{"id":133949,"date":"2025-06-03T11:00:37","date_gmt":"2025-06-03T09:00:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=133949"},"modified":"2025-06-03T11:25:24","modified_gmt":"2025-06-03T09:25:24","slug":"um-die-russische-aggression-abzuwehren-london-verkuendet-massiven-ausbau-der-u-boot-flotte-sowie-produktion-von-neuen-atomsprengkoepfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=133949","title":{"rendered":"\u201eUm die russische Aggression abzuwehren\u201c &#8211; London verk\u00fcndet massiven Ausbau der U-Boot-Flotte sowie Produktion von neuen Atomsprengk\u00f6pfen"},"content":{"rendered":"<p>Gro&szlig;britannien will seine nuklear betriebene U-Boot-Flotte ausbauen, wie die Regierung in London im Vorfeld einer &Uuml;berpr&uuml;fung des Verteidigungssektors verlautbaren lie&szlig;. Es geht dabei um Jagd-U-Boote zur Bek&auml;mpfung anderer Schiffe. &bdquo;Mit neuen hochmodernen U-Booten, die in internationalen Gew&auml;ssern patrouillieren, und unserem eigenen Atomsprengkopfprogramm an der britischen K&uuml;ste machen wir Gro&szlig;britannien zu Hause sicher und im Ausland stark&ldquo;, schrieb Verteidigungsminister John Healey in einer Erkl&auml;rung und erg&auml;nzte weiter: &bdquo;Wir wissen, dass die Bedrohungen zunehmen und wir entschlossen handeln m&uuml;ssen, um die russische Aggression abzuwehren.&ldquo; Von <strong>Ramon Schack<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Ersatz f&uuml;r derzeitige Flotte<\/strong><\/p><p>Nach aktuellem Stand wird London bis zu zw&ouml;lf U-Boote der n&auml;chsten Generation bauen, die nuklear angetrieben werden und konventionelle, nichtnukleare Waffen tragen k&ouml;nnen. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums soll dadurch die derzeitige Flotte von sieben U-Booten Ende 2030 ersetzt werden. Bei den erw&auml;hnten neuen U-Booten handelt es sich um ein Modell, welches von Gro&szlig;britannien, den USA und Australien im Rahmen der als AUKUS bekannten Sicherheitspartnerschaft gemeinsam entwickelt wurde.<\/p><p>Zus&auml;tzlich plant die Regierung zudem mit Ausgaben in H&ouml;he von 15 Milliarden Pfund (rund 18 Milliarden Euro) f&uuml;r britische Programme zur Herstellung von Atomsprengk&ouml;pfen. Die weiteren Pl&auml;ne umfassen den Bau von mindestens sechs neuen Munitionsfabriken, die Beschaffung von bis zu 7.000 Langstreckenwaffen und die Einf&uuml;hrung neuer Technologie- und Cybersysteme zur besseren Vernetzung der Streitkr&auml;fte im Ernstfall. Die britischen Streitkr&auml;fte sollen bis 2035 zehnmal schlagkr&auml;ftiger sein, sagte Keir Starmer. Bereit zu sein, den &bdquo;Frieden durch St&auml;rke&ldquo; zu sichern, sei der wirksamste Weg, Staaten abzuschrecken, die Gro&szlig;britannien direkt bedrohen.<\/p><p><strong>R&uuml;ckgriff auf alte Denkschulen<\/strong><\/p><p>Diese Strategie erscheint wie ein R&uuml;ckgriff auf Denkschulen, die schon im 19. Jahrhundert popul&auml;r waren und an den Instituten des Empires gelehrt wurden.<\/p><p>Es war der damals f&uuml;hrende britische Politiker Benjamin Disraeli, zweimal sogar im Amt des Premierministers, welcher das britische Weltreich &ouml;ffentlich eher als eine asiatische Macht definierte denn als eine europ&auml;ische.<\/p><p>Disraeli bezog sich zu seiner Zeit, also Mitte des 19. Jahrhunderts, als britische Seeleute ihren Finger in den Ozean tauchten, flankiert von der Aussage &bdquo;Tastes salty &ndash; must be British&ldquo;, (&bdquo;Schmeckt salzig, muss also britisch sein&ldquo;), auf die Herrschaft Londons &uuml;ber den indischen Subkontinent. 1876 verband Disraeli sogar den Titel der K&ouml;nigin von England mit dem der Kaiserin von Indien, ab diesem Zeitpunkt der offizielle Titel Ihrer Majest&auml;t. Derselbe Politiker hatte schon 1847 in seinem Roman &bdquo;Tancred&ldquo; die Idee propagiert, die K&ouml;nigin von England sollte nach Indien umziehen. In dem erw&auml;hnten Roman hei&szlig;t es:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die K&ouml;nigin soll eine gro&szlig;e Flotte sammeln und mit ihrem ganzen Hof und der ganzen f&uuml;hrenden Schicht ausziehen und den Sitz ihres Reichs von London nach Delhi verlegen. Dort wird sie ein ungeheures, fertiges Reich finden, eine erstklassige Armee und gro&szlig;e Eink&uuml;nfte.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Die Insel geh&ouml;rte noch nie zum Kontinent<\/strong><\/p><p>Benjamin Disraeli brachte mit diesen Worten zum Ausdruck, was zu jener Zeit von vielen Bewohnern des Empires &auml;hnlich empfunden wurde, n&auml;mlich dass das britische Mutterland, die Insel, aufgrund der gewaltigen geographischen Ausdehnung des Weltreiches &ndash; &uuml;ber Kontinente und maritime Weiten hinweg &ndash; kein Bestandteil Europas mehr war und auch nicht mehr mit dessen Schicksal verbunden sei. Viel eher glich dieses Gebiet, in dem die Sonne nicht mehr unterging, einem Schiff, welches den Anker lichten und in einem Erdteil vor Anker gehen kann. Einige Jahrzehnte sp&auml;ter, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, propagierte der amerikanische Admiral Mahan gar eine Wiedervereinigung des Vereinigten K&ouml;nigreiches mit den USA, freilich unter der Vorherrschaft Washingtons. Entscheidend war f&uuml;r Mahan dabei, dass die angels&auml;chsische Herrschaft &uuml;ber die Meere aufrechterhalten werden muss, bis weit in das 20. Jahrhundert hinein. W&auml;hrend ein Politiker wie Disraeli die Verlagerung des britischen Weltreiches nach Asien propagierte, warb der amerikanische Admiral f&uuml;r einen Auszug nach Amerika.<\/p><p><strong>Sehnsucht nach der alten Seemacht<\/strong><\/p><p>So unterschiedlich die Motive, das Selbstverst&auml;ndnis sowie der historische Hintergrund beider Thesen auch sein m&ouml;gen, so sind diese doch Ausdruck des Selbstverst&auml;ndnisses des britischen Reiches als maritime Macht mit globalem Anspruch.<\/p><p>Was haben diese historischen Betrachtungen mit der aktuellen Aufr&uuml;stungsdebatte zu tun? Sicherlich, die Thesen von Mahan und Disraeli entstammen schon aus einer fernen Historie, das Empire existiert nicht mehr, ist auf ein paar Fetzen geschrumpft, verstreut in Form von entlegenen Inseln auf allen Weltmeeren.<\/p><p><strong>R&uuml;ckblick<\/strong><\/p><p>Nach der Schlacht von Waterloo, als Napoleon &ndash; immerhin nach einem 20-j&auml;hrigen Krieg &ndash; besiegt wurde, begann die Epoche der unbestrittenen Seeherrschaft Englands, welche Mitte des 19. Jahrhunderts ihren H&ouml;hepunkt erreichte, wodurch auch das Zeitalter des globalen Freihandels begann.<\/p><p>Diese Zeit des Freihandels war auch die Zeit der freien Entfaltung der wirtschaftlichen und milit&auml;rischen &Uuml;berlegenheit Englands, welche nur in den seltensten F&auml;llen durch &bdquo;Fair Play&ldquo; erreicht wurde. Freies Meer und freier Weltmarkt verbanden sich zu einer Vision, als deren H&uuml;ter und Tr&auml;ger nur England beziehungsweise dessen Weltreich in Frage kommen konnte.<\/p><p>Um diese Zeit erreichten auch die kulturelle Ausstrahlung und die Bewunderung des englischen Vorbildes ihren globalen H&ouml;hepunkt. Es darf diesbez&uuml;glich nicht verwundern, dass die Vertreter dieser Strategie in London und andernorts bei aller ideologischen und parteipolitischen Heterogenit&auml;t zumindest unterbewusst, h&auml;ufig auch demonstrativ die Sehnsucht nach dieser Zeit propagieren, &bdquo;when Britannia ruled the waves&ldquo;, als &bdquo;Britannien die Wellen beherrschte&ldquo;.<\/p><p><strong>Ausblick<\/strong><\/p><p>Allerdings sind diese Zeiten vorbei, und selbst die &bdquo;Special Relations&rdquo; mit den USA sind momentan auf Sparflamme. Stattdessen ist London gezwungen, mit Paris und Br&uuml;ssel gemeinsame Strategien zu entwickeln, aber nicht als Senior Partner. Dass es sich hierbei um eine von Nostalgie getragene Utopie handelt, die mit den aktuellen politischen Gegebenheiten nur sehr bedingt etwas zu tun hat, macht Gro&szlig;britanniens nuklearen Wellenritt nicht ungef&auml;hrlicher.<\/p><p><small>Titelbild: Mit KI (Grok) generiertes Symbild<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gro&szlig;britannien will seine nuklear betriebene U-Boot-Flotte ausbauen, wie die Regierung in London im Vorfeld einer &Uuml;berpr&uuml;fung des Verteidigungssektors verlautbaren lie&szlig;. 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