{"id":13342,"date":"2012-05-25T08:18:37","date_gmt":"2012-05-25T06:18:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13342"},"modified":"2019-03-02T12:08:07","modified_gmt":"2019-03-02T11:08:07","slug":"steinbruck-bespricht-sarrazin-und-entlarvt-seine-eigene-verblendete-sichtweise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13342","title":{"rendered":"Steinbr\u00fcck bespricht Sarrazin und entlarvt seine eigene verblendete Sichtweise"},"content":{"rendered":"<p>Auf <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/buecher\/steinbrueck-rezensiert-sarrazin-unpolitisch-aufs-scheitern-fixiert-11761264.html#Drucken\">FAZ online<\/a> rezensiert Peer Steinbr&uuml;ck das neue Buch von Thilo Sarrazin. In zwei kleinen Abs&auml;tzen wird dort, besser als in allen anderen Papieren, die ich kenne, dokumentiert, worunter die deutsche Politik im Allgemeinen und die SPD im Besonderen leiden. Steinbr&uuml;ck bespricht Sarrazin und entlarvt seine eigene Sichtweise auf den Euro als genauso falsch wie die desjenigen, dessen Buch er bespricht. Von <strong>Heiner Flassbeck<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nSteinbr&uuml;ck schreibt:<\/p><blockquote><p><em>&ldquo;Sarrazins These, dass Deutschland den Euro nicht brauche, um seine Wettbewerbsf&auml;higkeit zu sichern, ist einmal mehr eine seiner lustvollen Zuspitzungen, die zu nichts f&uuml;hren. Klar k&ouml;nnte Deutschland seine Wettbewerbsf&auml;higkeit auch ohne Euro sichern. Aber der Euro erleichtert dies und hat das seit seiner Einf&uuml;hrung auch nachweislich getan. Ein so exportgetriebenes Wachstum- und Wirtschaftsmodell wie Deutschland, das um 40 Prozent seiner j&auml;hrlichen Wirtschaftsleistung &uuml;ber Exportaktivit&auml;ten generiert, profitiert enorm davon, dass die W&auml;hrungsunion den Binnenhandel verst&auml;rkt hat, dass Wechselkursrisiken und Kurssicherungsgesch&auml;fte wegfallen, dass sich der grenz&uuml;berschreitende Zahlungsverkehr verbilligt, dass f&uuml;r Produzenten und Konsumenten Preistransparenz besteht und sich integrierte Kapitalm&auml;rkte positiv auf die Unternehmensfinanzierung auswirken.<\/em><\/p>\n<p>Grotesk mutet die Verharmlosung von Aufwertungen an, denen eine D-Mark unter seinerzeitigem Verzicht auf die W&auml;hrungsunion oder nun bei ihrer Abschaffung ausgesetzt w&auml;re. Ohne den Euro m&uuml;sste Deutschland wohl den Weg der Schweiz bestreiten. Die mussten ihren Franken allerdings um mehr als zwanzig Prozent gegen&uuml;ber dem Euro trotz massiver Intervention ihrer Zentralbank aufwerten. Demnach m&uuml;sste Deutschlands Exportsektor ohne W&auml;hrungsunion diese zwanzig Prozent bei den St&uuml;ckkosten ausschwitzen, um seine Au&szlig;enwirtschaftsposition zu halten. F&uuml;r den Fall, dass Deutschland den Euro-Raum verlassen wollte, gehen Fachleute von einer Aufwertung der neuen D-Mark um vierzig Prozent (!) aus und in der Folge von einem Handelsr&uuml;ckgang um zwanzig Prozent plus einer massiven Abwertung der Aktiva deutscher Banken. Vor diesem Hintergrund erscheint Sarrazins These als grober &ouml;konomischer Unfug.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Beide verstehen offenbar nicht, dass ein Land alleine niemals seine &bdquo;Wettbewerbsf&auml;higkeit sichern&ldquo; kann. Will auch Deutschland (wie die Schweiz oder China) mit Interventionen in den Devisenm&auml;rkten der ganzen Welt verhindern, dass die eigene W&auml;hrung aufwertet? Wie verhindert dann Deutschland als die zweitgr&ouml;&szlig;te Exportnation der Welt, dass andere L&auml;nder protektionistische Ma&szlig;nahmen wie Z&ouml;lle ergreifen, um ihre Auslandsverschuldung zu begrenzen? Mit der Bundeswehr? <\/p><p>Steinbr&uuml;ck hat Recht, dass der Euro die Verbesserung der deutschen Wettbewerbsf&auml;higkeit in einer historisch einmaligen Weise erlaubt hat. Nur, das ist  genau das Problem, unter dem der Euro heute leidet! Es wurde eben nicht nur der Binnenhandel verst&auml;rkt und der Zahlungsverkehr erleichtert, wie Steinbr&uuml;ck meint. Deutschland hat mit seinem Lohndumping, das wirklich von fast niemandem (au&szlig;er ein paar Verteidigern der rot-gr&uuml;nen Agenda Politik wie Franz M&uuml;ntefering und Frank Walter Steinmeier) mehr bestritten wird, die Nachbarn systematisch in Leistungsbilanzdefizite getrieben und deren Wettbewerbsf&auml;higkeit in einem Ma&szlig;e verschlechtert, das historisch einmalig ist. Das kann heute, wenn Deutschland bei seiner Linie geringer Lohnsteigerungen bleibt (was nach den letzten Abschl&uuml;ssen wahrscheinlich ist)  nur noch mit extremen Ma&szlig;nahmen wie absoluter Lohnsenkung in den Defizitl&auml;ndern bek&auml;mpft werden, was aber dramatisch negative Auswirkungen auf den dortigen Binnenmarkt hat mit explodierenden Arbeitslosenzahlen und extremen politischen Verwerfungen. Will man das verhindern, gibt es nur den Weg der allm&auml;hlichen Verschlechterung der deutschen Wettbewerbsf&auml;higkeit &uuml;ber Lohnerh&ouml;hungen jenseits der deutschen Produktivit&auml;t plus der gemeinsam festgelegten Inflationsrate von 2 % im Euroraum. Die Logik erfordert, dass Deutschland seine Leistungsbilanz&uuml;bersch&uuml;sse abbauen muss, wenn die anderen L&auml;nder in der Lage sein sollen, ihre Auslandsschulden nicht weiter zu erh&ouml;hen, sondern sogar zu vermindern, ganz gleich auf welchem Wege. M&ouml;gliche Aufwertungen zu verharmlosen ist deswegen genauso  wenig sinnvoll wie die Aussage, man m&uuml;sse ohne den Euro 20 % Aufwertung bei den Lohnst&uuml;ckkosten &bdquo;ausschwitzen&ldquo;, um seine Wettbewerbsposition zu halten. <\/p><p>Deutschland muss seine Wettbewerbsposition mit oder ohne Euro r&auml;umen (AM: mindern), daran geht kein Weg vorbei. Nur der ist ein guter, weil nicht gegen die Logik verstossender Politiker, der das erkennt und Strategien entwickelt, wie das ohne katastrophale Zuspitzungen zu erreichen ist. Lohnerh&ouml;hungen stehen dabei wegen ihres Gewichts f&uuml;r den Binnenmarkt mit gro&szlig;em Abstand an erster Stelle. Wenn die SPD nicht begreift, dass man ohne eine moderne Sicht auf die Rolle der Lohnpolitik niemals eine andere und schon gar keine genuin sozialdemokratische wirtschaftspolitische Konzeption anbieten kann, wird sie weiter strampeln m&uuml;ssen, um als Juniorpartner an den Fleischtr&ouml;gen der Macht Platz nehmen zu d&uuml;rfen. Wenn sie diesen Platz verliert, weil er &uuml;ber kurz oder lang zusammen mit den Fleischtr&ouml;gen in die Luft fliegt, ist es f&uuml;r eine sinnvolle Konzeption zu sp&auml;t.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/buecher\/steinbrueck-rezensiert-sarrazin-unpolitisch-aufs-scheitern-fixiert-11761264.html#Drucken\">FAZ online<\/a> rezensiert Peer Steinbr&uuml;ck das neue Buch von Thilo Sarrazin. In zwei kleinen Abs&auml;tzen wird dort, besser als in allen anderen Papieren, die ich kenne, dokumentiert, worunter die deutsche Politik im Allgemeinen und die SPD im Besonderen leiden. 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