{"id":133345,"date":"2025-05-23T09:00:22","date_gmt":"2025-05-23T07:00:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=133345"},"modified":"2025-05-23T16:45:01","modified_gmt":"2025-05-23T14:45:01","slug":"wir-sind-keine-bewegung-wir-sind-eine-partei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=133345","title":{"rendered":"\u201eWir sind keine Bewegung, wir sind eine Partei\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Alexander King<\/strong> ist Gr&uuml;ndungsmitglied des BSW und Landesvorsitzender der Partei in Berlin. Seit seinem Bruch mit der Linksfraktion sitzt er als fraktionsloser Einzelabgeordneter im Berliner Landesparlament. Im Interview mit <strong>Rainer Balcerowiak<\/strong> skizziert King die aktuelle Situation des BSW und die anstehenden Aufgaben.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6552\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-133345-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250523_Wir_sind_keine_Bewegung_wir_sind_eine_Partei_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250523_Wir_sind_keine_Bewegung_wir_sind_eine_Partei_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250523_Wir_sind_keine_Bewegung_wir_sind_eine_Partei_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250523_Wir_sind_keine_Bewegung_wir_sind_eine_Partei_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=133345-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250523_Wir_sind_keine_Bewegung_wir_sind_eine_Partei_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250523_Wir_sind_keine_Bewegung_wir_sind_eine_Partei_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Rainer Balcerowiak: Das BSW ist immer noch damit besch&auml;ftigt, den Schock des verpassten Einzugs in den Bundestag zu verarbeiten. Wo steht denn die Partei jetzt?<\/strong><\/p><p><strong>Alexander King<\/strong>: Sie steht jetzt vor allem am Anfang, jedenfalls was den Strukturaufbau betrifft. Bislang waren wir quasi permanent in Wahlk&auml;mpfen. Jetzt ist wichtig, dass wir Gebietsverb&auml;nde gr&uuml;nden und sehr viele neue Mitglieder aufnehmen. Und was den Schock betrifft: Nat&uuml;rlich w&auml;re die Stimmung besser, wenn wir es geschafft h&auml;tten. Aber ein Schock w&auml;re es gewesen, wenn wir jetzt wirklich nur drei Prozent, wie manche Umfrageinstitute uns vorausgesagt haben, erreicht h&auml;tten. Das Ergebnis von f&uuml;nf Prozent war f&uuml;r mich jedenfalls kein Schock.<\/p><p><strong>Das BSW hat seit seiner Gr&uuml;ndung in starkem Ma&szlig;e von der Beliebtheit und der Medienpr&auml;senz seiner Gr&uuml;nderin und Bundestagsgruppenvorsitzenden Sahra Wagenknecht gelebt. Doch beides ist seit der verlorenen Wahl zur&uuml;ckgegangen. Die von ihr bzw. in ihrem Namen verbreiteten BSW-Statements wirken seitdem manchmal redundant, ohne nennenswerte Au&szlig;enwirkung. Wie kann das BSW medial und politisch wieder in die Offensive kommen?<\/strong><\/p><p>Also ich finde nicht, dass ihre Statements redundant und ohne Au&szlig;enwirkung sind. Besonders wenn es um die Ukraine-Politik Deutschlands geht, wird Sahra Wagenknecht nach wie vor in vielen Medien teilweise ausf&uuml;hrlich zitiert. Aber es ist nat&uuml;rlich schwieriger geworden. Medienarbeit funktioniert sehr stark auch &uuml;ber die parlamentarische Arbeit. Das merke ich auch in Berlin. Ich komme ja nicht als BSW-Landesvorsitzender in die Medien, sondern vor allem als Abgeordneter. Die Kapazit&auml;ten, die wir im parlamentarischen Bereich haben, m&uuml;ssen wir st&auml;rker nutzen. Wir haben nicht nur eine Bundestagsgruppe verloren, sondern wir haben eine Gruppe im Europaparlament dazugewonnen, und wir haben drei Fraktionen in Landesparlamenten. Fabio De Masi als EU-Abgeordneter macht das sehr gut, er ist medial sehr pr&auml;sent, aber wir haben noch viele andere Leute, die wir ein bisschen nach vorne bringen m&uuml;ssen.<\/p><p><strong>In der Aufarbeitung der Wahlschlappe bei der Bundestagswahl werden neben der organisatorischen Schw&auml;che oft die anhaltenden Querelen in Th&uuml;ringen genannt. Das hat sicherlich eine Rolle gespielt, schlie&szlig;lich hat das BSW nach der Koalitionsbildung in Th&uuml;ringen bei der Bundestagswahl 66.000 Stimmen im Vergleich zur Landtagswahl verloren. Aber wenig h&ouml;rt man &uuml;ber die Bedeutung des Abstimmungsverhaltens der BSW-Gruppe im Bundestag Ende Januar bei den Antr&auml;gen der CDU zur Migrationspolitik. Will man dar&uuml;ber jetzt nicht mehr reden?<\/strong><\/p><p>Bei dem Entschlie&szlig;ungsantrag der CDU haben wir uns enthalten, und dem Gesetzentwurf der CDU haben wir zugestimmt, weil es unserer politischen Programmatik entsprach. Bestandteile dieses Gesetzentwurfs, der damals so skandalisiert wurde, sind heute Teil des Koalitionsvertrags. Es waren ja keine vollkommen abwegigen Forderungen, die da drinstanden. Da ging es um Kompetenzen f&uuml;r die Bundespolizei und um das Aufenthaltsgesetz mit der Zielsetzung, dass man eben Zuwanderung nicht nur kontrollieren, sondern auch begrenzen m&ouml;chte.<\/p><p>Ich bin jedenfalls nicht der Meinung, dass uns das stark geschadet hat, weil sich das &uuml;berhaupt nicht abbildet, wenn man die Umfragen betrachtet. Wir standen nach den Abstimmungen nicht schlechter da als in den Wochen davor. Eher im Gegenteil: Je n&auml;her die Wahlen r&uuml;ckten, desto mehr sind ja die meisten Umfrageinstitute wieder an die F&uuml;nf-Prozent-H&uuml;rde ger&uuml;ckt, auch solche, die uns bis dahin teilweise nur noch bei drei Prozent gesehen haben.<\/p><p>Also jenseits von subjektiven Erz&auml;hlungen &uuml;ber Menschen, die sich nach diesen Abstimmungen von uns abgewendet haben, l&auml;sst sich nicht belegen, dass uns das geschadet hat. Und dieser Gesetzentwurf ist ja nicht vom Himmel gefallen, der war schon seit Herbst 2024 im Verfahren, in den Aussch&uuml;ssen, und da haben wir auch zugestimmt. Wie h&auml;tte das denn ausgesehen, wenn wir dann pl&ouml;tzlich aus Opportunismus unser Abstimmungsverhalten ver&auml;ndert h&auml;tten? Das h&auml;tte unserer Glaubw&uuml;rdigkeit sehr stark geschadet.<\/p><p>Die R&uuml;ckmeldungen, die wir nach den Abstimmungen erhalten haben, waren sehr unterschiedlich. Einige hatten den Tenor, deswegen kann ich euch nicht mehr w&auml;hlen. Aber mehrheitlich war der Tenor, wenn ihr nicht zugestimmt h&auml;ttet, dann h&auml;tten wir euch nicht mehr gew&auml;hlt. Insofern war es f&uuml;r uns eine schwierige Situation, in der wir nichts gewinnen konnten.<\/p><p><strong>Die in der Anfangszeit nachvollziehbare, sehr restriktive Aufnahmepraxis f&uuml;r Mitglieder hat sich nicht nur im Wahlkampf als Hemmschuh f&uuml;r das BSW entwickelt. Die Partei ist offensichtlich nicht umfassend kampagnenf&auml;hig. War und ist das BSW durch seine starke Fixierung auf parlamentarische Repr&auml;sentanz &uuml;berhaupt in der Lage, sich auch als starke au&szlig;erparlamentarische Opposition zu formieren und breite politische Bewegungen zu initiieren?<\/strong><\/p><p>Die restriktive Aufnahmepolitik war gut begr&uuml;ndet und auch sinnvoll am Anfang. H&auml;tte es die vorgezogene Bundestagswahl nicht gegeben, dann h&auml;tten wir bis zum regul&auml;ren Termin nat&uuml;rlich viel mehr Mitglieder gehabt und auch viel mehr Unterst&uuml;tzer, die quasi die Aufnahme als Mitglied vor Augen gehabt h&auml;tten. So hatten wir wirklich zu wenig Manpower. Denn der Wahlkampf findet zwar auch im Netz, aber im Wesentlichen auch auf der Stra&szlig;e statt. Und bei vielen Unterst&uuml;tzern, die nach mehreren vorangegangenen Wahlk&auml;mpfen immer noch keine Mitglieder waren, sank nat&uuml;rlich auch die Motivation.<\/p><p>Deswegen ist uns das ein bisschen auf die F&uuml;&szlig;e gefallen. Es war trotzdem richtig, weil wenn wir von Anfang an die Tore aufgemacht h&auml;tten, dann g&auml;be es uns vielleicht schon gar nicht mehr. Aber jetzt muss es eine &Auml;nderung geben, und die gibt es auch. Das Ziel ist, alle Unterst&uuml;tzer, die das wollen, aufzunehmen, wobei wir nat&uuml;rlich weiterhin darauf achten, absolute Querulanten fernzuhalten.<\/p><p><strong>Nicht nur f&uuml;r Wahlk&auml;mpfe, sondern auch f&uuml;r au&szlig;erparlamentarische Kampagnenf&auml;higkeit braucht man viele Leute, richtig. Aber man braucht auch den Willen und die F&auml;higkeit der Parteispitze, sich darauf zu orientieren. Sahra Wagenknecht hat wenige Wochen vor der Wahl gesagt: &bdquo;Wer nicht im Bundestag ist, ist in der deutschen Politik kein relevanter Faktor mehr.&ldquo; Klingt das nicht eher demotivierend?<\/strong><\/p><p>Eine politische Partei gr&uuml;ndet sich, um gew&auml;hlt zu werden und im Parlament eine Rolle zu spielen und eben die Interessen oder den &Auml;rger der W&auml;hler ins Parlament zu tragen. Aber wir m&uuml;ssen nat&uuml;rlich trotzdem auch auf der Stra&szlig;e sichtbar sein. Waren wir auch, etwa bei den Osterm&auml;rschen, wo wir als BSW deutlich pr&auml;sent waren; oder am 8.Mai, wo unsere Kranzniederlegungen an Ehrenmalen auch medial rezipiert wurde. Am Ehrenmal am Berliner Tiergarten ging es auch um das Auftreten von ukrainischen Gruppen, mit &uuml;belster antirussischer Hetze und sogar einer NATO-Flagge. Da wurden dann z.B. die Parteivorsitzende Amira Mohammed Ali und ich im <em>Tagesspiegel<\/em> zitiert. Das ist ein gutes Beispiel daf&uuml;r, dass man nicht nur mit parlamentarischer Arbeit, sondern auch mit &ouml;ffentlicher Pr&auml;senz Wirkung erzielen kann. Trotzdem: Wir sind keine Bewegung, wir sind eine Partei, die nat&uuml;rlich auch auf der Stra&szlig;e so gut wie es geht sichtbar sein muss &ndash; jetzt, wo wir nicht mehr im Bundestag sind, erst recht.<\/p><p><strong>Im kommenden Jahr stehen f&uuml;nf Landtagswahlen auf dem Programm. In mehreren Landesverb&auml;nden h&auml;ufen sich derzeit, aus welchen Gr&uuml;nden auch immer, aber Austritte; zum Beispiel in Mecklenburg-Vorpommern, wo sich in Rostock, der gr&ouml;&szlig;ten Stadt, sogar die BSW-Stadtratsfraktion aufgel&ouml;st hat. Und die Landespartei ist in Umfragen von teilweise bis zu 16 Prozent inzwischen auf sechs Prozent eingebrochen. Was l&auml;uft da schief, und was muss man tun?<\/strong><\/p><p>Ich kann anderen Landesverb&auml;nden keine Tipps geben und kann auch die Situation in Meck-Pomm nicht beurteilen. Aber ich halte solche Prozesse in der Aufbauphase einer Partei, was ja ein sehr steiniger und schwieriger Weg ist, f&uuml;r normal und unvermeidlich. Da kommen Leute zusammen, die sich nicht kennen, die vielleicht auch unterschiedliche Vorstellungen haben von dem, was das BSW sein soll, und dann gibt es Kl&auml;rungsprozesse. Manche Leute gehen dann auch wieder, manche kommen dann neu dazu und so weiter. Also da mache ich mir jetzt nicht so viele Gedanken. Das sind sozusagen Wachstumsschmerzen.<\/p><p><strong>Kommen wir mal zu Berlin, wo 2026 ebenfalls gew&auml;hlt wird. Im Vergleich zu anderen Bundesl&auml;ndern hat sich das Berliner BSW bei der Bundestagswahl recht gut gehalten, auch im Vergleich zum EU-Wahlergebnis. Die Partei liegt in Umfragen dort stabil bei sieben Prozent. Dennoch scheint es im Landesverband auch ziemlich zu knirschen. Etwas zugespitzt formuliert: Wenn man sich bei bestimmten BSW-Events ein bisschen umh&ouml;rt, bekommt man schnell den Eindruck, dass es einigen der immer noch handverlesenen Mitglieder weniger um politische Kampagnenf&auml;higkeit geht, sondern um die Bildung von Seilschaften im Hinblick auf k&uuml;nftige Mandate, Jobs und Posten. Wie erleben Sie das denn?<\/strong><\/p><p>Das will ich nicht bestreiten. Das ist leider etwas, was dem Wesen von Parteien immanent ist. Parteien haben den Daseinszweck, das politische Personal zu rekrutieren und Mandate zu vergeben. Nat&uuml;rlich gibt es immer Leute, denen das besonders wichtig ist. Und wir haben jetzt eine Wahl vor der T&uuml;r, da sp&uuml;rt man das schon, dass sich da Leute irgendwie in Positionen bringen wollen. Das beunruhigt mich jetzt nicht total, aber es darf halt nicht &Uuml;berhand nehmen. Ich m&ouml;chte schon, dass wir vor allem &uuml;ber Politik sprechen und &uuml;ber das, was die B&uuml;rger bewegt; und nicht so viel dar&uuml;ber, wer sich jetzt wie am besten in Stellung bringt f&uuml;r die Aufstellungen im n&auml;chsten Jahr.<\/p><p><strong>&Ouml;ffentlich und inhaltlich einigerma&szlig;en sichtbar ist das BSW eigentlich nur bei Veranstaltungen rund um die Kernthemen Frieden und Aufr&uuml;stung &ndash; und das auch nur recht begrenzt, wie etwa beim Ostermarsch. Auch wenn Sie den als Erfolg einsch&auml;tzen: Es ist doch nach wie vor so, dass jede Schwurbel-Demo &bdquo;gegen Rechts&ldquo; deutlich mehr Menschen auf die Stra&szlig;e bringt als zum Beispiel der Ostermarsch. Da komme ich wieder zu der Frage: Ist das BSW &uuml;berhaupt willens und in der Lage, sich auch als Bewegungspartei zu entwickeln? In der Aufbruchphase, das war noch vor der BSW-Gr&uuml;ndung, kamen im Februar 2023 rund 50.000 Menschen zu einer gro&szlig;en Friedenskundgebung mit Sahra Wagenknecht und Alice Schwarzer zum Brandenburger Tor. Wo sind die denn jetzt alle?<\/strong><\/p><p>Schwierige Frage. Das war ein toller Moment, aber der l&auml;sst sich auch nicht beliebig oft wiederholen, das war ja auch ein riesiger organisatorischer Kraftakt. Das waren ja auch nicht die klassischen Demo-Teilnehmer, sondern viele Familien und Menschen aus ganz unterschiedlichen Altersklassen, ganz normale Leute. Und die haben normalerweise was anderes zu tun, als auf die Stra&szlig;e zu gehen und zu demonstrieren.<\/p><p>Bei den &bdquo;Gegen Rechts&ldquo;-Demos ist das ganz was anderes. Das sind gut vernetzte, hochaktive Menschen mit hoher Zeitautonomie, also privilegierte Schichten. Das ist halt eine andere Klasse, sage ich mal, die da auf die Stra&szlig;e geht. Aber nat&uuml;rlich ist es eine zentrale Aufgabe f&uuml;r uns und die ganze Friedensbewegung, wieder mehr Leute zu mobilisieren und vielleicht auch manchmal aus gewohnten Gleisen ein bisschen rauszufahren und zu gucken, wie man wirklich wieder breiter wird.<\/p><p><strong>Das BSW ist unbestritten die einzige nennenswerte politische Kraft, die konsequent gegen Krieg, Aufr&uuml;stung und Militarisierung der gesamten Gesellschaft steht. Aber reicht das wirklich aus, um zum Beispiel bei Landtagswahlen als umfassende Alternative f&uuml;r Vernunft und Gerechtigkeit wahrgenommen zu werden? Noch mal zu Berlin: Da brennt es an allen Ecken und Enden. Mieten, Bauen, Wohnungslosigkeit, Verkehr, Schulen, Gesundheitsversorgung, Kultur usw. Manchen BSW-Mitgliedern scheint aber zu reichen, sich mit Friedenstransparenten bei irgendwelchen Kleinkundgebungen oder am Rand gr&ouml;&szlig;erer Veranstaltungen in Szene zu setzen, um das dann flei&szlig;ig bei <\/strong><em><strong>Facebook<\/strong><\/em><strong>, <\/strong><em><strong>X<\/strong><\/em><strong> oder <\/strong><em><strong>Instagram<\/strong><\/em><strong> in entsprechenden Blasen zu verbreiten. Aber was hat das BSW denn landespolitisch zu bieten?<\/strong><\/p><p>Zum einen ist unser &bdquo;Markenkern&ldquo; ja auch in der Landes- und Bezirkspolitik wichtig. Da geht es z.B. um Fragen wie Bundeswehr-Werbung an Haltestellen und Fahrzeugen der Verkehrsbetriebe. Oder es geht um die rund 200.000 russischst&auml;mmigen B&uuml;rger in Berlin, die durch diese Kriegsrhetorik an den Rand gedr&auml;ngt werden. Dann geht es auch um St&auml;dtepartnerschaften und wie die von Berliner Seite betrieben werden, etwa zu Moskau, Kiew oder Tel Aviv. Das sind alles auch landespolitische Themen, die mit Friedenspolitik zu tun haben.<\/p><p>Aber wir vernetzen uns auch in anderen Bereichen, vor allem in Bezug auf die katastrophale Wohnraumlage in Berlin. Ich mache sehr viel mit Mieterinitiativen, deren Belange ich dann auch als Anfragen in das Abgeordnetenhaus bringe. Und in den Bezirken machen das unsere Vertreter auch. Das ganze Thema Mieten\/Wohnen ist f&uuml;r uns extrem wichtig. Ich werde im Abgeordnetenhaus auch in den Stadtentwicklungsausschuss wechseln. Verkehr ist auch ein wichtiges Thema. Wir stehen ja f&uuml;r eine andere Verkehrspolitik als zum Beispiel Die Linke oder die Gr&uuml;nen. Wir sind zwar nicht die &bdquo;Autopartei&ldquo;, aber auch nicht die autofeindliche Partei. Was da in einigen Teilen der Stadt mit Verpollerung von Durchgangsstra&szlig;en und Wegfall von Parkpl&auml;tzen passiert, sorgt f&uuml;r gewaltigen Unmut.<\/p><p>Das muss nat&uuml;rlich f&uuml;r die Wahlen im Herbst 2026 alles noch genauer und konkreter gefasst werden. Es gibt politische Eckpunkte des Landesvorstands und insgesamt 15 Arbeitsgruppen zu den verschiedenen Themenbereichen, die weiter daran arbeiten. Und durch die forcierte Aufnahme neuer Mitglieder werden wir auch viel sachbezogene Expertise dazugewinnen.<\/p><p><strong>Welche Zielgruppen kann und will das BSW eigentlich erreichen? W&auml;hrend die eigentlich schon tot geglaubte Linke vor allem bei j&uuml;ngeren Menschen enormen Zulauf verzeichnet und bei den Bundestagswahlen in Berlin sogar st&auml;rkste Partei wurde, hat das BSW in diesen Gruppen eher wenig Zulauf. Schr&auml;ge Statements wie das von Sevim Dagdelen <a href=\"https:\/\/www.sevimdagdelen.de\/persoenliche-erklaerung-zur-abstimmung-ueber-das-gesetz-zur-teil-legalisierung-von-cannabis\/\">gegen die Entkriminalisierung des Cannabiskonsums<\/a> wirken da auch seltsam aus der Zeit gefallen. Und das betrifft auch die soziokulturellen &Auml;u&szlig;erungsformen, wie sie Die Linke entwickelt und perfektioniert hat. Hat das BSW da komplett was verschlafen?<\/strong><\/p><p>So w&uuml;rde ich das nicht sehen. Unser Wahlergebnis bei den unter 25-J&auml;hrigen liegt prozentual sogar etwas h&ouml;her als im Gesamtergebnis. Aber wir sind jetzt nicht darauf aus, irgendwie so wie Heidi Reichinnek daherzukommen und eine Jugendkultur mitzuspielen. Das ist auch substanzlos und billiger Populismus und hat mit Vernunft und Gerechtigkeit &uuml;berhaupt nichts zu tun. Und was jetzt die Sache mit Cannabis betrifft: Ich wei&szlig;, dass Sevim da einen konservativen Standpunkt hat.<\/p><p><strong>&hellip; aber musste sie den unbedingt in einer eigenen pers&ouml;nlichen Erkl&auml;rung verbreiten? Das ging in sozialen Netzwerken viral und hat mit Sicherheit einiges an Zustimmung, besonders unter j&uuml;ngeren Leuten, gekostet.<\/strong><\/p><p>Das ist ihr gutes Recht, und Sahra Wagenknecht hat auch mehrfach klargestellt, dass sie da eine andere Position vertritt.<\/p><p><strong>Aber man kann doch nicht einfach ausblenden, dass man keinen soziokulturellen Zugang zu bestimmten Gruppen hat, die nicht ganz unwichtig sind. Man kann Die Linke f&uuml;r ihre Politik mit vollem Recht in Grund und Boden kritisieren; aber daf&uuml;r, dass sie erfolgreich in sozialen Medien auftritt und damit Aufmerksamkeit und auch Anh&auml;ngerschaft generiert, wohl nicht.<\/strong><\/p><p>Wenn jemand Erfolg hat, hat er irgendwas richtig gemacht. Wir sind da sicher auch noch ausbauf&auml;hig. Wir haben uns lange, und das war ja auch richtig, auf die gro&szlig;e Social-Media-Pr&auml;senz von Sahra verlassen, und sie hat ja immer noch eine gro&szlig;e Reichweite. Trotzdem m&uuml;ssen wir nat&uuml;rlich weitere Leute da aufbauen und auch die Social-Media-Aktivit&auml;t der Partei an sich ausbauen. Das ist aber auch eine Geld- und Personalfrage, und da sind wir erst am Anfang. Wir arbeiten auch am Aufbau einer Jugendstruktur des BSW. Wobei man sich fragen muss, wen man erreichen will. Das sind vermutlich soziokulturell anders gepr&auml;gte junge Menschen als die, die Die Linke erreicht. Also ich will vor allem auch den Lehrling, den Maurer, die Friseurin erreichen und jetzt nicht unbedingt nur die Abiturientin und den Studenten.<\/p><p><strong>Die klassische Abschlussfrage: Wie wird das BSW nach Ihrer Einsch&auml;tzung in einem Jahr dastehen?<\/strong><\/p><p>Das BSW wird auch in einem Jahr noch bestehen und weiter wachsen, weil der politische Platz, den wir eingenommen haben, sonst unbesetzt bliebe. F&uuml;r Berlin bin ich mir sicher, dass wir dann mit einem sehr guten Programm und sehr guten Kandidaten in den Wahlkampf f&uuml;r das Abgeordnetenhaus starten, getragen von einer stabilen Basis mit deutlich mehr Mitgliedern und Unterst&uuml;tzern.<\/p><p><small>Titelbild: &copy; prviat<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Alexander King<\/strong> ist Gr&uuml;ndungsmitglied des BSW und Landesvorsitzender der Partei in Berlin. Seit seinem Bruch mit der Linksfraktion sitzt er als fraktionsloser Einzelabgeordneter im Berliner Landesparlament. Im Interview mit <strong>Rainer Balcerowiak<\/strong> skizziert King die aktuelle Situation des BSW und die anstehenden Aufgaben.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":133346,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,3444,165,209,190],"tags":[282,718,1120,1113,632,255,1347],"class_list":["post-133345","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-bsw","category-innen-und-gesellschaftspolitik","category-interviews","category-wahlen","tag-buergerproteste","tag-bundestagswahl","tag-friedensbewegung","tag-soziale-medien","tag-wagenknecht-sahra","tag-wahlanalyse","tag-wahlkampf"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Foto_AKing2.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/133345","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=133345"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/133345\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":133471,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/133345\/revisions\/133471"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/133346"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=133345"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=133345"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=133345"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}