{"id":1330,"date":"2006-06-03T17:33:08","date_gmt":"2006-06-03T15:33:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1330"},"modified":"2016-02-06T11:52:01","modified_gmt":"2016-02-06T10:52:01","slug":"bundesbank-bereitet-die-offentlichkeit-darauf-vor-das-bisschen-konjunktur-schon-wieder-abzuwurgen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1330","title":{"rendered":"Bundesbank bereitet die \u00d6ffentlichkeit darauf vor, das bisschen Konjunktur schon wieder abzuw\u00fcrgen."},"content":{"rendered":"<p>Ein aufmerksamer Nutzer der NachDenkSeiten macht mich auf den j&uuml;ngsten Monatsbericht aufmerksam. Siehe unten Anhang. Dort werden die im April kr&auml;ftig gestiegenen Verbraucherpreise notiert und daraufhingewiesen, dass daf&uuml;r h&ouml;here Kraftstoff- und Heiz&ouml;lpreise und die durch den langen Winter verteuerten Nahrungsmittel mitverantwortlich sind, und dass die geplante Mehrwertsteuererh&ouml;hung Anlass f&uuml;r Verteuerungen sein wird. Dies &ndash; zusammen mit der angeblich fortschreitenden Belebung der Inlandsnachfrage &ndash; spreche &bdquo;f&uuml;r ein hohes Ma&szlig; an stabilit&auml;tspolitischer Wachsamkeit&ldquo;. Hier werden geldpolitische Gegenma&szlig;nahmen vorbereitet. Das ist der helle Wahnsinn.<br>\n<!--more--><br>\nDie Bundesbank ist ganz wesentlich daf&uuml;r verantwortlich, dass der letzte wirkliche Aufschwung mit &bdquo;einem hohen Ma&szlig; an stabilit&auml;tspolitischer Wachsamkeit&ldquo; abgew&uuml;rgt wurde. Zwischen 1988 und 1991 gab es nach einer langen Durststrecke in den Achtzigerjahren kr&auml;ftige Wachstumsraten des realen Bruttoinlandsprodukts von 3,7%, 3,6%, 5,7% und 5%. Das war ein Durchschnitt von 4,5%. Dieser von der deutschen Vereinigung gef&ouml;rderte Boom wurde mit einer stufenweisen Anhebung des Diskontsatzes von 2,9% auf 8,75% von der Deutschen Bundesbank 1992 abgew&uuml;rgt.<br>\nZur Beschreibung des weiteren Verlaufs zitiere ich aus &bdquo;Machtwahn&ldquo; Seite 85f: &bdquo;Der n&auml;chste kleine Boom in den Jahren 1998 bis 2000 wurde wiederum aufs Spiel gesetzt. Im November 2000 hatte der Sachverst&auml;ndigenrat in seinem Jahresgutachten erkl&auml;rt, die Konjunktur laufe rund, sie sei gut. Dieses Signal an die Verantwortlichen, sich nicht weiter um wirtschaftliche Belebung zu k&uuml;mmern, wurde von unseren Spitzen&ouml;konomen auf dem Hintergrund von 4 Millionen Arbeitslosen ausgesandt &ndash; und sollte sich rasch als Torheit erweisen. Die Europ&auml;ische Zentralbank und der Bundesfinanzminister haben das Signal wohlwollend empfangen. Die EZB erh&ouml;hte im Lauf des Jahres 2001 den sogenannten Repo-Satz (das ist der Zinssatz f&uuml;r Hauptrefinanzierungsgesch&auml;fte) um 1,75 Prozentpunkte, und f&uuml;r den Bundeshaushalt 2001 plante der Finanzminister eine Ausgabensenkung von 1,7 Milliarden DM. Dies geschah vor dem Hintergrund einer Preisprognose des Sachverst&auml;ndigenrats f&uuml;r 2001 von 1,4 Prozent. Ohne dass eine Inflationsgefahr bestanden h&auml;tte, wurde auf die Bremse getreten.<br>\nSeit 1980 k&auml;mpfen wir, von den genannten kleinen Ausnahmen abgesehen, mit niedrigen realen Wachstumsraten. Minde&shy;stens seit 1993, und nicht erst seit 2001, sind wir unter den Schlusslichtern der europ&auml;ischen Entwicklung und innerhalb der OECD-L&auml;nder, also auch im Vergleich zu den USA, zu Australien und Kanada.<br>\nIn dreizehn Jahren ist das Bruttoinlandsprodukt bei uns nur um 18,9 Punkte gestiegen, in den USA um 52 Punkte, in der Euro-Zone immerhin noch um 27,5 Punkte. Bei uns fielen die Zuw&auml;chse beim Konsum mit 16,9 und bei den Bruttoinve&shy;stitionen mit 10 Punkten &auml;u&szlig;erst mager aus &ndash; gerade auch im Vergleich mit den anderen Regionen. In der gesamten Zeit von 1993 bis heute sind die realen L&ouml;hne praktisch nicht ge&shy;stiegen.&ldquo;<\/p><p><strong>Und jetzt drohen wieder die gleichen Fehler.<\/strong><br>\nJetzt soll offenbar den aus den Energiepreis- und Mehrwertsteuererh&ouml;hungen folgenden Preissteigerungen mit &bdquo;stabilit&auml;tspolitischer Wachsamkeit&ldquo; begegnet werden. Konkret werden hier in den Verlautbarungen der Deutschen Bundesbank Zinserh&ouml;hungen und andere geldpolitische Ma&szlig;nahmen der Europ&auml;ischen Zentralbank stimmungsm&auml;&szlig;ig vorbereitet. Und es wird eine Kulisse des Drucks auf die Finanzpolitik und die Tarifpartner aufgebaut. Angesichts der Schw&auml;che der konjunkturellen Entwicklung &ndash; mit einer Wachstumsrate von 1,6 oder 1,8 oder vielleicht 2% im Jahr 2006 kommen wir nie aus der Rezession, in der sich die deutsche Volkswirtschaft befindet &ndash; jetzt schon wieder an Bremsma&szlig;nahmen zu denken, ist sachlich nicht zu begreifen.<br>\nDas hat zu aller erst mit der herrschenden Ideologie zu tun. Das geld- und finanzpolitische Denken wird immer noch von einer Gruppe bestimmt, die ich die deutschen Chicago Boys nenne. Siehe dazu die entsprechende Passage aus &bdquo;Machtwahn&ldquo; S. 53 und 54 und wiedergegeben in unserer Rubrik <a href=\"?p=1157\">&bdquo;Ver&ouml;ffentlichungen der Herausgeber&ldquo;<\/a>.<br>\nEiner aus dieser Gruppe, J&uuml;rgen Stark, ist auf Empfehlung von Kanzlerin Merkel ins Direktorium der Europ&auml;ischen Zentralbank einger&uuml;ckt. In den letzten Tagen wurde gemeldet, dass er den Aufgabenbereich des bisherigen Chef&ouml;konomen Issing &uuml;bernehmen soll. Kenner der Person J&uuml;rgen Stark und seiner wirtschaftspolitischen F&auml;higkeiten beziehungsweise Ideologie hatten anfangs gehofft, dieser Kelch w&uuml;rde an uns vor&uuml;bergehen. <\/p><p><strong>Dieser Vorgang einschlie&szlig;lich der Personalie Stark ist bedrohlich nicht nur f&uuml;r die Arbeitnehmerschaft sondern auch f&uuml;r den gewerblichen Mittelstand im Bereich des Einzelhandels, des Handwerks und der anderen vor allem f&uuml;r den Binnenmarkt t&auml;tigen Unternehmer.<\/strong><br>\nDeshalb k&ouml;nnen wir den Lesern unserer NachDenkSeiten nur empfehlen, auch diesen Personenkreis darauf hinzuweisen, welcher wirtschaftspolitische Wahnsinn uns ins Haus steht: der mutwillige Abbruch eines kleinen Aufschwungs, bevor er richtig begonnen hat.<br>\n&Uuml;brigens: dass die geldpolitischen Eliten in den Zentralbanken uns solches zumuten, hat viel damit zu tun, dass sie anders als Arbeitnehmer und Unternehmer selbst nie davon betroffen sind. Sie sind in festen, wohl dotierten und nicht k&uuml;ndbaren Arbeitsverh&auml;ltnissen.<\/p><p><strong>Anhang: Auszug aus dem Monatsbericht der Deutschen Bundesbank Mai 2006<\/strong><br>\n&hellip; &bdquo;Im April (2006) sind die Verbraucherpreise jedoch wieder kr&auml;ftig gestiegen. Wesentlich daf&uuml;r waren h&ouml;here Kraftstoff- und Heiz&ouml;lpreise. Auch saisonale Nahrungsmittel verteuerten sich st&auml;rker als sonst zu dieser Jahreszeit &uuml;blich. Dabei d&uuml;rfte es sich um Nachwirkungen des lange andauernden Winterwetters handeln. Der Vorjahresabstand des nationalen Verbraucherpreisindex vergr&ouml;&szlig;erte sich sch&auml;tzungsweise von 1,8% auf 2,0%. Der Harmonisierte Verbraucherpreisindex stieg im April um 2,3% nach 1,9% im M&auml;rz. Vieles spricht zwar daf&uuml;r, dass sich die Vorjahresraten im weiteren Verlauf dieses Jahres aufgrund von Basiseffekten vor&uuml;bergehend wieder etwas zur&uuml;ckbilden.<\/p><p>Auf l&auml;ngere Sicht betrachtet sind die Inflationsrisiken in den letzten Monaten aber weiter gestiegen. Zum einen werden die kr&auml;ftigen Energie- und Rohstoffpreissteigerungen auf die Verbraucherebene durchwirken, zum anderen wird die geplante Mehrwertsteuererh&ouml;hung Anlass f&uuml;r Verteuerungen sein. F&uuml;r ein hohes Ma&szlig; an stabilit&auml;tspolitischer Wachsamkeit spricht angesichts dieser Gegebenheiten aber auch die Erwartung einer allm&auml;hlich fortschreitenden Belebung der Inlandsnachfrage und die &uuml;berwiegend g&uuml;nstigen Perspektiven f&uuml;r eine Fortsetzung der konjunkturellen Aufw&auml;rtsentwicklung&ldquo;.<\/p><p>Quelle: Deutsche Bundesbank: Die Wirtschaftslage in Deutschland im Fr&uuml;hjahr 2006, in: Monatsbericht Mai 2006, S. 8f.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein aufmerksamer Nutzer der NachDenkSeiten macht mich auf den j&uuml;ngsten Monatsbericht aufmerksam. Siehe unten Anhang. Dort werden die im April kr&auml;ftig gestiegenen Verbraucherpreise notiert und daraufhingewiesen, dass daf&uuml;r h&ouml;here Kraftstoff- und Heiz&ouml;lpreise und die durch den langen Winter verteuerten Nahrungsmittel mitverantwortlich sind, und dass die geplante Mehrwertsteuererh&ouml;hung Anlass f&uuml;r Verteuerungen sein wird. Dies &ndash; zusammen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1330\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[135,30],"tags":[286,365,981,402],"class_list":["post-1330","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-finanzpolitik","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-bundesbank","tag-inflation","tag-stark-juergen","tag-wachstum"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1330","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1330"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1330\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":30973,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1330\/revisions\/30973"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1330"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1330"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1330"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}