{"id":13380,"date":"2012-05-30T08:39:26","date_gmt":"2012-05-30T06:39:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13380"},"modified":"2015-03-05T14:08:20","modified_gmt":"2015-03-05T13:08:20","slug":"selbstmord-als-die-dauerhafte-losung-hausgemachter-probleme","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13380","title":{"rendered":"Selbstmord als die dauerhafte L\u00f6sung hausgemachter Probleme"},"content":{"rendered":"<p>Wenn man Politik in ein Bild fassen will, wird die Wirklichkeit immer &uuml;berzeichnet, doch wenn ich diesen Versuch machen m&uuml;sste, so fiele mir f&uuml;r den politischen Kurs von Angela Merkel und der Bundesregierung gegen&uuml;ber den europ&auml;ischen Nachbarl&auml;ndern folgendes Bild ein:<br>\nAngela Merkel ist aus der Beletage im obersten Stockwerk eines lichterloh brennenden europ&auml;ischen Hauses gesprungen und ruft im freien Fall allen Bewohnern der unteren Stockwerke zu: Springt mir nach, sonst verbrennt ihr elendlich, wie ihr seht geht es mir bis jetzt im Vergleich zu euch gut. Statt den Brand zu bek&auml;mpfen und die Brandstifter in Haftung zu nehmen, w&auml;hlt unsere Kanzlerin den Sprung in den Abgrund, gerade so, als ob ein Selbstmord eine dauerhafte L&ouml;sung der hausgemachten Probleme w&auml;re. Von <strong>Wolfgang Lieb<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nMerkel ruft im Fall den darunter wohnenden Nachbarn zu, macht es wie ich: Senkt die L&ouml;hne und die Renten, f&uuml;hrt die Rente mit 67 ein, flexibilisiert den Arbeitsmarkt zwingt die Arbeitslose in Niedrigl&ouml;hne, Zeit- und Leiharbeit, versilbert euren Besitz und vor allem spart ohne R&uuml;cksicht auf Verluste. Sie will den Nachbarn im europ&auml;ischen Haus weismachen, dass der freie Fall im Vergleich zum Verbrennungstot die relativ ertr&auml;glichere L&ouml;sung sei. Merkel will die anderen Bewohner des europ&auml;ischen Hauses geradezu zwingen, in den Abgrund nachzuspringen, indem sie sich damit br&uuml;stet, dass es doch dank der Agenda-Politik Deutschland (noch) vergleichsweise gut gehe. Ihre Devise entspricht einer Schweizer Redensart: Wenn ein Bankier aus dem Fenster springt, dann lohnt es sich hinterher zu springen. Im Fallen sind sicherlich noch 3,5% zu verdienen!<\/p><p>Die Kanzlerin ruft den Nachbarn zu: Wir in der Beletage haben zwar mehr Schulden als ihr Spanier, aber wir zahlen weniger Zinsen! Wir haben laut unserer Statistik weniger Arbeitslose! Wir haben ein besseres Wachstum als alle ihr unter uns Wohnenden! Wir haben unsere Leute ohne Arbeit mit massivem Druck dazu gezwungen jede Arbeit anzunehmen, egal unter welchen Bedingungen und egal ob sie von ihrer Arbeit leben k&ouml;nnen oder nicht! Wir sparen bei unseren Sozialleistungen indem wir die Renten abgebaut haben und die Leute zwingen f&uuml;r ihr Alter selbst vorzusorgen, wenn sie nicht verarmen wollen! Wir lassen die Arbeitnehmer bis ins hohe Alter von 67 Jahren arbeiten, sollen sie doch selbst sehen, ob sie das schaffen! Wir lassen die Daseinsvorsorge schon l&auml;ngst durch Private erledigen! Wir haben schon die Schuldenbremse, also m&uuml;sst ihr es uns nur nachmachen! &ldquo;Deutschland ist die am meisten bewunderte Nation in der EU und ihre F&uuml;hrer werden am meisten respektiert&rdquo;, sagt doch auch gerade wieder das <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/laut-us-studie-wird-deutschland-in-europa-geschaetzt-a-835830.html\">Pew Research Center<\/a>.<\/p><p>Verlasst Euch drauf: Die Schuldenbremse wird den freien Fall schon irgendwie bremsen. <\/p><p><strong>Vergleichen wir dieses grotesk anmutenden Bild mit der Wirklichkeit: <\/strong><\/p><p>Deutschland hatte im ersten Quartal 2012 eine Wachstumsrate des Bruttoinlandproduktes gegen&uuml;ber &uuml;ber dem gleichen Quartal im Vorjahr von 1,2 %. <a href=\"http:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2012\/02\/24\/deutschland-wird-immer-exportlastiger_4405\">Sieht man einmal<\/a> von den Baltischen und den osteurop&auml;ischen Staaten ab (die in einer Nach- und Aufholphase sind), dann steht Deutschland gegen&uuml;ber Frankreich (0,3%), Niederlande (-1,3%), Belgien (0,5%), &Ouml;sterreich (0,7%)  oder gegen&uuml;ber dem Vereinigten K&ouml;nigreich (0,0%), gar nicht zu reden gegen&uuml;ber Griechenland (-6,2%), Portugal (-2,2%), Italien (-1,3%) oder Spanien (-0,4%) vergleichsweise gut da. <\/p><p>Aber sind <a href=\"http:\/\/www.bundesbank.de\/Navigation\/DE\/Statistiken\/Zeitreihen_Datenbanken\/Makrooekonomische_Zeitreihen\/its_details_value_node.html?tsId=BBK01.JJ5000&amp;listId=www_s311_lr_bip%20wirklich%20ein%20Anlass%20zum%20Jubel?\">1,2% verglichen mit fr&uuml;heren Wachstumsraten von  5, 7 oder gar &uuml;ber 8 Prozent<\/a>.<\/p><p>Geht es &bdquo;den&ldquo; Deutschen etwa deshalb gut, weil die deutsche Wirtschaft immer exportlastiger wurde und sich der Anteil der Exporte am BIP von 1999 auf Ende 2011 von 30,4% auf 50,6% erh&ouml;ht hat?<br>\nDas nominale BIP ist in diesem Zeitraum im Durchschnitt j&auml;hrlich um 2,1 Prozent gestiegen, die Exporte dagegen mehr als dreimal rascher (6,5%).<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/120530_exportquote.png\" alt=\"\"><\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2012\/02\/24\/deutschland-wird-immer-exportlastiger_4405\">Zeit Online Herdentrieb<\/a><\/p><p>Dass es trotz der Exporterfolge den Deutschen in den letzten 10 Jahren nicht wesentliche besser gegangen ist, wird dadurch belegt, dass die privaten Konsumausgaben nur ganz wenig gewachsen sind. <\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/120530_konsumausgaben.png\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/120530_konsumausgaben_small.png\" alt=\"\"><\/a><\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.handelsdaten.de\/statistik\/daten\/studie\/200244\/umfrage\/konsumausgaben-privater-haushalte-in-deutschland-zeitreihe\/\">Handelsdaten<\/a><\/p><p>Von 1991 (Index = 85,38) bis 2001 (Index = 99,77) stiegen die privaten Konsumausgaben preisbereinigt durchschnittlich um 1,7%, in den letzten 10 Jahren von 2001 bis 2011 (Index = 103,69) nur noch von 0,4% pro Jahr. Das ist &auml;u&szlig;erst wenig und was  noch bedenklicher ist , sie gingen in der letzten Dekade deutlich zur&uuml;ck. (Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen,  <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Publikationen\/Thematisch\/VolkswirtschaftlicheGesamtrechnungen\/Inlandsprodukt\/KonsumausgabenPDF_5811109.pdf?__blob=publicationFile\">Private Konsumausgaben und Verf&uuml;gbares Einkommen, Statistisches Bundesamt, 2012, Tabelle 1.2, S. 9 [PDF &ndash; 731 KB]<\/a><\/p><p>Der geringe Anstieg der privaten Konsumausgaben in Deutschland ist nicht weiter erstaunlich, denn auch das verf&uuml;gbare Einkommen je Einwohner ist gleichfalls nur wenig gewachsen.<\/p><p>Preisbereinigt stieg das verf&uuml;gbare Einkommen je Einwohner seit 1991 von 15.824 Euro auf 17.047 Euro im Jahr 2000 und auf 18.332 im Jahre 2011 und die privaten Konsumausgaben stiegen in den gleichen Zeitabschnitten von 13.894 Euro auf 15.662 Euro und dann auf 16.616 Euro je Einwohner im letzten Jahr. Nimmt man die prozentualen Erh&ouml;hungen beider Werte, so zeigt sich die an und f&uuml;r sich banale Tatsache, dass das verf&uuml;gbare Einkommen mit den privaten Konsumausgaben eng zusammenh&auml;ngt. (<a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Publikationen\/Thematisch\/VolkswirtschaftlicheGesamtrechnungen\/Inlandsprodukt\/KonsumausgabenPDF_5811109.pdf;jsessionid=677C825B154273ED896D8D1F759192F1.cae1?__blob=publicationFile\">Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen,  Private Konsumausgaben und Verf&uuml;gbares Einkommen, Statistisches Bundesamt, 2012, Tabelle 2.8, S.22 [PDF &ndash; 731 KB]<\/a>) <\/p><p>Bei den privaten Konsumausgaben trifft das Bild unserer Kanzlerin von der schw&auml;bischen Hausfrau, die eben nicht mehr ausgeben kann als sie einnimmt, tats&auml;chlich einmal zu. <\/p><p>Vergleicht man die die privaten Konsumausgaben Deutschlands mit denen unserer europ&auml;ischen Nachbarn, dann wird deutlich, dass sich die privaten Konsumausgaben dort erheblich mehr erh&ouml;ht haben als bei uns. Bis zum Ausbruch der Krise 2009 lag die Steigerungsrate in Griechenland, Spanien, Frankreich, Italien, Portugal, aber auch in &Ouml;sterreich oder dem Vereinigten K&ouml;nigreich um mehrere Prozentpunkte h&ouml;her als bei uns.<\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/120530_private_konsumabgaben.png\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/120530_private_konsumabgaben_small.png\" alt=\"\"><\/a><\/p><p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Publikationen\/Thematisch\/VolkswirtschaftlicheGesamtrechnungen\/Inlandsprodukt\/KonsumausgabenPDF_5811109.pdf;jsessionid=677C825B154273ED896D8D1F759192F1.cae1?__blob=publicationFile\">Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen,  Private Konsumausgaben und Verf&uuml;gbares Einkommen, Statistisches Bundesamt, 2012, Tabelle 6.2 S. 115 [PDF &ndash; 731 KB]<\/a><\/p><p>Da der Anteil der privaten Konsumausgaben am Bruttoinlandsprodukt bei uns um die 58 Prozent schwankt dr&uuml;ckt sich darin auch aus, wie wenig die privaten Haushalte zum Zuwachs des Wachstums beigetragen haben bzw. mangels verf&uuml;gbarem Einkommen beitragen konnten.<\/p><p>Hieran zeigt sich einmal mehr, dass das Wirtschaftswachstum Deutschlands im Wesentlichen exportgetrieben ist. (Zur Exportlastigkeit siehe die Angaben oben.) <\/p><p>Man k&ouml;nnte noch viele weitere Indikatoren anf&uuml;hren, die belegen, dass der &uuml;berwiegende Teil der deutschen Bev&ouml;lkerung in den letzten Jahren &bdquo;unter seinen Verh&auml;ltnissen&ldquo; lebte und dass sogar ein immer gr&ouml;&szlig;erer Teil in Armut leben muss. <\/p><p>So hat uns z.B. die OECD bescheinigt, dass die die <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/110104_zusammenfassung.pdf\">Ungleichheit in Deutschland trotz Wachstums gestiegen ist [PDF &ndash; 229 KB]<\/a>, dass die Armut  bei uns seit 2000 st&auml;rker zugenommen hat, als in <a href=\"http:\/\/www.oecd.org\/dataoecd\/45\/27\/41525386.pdf\">jedem anderen OECD-Land [PDF &ndash; 251 KB]<\/a>. <\/p><p>Zwar schneidet Deutschland bei der statistisch erfassten Arbeitslosenquote im europ&auml;ischen Vergleich relativ gut ab, doch daf&uuml;r hat unser Land inzwischen den gr&ouml;&szlig;ten Niedriglohnsektor Europas. Die Zahl der Besch&auml;ftigten im Niedriglohnsektor ist zwischen 1995 und 2010 um <a href=\"http:\/\/www.iaq.uni-due.de\/aktuell\/presse\/2012\/120313.php\">mehr als 2,3 Millionen auf 8 Millionen Geringverdiener gestiegen<\/a>. <\/p><p>Ja, wir haben im Vergleich mit Spanien oder Griechenland eine viele niedrigere Jugendarbeitslosigkeit, aber auch hier ist die Statistik bei uns gesch&ouml;nt, denn aufgrund des &ndash; zum Gl&uuml;ck &ndash; bei uns bestehenden dualen Ausbildungssystems landen ganz viele Jugendliche in &bdquo;Warteschleifen&ldquo; und werden nicht als Arbeitslose gez&auml;hlt. Auch nach dem neuesten Berufsbildungsbericht (S. 5) lag die Zahl der Berufsanf&auml;nger\/innen im sog. &bdquo;&Uuml;bergangsbereich&ldquo; bei <a href=\"http:\/\/www.bmbf.de\/pubRD\/Journalisteninfo_zum_Bericht_neu.pdf\">immer noch knapp 300.000 [PDF &ndash; 541 KB]<\/a>. Ganz zu schweigen davon, dass bei uns gerade junge Besch&auml;ftigte Opfer des flexibilisierten Arbeitsmarktes sind. Sie stehen nicht <a href=\"http:\/\/www.dgb.de\/presse\/++co++36cb158a-a58a-11e1-79a7-00188b4dc422\">nur unter hohem Druck<\/a>, 41 % der Besch&auml;ftigten im Alter zwischen 15 und 25 Jahren <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/karriere\/berufsstart\/junge-arbeitnehmer-haben-oft-befristete-und-schlecht-bezahlte-jobs-a-835737.html\">haben ihre Arbeitsstelle nur auf Zeit<\/a>, die Zahl junger Menschen mit sozialversicherungspflichtigen Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnissen sinkt dramatisch und die Entlohnung ist so gering, das die Armutsgef&auml;hrdungsquote <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/37\/37010\/1.html\">unter den 18 &ndash; 25-J&auml;hrigen bei 23,5% liegt<\/a>. <\/p><p>Die Unicef stellte dieser Tage fest, dass fast 1,2 Millionen M&auml;dchen und Jungen in Deutschland in relativer Armut leben und unser Land hinsichtlich <a href=\"http:\/\/www.unicef.de\/fileadmin\/content_media\/presse\/1205-studie-kinderarmut\/UNICEF-Info-Kinderarmut-reiche-Laender-2012.pdf\">&bdquo;absoluter Entbehrungen&ldquo; Platz 15 von 29 europ&auml;ischen Staaten einnimmt [PDF &ndash; 662 KB]<\/a>.<\/p><p>Damit der Text nicht zum Datenfriedhof ger&auml;t, breche ich hier mit der Aufz&auml;hlung harter und ern&uuml;chternder Fakten ab, die so gar nicht mit der regierungsamtlichen Propaganda und den Sch&ouml;nwettermeldungen in den Medien zusammenpassen wollen. Wir liefern Ihnen auf den NachDenkSeiten nahezu t&auml;glich handfeste Beweise, dass hinter dem sch&ouml;nen Schein dunkle Schatten geworfen werden.<\/p><p>Achten Sie einmal darauf: Die Erfolgsmeldungen, die die Bundesregierung und unsere Kanzlerin verk&uuml;nden, sind in aller Regel, relativ, d.h. bezogen auf andere. Ja, wir stehen im Vergleich zum Niedergang der Wirtschaft, zum Anstieg der Arbeitslosigkeit oder zum Anstieg der Staatsschulden gegen&uuml;ber dem gr&ouml;&szlig;ten Teil unserer europ&auml;ischen Nachbarn besser da.<br>\nDas hei&szlig;t aber noch lange nicht, dass es &bdquo;uns&ldquo; tats&auml;chlich gut geht und schon gar nicht, dass es uns allen nicht besser gehen k&ouml;nnte. <\/p><p>Wie es uns selbst und vor allem wie es unseren angeschlagenen Nachbarn besser gehen k&ouml;nnte, daf&uuml;r hat diese Regierung kein Konzept. Im Gegenteil die deutsche Bundesregierung will allen europ&auml;ischen Staaten die Instrumente aufzwingen, die auch in Deutschland dazu gef&uuml;hrt haben, dass es jedenfalls der gro&szlig;en Masse der Bev&ouml;lkerung in den letzten Jahren schlechter ging und dass ein immer gr&ouml;&szlig;er werdender Teil verarmt. <\/p><p>Das ist auch die Botschaft des Fiskalpakts; er stranguliert langfristig die Wirtschaft und schleift vor allem die sozialstaatlichen Errungenschaften (<a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/meinung\/schuldenkrise-der-groesste-fehler-seit-der-nachkriegszeit,1472602,16130006.html\">Stephan Schulmeister<\/a>) <\/p><p>Die Kanzlerin, aber auch die oppositionelle SPD und die Gr&uuml;nen versuchen den landesinternen Austerit&auml;tskurs den Deutschen selbst dadurch schmackhaft zu machen, indem sie st&auml;ndig darauf verweisen, wie relativ gut es uns doch gehe, gemessen an anderen. Angst n&auml;hrt die Angst.<\/p><p>Angela Merkel schafft es mit dieser &bdquo;Relativit&auml;ts-Propaganda&ldquo; komplett davon abzulenken, wie es besser werden k&ouml;nnte. Man muss mehr und mehr den Eindruck gewinnen, dass der Fiskalpakt und die Durchsetzung von &bdquo;strukturellen Reformen&ldquo; als angebliches Wachstumsmodell (will sagen Lohnsenkung, Deregulierung des Arbeitsmarktes, Privatisierung und des gesamten Katalogs neoliberaler Folterinstrumente) in den europ&auml;ischen Nachbarl&auml;ndern, nur das Ziel haben, die Verschlechterungen, die bei uns schon durchgesetzt wurden und weiter durchgesetzt werden, auf Dauer dadurch zu besch&ouml;nigen, indem man andere L&auml;nder noch weiter ins Verderben treibt. Damit man stets noch als Erfolg der eigenen Politik verk&uuml;nden kann, dass es &bdquo;uns&ldquo; relativ besser geht.<\/p><p>Diese Strategie  zur Erhaltung der politischen Macht, n&auml;mlich eines Relativismus von Wahrheiten, der letztlich eine gescheiterte Ideologie verdecken soll, mag so lange verfangen, bis bei diesem politischen Sturzflug der schreckliche Aufprall auf dem Boden der Realit&auml;t erfolgt. <\/p><p>Das Jahr 1930 mit dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise aufgrund der damaligen Austerit&auml;tspolitik sollte eigentlich Warnung genug sein. Schon einmal hat sich die Demokratie selbst umgebracht, weil eine Wirtschaftspolitik betrieben wurde, die nur zum Absturz f&uuml;hren konnte.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn man Politik in ein Bild fassen will, wird die Wirklichkeit immer &uuml;berzeichnet, doch wenn ich diesen Versuch machen m&uuml;sste, so fiele mir f&uuml;r den politischen Kurs von Angela Merkel und der Bundesregierung gegen&uuml;ber den europ&auml;ischen Nachbarl&auml;ndern folgendes Bild ein:<br \/> Angela Merkel ist aus der Beletage im obersten Stockwerk eines lichterloh brennenden europ&auml;ischen Hauses gesprungen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13380\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[22,205,11],"tags":[423,315,288],"class_list":["post-13380","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-europaische-union","category-neoliberalismus-und-monetarismus","category-strategien-der-meinungsmache","tag-austeritaetspolitik","tag-merkel-angela","tag-prekaere-beschaeftigung"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13380","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=13380"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13380\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13407,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13380\/revisions\/13407"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=13380"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=13380"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=13380"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}