{"id":132898,"date":"2025-05-13T16:55:54","date_gmt":"2025-05-13T14:55:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=132898"},"modified":"2025-05-13T18:24:59","modified_gmt":"2025-05-13T16:24:59","slug":"das-oekumenische-friedenszentrum-am-rand-des-kirchentages-in-hannover-wurde-bisher-nicht-wirklich-wahrgenommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=132898","title":{"rendered":"Das \u201e\u00d6kumenische Friedenszentrum am Rand des Kirchentages in Hannover\u201c wurde bisher nicht wirklich wahrgenommen"},"content":{"rendered":"<p>Zum Beitrag der NachDenkSeiten mit dem Thema <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=132526\">&bdquo;Waffenlieferungen f&uuml;r den Frieden? Evangelischer Kirchentag als Steigb&uuml;gelhalter der vorherrschenden Politik&ldquo;<\/a> und zu den dazu eingegangenen und ver&ouml;ffentlichten <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=132718\">Leserbriefen<\/a> schreibt uns ein Pfarrer aus W&uuml;rttemberg. Er findet, das &bdquo;&Ouml;kumenische Friedenszentrum&ldquo; sei nicht geb&uuml;hrend wahrgenommen worden. Wir geben seine Mail, obwohl sie nicht als Leserbrief gedacht war, unseren Leserinnen und Lesern wegen des Inhalts zur Kenntnis. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nLiebes Redaktionsteam der NachDenkSeiten, <\/p><p>was ich hier schreibe, soll kein Leserbrief werden, sondern eher eine Anregung f&uuml;r einen redaktionellen Artikel in den NachDenkSeiten. Ich bin evangelischer Pfarrer der w&uuml;rttembergischen Landeskirche. Beim Durchlesen der <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=132718\">Leserbriefe zum Artikel &bdquo;Waffenlieferungen f&uuml;r den Frieden? Evangelischer Kirchentag als Steigb&uuml;gelhalter der vorherrschenden Politik&ldquo;<\/a> ist mir aufgefallen, dass bei aller Erregung &uuml;ber die von Politikern bestrittenen Veranstaltungen auf dem eigentlichen Kirchentag das &bdquo;&Ouml;kumenische Friedenszentrum am Rand des Kirchentages in Hannover&ldquo; in seiner Bedeutung bisher nicht wirklich wahrgenommen wird. <\/p><p>Wobei Sie in den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=132430#h03\">&bdquo;Hinweisen des Tages&ldquo; am 2. Mai<\/a> dankenswerterweise den Artikel von <em>BR24<\/em> verlinkt haben, in dem das Friedenszentrum erw&auml;hnt wird und wo im Radiobeitrag Dekanin Susanne B&uuml;ttner, die zum Kernkreis der Initiatoren geh&ouml;rt, ausf&uuml;hrlich zu Wort kommt. <\/p><p>Um das Friedenszentrum mit der &ouml;kumenischen Friedenssynode wirklich zu verstehen, ist es wahrscheinlich notwendig, sich seine Geschichte zu vergegenw&auml;rtigen.  <\/p><p>Der Anfang liegt schon im Sommer 2022, als Susanne B&uuml;ttner, Ev. Dekanin im Justizvollzug, zusammen mit einem kleinen Kreis w&uuml;rttembergischer Theologinnen und Theologen eine Erkl&auml;rung &bdquo;Christ*innen sagen Nein zu Waffenlieferungen und Aufr&uuml;stung&ldquo; verfasst hat. Diese Erkl&auml;rung war ein Widerspruch gegen das Einschwenken der medial wahrnehmbaren Kirchenvertreter auf die Linie der von der Politik ausgerufenen Zeitenwende. Damals hat sie formuliert: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Der Angriff Russlands auf die Ukraine ist eine umfassende Krise f&uuml;r jegliche Form europ&auml;ischer Friedenspolitik. Gerade deshalb ist es im Sinne der Botschaft Jesu, wenn wir als Christ*innen nicht der Logik und Ideologie des Krieges verfallen. Entgegen dem momentan herrschenden gesellschaftlichen Diskurs wollen wir weiter f&uuml;r Friedensbem&uuml;hungen, gegen Waffenlieferungen und gegen Aufr&uuml;stung eintreten.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>&Uuml;ber innerkirchliche Kan&auml;le verbreitet, wurde diese Erkl&auml;rung bis April 2023 &uuml;ber 300-mal unterschrieben. <\/p><p>Ein Kreis von w&uuml;rttembergischen Pfarrerinnen und Pfarrern hat sich dann bis zum Herbst 2023 mehrfach getroffen, um eine grundlegende Stellungnahme zu erarbeiten, die, abweichend vom kirchlichen Mainstream, theologische Kritik an einer Politik der Waffen formuliert, um damit inner- und au&szlig;erkirchlich sichtbar und aktiv werden zu k&ouml;nnen. Ende Oktober 2023 wurde die Erkl&auml;rung als <em>&bdquo;W&uuml;rttembergischer Friedensaufruf&ldquo;<\/em> ver&ouml;ffentlicht. Den sieben Thesen ist dabei immer ein Bibelzitat vorangestellt. Dann wird eine der in Medien, Politik und Kirche vertretenen Positionen zum Ukrainekrieg aufgegriffen und dem eine aus der Bibel begr&uuml;ndete Haltung entgegengestellt. Zentral ist die Zumutung von Jesus, auch die Feinde zu lieben. Dabei nimmt der Friedensaufruf ernst, dass die Feindesliebe, zu der Jesus auffordert, nicht f&uuml;r harmlose Umst&auml;nde gedacht ist, sondern gerade f&uuml;r die Auseinandersetzung mit wirklichen Feinden.  <\/p><p>&Uuml;ber den W&uuml;rttembergischen Friedensaufruf wurde in der regionalen Presse berichtet, er wurde im Deutschen Pfarrerblatt publiziert, doch der erhoffte breitere innerkirchliche Dialog blieb aus. <\/p><p>Bei einem Treffen des Initiativkreises im Sommer 2024 zur Frage, wie es angesichts der sp&auml;rlichen Reaktionen auf die bisherigen &Auml;u&szlig;erungen weitergehen sollte, entstand die Idee einer &ouml;kumenischen Friedenssynode auf dem Kirchentag in Hannover, 1. bis 3. Mai 2025. Nach ersten Sondierungen war im Herbst 2024 jedoch klar, dass die Kirchentagsleitung eine Veranstaltung, bei der Thesen auf der Linie des &bdquo;W&uuml;rttembergischen Friedensaufrufs&ldquo; verabschiedet werden sollten, nicht mittragen w&uuml;rde. <\/p><p>So wurde der k&uuml;hne Entschluss gefasst, unabh&auml;ngig vom Kirchentag, aber zentral in Hannover, drei Tage lang ein &ouml;kumenisches Friedenszentrum zu veranstalten, bei dem eine Synode von Christen aus ganz Deutschland, unabh&auml;ngig von kirchlichen Institutionen und Strukturen, einen Friedensruf beschlie&szlig;en w&uuml;rde.  <\/p><p>Dazu sollten R&auml;ume in den Ver.di-H&ouml;fen angemietet werden, was sich auf Kosten von 20.000 Euro belaufen w&uuml;rde. F&uuml;r die Veranstaltung gab es keinerlei amtskirchlichen Hintergrund. Die Summe musste vollst&auml;ndig aus Spenden aufgebracht werden. Somit war das Wagnis f&uuml;r die kleine Gruppe der Initiatoren enorm. Wie viele Christen w&uuml;rden &uuml;berhaupt von dem Vorhaben erfahren, die Sache mittragen und sich nach Hannover aufmachen? <\/p><p>Es gelang, Margot K&auml;&szlig;mann als Schirmfrau zu gewinnen und ein beachtliches Programm mit hochkar&auml;tigen Referenten auf die Beine zu stellen. Au&szlig;erdem lie&szlig;en sich ca. 25 Friedensorganisationen als Unterst&uuml;tzer gewinnen. Dabei bestand der harte Kern der Organisatoren aus einer sechsk&ouml;pfigen Gruppe, die es schlie&szlig;lich geschafft hat, die drei Tage in Hannover hochprofessionell vorzubereiten und durchzuf&uuml;hren.  <\/p><p>Die Friedenssynode am 1. Mai 2025 war dann ein voller Erfolg. Nach einer Bibelarbeit von Margot K&auml;&szlig;mann diskutierten etwa 300 Teilnehmer in mehreren R&auml;umen und verschiedenen Runden den vorgelegten Entwurf und brachten Erg&auml;nzungen ein. Am Ende des Tages wurde der <em>&bdquo;Friedensruf von Christinnen und Christen&ldquo;<\/em> einstimmig verabschiedet. In Vortr&auml;gen und Diskussionen und bei Gespr&auml;chen am Rand der Veranstaltung wurde die Thematik w&auml;hrend der folgenden zwei Tagen weiter vertieft. <\/p><p>&Uuml;ber die gro&szlig;e Zahl der Besucher waren die Veranstalter des Friedenszentrums erstaunt. Immer wieder mussten Besucher wegen &Uuml;berf&uuml;llung der R&auml;ume abgewiesen werden.     <\/p><p>Der Text des Hannoverschen Friedensrufs f&uuml;hrt den W&uuml;rttembergischen Friedensaufruf von 2023 weiter. Seine Bedeutung  liegt darin, dass hier Christen von der Basis her ihre Stimmen erheben, indem sie sich direkt auf die Bibel berufen und den Anspruch und Zuspruch von dem, was sie als Gottes Wort h&ouml;ren, der vorgeblichen Rationalit&auml;t von &bdquo;Kriegst&uuml;chtigkeit&ldquo; entgegenstellen. Der ehemalige Landesbischof der badischen evangelischen Kirche, Jochen Cornelius-Bundschuh, wies in seinem Vortrag im Friedenszentrum darauf hin, dass die Bibelzitate des Friedensrufes ja keineswegs willk&uuml;rlich ausgew&auml;hlt seien, sondern als Spitzens&auml;tze die umfassende &bdquo;Friedensbewegung Gottes&ldquo; markierten, mit der Gott durchg&auml;ngig um die Erde und das Leben auf ihr ringe. <\/p><p>Der Friedensruf bezieht also eine Position konsequent auf der Seite der einzelnen Menschen und des Lebens. Damit wendet er sich gegen jede Ideologie, die irgendwelche Werte &ndash; und seien es Freiheit und Demokratie &ndash; &uuml;ber die Menschen stellt. Grundlage ist die Erkenntnis, dass sich der gewaltsame Kampf gegen Gewalt unweigerlich ad absurdum f&uuml;hrt, weil der K&auml;mpfer gegen Gewalt genau zu dem mutiert, was er zu bek&auml;mpfen vorgibt. <em>&bdquo;Es wird gesagt, Gewaltverzicht sei naiv, unrealistisch und unvern&uuml;nftig. Jesus aber lehrt uns die Vernunft eines Gewaltverzichts, der die Spirale der Eskalation durchbricht&ldquo;<\/em>, formuliert die 5. These des Friedensrufes.  <\/p><p>Ebenfalls bemerkenswert am Hannoverschen Friedensruf ist, dass er sich konsequent der Huldigung vor dem Narrativ von &bdquo;Russlands unprovoziertem, ungerechtfertigten, v&ouml;lkerrechtswidrigen Angriff auf die Ukraine&ldquo; verweigert. Seine Standhaftigkeit sch&ouml;pft der Friedensruf aus der Verbundenheit mit Jesus Christus, der uns zumutet, unsere Feinde zu lieben und deshalb <em>&bdquo;verlangt, sich von vereinfachendem Gut-B&ouml;se-Denken zu l&ouml;sen und die eigene Mitverantwortung f&uuml;r die Entwicklung von Konflikten zu erkennen&ldquo;<\/em> (These 2).  <\/p><p>Ein Problem der dominierenden Medien ist, dass sie nach prominenten Personen suchen, an denen sich Positionen festmachen lassen. Der Hannoversche Friedensruf l&auml;sst sich jedoch keiner F&uuml;hrungsperson zuordnen, sondern lebt allein von seinem Inhalt, was die mediale Vermittlung erschwert. Doch vielleicht ist das pers&ouml;nliche Weitertragen ja nachhaltiger als die mediale Vermittlung. Die Friedenssynode lebt von der Hoffnung, dass Christen, ber&uuml;hrt von der Kraft der Worte, inmitten der Gewaltbereitschaft in Politik und Kirche als Salz der Erde und Friedensstifter wirken. <\/p><p>Es w&auml;re trotzdem sch&ouml;n, wenn sich die NachDenkSeiten auch ein wenig an der medialen Vermittlung dieser Basisbewegung beteiligen k&ouml;nnten.  <\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nPfarrer Michael Rau<br>\n89542 Herbrechtingen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Beitrag der NachDenkSeiten mit dem Thema <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=132526\">&bdquo;Waffenlieferungen f&uuml;r den Frieden? Evangelischer Kirchentag als Steigb&uuml;gelhalter der vorherrschenden Politik&ldquo;<\/a> und zu den dazu eingegangenen und ver&ouml;ffentlichten <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=132718\">Leserbriefen<\/a> schreibt uns ein Pfarrer aus W&uuml;rttemberg. Er findet, das &bdquo;&Ouml;kumenische Friedenszentrum&ldquo; sei nicht geb&uuml;hrend wahrgenommen worden. Wir geben seine Mail, obwohl sie nicht als Leserbrief gedacht war,<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=132898\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[170],"tags":[1120,3067,3417],"class_list":["post-132898","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-friedenspolitik","tag-friedensbewegung","tag-kirchentag","tag-zivilgesellschaftlicher-dialog"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/132898","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=132898"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/132898\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":132904,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/132898\/revisions\/132904"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=132898"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=132898"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=132898"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}