{"id":133875,"date":"2025-06-02T09:00:06","date_gmt":"2025-06-02T07:00:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=133875"},"modified":"2025-06-02T15:57:10","modified_gmt":"2025-06-02T13:57:10","slug":"zivil-militaerisches-testfeld-gaza","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=133875","title":{"rendered":"Zivil-milit\u00e4risches Testfeld Gaza"},"content":{"rendered":"<p>Mit der Humanit&auml;ren Gaza-Stiftung versuchen Israel und die USA erneut, ihre zivil-milit&auml;rischen Pl&auml;ne im Gazastreifen umzusetzen. Doch wieder gelingt es nicht. Am ersten offiziellen Arbeitstag (Dienstag, 27.5.2025) verloren die Organisatoren angesichts einer aufgebrachten, hungrigen Menschenmenge die Kontrolle. Die amerikanischen Helfer h&auml;tten sich zur&uuml;ckgezogen, berichtete das israelische Nachrichtenportal <em>ynetnews.org<\/em>. Ein Verteilzentrum in Rafah soll gepl&uuml;ndert worden sein. Aus israelischen Hubschraubern und von der israelischen Artillerie sei geschossen worden, <a href=\"https:\/\/www.ynetnews.com\/article\/bke1xsxgxe#autoplay\">berichteten zahlreiche Medien<\/a>. Aus Kreisen von Hilfsorganisationen <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/ausschreitungen-bei-verteilung-von-hilfsguetern-100.html\">wurden Zweifel laut<\/a>, ob &uuml;berhaupt Hilfsg&uuml;ter verteilt worden seien. Von<strong> Karin Leukefeld<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8602\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-133875-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250602b-Testfeld-Gaza-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250602b-Testfeld-Gaza-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250602b-Testfeld-Gaza-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250602b-Testfeld-Gaza-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=133875-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250602b-Testfeld-Gaza-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250602b-Testfeld-Gaza-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Zivil-milit&auml;risches Testfeld Gaza<\/strong><\/p><p>Es ist das dritte Konzept, mit dem Israel &ndash; mit US-Unterst&uuml;tzung &ndash; versucht, die Menschen im Gazastreifen mit dem N&ouml;tigsten zu versorgen, w&auml;hrend der Krieg weitergeht. Die israelische Armee bombardiert weiter von See, zu Boden und aus der Luft und Besatzungstruppen r&uuml;cken immer weiter in den pal&auml;stinensischen K&uuml;stenstreifen vor. T&auml;glich werden Dutzende Pal&auml;stinenser get&ouml;tet: Alte, Kinder, Frauen, Kranke. Die Zahl der Toten ist nach offiziellen pal&auml;stinensischen Angaben auf &uuml;ber 54.000 gestiegen, tausende Tote liegen unter den Tr&uuml;mmern und k&ouml;nnen nicht geborgen werden. Denn die israelischen Angriffe gehen weiter. Und weiter gehen auch die Waffenlieferungen, die von den engsten Verb&uuml;ndeten Israels, aus den USA und Deutschland, weiter geliefert werden.<\/p><p><strong>Waffen f&uuml;r Israel, leere Worte f&uuml;r die Pal&auml;stinenser<\/strong><\/p><p>Bis heute wiederholen deutsche Politiker und Medien, dass Israel das &bdquo;Recht auf Selbstverteidigung&ldquo; habe und seine B&uuml;rger sch&uuml;tzen m&uuml;sse. W&auml;hrend Hunderttausende in Deutschland und in europ&auml;ischen L&auml;ndern rund um Deutschland fordern, die Waffenlieferungen an Israel zu stoppen und das Handelsabkommen zwischen der EU und Israel zur &Uuml;berpr&uuml;fung auszusetzen, beansprucht die Bundesregierung weiterhin, eine Sonderrolle im Verh&auml;ltnis zu Israel zu haben. Die &bdquo;Staatsr&auml;son&ldquo; bedeute, dass Deutschland eine Schutzverantwortung f&uuml;r Israel habe und &bdquo;fest an der Seite&ldquo; Israels stehe. Und dazu geh&ouml;re eben auch, Waffen zu liefern.<\/p><p>Bundeskanzler Friedrich Merz sp&uuml;rt wohl den Wind, der ihm mancherorts entgegenbl&auml;st und vermutlich haben auch juristische Regierungsberater hinter verschlossenen T&uuml;ren darauf hingewiesen, dass der deutsche Staat f&uuml;r das, was den Pal&auml;stinensern und ihrem Land auch mit deutschen Waffen und mit deutschem Geld angetan wird, eines Tages juristisch zur Rechenschaft gezogen werden k&ouml;nnte. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag untersucht die von S&uuml;dafrika gegen Israel eingereichte Klage wegen des Verdachts auf V&ouml;lkermord an den Pal&auml;stinensern und gegen zwei hochrangige israelische Politiker &ndash; Benjamin Netanyahu und Yoav Gallant &ndash; wurde ein Haftbefehl ausgestellt.<\/p><p>Noch vor wenigen Wochen wollte Merz den israelischen Staatschef Netanyahu dennoch nach Deutschland einladen, ohne dass er festgenommen werden sollte. Doch nun <a href=\"https:\/\/www1.wdr.de\/nachrichten\/merz-europaforum-israel-kritik-100.html\">sagte Merz<\/a>, &bdquo;die Zivilbev&ouml;lkerung derart in Mitleidenschaft zu nehmen, wie das in den letzten Tagen immer mehr der Fall gewesen ist, l&auml;sst sich nicht mehr mit einem Kampf gegen den Terrorismus der Hamas begr&uuml;nden&rdquo;. Er habe Netanyahu in den vergangenen zwei Jahren zwei Mal getroffen und ihm hinter verschlossenen T&uuml;ren gesagt, &bdquo;&uuml;bertreibt&rsquo;s nicht!&ldquo; Die israelische Regierung d&uuml;rfe nichts tun, &bdquo;was nun irgendwann ihre besten Freunde nicht mehr bereit sind, zu akzeptieren&rdquo;. Humanit&auml;re Hilfe m&uuml;sse endlich die Menschen in Gaza erreichen.<\/p><p><strong>Den Feind ausschalten<\/strong><\/p><p>&bdquo;Schaltet den Feind jetzt aus! Heute ist unser Pearl Harbour. Wir werden unsere Hausaufgaben machen, jetzt gibt es nur ein Ziel: Nakba!&ldquo; Diese markigen Worte <a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.middleeastmonitor.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/20231007-Ariel-Kallner.png?ssl=1\">ver&ouml;ffentlichte Ariel Kallner<\/a>, ein Abgeordneter der Likud-Partei in der israelischen Knesset, am 7. Oktober 2023 &uuml;ber seinen X-Kanal.<\/p><p>Die neue Nakba werde &bdquo;die Nakba von (19)48 in den Schatten stellen&ldquo;, verk&uuml;ndete der damals 43-j&auml;hrige Rechtsau&szlig;en der Likud-Partei. &bdquo;Nakba in Gaza und Nakba gegen jeden, der es wagt, sich (den Pal&auml;stinensern, KL) anzuschlie&szlig;en. Ihre Nakba. Denn wie damals ist die Alternative klar.&ldquo; Kallner wei&szlig;, wovon er spricht. Schon als Student hatte er gegen die R&auml;umung der Siedlungen im Gaza-Streifen protestiert, am 7. Oktober 2023 forderte er die ethnische S&auml;uberung des Pal&auml;stinensergebietes.<\/p><p>Unterst&uuml;tzung erhielt Kallner von seinem Parteikollegen und Landwirtschaftsminister Avi Dichter wenig sp&auml;ter. Als Dichter von einem Journalisten am 12. November 2023 <a href=\"https:\/\/www.haaretz.com\/israel-news\/2023-11-12\/ty-article\/israeli-security-cabinet-member-calls-north-gaza-evacuation-nakba-2023\/0000018b-c2be-dea2-a9bf-d2be7b670000\">gefragt wurde<\/a>, ob man die Bilder der Vertreibung der Bewohner des n&ouml;rdlichen Gazastreifens mit den Bildern der Nakba vergleichen k&ouml;nne, antwortete er: &bdquo;Wir sind gerade dabei, die Nakba von Gaza vorzuf&uuml;hren. Aus operativer Sicht ist es unm&ouml;glich, einen Krieg zu f&uuml;hren, wie es die israelische Armee gerade in Gaza versucht&ldquo;, so Dichter. &bdquo;Wenn sich zwischen den Panzern und den Soldaten Menschenmassen befinden.&ldquo; Als der Journalist nachfragte, ob es sich um eine &bdquo;Gaza-Nakba 2&ldquo; handele, stimmte Dichter zu: &bdquo;Gaza-Nakba 2023. Darauf l&auml;uft es hinaus.&ldquo; Avi Dichter ist nicht irgendein Politiker, er geh&ouml;rte dem Sicherheitskabinett an und war Leiter des israelischen Inlandsgeheimdienstes Shin Bet. Er wusste also seit Jahren, wie es um Gaza bestellt war und was dort vor sich ging.<\/p><p>Die sogenannten &bdquo;Hardliner&ldquo; in Israel nehmen bis heute kein Blatt vor den Mund, wenn es um die Vertreibung der Pal&auml;stinenser geht, um die Ausl&ouml;schung pal&auml;stinensischen Lebens in Gaza, im Westjordanland oder in Ostjerusalem. Deutlich war von Anfang an der Ruf nach der Vertreibung und Vernichtung der nahezu schutzlosen Bev&ouml;lkerung im Gazastreifen zu h&ouml;ren. Doch Deutschland und die USA schraubten ihre Waffenlieferungen in schwindelerregende H&ouml;hen, die israelischen Streitkr&auml;fte feuerten, was sie hatten. Sie feuerten aus der Luft, vom Boden und vom Meer bis zu 2.000 Pfund schwere bunker-brechende Bomben beispielsweise auf das Fl&uuml;chtlingslager Jabalia. Nicht ein, sondern zwei Mal, und sie t&ouml;teten im November 2023 mehr als 100 Menschen an einem Tag.<\/p><p><strong>UNRWA: Eine Terrororganisation?<\/strong><\/p><p>Es gibt viele Arten zu t&ouml;ten und Israel nutzt gegen den Gazastreifen seit 2007 die Waffe der Blockade. Auch im Krieg seit dem 7. Oktober 2023 sollen Nahrungsmittel, Wasser, Treibstoff zum Betreiben von Generatoren, Medikamente und vieles mehr die Menschen nicht erreichen. Vor dem Grenz&uuml;bergang Rafah im s&uuml;dlichen Gazastreifen stehen auf der &auml;gyptischen Seite kilometerlange Schlangen von Lastwagen, die Israel nicht passieren l&auml;sst. Die Hamas bereichere sich an den Hilfspaketen, behauptet Israel. Die Hamas stehle die Hilfsg&uuml;ter aus den Depots und verkaufe sie, um Geld f&uuml;r Waffen zu bekommen. Die UNRWA, die UN-Organisation f&uuml;r die Unterst&uuml;tzung der pal&auml;stinensischen Fl&uuml;chtlinge, besch&auml;ftige &bdquo;Hamas-Terroristen&ldquo;, sei an dem Angriff der Pal&auml;stinenser am 7. Oktober 2023 beteiligt gewesen und stecke &bdquo;mit der Hamas unter einer Decke&ldquo;. Belege f&uuml;r die Behauptung gibt es nicht.<\/p><p>Der israelische Zorn gegen die <a href=\"https:\/\/www.unrwa.org\/who-we-are\">UNRWA<\/a> hat Geschichte. Die Gr&uuml;ndung der Organisation ist eng mit der Nakba, der gewaltsamen Vertreibung der Pal&auml;stinenser, verbunden. Die UNRWA h&auml;tte es wohl nie gegeben, w&auml;ren die Pal&auml;stinenser nicht von den zionistischen Milizen von ihrem Grund und Boden vertrieben worden. Aufgabe der UNRWA ist, die Menschen und deren Angeh&ouml;rige zu versorgen, die im Zuge der israelischen Staatsgr&uuml;ndung in ihren D&ouml;rfern ermordet oder aus ihrer Heimat vertrieben worden waren. Die Existenz der UNRWA erinnert auch den Staat Israel t&auml;glich daran, dass die Pal&auml;stinenser Rechte haben, dass sie ein Recht auf R&uuml;ckkehr in ihre Heimat haben und das Recht auf ihren Staat. Rechte, die der Staat Israel seit seiner Gr&uuml;ndung den Pal&auml;stinensern versagt.<\/p><p>Im Herbst 2024 <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/parlament-stimmt-ueber-einstufung-von-unrwa-als-terror-organisation-ab-100.html\">erkl&auml;rte das israelische Parlament<\/a>, die Knesset, die UNRWA zu einer &bdquo;Terror&ldquo;-Organisation und verbot deren Arbeit in von Israel kontrollierten Gebieten.<\/p><p>Niemand durfte mit UNRWA weiter kooperieren. Ihr Hauptquartier wurde beschlagnahmt, in Gaza wurden hunderte UNRWA-Schulen, Kinderg&auml;rten, Kliniken, Lagerhallen und Geb&auml;ude zerbombt. Die israelischen Angriffe auf die UNRWA gingen einher mit der Aufforderung an internationale Geberl&auml;nder, kein Geld mehr an die UNRWA zu zahlen. Viele Staaten, auch Deutschland, stellten ihre Zahlungen ganz oder vor&uuml;bergehend ein. Die israelischen Luftangriffe auf UN-Einrichtungen versch&auml;rften sich. Im Oktober 2024 <a href=\"https:\/\/news.un.org\/en\/story\/2024\/11\/1157371\">erkl&auml;rte das UN-B&uuml;ro f&uuml;r die humanit&auml;re Hilfe<\/a> (OCHA), dass 281 UN-Mitarbeiter bei israelischen Angriffen im Gazastreifen get&ouml;tet worden waren.<\/p><p><strong>Eine humanit&auml;re Luftbr&uuml;cke<\/strong><\/p><p>Parallel zu den israelischen Angriffen auf die UNRWA-Einrichtungen und zur Diffamierung der UN suchte die israelische Regierung nach einer Alternative zur humanit&auml;ren UN-Arbeit. Insbesondere suchte Israel eine Ersatzorganisation f&uuml;r die UNRWA, um die Pal&auml;stinenser zu versorgen. Als Finanziers einer Alternative boten sich die EU und EU-Kommissionspr&auml;sidentin Ursula von der Leyen und die USA an, die ihrem strategischen Partner Israel &ndash; dem W&auml;chter ihrer Interessen im Nahen und Mittleren Osten &ndash; zur Seite stehen wollten.<\/p><p>Im M&auml;rz 2024 starteten zahlreiche L&auml;nder &ndash; <a href=\"https:\/\/www.zdfheute.de\/politik\/ausland\/bundeswehr-luftwaffe-gaza-hilfslieferungen-100.html\">auch Deutschland<\/a> &ndash; eine Art Luftbr&uuml;cke und warfen aus Milit&auml;rmaschinen Hilfspakete &uuml;ber dem Gazastreifen ab. Die von Jordanien koordinierte und durchgef&uuml;hrte Operation wirkte eher wie eine zivil-milit&auml;rische &Uuml;bung. Die Verteilung vor Ort wurde nicht organisiert, die abgeworfenen Hilfslieferungen landeten ungenau &ndash; auch auf Menschen oder im Wasser &ndash; und wurden von denen geborgen, die zuerst an Ort und Stelle waren. Hilfsorganisationen, die seit Jahren mit der UNO und dem IKRK in Gaza die Versorgung der Bev&ouml;lkerung durchf&uuml;hrten, kritisierten die Operation als teuer, aufwendig und nicht praktikabel.<\/p><p><strong>Ein humanit&auml;rer Pier<\/strong><\/p><p>Etwa zeitgleich <a href=\"https:\/\/www.timesofisrael.com\/us-military-completes-installation-of-gaza-pier-aid-to-start-flowing-within-days\/\">begannen<\/a> die USA mit der Planung eines Landepiers vor der K&uuml;ste von Gaza. Das offizielle Ziel war, Hilfsg&uuml;ter &ndash; die auch von der Europ&auml;ischen Kommission finanziert waren &ndash; aus der Republik Zypern per Schiff &uuml;ber den US-Pier am Strand von Gaza anzulanden. Die Konstruktion wurde in Kooperation mit COGAT durchgef&uuml;hrt, einer Abteilung im israelischen Verteidigungsministerium, die f&uuml;r die Zivilangelegenheiten in den (besetzten) pal&auml;stinensischen Gebieten zust&auml;ndig ist.<\/p><p>Nach etwa zwei Monaten Konstruktionsarbeit nahm der Pier Mitte Mai 2024 die Arbeit auf. An Land wurde eine milit&auml;rische Sicherheitszone eingerichtet. Israelische Soldaten und US-Sicherheitskr&auml;fte sollten die Hilfsg&uuml;ter l&ouml;schen und in Lagerh&auml;usern stapeln, wo sie an die US-amerikanische <a href=\"https:\/\/wck.org\/\"><em>Zentrale Weltk&uuml;che<\/em><\/a> &uuml;bergeben werden sollten. Die Aufgabe dieser Organisation war, die Versorgung der Bev&ouml;lkerung in Gaza zu &uuml;bernehmen, damit die UNRWA ausgegrenzt werden konnte. Nachdem sieben Mitarbeiter der Organisation bei einem israelischen Angriff <a href=\"https:\/\/www.thenewhumanitarian.org\/news\/2024\/04\/02\/gaza-world-central-kitchen-killings-add-record-aid-death-toll\">get&ouml;tet wurden<\/a>, stellte die Organisation ihre Arbeit in Gaza ein.<\/p><p>Der Pier <a href=\"https:\/\/www.middleeastmonitor.com\/20240608-israel-retrieves-4-hostages-alive-from-central-gaza-strip\/\">musste<\/a> wegen schlechtem Wetter und starkem Sturm wiederholt die Arbeit einstellen. Im Juni 2024 wurde das Gel&auml;nde um den Pier genutzt, um vier befreite Geiseln per Hubschrauber auszufliegen.<\/p><p>Mitte Juli 2024 <a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/news\/2024\/7\/11\/us-set-to-wind-down-gaza-pier-operations\">wurde<\/a> der US-Pier komplett wieder abgebaut. Die Versorgung der Bev&ouml;lkerung von Gaza mit Hilfsg&uuml;tern wurde erneut von UNRWA und dem Weltern&auml;hrungsprogramm &uuml;bernommen. Die Angriffe auf die Hilfsorganisationen nahmen weiter zu.<\/p><p><strong>Israel bricht die Waffenruhe<\/strong><\/p><p>Am 19. Januar 2025 begann eine Waffenruhe, die aus zun&auml;chst drei Phasen bestehen sollte. Der <a href=\"https:\/\/unric.org\/de\/gaza-sicherheitsrat-unterstuetzt-plan-fuer-waffenruhe\/\">Plan<\/a> wurde vom UN-Sicherheitsrat per Resolution unterst&uuml;tzt. Die UNRWA und andere UN-Organisationen nahmen ihre Arbeit im Gazastreifen wieder auf. Bis zu 600 Lastwagen <a href=\"https:\/\/www.unrwa.org\/newsroom\/news-releases\/gaza-strip-phase-one-lifesaving-ceasefire-draws-end-unrwa-reaches-2-million\">erreichten<\/a> die UN-Lagerh&auml;user t&auml;glich und wurden von dort zu anderen Verteilzentren gebracht. W&ouml;chentlich wurden israelische Gefangene aus dem Gaza-Streifen freigelassen und im Gegenzug kamen pal&auml;stinensische Gefangene frei. Bulldozer und schweres Ger&auml;t erreichten den K&uuml;stenstreifen, die Menschen begannen, die Toten zu bergen.<\/p><p>Kurz nach dem Ende der ersten Phase erkl&auml;rte Israel, die n&auml;chste Phase der Vereinbarung nicht einhalten zu wollen. Die Rhetorik gegen die Bev&ouml;lkerung im Gaza-Streifen versch&auml;rfte sich, der israelische Au&szlig;enminister Israel Katz forderte von den Menschen, die israelischen Geiseln freizulassen und die Hamas zu verjagen. Die USA unterst&uuml;tzten Israel und schlugen eine andere Regelung vor als die, auf sich die beiden Seiten nach Monaten von Verhandlungen geeinigt hatten. Die Hamas lehnte ab und beharrte auf der urspr&uuml;nglichen Drei-Phasen-Vereinbarung. Am 2. M&auml;rz trat erneut eine Blockade gegen den Gazastreifen in Kraft, die bis heute anh&auml;lt. Am 18. M&auml;rz wurden die Angriffe der israelischen Armee mit gro&szlig;er Wucht wieder aufgenommen, nach nur einem Tag meldeten die pal&auml;stinensischen Gesundheitsbeh&ouml;rden mehr als 400 Tote. Benjamin Netanyahu erkl&auml;rte, das sei &bdquo;erst der Anfang&ldquo;.<\/p><p><strong>Die Humanit&auml;re Gaza-Stiftung<\/strong><\/p><p>Seit mehr als einem Jahr hatten Israel und die USA an einer Organisation gearbeitet, die im Mai offiziell in Genf vorgestellt wurde: Die private Humanit&auml;re Gaza-Stiftung (Gaza Humanitarian Foundation, GHF). Die Stiftung wird von der UN und allgemein von Hilfsorganisationen scharf kritisiert, weil sie sich dem erkl&auml;rten israelischen Plan anpasst, die Pal&auml;stinenser aus dem Gazastreifen zu vertreiben.<\/p><p>Die GHF <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/articles\/cev41em3r9lo\">begann<\/a> mit ihrer Arbeit am vergangenen Dienstag (27.5.2025). Die Hilfspakete sollten in der Stadt Rafah verteilt werden. Die Organisation arbeitet mit bewaffneten privaten US-amerikanischen Sicherheitskr&auml;ften. Ein UN-Sprecher erkl&auml;rte, die Sache sei lediglich eine &bdquo;Ablenkung von dem, was n&ouml;tig ist&ldquo;. Er forderte, dass Israel umgehend alle Grenz&uuml;berg&auml;nge f&uuml;r die Lastwagen mit Hilfslieferungen &ouml;ffnet, die in langen Schlangen dort warteten. Die UN und mit ihr kooperierende internationale Hilfsorganisationen lehnen es ab, mit GHF zusammenzuarbeiten. Die Organisation orientiere sich nicht an humanit&auml;ren Prinzipien und mache humanit&auml;re &bdquo;Hilfe zu einer Waffe&ldquo;.<\/p><p>Die &uuml;berwiegende Zahl der Menschen in Gaza seien ausgeschlossen, wenn sie keine Transportm&ouml;glichkeiten h&auml;tten, wenn sie krank oder behindert seien, Witwen, die ihre Kinder allein lassen m&uuml;ssten und Menschen aus dem Norden des Gazastreifens, die lange Strecken zur&uuml;cklegen m&uuml;ssten, um die Verteilzentren zu erreichen und nicht zur&uuml;ckkehren k&ouml;nnten. Die Hilfe werde mit politischen und milit&auml;rischen Zielen verbunden, die Menschen aus ihren Wohngebieten zu vertreiben und in bestimmten Gebieten, sogenannten Sicherheitszonen, &bdquo;zu konzentrieren&ldquo;. Das Vorgehen solle international neue Ma&szlig;st&auml;be setzen, die Kriegszielen untergeordnet w&uuml;rden.<\/p><p><strong>Komplettl&ouml;sungen f&uuml;r Kriegsgebiete<\/strong><\/p><p>Die GHF ist ein Projekt der &bdquo;gemeinn&uuml;tzigen Organisation&ldquo; <a href=\"https:\/\/fogbow.com\/\">Fogbow<\/a>, die &bdquo;humanit&auml;ren Zugang und Eins&auml;tze in schwierigen Umgebungen erm&ouml;glicht&ldquo;. Die Teams operieren aktuell in Gaza und im Sudan und k&ouml;nnen auf Erfahrungen im &bdquo;humanit&auml;ren, privaten und milit&auml;rischen Bereich&ldquo; zur&uuml;ckgreifen. &bdquo;Wir bieten Komplettl&ouml;sungen f&uuml;r komplexe logistische Herausforderungen&ldquo;, hei&szlig;t es in der Selbstdarstellung auf der Webseite der Organisation.<\/p><p>Fogbow wird von ehemaligen Milit&auml;rs und CIA-Mitarbeitern geleitet und war bereits an der Planung des humanit&auml;ren Piers beteiligt, der von der US-Marine an der K&uuml;ste des Gazastreifens betrieben wurde. Beraten wird Fogbow vom ehemaligen Leiter des Weltern&auml;hrungsprogramms, David Beasley, hei&szlig;t es in einem Bericht des Internetportals <em>The New Humanitarian<\/em>.<\/p><p>Unmittelbar vor Beginn der Verteilung von Hilfsg&uuml;tern am Verteilzentrum Rafah <a href=\"https:\/\/www.palestinechronicle.com\/blow-to-israel-backed-aid-plan-as-gaza-humanitarian-foundation-head-resigns\/\">trat<\/a> der Leiter von GHF, der US-Milit&auml;r-Veteran Jake Wood, von seinem Posten zur&uuml;ck. Die Stiftung versto&szlig;e gegen humanit&auml;re Grunds&auml;tze, sagte Wood gegen&uuml;ber dem US-Nachrichtensender <em>CNN<\/em>. Die Hilfe f&uuml;r den belagerten Gazastreifen m&uuml;sse deutlich ausgeweitet werden. Er werde von den humanit&auml;ren Grunds&auml;tzen &ndash; Menschlichkeit, Neutralit&auml;t, Unparteilichkeit und Unabh&auml;ngigkeit nicht abweichen. Es sei &bdquo;klar, dass es nicht m&ouml;glich ist, diesen Plan umzusetzen und gleichzeitig&ldquo; diese Grunds&auml;tze einzuhalten.<\/p><p><small>Titelbild: Anas-Mohammed\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit der Humanit&auml;ren Gaza-Stiftung versuchen Israel und die USA erneut, ihre zivil-milit&auml;rischen Pl&auml;ne im Gazastreifen umzusetzen. Doch wieder gelingt es nicht. Am ersten offiziellen Arbeitstag (Dienstag, 27.5.2025) verloren die Organisatoren angesichts einer aufgebrachten, hungrigen Menschenmenge die Kontrolle. Die amerikanischen Helfer h&auml;tten sich zur&uuml;ckgezogen, berichtete das israelische Nachrichtenportal <em>ynetnews.org<\/em>. Ein Verteilzentrum in Rafah soll gepl&uuml;ndert worden<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=133875\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":133880,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,126,20,171],"tags":[302,1917,822,2222,1557,783,849,3545,303,2374,639,1556,2377,3553,2360],"class_list":["post-133875","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-erosion-der-demokratie","category-landerberichte","category-militaereinsaetzekriege","tag-gaza","tag-genozid","tag-hamas","tag-humanitaere-hilfe","tag-israel","tag-merz-friedrich","tag-nahrungsmittel","tag-nakba","tag-palaestina","tag-staatsraeson","tag-uno","tag-usa","tag-waffenlieferungen","tag-waffenruhe","tag-zivile-opfer"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/shutterstock_2619304853.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/133875","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=133875"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/133875\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":133914,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/133875\/revisions\/133914"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/133880"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=133875"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=133875"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=133875"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}