{"id":133297,"date":"2025-05-22T12:00:13","date_gmt":"2025-05-22T10:00:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=133297"},"modified":"2025-05-23T21:47:58","modified_gmt":"2025-05-23T19:47:58","slug":"stimmen-aus-ungarn-merz-vom-ewigen-verlierer-zum-gescheiterten-kanzler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=133297","title":{"rendered":"Stimmen aus Ungarn: Merz \u2013 Vom ewigen Verlierer zum gescheiterten Kanzler?"},"content":{"rendered":"<p>Der neue deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz versucht, mit einem harten Russland-Kurs und der Nutzung des Ukraine-Krieges als Hebel europ&auml;ische F&uuml;hrung zur&uuml;ckzugewinnen und die deutsche Wirtschaftskrise zu l&ouml;sen. Merz setzt damit Deutschland und die EU einem hohen Risiko aus und k&ouml;nnte sich selbst als ewigen Verlierer der deutschen Politik etablieren. Ein Beitrag von <strong>G&aacute;bor Stier<\/strong>, aus dem Ungarischen &uuml;bersetzt von <strong>&Eacute;va P&eacute;li<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7434\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-133297-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250522_Stimmen_aus_Ungarn_Merz_Vom_ewigen_Verlierer_zum_gescheiterten_Kanzler_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250522_Stimmen_aus_Ungarn_Merz_Vom_ewigen_Verlierer_zum_gescheiterten_Kanzler_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250522_Stimmen_aus_Ungarn_Merz_Vom_ewigen_Verlierer_zum_gescheiterten_Kanzler_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250522_Stimmen_aus_Ungarn_Merz_Vom_ewigen_Verlierer_zum_gescheiterten_Kanzler_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=133297-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250522_Stimmen_aus_Ungarn_Merz_Vom_ewigen_Verlierer_zum_gescheiterten_Kanzler_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250522_Stimmen_aus_Ungarn_Merz_Vom_ewigen_Verlierer_zum_gescheiterten_Kanzler_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Der beharrliche Friedrich Merz, der von Angela Merkel lange Zeit in den Hintergrund gedr&auml;ngt wurde, sich deshalb in der Gesch&auml;ftswelt bei einem US-amerikanischen multinationalen Unternehmen [BlackRock, Anm. d. Red.] tr&ouml;stete und erst im dritten Anlauf an die Spitze der Partei gew&auml;hlt wurde, erreichte schlie&szlig;lich den Gipfel. Doch als Kanzler beginnt er aus einer schwierigeren Position als vielleicht jeder seiner Vorg&auml;nger. Er gewann von vornherein mit dem zweitschlechtesten Ergebnis in der Geschichte der CDU und man&ouml;vrierte sich im Wahlkampf in eine Lage, in der er im Wesentlichen nur mit den stark geschw&auml;chten Sozialdemokraten eine Koalition bilden konnte. Als die Koalitionsverhandlungen abgeschlossen waren, wurde die CDU in der Popularit&auml;t in beispielloser Weise von der in politische Quarant&auml;ne gehaltenen AfD &uuml;berholt. Doch als ob das Merz&rsquo; Antritt nicht schon genug belastet h&auml;tte, erhielt der CDU-Chef bei seiner Wahl zum Kanzler eine historische Ohrfeige. Im ersten Wahlgang bekam er keine Mehrheit. So etwas gab es im Bundestag seit 1949 nicht. Danach ging er bereits als geschw&auml;chter Kanzler auf seine erste Auslandsreise nach Paris.<\/p><p>Zur tiefen Krise des deutschen Wirtschafts- und Strategiemodells, das durch die Migrationsfrage stark belastet ist, kam die politische Unsicherheit um den Amtsantritt des Kanzlers hinzu. Das sind keine guten Nachrichten f&uuml;r die desorientierten Deutschen, aber auch nicht f&uuml;r die Europ&auml;er. Denn wie man es auch dreht und wendet, Deutschland hat die Europ&auml;ische Union zwar seit fast einem Jahr mit seinen inneren Problemen allein gelassen, ist aber immer noch ihre F&uuml;hrungsmacht und ihr Motor. Seine jetzige Krise bedeutet einen R&uuml;ckschritt f&uuml;r das gemeinsame europ&auml;ische Projekt. Der Handlungsspielraum von Merz ist in dieser Situation ziemlich eng.<\/p><p>Er ist von vornherein der unbeliebteste Kanzler der j&uuml;ngeren Geschichte, die AfD sitzt der CDU\/CSU im Nacken, sodass die neue deutsche Regierung ihre Amtszeit ohne Schonfrist beginnen musste. Nicht nur die geopolitischen und wirtschaftlichen Entwicklungen setzen sie unter Druck, sondern auch die deutsche Gesellschaft, die sp&uuml;rbar skeptisch ist und wenig Vertrauen in den Erfolg der alt-neuen politischen Kraft hat. Und wie die Abstimmung im Bundestag zeigte, gibt es auch in den Reihen der Partei Zweifler. Stabilit&auml;t ist also nicht gegeben, sie muss vom neuen Kanzler erst geschaffen werden.<\/p><p><strong>Merz&rsquo; Offensive: Europ&auml;ische F&uuml;hrung und Eskalation mit Russland<\/strong><\/p><p>Die neue Berliner F&uuml;hrung trat zudem in einer Zeit ihr Amt an, in der die Europ&auml;ische Union mit der gr&ouml;&szlig;ten strategischen und geopolitischen Unsicherheit seit dem Ende des Kalten Krieges vor 35 Jahren konfrontiert ist.<\/p><p>Am Rande Europas tobt ein Krieg, der nicht nur die Sicherheit des Kontinents, sondern aufgrund der fehlerhaften Politik auch seine wirtschaftliche Wettbewerbsf&auml;higkeit sichtbar schw&auml;cht. Zudem hat sich das transatlantische Verh&auml;ltnis dramatisch verschlechtert. Merz versucht, diese tiefe und vielschichtige Krise zu &uuml;berwinden und gleichzeitig die F&uuml;hrung von den Briten und Franzosen zur&uuml;ckzuerobern, die im Machtvakuum das europ&auml;ische Steuerrad an sich gerissen haben. So will er alle in der Frage der Haltung zu Russland und des Krieges in der Ukraine &uuml;bert&ouml;nen. Er stellt Ultimaten, setzt Moskau Fristen, droht mit der Lieferung von Taurus-Raketen und Sanktionen. Mit diesem etwas kindischen oder eher verzweifelten Verhalten, das den Anschein von Selbstvertrauen erweckt, versucht der Kanzler, die Aufmerksamkeit auf sich, auf Deutschland und auf das an den Rand gedr&auml;ngte Europa zu lenken &ndash; und gleichzeitig von allem abzulenken, was den neugierigen und misstrauischen Blick auf sich zieht und das Image eines starken europ&auml;ischen Anf&uuml;hrers tr&uuml;bt.<\/p><p>Und &auml;hnlich wie die von postimperialen Tr&auml;umen getriebenen Briten und die nach europ&auml;ischen Machtambitionen strebenden Franzosen scheint er zu glaubten, dass der Konflikt in der Ukraine eine hervorragende Gelegenheit ist, hart durchzugreifen und die globale Initiative zur&uuml;ckzuerobern.<\/p><p>In der ver&auml;nderten globalen Landschaft erweist sich dieses Vorgehen als realit&auml;tsferne Illusion. Der europ&auml;ische Mainstream, verhaftet in &uuml;berholten Narrativen, verkennt die Zeichen der Zeit. W&auml;hrend die US-Regierung bereits die aussichtslose Lage in der Ukraine erkannt hat und sich zur&uuml;ckzieht, setzen die europ&auml;ischen &bdquo;Willigen&ldquo; zynischerweise auf eine Fortsetzung des Krieges, um Zeit f&uuml;r den Aufbau eigener Verteidigungsf&auml;higkeiten zu gewinnen und Russland zu schw&auml;chen.<\/p><p>Zynischerweise wird die russische Gefahr gesch&uuml;rt und aufrechterhalten, um in den westlichen Gesellschaften die Akzeptanz f&uuml;r die Lasten des Wiederaufbaus der in den vergangenen Jahrzehnten str&auml;flich vernachl&auml;ssigten Verteidigung und der notwendigen Aufr&uuml;stung zu erzeugen. Die Militarisierung, die &uuml;ber moralische Aspekte hinaus wenig sinnvolle, aber beharrliche Unterst&uuml;tzung der Ukraine und die damit verbundene Aufnahme enormer gemeinsamer Schulden beschleunigen die F&ouml;deralisierung der Europ&auml;ischen Union auf wohl&uuml;berlegte und unumkehrbare Weise. Merz versucht nun, sich an die Spitze dieser europ&auml;ischen Politik zu stellen, die von falsch verstandenen Interessen ausgeht, und das Steuerrad zur&uuml;ckzuerobern.<\/p><p><strong>Merz&rsquo; Kurs: Zwischen Rhetorik und Realit&auml;tsverlust<\/strong><\/p><p>F&uuml;r Merz ist die Ukraine-Krise paradoxerweise auch eine Art Wendepunkt. Die vehemente kriegsbef&uuml;rwortende Haltung des neuen, von BlackRock &bdquo;delegierten&ldquo; deutschen Kanzlers entspringt auch der oben genannten Denkweise, dass die EU stark verschuldet werden muss, um endlich eine vollst&auml;ndige finanzielle Einheit mit zentraler Besteuerung zu schaffen.<\/p><p>All dies wurde durch die Programmrede von Friedrich Merz im Bundestag veranschaulicht, in der er ausf&uuml;hrlich &uuml;ber den Krieg in der Ukraine und die Sicherheitsherausforderungen f&uuml;r Europa sprach. Laut seinen Worten greifen 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und im 35. Jahr der deutschen Wiedervereinigung die Feinde der Freiheit und der liberalen Demokratie diese st&auml;rker an als je zuvor.<\/p><p>In Bezug auf den f&auml;lschlicherweise zu einer existenziellen Frage gemachten Ukraine-Konflikt erkl&auml;rte Merz, dass der Ausgang des Krieges nicht nur &uuml;ber das Schicksal der Ukraine entscheidet, sondern auch dar&uuml;ber, ob Recht und Ordnung in Europa und der Welt herrschen oder ob milit&auml;rische Gewalt, Tyrannei und das Recht des St&auml;rkeren gelten.<\/p><p>Laut Merz steht mit dem Krieg der Frieden des gesamten Kontinents auf dem Spiel. In Bezug auf den Ukraine-Krieg erkl&auml;rte Merz, dass Deutschland keine Kriegspartei, aber auch nicht neutral sei. Aus der Lagebeurteilung zog er schlie&szlig;lich den Schluss, &bdquo;dass wir in der Lage sein m&uuml;ssen, uns zu verteidigen, damit wir uns nicht verteidigen m&uuml;ssen&ldquo;.<\/p><p>Aus all dem k&ouml;nnen wir den Schluss ziehen, dass sich mit dem Sieg der CDU die Berliner Politik, die die deutschen Interessen falsch interpretiert oder ignoriert, nicht &auml;ndern wird. Berlin will sich, eingebettet in den europ&auml;ischen Mainstream, nicht eingestehen, dass Trump und sein Team, die aufgrund ideologischer Gegens&auml;tze fast als Feinde behandelt werden, die Ver&auml;nderungen in der Welt richtig einsch&auml;tzen, w&auml;hrend Europa, irgendwo in der Vergangenheit verhaftet, Herausforderungen ideologisch statt interessenorientiert angeht und, anstatt seine eigenen Probleme zu l&ouml;sen, die Rolle des Verteidigers und F&uuml;hrers der progressiven liberalen Ordnung von den sich abwendenden USA &uuml;bernehmen will. Doch diese Welt existiert nicht mehr.<\/p><p>Merz verkennt jedoch auch, dass ein bedeutender Teil der deutschen Gesellschaft die AfD gew&auml;hlt hat, weil viele kein Vertrauen mehr in die traditionellen Parteien haben. Und das zu Recht, denn anstatt die deutsche Deindustrialisierung, den dramatischen R&uuml;ckgang der Wettbewerbsf&auml;higkeit, den revolution&auml;ren gr&uuml;nen &Uuml;bergang und die Folgen der Migration zu bew&auml;ltigen und die bisherige verfehlte Politik zu korrigieren, werden wieder nur kosmetische Ma&szlig;nahmen vorgenommen. Die Krise der deutschen Wirtschaft wird dadurch nicht gel&ouml;st. Die Ankurbelung der Verteidigungsindustrie und die damit verbundene Aufhebung der Schuldenbremse sind f&uuml;r die strukturellen Probleme allein keine L&ouml;sung. Zudem droht die fehlerhafte Ukraine-Politik Deutschland unmittelbar in einen eskalierenden globalen Konflikt zu verwickeln.<\/p><p><em>Der Beitrag ist auf Ungarisch <a href=\"https:\/\/moszkvater.com\/kilep-e-merz-az-orok-vesztes-szerepebol\/\">auf moszkvater.com erschienen<\/a>.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: Shutterstock \/ Ryan Nash Photography<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/ec4c4349140c409d869f0a071611f97e\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der neue deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz versucht, mit einem harten Russland-Kurs und der Nutzung des Ukraine-Krieges als Hebel europ&auml;ische F&uuml;hrung zur&uuml;ckzugewinnen und die deutsche Wirtschaftskrise zu l&ouml;sen. Merz setzt damit Deutschland und die EU einem hohen Risiko aus und k&ouml;nnte sich selbst als ewigen Verlierer der deutschen Politik etablieren. Ein Beitrag von <strong>G&aacute;bor Stier<\/strong>, aus<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=133297\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":133298,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,198,165],"tags":[718,783,1367,1177,392,260],"class_list":["post-133297","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-einzelne-politiker-personen-der-zeitgeschichte","category-innen-und-gesellschaftspolitik","tag-bundestagswahl","tag-merz-friedrich","tag-ruestungsausgaben","tag-rezession","tag-schuldenbremse","tag-ukraine"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/shutterstock_2601946653.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/133297","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=133297"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/133297\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":133511,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/133297\/revisions\/133511"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/133298"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=133297"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=133297"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=133297"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}