{"id":133522,"date":"2025-05-26T09:00:03","date_gmt":"2025-05-26T07:00:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=133522"},"modified":"2025-05-26T11:13:15","modified_gmt":"2025-05-26T09:13:15","slug":"nie-wieder-krieg-hat-die-alte-parole-noch-eine-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=133522","title":{"rendered":"\u201eNie wieder Krieg!\u201c \u2013 Hat die alte Parole noch eine Zukunft?"},"content":{"rendered":"<p>Prof. i.R. Dr. <strong>Wolfram Wette<\/strong>[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=133522#foot_0\" name=\"note_0\">*<\/a>], Waldkirch, hatte am 7. Mai 2025 im Saal des Kulturzentrums Reutlingen einen auch f&uuml;r NachDenkSeiten-Leserinnen und -Leser interessanten Vortrag gehalten. Die Veranstaltung war von der Reutlinger Initiative f&uuml;r Frieden und Abr&uuml;stung (RIFA) und Kooperationspartnern getragen worden. Wir ver&ouml;ffentlichen den Text des Vortrags. Der Text enth&auml;lt viele wichtigen Fakten und durchaus auch kritisch zu betrachtende Passagen. Das ist bei diesem Thema nicht auszuschlie&szlig;en. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>&bdquo;Nie wieder Krieg!&ldquo; &ndash; Hat die alte Parole noch eine Zukunft?<\/strong><br>\n<em>Prof. i.R. Dr. Wolfram Wette<\/em><\/p><ol>\n<li><u>Der 8. Mai 1945 &ndash; ein Tag der Besinnung auf die Vision einer Welt ohne Krieg<\/u>\n<p>80 Jahre ist es her, dass die deutsche Wehrmacht kapitulierte und das nationalsozialistische Terrorregime zusammenbrach. St&auml;rker noch als in der deutschen Revolution von 1918\/19 hat das Kriegsende 1945 den Ruf nach einer Welt ohne Krieg laut werden lassen. Angesichts des Krieges in der Ukraine m&uuml;ssen wir uns der Frage stellen: Ist die Zeit soeben zuende gegangen, in der uns die alte antimilitaristische Parole <em>&bdquo;Nie wieder Krieg!&ldquo;<\/em> eine zuverl&auml;ssige politische gute Orientierung bot? Oder gibt es Indizien f&uuml;r die Hoffnung, dass sie auch eine Zukunft haben k&ouml;nnte?<\/p>\n<p>Wenn wir die Kapitulation vom Mai 1945 in einer l&auml;ngeren Perspektive betrachten, k&ouml;nnen wir erkennen, dass sie das Ende des ersten deutschen Nationalstaats markierte. Dieser wurde 1871 nach mehreren erfolgreichen sogenannten Einigungskriegen gegr&uuml;ndet. Die milit&auml;rischen Siege beg&uuml;nstigten in der Folgezeit die wachsende Dominanz des preu&szlig;isch-deutschen Militarismus. Der deutsche Machtstaat brachte schlie&szlig;lich zwei Weltkriege hervor. <\/p>\n<p>In der Endphase des Zweiten Weltkrieges folgten die Deutschen der denkbar radikalsten Nazi-Durchhalte-Parole <em>&bdquo;Sieg oder Untergang&ldquo;<\/em>. Im Inneren praktizierte das Regime einen m&ouml;rderischen Endsiegterror, obwohl l&auml;ngst klar war, wie der Krieg ausgehen w&uuml;rde. Man denke an die Todesm&auml;rsche und die Erschie&szlig;ung von Wehrmacht-Deserteuren. Was immer noch nicht hinreichend bekannt ist: Im letzten Halbjahr dieses Krieges kamen mehr Deutsche ums Leben als in den f&uuml;nf Kriegsjahren zuvor insgesamt. Der propagierte <em>&bdquo;Untergang&ldquo;<\/em> wurde also f&uuml;r viele Deutsche zur grausamen Wirklichkeit.<\/p>\n<p>Wir sehen: <em>&bdquo;Kriege standen am Anfang und am Ende der knapp 75-j&auml;hrigen Geschichte dieses Nationalstaates.&ldquo;<\/em>[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] Im Krieg entstand er und im Krieg ging er unter. Die gro&szlig;e Mehrheit der Deutschen, die bis zum Schluss an Hitler glaubte, erlebte den 8. Mai 1945 als Niederlage, als Zusammenbruch, als Katastrophe. Nur f&uuml;r die Verfolgten, die Widerst&auml;ndigen und die Verweigerer brachte dieser Tag die lange ersehnte <em>Befreiung<\/em>. <\/p>\n<p>In der Nachkriegszeit bahnte sich in der zuvor militaristisch gepr&auml;gten Mentalit&auml;t der Deutschen ein gro&szlig;er Wandlungsprozess an. Ein Ansto&szlig; kam unter anderem von Verfolgten des Nazi-Regimes im befreiten Konzentrationslager Buchenwald. Dort formulierten die politischen H&auml;ftlinge eine Zukunftsvision. Sie lautete: <em>&bdquo;Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.&ldquo;<\/em>[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] An diese Botschaft sollte die in den 1950er-Jahren wiederbelebte &bdquo;<em>Nie wieder Krieg!&ldquo;<\/em>&ndash; bzw. <em>&bdquo;Ohne mich!&ldquo;<\/em>-Bewegung ankn&uuml;pfen, die sich der Remilitarisierung Westdeutschlands verweigerte. <\/p>\n<p>Allerdings sollte es noch etliche Jahrzehnte dauern, bis auch die vormaligen Tr&auml;ger und Anh&auml;nger des Nazi-Systems bereit waren, den &ndash; aus ihrer Sicht herausfordernden &ndash; Gedankenweg mitzugehen, dass der Zusammenbruch des NS-Staates als ein Akt der &bdquo;<em>Befreiung&ldquo;<\/em> von einem verbrecherischen Regime und von einem militaristischen Irrweg der deutschen Geschichte gew&uuml;rdigt werden sollte.[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>]\n<\/p><\/li>\n<li><u>Die Antikriegsbewegung in der Weimarer Republik<\/u>\n<p>Doch zun&auml;chst ein kurzer R&uuml;ckblick! Die erste deutsche Antikriegsbewegung entstand unmittelbar nach dem Ende des Ersten Weltkrieges. <em>&bdquo;Frieden, Freiheit, Brot!&ldquo;<\/em> hatte die seit 1917 anwachsende Protestbewegung gegen den Krieg gefordert, an erster Stelle also den Frieden. Nach dem Waffenstillstand vom November 1918 dominierte in der ersch&ouml;pften deutschen Gesellschaft eine tief empfundene Friedenssehnsucht. Hunderttausende brachten sie auf den gro&szlig;en <em>&bdquo;Nie wieder Krieg&ldquo;<\/em>-Demonstrationen jener Zeit zum Ausdruck. Getragen wurde diese Bewegung von pazifistischen Organisationen, von den sozialdemokratischen Parteien USPD und SPD, von den Linksliberalen, dem Zentrum sowie den Gewerkschaften und kirchlichen Friedensgruppen.[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>]<\/p>\n<p>Es kann durchaus sein, dass diese Friedensbewegung eine Zeitlang die vorherrschende Gef&uuml;hlslage einer Mehrheit der deutschen Gesellschaft zum Ausdruck brachte. Darauf konnten jene Parteien aufbauen, die in den 1920er-Jahren nicht auf eine Revanche in einem neuerlichen kriegerischen Konfliktaustrag setzten, sondern auf eine Politik der Verst&auml;ndigung mit den Siegerm&auml;chten des Ersten Weltkrieges.<\/p>\n<p>In der Endphase der Weimarer Republik erhielten die nationalistischen, rechtsradikalen politischen Parteien und Verb&auml;nde st&auml;rker als zuvor den Zuspruch der deutschen W&auml;hlerinnen und W&auml;hler. Im Gegenzug gerieten die Anh&auml;nger der Demokratie und der Verst&auml;ndigungspolitik ins Hintertreffen. Einige erkannten die Gefahr und warnten nach 1930 auf ihren Plakaten mit der Parole <em>&bdquo;Hitler bedeutet Krieg!&ldquo;<\/em> oder, wie die Deutsche Friedensgesellschaft (DFG) seit 1929 mit ihrer Losung <em>&bdquo;Hakenkreuz und Stahlhelm sind Deutschlands Untergang!&ldquo;<\/em> vor dem, was sie kommen sahen. Im Gegenzug setzten die Milit&auml;rs und Nationalisten ihre innenpolitischen Kontrahenten auf die Abschussliste. Viele Pazifisten erkannten die Gefahr f&uuml;r ihr eigenes Leben und flohen ins Ausland, unter anderem Albert Einstein und Kurt Tucholsky.[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>]\n<\/p><\/li>\n<li><u>Hitler-Deutschlands Krieg gegen die Sowjetunion 1941-44<\/u>\n<p>Mit der Macht&uuml;bertragung auf Hitler im Januar 1933 forcierte die Nazi-Regierung sogleich die weitere geheime Aufr&uuml;stung der Reichswehr, seit 1935 Wehrmacht genannt. Begleitet wurde die Aufr&uuml;stung von einer mehrj&auml;hrigen NS-Friedenspropaganda. Was damals nicht f&uuml;r jedermann erkennbar war: Sie stellte nichts anderes als eine systematische Irref&uuml;hrung der nationalen und internationalen &Ouml;ffentlichkeit dar. Ihr ausschlie&szlig;liches Ziel bestand darin, die Kriegsvorbereitungen der NS-Regierung zu verschleiern. Mit dem erneut eingeschlagenen Kriegskurs wurde die militaristische und kriegerische Traditionslinie der preu&szlig;isch-deutschen Politik wieder aufgenommen und zugleich in neue geopolitische und rassenideologische Dimensionen ausgeweitet. <\/p>\n<p>Vordergr&uuml;ndig propagierte die Nazi-Regierung in den 1930er-Jahren die Revision des Versailler Friedensvertrages. Tats&auml;chlich verfolgten Hitler und seine Gefolgschaft jedoch viel weitergehende Ziele, n&auml;mlich <em>erstens<\/em>: Die Eroberung von Lebensraum im Osten und dessen r&uuml;cksichtslose Germanisierung, und <em>zweitens<\/em> die Vernichtung des europ&auml;ischen Judentums im Zuge des gro&szlig;en Lebensraum-Krieges. <\/p>\n<p>Im Kontext dieser Ziele geriet die Sowjetunion ins Zentrum der deutschen Kriegspolitik. Diese folgte einem rassenideologischen Leitmotiv, das von vorneherein alle v&ouml;lkerrechtlichen Grenzen sprengte, n&auml;mlich dem Gedanken der Vernichtung. Es hat lange gedauert, bis das Wissen &uuml;ber den besonderen Charakter des &ndash; in Deutschland so genannten &ndash; <em>&bdquo;Russland-Krieges&ldquo; <\/em>in der deutschen Nachkriegsbev&ouml;lkerung ankam. Einen ma&szlig;geblichen Beitrag zur historischen Aufkl&auml;rung leisteten die Ausstellungen <em>&bdquo;Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941-1945&ldquo;, <\/em>die im Hamburger Institut f&uuml;r Sozialforschung erarbeitet und in den Jahren 1995-2005 gezeigt wurde. Erst jetzt erfuhren Millionen von Menschen in Deutschland von den erschreckenden, aber bislang verschwiegenen Wahrheiten &uuml;ber den deutschen Krieg gegen die Sowjetunion.<\/p>\n<p>Ich rekapituliere in aller K&uuml;rze die wichtigsten Erkenntnisse &uuml;ber den sogenannten <em>Russlandkrieg<\/em>: Es handelte sich um einen von langer Hand geplanten, deutschen &Uuml;berfall, also einen eindeutigen Aggressionskrieg. Es folgte ein mehrj&auml;hriger Krieg auf dem Territorium der Sowjetunion. V&ouml;llig zu Recht ist dieser Gewaltkonflikt als ein <em>&bdquo;Eroberungs-, Versklavungs- und Vernichtungskrieg&ldquo;<\/em> charakterisiert worden.[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>] Seiner Intensit&auml;t nach bildete er das eigentliche Zentrum des Zweiten Weltkrieges. Schon aus diesem Grund ist es gerechtfertigt, ihn anl&auml;sslich des 80. Jahrestages des Kriegsendes 1945 ins Zentrum unserer Betrachtungen zu stellen.<\/p>\n<p>Die Propagandisten des NS-Staates versuchten, den deutschen &Uuml;berfall mit einer altbekannten Kriegsl&uuml;ge zu verschleiern. Sie behaupteten, mit dem deutschen Angriff sei man einem geplanten Krieg Sowjetrusslands gegen Deutschland lediglich zuvorgekommen. Das war die sogenannte Pr&auml;ventivkriegs-L&uuml;ge. Sie verfolgte prim&auml;r das Ziel, den Krieg oder besser den &Uuml;berfall vor der Bev&ouml;lkerung es eigenen Landes zu legitimieren. Obwohl von der historischen Forschung l&auml;ngst widerlegt, geisterte die Pr&auml;ventivkriegsl&uuml;ge in der Zeit des Kalten Krieges noch immer in manchen unbelehrbaren K&ouml;pfen herum. In einigen tut sie es wom&ouml;glich bis heute. <\/p>\n<p>In Anspielung auf den Hitler-Stalin-Pakt von 1939, der im In- wie im Ausland zu so vielen Irritationen gef&uuml;hrt hatte, zeigte sich der Reichspropagandaminister Joseph Goebbels am Tage der Kriegserkl&auml;rung an die Sowjetunion zufrieden: <em>&bdquo;Es bereitet jedem alten Nazi eine tiefe Genugtuung&ldquo;,<\/em> notierte er,<em> &bdquo;dass wir das noch erleben. Das Zusammengehen mit Russland war eigentlich ein Flecken auf unserem Ehrenschild. Der wird nun abgewaschen. Wogegen wir unser ganzes Leben gek&auml;mpft haben, das vernichten wir nun auch.&ldquo;<\/em>[<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>]<em> <\/em>Also: Man wollte Russland nicht nur bek&auml;mpfen, sondern <em>&bdquo;vernichten&ldquo;<\/em>. Hinter den Wolken der Propaganda blitzte die m&ouml;rderische Wahrheit auf.<\/p>\n<p>Die Bilanz dieses Krieges ist furchtbar. Wahrscheinlich wird sie gerade deswegen bis heute vielfach verdr&auml;ngt. Auf der deutschen Seite forderte der Krieg mehr als 3 Millionen Menschenleben &ndash; n&auml;mlich die von Soldaten der Wehrmacht. Auf der sowjetischen Seite wurden gar 27 Millionen Menschen get&ouml;tet. Ihr Leben verloren etwa 9 Millionen Soldaten der Roten Armee, darunter etwa 3,5 Millionen russische Kriegsgefangene in deutschem Gewahrsam, sowie etwa 12 Millionen Zivilisten, unter diesen etwa 3 Millionen Juden (in den Sowjetrepubliken Wei&szlig;russland, der Ukraine und Russland), mehr als 2 Millionen in Deutschland eingesetzte Zwangsarbeiter und mehr als eine Million Hungertote infolge der Belagerung von Leningrad durch die deutsche Wehrmacht). Die genannten Zahlen sind, bedingt durch die Quellenlage, ungenau und umstritten. Sie werden aber gleichwohl von den meisten Historikern inner- und au&szlig;erhalb Russlands akzeptiert.[<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>]<\/p>\n<p>Man muss versuchen, sich Folgendes klar zu machen: In der Sowjetunion gab es kaum eine Familie, die keinen Toten zu beklagen hatte. Anders als bei uns, wo dieser Krieg weithin verdr&auml;ngt und vergessen ist, erinnert sich in den L&auml;ndern der ehemaligen Sowjetunion noch heute jede Familie an diesen Krieg. Die Sowjetunion f&uuml;hrte einen Verteidigungskrieg, von Stalin zum <em>&bdquo;Gro&szlig;en Vaterl&auml;ndischen Krieg&ldquo;<\/em> erkl&auml;rt. Die Rote Armee eroberte schlie&szlig;lich Berlin. Wer die Chronologie beachtet, kommt an der ern&uuml;chternden Erkenntnis nicht vorbei: Es war Deutschland, das durch den &Uuml;berfall auf die Sowjetunion die Rote Armee an die Elbe gebracht hat! <\/p>\n<p>An dieser Stelle muss ich eine aktuelle Anmerkung einflechten: Vor kurzem wollte das deutsche Ausw&auml;rtige Amt wegen der neuerlichen Verfeindung durch den Ukraine-Krieg verhindern, dass Vertreter Russlands an den deutschen Gedenkfeiern zum 8. Mai 1945 teilnehmen.[<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>] Ich halte das f&uuml;r problematisch. Darf man so grundlegende historische Fakten wie den deutsch-sowjetischen Krieg beiseiteschieben? Sollen wir etwa vergessen, wer Auschwitz befreit hat?\n<\/p><\/li>\n<li><u>&bdquo;J&uuml;discher Bolschewismus &ndash; das rassenideologische Russland-Feindbild<\/u>\n<p>Seit dem Beginn des Russlandkrieges h&auml;mmerte die Nazi-Propaganda den Deutschen und ihren europ&auml;ischen Verb&uuml;ndeten das Feindbild <em>&bdquo;j&uuml;discher Bolschewismus<\/em>&ldquo; ein. Was hatte es mit diesem Feindbild auf sich? Es wurde behauptet, der unterschiedliche Entwicklungsgrad Deutschlands und Russlands lasse sich rassenbiologisch erkl&auml;ren: Die h&ouml;herwertige germanische Rasse, hie&szlig; es, stehe der minderwertigen slawischen gegen&uuml;ber. Hitler selbst glaubte, Slawen seien generell zur Staatsbildung unf&auml;hig und w&uuml;rden daher von anderen beherrscht. So habe der <em>&bdquo;j&uuml;dische Bolschewismus&ldquo;<\/em> in der Revolution von 1917 in Russland seine Fremdherrschaft errichtet.[<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>] Hitler behauptete, die Tr&auml;ger des bolschewistischen Systems der Sowjetunion seien gro&szlig;enteils Juden, woraus sich f&uuml;r ihn ergab, dass sich der deutsche Vernichtungskrieg gegen Juden und Bolschewisten zugleich richten m&uuml;sste. <\/p>\n<p>Diese Vorstellungen sollten dann auch Eingang in die Befehle an die deutschen Waffentr&auml;ger finden. Aufschlussreich ist es, zur Kenntnis zu nehmen, mit welcher Diktion die Strategie und Propaganda des Vernichtungskrieges damals den einfachen Wehrmachtsoldaten nahegebracht wurde. In einem Mitteilungsblatt der Wehrmachtpropaganda vom Juni 1941 stehen die folgenden ungeheuerlichen S&auml;tze. Ich zitiere: <em>&bdquo;Es geht darum, das rote Untermenschentum, welches in den Moskauer Machthabern verk&ouml;rpert ist, auszul&ouml;schen. Das deutsche Volk steht vor der gr&ouml;&szlig;ten Aufgabe seiner Geschichte. Die Welt wird erleben, dass diese Aufgabe restlos gel&ouml;st wird<\/em>.&ldquo;[<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>] Diese extrem menschenfeindliche Botschaft wurde befehlsgem&auml;&szlig; allen <em>&bdquo;Soldaten der Ostfront&ldquo;<\/em> verlesen.<\/p>\n<p>Wir Deutschen von heute sollten uns der M&uuml;he unterziehen, uns in die Mentalit&auml;t und das Erfahrungswissen der Menschen im postsowjetischen Russland unserer Tage hineinzudenken und zu versuchen, ihre Sicherheitsbed&uuml;rfnisse zu verstehen. Dabei kann es hilfreich sein, an den Russlandfeldzug Napoleons von 1812 zu erinnern, an den Krimkrieg, der in den 1850er-Jahren auf der russischen Halbinsel ausgefochten wurde, an den Ersten Weltkrieg, der zumeist ebenfalls auf russischem Territorium stattfand, und der &ndash; was Russland angeht &ndash; mit dem brutalen, von den Deutschen erzwungenen Diktatfrieden von Brest-Litowsk vom M&auml;rz 1918 sein Ende fand &ndash; und nat&uuml;rlich, wie geschehen, an den deutsch-sowjetischen Krieg von 1941-1945.\n<\/p><\/li>\n<li><u>&bdquo;Die Russen kommen!&ldquo; &ndash; Ein deutsches Nachkriegstrauma<\/u>\n<p>Das Feindbild <em>&bdquo;j&uuml;discher Bolschewismus&ldquo;<\/em> verschwand mit dem Kriegsende 1945 nicht einfach aus der Vorstellungswelt der Deutschen. Vielmehr konnte es in neuem Gewande alsbald wieder auferstehen. Der von den Nazis rassistisch definierte Begriff <em>&bdquo;j&uuml;disch&ldquo; <\/em>entfiel, und statt vom <em>&bdquo;Bolschewismus&ldquo;<\/em> redete man jetzt von <em>&bdquo;Kommunismus&ldquo;<\/em>. Der Feind blieb der gleiche: Die Sowjetunion und ihre angeblichen Handlanger im Inneren, die man als <em>&bdquo;F&uuml;nfte Kolonne Moskaus&ldquo;<\/em> denunzierte. Im Hinblick auf die Verwendung des traditionsbelasteten Feindbildes gab es also keine <em>&bdquo;Stunde Null&ldquo;<\/em>, sondern vielmehr eine wirkm&auml;chtige Kontinuit&auml;t.<\/p>\n<p>Das alte antibolschewistische bzw. antikommunistische Zerrbild[<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>] f&uuml;hrte zu einer neuerlichen Vergiftung der internationalen Beziehungen. Feinddenken versperrte einmal mehr den analytischen Blick auf das nationale Interesse und das Sicherheitsbed&uuml;rfnis der Sowjetunion. Tats&auml;chlich wollte das Land sich nicht erneuten deutschen oder westlichen Angriffen ausgesetzt sehen. Die Politik Moskaus konnte durchaus als defensiv verstanden werden.[<a href=\"#foot_13\" name=\"note_13\">13<\/a>] Allerdings zeigte die sowjetische F&uuml;hrung immer wieder, dass sie ihren Herrschaftsbereich auch gewaltsam zu sichern gedachte. Ich erinnere an die Gewaltaktionen in der DDR, in Ungarn und in der Tschechoslowakei. Damit n&auml;hrte die russische Seite die Glaubw&uuml;rdigkeit der westlichen Propaganda.<\/p>\n<p>In Westdeutschland wurden in den 1950er-Jahren Bedrohungs&auml;ngste gesch&uuml;rt. Die antikommunistische Propaganda jener Zeit stellte die propagandistische Begleitmusik zum Kalten Krieg dar.[<a href=\"#foot_14\" name=\"note_14\">14<\/a>] Aber es steckte mehr dahinter, n&auml;mlich die Furcht, die angeblich auf Rache sinnenden Russen h&auml;tten wom&ouml;glich die Absicht, den Deutschen das anzutun, was die Soldaten der Wehrmacht und der SS in den Kriegsjahren 1941-1944 den Russen tats&auml;chlich angetan hatten. Also: Sie k&ouml;nnten Gleiches mit Gleichem vergelten. Wir haben es mit dem klassischen Fall einer politischen Projektion zu tun, also einer &Uuml;bertragung des Wissens um die eigenen Untaten auf die vermuteten Absichten des vormaligen Feindes. Diese Erkenntnis hat in der historisch-politischen Literatur bislang noch nicht die n&ouml;tige Aufmerksamkeit gefunden. <\/p>\n<p>Die propagandistisch erzeugte Russenfurcht diente insoweit auch der Schuldabwehr. So gelang es den Anh&auml;ngern der Politik der Wiederbewaffnung, in die Rolle des &ndash; potentiellen &ndash; Opfers einer m&ouml;glichen sowjetischen Aggression zu schl&uuml;pfen. Wir erkennen das tradierte Muster: Die B&ouml;sen, das sind die Russen, und wir sind die Bedrohten, die Guten. So hatte es schon die NS-Propaganda von 1941 behauptet.\n<\/p><\/li>\n<li><u>Opposition gegen die <em>&bdquo;Remilitarisierung&ldquo;<\/em> Westdeutschlands in den 1950er-Jahren<\/u>\n<p>In machtpolitischer Hinsicht setzten nach der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht die alliierten Siegerm&auml;chte die Fakten.[<a href=\"#foot_15\" name=\"note_15\">15<\/a>] Im Potsdamer Abkommen vom 2. August 1945 beschrieben sie ihre zentralen politischen Ziele. Ich zitiere: <em>&bdquo;<\/em><em>Der deutsche Militarismus und Nazismus werden ausgerottet, und die Alliierten treffen [&hellip;] Ma&szlig;nahmen, die notwendig sind, damit Deutschland niemals mehr seine Nachbarn oder die Erhaltung des Friedens in der ganzen Welt bedrohen kann.&ldquo;<\/em>[<a href=\"#foot_16\" name=\"note_16\">16<\/a>] Anders als in Versailles 1919 sollte es diesmal an die Wurzeln des Problems gehen.<\/p>\n<p>Parallel zur alliierten Entmilitarisierungspolitik breitete sich in Deutschland in den ersten Nachkriegsjahren eine eigenst&auml;ndige Antikriegsstimmung aus. Sie ging &uuml;ber die traditionsreiche <em>&bdquo;Nie wieder Krieg!&ldquo;-<\/em>Forderung hinaus und richtete sich radikaler gegen alles Milit&auml;rische.[<a href=\"#foot_17\" name=\"note_17\">17<\/a>] In der &Ouml;ffentlichkeit wurde die Parole <em>&bdquo;Nie wieder deutsche Soldaten!&ldquo;<\/em> verbreitet und fand betr&auml;chtliches Geh&ouml;r. Der frankophile sozialdemokratische Politiker Carlo Schmid (SPD) rief 1946 aus: <em>&bdquo;Wir wollen unsere S&ouml;hne nie mehr in die Kasernen schicken!&ldquo;<\/em> Und der CSU-Politiker und sp&auml;tere Bundesminister f&uuml;r Verteidigung, Franz-Joseph Strau&szlig;, machte 1947 mit dem markigen Spruch auf sich aufmerksam: <em>&bdquo;Wer noch einmal ein Gewehr in die Hand nimmt, dem soll die Hand abfallen!&ldquo;<\/em>[<a href=\"#foot_18\" name=\"note_18\">18<\/a>]<\/p>\n<p>1949 verabschiedete der Parlamentarische Rat eine vorl&auml;ufige Verfassung, in der Friedensbewahrung und Friedensgestaltung als zentrale Staatsziele festgeschrieben wurden. Das Grundgesetz stellte das Antiprogramm zu dem extrem gewaltt&auml;tigen Zeitalter der Weltkriege dar, f&uuml;r das Deutschland eine wesentliche Mitverantwortung trug. In der Kontinuit&auml;t der <em>&bdquo;Nie wieder Krieg!&ldquo;<\/em>-Bewegung der fr&uuml;hen Weimarer Republik opponierte nun in der Bundesrepublik eine starke Opposition aktiv gegen die Wiederbewaffnung, die in ihren Augen eine <em>&bdquo;Remilitarisierung&ldquo;<\/em> darstellte.\n<\/p><\/li>\n<p> \t<u>Frieden mit der Sowjetunion &ndash; eine unerledigte Aufgabe (1989)<\/u><\/p>\n<p>Die seit 1969 von einer sozial-liberalen Bundesregierung getragene Friedens- und Entspannungspolitik wurde in der Folgezeit von einer Bev&ouml;lkerungsmehrheit des westdeutschen Teilstaates getragen. Aber eine starke Minderheit blieb skeptisch bis ablehnend. Viele verweigerten sich noch immer der Anstrengung, sich in die Vorstellungswelt der Menschen in der Sowjetunion zu versetzen, deren Land vor nicht allzu langer Zeit von einem deutschen Aggressions- und Vernichtungskrieg &uuml;berzogen worden war. Noch Jahrzehnte sp&auml;ter hielten Teile der deutschen Bev&ouml;lkerung an ihren alten antirussischen Feindbildern fest. <\/p>\n<p>In Russland selbst wurde diese Haltung stets mit gro&szlig;em Befremden wahrgenommen. Das teilte uns damals &ndash; 1989 &ndash; der russische Deutschland-Kenner und hochrangige sowjetische Politiker Nikolai Portugalow (1928-2008) mit. Die Deutschen, sagte er, h&auml;tten eine gro&szlig;e, <em>&bdquo;nicht-anerkannte und unbereute Schuld&ldquo; <\/em>auf sich geladen. Und weiter: <em>&bdquo;Die Ungeheuerlichkeit des Vorgangs, dass gerade die Deutschen unermessliches Leid &uuml;ber unser Land gebracht hatten, ist nicht nur an dem materiellen Schaden zu <\/em><em>messen, auch nicht nur an den Toten, den Verkr&uuml;ppelten, an der Verw&uuml;stung, der verbrannten Erde und dergleichen mehr. Der Vorgang, schon der Wille, die Sowjetunion zu vernichten, ist ungeheuerlich. Das h&auml;tten wir in unserer Geschichte wohl vielleicht von Tartaren erwartet, im fr&uuml;hen Mittelalter, aber doch nicht von den Deutschen!&ldquo;<\/em>[<a href=\"#foot_19\" name=\"note_19\">19<\/a>]<em> <\/em><\/p>\n<p>Nikolai Portugalow war als Mitglied des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zentralkomitee\">Zentralkomitees der KPdSU<\/a> und als Berater von Parteichef <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Michail_Gorbatschow\">Michail Gorbatschow<\/a> auf sowjetischer Seite f&uuml;hrend an der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deutsche_Wiedervereinigung\">Wiedervereinigung<\/a> <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deutschland\">Deutschlands<\/a> beteiligt.[<a href=\"#foot_20\" name=\"note_20\">20<\/a>] Er geh&ouml;rte zu jenen Russen, die trotz des Zweiten Weltkrieges auf eine deutsch-russische Symbiose hofften, und leistete dazu unter anderem mit der &Uuml;bersetzung von Werken von Bertolt Brecht und Heinrich B&ouml;ll in die russische Sprache einen eigenen Beitrag. Hat dieser Br&uuml;ckenbau wirklich zur Auss&ouml;hnung beigetragen? Noch in den sp&auml;ten 1980er-Jahren gab es hierzulande Warnungen &ndash; etwa von dem damaligen Generalinspekteur der Bundeswehr, Eberhard Zorn &ndash;, Russland sei eine Bedrohung f&uuml;r den Frieden.[<a href=\"#foot_21\" name=\"note_21\">21<\/a>] In den K&ouml;pfen der Gegner der Befriedung des deutsch-russischen Verh&auml;ltnisses lebten die alten Feindbilder fort. <\/p>\n<p>Als sich das Ende des Kalten Krieges ank&uuml;ndigte, war die Idee eines <em>&bdquo;Friedens mit der Sowjetunion&ldquo;<\/em> dann jedoch mehr als eine idealisierende Zukunftsmusik. Wie eingangs erw&auml;hnt, beeilte sich damals in der Forschungsst&auml;tte der <em>Evangelischen Studiengemeinschaft in Heidelberg (FEST)<\/em> eine Gruppe von Politikern und Historikern &ndash; unter ihnen Erhard Eppler &ndash;, die j&uuml;ngere deutsch-russische Geschichte aufzuarbeiten. Wir bezeichneten den Frieden mit der Sowjetunion seinerzeit als eine <em>&bdquo;unerledigte Aufgabe&ldquo;<\/em>.[<a href=\"#foot_22\" name=\"note_22\">22<\/a>] In dieser Formulierung schwang die hoffnungsvolle Erwartung mit, diese friedenspolitische Aufgabe k&ouml;nne alsbald erledigt werden. Die Chancen, im Prozess der Entfeindung voranzukommen, waren seinerzeit insbesondere mit dem Namen des sowjetischen Staatspr&auml;sidenten Michail Gorbatschow verkn&uuml;pft.[<a href=\"#foot_23\" name=\"note_23\">23<\/a>]\n\n<\/p><li><u>Geeintes Deutschland nach 1989 &ndash; eine pazifizierte Gesellschaft<\/u>\n<p>Die Friedens- und Entspannungspolitik der 1970er-Jahre verbesserte nicht nur die deutsch-polnischen und die deutsch-sowjetischen Beziehungen. Sie wirkte auch positiv in die deutsche Gesellschaft hinein. Unter der stets pr&auml;senten Drohung eines m&ouml;glichen Nuklearkrieges entwickelte sich in Deutschland schrittweise eine Friedenskultur. Sie korrespondierte auf der politischen Ebene mit dem Regelsystem der Europ&auml;ischen Union, n&auml;mlich der Verpflichtung der Staaten auf gewaltfreien Konfliktaustrag im Innenverh&auml;ltnis der EU. <\/p>\n<p>Eine solche Umkehr vollzog sich, wenngleich in unterschiedlicher Weise, in beiden deutschen Staaten. Zug um Zug bildeten sich pazifizierte Gesellschaften heraus. Die Menschen lernten, dass sich Frieden lohnt, dass er die Voraussetzung f&uuml;r Wohlstand darstellt und diesen zu sichern vermag. Kurz: Dass ein gutes Leben auch ohne die <em>&bdquo;Kornkammer Ukraine&ldquo;<\/em> m&ouml;glich ist, dass sich selbst auf engerem Raum ohne Krieg gut leben l&auml;sst. Nach dem Ende des Kalten Krieges 1969[<a href=\"#foot_24\" name=\"note_24\">24<\/a>] und w&auml;hrend des Prozesses der Gestaltung einer Politik der Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE-Prozess) erschien die Vorstellung, die deutsche Gesellschaft m&uuml;sse <em>&bdquo;kriegst&uuml;chtig&ldquo;<\/em> sein, als abwegig und v&ouml;llig aus der Zeit gefallen.<\/p>\n<p>Das sah man nicht nur in Deutschland so. Anerkennend schrieb beispielsweise der amerikanische Historiker und Deutschlandkenner James Sheehan im Jahre 2008 in seinem Buch &uuml;ber <em>&bdquo;Europas langen Weg zum Frieden&ldquo;<\/em>: Auf diesem Kontinent, besonders in Deutschland, habe sich nach 1945 der <em>&bdquo;Aufstieg des zivilen Staates&ldquo;<\/em> vollzogen.[<a href=\"#foot_25\" name=\"note_25\">25<\/a>] Die militaristischen Tendenzen seien immer mehr zur&uuml;ckgedr&auml;ngt worden zugunsten der wachsenden Mentalit&auml;t der Friedfertigkeit.[<a href=\"#foot_26\" name=\"note_26\">26<\/a>] Dies ist eine Sicht, die auch von Analysen der deutschen Historischen Friedensforschung gest&uuml;tzt wird.[<a href=\"#foot_27\" name=\"note_27\">27<\/a>] Wir &Auml;lteren k&ouml;nnen also sagen: Zu unseren Lebzeiten konnten mehrere Generationen von Deutschen und Europ&auml;ern ein Leben ohne Krieg f&uuml;hren. [<a href=\"#foot_28\" name=\"note_28\">28<\/a>] Frieden auf dem Kontinent &ndash; verstanden als Abwesenheit von Krieg &ndash; wurde als Selbstverst&auml;ndlichkeit erlebt.\n<\/p><\/li>\n<li><u>Auslandseins&auml;tze<\/u>\n<p>Ver&auml;nderungen k&uuml;ndigten sich ausgerechnet nach dem Ende des Kalten Krieges und der Vereinigung der beiden deutschen Teilstaaten an, die in erster Linie dem russischen Staatspr&auml;sidenten Michail Sergejewitsch Gorbatschow (1931-2022) zu verdanken war.[<a href=\"#foot_29\" name=\"note_29\">29<\/a>] Seit den fr&uuml;hen 1990er-Jahren wurden die Deutschen von ihrer Regierung sowie von der milit&auml;rischen F&uuml;hrung der Bundeswehr mit dem camouflierenden Propaganda-Schlagwort <em>&bdquo;Neue Normalit&auml;t&ldquo;<\/em> &uuml;berschwemmt. Was war damit gemeint? Mit <em>&bdquo;Normalit&auml;t&ldquo;<\/em> umschrieb man den Abschied von einer Au&szlig;enpolitik der Zur&uuml;ckhaltung und die Gew&ouml;hnung an weltweite Milit&auml;reins&auml;tze der Bundeswehr. Man wollte <em>&bdquo;normal&ldquo;<\/em> agieren k&ouml;nnen wie die Sieger von 1945, n&auml;mlich als eine staatliche Macht, die sich souver&auml;n des kriegerischen Konfliktaustrags als Mittel der Politik bedienen konnte. Verfassungsrechtlich stellte das durchaus ein Problem dar. Der fr&uuml;here Generalinspekteur der Bundeswehr spricht unumwunden von einem <em>&bdquo;Verfassungsbruch&ldquo;<\/em>.[<a href=\"#foot_30\" name=\"note_30\">30<\/a>]<\/p>\n<p>Ausgerechnet die rot-gr&uuml;ne Regierung Schr&ouml;der\/Fischer schickte im Jahre 1999 die Bundeswehr in den ersten Krieg seit ihrem Bestehen. Gemeint ist der sogenannte Kosovo-Krieg gegen Rest-Jugoslawien. Bundesau&szlig;enminister Joschka Fischer sagte damals im Deutschen Bundestag, er habe nicht nur <em>&bdquo;Nie wieder Krieg!&ldquo;<\/em> gelernt, sondern auch <em>&bdquo;Nie wieder Auschwitz!&ldquo;<\/em> Die Bundes-Luftwaffe beteiligte sich an den Luftangriffen der NATO-Verb&uuml;ndeten auf die Bundesrepublik Jugoslawien.[<a href=\"#foot_31\" name=\"note_31\">31<\/a>] Und das V&ouml;lkerrecht? Deutschland war jedenfalls nicht durch ein Mandat der Vereinten Nationen zu diesem Kriegseinsatz legitimiert. Damit beteiligte sich Deutschland an einem v&ouml;lkerrechtswidrigen Angriffskrieg.[<a href=\"#foot_32\" name=\"note_32\">32<\/a>]<\/p>\n<p>F&uuml;r die prinzipiell kriegsgegnerisch eingestellten Teile der deutschen Bev&ouml;lkerung stellte die deutsche Beteiligung am sogenannten Kosovo-Krieg eine existenzielle Entt&auml;uschung dar. Sie l&ouml;ste tiefe Depressionen und Orientierungslosigkeit aus. Hatten doch die f&uuml;hrenden sozialdemokratischen und gr&uuml;nen Politiker die grundlegende Orientierung <em>&bdquo;Nie wieder Krieg!&ldquo;<\/em> preisgegeben und das Land nach Jahrzehnten der Zur&uuml;ckhaltung wieder in die kriegerische Weltordnung eingereiht. Allerdings: Zeitgen&ouml;ssische Meinungsumfragen lassen erkennen, dass eine Mehrheit der Deutschen auch jetzt ihre Friedensmentalit&auml;t nicht preisgab und die Auslandseins&auml;tze der Bundeswehr h&ouml;chst umstritten blieben.[<a href=\"#foot_33\" name=\"note_33\">33<\/a>]\n<\/p><\/li>\n<li><u>Die russische Aggression vom Februar 2022 und die deutsche &Ouml;ffentlichkeit<\/u>\n<p>Von solcher Friedensmentalit&auml;t war die Befindlichkeit der Deutschen zur Zeit des russischen Angriffs auf die Ukraine am 24. Februar 2022 gepr&auml;gt. Das erkl&auml;rt den Schock, der in Deutschland besonders heftig gewesen sein d&uuml;rfte. Lange hatte man hierzulande n&auml;mlich verdr&auml;ngt, dass es sich bei der Parole <em>&bdquo;Nie wieder Krieg!&ldquo;<\/em> um eine spezifisch deutsche Parole handelte, deren Reichweite insoweit begrenzt war. Die Siegerm&auml;chte der beiden Weltkriege hatten 1945 keinen vergleichbaren Schwur abgelegt. Sie hielten den kriegerischen Konfliktaustrag weiterhin f&uuml;r einen normalen Bestandteil ihrer Machtpolitik. Putins Krieg brachte uns die ungebrochene Tradition der kriegerischen Politik nicht nur Russlands, sondern auch der anderen Siegerm&auml;chte des Zweiten Weltkrieges ins Bewusstsein zur&uuml;ck.<\/p>\n<p>Kaum jemand hatte die Fernsehbilder, die an der Grenze zur Ukraine zusammengezogene russische Truppen zeigten, als konkrete milit&auml;rische Kriegsvorbereitung gedeutet. Man beschwichtigte sich mit der Annahme, es handle sich um eine Drohkulisse zur Unterst&uuml;tzung weiterer diplomatischer Aktivit&auml;ten, die zur Reduzierung vorhandener Spannungen f&uuml;hren sollten. Mehr konnte und wollte man sich hierzulande nicht vorstellen. Als sich die Hoffnung auf eine Deeskalation der Krise nicht bewahrheitete, breitete sich in der deutschen Gesellschaft ein diffuses Gef&uuml;hl der Angst aus.<\/p>\n<p>Getrieben von dieser Angst, kam es nach der <em>&bdquo;Zeitenwende&ldquo;<\/em>-Rede von Bundeskanzler Olaf Scholz[<a href=\"#foot_34\" name=\"note_34\">34<\/a>] in Teilen der deutschen Bev&ouml;lkerung zur Reaktivierung kriegerischer Reflexe. Sie f&uuml;hrten zu dem Ruf nach Unterst&uuml;tzung der Ukraine nicht nur durch humanit&auml;re Hilfeleistungen, sondern auch durch Lieferung von Waffen. Allenthalben fragte man sich, ob gerade eine friedliche Welt zusammengebrochen war. Man fragte auch, warum unsere Regierung und unsere Geheimdienste die russische Aggressivit&auml;t &ndash; aber auch die fehlende Verhandlungsbereitschaft von USA und NATO &ndash; nicht fr&uuml;her erkannt beziehungsweise falsch eingesch&auml;tzt hatten.<\/p>\n<p>Mit dem Schock korrespondierte im Westen eine eindeutige Schuldzuweisung. Die Russen, hie&szlig; es entsprechend den Vorgaben der US-Propaganda, h&auml;tten im Februar 2022 einen <em>&bdquo;unprovozierten Angriffskrieg&ldquo;<\/em> begonnen. Es dauerte einige Zeit, bis sich einzelne Experten getrauten, die Frage zu stellen, ob man nicht den Blick weiter in die Vergangenheit richten sollte, um m&ouml;gliche mittel- und l&auml;ngerfristige Ursachen dieses Krieges in den Blick zu bekommen. Dabei geriet u.a. der Befund ins Blickfeld, dass der sowjetische Pr&auml;sident Gorbatschow nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Aufl&ouml;sung des Warschauer Paktes die m&uuml;ndliche Zusicherung hochrangiger westlicher Politiker erhalten hatte, die NATO werde sich nicht nach Osten hin ausdehnen. Eine kritische Minderheit in Deutschland thematisierte nun die Geschichte der NATO-Osterweiterung und damit die Nicht-Beachtung russischer Sicherheitsinteressen durch die USA und die NATO-F&uuml;hrung seit den 1990er-Jahren. Die Bewertung des politischen Gewichts dieser Vorgeschichte f&auml;llt bislang unterschiedlich aus.<\/p>\n<p>Mein eigenes Fazit zur Vorgeschichte dieses Krieges lautet: Im politischen Kampf um die Ukraine prallten die unterschiedlichen geostrategischen Machtinteressen der Atomm&auml;chte USA und Russland aufeinander. Sie korrespondierten mit der innerukrainischen Konfliktkonstellation: In der Westukraine unterst&uuml;tzten die USA die prowestliche Aufstandsbewegung des Maidan. Die Bek&auml;mpfung der Autonomiebestrebungen der russischsprachigen Ostukraine durch die Kiewer Regierung f&uuml;hrte seit 2014 &ndash; also bereits acht Jahre vor Beginn des eigentlichen Ukraine-Krieges &ndash; zu einem innerukrainischen B&uuml;rgerkrieg, in den sowohl der Westen als auch Russland involviert waren. So betrachtet, l&auml;sst sich der Ukraine-Krieg als Zusammenprall kontr&auml;rer geopolitischer Interessen der Gro&szlig;m&auml;chte Russland und USA deuten.<\/p>\n<p>Die Version der <em>&bdquo;unprovozierten&ldquo;<\/em> russischen Aggression[<a href=\"#foot_35\" name=\"note_35\">35<\/a>] pr&auml;gt die &ouml;ffentliche Meinung in Deutschland bis heute. Sie kanalisiert die Meinungsbildung und erschwert die Erforschung der tieferliegenden Ursachen dieses Krieges. Einer zuverl&auml;ssigen Meinungsumfrage zufolge unterst&uuml;tzen inzwischen &ndash; Stand Februar 2025 &ndash; fast zwei Drittel der Deutschen den Kurs ihrer Regierung, also weitere Waffenlieferungen zur Fortsetzung des Krieges.[<a href=\"#foot_36\" name=\"note_36\">36<\/a>]<\/p>\n<p>Die genaue Analyse der l&auml;ngerfristigen Ursachen dieses Krieges k&ouml;nnte helfen, in die Realit&auml;t zur&uuml;ckzufinden. <em>&bdquo;Kopfkl&auml;rungen&ldquo;<\/em> bieten beispielsweise die Autoren Patrick Baab, Jacques Baud, Gabriele Krone-Schmalz, Harald Kujat, Erich Vad, Michael von der Schulenburg, Jeffrey Sachs, John J. Mearsheimer, Emmanuel Todd und G&uuml;nter Verheugen, um nur einige aus dem Lager der Minderheit zu nennen, die es wagte, sich gegen den Mainstream zu stellen.[<a href=\"#foot_37\" name=\"note_37\">37<\/a>]<\/p>\n<p>Seit Beginn des Ukraine-Krieges steht das Kulturgut <em>&bdquo;deutsche Zivilgesellschaft&ldquo;<\/em> unter massivem Druck. Mit <em>&bdquo;Zeitenwende&ldquo;<\/em> und <em>&bdquo;Kriegst&uuml;chtigkeit&ldquo;<\/em> meinen die Protagonisten nicht nur das deutsche Milit&auml;r, die Bundeswehr. Ihr Ziel lautet vielmehr, die gesamte Gesellschaft f&uuml;r <em>&bdquo;den Krieg&ldquo;<\/em> zu ert&uuml;chtigen.[<a href=\"#foot_38\" name=\"note_38\">38<\/a>] Begr&uuml;ndet wird dieser Kurs mit der &ndash; spekulativen, aber politisch nat&uuml;rlich h&ouml;chst brisanten &ndash; Behauptung, Putin-Russland habe wom&ouml;glich die Absicht, sich in einigen Jahren nach der Ukraine auch das Baltikum und andere europ&auml;ische L&auml;nder einzuverleiben. Da ist meines Erachtens genuines Feindbilddenken am Werk. Es speist sich aus einer D&auml;monisierung des Kremlchefs als Verk&ouml;rperung des B&ouml;sen, n&auml;mlich angenommener immanenter russischer Aggressivit&auml;t. <\/p>\n<p>Tats&auml;chlich hat Putin eine Entwicklung durchgemacht. In den ersten Jahren seiner Pr&auml;sidentschaft war er durchaus offen f&uuml;r die Vision der <em>&bdquo;Gemeinsamen Sicherheit&ldquo;<\/em> in Europa, wie seine Reden von 2001 und 2007 in Deutschland belegen. Gleichzeitig nahm er die Politik des Westens &ndash; speziell die der USA und der NATO &ndash; als konfrontativ und bedrohlich wahr. Putin hat mehrfach &ouml;ffentlich ausgesprochen, dass f&uuml;r ihn der Zerfall der Sowjetunion <em>&bdquo;die gr&ouml;&szlig;te politische Katastrophe des 20. Jahrhunderts&ldquo;<\/em> gewesen sei.[<a href=\"#foot_39\" name=\"note_39\">39<\/a>] Er sagte allerdings auch, was hierzulande weniger oft zitiert wird: &bdquo;<em>Wer die Sowjetunion nicht vermisst, hat kein Herz. Wer sie zur&uuml;ckhaben will, hat kein Hirn.&ldquo;<\/em>[<a href=\"#foot_40\" name=\"note_40\">40<\/a>]<\/p>\n<p>Einen generellen Verzicht auf milit&auml;rische Gewalt als Mittel der Politik hat es in Russland auch nach dem Ende des Ost-West-Konflikts nicht gegeben. Wer Putins Politik begreifen will, sollte dessen Handeln im zweiten Tschetschenienkrieg (1999-2009)[<a href=\"#foot_41\" name=\"note_41\">41<\/a>] &ndash; mit der fast v&ouml;lligen Zerst&ouml;rung der Gro&szlig;stadt Grosny[<a href=\"#foot_42\" name=\"note_42\">42<\/a>] &ndash;, im Georgienkrieg (2008) und im Syrienkrieg (seit 2015)[<a href=\"#foot_43\" name=\"note_43\">43<\/a>] studieren. Wir erkennen jeweils einen bedenkenlosen, gleichsam selbstverst&auml;ndlichen Gewalteinsatz. Mit der milit&auml;rischen Machtpolitik nach au&szlig;en korrespondiert eine repressive russische Innenpolitik. In ausdr&uuml;cklicher Abgrenzung und Gegnerschaft zum westlichen Demokratiemodell formte Putin etwa seit 2010 ein autorit&auml;res Herrschaftssystem. Damit kn&uuml;pfte er an die autorit&auml;re, machtstaatliche Tradition an, die f&uuml;r das Land bereits seit dem Mittelalter charakteristisch war.[<a href=\"#foot_44\" name=\"note_44\">44<\/a>]<\/p>\n<p>Im Westen wird vermutet, die russische Kriegspolitik gegen die Ukraine stelle auch eine exemplarische Kampfansage gegen westliche, demokratische Ordnungsvorstellungen dar.[<a href=\"#foot_45\" name=\"note_45\">45<\/a>] Diese w&uuml;rden, hei&szlig;t es, eine Magnetwirkung f&uuml;r russische Oppositionelle entfalten und k&ouml;nnten das Land destabilisieren. Welches Gewicht diese Facette der Systemkonkurrenz im Vergleich mit anderen kriegsverursachenden Faktoren hat, ist schwer einzusch&auml;tzen. Erhellende Meinungsumfragen dazu gibt es nicht.<\/p>\n<p>Kritiker der deutschen Ukrainepolitik monieren seit Jahren, dass unsere Regierung keine eigenen Friedensinitiativen entwickelt und lediglich im Schlepptau der US-amerikanischen Regierung agiert hat. Tats&auml;chlich hat die Bundesregierung es widerspruchslos hingenommen, dass die f&uuml;hrende Macht des Westens bereits im April 2022 erfolgversprechende Friedensverhandlungen (siehe das Istanbuler Kommuniqu&eacute; vom April 2022) zwischen Russland und der Ukraine zur&uuml;ckpfiff. So stellt sich erneut die Frage: Wird diese Politik dem Auftrag unseres Grundgesetzes hinreichend gerecht, <em>&bdquo;in einem vereinigten Europa dem Frieden der Welt zu dienen&ldquo;<\/em>?[<a href=\"#foot_46\" name=\"note_46\">46<\/a>]\n<\/p><\/li>\n<li><u>Zukunftsvisionen: Dauerhafte Verfeindung oder gemeinsame Sicherheit?<\/u>\n<p>Der Versuch eines Blickes in die Zukunft ist durch den Regierungswechsel in den USA nicht eben erleichtert geworden. Ich m&ouml;chte gleichwohl nicht auf eine Zukunftsvision verzichten. Die mir vorschwebende Alternative vor Augen kann ich an dieser Stelle nur in groben Z&uuml;gen skizzieren: <\/p>\n<p>Erstens die negative Version: Sie ist angesichts der aktuellen Entwicklungen des Jahres 2025 die wahrscheinlichste. Sie lautet: R&uuml;ckzug der USA aus Europa, ungebremste Aufr&uuml;stung in Europa, auch in Deutschland, unter der Losung <em>&bdquo;Kriegst&uuml;chtigkeit&ldquo;, <\/em>weitere Eskalation des Ukraine-Krieges. Sollte es unter dem neuen Druck der USA gelingen, den hei&szlig;en Krieg zu Lasten der Ukraine zu beenden, bekommen wir wahrscheinlich einen neuen Kalten Krieg. Es entsteht ein neuer Eiserner Vorhang, der die Feindkonstellation zementiert. Milit&auml;r, Aufr&uuml;stung und Feinddenken beherrschen weiterhin die Politik, die Volkswirtschaften und das Denken der Menschen. Sie produzieren eine stete Kriegsgefahr.<\/p>\n<p>Zweitens gibt es eine positive Zukunftsvision: Sie muss nicht neu erfunden werden. Vielmehr kann sie an &auml;ltere Erfahrungen ankn&uuml;pfen, n&auml;mlich an die Friedens- und Entspannungspolitik seit den 1970er-Jahren. Der Kern dieses Politikmodells besteht in der Erkenntnis, dass Frieden und Sicherheit in Europa nicht in einem milit&auml;rischen Gegeneinander gewonnen werden k&ouml;nnen, sondern nur in einem Miteinander, zumindest im Sinne einer friedlichen Koexistenz.[<a href=\"#foot_47\" name=\"note_47\">47<\/a>] So schwer das heute auch vorstellbar ist: Das Miteinander muss Russland auch zuk&uuml;nftig einschlie&szlig;en. Aus der Einsicht in die absolute Priorit&auml;t der Friedensgewinnung und Friedensbewahrung kann l&auml;ngerfristig neues Vertrauen wachsen. Das ist die grundlegende Voraussetzung f&uuml;r eine positive Entwicklung. Die Ideen der <em>&bdquo;Gemeinsamen Sicherheit&ldquo;<\/em> und des <em>&bdquo;Gemeinsamen Hauses Europa&ldquo;<\/em> geben die politische Orientierung vor. Die Charta von Paris von 1990 kann das v&ouml;lkerrechtliche Modell f&uuml;r k&uuml;nftige gesamteurop&auml;ische Vereinbarungen sein. Es b&uuml;ndelt die wohlverstandenen Interessen aller europ&auml;ischen L&auml;nder.[<a href=\"#foot_48\" name=\"note_48\">48<\/a>]<\/p>\n<p>Wir lernen gerade, dass die politischen Interessen der europ&auml;ischen L&auml;nder keineswegs mit denen der USA identisch sein m&uuml;ssen. Vielleicht reift nun auch die Erkenntnis, dass die Politik, die zum KSZE-Prozess gef&uuml;hrt hat, also zu Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, kein Fehler war, f&uuml;r den sich die deutsche Politik heute entschuldigen m&uuml;sste. Vielmehr war sie im Kern richtig, wurde aber nicht konsequent genug betrieben. So betrachtet, hat sich die Parole <em>&bdquo;Nie wieder Krieg!&ldquo;<\/em>, die uns viele Jahrzehnte lang eine Orientierung geboten hat, eben nicht erledigt. In unserem Lande gibt es nach wie vor viele Menschen, die sich eine kriegskritische Haltung bewahrt haben.[<a href=\"#foot_49\" name=\"note_49\">49<\/a>]<\/p>\n<p>Dan Smith, der Direktor des schwedischen Friedensforschungsinstituts SIPRI, stellte dieser Tage (2.4.2025) fest, dass das Niveau der Milit&auml;rausgaben in Europa derzeit <em>&bdquo;h&ouml;her als je zuvor&ldquo;<\/em> sei, und er kn&uuml;pfte daran die Warnung: Die vielen Hundert Milliarden Euro f&uuml;r Milit&auml;r und R&uuml;stung seien nicht das, <em>&bdquo;was notwendig ist, um Europa zu einem sicheren Ort zu machen&ldquo;<\/em>. Vielmehr seien sie <em>&bdquo;ein deutliches Warnsignal f&uuml;r ein ungesundes und gef&auml;hrliches System, in dem wir leben&ldquo;<\/em>. Der Friedenswissenschaftler zeigte sich <em>&bdquo;ziemlich besorgt &uuml;ber die Tendenz, dass Politiker in einer Welt mit vielen Problemen nur an eine Sache denken: die eigene Aufr&uuml;stung&ldquo;<\/em>.[<a href=\"#foot_50\" name=\"note_50\">50<\/a>]<\/p>\n<p>Von dem Friedensnobelpreistr&auml;ger Willy Brandt k&ouml;nnen wir lernen, dass der politische Wille zum Frieden von zentraler Bedeutung ist.[<a href=\"#foot_51\" name=\"note_51\">51<\/a>] An diesem unbedingten Willen zum Frieden hat es in der Vorgeschichte des Ukraine-Krieges sowohl im Westen als auch in Russland gefehlt. Immer mehr Menschen, die sich mit den Ursachen dieses Krieges auseinandersetzen, beginnen zu begreifen, welche politische Dimension die Erkenntnis hat: Auch dieser Krieg h&auml;tte vermieden werden k&ouml;nnen. Klaus von Dohnanyi hat hierzu das Entscheidende gesagt: <em>&bdquo;Putin ist der Aggressor, aber die M&ouml;glichkeit, den Krieg zu verhindern, lag beim Westen.&ldquo;<\/em>[<a href=\"#foot_52\" name=\"note_52\">52<\/a>] Was fehlte, war der Wille zum Frieden. Stattdessen dominierten Machtinteressen geopolitischer und geo&ouml;konomischer Natur.\n<\/p><\/li>\n<li><u>&bdquo;Ernstfall Frieden&ldquo; bleibt die zentrale Lehre aus der deutschen Geschichte<\/u>\n<p>Damit komme ich zum Schluss: Die Parole <em>&bdquo;Nie wieder Krieg!&ldquo;<\/em> kann uns auch k&uuml;nftig die Richtung vorgeben f&uuml;r die Zeit nach der Beendigung des Ukraine-Krieges, in der die Arbeit an der Vision einer lebenswerten europ&auml;ischen Zukunft wieder aufgenommen werden muss. In der <em>&bdquo;Charta von Paris f&uuml;r ein neues Europa&ldquo;<\/em> aus dem Jahre 1990 ist alles vorgedacht, was wir brauchen.<\/p>\n<p>Auf dem Wege zur Wiederbelebung der KSZE k&ouml;nnen wir eigene Beitr&auml;ge leisten: Feindbilder abbauen, die Akteure der anderen Seite entd&auml;monisieren, &uuml;ber die l&auml;ngerfristigen Ursachen des Ukraine-Krieges aufkl&auml;ren, unsere Politikerinnen und Politiker dazu dr&auml;ngen, endlich selbst Friedensinitiativen zu ergreifen und dies nicht den Gro&szlig;m&auml;chten USA und Russland zu &uuml;berlassen. Um einem sich ausbreitenden Fatalismus entgegenzutreten, k&ouml;nnen wir f&uuml;r unsere grundlegenden Einsichten werben: Frieden ist m&ouml;glich und machbar! Kriegsverh&uuml;tung muss das erste Ziel staatlicher Politik bleiben! Verhandeln ist immer besser als Schie&szlig;en! Diplomatie verlangt nicht Sympathie, sondern Empathie, also die F&auml;higkeit, sich in die andere Seite hineinzuversetzen!<\/p>\n<p>Lassen wir uns also nicht einreden, es g&auml;be allein und nur die derzeitige Konfrontationspolitik. Wir k&ouml;nnen w&auml;hlen! Vielleicht erleben wir sogar eine neue Bewegung <em>&bdquo;von unten&ldquo;<\/em>, einen Aufstand der derzeit noch schweigenden Mehrheit in der Bev&ouml;lkerung &ndash; einen Aufstand f&uuml;r eine kooperative Zukunft. Wir m&uuml;ssen heraus aus der Sackgasse des Fatalismus und der l&auml;hmenden Angst! Noch einmal m&uuml;ssen wir uns gegen alle Widerst&auml;nde f&uuml;r die Vision eines friedfertigen <em>&bdquo;Gemeinsamen Hauses Europa&ldquo;<\/em> begeistern und uns mit einem langen Atem f&uuml;r sie einsetzen. Die Vision <em>&bdquo;Ernstfall Frieden&ldquo;<\/em> ist nicht pass&eacute;. <em>&bdquo;Nie wieder Krieg!&ldquo; <\/em>bleibt die zentrale Lehre aus unserer Geschichte. <\/p><\/li>\n<\/ol><p><small>Titelbild: K&auml;the Kollwitz &ndash; Nie wieder Krieg, gemeinfrei<\/small><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_0\" name=\"foot_0\">&laquo;*<\/a>] Prof. i.R. Dr. phil. Wolfram Wette, Historiker und Friedensforscher, Publikation zum Thema: Ernstfall Frieden. Lehren aus der deutschen Geschichte seit 1914. Bremen: Donat-Verlag 2017.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Wilhelm Deist, Manfred Messerschmidt, Hans-Erich Volkmann, Wolfram Wette: Schlussbetrachtung. In: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Ursachen und Voraussetzungen der deutschen Kriegspolitik. Stuttgart 1979 (= Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Band 1), S. 705-716, hier: S. 705<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Original-Dokument des Schwurs von Buchenwald in: <a class=\"nolity\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Widerstand_im_KZ_Buchenwald#\/media\/Datei:Schwurvonbuchenwald.gif\">de.wikipedia.org\/wiki\/Widerstand_im_KZ_Buchenwald#\/media\/Datei:Schwurvonbuchenwald.gif<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Im Gefolge der Rede des Bundespr&auml;sidenten Richard von Weizs&auml;cker am 8. Mai 1985<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Reinhold L&uuml;tgemeier-Davin: Basismobilisierung gegen den Krieg: Die Nie-wieder-Krieg-Bewegung in der Weimarer Republik. In: Karl Holl, Wolfram Wette (Hrsg.), Pazifismus in der Weimarer Republik. Paderborn 1981, S. 47-76<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Andere tauchten unter und mieden die &Ouml;ffentlichkeit. Carl von Ossietzky blieb im Lande, wurde verhaftet und ins Konzentrationslager verschleppt. Der profundeste Kritiker des preu&szlig;isch-deutschen Militarismus, Friedrich Wilhelm Foerster, hatte Deutschland bereits 1922 Hals &uuml;ber Kopf verlassen, weil ihm das Schicksal Erzbergers und Rathenaus drohte. Die Reichsminister Matthias Erzberger und Walther Rathenau wurden von rechtsextremistischen Freikorps-Offizieren ermordet.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Zuerst von dem Historiker Ernst Nolte<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] Die Tageb&uuml;cher von Joseph Goebbels. S&auml;mtliche Fragmente. Hrsg. von Elke Fr&ouml;hlich, Bd. 4, M&uuml;nchen, New York 1987, Eintrag vom 16.6.1941, S. 650 <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] Siehe den Wikipedia-Eintrag: Opfer der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] Nicolas Butylin: Geheime Handreichung: Baerbock will keine Russen bei Kriegs-Gedenken. In: Berliner Zeitung vom 4.4.2025. Im Internet: <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/politik-gesellschaft\/geopolitik\/80-jahre-kriegsende-auswaertiges-amt-will-keine-vertreter-aus-russland-bei-gedenkfeier-li.2313544\">berliner-zeitung.de\/politik-gesellschaft\/geopolitik\/80-jahre-kriegsende-auswaertiges-amt-will-keine-vertreter-aus-russland-bei-gedenkfeier-li.2313544<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] Wolfram Wette: Die Wehrmacht. Feindbilder, Vernichtungskrieg, Legenden. Frankfurt\/M. 2002, S. 26.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] Mitteilungen f&uuml;r die Truppe, hrsg. vom Oberkommando der Wehrmacht\/WFSt\/WPr (IIe), Nr. 112, Juni 1941. Bibliothek des Milit&auml;rgeschichtlichen Forschungsamtes Freiburg, heute: Zentrum f&uuml;r Milit&auml;rgeschichte und Sozialwissenschaften, Potsdam.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>] Bernd St&ouml;ver: Der Kalte Krieg. Geschichte eines radikalen Zeitalters 1947-1991, M&uuml;nchen 2007, S. 68 f. <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_13\" name=\"foot_13\">&laquo;13<\/a>] So auch das Memorandum &bdquo;Frieden mit der Sowjetunion&ldquo; (wie Anm. 23)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_14\" name=\"foot_14\">&laquo;14<\/a>] Reiner Albert\/Gottfried Niedhart: Vom System- zum Machtkonflikt: Die Sowjetunion in der westdeutschen Bedrohungswahrnehmung. In. Arnold Sywottek (Hrsg.), Der Kalte Krieg &ndash; Vorspiel zum Frieden? M&uuml;nster u.a. 1994, S. 69-101<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_15\" name=\"foot_15\">&laquo;15<\/a>] Siehe Wolfram Wette: Militarismus in Deutschland. Geschichte einer kriegerischen Kultur. Frankfurt\/M. (Fischer-TB) 2011, Kap. Nachkriegsdebatten 1945-1955, S. 21-22<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_16\" name=\"foot_16\">&laquo;16<\/a>] Vgl. das &bdquo;Abkommen von Potsdam&ldquo; vom 2. August 1945, unterzeichnet von Stalin, Truman und Attlee. Text in: Deuerlein, Potsdam 1945 (1963), S. 353<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_17\" name=\"foot_17\">&laquo;17<\/a>] Vgl. Wette, Milit&auml;rpolitik (1996), S. 11; siehe auch Bald, Wehrmacht (1983), S. 387<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_18\" name=\"foot_18\">&laquo;18<\/a>] Beide Zitate nach Gebhardt, Milit&auml;r und Krieg (1990), S. 82<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_19\" name=\"foot_19\">&laquo;19<\/a>] Nikolai Portugalow: Vers&ouml;hnung mit den V&ouml;lkern der Sowjetunion. In: Frieden mit der Sowjetunion (wie Anm. 23), S. 402-418, hier: S. 405 u. 411<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_20\" name=\"foot_20\">&laquo;20<\/a>] <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nikolai_Sergejewitsch_Portugalow\">de.wikipedia.org\/wiki\/Nikolai_Sergejewitsch_Portugalow<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_21\" name=\"foot_21\">&laquo;21<\/a>] Beispielweise durch den Generalinspekteur der Bundeswehr, General Eberhard Zorn. Siehe die dpa-Meldung: Generalinspekteur der Bundeswehr h&auml;lt Russland f&uuml;r gro&szlig;e Bedrohung. In: <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/international\/generalinspekteur-haelt-russland-fuer-grosse-bedrohung-ld.1476552\">nzz.ch\/international\/generalinspekteur-haelt-russland-fuer-grosse-bedrohung-ld.1476552<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_22\" name=\"foot_22\">&laquo;22<\/a>] Frieden mit der Sowjetunion. Eine unerledigte Aufgabe. Hrsg. v. Dietrich Goldschmidt, Sophinette Becker, Erhard Eppler, Wolfgang Huber, Horst Krautter, Hartmut Lenhard, Wolfgang Raupach, Klaus von Schubert und Wolfram Wette. G&uuml;tersloh 1989 (= G&uuml;tersloher Taschenb&uuml;cher\/Siebenstern 582) 1989; siehe auch das in diesem Band einleitend abgedruckte Memorandum der Herausgeber, S. 11-20.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_23\" name=\"foot_23\">&laquo;23<\/a>] Memorandum &bdquo;Frieden mit der Sowjetunion&ldquo; (1989) (wie Anm. 15). Aufschlussreich der Interviewband von Franz Alt: Ein Appell von Michael Gorbatschow an die Welt. Kommt endlich zur Vernunft &ndash; Nie wieder Krieg! Salzburg, M&uuml;nchen 4. Aufl. 2017<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_24\" name=\"foot_24\">&laquo;24<\/a>] Aus der Sicht von Anh&auml;ngern der Entspannungspolitik endete der Kalte Krieg bereits 1969, nicht erst 1991, wie die &uuml;bliche Datierung es sehen will.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_25\" name=\"foot_25\">&laquo;25<\/a>] James Sheehan: Kontinent der Gewalt &ndash; Europas langer Weg zum Frieden. M&uuml;nchen 2008, S.266 u. 220<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_26\" name=\"foot_26\">&laquo;26<\/a>] Wolfram Wette: Ernstfall Frieden. Lehren aus der deutschen Geschichte seit 1914. Bremen 2017, S. 416 f. <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_27\" name=\"foot_27\">&laquo;27<\/a>] Siehe den Sammelband von Thomas K&uuml;hne (Hrsg.): Von der Kriegskultur zur Friedenskultur? Zum Mentalit&auml;tswandel in Deutschland seit 1945. M&uuml;nster\/Hamburg\/London 2000 (= Jahrbuch f&uuml;r Historische Friedensforschung, Bd. 9)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_28\" name=\"foot_28\">&laquo;28<\/a>] Eine Ausnahme bildeten die jugoslawischen Zerfallskriege in den 1990er-Jahren. Zusammenfassend: <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/shop\/zeitschriften\/apuz\/31042\/der-zerfall-jugoslawiens-und-dessen-folgen\/\">bpb.de\/shop\/zeitschriften\/apuz\/31042\/der-zerfall-jugoslawiens-und-dessen-folgen\/<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_29\" name=\"foot_29\">&laquo;29<\/a>] Gorbatschow amtierte 1985-1991 als Generalsekret&auml;r der KPdSU und 1990-1991 als Pr&auml;sident der Sowjetunion<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_30\" name=\"foot_30\">&laquo;30<\/a>] So Harald Kujat unter Verweis auf den Grundgesetzartikel 87a, in dem es hei&szlig;t: <em>&bdquo;Der Bund stellt Streitkr&auml;fte zur Verteidigung auf.&ldquo;<\/em> Siehe: <a href=\"https:\/\/www.bing.com\/videos\/riverview\/relatedvideo?q=harald+kujat+Ukraine-Krieg+und+Frieden&amp;mid=76E95625916FD58F212876E95625916FD58F2128&amp;FORM=VIRE\">Bing-Video<\/a>. General Harald Kujat &ndash; Frieden in der Ukraine w&auml;re m&ouml;glich. Vortrag in Malchow am 28.3.2025 <a href=\"https:\/\/www.bing.com\/ck\/a?!&amp;&amp;p=e234c7276ec9e5afe2138c709be6f749a4b2f129e28c14aec83e71ad061b569cJmltdHM9MTc0MzQyNjUxMQ&amp;ptn=3&amp;fclid=3e74f3ef-0e31-11f0-893e-f92ee5f78025&amp;ntb=1&amp;u=a1aHR0cHM6Ly93d3cueW91dHViZS5jb20vd2F0Y2g_dj1GLXRFMlBmbkFsUSZtc29ja2lkPTNlNzRmM2VmMGUzMTExZjA4OTNlZjkyZWU1Zjc4MDI1&amp;ntb=1\">YouTube<\/a> Johannes Holmer. Damit wendet er sich zugleich gegen die Rechtm&auml;&szlig;igkeit des Diktums von Bundesverteidigungsministers Struck vom Februar 2002, Deutschlands Sicherheit werde <em>&bdquo;auch am Hindukusch&ldquo; <\/em>verteidigt &ndash; und damit letztlich &uuml;berall auf der Welt. Siehe: <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/peter-struck-die-praegnantesten-zitate-a-873892.html\">spiegel.de\/politik\/deutschland\/peter-struck-die-praegnantesten-zitate-a-873892.html<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_31\" name=\"foot_31\">&laquo;31<\/a>] Diese bestand 1992-2006 aus den Republiken Serbien und Montenegro. Siehe: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Serbien_und_Montenegro\">de.wikipedia.org\/wiki\/Serbien_und_Montenegro<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_32\" name=\"foot_32\">&laquo;32<\/a>] Anders sieht es die Bundesregierung. Sie argumentierte in einer Regierungspressekonferenz vom 19. M&auml;rz 2025, der damalige Einsatz habe dem <em>&bdquo;Schutz des Kosovo&ldquo;<\/em> gedient und sei nicht v&ouml;lkerrechtswidrig gewesen. Siehe dazu den Faktencheck von Florian Warweg in den NachDenkSeiten vom 24.3.2025: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=130632\">nachdenkseiten.de\/?p=130632<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_33\" name=\"foot_33\">&laquo;33<\/a>] Eine kritische Auseinandersetzung mit der sogenannten &bdquo;Neuen Normalit&auml;t&ldquo; bietet der Band von Dieter S. Lutz (Hrsg.), Deutsche Soldaten weltweit? Blauhelme, Eingreiftruppen, &bdquo;out of area&ldquo; &ndash; Der Streit um unsere sicherheitspolitische Zukunft. Reinbek bei Hamburg 1993<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_34\" name=\"foot_34\">&laquo;34<\/a>] Die <a href=\"https:\/\/r.search.yahoo.com\/_ylt=AwrkPJXr_QloK0Y_zANfCwx.;_ylu=Y29sbwMEcG9zAzEEdnRpZAMEc2VjA3Ny\/RV=2\/RE=1745514092\/RO=10\/RU=https%3a%2f%2fwww.bundesregierung.de%2fbreg-de%2faktuelles%2fregierungserklaerung-von-bundeskanzler-olaf-scholz-am-27-februar-2022-2008356\/RK=2\/RS=21QRiRx2UTVptbF4YLD.ESidZWw-\">Zeitenwende-Rede des Bundeskanzlers am 27.2.2022<\/a> in: <a href=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/breg-de\/aktuelles\/regierungserklaerung-von-bundeskanzler-olaf-scholz-am-27-februar-2022-2008356\">bundesregierung.de\/breg-de\/aktuelles\/regierungserklaerung-von-bundeskanzler-olaf-scholz-am-27-februar-2022-2008356<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_35\" name=\"foot_35\">&laquo;35<\/a>] Es wird von Russland bestritten. So vor kurzem noch einmal der russische Botschafter Sergej J. Netschajew in der ARD-Doku von Anne Will und Julia Friedrichs &bdquo;Angst vor Krieg &ndash; Die Deutschen in der Zeitenwende; 7.5.2025, 20.15-21 Uhr. Netschajew sagte: <em>&bdquo;Wir haben diesen Krieg nicht angefangen.&ldquo;<\/em> Im Internet nachzulesen unter: <a href=\"https:\/\/www.express.de\/politik-und-wirtschaft\/anne-will-trifft-in-ard-russischen-botschafter-beunruhigende-antwort-1000758\">Anne Will trifft in ARD russischen Botschafter: Beunruhigende Antwort | Express<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_36\" name=\"foot_36\">&laquo;36<\/a>] Siehe die vom ZDF-&bdquo;Politbarometer&ldquo; ver&ouml;ffentlichte Umfrage vom 23.2 2024: Umfrage: Zustimmung zu Waffenlieferungen an Ukraine deutlich gestiegen. Danach sprachen sich 62 Prozent der Befragten f&uuml;r verst&auml;rkte Waffenlieferungen aus. <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_37\" name=\"foot_37\">&laquo;37<\/a>] Eine Sammlung der Argumente von deutschen Kritikern des Regierungskurses bietet der Band von Hermann Theisen\/Helmut Donat (Hrsg.): Bedrohter Diskurs. Deutsche Stimmen zum Ukraine Krieg. Bremen; Donat-Verlag 2024 (= Geschichte und Frieden, Bd. 52)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_38\" name=\"foot_38\">&laquo;38<\/a>] Zum historischen Kontext siehe Wolfram Wette: Militarismus in Deutschland. Geschichte einer kriegerischen Kultur. Frankfurt\/M. \/Fischer-TB) 2008<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_39\" name=\"foot_39\">&laquo;39<\/a>] So auch in seinen Gespr&auml;chen mit der vormaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Siehe das Interview mit Merkel am 8. Juni 2022 und den Bericht von Nico Fried u. Boris Herrmann: Kuck mal, wer da spricht. In: S&uuml;ddeutsche Zeitung, 9.6.2022, S. 3<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_40\" name=\"foot_40\">&laquo;40<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/dies-ist-kein-bluff-putins-rede-zur-teilmobilmachung-im-wortlaut-8667736.html\">Dies ist kein Bluff&ldquo;: Putins Rede zur Teilmobilmachung (22.9.2022) im Wortlaut<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_41\" name=\"foot_41\">&laquo;41<\/a>] <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zweiter_Tschetschenienkrieg\">de.wikipedia.org\/wiki\/Zweiter_Tschetschenienkrieg<\/a> . Zitat aus dem Eintrag: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Russisch-Tschetschenischer_Konflikt#Tschetschenienkriege\">Russisch-Tschetschenischer Konflikt &ndash; Wikipedia<\/a>: &bdquo;Anfang 2000 wurde die Stadt Grosny durch die Kampfhandlungen fast v&ouml;llig zerst&ouml;rt und Tschetschenien unter russische Kontrolle gebracht.&ldquo; <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_42\" name=\"foot_42\">&laquo;42<\/a>] Siehe: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kaukasuskrieg_2008\">Kaukasuskrieg 2008 &ndash; Wikipedia<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_43\" name=\"foot_43\">&laquo;43<\/a>] Siehe: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Russischer_Milit%C3%A4reinsatz_in_Syrien\">de.wikipedia.org\/wiki\/Russischer_Milit&auml;reinsatz_in_Syrien<\/a><em> <\/em><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_44\" name=\"foot_44\">&laquo;44<\/a>] Hans-Heinrich Nolte: Geschichte Russlands. Stuttgart (Reclam) 4. Aufl. 2024, mit einem neuen Kapitel &uuml;ber den Ukraine-Krieg<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_45\" name=\"foot_45\">&laquo;45<\/a>] Exemplarisch Gustav Seibt, Autor der S&uuml;ddeutschen Zeitung<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_46\" name=\"foot_46\">&laquo;46<\/a>] Siehe die Pr&auml;ambel des Grundgesetzes f&uuml;r die Bundesrepublik Deutschland<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_47\" name=\"foot_47\">&laquo;47<\/a>] Friedliche Koexistenz meint: unter Ausschluss eines kriegerischen Konflikts<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_48\" name=\"foot_48\">&laquo;48<\/a>] Die Charta wurde am 21. November 1990 als Schlussdokument der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Konferenz_%C3%BCber_Sicherheit_und_Zusammenarbeit_in_Europa\">KSZE<\/a>-Sondergipfelkonferenz von 32 europ&auml;ischen L&auml;ndern (einschlie&szlig;lich der Sowjetunion) sowie den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Vereinigte_Staaten\">USA<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kanada\">Kanada<\/a> unterschrieben. Siehe: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Charta_von_Paris\">de.wikipedia.org\/wiki\/Charta_von_Paris<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_49\" name=\"foot_49\">&laquo;49<\/a>] Anhaltspunkte f&uuml;r diese Aussage bieten die Umfragen des Markt- und Meinungsforschungsinstituts IPSOS sowie die Russland-Analyse Nr. 437 der Bundeszentrale f&uuml;r politische Bildung vom 26.5.2023 zum Thema: Umfragen: Die Haltung der deutschen Bev&ouml;lkerung zum Krieg gegen die Ukraine: Waffen, Sanktionen, Diplomatie. | Russland-Analysen | bpb.de<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_50\" name=\"foot_50\">&laquo;50<\/a>] Sven Christian Schulz (Br&uuml;ssel\/Stockholm): Diplomatie als &bdquo;erste Verteidigungslinie&ldquo;. Interview mit Dan Smith, dem Chef des Friedensforschungsinstituts SIPRI. In: Badische Zeitung, 2.4.2025, S. 7<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_51\" name=\"foot_51\">&laquo;51<\/a>] Siehe das Buch von Willy Brandt: Der Wille zum Frieden. Perspektiven der Politik. Mit einem Vorwort von Golo Mann. Frankfurt\/M. 1973<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_52\" name=\"foot_52\">&laquo;52<\/a>] So Dohnanyi im Polit-Talk mit Mavbritt Illner im ZDF am 10.3.2022.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Prof. i.R. Dr. <strong>Wolfram Wette<\/strong>[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=133522#foot_0\" name=\"note_0\">*<\/a>], Waldkirch, hatte am 7. Mai 2025 im Saal des Kulturzentrums Reutlingen einen auch f&uuml;r NachDenkSeiten-Leserinnen und -Leser interessanten Vortrag gehalten. Die Veranstaltung war von der Reutlinger Initiative f&uuml;r Frieden und Abr&uuml;stung (RIFA) und Kooperationspartnern getragen worden. Wir ver&ouml;ffentlichen den Text des Vortrags. Der Text enth&auml;lt viele wichtigen Fakten<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=133522\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":133529,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[159,170,165,171,11],"tags":[2871,358,3180,2013,3260,1268,1611,2104,893,2250,416,2110,1257,915,826,259,2147,260,1556,2377,990,2475,966,2718,2360],"class_list":["post-133522","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-fremdenfeindlichkeit-rassismus","category-friedenspolitik","category-innen-und-gesellschaftspolitik","category-militaereinsaetzekriege","category-strategien-der-meinungsmache","tag-antikommunismus","tag-bundeswehr","tag-charta-von-paris","tag-entspannungspolitik","tag-feindbild","tag-kalter-krieg","tag-kriegsluegen","tag-kriegsopfer","tag-militarisierung","tag-nachkriegszeit","tag-nationalsozialismus","tag-out-of-area-einsatz","tag-pazifismus","tag-putin-wladimir","tag-rassismus","tag-russland","tag-sowjetunion","tag-ukraine","tag-usa","tag-waffenlieferungen","tag-wehrmacht","tag-weimarer-republik","tag-weltkrieg","tag-wiederbewaffnung","tag-zivile-opfer"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/250526_01.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/133522","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=133522"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/133522\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":133545,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/133522\/revisions\/133545"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/133529"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=133522"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=133522"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=133522"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}