{"id":133122,"date":"2025-05-19T09:00:20","date_gmt":"2025-05-19T07:00:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=133122"},"modified":"2025-05-20T07:33:24","modified_gmt":"2025-05-20T05:33:24","slug":"wissenschaft-zur-waffe-hochschulen-haben-neuerdings-bundeswehr-und-rheinmetall-zu-dienen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=133122","title":{"rendered":"Wissenschaft zur Waffe! Hochschulen haben neuerdings Bundeswehr und Rheinmetall zu dienen"},"content":{"rendered":"<p>An der Hochschule Flensburg verhindert studentischer Widerstand die Einf&uuml;hrung eines Fachs &bdquo;Wehrtechnik&ldquo;. Das macht Hoffnung angesichts politischer Bestrebungen, die an etlichen Universit&auml;ten bestehenden Zivilklauseln &bdquo;unsch&auml;dlich&ldquo; zu machen. Bayern gibt den Vork&auml;mpfer: Dort muss f&uuml;r die Armee geforscht werden. Und auf dem Campus in M&uuml;nchen Garching hat die deutsche Truppe schon einmal auf Probe geballert. Von <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7603\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-133122-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250519_Wissenschaft_zur_Waffe_Hochschulen_haben_neuerdings_Bundeswehr_und_Rheinmetall_zu_dienen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250519_Wissenschaft_zur_Waffe_Hochschulen_haben_neuerdings_Bundeswehr_und_Rheinmetall_zu_dienen_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250519_Wissenschaft_zur_Waffe_Hochschulen_haben_neuerdings_Bundeswehr_und_Rheinmetall_zu_dienen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250519_Wissenschaft_zur_Waffe_Hochschulen_haben_neuerdings_Bundeswehr_und_Rheinmetall_zu_dienen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=133122-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250519_Wissenschaft_zur_Waffe_Hochschulen_haben_neuerdings_Bundeswehr_und_Rheinmetall_zu_dienen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250519_Wissenschaft_zur_Waffe_Hochschulen_haben_neuerdings_Bundeswehr_und_Rheinmetall_zu_dienen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Es gibt sie noch: F&auml;lle von Widerstand gegen den beherrschenden militaristischen Zeitgeist im Zeichen von &bdquo;Zeitenwende&ldquo;, Hochr&uuml;stung und &bdquo;Kriegsert&uuml;chtigung&ldquo;. Die Hochschule Flensburg macht einfach nicht mit. Am Mittwoch der Vorwoche h&auml;tte der Konvent des Fachbereichs Maschinenbau, Verfahrenstechnik und maritime Technologien gr&uuml;nes Licht f&uuml;r die Einf&uuml;hrung eines Studienmoduls &bdquo;Wehrtechnik&ldquo; geben k&ouml;nnen. <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/bildung\/hochschulen-hochschulkonvent-lehnt-wehrtechnik-modul-ab-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-250514-930-543573\">Aber es setzte die rote Karte!<\/a> Das Gremium, bestehend aus Professoren, Hochschulmitarbeitern und Studierenden, wies das Ansinnen in aller Deutlichkeit zur&uuml;ck. Nach geheimer Abstimmung blieben bei sieben Nein-Stimmen, zwei Enthaltungen und einer Ja-Stimme keine Fragen offen.<\/p><p>Damit entschied sich die Flensburg University of Applied Sciences wieder f&uuml;r den Frieden &ndash; nach zwei Jahren, in denen man mit dem Antipoden immerhin geflirtet hatte. Bis zum zur&uuml;ckliegenden Wintersemester gab es bereits einen Kurs zum Thema &bdquo;Wehrtechnik&ldquo;, allerdings nur als Wahlfach und au&szlig;erhalb des regul&auml;ren Lehrplans. Dietrich Jeschke, Professor f&uuml;r Maschinenbau, wollte mehr. Vor einem Monat machte er den Vorsto&szlig;, das Angebot im offiziellen Curriculum zu verankern und k&uuml;nftig f&uuml;r Inhalte wie Kettenfahrzeugtechnik, Ballistik und ABC-Sicherheit sogenannte Credit Points zu vergeben. Daf&uuml;r hatte er eigens die R&uuml;stungsfirma Flensburger Fahrzeugbau-Gesellschaft (FFG) an Land gezogen. Die bot sich an, f&uuml;r die Dauer von zun&auml;chst f&uuml;nf Jahren eine Stiftungsprofessur zu finanzieren, m&ouml;glicherweise im Verbund mit anderen Waffenschmieden aus Schleswig-Holstein. &Uuml;berdies sollte ein &ouml;rtlicher Sch&uuml;tzenverein f&uuml;r das Projekt gewonnen werden &ndash; weil f&uuml;r die Arbeit mit Gewehren und Gesch&uuml;tzen ein Waffenschein erforderlich w&auml;re &hellip;<\/p><p><strong>Kein Sch&uuml;tzenfest<\/strong><\/p><p>Jeschke hatte sein Konzept vor f&uuml;nf Wochen dem Konvent vorgestellt und stie&szlig; dort prompt auf renitente Studierendenvertreter. Um sich mehr Geh&ouml;r zu verschaffen, stellten sie gemeinsam mit Hochsch&uuml;lern der Europa-Universit&auml;t Flensburg die Initiative &bdquo;Campus ohne Wehrtechnik&ldquo; auf die Beine und betrieben auf dem Hochschulgel&auml;nde mit Plakaten und Flyern <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/schleswig-holstein\/Flensburg-Militaer-Modul-an-Hochschule-abgelehnt,wehrtechnik114.html\">Aufkl&auml;rungsarbeit<\/a>. In einem vor acht Tagen ver&ouml;ffentlichten <a href=\"https:\/\/cloud.plattform-n.org\/s\/ZnnLm7fQzKJCnaN\">Offenen Brief<\/a>, unterzeichnet von insgesamt &uuml;ber 400 Studierenden, Uni-Besch&auml;ftigten und Flensburger B&uuml;rgern, appellierten sie an die Gremiumsmitglieder, das Vorhaben zu stoppen. Gewarnt wird darin vor einem &bdquo;Image- und Glaubw&uuml;rdigkeitsverlust&ldquo;, einer &bdquo;fatalen Signalwirkung&ldquo; und davor, &bdquo;Forschung und Lehre systematisch in den Dienst milit&auml;rischer Interessen zu stellen&ldquo;. Fazit: Der Schritt &bdquo;w&uuml;rde unsere Hochschule in eine Richtung bewegen, die weder den moralischen Prinzipien noch den Zukunftsanforderungen unserer Studierenden und Gesellschaft entspricht&ldquo;.<\/p><p>Die Argumentation &uuml;berzeugte. Der Konvent habe sich &bdquo;klar gegen die Einrichtung der vorgeschlagenen Vertiefungsrichtung ausgesprochen&ldquo;, &auml;u&szlig;erte sich Frithjof Marten, Dekan des Fachbereichs 1, in einer Medienmitteilung der Hochschulleitung. &bdquo;Mit dem heutigen Beschluss wird diese M&ouml;glichkeit damit nicht weiterverfolgt.&ldquo; Auch das fragliche &bdquo;Wahlmodul&ldquo; zu &bdquo;Wehrtechnik&ldquo; hat sich damit erledigt. Dieses sei nach Ablauf der Testphase &bdquo;nicht fortgef&uuml;hrt&ldquo; worden, hei&szlig;t es in der Erkl&auml;rung. Die Aktiven von &bdquo;Campus ohne Wehrtechnik&ldquo; zeigten sich anschlie&szlig;end erleichtert. &bdquo;Wir leben in einer Zeit, in der rechte Kr&auml;fte immer st&auml;rker werden und sozial-&ouml;kologische Krisen zunehmen&ldquo;, lie&szlig; sich Sprecherin Clara Tempel zitieren. &bdquo;Gerade jetzt sollten wir an Hochschulen keine Kooperationen mit R&uuml;stungsunternehmen aufbauen, sondern zukunftsf&auml;hige L&ouml;sungen f&uuml;r eine Welt im Wandel entwickeln.&ldquo;<\/p><p><strong>Forschen f&uuml;rs Morden<\/strong><\/p><p>Flensburg ist ein Fels in der Brandung. Tats&auml;chlich sehen sich Deutschlands Hochschulen und Forschungsinstitute derzeit einer heftigen Stimmungsmache ausgesetzt. Demnach m&uuml;sse die Wissenschaft ihre Distanz zum Milit&auml;rischen aufgeben und sich aktiv in den Dienst der deutschen und europ&auml;ischen Streitkr&auml;fte stellen. Dabei ist das l&auml;ngst Realit&auml;t, wenn auch nicht &uuml;ber die volle Breite der Hochschullandschaft. Schon heute flie&szlig;en hierzulande <a href=\"https:\/\/publik.verdi.de\/ausgabe-2014-04\/forschen-f%C3%BCr-den-tod-lernen-f%C3%BCr-den-frieden\/\">mehrere Milliarden Euro j&auml;hrlich<\/a> an Dutzende Hochschulen, die im naturwissenschaftlichen, medizinischen und sozialwissenschaftlichen Bereich f&uuml;r Milit&auml;rs und R&uuml;stungsfirmen &ouml;ffentliche Forschung betreiben.<\/p><p>Aber eben nicht alle lassen sich einspannen. Etliche Standorte, bundesweit insgesamt <a href=\"http:\/\/zivilklausel.de\/bestehende-zivilklauseln#7L\">rund 80<\/a> an der Zahl, verpflichten sich per Zivilklausel dazu, ausschlie&szlig;lich f&uuml;r friedliche und zivile Zwecke zu forschen. In wenigen Bundesl&auml;ndern, aktuell in Bremen, Th&uuml;ringen und Sachsen-Anhalt, ist dieses Bekenntnis sogar in den Landeshochschulgesetzen verbrieft. Nicht immer werden die Vorgaben auch befolgt, insbesondere in F&auml;llen, in denen es um sogenannte Dual-Use-Anwendungen geht, aus denen sich sowohl milit&auml;rischer als auch ziviler Nutzen ziehen l&auml;sst. Gleichwohl bilden Zivilklauseln doch eine einigerma&szlig;en robuste Schutzmauer gegen &Uuml;bergriffigkeiten interessierter Kreise, die aus Hochschulen Forschungsanstalten f&uuml;r Milit&auml;rs und R&uuml;stungsindustrielle machen wollen. Zudem sind entsprechende Regeln mit Blick auf die &Ouml;ffentlichkeit von hohem symbolischen Wert, gerade heute. Sie signalisieren: &bdquo;Alle reden vom Krieg, wir verschreiben uns dem Frieden.&ldquo;<\/p><p><strong>Unter Beschuss<\/strong><\/p><p>Auch und gerade deswegen geraten die Schutzmauern dieser Tage heftigst unter Beschuss. Beispiel Hessen: Dort haben sich f&uuml;nf der 14 staatlichen Hochschulen &bdquo;eine freiwillige Verpflichtung auferlegt, keine Forschung mit milit&auml;rischem oder sicherheitsrelevantem Nutzen zu betreiben oder zu unterst&uuml;tzen&ldquo;. Sie befinden in Frankfurt, Kassel, Darmstadt, Marburg und Geisenheim im Rheingau. Ihre Rolle missf&auml;llt der Politik zusehends. Bereits im Koalitionsvertrag der schwarz-roten Landesregierung hei&szlig;t es, man wolle die &bdquo;Hochschulleitungen bei der &Uuml;berpr&uuml;fung von Zivilklauseln&ldquo; unterst&uuml;tzen.<\/p><p>Jetzt hat Wissenschaftsminister Timon Gremmels (SPD) nachgelegt. Vor dem Hintergrund der Rede von US-Vizepr&auml;sident James David Vance bei der M&uuml;nchner Sicherheitskonferenz und der &bdquo;unberechenbaren &Auml;u&szlig;erungen&ldquo; von Pr&auml;sident Donald Trump m&uuml;sse man die Zivilklauseln mit den Hochschulen <a href=\"https:\/\/www.forschung-und-lehre.de\/zeitfragen\/debatte-ueber-zivilklauseln-7005\">&bdquo;intensiv diskutieren &ndash; nat&uuml;rlich unter Ber&uuml;cksichtigung der Hochschulautonomie&ldquo;<\/a>. Angesichts zus&auml;tzlicher Milliarden f&uuml;r die Bundeswehr solle darauf geachtet werden, &bdquo;dass m&ouml;glichst viel davon zur Wertsch&ouml;pfung in Deutschland beitr&auml;gt&ldquo;. Drastischer formulierte es der FDP-Landtagsabgeordnete Matthias B&uuml;ger: Die ver&auml;nderte Sicherheitslage erfordere es, &bdquo;dass die Forschung zur Sicherheit unserer Freiheit beitr&auml;gt&ldquo;. Er verlangt &bdquo;klare gesetzliche Vorgaben, die Zivilklauseln verbieten &ndash; denn sonst wird die Forschungssicherheit und somit auch die Sicherheit des Landes und der B&uuml;rger gef&auml;hrdet&ldquo;.<\/p><p><strong>S&ouml;der marschiert voraus<\/strong><\/p><p>Bayern ist Hessen schon voraus. Bekannt f&uuml;r ihre N&auml;he zu den vielen im Freistaat ans&auml;ssigen R&uuml;stungsunternehmen, hat die Landesregierung mit dem seit 1. August 2024 geltenden <a href=\"https:\/\/www.bayern.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Entwurf-Gesetz-zur-Foerderung-der-Bundeswehr.pdf\">&bdquo;Gesetz zur F&ouml;rderung der Bundeswehr&ldquo;<\/a> Zivilklauseln kurzerhand verboten. Nach dessen Wortlaut h&auml;tten die Hochschulen mit der deutschen Armee &bdquo;zusammenzuarbeiten, wenn und soweit das Staatsministerium auf Antrag der Bundeswehr feststellt, dass dies im Interesse der nationalen Sicherheit erforderlich ist&ldquo;. Ferner d&uuml;rften erzielte Forschungsergebnisse &bdquo;auch f&uuml;r milit&auml;rische Zwecke der Bundesrepublik Deutschland oder der NATO-B&uuml;ndnispartner genutzt werden&ldquo;, und weiter: &bdquo;Eine Beschr&auml;nkung der Forschung auf zivile Nutzungen (Zivilklausel) ist unzul&auml;ssig.&ldquo;<\/p><p>Gegen das Gesetz l&auml;uft eine <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/bayern\/bayern-popularklage-bundeswehr-gesetz-verfassungsgerichtshof-li.3196712\">Popularklage<\/a>, eingereicht unter anderem von Friedensaktivisten und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Sie verweisen auf die Verfassung, die die Freiheit von Forschung und Lehre garantiere. Zudem schr&auml;nke verpflichtende Forschung f&uuml;r milit&auml;rische Zwecke die &bdquo;Gewissensfreiheit&ldquo; ein. Ministerpr&auml;sident Markus S&ouml;der (CSU) ficht das nicht an. Ein von ihm im Fr&uuml;hjahr auf der M&uuml;nchner Sicherheitskonferenz pr&auml;sentierter <a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/bayern\/masterplan-csu-will-unis-bundesweit-zivilklauseln-verbieten,UcVy6Su\">&bdquo;Masterplan&ldquo;<\/a> zielt darauf, das bayerische Modell in ganz Deutschland auszurollen, also ein &bdquo;bundesweites Verbot von Zivilklauseln an den Hochschulen&ldquo; zu etablieren.<\/p><p><strong>Vorbilder: USA und Israel<\/strong><\/p><p>Im Positionspapier <a href=\"https:\/\/www.bmbf.de\/SharedDocs\/Downloads\/DE\/2024\/positionspapier-forschungssicherheit.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=4\">&bdquo;Forschungssicherheit im Lichte der Zeitenwende&ldquo;<\/a> vom M&auml;rz 2024 in Regie des fr&uuml;heren Bundesministeriums f&uuml;r Bildung und Forschung (BMBF) ist sehr konkret skizziert, wo die Reise hingehen soll. Demnach m&uuml;ssten &bdquo;die M&ouml;glichkeiten f&uuml;r eine bessere Verzahnung zwischen milit&auml;rischer und ziviler Forschung er&ouml;rtert &ldquo; werden. Au&szlig;erdem sei ergebnisoffen zu diskutieren, &bdquo;wie Zivilklauseln zweckm&auml;&szlig;ig ausgestaltet werden k&ouml;nnen, um der zunehmend schwierigeren Differenzierbarkeit von Forschung angesichts einer Vielzahl m&ouml;glicher Einsatzzwecke gerecht zu werden&ldquo;. Als Vorbilder werden explizit Israel und die USA benannt. Diese setzten &bdquo;erfolgreich und synergetisch in einem zivil und milit&auml;risch gepr&auml;gten &Ouml;kosystem Forschung in technologische Innovation um&ldquo;.<\/p><p>Was einmal das BMBF war, firmiert neuerdings unter BMFTR. Wobei das R f&uuml;r R&uuml;stung steht und die Federf&uuml;hrung Dorothee B&auml;r (CSU) innehat, die als damalige &bdquo;Beauftragte der Bundesregierung f&uuml;r Digitalisierung&ldquo; schon 2018 so weitsichtig war, den Einsatz von Flugtaxis hierzulande auf 2025 terminieren. Daraus wurde nichts, daf&uuml;r klappte es jetzt mit dem Aufstieg samt Agenda zum &Uuml;berfliegen. Auf dieser stehen der Bau des ersten Fusionsreaktors der Welt, eine KI-Offensive f&uuml;r Superrechner (&bdquo;AI-Gigafactory&ldquo;), eine nationale &bdquo;Hyperloop&ldquo;-Referenzstrecke, eine Raketenrampe in der Nordsee und eine deutsche Astronautin auf dem Mond. Bei solchen Ambitionen brauchen Forscher Beinfreiheit, viel Geld und Zuarbeit von au&szlig;en. Im <a href=\"https:\/\/www.spd.de\/fileadmin\/Dokumente\/Koalitionsvertrag2025_bf.pdf\">Koalitionsvertrag von Union und SPD<\/a> ist sodann auch von der Schaffung einer &bdquo;F&ouml;rderkulisse f&uuml;r Sicherheits- und Verteidigungsforschung einschlie&szlig;lich Cybersicherheit und sicherer Infrastrukturen&ldquo; die Rede mit dem Ziel, &bdquo;Kooperation von Hochschulen und au&szlig;eruniversit&auml;rer Forschung mit Bundeswehr und Unternehmen gezielter zu erm&ouml;glichen&ldquo;.<\/p><p><strong>Soldaten ins Klassenzimmer<\/strong><\/p><p>Bei ihrem Chef rennt sie damit offene T&uuml;ren ein. Neubundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte Zivilklauseln schon vor zwei Jahren als <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/friedrich-merz-cdu-fordert-ungehinderten-bundeswehr-zugang-zu-schulen-und-forschung-a-e39b0011-1383-4e51-b8bd-14bc39e76b3c\">&bdquo;nicht mehr zeitgem&auml;&szlig;&ldquo;<\/a> abgetan und daneben einen &bdquo;ungehinderten Zugang&ldquo; der Bundeswehr zu staatlichen Lehranstalten empfohlen. Flugs fand auch dieser Punkt &bdquo;Zugang&ldquo; ins schwarz-rote Regierungsprogramm: &bdquo;Wir verankern unsere Bundeswehr noch st&auml;rker im &ouml;ffentlichen Leben&ldquo;, steht da geschrieben, &bdquo;und setzen uns f&uuml;r die St&auml;rkung der Rolle der Jugendoffiziere ein, die an den Schulen einen wichtigen Bildungsauftrag erf&uuml;llen.&ldquo;<\/p><p>Derlei kann man heute ohne Hemmungen verfechten. Der alte und neue Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte ebenfalls bei der M&uuml;nchner Sicherheitskonferenz daf&uuml;r geworben, die Kooperation zwischen der Bundeswehr und Universit&auml;ten zu vertiefen. Die FDP pocht auf eine &bdquo;agile Verteidigungsforschungsanstalt nach amerikanischem Vorbild, die sich auf den Technologietransfer zwischen Milit&auml;r und Wissenschaft sowie auf die F&ouml;rderung von Forschungsprojekten mit milit&auml;rischen oder Dual-Use-Anwendungen konzentriert&ldquo;. Der ehemalige Wirtschaftsminister Robert Habeck (Gr&uuml;ne) lie&szlig; sich im Januar von der <em>Tageszeitung (taz) <\/em>mit den Worten zitieren, man m&uuml;sse <a href=\"https:\/\/taz.de\/Zivilklauseln-unter-Druck\/!6060028\/\">&bdquo;die strikte Trennung von milit&auml;rischer und ziviler Nutzung und Entwicklung &uuml;berdenken&ldquo;<\/a>.<\/p><p><strong>Krieg zum Anfassen<\/strong><\/p><p>Genau das passiert bereits mancherorts. Die Technische Universit&auml;t (TU) Chemnitz teilte zuletzt mit, ihre Zivilklausel im Prozess der Novellierung der Grundordnung &bdquo;zeitgem&auml;&szlig;&ldquo; anpassen zu wollen. Auch an der TU Berlin soll es entsprechende Bestrebungen geben. Dazu machen berufene K&ouml;pfe das Publikum glauben, dass Zivilklauseln sowieso nichts verbieten, da auch die &bdquo;Erf&uuml;llung des Verteidigungsauftrags der Wahrung von Frieden dient&ldquo;, wie es in einer <a href=\"https:\/\/www.hochschulverband.de\/fileadmin\/redaktion\/download\/pdf\/landesverband\/BAY\/DHV-Stellungnahme_Gesetzentwurf_zur_Foerderung_der_BW_in_Bayern_final_2024.pdf\">Stellungnahme<\/a> der bayerischen Sektion des Deutschen Hochschulverbands (DHV) vom M&auml;rz 2024 hei&szlig;t. Das Papier war auf das seinerzeit noch in Vorbereitung befindliche &bdquo;Bundeswehrgesetz&ldquo; gem&uuml;nzt. Fazit: &bdquo;Im Ergebnis bestehen keine Bedenken gegen die intendierten Neuerungen.&ldquo; Die Firma dankt.<\/p><p>&Uuml;brigens: Vor einem halben Jahr gab es auf dem Campus der TU M&uuml;nchen Krieg zum Anfassen. Beim Forschungsreaktor der Uni in Garching fielen im Oktober Sch&uuml;sse, Sch&uuml;tzenpanzer und Milit&auml;rjeeps mit montierten Maschinengewehren durchk&auml;mmten das Gel&auml;nde, Soldaten patrouillierten, machten Jagd auf &bdquo;Terroristen&ldquo; und brachten sie zur Strecke. Keine Sorge: War alles nicht ernst gemeint, blo&szlig; ein <a href=\"https:\/\/dkp-bayern.de\/2024\/10\/24\/stoppt-die-militaeruebung-am-tum-campus-garching-gegen-das-bayrische-bundeswehrgesetz\/\">Man&ouml;ver der Bundeswehr<\/a> zur Simulation eines Angriffs auf kritische Infrastruktur. Manchen Beteiligten war dennoch mulmig zumute. Zeitgleich im hohen Norden an der Ostsee herrschte Frieden. Darauf ein Flens.<\/p><p><small>Titelbild: CampusOhneWehrtechnik<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/249a8957dd124261be53268ab692be0b\" alt=\"\" title=\"\" width=\"1\" height=\"1\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An der Hochschule Flensburg verhindert studentischer Widerstand die Einf&uuml;hrung eines Fachs &bdquo;Wehrtechnik&ldquo;. Das macht Hoffnung angesichts politischer Bestrebungen, die an etlichen Universit&auml;ten bestehenden Zivilklauseln &bdquo;unsch&auml;dlich&ldquo; zu machen. Bayern gibt den Vork&auml;mpfer: Dort muss f&uuml;r die Armee geforscht werden. Und auf dem Campus in M&uuml;nchen Garching hat die deutsche Truppe schon einmal auf Probe geballert. 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