{"id":13322,"date":"2012-05-23T17:16:52","date_gmt":"2012-05-23T15:16:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13322"},"modified":"2015-03-05T13:57:00","modified_gmt":"2015-03-05T12:57:00","slug":"erganzung-zum-beitrag-zur-linken-und-zum-rat-an-lafontaine-ein-historisch-bedeutsamer-tag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13322","title":{"rendered":"Erg\u00e4nzung zum Beitrag zur Linken und zum Rat an Lafontaine: Ein historisch bedeutsamer Tag"},"content":{"rendered":"<p>Der <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13317\">Artikel von gestern<\/a> hat ein widerspr&uuml;chliches Echo ausgel&ouml;st. Eine Erg&auml;nzung ist jedenfalls angebracht. Mir scheint das auch deshalb n&ouml;tig, weil ich den gestrigen Tag f&uuml;r einen historisch interessanten Tag halte: Das Projekt einer linken Alternative zur herrschenden rechtskonservativen Ideologie und zur herrschenden Gruppe ist gestern gescheitert. &ndash; Das ist selbstverst&auml;ndlich eine nur pers&ouml;nliche Einsch&auml;tzung, die ich Ihnen keinesfalls verkaufen will. Warum sollen Sie nicht weiter hoffen? &ndash; Es folgen einige Erg&auml;nzungen: Von Albrecht M&uuml;ller<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Erstens: Warum wir alle, einschlie&szlig;lich demokratischer Christdemokraten, ein Interesse an einer linken Alternative und damit am Erfolg der Linkspartei haben:<\/strong><br>\nWeil nur so die heute und auf absehbare Zeit Regierenden mit einer Alternative konfrontiert werden und im Notfall mit der Abl&ouml;sung rechnen m&uuml;ssen &ndash; das muss ein Anliegen jedes Demokraten sein. Weil au&szlig;erdem nur so verhindert werden kann, dass sich die SPD, meine Partei seit nunmehr 49 Jahren, v&ouml;llig an die rechtskonservativ und neoliberal gepr&auml;gten Kreise anpasst. Die Linkspartei ist, solange sie eine echte politische Konkurrenz ist, das einzige Mittel, um die SPD und die Gr&uuml;nen nicht v&ouml;llig abdriften zu lassen.<br>\nDas wissen die Meinungsmacher im Lager der herrschenden Kreise. Deshalb ihre Kampagne gegen Die Linke und deshalb insbesondere gegen Lafontaine. <\/p><p><strong>Zweitens: In diesen Kreisen, die von Werbung und Wahlkampf etwas verstehen, wei&szlig; man, dass Lafontaine aus heutiger Sicht und in der heutigen Situation der einzige sein k&ouml;nnte, der die &Uuml;berwindung der 5%-H&uuml;rde und damit den Einzug in den Deutschen Bundestag noch einmal schaffen k&ouml;nnte.<\/strong><br>\nJetzt ist diese M&ouml;glichkeit gescheitert, jetzt ist Lafontaine aus der Schusslinie geschossen, nach diesem &bdquo;Erfolg&ldquo;  kann man sich den anderen zu wenden, auch den neu auftauchenden Personen. Neben der SPD und den Gr&uuml;nen und den Piraten h&auml;tte die Linkspartei nur dann eine Chance gehabt, wenn sie inhaltlich eine Alternative darstellt. Wenn die Linkspartei auf den Kurs der &bdquo;Reformer&ldquo; einschwenkt, dann kann man auch gleich die SPD w&auml;hlen oder die Gr&uuml;nen. Warum sollte man dann noch den so genannten Reformer Bartsch w&auml;hlen? Dann doch gleich Gabriel. Warum nicht? <\/p><p><strong>Drittens: Es w&auml;re sehr spannend zu erfahren, wen der jetzige Fraktionsvorsitzende der Linkspartei, Gregor Gysi als Spitzenkandidat\/in seiner Partei f&uuml;r die Bundestagswahl 2013 vorschl&auml;gt?<\/strong> Immerhin hat er mit einer Pressemitteilung den Verzicht Lafontaines wesentlich ausgel&ouml;st, also kann man unterstellen, dass ihm eine erfolgreiche Alternative vorschwebt. <\/p><p><strong>Viertens: Die Debatte um die Linkspartei und um den Verzicht Lafontaines auf eine Kandidatur beweist einmal mehr und auf drastische Weise, wie hoch manipulativ die Meinungsmache in Deutschland inzwischen geworden ist. Inzwischen werden auch Menschen zum Opfer von Manipulation, bei denen man es unter normalen demokratischen Umst&auml;nden nicht erwarten h&auml;tte k&ouml;nnen.<\/strong><\/p><p>Nahezu alle deutschen Medien sind gepr&auml;gt von immer wiederkehrenden Stereotypen. Man k&ouml;nnte den Verzicht von Lafontaine durchaus kritisch hinterfragen, aber doch bitte mit Argumenten und mit Fakten und nicht dadurch, dass man die immer wiederkehrenden Etiketten verteilt. Herausragend l&auml;sst sich dies und die laufende Kampagne bei Spiegel online beobachten. Auf zwei Artikel aus einer l&auml;ngeren Serie weise ich hin, auf <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/lafontaine-will-doch-nicht-parteichef-der-linken-werden-a-834569.html\">&bdquo;Lafontaine verzichtet auf Spitzenkandidatur. Die Linke &ndash; ein Tr&uuml;mmerhaufen&ldquo; von Florian Gathmann und Bj&ouml;rn Hengst,  Mitarbeit: Veit Medick<\/a> und auf <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/kommentar-lafontaine-verzichtet-auf-kandidatur-fuer-linken-vorsitz-a-834585.html\">&bdquo;Beleidigter Oskar&ldquo;<\/a>.<br>\nIn diesen Beitr&auml;gen sind eine Reihe von g&auml;ngigen Stereotypen enthalten: : Primadonna, Diva, hingeschmissen, ratlose Partei hinterlassen, beleidigt, Bartschs &bdquo;Reformer-Lager&ldquo;, &bdquo;gebettelt, gebeten zu werden&ldquo;, Besserwisser, usw.  Die Autoren Hengst und Medick waren auch schon beim Kampf gegen die geplante linke Koalition von Andrea Ypsilanti in Hessen beteiligt.<br>\nAuf eine der g&auml;ngigen Manipulationen zur positiven Kennzeichnung der Gruppe um Bartsch hatte ich gestern schon hingewiesen. Ohne An- und Abf&uuml;hrung und ohne jegliche Begr&uuml;ndung wird diese Gruppe &bdquo;Reformer&ldquo; genannt. Das ist ein frei erfundenes, durch Nachplappern fest angeheftetes Etikett. F&uuml;r welche &bdquo;Reformen&ldquo; treten sie ein? Was verstehen sie unter &bdquo;Reformen&ldquo;? Besteht die Reform darin, dass man auf die rechte SPD zugeht?<\/p><p>Bei den heutigen Kommentaren zum Verzicht von Lafontaine wird fr&uuml;heres Verhalten von Lafontaine und fr&uuml;here Einstellungen ohne jegliche kritische Erw&auml;gung etikettiert:<br>\nEr hat 1999 &bdquo;hingeschmissen&ldquo;. Dass dies nicht stimmt und dass es f&uuml;r den damaligen Verzicht auf den Posten des Bundesfinanzministers und des Parteivorsitzes der SPD gute Gr&uuml;nde gab, ist heute v&ouml;llig ausgemerzt. Es herrscht eine total gleich geschaltete Meinung: Damals hingeschmissen, heute hingeschmissen.<br>\nDie Fundamentalisten im Westen. Kein Fragezeichen. Keine Pr&uuml;fung. Nur Kampagnen. <\/p><p>Eine der neuen Unwahrheiten, die zur Denunziation von Lafontaine verwendet werden und die offenbar auch einige Nachdenkseitenleser beeindrucken, geh&ouml;rt die Behauptung, Lafontaine habe den Vorsitz &bdquo;forsch&ldquo; und &bdquo;&uuml;berraschend&ldquo; beansprucht. Ich habe mich darauf hin noch einmal dessen versichert, was ich &uuml;ber den Vorgang insgesamt bisher wei&szlig; und komme dabei zu folgendem Ergebnis:<\/p><p>Von forschem Auftauchen kann keine Rede sein, Gysi hat Lafontaine seit &uuml;ber einem Jahr immer wieder f&uuml;r bundespolitische Funktionen &ndash; &ouml;ffentlich, und ohne ihn zu fragen! &ndash; ins Gespr&auml;ch gebracht. Seit Ende letzten Jahres gab es dann Gespr&auml;che, Lafontaine war auf mehreren Treffen mit Landes- und Fraktionsvorsitzenden anwesend, es gab regelrechten Druck auf ihn, dass er wieder bundespolitische Funktionen &uuml;bernehmen soll. Es gab urspr&uuml;nglich die klare Ansage von Bartsch, im Falle von Lafontaines Kandidatur f&uuml;r den Vorsitz seine zur&uuml;ckzuziehen.<br>\nLafontaine hatte eine zeitlang tats&auml;chlich &uuml;berlegt, Bartsch noch mal als Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer einzubinden &ndash; was ich an Lafontaines Stelle nicht gemacht h&auml;tte. Bedingung an Bartsch war, dass dann wenigstens endlich &ouml;ffentlich Ruhe einkehren m&uuml;sse, damit Die Linke Landtagswahlen halbwegs bestehen k&ouml;nne. Anfang des Jahres hielt das eine gewisse Zeit, nach Gesine L&ouml;tschs R&uuml;cktritt aber haben die Bartsch-Truppen dann wieder das bekannte Tohuwabohu veranstaltet.<\/p><p>Von forschem Vorgehen Lafontaines kann wirklich keine Rede sein. Dennoch wird es in der ver&ouml;ffentlichten Meinung einhellig so dargestellt.  Warum wird da nicht recherchiert? <\/p><p>Dies sind eindeutige Zeichen puren Kampagnenjournalismus, in diesem Fall wie auch im Falle der SPD und der Gr&uuml;nen mit nachhaltiger Wirkung auf die innere Willensbildung dieser Parteien.<\/p><p><strong>F&uuml;nftens zum Grundproblem: Die herrschenden Kreise wollen mit allen Mitteln verhindern, dass in Deutschland noch einmal eine Alternative zur rechtskonservativen und neoliberal gepr&auml;gten F&uuml;hrungsschicht an die Macht kommt.<\/strong><\/p><p>Darauf hatte ich schon in einem Beitrag vom 22. Mai 2012 hingewiesen.Wenn ich so d&auml;chte wie jene Kreise und &uuml;ber die entsprechenden publizistischen und finanziellen Mittel verf&uuml;gen w&uuml;rde, dann w&uuml;rde ich die skizzierten beiden Wege zur Machterhaltung w&auml;hlen: Zum einen mit allen Mitteln der Publizistik und des Geldes die Chancen jeder linken Formation bei Wahlen mindern, zum andern die Parteien auf der linken Seite des politischen Spektrums nachhaltig beeinflussen. Ich spreche in diesem Zusammenhang von Fremdbestimmung. Dazu habe ich am 27. Mai 2002 in Bezug auf die SPD einen Artikel geschrieben, <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=30\">den wir im Dezember 2003 verlinkt haben<\/a>.<br>\nDie Fremdbestimmung der SPD ist leider in weitem Ma&szlig;e gelungen. Jetzt steht die entsprechende Operation bei der Linkspartei an. Deshalb auch die harten Gefechte. Leider merken es ma&szlig;gebliche Leute in der Linkspartei offenbar nicht. Andere sind in das Prozedere eingebunden. Davon bin ich fest &uuml;berzeugt. Bei der SPD habe ich es hautnah erlebt und ich wei&szlig;, wer an diesem Prozess der Anpassung der SPD an die herrschende Linie ma&szlig;geblich beteiligt war.<\/p><p>Allerdings werden die Namen jener, die den Prozess von innen begleiten, nicht &ouml;ffentlich angeschlagen. Dann w&auml;re diese Operation futsch, die Arbeit umsonst.<\/p><p>Das ist das Problem der kritischen Begleitung dieser undemokratischen Vorg&auml;nge. Wir sind sehr sicher, dass es diese Vorg&auml;nge gibt, aber wir k&ouml;nnen sie nicht belegen.<br>\nM&uuml;ssen wir deshalb dazu schweigen? Meines Erachtens nicht. Wer die Existenz von Einflussagenten in den Parteien des linken Spektrums nicht glauben will, kann getrost darauf verzichten. Sie oder er werden dann aber immer wieder r&auml;tseln m&uuml;ssen, weil sie wichtige Vorg&auml;nge nicht mehr verstehen.<\/p><p>Im Wahljahr 1972, das war vor 40 Jahren, haben die herrschenden Kreise den Unfall von 1969 korrigieren wollen. Damals kam der erste sozialdemokratische Bundeskanzler an die Macht, Willy Brandt. Das sollte ein Betriebsunfall bleiben. Deshalb wurden Abgeordnete der SPD und des Koalitionspartners FDP abgeworben. Deshalb wurde dann im Wahlkampf und im Vorfeld des Wahlkampfes mit viel Geld mobilisiert. Damals auch mit Hilfe anonymer Gruppen, die sich mit zahllosen Anzeigen in den Wahlkampf einmischten. (Siehe dazu &bdquo;Klassenkampf von oben&ldquo; bei rororo aktuell und meine Dokumentation <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2381\">Willy w&auml;hlen 72<\/a>) <\/p><p>Diese Attacke konnte damals noch einmal abgewehrt werden, allerdings nur mit einer Gegenattacke, die die Machenschaften des Gro&szlig;en Geldes offen legte. Und mit einem klaren Profil. Darin liegt die Parallelit&auml;t von heute und damals. Deshalb auch der Hinweis auf diese fr&uuml;here Auseinandersetzung.<\/p><p>Heute sind die M&ouml;glichkeiten der herrschenden Kreise um vieles weiter ausgebaut. Es gibt kaum mehr kritischen Medien &ndash; der Ausfall des Spiegel ist quasi perfekt, und es gibt offensichtlich einen wesentlich neoliberal bestimmten Zirkel aus Medienkonzernen, Talkshowproduzenten und- Moderatoren\/innen, Finanzwirtschaft, PR Agenturen und den dazugeh&ouml;rigen rechtskonservativen Parteien. <\/p><p>Wenn man dagegen punkten will, dann muss man alle M&ouml;glichkeiten nutzen. Die Linkspartei hat dies jetzt nicht getan. Das ist schade, weil ihr ein beachtliches St&uuml;ck Verantwortung daf&uuml;r aufgeb&uuml;rdet war, &uuml;berhaupt noch einmal f&uuml;r eine Alternative zu sorgen.<\/p><p><em>(Nachtr&auml;glich erweiterte Fassung von 19 Uhr 30)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13317\">Artikel von gestern<\/a> hat ein widerspr&uuml;chliches Echo ausgel&ouml;st. Eine Erg&auml;nzung ist jedenfalls angebracht. 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