{"id":133584,"date":"2025-05-27T09:00:38","date_gmt":"2025-05-27T07:00:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=133584"},"modified":"2025-05-30T07:03:47","modified_gmt":"2025-05-30T05:03:47","slug":"wer-ist-eigentlich-der-verfassungsfeind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=133584","title":{"rendered":"Wer ist eigentlich der Verfassungsfeind?"},"content":{"rendered":"<p>In den Vereinigten Staaten vollzieht sich unter der Pr&auml;sidentschaft von Donald Trump derzeit ein umfassender innen- und au&szlig;enpolitischer Wandel. Im <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=132369\">ersten Teil<\/a> wurde die Auswirkung der Neuausrichtung der US-Au&szlig;enpolitik auf die politische Agenda europ&auml;ischer Staaten n&auml;her beleuchtet. In diesem zweiten Teil wird n&auml;her auf die Hintergr&uuml;nde und die Folgen der US-Wirtschaftspolitik eingegangen. Zudem stellt sich aufgrund &auml;hnlicher gesellschaftlicher Herausforderungen in den USA und Europa die Frage, inwieweit die politische Entwicklung in den Vereinigten Staaten eine Blaupause f&uuml;r zuk&uuml;nftige Wahlausg&auml;nge in Europa ist. Von <strong>Karsten Montag<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6619\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-133584-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250528_Wer_ist_eigentlich_der_Verfassungsfeind_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250528_Wer_ist_eigentlich_der_Verfassungsfeind_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250528_Wer_ist_eigentlich_der_Verfassungsfeind_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250528_Wer_ist_eigentlich_der_Verfassungsfeind_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=133584-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250528_Wer_ist_eigentlich_der_Verfassungsfeind_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250528_Wer_ist_eigentlich_der_Verfassungsfeind_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Um es vorwegzunehmen: Die Frage im Titel, wer eigentlich der Verfassungsfeind ist, wird in diesem Beitrag nicht abschlie&szlig;end gekl&auml;rt. Es deutet sich jedoch anhand einer n&auml;heren Betrachtung der Entwicklung von Verm&ouml;gen und Haushaltsdefiziten in den USA und Deutschland an, wie man die Frage wom&ouml;glich beantworten k&ouml;nnte.<\/p><p><strong>Au&szlig;enhandelsdefizit und Staatsschulden der Vereinigten Staaten<\/strong><\/p><p>US-Pr&auml;sident Donald Trump hat das Absenken des Au&szlig;enhandelsdefizits und der Staatsausgaben zu den Hauptzielen seiner Wirtschaftspolitik gemacht. Er hat die Folgen des seit Jahrzehnten wachsenden Au&szlig;enhandelsdefizit <a href=\"https:\/\/www.whitehouse.gov\/fact-sheets\/2025\/04\/fact-sheet-president-donald-j-trump-declares-national-emergency-to-increase-our-competitive-edge-protect-our-sovereignty-and-strengthen-our-national-and-economic-security\/\">als &bdquo;nationalen Notstand&ldquo; erkl&auml;rt<\/a>. Die bisherige Wirtschaftspolitik h&auml;tte zu einer Aush&ouml;hlung der US-Produktionsbasis gef&uuml;hrt, kritische Versorgungsketten untergraben und die verteidigungsindustrielle Basis von ausl&auml;ndischen Gegnern abh&auml;ngig gemacht. Das Ungleichgewicht zwischen Ein- und Ausfuhren habe L&auml;nder wie China gest&auml;rkt und Amerikas Mittelschicht und Kleinst&auml;dten geschadet, so das Wei&szlig;e Haus. Mit Z&ouml;llen auf die Einfuhr von Waren und Dienstleistungen will Trump die internationale Wirtschaftsposition der Vereinigten Staaten st&auml;rken und amerikanische Arbeitnehmer sch&uuml;tzen.<\/p><p>Die seit 2008 steigende Schuldenquote (Staatsschulden im Verh&auml;ltnis zum BIP) der USA, die aktuell bei 124 Prozent liegt, hat bereits zu <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/yellen-nennt-herabstufung-der-kreditw%C3%BCrdigkeit-willk%C3%BCrlich\/a-66416451\">Abwertungen der Kreditw&uuml;rdigkeit des Landes<\/a> durch mehrere <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/moodys-rating-usa-100.html\">Rating-Agenturen<\/a> gef&uuml;hrt. Eine &auml;hnlich hohe Schuldenquote in Kombination mit einem R&uuml;ckgang der Wirtschaftsleistungen hatte 2010 die griechische Staatsschuldenkrise ausgel&ouml;st. Die Rating-Agenturen hatten die Kreditw&uuml;rdigkeit des Landes so weit heruntergestuft, dass sich die griechische Regierung nur noch gegen hohe Zinsen Geld leihen konnte. Es drohte der Staatsbankrott.<\/p><p>Die US-Regierung unter Trump hat im Haushaltsplan f&uuml;r 2026 eine K&uuml;rzung der Staatsausgaben in den Ressorts abseits der Landesverteidigung <a href=\"https:\/\/www.whitehouse.gov\/briefings-statements\/2025\/05\/the-white-house-office-of-management-and-budget-releases-the-presidents-fiscal-year-2026-skinny-budget\/\">um 163 Milliarden Dollar vorgesehen<\/a>. Dies entspr&auml;che einer Absenkung im Vergleich zum Haushalt f&uuml;r 2025 um 23 Prozent. Die Ausgaben f&uuml;r eine &bdquo;sch&auml;digende woke, marxistische Agenda&ldquo; und f&uuml;r Auslandshilfen sollen radikal gek&uuml;rzt werden, so die Worte des Wei&szlig;en Hauses. Gleichzeitig sollen die Ausgaben f&uuml;r die Verteidigung um 13 Prozent und die Ausgaben f&uuml;r den Heimatschutz um 65 Prozent steigen. Ein wichtiges Element zur Senkung der Staatsausgaben ist die neu eingerichtete Kommission &bdquo;Department of Government Efficiency&ldquo; (DOGE), die de facto von dem Multimilliard&auml;r Elon Musk geleitet wird.<\/p><p>Ein Blick auf die entsprechenden Kennzahlen zeigt zun&auml;chst, dass das Au&szlig;enhandelsdefizit nur einen Bruchteil des Bruttoinlandsproduktes ausmacht und bei Weitem nicht in dem Ma&szlig;e angewachsen ist wie die Wirtschaftsleistung des Landes.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250527-Montag-Verfassungsfeind-01.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250527-Montag-Verfassungsfeind-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Abbildung 1: BIP, Staatsschulden, Au&szlig;enhandelsbilanz und Staatsausgaben USA in US-Dollar, Datenquellen: <a href=\"https:\/\/data.worldbank.org\/indicator\/NY.GDP.MKTP.CD\">Weltbank<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.bea.gov\/data\/gdp\/gross-domestic-product\">US-Bureau of Economic Analysis<\/a>, <a href=\"https:\/\/fiscaldata.treasury.gov\/datasets\/historical-debt-outstanding\/historical-debt-outstanding\">US-Finanzministerium<\/a><\/small><\/p><p>Deutlich wird jedoch, dass seit der Finanzkrise 2008 die Staatsschulden der Vereinigten Staaten aus dem Ruder laufen, obwohl die Staatsausgaben &ndash; bis auf die Zeit der Corona-Krise &ndash; nur moderat angestiegen sind. Die US-Bundesregierung nimmt also weniger ein als sie ausgibt. Setzt man die Bundeshaushaltsbilanz der USA mit dem Verm&ouml;genswachstum in Verh&auml;ltnis, wird deutlich, was der eigentliche Grund f&uuml;r das Defizit des US-Bundeshaushalts ist.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250527-Montag-Verfassungsfeind-02.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250527-Montag-Verfassungsfeind-02.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Abbildung 2: Verm&ouml;gens&auml;nderung und Bundeshaushaltsbilanz USA in US-Dollar, Datenquellen: <a href=\"https:\/\/www.federalreserve.gov\/releases\/z1\/dataviz\/dfa\/distribute\/chart\/\">Federal Reserve<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.cbo.gov\/data\/budget-economic-data#2\">Congressional Budget Service<\/a><\/small><\/p><p>Die exorbitanten Verm&ouml;genszuw&auml;chse der reichsten US-Amerikaner gehen sp&auml;testens seit 2008 deutlich sichtbar einher mit einem steigenden staatlichen Haushaltsdefizit, das zu immer h&ouml;heren Neuverschuldungen f&uuml;hrt. Wenn die reichsten zehn Prozent der amerikanischen Gesellschaft nur auf einen Teil ihres Verm&ouml;gensgewinns &ndash; nicht ihres Verm&ouml;gens &ndash; verzichten w&uuml;rden, w&auml;re der Staatshaushalt ausgeglichen. Ob unter Demokraten oder Republikanern, ob unter den US-Pr&auml;sidenten Barack Obama, Donald Trump oder Joe Biden &ndash; die Verm&ouml;gensgewinne der reichsten US-B&uuml;rger werden nicht in dem Ma&szlig;e besteuert, wie der Staat Geld ben&ouml;tigt.<\/p><p>Lag der Spitzensteuersatz in den Vereinigten Staaten Anfang der 1960er-Jahre <a href=\"https:\/\/www.wolterskluwer.com\/en\/expert-insights\/whole-ball-of-tax-historical-income-tax-rates\">noch bei 91 Prozent<\/a>, ist er <a href=\"https:\/\/www.bankrate.com\/taxes\/tax-brackets\/#tax-bracket-2024\">auf aktuell 37 Prozent gesunken<\/a>. &Uuml;berraschend ist auch, warum in der Zeit der gr&ouml;&szlig;ten Haushaltsdefizite, 2020 und 2021, die Verm&ouml;gensgewinne ungew&ouml;hnlich hoch waren. Offenbar hat insbesondere die reichere H&auml;lfte der US-B&uuml;rger von Spekulationen rund um die Pharmaindustrie sowie von staatlichen Ma&szlig;nahmen zur Abfederung der Corona-Einschr&auml;nkungen profitiert. Dass es sich bei den Verm&ouml;genszuw&auml;chsen gr&ouml;&szlig;tenteils um Spekulationsgewinne handelt, wird auch anhand der kurzzeitigen extremen Verluste w&auml;hrend der Finanzkrise und zu Beginn des Krieges in der Ukraine deutlich.<\/p><p>Auch wenn entsprechende Daten nicht &ouml;ffentlich zug&auml;nglich sind, ist davon auszugehen, dass die reichen US-Amerikaner ihre Verm&ouml;gensgewinne zu einem signifikanten Teil in US-Staatsanleihen anlegen &ndash; also Gl&auml;ubiger der Staatsschulden sind. Die Vereinigten Staaten sind demnach als Gesellschaft nicht am Rande der Pleite, wie die hohe Staatsverschuldung dies suggeriert. Stattdessen findet eine Machtverschiebung statt, denn der US-Staatshaushalt ger&auml;t in eine immer gr&ouml;&szlig;ere Abh&auml;ngigkeit von der Bereitschaft der reichen US-B&uuml;rger, in Staatsanleihen ihres eigenen Landes zu investieren.<\/p><p>Laut dem Magazin <em>Forbes<\/em> gibt es derzeit (Mai 2025) <a href=\"https:\/\/www.forbes.com\/billionaires\/\">circa 3.000 Dollarmilliard&auml;re auf der Welt<\/a>. Knapp ein Drittel davon ist in den Vereinigten Staaten ans&auml;ssig. Von den 15 reichsten, die &uuml;ber ein Verm&ouml;gen von mehr als 100 Milliarden Dollar verf&uuml;gen, kommen zw&ouml;lf aus den USA. Neben US-Pr&auml;sident Trump mit einem Verm&ouml;gen von 5,1 Milliarden Dollar und Elon Musk mit einem Verm&ouml;gen von 342 Milliarden Dollar finden sich im Umkreis der aktuellen US-Regierung weitere <a href=\"https:\/\/www.usnews.com\/news\/national-news\/articles\/how-many-billionaires-are-in-trumps-administration-and-what-is-their-worth\">elf mutma&szlig;liche Milliard&auml;re<\/a>. Diese hohe Konzentration von extrem reichen Menschen an der Spitze der US-Politik liefert eine Erkl&auml;rung daf&uuml;r, warum die Regierung die Konsolidierung des Staatshaushalts nicht mit einer h&ouml;heren Besteuerung der exorbitanten Verm&ouml;gensgewinne der reichen US-B&uuml;rger anstrebt. Denn damit w&uuml;rde ein Teil der Regierungsvertreter Politik gegen die pers&ouml;nlichen Interessen betreiben.<\/p><p><strong>Auswirkungen der Z&ouml;lle und der reduzierten Staatsausgaben auf die US-Wirtschaft<\/strong><\/p><p>Dass Einfuhrz&ouml;lle ein ungeeignetes Mittel sein k&ouml;nnen, um das US-Au&szlig;enhandelsdefizit zu senken, wurde bereits vielerorts kommentiert. Eine &uuml;bersichtliche Zusammenfassung, <a href=\"https:\/\/whathappened.io\/wie-zolle-funktionieren\/\">wie Z&ouml;lle funktionieren<\/a> und <a href=\"https:\/\/whathappened.io\/das-missverstandnis-mit-handelsdefiziten\/\">wie sich Handelsdefizite auswirken<\/a>, findet sich auf dem Portal <em>Whathappened<\/em>. So k&ouml;nnen Einfuhrz&ouml;lle das Ziel haben, die heimische Wirtschaft vor der &Uuml;berproduktion anderer L&auml;nder zu sch&uuml;tzen, insbesondere dann, wenn Letztere durch staatliche Subventionen gef&ouml;rdert wird. Die offizielle Intention hinter den US-Z&ouml;llen sei jedoch, die amerikanische Wirtschaft umzustrukturieren. Produktionen, die zuvor ins Ausland ausgelagert wurden, sollen wieder in den USA angesiedelt werden, indem ausl&auml;ndische Waren k&uuml;nstlich verteuert werden. Ausl&auml;ndische Unternehmen sollen dazu motiviert werden, in den Vereinigten Staaten zu produzieren. Am Ende soll das Land wieder im internationalen Vergleich wettbewerbsf&auml;hig werden und mehr Waren und Dienstleistungen exportieren als importieren, so <em>Whathappened<\/em>.<\/p><p>Allerdings k&ouml;nnten Z&ouml;lle auch Sch&auml;den anrichten, da global agierende Unternehmen &uuml;ber komplexe Wertsch&ouml;pfungsketten verf&uuml;gen. Produktionsfirmen in den USA seien auf Importe aus dem Ausland angewiesen. Daher k&ouml;nnten Z&ouml;lle auch die im eigenen Land hergestellten Produkte verteuern, argumentiert <em>Whathappened<\/em>. Z&ouml;lle w&uuml;rden daher wie Steuererh&ouml;hungen wirken. Zudem sei das Handelsdefizit der USA entstanden, weil das Land mehr konsumiert, als es selber produzieren kann. Importe h&auml;tten daher tendenziell eine positive Auswirkung auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) eines Landes. Letztendlich seien Z&ouml;lle kein probates Mittel, um ein Handelsdefizit zu senken, da durch Gegenz&ouml;lle der Export verringert werden kann.<\/p><p>Auch die Senkung der Staatsausgaben kann sich negativ auf die Wirtschaftsleistungen auswirken. Da die staatlichen Ausgaben in den USA sechs Prozent des BIP ausmachen, <a href=\"https:\/\/www.marketplace.org\/story\/2025\/02\/26\/federal-spending-cuts-lower-gdp-gross-domestic-product-economy-investmen\">geht eine US-Wirtschaftsexpertin davon aus<\/a>, dass bei einer Reduzierung der Staatsausgaben um die H&auml;lfte das US-BIP um drei Prozent schrumpfen wird. <a href=\"https:\/\/www.nber.org\/digest\/jan00\/how-government-spending-slows-growth\">Andere Wirtschaftsexperten stellen hingegen fest<\/a>, dass hohe Staatsausgaben wiederum zu einer Verringerung der Wirtschaftsleistungen f&uuml;hren k&ouml;nnten.<\/p><p>Dass die Einsch&auml;tzungen der negativen Auswirkungen der Z&ouml;lle und der verringerten Staatsausgaben auf die US-Wirtschaft zutreffen k&ouml;nnten, zeigt die vom <a href=\"https:\/\/www.bea.gov\/news\/2025\/gross-domestic-product-1st-quarter-2025-advance-estimate\">&bdquo;Bureau of Economic Analysis&ldquo;<\/a> dokumentierte Entwicklung des Wirtschaftswachstums des Landes. F&uuml;r das erste Quartal 2025 geht die dem Wirtschaftsministerium unterstellte US-Beh&ouml;rde von einem R&uuml;ckgang der realen Wirtschaftsleistungen von minus 0,3 Prozent aus &ndash; nach Jahren des konstanten Wachstums.<\/p><p><strong>Eigentlicher Grund f&uuml;r die Z&ouml;lle und Auswirkungen auf Europa<\/strong><\/p><p>Da man davon ausgehen muss, dass auch der Trump-Regierung die m&ouml;glichen negativen Folgen der Einfuhrz&ouml;lle bewusst sind, hat dieses Vorgehen offenbar ein anderes Ziel, als die US-Wirtschaft und die heimischen Arbeitspl&auml;tze zu sch&uuml;tzen. Bei den urspr&uuml;nglichen Zolldrohungen gegen Mexiko, Kanada und China <a href=\"https:\/\/www.whitehouse.gov\/fact-sheets\/2025\/02\/fact-sheet-president-donald-j-trump-imposes-tariffs-on-imports-from-canada-mexico-and-china\/\">gibt das Wei&szlig;e Haus sogar offiziell zu<\/a>, dass man damit diese L&auml;nder zur Rechenschaft ziehen will, die illegale Einwanderung in die USA zu stoppen und den Zustrom von Drogen in das Land zu unterbinden.<\/p><p>Jens Berger hat bereits Mitte April in einem <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=131647\">Beitrag auf den <em>NachDenkSeiten<\/em><\/a> darauf hingewiesen, dass die Z&ouml;lle dazu dienen k&ouml;nnten, die US-Partnerl&auml;nder zu Verhandlungen um bilaterale Handelsabkommen zu zwingen. Eine Best&auml;tigung dieser Einsch&auml;tzung zeigt sich in dem <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/usa-und-grossbritannien-vereinbaren-historisches-handelsabkommen-110464935.html\">Anfang Mai vereinbarten Handelsabkommen<\/a> zwischen den USA und Gro&szlig;britannien. Zur Absenkung der US-Einfuhrz&ouml;lle auf britische Fahrzeuge und Flugzeugmotoren musste das Vereinigte K&ouml;nigreich seinen Markt f&uuml;r amerikanische Agrarprodukte &ouml;ffnen und Flugzeuge vom US-Hersteller Boeing kaufen. Zudem musste die britische Regierung zur Befreiung von Z&ouml;llen auf Aluminium- und Stahlexporte in die USA <a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/features\/Stahl-Deal-mit-Nebenwirkung-UK-muss-China-Geschaefte-offenlegen-10378809.html\">strikte Sicherheitsanforderungen der US-Stahl- und Pharmaindustrie akzeptieren<\/a>. Der Hintergrund ist offenbar, China aus strategischen Lieferketten anderer L&auml;nder auszuschlie&szlig;en. Auch die EU hat <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/weltwirtschaft\/eu-angebot-usa-zoelle-100.html\">den USA bereits angeboten<\/a>, zur Beilegung des Zollstreits zuk&uuml;nftig vermehrt Erdgas und Agrarprodukte aus den Vereinigten Staaten abzunehmen.<\/p><p>Ganz offensichtlich geht es US-Pr&auml;sident Trump prim&auml;r weniger darum, ausgelagerte Produktionsst&auml;tten zur&uuml;ck ins eigene Land zu holen, sondern stattdessen die eigene &Uuml;berproduktion im Ausland abzusetzen &ndash; und damit die Gewinne amerikanischer Unternehmen zu steigern. Ein weiteres Ziel k&ouml;nnte es sein, mit &bdquo;Basisz&ouml;llen&ldquo; von zehn Prozent einen Teil der Gewinne ausl&auml;ndischer Unternehmen abzusch&ouml;pfen, um damit die US-Staatsausgaben zu finanzieren und weitere Steuererleichterungen f&uuml;r die reichen US-Amerikaner zu erm&ouml;glichen. Schlussendlich scheint es, dass angesichts der Vereinbarungen mit Gro&szlig;britannien auch geopolitische Zwecke mit der Zollpolitik verfolgt werden. Eine derartige Politik stimmt deutlich eher mit dem hohen Anteil von Milliard&auml;ren in der US-Regierung &uuml;berein als das Versprechen, die heimischen Arbeitspl&auml;tze zu sch&uuml;tzen.<\/p><p><strong>&Auml;hnliche Entwicklung bei den Staatsschulden und den Verm&ouml;gensgewinnen der reichsten zehn Prozent in Deutschland<\/strong><\/p><p>Deutschland steht hinsichtlich seiner Staatsschulden und seiner Handelsbilanz zwar derzeit noch deutlich besser da als die Vereinigten Staaten.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250527-Montag-Verfassungsfeind-03.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250527-Montag-Verfassungsfeind-03.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Abbildung 3: BIP, &ouml;ffentliche Schulden, Au&szlig;enhandelsbilanz, Staatsausgaben Deutschland in Euro, Datenquellen: Statistisches Bundesamt<\/small><\/p><p>Aufgrund der Schuldenbremse konnte Deutschland seine Staatsschulden sogar eine Zeit lang senken. Setzt man jedoch die Verm&ouml;gensentwicklung mit der Verschuldung der &ouml;ffentlichen Haushalte ins Verh&auml;ltnis, ist seit 2020 ein &auml;hnlicher Trend wie in den USA erkennbar.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250527-Montag-Verfassungsfeind-04.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250527-Montag-Verfassungsfeind-04.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Abbildung 4: Verm&ouml;gens&auml;nderung und Bilanz des &ouml;ffentlichen Haushalts Deutschland in Euro, Datenquellen: <a href=\"https:\/\/data.ecb.europa.eu\/data\/datasets\/DWA?dataset%5B0%5D=Distributional%20Wealth%20Accounts%20%28DWA%29&amp;filterSequence=dataset&amp;advFilterDataset%5B0%5D=Distributional%20Wealth%20Accounts%20%28DWA%29\">Europ&auml;ische Zentralbank<\/a>, Statistisches Bundesamt<\/small><\/p><p>W&auml;hrend die oberen zehn Prozent der deutschen B&uuml;rger enorme Verm&ouml;genszuw&auml;chse verzeichnen k&ouml;nnen, verharren die unteren 50 Prozent ann&auml;hernd auf dem gleichen Niveau. Insbesondere seit 2017 haben sich die Gewinne des oberen Dezils enorm gesteigert und erreichten einen Rekordwert ausgerechnet in der Corona-Krise, als die Bilanz der &ouml;ffentlichen Haushalte deutlich negativ war. Wie in den USA hat offenbar auch die reichere H&auml;lfte der deutschen B&uuml;rger von Spekulationen rund um die Pharmaindustrie sowie von staatlichen Ma&szlig;nahmen zur Abfederung der Corona-Einschr&auml;nkungen profitiert.<\/p><p>Mit Friedrich Merz als Bundeskanzler ist kaum zu erwarten, dass sich dieser Trend umkehrt. Obwohl er sich selbst <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/friedrich-merz-nennt-sich-gehobene-mittelschicht-8-weitere-typische-mittelschichtler-a-04e8399d-8e8c-4db5-9dd2-8358142daa26\">zur &bdquo;gehobenen Mittelschicht&ldquo; z&auml;hlt<\/a>, geh&ouml;rt er aufgrund seiner j&auml;hrlichen Eink&uuml;nfte von bis zu einer Million Euro sowie einem <a href=\"https:\/\/www.ftd.de\/vermoegen\/friedrich-merz-vermoegen\/\">Verm&ouml;gen von zw&ouml;lf Millionen Euro<\/a> eindeutig zu den <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/ungleichheit-millionaere-vermoegen-studie-diw-1.4967904\">reichsten 0,1 Prozent der deutschen Bev&ouml;lkerung<\/a>. Trotz der noch mit dem alten Bundestag beschlossenen <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/bundestag-abstimmung-heute-live-grundgesetzaenderung-sondervermoegen-schuldenbremse-v1\/a-71936390\">historischen Neuverschuldung<\/a> von circa einer Billion Euro sind im Koalitionsvertrag keine h&ouml;heren Steuern auf Kapitalertr&auml;ge, kein h&ouml;herer Spitzensteuersatz und <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/finanzen\/news\/konjunktur\/steuern-schnitzel-krankenkasse-diese-sieben-dinge-zum-koalitionsvertrag-muessen-sie-wissen_id_260771592.html\">keine Verm&ouml;genssteuer vorgesehen<\/a>.<\/p><p><strong>Auswirkungen der US-Z&ouml;lle auf Deutschland<\/strong><\/p><p>Angesichts der sich st&auml;ndig &auml;ndernden Position der US-Regierung zur Erhebung von Einfuhrz&ouml;llen f&auml;llt es aktuell schwer, zu erfassen, welche Z&ouml;lle f&uuml;r den Export deutscher Waren in die USA gelten. Zun&auml;chst einmal erheben die Vereinigten Staaten schon seit Langem Z&ouml;lle auf den Import von Waren aus dem Ausland. Diese sind derzeit im <a href=\"https:\/\/hts.usitc.gov\/\">&bdquo;Harmonized Tariff Schedule of the United States&ldquo; (HTS oder auch HTSUS)<\/a> geregelt. Die H&ouml;he der Z&ouml;lle ist abh&auml;ngig von der Warengruppe. Im Durchschnitt lag der Zollsatz in den vergangenen 30 Jahren <a href=\"https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/1590379\/umfrage\/durchschnittlicher-zollsatz-auf-einfuhren-in-die-usa-seit-1821\/\">zwischen einem und drei Prozent<\/a>.<\/p><p>Zus&auml;tzlich zu den im HTSUS geregelten Z&ouml;llen <a href=\"https:\/\/www.whitehouse.gov\/fact-sheets\/2025\/04\/fact-sheet-president-donald-j-trump-declares-national-emergency-to-increase-our-competitive-edge-protect-our-sovereignty-and-strengthen-our-national-and-economic-security\/\">erheben die Vereinigten Staaten<\/a> seit dem 5. April 2025 einen generellen Einfuhrzoll (Basiszoll) von zehn Prozent &ndash; unabh&auml;ngig vom Herkunftsland. Ausgenommen sind pers&ouml;nliche Gegenst&auml;nde und Spenden gem&auml;&szlig; <a href=\"https:\/\/uscode.house.gov\/view.xhtml?req=(title:50%20section:1702%20edition:prelim)\">Titel 50 U.S. Code &sect; 1702(b)<\/a>, Waren, die unter den Abschnitt 232 des Trade Expansion Acts von 1962 fallen oder zuk&uuml;nftig fallen k&ouml;nnen, Kupfer, Pharmazeutika, Halbleiter und Holzartikel sowie Goldbarren, Energie und andere Mineralien, die in den Vereinigten Staaten nicht verf&uuml;gbar sind.<\/p><p>Abschnitt 232 des <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Trade_Expansion_Act\">Trade Expansion Acts<\/a> erlaubt es dem US-Pr&auml;sidenten, Z&ouml;lle zu erheben, wenn &bdquo;ein Artikel in solchen Mengen oder unter solchen Umst&auml;nden in die Vereinigten Staaten eingef&uuml;hrt wird, dass er die nationale Sicherheit bedroht oder beeintr&auml;chtigt&ldquo;. Donald Trump nutzt dieses Gesetz, um au&szlig;erordentliche Z&ouml;lle in H&ouml;he von <a href=\"https:\/\/www.whitehouse.gov\/fact-sheets\/2025\/02\/fact-sheet-president-donald-j-trump-restores-section-232-tariffs\/\">25 Prozent auf Stahl und Aluminium<\/a> sowie <a href=\"https:\/\/www.whitehouse.gov\/presidential-actions\/2025\/03\/adjusting-imports-of-automobiles-and-autombile-parts-into-the-united-states\/\">Automobile und Autoteile<\/a> zu erheben. Diese Z&ouml;lle werden nicht zus&auml;tzlich zum Basiszoll von zehn Prozent berechnet, sondern stattdessen.<\/p><p>US-Pr&auml;sident Trump hat zudem <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/weltwirtschaft\/trump-zoelle-wirtschaft-100.html\">angek&uuml;ndigt<\/a>, Produkte aus den EU-Staaten generell mit 20 Prozent zu verzollen statt mit den bereits geltenden zehn Prozent. Allerdings hat er den erh&ouml;hten &bdquo;Basiszoll&ldquo; auf EU-Produkte bis zum 9. Juli 2025 ausgesetzt, <a href=\"https:\/\/www.gtai.de\/de\/trade\/eu\/zoll\/eu-usa-gegenmassnahmen-1878786\">da die EU Gegenz&ouml;lle angedroht hat<\/a>. Die EU hat wiederum ihre <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/weltwirtschaft\/eu-usa-zoelle-112.html\">Gegenz&ouml;lle bis 14. Juli 2025 ausgesetzt<\/a>, um eine Verhandlungsl&ouml;sung mit den USA zu finden.<\/p><p>Die US-Einfuhrz&ouml;lle k&ouml;nnten insbesondere Deutschland treffen. 20 Prozent des deutschen Stahlexports <a href=\"https:\/\/www.iwkoeln.de\/presse\/iw-nachrichten\/galina-kolev-schaefer-juergen-matthes-der-handelskrieg-beginnt-auch-mit-der-eu.html\">geht in die USA<\/a>. Damit ist Deutschland f&uuml;r ein Viertel der EU-Stahlexporte in das Land verantwortlich. Im Gegensatz zum Stahl <a href=\"https:\/\/www.aluminiumdeutschland.de\/2025\/02\/12\/us-zoelle-auf-aluminiumimporte-verlierer-auf-beiden-seiten-zu-erwarten\/\">exportieren<\/a> die deutschen Aluminiumhersteller nur zwei Prozent ihrer Produktion in die Vereinigten Staaten. Die Exporte in das Land haben sich in den letzten zehn Jahren bereits ann&auml;hernd halbiert. Trotzdem <a href=\"https:\/\/www.automobil-industrie.vogel.de\/aluminium-verband-warnung-rohstoffmangel-us-zoelle-a-7207cc75469cef9e0f850d7dbbe347ae\/\">warnt der Verband Aluminium Deutschland<\/a> vor den Folgen der neu erhobenen Z&ouml;lle. Denn US-Unternehmen w&uuml;rden nun Aluminiumschrott, der von den Z&ouml;llen ausgenommen ist, zu H&ouml;chstpreisen in Europa aufkaufen. Dies w&uuml;rde zu einer Verknappung des Rohstoffs in Deutschland und Europa f&uuml;hren. Eine Simulation des Kiel Institut f&uuml;r Wirtschaft geht hingegen davon aus, dass sich die USA mit den Z&ouml;llen auf Stahl und Aluminium <a href=\"https:\/\/www.ifw-kiel.de\/de\/publikationen\/aktuelles\/trumps-stahl-und-aluminiumzoelle-usa-schaden-sich-selbst-fast-keine-direkten-folgen-fuer-eu\/\">haupts&auml;chlich selbst schaden<\/a>. Die EU h&auml;tte praktisch keine negativen Folgen zu bef&uuml;rchten.<\/p><p>Deutlich st&auml;rker k&ouml;nnte Deutschland von den US-Z&ouml;llen auf Automobile und Fahrzeugteile betroffen sein. Der Wirtschaftsdienstleister Deloitte <a href=\"https:\/\/www.deloitte.com\/de\/de\/our-thinking\/industry-thinking\/blogs\/2025\/auswirkungen-us-zoelle-auf-deutsche-automobilindustrie.html\">geht davon aus<\/a>, dass die deutschen Autoexporte in die USA bei einem Einfuhrzoll von 25 Prozent um 28 Prozent zur&uuml;ckgehen k&ouml;nnten. Auch das Institut der deutschen Wirtschaft <a href=\"https:\/\/www.iwkoeln.de\/presse\/iw-nachrichten\/juergen-matthes-thomas-puls-us-zoelle-erschuettern-die-autoindustrie.html\">rechnet mit erheblichen Folgen<\/a> f&uuml;r die deutsche Automobilindustrie und die deutsche Wirtschaft. Die Autoindustrie stehe f&uuml;r fast 22 Prozent der gesamten deutschen Ausfuhren in die USA. Der Verband der deutschen Automobilindustrie <a href=\"https:\/\/logistik-heute.de\/news\/us-zoelle-vda-befuerchtet-dramatische-auswirkungen-fuer-autoindustrie-206533.html\">weist darauf hin<\/a>, dass die Vereinigten Staaten der wichtigste Exportmarkt f&uuml;r die deutsche Autoindustrie sind. Fast jeder vierte Porsche sei in den USA verkauft worden, bei BMW und Mercedes soll der Anteil jeweils bei gut 16 Prozent, bei Audi und der Marke VW bei acht bis zw&ouml;lf Prozent liegen.<\/p><p><strong>&Auml;hnliche Probleme &ndash; &auml;hnliche politische Entwicklung<\/strong><\/p><p>Die innenpolitischen &Auml;nderungen in den USA unter Donald Trump haben zwar keine direkten Auswirkungen auf Deutschland und Europa, sie liefern jedoch Hinweise, wie sich die politische Stimmung hierzulande entwickeln k&ouml;nnte und mit welchen Positionen sich zuk&uuml;nftig Wahlk&auml;mpfe gewinnen lassen. Einer <a href=\"https:\/\/news.gallup.com\/poll\/651719\/economy-important-issue-2024-presidential-vote.aspx\">Umfrage des Marktforschungsinstituts Gallup<\/a> zufolge war die Wirtschaftslage der USA f&uuml;r 52 Prozent der W&auml;hler bei der Pr&auml;sidentschaftswahl 2024 das wichtigste Thema. Auf den weiteren Pl&auml;tzen lagen die Demokratie in den USA (49 Prozent), Terrorismus und nationale Sicherheit (45 Prozent), die Auswahl der obersten Bundesrichter (45 Prozent) sowie die Einwanderungspolitik (41 Prozent). Die Beziehungen zu Russland hielten 27 Prozent f&uuml;r extrem wichtig, den Klimawandel 21 Prozent und die Rechte von Transsexuellen 18 Prozent.<\/p><p>F&uuml;r Deutschland ergibt sich ein &auml;hnliches Bild. Eine <a href=\"https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/28353\/umfrage\/wichtigste-von-der-politik-zu-loesende-probleme-in-deutschland\/\">Umfrage von ARD-Deutschlandtrend<\/a> im Januar ergab, dass 37 Prozent der Befragten Zuwanderung und Flucht f&uuml;r das wichtigste Problem halten, 34 Prozent die Wirtschaft, 14 Prozent bewaffnete Konflikte, Frieden und Au&szlig;enpolitik. Das Thema Umweltschutz und Klimawandel lag mit 13 Prozent auf dem vierten, innere Sicherheit, Kriminalit&auml;t und Terror mit acht Prozent auf dem siebten Platz. Zwar wird die Aufarbeitung der Corona-Krise bei der Wahlforschung h&auml;ufig ausgeklammert, einer <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/ndrfragt\/Umfrage-Grosse-Mehrheit-fordert-staerkere-Aufarbeitung-der-Corona-Pandemie,corona11606.html\">NDR-Umfrage<\/a> zufolge fordern jedoch fast zwei Drittel der Befragten &bdquo;eine st&auml;rkere politische Aufarbeitung der Corona-Pandemie&ldquo;.<\/p><p>Donald Trump hat im Wahlkampf mit dem Slogan &bdquo;Make America great again&ldquo; die Verbesserung der Wirtschaftslage ins Zentrum gestellt. Zudem hat er &ouml;ffentlichkeitswirksam versprochen, den Krieg in der Ukraine innerhalb von 24 Stunden zu beenden. F&uuml;r seine harte Haltung in der Einwanderungspolitik war er bereits in seiner ersten Amtszeit bekannt. Des Weiteren hat Trump mit Robert Kennedy, einem anf&auml;nglichen Mitbewerber um das Pr&auml;sidentenamt, einen bekannten Kritiker der Corona-Ma&szlig;nahmen und der COVID-19-Impfungen ins Boot geholt und nach der Wahl zum Gesundheitsminister ernannt. Schlussendlich hat er den &bdquo;Tiefen Staat&ldquo; seines Landes kritisiert und mit Tulsi Gabbard eine Kritikerin der Verfehlungen der US-Geheimdienste der letzten 25 Jahre <a href=\"https:\/\/multipolar-magazin.de\/meldungen\/0178\">zur Direktorin der Nationalen Geheimdienste ernannt<\/a>.<\/p><p>Trump wurde bereits im Wahlkampf f&uuml;r seine erste Amtszeit vorgeworfen, von Russland unterst&uuml;tzt zu werden &ndash; unter anderem auch von den US-Geheimdiensten. Nachdem er 2017 seine erste US-Pr&auml;sidentschaft angetreten hatte, wurde das Thema weiter von den etablierten Medien in den USA und anderen westlichen L&auml;ndern aufgebauscht, obwohl es sich im Nachhinein <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/feuilleton\/russiagate-wie-amerikanische-medien-putin-entfesselten-ld.1725932\">als Fake News herausgestellt hat<\/a>. Diese Form einer politisch geleiteten Berichterstattung hat zumindest in den Vereinigten Staaten zu einem gro&szlig;en Vertrauensverlust in die etablierten Medien gef&uuml;hrt. In seiner zweiten Amtszeit <a href=\"https:\/\/www.axios.com\/2025\/04\/29\/trump-100-days-news-media\">geht Trump gegen diese Medien vor<\/a>. So hat die US-Regierung beispielsweise die Nachrichtenagentur <em>Associated Press (AP)<\/em> von der Berichterstattung aus dem Wei&szlig;en Haus und dem Pr&auml;sidentenflugzeug <a href=\"https:\/\/www.axios.com\/2025\/02\/14\/ap-trump-white-house-gulf-of-america\">ausgeschlossen<\/a>. Schlussendlich hat die politische Opposition versucht, mittels juristischer Verfahren die Wiederwahl Trumps zu verhindern.<\/p><p>Zur Politik Donald Trumps sowie zum Umgang der Opposition mit ihm gibt es in den beiden wichtigsten EU-Staaten, Deutschland und Frankreich, auff&auml;llige Parallelen. In Frankreich ist es das Rassemblement National (RN), in Deutschland vertritt am ehesten die AfD die politischen Positionen des aktuellen US-Pr&auml;sidenten. Beide Parteien wollen die Zuwanderung stark einschr&auml;nken, eine diplomatische L&ouml;sung des Konflikts in der Ukraine, eine Fortsetzung der Energielieferungen aus Russland und eine umfassende Aufarbeitung der Corona-Politik. Die AfD fordert eine Reform der &ouml;ffentlich-rechtlichen Medien sowie eine &bdquo;Entpolitisierung der Justiz und Sicherheitsbeh&ouml;rden&ldquo;.<\/p><p>Der AfD wie dem RN werden enge Verbindungen zum Kreml sowie Unterst&uuml;tzung aus Russland vorgeworfen. In Deutschland erfolgt diese Kritik an der AfD haupts&auml;chlich von den &ouml;ffentlich-rechtlichen und den etablierten privaten Medien &ndash; gr&ouml;&szlig;tenteils ohne handfeste Belege. Eine <a href=\"https:\/\/www.bild.de\/politik\/inland\/politik-inland\/umfrage-berichten-ard-und-zdf-zu-links-oder-zu-rechts-84872754.bild.html\">INSA-Umfrage<\/a> hat ergeben, dass nur 34 Prozent der Befragten die politische Berichterstattung in den &ouml;ffentlich-rechtlichen Medien f&uuml;r ideologisch ausgewogen halten. Eine <a href=\"https:\/\/www.merkur.de\/politik\/ard-zdf-berichterstattung-studie-politisch-links-nachrichten-parteien-92811635.html\">Studie der Universit&auml;t Mainz<\/a> best&auml;tigt, dass sich die etablierten Medien in Deutschland politisch links der Mitte positionieren.<\/p><p>In Frankreich ist das RN aus der letzten Parlamentswahl als st&auml;rkste Einzelpartei hervorgegangen. In Deutschland ist die AfD bei der letzten Bundestagswahl zweitst&auml;rkste Kraft geworden. In Umfragen liegt die Partei derzeit auf Augenh&ouml;he mit der Union. Die langj&auml;hrige Parteichefin und Pr&auml;sidentschaftskandidatin des RN, Marine Le Pen, die zudem in Umfragen derzeit vorne liegt, wurde aufgrund einer Verurteilung wegen Veruntreuung &ouml;ffentlicher Gelder von der n&auml;chsten Pr&auml;sidentschaftswahl ausgeschlossen. In Deutschland wird bereits seit L&auml;ngerem ein Verbot der AfD diskutiert und die Partei vom Verfassungsschutz beobachtet. In anderen europ&auml;ischen L&auml;ndern haben Parteien, die &auml;hnliche politische Positionen wie US-Pr&auml;sident Donald Trump vertreten, bereits parlamentarische Mehrheiten erlangt &ndash; so zum Beispiel in &Ouml;sterreich, in den Niederlanden und in Belgien.<\/p><p>Da diese Parteien allesamt eine rechtskonservative Politik verfolgen, ist &ndash; wie in den USA &ndash; kaum zu erwarten, dass sie das wom&ouml;glich gr&ouml;&szlig;te und m&ouml;glicherweise auch vielen aktuellen weltweiten Krisen zugrunde liegende Problem angehen werden: die beschleunigt wachsende Ungleichverteilung von Verm&ouml;gen und den immer gr&ouml;&szlig;er werdenden Einfluss einer kleinen, extrem reichen Gesellschaftsschicht auf die politischen Entscheidungen ihrer L&auml;nder. Die Interessen dieser &bdquo;elit&auml;ren&ldquo; Schicht stehen nicht repr&auml;sentativ f&uuml;r den demokratischen Willen eines Volkes. Ihr wachsender Einfluss auf Politik und Medien h&ouml;hlt die demokratische Grundordnung aus und treibt eine Refeudalisierung an &ndash; mit allen negativen Konsequenzen wie Massenarmut und die Kanalisierung innenpolitischer Spannungen in au&szlig;enpolitische Konflikte.<\/p><p><small>Titelbild: Below the Sky\/shutterstock.com<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/4c3e6367341440c598ce2b604a220495\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den Vereinigten Staaten vollzieht sich unter der Pr&auml;sidentschaft von Donald Trump derzeit ein umfassender innen- und au&szlig;enpolitischer Wandel. Im <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=132369\">ersten Teil<\/a> wurde die Auswirkung der Neuausrichtung der US-Au&szlig;enpolitik auf die politische Agenda europ&auml;ischer Staaten n&auml;her beleuchtet. In diesem zweiten Teil wird n&auml;her auf die Hintergr&uuml;nde und die Folgen der US-Wirtschaftspolitik eingegangen. 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