{"id":133399,"date":"2025-05-23T14:00:41","date_gmt":"2025-05-23T12:00:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=133399"},"modified":"2025-05-23T16:45:24","modified_gmt":"2025-05-23T14:45:24","slug":"weg-mit-dem-busen-kunst-kultur-und-kritik-bitte-nur-noch-im-passenden-outfit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=133399","title":{"rendered":"Weg mit dem Busen! Kunst, Kultur und Kritik bitte nur noch im passenden Outfit"},"content":{"rendered":"<p>Eine klassizistische Statue musste aus einer Bundesbeh&ouml;rde weichen. Weil sie durch ihre Nacktheit Ansto&szlig; h&auml;tte erregen k&ouml;nnen. Tat sie zwar nicht, aber sicher ist sicher, dachte sich die Gleichstellungsbeauftragte. Ob sie auch das Internet verbieten w&uuml;rde? Ein Akt der Verzweiflung von <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5961\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-133399-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250523_Weg_mit_dem_Busen_Kunst_Kultur_und_Kritik_bitte_nur_noch_im_passenden_Outfit_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250523_Weg_mit_dem_Busen_Kunst_Kultur_und_Kritik_bitte_nur_noch_im_passenden_Outfit_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250523_Weg_mit_dem_Busen_Kunst_Kultur_und_Kritik_bitte_nur_noch_im_passenden_Outfit_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250523_Weg_mit_dem_Busen_Kunst_Kultur_und_Kritik_bitte_nur_noch_im_passenden_Outfit_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=133399-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250523_Weg_mit_dem_Busen_Kunst_Kultur_und_Kritik_bitte_nur_noch_im_passenden_Outfit_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250523_Weg_mit_dem_Busen_Kunst_Kultur_und_Kritik_bitte_nur_noch_im_passenden_Outfit_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Eine bronzene Statue, splitternackt, im &ouml;ffentlichen Raum. Wo gibt&lsquo;s denn sowas? Beziehungsweise: Wo gibt&lsquo;s denn sowas nicht? Also nicht mehr? Antwort: Im Foyer des Bundesamts f&uuml;r zentrale Dienste und offene Verm&ouml;gensfragen (BADV) in Berlin-Wei&szlig;ensee. Bis irgendwann im Sommer des Vorjahres stand da noch die &bdquo;Venus Medici&ldquo; und entz&uuml;ckte mit ihrer Sch&ouml;nheit und Erhabenheit die Ank&ouml;mmlinge einer Beh&ouml;rde, deren Name und Metier so steif, bieder und deutsch anmuten wie Bockwurst mit Senf.<\/p><p>Nun ja, wom&ouml;glich, vielleicht, eventuell mag der Anblick der Figur manch einem die Sinne so berauscht haben, dass ihm die Kontrolle &uuml;ber den Unterleib entglitt und &ndash; Sie wissen schon &hellip; Schlie&szlig;lich soll es ja Zeitgenossen geben, schrieb am Montag die <em>Berliner Zeitung<\/em> (hinter Bezahlschranke), die sich in st&auml;dtischen Parkanlagen an blo&szlig;en Frauen- oder auch M&auml;nnerskulpturen vergehen, beglaubigt durch &bdquo;verr&auml;terisch gl&auml;nzende Ber&uuml;hrungsstellen an gewissen erogenen Zonen&ldquo;. Mithin w&uuml;rden die Schutzlosen sogar schamlos mit Farbe, Speichel oder was auch immer besudelt.<\/p><p><strong>Objekt der Begierde?<\/strong><\/p><p>&Uuml;ber die Venus vom Amt ist derlei nichts &uuml;berliefert. Wie es hei&szlig;t, w&auml;re nie irgendwer gegen sie &uuml;bergriffig geworden, h&auml;tte sie betatscht oder in MeToo-Manier bekleckert. Und keiner habe je geklagt, die Bronze als anst&ouml;&szlig;ig zu empfinden. Und dennoch musste sie weichen, nach zehn langen Jahren, umwittert von b&uuml;rokratischer Muffigkeit. Denn es gab doch wen, offenbar nur eine Einzige, f&uuml;r die ihre Erscheinung zum Problem wurde. Es war dies die Gleichstellungsbeauftragte des Hauses. Von ihr erging ein Hinweis an h&ouml;here Stelle, wonach die metallene Plastik ein sexistisches &Auml;rgernis sein &bdquo;k&ouml;nnte&ldquo;, woraus sich Handlungsbedarf aufgrund des Bundesgleichstellungsgesetzes ergeben w&uuml;rde.<\/p><p>Und so &bdquo;ergab&ldquo; es sich, dass alles ganz schnell ging. Die Alarmierte schlug beim Bundesverwaltungsamt (BVA) Alarm, das die fragliche Liegenschaft bewirtschaftet und dieser Tage, zehn Monate sp&auml;ter, ausrichten lie&szlig;, das vermeintliche Objekt der Begierde Mitte Juli 2024 an die Kunstverwaltung des Bundes &uuml;berstellt zu haben. Allerdings sei das BADV &bdquo;weder &uuml;ber die Entfernung des Kunstwerkes noch &uuml;ber die Gr&uuml;nde informiert&ldquo; worden, teilte dessen Pressestelle mit. Was zweierlei Schl&uuml;sse erlaubt: Das Amt stellt sich dumm, schlie&szlig;lich macht man sich gerade zum Gesp&ouml;tt der <a href=\"https:\/\/www.bild.de\/leben-wissen\/kultur\/wirbel-in-bundesamt-venus-figur-verschwindet-nach-sexismus-beschwerde-6826e7a26ebf7d29dc9297d5\"><em>BILD-Zeitung<\/em><\/a>. Oder es besch&auml;ftigt eine Gleichstellungsbeauftragte, die sich selbstherrlich &uuml;ber Gesch&auml;ftsleitung und Belegschaft stellt und in geheimer Mission das Moralzepter schwingt.<\/p><p><strong>Spirale der Scheinheiligkeit<\/strong><\/p><p>Man mag sich kaum vorstellen, wof&uuml;r die Dame noch so missionieren k&ouml;nnte. Etwa f&uuml;r ein Urlaubsverbot in Hellas? Dort lauern an jeder Ecke nackte K&uuml;nder der klassischen Antike und stellen frivol Busen, Scham und Gem&auml;cht zur Schau. Wie viele empfindsame Gem&uuml;ter mag das schon zur Schamesr&ouml;te und zur griechischen Au&szlig;enstelle f&uuml;r feministische Au&szlig;enpolitik getrieben haben? Deshalb: Hinfort mit Euch, Ihr schmutziges Gesindel, macht Euch von dannen, zur&uuml;ck in die Barbarei der Pr&auml;zivilisation, auf dass wir Euch nicht mehr sehen und nichts mehr von Euch wissen m&uuml;ssen! Und wenn das nicht geht: Zieht Euch wenigstens was &uuml;ber!<\/p><p>Spa&szlig; beiseite, denn spa&szlig;ig ist das alles nicht. Vielmehr bedr&uuml;ckend, be&auml;ngstigend und exemplarisch &ndash; f&uuml;r den grassierenden Geist an Geistlosigkeit, der durch die Republik weht. Denn was ist die &bdquo;Venus Medici&ldquo;? Kunst! Und Kunst muss gesehen, bewundert, bedacht, durchdacht werden. Und ja: Sie soll auch Ansto&szlig; erregen und auf gesellschaftliche Missst&auml;nde sto&szlig;en. Wie zum Beispiel den, dass das Internet voll ist von Obsz&ouml;nit&auml;t, Perversion und Bestialit&auml;t. Heranwachsende werden heute wie selbstverst&auml;ndlich mit Gewalt und Pornographie gro&szlig;, und l&auml;uft es ganz schlecht, werden sie zu Gaffern von Kindesmissbrauch, mithin selbst zu Opfern von Sch&auml;ndern. Das alles verhandelt der Kapitalismus &ndash; und &bdquo;verkauft&ldquo; es buchst&auml;blich &ndash; als Freiheit. Aber einen steinernen Nackedei sollen wir nicht mehr ertragen m&uuml;ssen. Wie weit kann sich die Spirale der Heuchelei noch drehen?<\/p><p><strong>Keusch und gar nicht sexy<\/strong><\/p><p>Ein Akt der Dummheit ist der Fall der verbannten &bdquo;Venus Medici&ldquo; selbst im pers&ouml;nlichsten Sinne. Das im 18. Jahrhundert gefertigte Bildnis ist ein Abguss des antiken Originals aus Marmor, das noch vor Christi Geburt geschaffen wurde und heute zur Kunstsammlung der &bdquo;Uffizien&ldquo;, einer Kunstgalerie in Florenz, geh&ouml;rt. In der r&ouml;mischen Mythologie verk&ouml;rperte die Venus die G&ouml;ttin der Liebe und Entstehung neuen Lebens und war damit das Pendant der altgriechischen Aphrodite. Und sie figuriert das exakte Gegenteil von L&uuml;sternheit und Gier oder sonstigen Attributen, die ihr um Geschlechtergleichstellung besorgte Sittenw&auml;chter(Innen) zuschreiben m&ouml;gen. Heute steht die Statue im &bdquo;Grassi Museum f&uuml;r angewandte Kunst&ldquo; in Leipzig. Dort erf&auml;hrt der Besucher, sie sei &bdquo;nach dem mythischen <a href=\"https:\/\/blog.grassimuseum.de\/die-geheimnisvolle-venus-medici\/\">Typus der &sbquo;pudica&lsquo;<\/a> (keusch) dargestellt &ndash; ertappt, wie sie instinktiv ihre Br&uuml;ste und Scham bedeckt, als ob sie sich von einem indiskreten Blick beobachtet f&uuml;hlt&ldquo;.<\/p><p>Also allenfalls etwas f&uuml;r Tugendphantasten, aber <a href=\"https:\/\/www.berliner-kurier.de\/berlin\/zu-nackt-fuers-amt-berliner-bundesbehoerde-schmeisst-venus-skulptur-raus-li.2326070\">&bdquo;nix mit Sexismus&ldquo;<\/a>, wie der <em>Berliner Kurier <\/em>festhielt. Und wohl auch nix f&uuml;r Lustmolche, denen das Patriarchat hinterm Hosenlatz schwillt. Eher zum Steinerweichen anmutig. Jedenfalls ist man in Leipzig froh und gl&uuml;cklich &uuml;ber die Leihgabe der Kunstverwaltung des Bundes, die dort seit Januar museal ihre Frau steht, so nackt und &auml;sthetisch wie ehedem in Wei&szlig;ensee. Wobei zu hoffen bleibt, dass das so bleibt und in Deutschland nicht alsbald Kunst- und Kulturver&auml;chter, Umerzieher, Bilderst&uuml;rmer und B&uuml;cherverbrenner wieder die Oberhand erlangen, um, diesmal im Namen von &bdquo;Freiheit&ldquo;, &bdquo;Gleichstellung&ldquo;, &bdquo;Vielfalt&ldquo; und &bdquo;Offenheit&ldquo;, neben missliebigen Meinungen obendrein die Artefakte menschlicher Sch&ouml;pfung zu beseitigen, auszumerzen oder, wie man heute neudeutsch sagt, zu &bdquo;canceln&ldquo;.<\/p><p><strong>Mit besten Absichten &bdquo;kriegst&uuml;chtig&ldquo;<\/strong><\/p><p>Die vertriebene Venus w&uuml;sste davon, so sie k&ouml;nnte, aus leidlicher Erfahrung zu berichten. 1990 hatten sie Polizeitaucher der DDR aus dem Gro&szlig;d&ouml;llner See in der Schorfheide im n&ouml;rdlichen Brandenburg geborgen. Sie war einst Teil der erbeuteten Sch&auml;tze von Hermann G&ouml;ring, die Hitlers Reichsmarschall in seinem Jagdschloss &bdquo;Carinhall&ldquo; verschanzt hielt. Als im April 1945 die Rote Armee anr&uuml;ckte, sprengten SS-Schergen das Anwesen in die Luft und verklappten die Kostbarkeiten kurzerhand im Wasser. So kann es gehen, wenn Kunst, Kultur und Kritik im Weg sind. Einfach weg damit!<\/p><p>Und beim Gro&szlig;reinemachen macht sich Vergessen breit. Wer entsinnt sich noch, dass &bdquo;Wehrt&uuml;chtigkeit&ldquo; und &bdquo;Kriegst&uuml;chtigkeit&ldquo; Propagandaparolen der Nazis waren? Kaum einer oder niemand mehr? Treffer, versenkt!<\/p><p><small>Titelbild: Grok &ndash; Das Titelfoto ist ein mit k&uuml;nstlicher Intelligenz erstelltes Symbolbild<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/ae72310c8ac7458b9baf65fdd2dc000a\" alt=\"\" title=\"\" height=\"1\" width=\"1\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine klassizistische Statue musste aus einer Bundesbeh&ouml;rde weichen. Weil sie durch ihre Nacktheit Ansto&szlig; h&auml;tte erregen k&ouml;nnen. Tat sie zwar nicht, aber sicher ist sicher, dachte sich die Gleichstellungsbeauftragte. Ob sie auch das Internet verbieten w&uuml;rde? 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