{"id":132967,"date":"2025-05-15T12:00:06","date_gmt":"2025-05-15T10:00:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=132967"},"modified":"2025-05-17T10:22:14","modified_gmt":"2025-05-17T08:22:14","slug":"wie-man-zur-staatsfeindin-wird-die-politische-verfolgung-von-ulrike-guerot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=132967","title":{"rendered":"Wie man zur Staatsfeindin wird: Die politische Verfolgung von Ulrike Gu\u00e9rot"},"content":{"rendered":"<p>Ulrike Gu&eacute;rot war jahrelang eine der angesehensten Politikwissenschaftlerinnen in Deutschland. Doch nachdem sie die Coronama&szlig;nahmen und den Stellvertreterkrieg in der Ukraine kritisiert hatte, wurde sie wie eine Staatsfeindin behandelt. Der italienisch-britische Journalist <strong>Thomas Fazi<\/strong> pr&auml;sentiert, anl&auml;sslich der n&auml;chsten Gerichtsverhandlung von Gu&eacute;rot am 16. Mai 2025 vor dem Landesarbeitsgericht K&ouml;ln, einen pers&ouml;nlichen Blick auf die &bdquo;Causa Gu&eacute;rot&ldquo; mit einigen brisanten neuen Einblicken zu den Hintergr&uuml;nden ihrer Verfolgung &ndash; aus dem Englischen &uuml;bersetzt von <strong>Maike Gosch<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6844\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-132967-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250515-Politische-Verfolgung-Guerot-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250515-Politische-Verfolgung-Guerot-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250515-Politische-Verfolgung-Guerot-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250515-Politische-Verfolgung-Guerot-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=132967-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250515-Politische-Verfolgung-Guerot-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250515-Politische-Verfolgung-Guerot-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em><strong>Anmerkung der Redaktion:<\/strong> In diesem Artikel gibt Thomas Fazi einen &Uuml;berblick &uuml;ber die Vorgeschichte und den Verlauf der &bdquo;Causa Gu&eacute;rot&ldquo;. Der Text erschien im englischen Original auf seinem <a href=\"https:\/\/www.thomasfazi.com\/p\/enemy-of-the-state-the-political\">Substack-Kanal<\/a> und ist f&uuml;r ein internationales Publikum geschrieben, das mit der Angelegenheit und der Person Ulrike Gu&eacute;rot vielleicht noch nicht so vertraut ist. Die Ank&uuml;ndigung seines Textes stie&szlig; auf <a href=\"https:\/\/x.com\/battleforeurope\/status\/1921909349741412612\">gro&szlig;es Interesse auf X<\/a> &ndash; mit bisher &uuml;ber 128.000 Ansichten &ndash; und wurde von vielen prominenten englischsprachigen Aktivisten und Journalisten, wie der U.S.-amerikanischen Journalistin Kim Iversen, geteilt. Aber auch f&uuml;r die deutsche Leserschaft enth&auml;lt Fazis Artikel nicht nur eine gute &Uuml;bersicht &uuml;ber die Ereignisse, sondern bietet pers&ouml;nliche Beobachtungen und vor allem brisante neue Hinweise auf die Hintergr&uuml;nde der politischen Verfolgung und Diffamierung ihrer Person.<\/em><\/p><p>Viele Leserinnen und Leser haben vielleicht noch nie von Ulrike Gu&eacute;rot geh&ouml;rt &ndash; aber am Ende dieses Artikels werden sie sich fragen, wie das m&ouml;glich ist, wo sie doch im Mittelpunkt eines der erstaunlichsten F&auml;lle von politischer Verfolgung in Europa in der j&uuml;ngsten Geschichte steht.<\/p><p>Noch vor wenigen Jahren wurde Gu&eacute;rot als eine der angesehensten Politikwissenschaftlerinnen Deutschlands &ndash; und Europas &ndash; und als f&uuml;hrende Stimme zur europ&auml;ischen Integration gefeiert. Wer die Debatte &uuml;ber die Zukunft der EU in den letzten zwei Jahrzehnten verfolgt hat, kam an Gu&eacute;rot und ihren Ideen zur &bdquo;Europ&auml;ischen Republik&ldquo; kaum vorbei. Als produktive Wissenschaftlerin und &ouml;ffentliche Intellektuelle wurde sie oft eingeladen, um &uuml;ber verschiedene Aspekte der EU-Politik zu sprechen.<\/p><p>Ich traf Gu&eacute;rot zum ersten Mal im Jahr 2018 in Helsinki, wo wir vor Publikum eine leidenschaftliche Debatte &uuml;ber die Europ&auml;ische Union f&uuml;hrten. Wir waren uns zwar einig, dass die EU in ihrer jetzigen Form M&auml;ngel aufweist, doch bei der L&ouml;sung des Problems lagen unsere Positionen weit auseinander: Ich pl&auml;dierte f&uuml;r die Aufl&ouml;sung der EU und die R&uuml;ckkehr zu souver&auml;nen Nationalstaaten, w&auml;hrend Gu&eacute;rot f&uuml;r eine radikale Demokratisierung der Union eintrat. Gu&eacute;rots Vision war inspirierend, aber sie passte auch genau in die lange Tradition des progressiven Europ&auml;ismus &ndash; eine Perspektive, die insbesondere in akademischen Kreisen lange Zeit den Mainstream repr&auml;sentiert hat.<\/p><p>Tats&auml;chlich war Gu&eacute;rot w&auml;hrend eines Gro&szlig;teils ihrer Karriere fester Bestandteil des intellektuell-politischen Establishments in Deutschland (und Europa). In den Neunzigerjahren arbeitete sie zun&auml;chst unter der Schirmherrschaft von hochrangigen Politikern wie Karl Lamers, dem damaligen au&szlig;enpolitischen Sprecher der CDU, und Jacques Delors, dem ehemaligen Pr&auml;sidenten der EU-Kommission.<\/p><p>Ab Anfang der 2000er-Jahre &uuml;bernahm sie zun&auml;chst die Rolle der au&szlig;enpolitischen Direktorin des <em>German Marshall Fund<\/em> und dann die des Direktors des <em>European Council on Foreign Relations<\/em> &ndash; zwei der wichtigsten transatlantischen Denkfabriken (think tanks) in Europa. Im Jahr 2013 war Gu&eacute;rot sogar Teil der offiziellen Delegation des deutschen Bundespr&auml;sidenten Joachim Gauck bei seinem Staatsbesuch in Frankreich.<\/p><p>Mitte der 2010er-Jahre, als sie das <em>European Democracy Lab<\/em> mitbegr&uuml;ndete, das der <em>European School of Governance<\/em> in Berlin angegliedert ist, hatte sich Gu&eacute;rot als eine der f&uuml;hrenden Expertinnen f&uuml;r europ&auml;ische Angelegenheiten etabliert. Sie ver&ouml;ffentlichte zahlreiche Artikel in deutschen und europ&auml;ischen Zeitungen und trat h&auml;ufig in Talkshows in ihrem Heimatland auf.<\/p><p>Nach unserer Begegnung in Helsinki tauschten Gu&eacute;rot und ich uns weiterhin von Zeit zu Zeit &uuml;ber Europa aus &ndash; bis die Corona-Pandemie zuschlug. W&auml;hrend ich mich bem&uuml;hte, den Wahnsinn, der die Welt im Jahr 2020 erfasste, zu begreifen, stellte ich fest, dass ich mich von der europ&auml;ischen (Des-)Integrationsdebatte, die meine Arbeit lange Zeit bestimmt hatte, innerlich entfernte.<\/p><p>Als linker Schriftsteller, der dem Covid-Regime sehr kritisch gegen&uuml;berstand, bedeutete diese Erfahrung zudem einen endg&uuml;ltigen Bruch mit der politischen Gemeinschaft, die ich einst als die meine betrachtet hatte. In der hyperpolarisierenden Atmosph&auml;re der Pandemie wurden alle Gemeinsamkeiten, die ich noch mit der Mainstream-Linken teilte &ndash; und die den Dialog mit liberalen Progressiven wie Gu&eacute;rot erm&ouml;glicht hatten &ndash;, endg&uuml;ltig weggefegt. In der Tat muss ich, etwas verlegen, zugeben, dass ich einfach davon ausgegangen war, dass Gu&eacute;rot sich auf die Seite der Covid-Orthodoxie geschlagen hatte &ndash; wie praktisch alle ihre Kollegen im intellektuellen und akademischen Establishment.<\/p><p>Deshalb war ich, als sie mich vor zwei Jahren aus heiterem Himmel anrief, erstaunt &uuml;ber die Geschichte, die sie zu erz&auml;hlen hatte, und etwas besch&auml;mt, dass diese v&ouml;llig an mir vorbei gegangen war. Sie erz&auml;hlte, wie sie, seit wir das letzte Mal miteinander gesprochen hatten, zu einer der meistgeschm&auml;hten Pers&ouml;nlichkeiten Deutschlands geworden war &ndash; von ihrem Universit&auml;tsposten entlassen, in den Medien verleumdet, vom akademischen Establishment ge&auml;chtet und sogar als Staatsfeindin bezeichnet. Ich war sprachlos. Wie konnte das einer der anerkanntesten Intellektuellen des Landes passieren?<\/p><p>Gu&eacute;rots &bdquo;S&uuml;ndenfall&ldquo; begann im Oktober 2020, als sie &ouml;ffentlich die Pandemiema&szlig;nahmen, das wachsende Klima der ideologischen Konformit&auml;t und die damit einhergehende alarmierende Verengung der akzeptablen Meinung kritisierte &ndash; ein Kontext, in dem jeder, der die Corona-Politik in Frage stellte, schnell vom politischen und medialen Establishment angefeindet wurde.<\/p><p>Aus Gu&eacute;rots liberal-progressiver Perspektive vertrat sie &ndash; vielleicht etwas naiv &ndash; lediglich die Habermas&rsquo;schen Prinzipien des offenen Diskurses: die &Uuml;berzeugung, dass sich die &ouml;ffentliche Meinung aus der Kraft des besseren Arguments bilden sollte. Anfangs war sie, wie sie es beschreibt, sich nicht einmal des Ausma&szlig;es der autorit&auml;ren &bdquo;neuen Normalit&auml;t&ldquo; bewusst, die durch die Pandemie eingeleitet wurde &ndash; oder, dass sie mit ihrer Infragestellung der Pandemiebeschr&auml;nkungen und ihrer Warnung vor einem Abbau der Demokratie eine unsichtbare rote Linie &uuml;berschritten hatte. Fast &uuml;ber Nacht wandelte sich ihre &ouml;ffentliche Persona in den Augen der Institutionen, der Medien und gro&szlig;er Teile der &Ouml;ffentlichkeit &ndash; von einer gefeierten Denkerin zu einer &bdquo;problematischen Person&ldquo;.<\/p><p>Nach ihren kritischen Kommentaren und Aufs&auml;tzen wurde Gu&eacute;rot zur Zielscheibe intensiver Medienaufmerksamkeit und Emp&ouml;rung in den sozialen Medien. In den Artikeln wurde nicht mehr auf ihre Argumente eingegangen, sondern sie wurde pers&ouml;nlich angegriffen, als &bdquo;umstritten&ldquo; bezeichnet und als &bdquo;Verschw&ouml;rungstheoretikerin&ldquo; abgetan. Die Tatsache, dass ihre prinzipientreue Haltung sie bei den Gegnern der Lockdowns und anderer Corona-Ma&szlig;nahmen, die im Sommer 2020 gro&szlig;e Demonstrationen in Berlin und anderen St&auml;dten organisierten und die von den etablierten politischen Medien schnell als &bdquo;rechtsextrem&ldquo; gebrandmarkt wurden, immer beliebter machte, verst&auml;rkte nur die feindseligen Reaktionen gegen sie. In den Augen vieler war Gu&eacute;rot jetzt eine &bdquo;Rechtsextreme qua Kontaktschuld&ldquo; geworden.<\/p><p>Dennoch schien ihr akademisches Ansehen Anfang 2021 noch intakt zu sein. Im Fr&uuml;hjahr 2021 wurde sie von der renommierten Universit&auml;t Bonn eingestellt &ndash; die Kr&ouml;nung ihrer jahrelangen akademischen Forschung zu europapolitischen Themen. Trotz der Kontroverse um ihre Haltung zu Corona wurde Gu&eacute;rot von ihren Kollegen an der Universit&auml;t herzlich empfangen, die sich sichtlich freuten, eine so hochkar&auml;tige und versierte Pers&ouml;nlichkeit in ihren Reihen begr&uuml;&szlig;en zu d&uuml;rfen.<\/p><p>In diesem Jahr, w&auml;hrend der Weihnachtsferien, brachte Gu&eacute;rot ihre Kritik an der Coronapolitik zu Papier. Das Ergebnis war &bdquo;Wer schweigt, stimmt zu&ldquo;, das im M&auml;rz 2022 ver&ouml;ffentlicht wurde. Das Buch, das die Unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeit der Corona-Ma&szlig;nahmen der Regierung scharf kritisiert und eine dringende soziale und &ouml;ffentliche Aufarbeitung fordert, war ein gro&szlig;er Erfolg. Es stand wochenlang auf der Bestsellerliste, und Gu&eacute;rot wurde mit Briefen und E-Mails von Menschen &uuml;berh&auml;uft, die ihr daf&uuml;r dankten, dass sie einem gro&szlig;en Teil der deutschen Gesellschaft eine Stimme gegeben hatte, der im offiziellen &ouml;ffentlichen Diskurs zum Schweigen gebracht oder verleumdet worden war.<\/p><p>Die akademische Welt hingegen wandte sich scharf gegen Gu&eacute;rot: Es ist eine Sache, Artikel zu schreiben oder Interviews zu geben &ndash; aber ein ganzes Buch zu ver&ouml;ffentlichen, noch dazu einen Bestseller, in dem sie diejenigen offen kritisiert, die, wie sie sagt, &bdquo;bereit sind, die Demokratie einem Virus zu opfern und ihre Freiheit f&uuml;r vermeintliche Sicherheit aufs Spiel zu setzen&ldquo;, ist etwas ganz anderes. Sie hatte eine weitere unsichtbare rote Linie &uuml;berschritten. Prominente Akademiker griffen sie auf <em>Twitter<\/em> an. Die Einladungen zu Konferenzen wurden immer seltener. Selbst an ihrem noch relativ neuen Arbeitsplatz an der Universit&auml;t Bonn begannen Studenten und Kollegen, sie zu meiden &ndash; oder aktiv gegen sie zu mobilisieren. Die Pandemie hatte eine wachsende Kluft zwischen der akademischen Welt und der breiten &Ouml;ffentlichkeit aufgedeckt, und Gu&eacute;rot drohte in diese zu st&uuml;rzen.<\/p><p>Kurz vor der Ver&ouml;ffentlichung des Buches war Russland in die Ukraine einmarschiert, was die &ouml;ffentliche Debatte weiter vergiftet und militarisiert hatte. Das manich&auml;ische Denken und der moralische Absolutismus, die die Corona-&Auml;ra gepr&auml;gt hatten, verst&auml;rkten sich noch weiter. Die Unterst&uuml;tzung der Ukraine wurde zu einem staatsb&uuml;rgerlichen Lackmustest; Kritik an der Regierungspolitik wurde nicht mehr als &bdquo;Bedrohung der &ouml;ffentlichen Gesundheit&ldquo; angesehen, sondern grenzte nun an Hochverrat. Gu&eacute;rot befand sich wieder einmal im Zentrum all dieser Ereignisse.<\/p><p>In der ersten Jahresh&auml;lfte 2022 rief sie in einigen &ndash; immer seltener werdenden &ndash; Fernsehauftritten zu Frieden, Dialog und Diplomatie auf &ndash; und erntete in den Sendungen hysterische Reaktionen von den anderen G&auml;sten, die alle kategorisch dem Kriegslager angeh&ouml;rten. Erneut sah sich Gu&eacute;rot im Fadenkreuz der Medien &ndash; und erneut in eine Rolle gedr&auml;ngt, die sie sich nicht ausgesucht hatte, diesmal als sogenannte &bdquo;Putin-Apologetin&ldquo;. Dies l&ouml;ste eine weitere massive Welle von Angriffen gegen sie aus, auch von hochrangigen Politikern. Zunehmend richteten sich die Vorw&uuml;rfe gegen Gu&eacute;rot in den sozialen Medien auch gegen die Universit&auml;t Bonn &ndash; ein klarer Versuch, nicht nur sie, sondern auch ihren Arbeitgeber &ouml;ffentlich zu blamieren und unter Druck zu setzen. Verschiedene Fakult&auml;ts- und Studentengruppen in Bonn gaben Erkl&auml;rungen gegen Gu&eacute;rot ab.<\/p><p>Gu&eacute;rot lie&szlig; sich jedoch nicht entmutigen. Im Gegenteil, sie begann mit der Arbeit an einem Buch &uuml;ber den Russland-Ukraine-Krieg und war entschlossen, es so schnell wie m&ouml;glich zu ver&ouml;ffentlichen. Im Sommer 2022 tauchten in den Medien die ersten Plagiatsvorw&uuml;rfe auf. Obwohl sie f&uuml;r Schlagzeilen sorgten, handelte es sich dabei um relativ geringf&uuml;gige Vorw&uuml;rfe, die paraphrasiertes oder nur teilweise zitiertes Material in zwei B&uuml;chern von ihr betrafen. In einigen F&auml;llen hatte sie die Fehler in sp&auml;teren Ausgaben des Buches sogar einger&auml;umt. Die in den Artikeln beschriebenen Muster &ndash; verstreute Fu&szlig;noten, vage Quellenangaben und lose paraphrasierte Ideen &ndash; deuten schlimmstenfalls auf Versehen aufgrund von Zeitmangel hin, nicht auf Betrug.<\/p><p>Weitaus beunruhigender ist die Tatsache, dass einige deutsche Medien betr&auml;chtliche Ressourcen darauf verwendet haben, Gu&eacute;rots gesamtes Werk Zeile f&uuml;r Zeile einer forensischen Untersuchung zu unterziehen, in dem verzweifelten Versuch, jeden noch so kleinen Fehler oder jede noch so kleine Unstimmigkeit aufzudecken. Das war kein Journalismus mehr, dies &auml;hnelte mehr und mehr einer organisierten Rufmordkampagne. In der Tat leitete die Universit&auml;t Bonn fast sofort danach eine Untersuchung gegen Gu&eacute;rot wegen angeblichen wissenschaftlichen Fehlverhaltens ein. In der Zwischenzeit geschahen merkw&uuml;rdige Dinge, die darauf hindeuteten, dass hinter dieser Verleumdungskampagne etwas Gr&ouml;&szlig;eres steckte &ndash; mehr als nur das Werk einiger weniger Journalisten mit einer pers&ouml;nlichen Agenda.<\/p><p>So wurde beispielsweise der erste Plagiatsvorwurf, der am 4. Juni in der <em>Frankfurter Allgemeinen Zeitung<\/em> erschien, bereits am Abend des 3. Juni auf Gu&eacute;rots Wikipedia-Seite verlinkt. Entweder hat jemand sehr genau aufgepasst, oder dies war Teil einer konzertierten Kampagne zur Zerst&ouml;rung von Gu&eacute;rots Ruf &ndash; an der m&ouml;glicherweise Elemente innerhalb des Geheimdienst- und Sicherheitsapparats beteiligt waren, wie sie inzwischen vermutet.<\/p><p>Damals h&auml;tte Gu&eacute;rot selbst solche Behauptungen als paranoide Hirngespinste bel&auml;chelt &ndash; bis sie, wie sie mir erz&auml;hlte, Anfang August 2022 einen unerwarteten Anruf von einem alten Freund erhielt, der f&uuml;r den deutschen Auslandsgeheimdienst BND arbeitet. Er schlug ihr ein Treffen vor, wies sie aber an, ihr Telefon zu Hause zu lassen. Was er zu sagen hatte, klang wie aus einem Frederick-Forsyth-Roman. &bdquo;Du musst vorsichtig sein, Ulrike&ldquo;, sagte er ihr. &bdquo;Man hat es auf dich abgesehen. Sie wollen dich zerst&ouml;ren.&ldquo; Er fuhr fort, dass die j&uuml;ngsten &Auml;nderungen an ihrer Wikipedia-Seite zu einer Handvoll IP-Adressen zur&uuml;ckverfolgt werden konnten &ndash; die alle jenseits des Atlantiks, in Washington, liegen. Die Botschaft war unmissverst&auml;ndlich: Gu&eacute;rots Aktivismus hatte die Aufmerksamkeit hochrangiger Personen in NATO-Kreisen &ndash; in Deutschland und dar&uuml;ber hinaus &ndash; auf sich gezogen.<\/p><p>Zun&auml;chst war Gu&eacute;rot skeptisch. &bdquo;Warum sollten so m&auml;chtige Institutionen so viel Angst vor jemandem wie mir haben?&ldquo;, fragte sie. &bdquo;Ich habe keine Macht, kein politisches Amt.&ldquo; &bdquo;Du hast Charisma, Ulrike, die Leute bewundern und respektieren dich&ldquo;, antwortete ihr Freund. &bdquo;In Zeiten wie diesen ist das genau das, was die &ouml;ffentliche Meinung beeinflussen kann.&ldquo; Gu&eacute;rot verlie&szlig; das Treffen schockiert, doch ein Restzweifel blieb: Vielleicht hatte ihr Freund &uuml;bertrieben. Schlie&szlig;lich ist es nur nat&uuml;rlich, dass Geheimdienstmitarbeiter hinter jeder Ecke eine Verschw&ouml;rung vermuten. Die Ereignisse sollten jedoch bald ihre letzten Illusionen &ndash; oder Hoffnungen &ndash; vernichten.<\/p><p>Ende September, kurz nachdem sie das Manuskript f&uuml;r ihr Buch &uuml;ber den Russland-Ukraine-Krieg eingereicht hatte, wurde Gu&eacute;rots Einladung als Jurymitglied f&uuml;r den renommierten NDR-Sachbuchpreis &ndash; die am selben Morgen erst &ouml;ffentlich bekannt gegeben worden war &ndash; innerhalb weniger Stunden abrupt widerrufen. Innerhalb weniger Tage wurde Ulrike Gu&eacute;rot von allen verbleibenden Vortragsterminen ausgeladen, darunter auch von seit Langem geplanten Vortr&auml;gen in Mailand, Br&uuml;ssel und Wien. Offensichtlich war eine konzertierte Aktion im Gange, um Gu&eacute;rot aus dem &ouml;ffentlichen Leben zu entfernen &ndash; nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. In einem Fall teilte ein Angestellter eines &ouml;sterreichischen Wirtschaftsverbands &ndash; einer der Organisatoren der Veranstaltungen &ndash; Gu&eacute;rot unter vier Augen mit, dass die Absage &bdquo;auf einen Anruf von h&ouml;herer Stelle&ldquo; erfolgt sei, wie sie berichtet.<\/p><p>Gu&eacute;rot war nun gezwungen, sich mit der erschreckenden M&ouml;glichkeit auseinanderzusetzen, dass ihr Freund die Wahrheit gesagt hatte. Ihre Feinde waren dabei, um sie herum verbrannte Erde zu schaffen. Sie wurde selbst ein wenig paranoid und fragte sich, ob diese pl&ouml;tzliche Welle von Absagen absichtlich auf die bevorstehende Ver&ouml;ffentlichung ihres neuen Buches abgestimmt war, das nur wenige Tage sp&auml;ter in den Regalen stand. Das gemeinsam mit Hauke Ritz verfasste Buch &bdquo;Endspiel Europa&ldquo; kontextualisiert den Ukraine-Krieg als Stellvertreterkrieg zwischen der NATO und Russland, der teilweise durch die Einmischung der USA in der Ukraine ausgel&ouml;st wurde. Diese Sichtweise wird heute zunehmend anerkannt, sogar von Donald Trump selbst &ndash; aber zum Zeitpunkt des Erscheinens des Buches war sie in Deutschland ein Anathema (und ist es gr&ouml;&szlig;tenteils bis heute).<\/p><p>Wie schon bei ihrem Corona-Text l&ouml;ste die Ver&ouml;ffentlichung des Buches eine neue Welle &ouml;ffentlicher Verunglimpfungen gegen Gu&eacute;rot aus &ndash; diesmal intensiver und aggressiver als alles, was sie bisher erlebt hatte. Mit ihrer Kritik an der NATO hatte Gu&eacute;rot wahrscheinlich die letzte rote Linie &uuml;berschritten. Ihre eigene Universit&auml;t distanzierte sich in einer &ouml;ffentlichen Erkl&auml;rung sowohl von Gu&eacute;rot als auch von ihrem Buch &ndash; allerdings, ohne sie namentlich zu nennen. Kurz darauf meldete Gu&eacute;rot sich krank: Zwei Jahre unerbittlicher Angriffe &ndash; fast 200 b&ouml;swillige Artikel, die seit Ende 2021 gegen sie geschrieben worden waren &ndash; und der zunehmende psychologische Druck hatten ihren Tribut gefordert. Man k&ouml;nnte argumentieren, dass die Kampagne ihr Ziel erreicht hatte: Sie war emotional und psychisch gebrochen. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich auch die meisten ihrer Freunde von ihr abgewandt. Und doch stand der letzte Akt des &bdquo;Cancelns&ldquo; noch bevor.<\/p><p>Nur wenige Monate sp&auml;ter, im Februar 2023, wurde Gu&eacute;rot mitgeteilt, dass sie wegen Plagiats von der Universit&auml;t Bonn entlassen worden war &ndash; ohne Abmahnung und ohne die M&ouml;glichkeit, etwaiges Fehlverhalten zu korrigieren, wie es in solchen F&auml;llen &uuml;blich ist. Es gab Voruntersuchungen, von denen sie wusste, aber aufgrund ihrer Krankschreibung konnte sie sich nicht angemessen gegen diese verteidigen. Die Entscheidung war beispiellos: Nie zuvor in der Nachkriegsgeschichte Deutschlands war ein Professor oder eine Professorin allein wegen Plagiats entlassen worden. Noch absurder war die Art der angeblichen Verst&ouml;&szlig;e &ndash; geringf&uuml;gige Zitierfehler, verstreut &uuml;ber ein Dutzend Seiten, die etwa ein Prozent des Gesamtinhalts von Werken ausmachten, bei denen es sich nicht einmal um wissenschaftliche Abhandlungen handelte, sondern um polemische Essays f&uuml;r ein breites Publikum.<\/p><p>Es besteht kaum ein Zweifel daran, dass es sich hierbei um eine politisch motivierte Entscheidung handelte, die nichts mit Gu&eacute;rots akademischen Qualifikationen oder ihrer wissenschaftlichen Integrit&auml;t zu tun hatte. Ein <a href=\"https:\/\/westendverlag.de\/Der-Fall-Ulrike-Guerot\/2085\">Kommentator dr&uuml;ckte es so aus<\/a>:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Wird hier nicht offensichtlich, dass die Vorw&uuml;rfe, oftmals vorverurteilend als Plagiat bezeichnet und wenngleich sie in Teilen zutreffen, nur vorgeschoben sind? Tats&auml;chlich soll eine Unbequeme bestraft werden &ndash; wohl auch in der Absicht, andere abzuschrecken.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Dies wird noch deutlicher, wenn man bedenkt, dass der Ombudsmann der Universit&auml;t f&uuml;r mutma&szlig;liche F&auml;lle wissenschaftlichen Fehlverhaltens, Prof. Dr. Klaus F. G&auml;rditz, ein Verfassungsrechtler, w&auml;hrend der Pandemie ein lautstarker Bef&uuml;rworter der Regierungsma&szlig;nahmen war &ndash; und somit eindeutig voreingenommen gegen&uuml;ber Gu&eacute;rots Positionen sein k&ouml;nnte.<\/p><p>Es w&auml;re jedoch irref&uuml;hrend, sich in dieser Geschichte auf eine einzelne Person zu konzentrieren, denn was Gu&eacute;rots Sturz so auff&auml;llig macht, ist die offensichtliche Koordination zwischen mehreren Akteuren &ndash; den Medien, der Universit&auml;t und, wenn man ihrem Freund Glauben schenken darf, sogar Elementen des NATO-Geheimdienstapparats. Wenn man sich den Ablauf der Ereignisse ansieht, kommt man tats&auml;chlich nicht umhin, sich zu fragen, ob der von den Medien aufgepeitschte &bdquo;Plagiats-Skandal&ldquo; Teil einer umfassenderen Strategie war, um unter dem Deckmantel akademischen Fehlverhaltens den Boden f&uuml;r eine Entlassung zu bereiten.<\/p><p>W&auml;hrend ich dies schreibe, bin ich mir der Ironie sehr bewusst: Ich versuche, Gu&eacute;rots Sturz zu verstehen, indem ich mich auf etwas berufe, das manche als &bdquo;Verschw&ouml;rungstheorie&ldquo; bezeichnen w&uuml;rden, um jemanden zu verteidigen, dessen Ruf zerst&ouml;rt wurde, weil sie angeblich selbst solche Theorien verbreitet hat. Aber genau aus diesem Grund sind wir es ihr &ndash; und der intellektuellen Integrit&auml;t &ndash; schuldig, den Beweisen zu folgen, wohin sie auch f&uuml;hren m&ouml;gen, unabh&auml;ngig davon, wie sie in Mainstream-Kreisen aufgenommen werden.<\/p><p>Und es gibt gute Gr&uuml;nde, zu glauben, dass es sich hierbei nicht nur um eine Hexenjagd handelte, sondern um einen Fall politischer Verfolgung &ndash; dass Gu&eacute;rot von m&auml;chtigen Kr&auml;ften, darunter auch Elemente des deutschen Staates, ins Visier genommen wurde, weil sie eine einflussreiche &ouml;ffentliche Intellektuelle war, die eine Bedrohung f&uuml;r den Status quo darstellte. Daf&uuml;r musste sie nicht nur gecancelt, sondern vernichtet werden. Im Laufe von zwei Jahren wurde Gu&eacute;rot systematisch alles genommen, was sie sich &uuml;ber Jahrzehnte aufgebaut hatte: ihr Ruf, ihre Glaubw&uuml;rdigkeit, ihre Freundschaften und schlie&szlig;lich ihre Stellung &ndash; zusammen mit ihrer Existenzgrundlage. Man k&ouml;nnte sogar argumentieren, dass ihre Strafe gerade deshalb so hart ausfiel, weil sie den gr&ouml;&szlig;ten Teil ihres Lebens Teil des Establishments gewesen war &ndash; und nun als Verr&auml;terin angesehen wurde, weil sie die ultimative Ketzerei begangen hatte: selbstst&auml;ndig zu denken.<\/p><p>Ihr Fall ist ein erschreckendes Zeugnis f&uuml;r die autorit&auml;re Entwicklung der deutschen Gesellschaft und der westlichen Gesellschaften im Allgemeinen, in denen abweichende Meinungen nicht mehr diskutiert, sondern bestraft werden &ndash; sogar bis hin zur Verfolgung von Professoren mit Lebenszeitvertrag, die fr&uuml;her fast unantastbar waren. Diese Geschichte sollte alle verbleibenden Illusionen &uuml;ber den wahren Zustand der westlichen liberalen Demokratie zerst&ouml;ren. Letztendlich braucht man jedoch keinen Beweis f&uuml;r eine Verschw&ouml;rung, um &uuml;ber Gu&eacute;rots Behandlung entsetzt zu sein. Wenn alle Beteiligten tats&auml;chlich unabh&auml;ngig voneinander gehandelt haben, ist das Bild vielleicht noch beunruhigender &ndash; das eines Establishments, das Dissens und Widerspruch so intolerant gegen&uuml;bersteht, dass es instinktiv versucht, ihn im Keim zu ersticken, wo immer er auftaucht.<\/p><p>Tats&auml;chlich hat eine <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Wer-st%C3%B6rt-muss-weg-Universit%C3%A4ten\/dp\/3864894751\/\">aktuelle Studie<\/a> einen starken Anstieg von Entlassungen von Professoren in Deutschland aufgezeigt, die Meinungen ge&auml;u&szlig;ert haben, die gegen den Mainstream gingen &ndash; oder, in den Worten der Autorinnen, wegen &bdquo;ideologischer Insubordination&ldquo;. Dies ist eine bemerkenswerte Ver&auml;nderung im Vergleich zur fr&uuml;heren, fast unantastbaren Stellung von Professoren mit Festanstellung. Nat&uuml;rlich beschr&auml;nkt sich das harte Durchgreifen nicht nur auf die akademische Welt &ndash; es ist Teil eines umfassenderen Musters von Stasi-&auml;hnlicher Unterdr&uuml;ckung und Verfolgung, das sich in Deutschland etabliert hat. In den letzten Jahren wurden Menschen aus allen Bereichen der Gesellschaft &ndash; darunter Wissenschaftler, &Auml;rzte, Anw&auml;lte, Richter, Beamte und normale B&uuml;rger &ndash; diffamiert, entlassen, mundtot gemacht oder sogar strafrechtlich verfolgt, weil sie abweichende Meinungen zu zwei der pr&auml;genden Krisen unserer Zeit ge&auml;u&szlig;ert haben: der Corona-Pandemie und dem Krieg in der Ukraine.<\/p><p>&Auml;rzte wie Wolfgang Wodarg und Sucharit Bhakdi, die schon fr&uuml;h Fragen zur Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeit und wissenschaftlichen Grundlage der Pandemiepolitik stellten, wurden &ouml;ffentlich diffamiert und institutionellen (und teilweise auch rechtlichen) Repressionen ausgesetzt. Der Versicherungsmanager Andreas Sch&ouml;fbeck verlor seinen Arbeitsplatz, nachdem er Daten ver&ouml;ffentlicht hatte, die das Sicherheitsprofil von Impfstoffen in Frage stellten. K&uuml;nstlerinnen wie Lisa Fitz und Eva Herzig mussten aufgrund kritischer &Auml;u&szlig;erungen mit Absagen von Auftritten und Vertragsaufl&ouml;sungen rechnen. Die renommierte Journalistin Gabriele Krone-Schmalz und der investigative Reporter Patrick Baab wurden angegriffen und beruflich ausgegrenzt, weil sie diplomatische L&ouml;sungen f&uuml;r den Ukraine-Konflikt forderten.<\/p><p>Selbst Richter und Anw&auml;lte blieben nicht verschont. Christian Dettmar, Richter am Familiengericht, musste sich nach einer Entscheidung gegen Corona-Ma&szlig;nahmen in Schulen vor Gericht verantworten. Schriftsteller wie C. J. Hopkins (&uuml;ber seinen Fall habe ich <a href=\"https:\/\/www.thomasfazi.com\/p\/the-persecution-of-cj-hopkins\">hier geschrieben<\/a>), K&uuml;nstler wie Simon Rosenthal und politische Aktivisten wie Michael Ballweg &ndash; Gr&uuml;nder der Anti-Lockdown-Bewegung &bdquo;Querdenken&ldquo; &ndash; wurden ebenfalls unter Vorw&auml;nden, die zunehmend politisch motiviert wirken, strafrechtlich verfolgt oder inhaftiert.<\/p><p>Dieses Muster der Unterdr&uuml;ckung zeigt kaum Anzeichen nachzulassen. Unter der F&uuml;hrung von Friedrich Merz d&uuml;rfte es sich sogar noch versch&auml;rfen. Der neue deutsche Bundeskanzler, der f&uuml;r seinen entschiedenen Atlantizismus und seine aggressive Haltung gegen&uuml;ber Russland bekannt ist, macht keinen Hehl aus seinem Wunsch, Deutschland als f&uuml;hrende Milit&auml;rmacht innerhalb der NATO zu positionieren. Seine Rhetorik deutet auf eine Hinwendung zu einer noch konfrontativeren Au&szlig;enpolitik hin &ndash; einer Politik, die nicht nur milit&auml;rische Aufr&uuml;stung, sondern auch eine ideologische Angleichung im eigenen Land fordert. In diesem Zusammenhang ist zu erwarten, dass abweichende Meinungen zunehmend als Bedrohung f&uuml;r die nationale Sicherheit dargestellt werden.<\/p><p>Die Geschichte von Gu&eacute;rot &ndash; und anderen zeitgen&ouml;ssischen Dissidenten wie sie &ndash; ist jedoch nicht nur eine Geschichte der Unterdr&uuml;ckung. Es ist auch eine Geschichte von Widerstand und Standhaftigkeit. Nach eigenen Angaben wurde sie in eine schwere Krise getrieben und stand kurz vor dem Zusammenbruch, doch sie fand die Kraft, sich zu wehren. Diese Kraft speiste sich auch aus der Welle der Unterst&uuml;tzung, die sie von der sogenannten neuen deutschen Widerstandsbewegung erhielt: Millionen Menschen im ganzen Land, die etablierte Parteien ablehnen und sich f&uuml;r &bdquo;populistische&ldquo; Alternativen wie die AfD und das BSW entscheiden. Tats&auml;chlich f&uuml;hrt Gu&eacute;rot derzeit ein Gerichtsverfahren gegen ihre K&uuml;ndigung.<\/p><p>Die n&auml;chste Verhandlung ist f&uuml;r den 16. Mai 2025 vor dem Landesarbeitsgericht K&ouml;ln angesetzt. Es bleibt zu hoffen, dass die Richter endlich anerkennen, was l&auml;ngst offensichtlich ist: dass Gu&eacute;rots Entlassung politisch motiviert und ohne rechtm&auml;&szlig;ige Grundlage war. Ein Urteil zu ihren Gunsten w&uuml;rde nicht nur etwas Gerechtigkeit wiederherstellen f&uuml;r alles, was sie durchgemacht hat, sondern auch ein wichtiges Signal daf&uuml;r senden, dass es in Deutschland noch eine unabh&auml;ngige Justiz gibt und dass die demokratischen Grundlagen des Landes noch nicht vollst&auml;ndig ausgeh&ouml;hlt sind.<\/p><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"\" title=\"YouTube video player\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/3Tlwvpz4A2E?si=7KJvgj8yIuyj-OZc\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p><small>Titelbild: Gts \/ shutterstock.com | Komposition NDS<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<p><strong>Mehr zum Thema: <\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=114806\">Gu&eacute;rot-Prozess &ndash; &bdquo;Die politische Dimension ist fast &uuml;berall und zunehmend erdr&uuml;ckend zu sp&uuml;ren&ldquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=132848\">Neues im &bdquo;Fall Gu&eacute;rot&ldquo; &ndash; Der Kampf um Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit geht in die n&auml;chste Runde<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=113182\">Ulrike Gu&eacute;rot: &bdquo;Dass auch Deutschland endlich umfassend mit einer Aufarbeitung der Corona-Ma&szlig;nahmen beginnt.&ldquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=113182\">Ulrike Gu&eacute;rot: &bdquo;Dass auch Deutschland endlich umfassend mit einer Aufarbeitung der Corona-Ma&szlig;nahmen beginnt.&ldquo;<\/a>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ulrike Gu&eacute;rot war jahrelang eine der angesehensten Politikwissenschaftlerinnen in Deutschland. Doch nachdem sie die Coronama&szlig;nahmen und den Stellvertreterkrieg in der Ukraine kritisiert hatte, wurde sie wie eine Staatsfeindin behandelt. Der italienisch-britische Journalist <strong>Thomas Fazi<\/strong> pr&auml;sentiert, anl&auml;sslich der n&auml;chsten Gerichtsverhandlung von Gu&eacute;rot am 16. Mai 2025 vor dem Landesarbeitsgericht K&ouml;ln, einen pers&ouml;nlichen Blick auf die &bdquo;Causa<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=132967\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":81610,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,198,126,123],"tags":[3041,3058,3360,1101,901,3204,3468,959,827,1338],"class_list":["post-132967","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-einzelne-politiker-personen-der-zeitgeschichte","category-erosion-der-demokratie","category-kampagnentarnworteneusprech","tag-cancel-culture","tag-diffamierung","tag-europaeische-union","tag-europaeischer-gedanke","tag-geheimdienste","tag-guerot-ulrike","tag-kuendigung","tag-plagiat","tag-stigmatisierung","tag-transatlantiker"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/shutterstock_1481995475.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/132967","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=132967"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/132967\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":133114,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/132967\/revisions\/133114"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/81610"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=132967"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=132967"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=132967"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}