich um Modellrechnungen handelt (mathematische Sch&auml;tzungen oder Simulationsstudien) oder um sogenannte Fall-Kontrollstudien oder Beobachtungsstudien. Es gab in der Coronazeit am h&auml;ufigsten Modellrechnungen. Das sind aber immer nur &sbquo;Wenn-Dann-Ergebnisse&lsquo;, d.h. sie k&ouml;nnen gar nicht die Wirklichkeit widerspiegeln, weil sie ausschlie&szlig;lich auf Annahmen beruhen, eben so: Wenn das so ist, dann k&ouml;nnte daraus das werden. Das also sind &sbquo;Wenn-Dann-Ergebnisse&lsquo;. Bei den anderen Studienarten gibt es keine gleichzeitigen Kontrollgruppen, und das ist eine entscheidende Voraussetzung: eine ad&auml;quate und das bedeutet auch: zuf&auml;llig ermittelte Kontrollgruppe, die zeitgleich beobachtet werden kann. Man nennt dieses Studiendesign &sbquo;kontrollierte randomisierte Studie&lsquo; (oder engl. controlled randomized trial = RCT). Das h&auml;tte man, wenn man gewollt h&auml;tte, machen k&ouml;nnen. Ich habe das im Buch skizziert.<\/p><p>Es gab international zwei solcher Studien: Die eine, schon im Jahr 2020 publiziert, hatte den Eigenschutz, nicht den Fremdschutz zum Ziel (und fand keinen signifikanten Unterschied zwischen Interventions- und Kontrollgruppe). Sie konnte deshalb f&uuml;r die in Deutschland stattfindende Diskussion, wo es ja um den angeblichen Fremdschutz ging, nichts Entscheidendes beisteuern (obwohl nat&uuml;rlich ihr Ergebnis durchaus interessant war, weil danach die Maskentr&auml;ger nichts von dieser Ma&szlig;nahme hatten). Die andere Studie wurde in Bangladesch bei Landbev&ouml;lkerung durchgef&uuml;hrt, hatte aber betr&auml;chtliche methodische M&auml;ngel und bei einer externen Reanalyse keinen nachweisbaren Effekt. Das ist im Buch eingehend beschrieben.<\/p><p>Was ganz wichtig ist, sind sogenannte systematische Reviews, in denen zu einem gegebenen Thema alle verf&uuml;gbaren Untersuchungen zusammengesucht und ausgewertet werden, soweit es geht, d.h. wenn sich die Untersuchungen daf&uuml;r eignen, in einer zusammenfassenden mathematischen Auswertung, was man dann Metaanalyse nennt. Nicht selten sind einzelne Untersuchungen &ndash; ganz gleich, zu welchem Thema &ndash; zu klein, sodass die gleichzeitige Auswertung mehrerer Studien (aber nat&uuml;rlich nur, wenn daf&uuml;r die Voraussetzungen bei den Einzelstudien stimmen) einen aussagef&auml;higeren Pool von Daten ergeben kann. Abgesehen von der Metaanalyse ist schon die Beurteilung solcher Studien im systematischen Review zeitaufwendig, aber auch ohne Metaanalyse ist es wichtig, keine Untersuchung auszulassen, sondern eben systematisch nach allem zu suchen, was es zu der Fragestellung gibt, um schlie&szlig;lich &sbquo;evidence-based&lsquo; eine Aussage machen zu k&ouml;nnen.<\/p><p>Anders ist das beim sogenannten narrativen Review (was auch immer die Bezeichnung &sbquo;narrativ&lsquo; hier bedeuten soll, die Bezeichnung ist aber seit Langem etabliert), denn dabei muss man nicht nach allem suchen, sondern kann eine (subjektive) Auswahl treffen. Seit einigen Jahren wird von einer Wissenschaftlerin aus Gro&szlig;britannien, die Ende der 1990er-Jahre ein tolles Buch &uuml;ber evidence-based medicine geschrieben hat, &uuml;berraschenderweise und wiederholt der narrative Review propagiert. Dazu findet sich im Buch ein aktuelles Beispiel, das zeigt, wohin dieses Vorgehen f&uuml;hren kann und dass damit mit einiger Sicherheit Interessen bedient werden, die man mit systematischen Reviews nicht (ausreichend) bedienen k&ouml;nnte.<\/p><p><strong>Wie m&uuml;sste denn eine ideale Studie aussehen, um die Wirksamkeit oder Nichtwirksamkeit der Maske im Rahmen einer &bdquo;Pandemiesituation&ldquo; festzustellen? Auf Seite 75 Ihres Buches beschreiben Sie eine Situation, in der eine ziemliche Masse an Menschen vorkommen m&uuml;sste.<\/strong><\/p><p>Ja, stimmt. Da es aber auch um eine ungeheuer gro&szlig;e Zahl an Menschen geht bzw. ging (ca. 80 Millionen in Deutschland), die von der Maskenpflicht betroffen waren, muss es halt sein, wenn man wirklich wissen will, ob die Maske etwas taugt, dass sehr viele Menschen (das hei&szlig;t Tausende in jeder Gruppe) in solch eine vergleichende Untersuchung einbezogen werden. Schlie&szlig;lich wurden f&uuml;r die angebliche Maskenwirksamkeit die Grundrechte au&szlig;er Kraft gesetzt. Grundrechte sind keine Privilegien, sie stehen uns zu, darum m&uuml;ssen wir nicht betteln. Da muss es doch m&ouml;glich sein, das hei&szlig;t der Wille da sein, so genau wie m&ouml;glich herauszukriegen, ob das beabsichtigte Mittel auch geeignet ist.<\/p><p><strong>Was spricht aus Ihrer Sicht gegen die Ma&szlig;nahme Maske?<\/strong><\/p><p>Die Wirksamkeit der Maske ist f&uuml;r die beabsichtige Anwendung nicht belegt. Es fehlte jede wissenschaftliche Grundlage. Deshalb h&auml;tte eine Maskenpflicht nicht verh&auml;ngt werden d&uuml;rfen.<\/p><p><strong>Was noch?<\/strong><\/p><p>Eine gro&szlig;e Bedeutung hatte f&uuml;r die Masken-Bef&uuml;rworter die Aerosol-Theorie, also die angeblich sicher nachgewiesene &Uuml;bertragung speziell dieses Coronavirus &uuml;ber winzige Partikel, denen man nicht aus dem Weg gehen kann, weil sie in der Luft schweben, und die man deshalb zwangsl&auml;ufig inhaliert. Um das zu verhindern, konnte nur die Maske helfen, aber nat&uuml;rlich auch nur eine FFP-Maske. Soweit die bekannte Story. Die Bundesregierung hat die Aerosol-&Uuml;bertragung in seiner AHA- + L-Regel durch das &lsquo;L&lsquo; f&uuml;r &sbquo;L&uuml;ften&lsquo; ber&uuml;cksichtigt. Der Mechanismus ist ja nur zu bekannt: Wenn man eine Behauptung nur oft genug wiederholt, steht sie irgendwann als Tatsache da.<\/p><p>Die Aerosol-&Uuml;bertragung ist allerdings alles andere als nachgewiesen, sondern stellt eine der vielen unbelegten Behauptungen der Coronazeit dar. Auch der Bericht &uuml;ber die Chorprobe in den USA, die daf&uuml;r stets als Beweis herangezogen wird, wirft mehr Fragen auf als darin beantwortet werden und kann keineswegs als Beleg f&uuml;r den behaupteten &Uuml;bertragungsweg genommen werden, und zwar schon deshalb, weil man mit einem Ausbruch keinen &Uuml;bertragungsweg sichern kann (das gilt also ebenso f&uuml;r den Ausbruch bei Webasto oder bei T&ouml;nnies). Offenbar ist die Aerosol-Theorie viel zu eing&auml;ngig, um in Frage gestellt zu werden. Genau das aber habe ich ausf&uuml;hrlich in einem der Kapitel des Buches getan und dort dargestellt, welche Fragen erst einmal gekl&auml;rt werden m&uuml;ssten, um zu der Schlussfolgerung einer &Uuml;bertragung via Aerosole gelangen zu k&ouml;nnen. Also: Ohne die Aerosol-&Uuml;bertragung des Coronavirus h&auml;tte die Maske nicht so lange verteidigt werden k&ouml;nnen, aber die Aerosol-&Uuml;bertragung ist unbewiesen.<\/p><p><strong>Wie blicken Sie auf das Thema Corona-Aufarbeitung, was m&uuml;sste f&uuml;r eine fundierte Aufarbeitung geleistet werden?<\/strong><\/p><p>Mit Skepsis, aber dennoch zuversichtlich, w&uuml;rde ich sagen, weil ich der Typ &sbquo;Glas halbvoll&lsquo; bin, also letztlich immer glaube, dass trotz Widrigkeiten ein mindestens akzeptables Ergebnis kommen wird. Ich gebe zu, dass ich damit zum jetzigen Zeitpunkt beim Thema &sbquo;Corona-Aufarbeitung&lsquo; an meine Grenzen komme, weil ich diesbez&uuml;glich in Deutschland kein Lichtlein von irgendwoher kommen sehe. Die n&auml;chste Bundesregierung m&ouml;chte angeblich eine Enquete-Kommission einrichten, aber keinen Untersuchungsausschuss. Der ist aber erforderlich. Eine Enquete-Kommission ist zumindest bei diesem komplexen Thema nur Kosmetik, weil dort neben ein paar Alibi-Personen wieder nur diejenigen aus Politik und Wissenschaft sitzen werden, die das Vorgehen in der Coronazeit ma&szlig;geblich bestimmt haben. Da kann es keine objektive Beurteilung der Situation geben.<\/p><p>In einem Untersuchungsausschuss k&ouml;nnen Zeugen geladen werden, und eine Falschaussage ist wie vor Gericht strafbar. Das h&ouml;rt sich hart an, wir hatten es aber auch mit au&szlig;ergew&ouml;hnlich harten Ma&szlig;nahmen zu tun, die nicht einfach damit erkl&auml;rt werden k&ouml;nnen, dass man es doch nicht so genau gewusst und nur das Beste gewollt habe. Und immer hat sich die Politik auf &sbquo;die&lsquo; Wissenschaft berufen. Dass das nicht stimmte (abgesehen davon, dass es &sbquo;die&lsquo; Wissenschaft nicht gibt), wurde aus den RKI-Files deutlich oder auch aus der Zeugenaussage des jetzigen RKI-Pr&auml;sidenten in einem Gerichtsverfahren zur Hochstufung des Risikos f&uuml;r die Bev&ouml;lkerung durch das RKI. Es wurde politisch entschieden und Wissenschaft, wenn sie vorhanden war, wurde ignoriert. Es geht also bei einem Untersuchungsausschuss nicht um &sbquo;Schuldzuweisungen&lsquo;, wie es die Gegner heute gerne sagen und deshalb dieses Verfahren ablehnen. Es geht vielmehr um Aufkl&auml;rung: Die &Ouml;ffentlichkeit hat ein Anrecht darauf, zu erfahren, was wer wann wusste und warum diese einschneidenden Ma&szlig;nahmen durchgef&uuml;hrt wurden.<\/p><p>Eine Aufarbeitung der Coronazeit m&uuml;sste also auch kl&auml;ren, wieso das alles fast weltweit (ber&uuml;hmteste Ausnahme: Schweden) stattfand, denn wir wissen ja inzwischen, dass es sich eben nicht um ein Naturereignis gehandelt hat. Ich stelle dazu am Ende des Buches ein paar, aber keineswegs ersch&ouml;pfende Fragen, z.B.: Warum wurde laut Zulassungsstudie von Pfizer\/BioNTech mit der Vorbereitung der Impfstoffe schon am 10. Januar 2020 begonnen, als es doch noch lange keine durch die WHO ausgerufene Pandemie und noch nicht einmal eine PHEIC gab? Oder: Warum wurde schon Mitte Januar 2020 ein Testprotokoll zum Nachweis des Erregers verbreitet, obwohl es damals gemessen an der Weltbev&ouml;lkerung nur wenige F&auml;lle gab? Oder: Warum war die Politik in Deutschland bereit, derartige f&uuml;r ein Land katastrophale Ma&szlig;nahmen wie Lockdowns einzuf&uuml;hren? Oder: Wieso konnten mit den Impfungen nahezu ungepr&uuml;fte Medikamente an Zigmillionen Menschen verabreicht werden, &uuml;ber die in den RKI-Files schon Ende April 2020 zu lesen ist, dass Impfungen &sbquo;im Schnelldurchgang&lsquo; entwickelt werden und &sbquo;relevante Daten erst Post-Marketing&lsquo; erhoben werden? Oder: Warum haben so viele L&auml;nder gleiche bis sehr &auml;hnliche Ma&szlig;nahmen nahezu zur selben Zeit eingef&uuml;hrt (z.B. Deutschland und Frankreich jeweils am 16. M&auml;rz 2020)? Oder: Warum wurde mit so gro&szlig;er H&auml;rte z.B. auf Demonstrationen gegen Kritiker der Ma&szlig;nahmen vorgegangen (wobei es ja offensichtlich nicht darum ging, dass sie die &sbquo;Ma&szlig;nahmen&lsquo; nicht befolgten, weil in anderen vergleichbaren Situationen mit vielen Menschen auf der Stra&szlig;e die gleiche Nichtbefolgung keine Konsequenzen hatte)?<\/p><p>In Deutschland gab es aus den vom RKI routinem&auml;&szlig;ig erhobenen &Uuml;berwachungsdaten zu respiratorischen Infektionen keinen Anhalt f&uuml;r eine besondere Situation, denn weder gab es viele Atemwegsinfektionen, wie man es aber doch erwarten w&uuml;rde bei einer Pandemie durch einen neuen Erreger, noch machte das neue Virus etwa einen hohen Anteil an allen isolierten respiratorischen Viren aus, sondern im Gegenteil lag der Anteil des Virus zu der Zeit, als der erste Lockdown beschlossen wurde, also Mitte M&auml;rz 2020, bei gerade mal 1,6 Prozent. Von diesen Daten her war in Deutschland einfach nichts los, was die radikalen Ma&szlig;nahmen auch nur ann&auml;hernd gerechtfertigt h&auml;tte. Das alles und noch viel mehr kann nur in einem Untersuchungsausschuss gekl&auml;rt werden.<\/p><p><em><strong>Lesetipp<\/strong> <\/em><\/p><p>Ines Kappstein: Aerosole, Angst und Masken: Die AHA- + L-Regeln. M&uuml;nster 2025, Verlag Kubo UG, gebundene Ausgabe, 404 Seiten, ISBN 978-3962300258, 32 Euro.<\/p><p><small>Titelbild: kovop\/shutterstock.com<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/0dbeb8d906d64180b05f0dc45986b34a\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Das RKI setzt das wissenschaftliche Arbeiten aus&ldquo; &ndash; unter dieser Zwischen&uuml;berschrift fokussiert die habilitierte Krankenhaushygienikerin <strong>Ines Kappstein<\/strong> in ihrem aktuellen Buch auf das Robert Koch-Institut. Im Interview mit den NachDenkSeiten sagt Kappstein, die Beh&ouml;rde habe den Auftrag, &bdquo;wissenschaftlich zu arbeiten&ldquo;, womit nicht vereinbar sei, &bdquo;dass man einfach nur Behauptungen aufstellt, f&uuml;r die man keine wissenschaftlichen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=132704\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":132705,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,126,149,209],"tags":[3088,418,3057,2878,1222,2856,2834],"class_list":["post-132704","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-erosion-der-demokratie","category-gesundheitspolitik","category-interviews","tag-gesundheitsschutz","tag-grundgesetz","tag-infektionsschutzgesetz","tag-maskenpflicht","tag-pandemie","tag-robert-koch-institut","tag-virenerkrankung"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/shutterstock_1683544594.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/132704","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=132704"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/132704\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":132838,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/132704\/revisions\/132838"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/132705"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=132704"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=132704"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=132704"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}